Montag, 23. September 2013

Es ist nicht nur das Rad

Da ich schon einige Male von Freunden, die mit dem Rennradfahren anfangen wollten um Rat gebeten wurde, welches Rennrad sie sich denn kaufen sollen, dachte ich mir, ich schreibe es mal auf.

Es gäbe jetzt noch zu besprechen ob ein Rennrad überhaupt die beste Wahl ist, aber gehen wir mal davon aus, dass wir das schon geklärt haben. Allerdings ist mit dem Rad noch lange nicht Schluss. Zum Radfahren braucht's noch eine Menge zusätzliches Equipment. Schuhe, Helm, Kleider, Werkzeug. Dazu später mehr.

Zunächst stellt sich die Frage nach dem Budget, nach dem Typ des Rennrades (Triathlonrad, Aerorad, normales Rennrad) nach neu oder gebraucht, Internet oder lokales Radgeschäft.

1. Budget
Gehen wir mal von dem Minimum Budget aus, dass man in ein neues Rad investieren sollte: 1000 Euro (+Zubehör). Nach oben ist, wie so oft keine Grenze. Nach unten ist auch noch Luft, allerdings sollte man dann auf ein gebrauchtes Rad ausweichen, was aber nicht so einfach ist.

2. Neu oder gebraucht
Ohne Frage bekommt man mehr Rad fürs Geld wenn man ein gebrauchtes Rad kauft. Fahrräder verlieren dramatisch an Wert. Schon nach einem Jahr ist das vormals neue Rad vielleicht nur noch 60% wert. Nun werden gebrauchte Fahrräder in aller Regel privat gehandelt, nicht wie Autos, die man bei einem Gebrauchtwagenhändler kaufen kann mit Garantie und Gewährleistung. Es gibt auch keine Schwackeliste, die bei der Beurteilung des Wertes weiterhilft. Man muss also selber beurteilen, ob der Preis angemessen ist. Und ist das Rad technisch auch wirklich einwandfrei? Ich könnte eine lange Liste von Dingen aufschreiben, die zu beachten wären (Drahtreifen oder Schlauchreifen? Campagnolo, Shimano oder SRAM? gesloopt oder gerade? Innenverlegt Züge? Übersetzung? Pedale? ... )  Dazu stellt sich die Frage, ob die Geometrie des Rades passt? Ist es ein Komfort betontes Rad, dass sich ruhig und gelassen fahren lässt oder eine reinrassige Rennmaschiene bei der ein Anfänger kaum eine Hand vom Lenker nehmen kann? Ist die Größe passend? Nicht so einfach zu beantworten. Wenn sich später herausstellt, das Rennradfahren wirklich dein Ding ist, wird dein erstes Rad mit Sicherheit nicht dein Letztes gewesen sein.
Also, neu oder gebraucht? >>> NEU!

3. Internet oder Fachhandel
Auch im Internet bekommt man gute Beratung. Die grossen deutschen Direktversender Canyon, Radon und Rose informieren zu ihren Rädern genauso gut und umfangreich wie der Fachhändler vor Ort. Und manche Händler sind einfach schlecht, schlechte Beratung, schlechter Service, schlechte Preise. Es gibt über all solche und solche. Aber gehen wir mal davon aus, dass der lokale Händler gut ist. Der grosse Unterschied zwischen Internet und Fachhandel kommt erst nach dem Kauf! Hier kann der Fachhandel vor Ort nämlich den Service bieten den ein Einsteiger benötigt: Einstellen des Rades, Reparaturen, Montage von Zubehör. Eine Geheimwissenschaft ist ein Rennrad allerdings nicht (mal abgesehen von dem Neusten des Neuen mit hydraulischen Scheibenbremsen und elektrischer Schaltung, aber das ist meilenweit ausserhalb des 1000 Euro Budgets). Auf die Dauer sollte man sowieso selber an seinem Rad schrauben. Dazu ist zwar auch das ein oder andere Spezialwerkzeug notwendig, aber das Meiste kann mit wenig Werkzeug selber erledigt werden. Wenn du dir das zutraust kommt auch das Rad des Direktversenders in Frage, wenn nicht, solltest du zu deinem lokalen Händler gehen. Es gibt natürlich auch die Variante, ein Rad im Internet zu bestellen und bei Problemen zu dem Radladen vor Ort zu gehen. Ich würde allerdings erwarten, dass die Werkstattrechnung in diesem Fall frei von Kulanz ist und der Preisvorteil des Internets schnell aufgezehrt ist.
Also, Intenet oder Fachhandel? >>> Kommt drauf an, im Zweifel Fachhandel.

3. Triathlonrad, Zeitfahrrad, Aerorad, Normales Rennrad
Egal ob du "nur" Rennrad fahren möchtest oder planst an einem Triathlon oder an Radrennen teilzunehmen, kauf ein normales Rennrad. Kein Aerorad, kein Triathlonrad. Egal was dir ein findiger Verkäufer erzählt. Ein Aerorad ist ein aerodynamisch optimiertes Rennrad. Dabei muss man aber beachten, das aerodynamische Effekte nennenswert erst deutlich über 40 km/h auftreten. Und um so schnell zu fahren, alleine gegen den Wind (Im Windschatten, also hinter einem oder mehreren anderen Fahrern sieht es nochmal ganz anders aus), da gehört langes, hartes Training dazu. Noch gravierender ist es mit einem Triathlonrad. Ein Triathlonrad ist eine Zeitfahrmaschine mit einer nicht ganz so radikalen, tiefen Position. Ein Rad für flache Rennen gegen die Zeit. Sobald es Berg hoch geht hat man eher weniger Freude damit. Ein Einsteiger braucht ein Allrounder, kein Spezialrad.
Also, keine Frage >>> Normales Rennrad

4. Carbon oder Alu
Unter 2000 Euro, auf jeden Fall Alu. Besser ein guter Alurahmen als ein mittelmässiger oder schlechter Carbonrahmen. Wenn Geld übrig ist, ist dies besser in höherwertige Ausstattung, leichte Laufräder oder gute Bekleidung investiert.
Also, in unserem Fall >>> Alu

Deutschlands führende Direktversender, gut um mal zu sehen was es für welchen Preis gibt:
- www.canyon.de
- www.radon-bikes.de
- www.roseversand.de

Wie der Blogpost schon andeutet, ist mit dem Rad selber aber noch lange nicht Schluss. Das fängt damit an, dass die Räder in der Regel ohne Pedale verkauft werden. Und eine Luftpumpe braucht's, Schuhe, Werkzeug, Helm (wichtig), Hose, Trikot und und und...

also, kommen wir zur Liste:

Pedale - zum Beispiel Look Keo, bewährtes System, günstig ungef. 50 Euro
Schuhe - Rennradschuhe, evt. Triathlonschuhe, ab 100 Euro
Computer - Basisfunktionen (Geschwindigkeit, Strecke etc.), drahtlos, ab 40 Euro
Helm - Modelle die auch gut aussehen gibt's ab 100 Euro

Klammotten:
  • Radhose, mit Träger kurz
  • Trikot kurz
  • Trikot lang
  • Windveste
  • Beinlinge 3/4
  • Beinlinge lang
  • Ärmlinge
  • Unterhemd kurzer Arm
  • Unterhemd langer Arm
  • Regenjacke
  • Socken
  • evt. Überschuhe
  • Triathlon Einteiler                    alles zusammen ca. 400 bis 600 Euro

Zubehör und Werkzeug, nicht alles benötigt man von Anfang an:  
  • Standpumpe
  • Minipumpe
  • Minitool
  • Satteltasche
  • Ersatzschlauch
  • Flickzeug
  • Reifenheber
  • Trinkflaschen
  • Flaschenhalter
  • Nietendrücker (Kette)
  • Gute Inbusschlüssel
  • Zange für Bowdenzüge
  • Pedalschlüssel
  • Abnehmer Zahnkranz
  • Kettenpeitsche
  •  Montageständer
  •  Kettenöl                                    alles zusammen ca. 200 bis 500 Euro
Einen guten Überblick kann man sich z.b. bei www.bike24.de verschaffen. Guter Service, gute Hotline, schnell, und günstig.

Das sollte mal einen ersten Überblick geben. Über jedes einzelne Teil könnte ich einen eigenen Post schreiben, aber das würde jetzt zu weit führen.

Falls ihr Fragen habt, könnt ihr die gerne in die Kommentaren schreiben.

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