Sonntag, 3. August 2014

Relativität am Col de Portet-d’Aspet

Dieses Jahr ist die Tour de France wieder über den Col de Porte-d'Aspet gefahren. Das erste Mal war dieser Berg 1910 im Programm der Tour. Seit dem zweiten Weltkrieg wurde er 30 Mal befahren. Unglückliche Berühmtheit erlangte der Berg 1985, als sich Fabio Casartelli in einem Massensturz auf der Abfahrt über die Westseite schwere Kopfverletzungen zuzog und diesen wenig später im Krankenhaus erlag. Dieser Sturz führte mit dazu, dass Helme im Radsport eine grössere Akzeptanz fanden. Allerdings dauerte es bis 2003, dass Helme verbindlich vorgeschrieben wurden.

1997 bin ich über diesen Berg auch Radrennen gefahren. Als Gastfahrer im Velo Club LP 07 Schifflingen waren wir auf Frankreich Tour. Zunächst sind wir die Tour de Finistère in der Normandie gefahren, ein Eintagesrennen. Anschliessend ging es in die Pyrenäen zur Ronde de l'Isard. Einem Etappenrennen über fünf Tage und sechs Etappen. Auf der letzten Etappe ging über 180 km von La Bastide de Sérou nach St. Girons. Die grösste und letzte Schwierigkeit des Tages war der Col de Porte-d'Aspet. Wir sind den Berg damals von der Westseite gefahren, also dort hoch wo die Tour 1985 runter gefahren ist. Das Ziel war unmittelbar nach der Abfahrt, entsprechend schnell wurde dort hinauf gefahren. Nehme ich zumindest an, denn dort wo ich mich befunden habe ging es nur noch darum überhaupt hoch zu kommen ohne abzusteigen. Es war eine Hölle von Berg. Ich hatte fast 800 Renn-Kilometer in sieben Tagen in den Beinen bei einem Niveau, das mich jeden Tag in das Gruppetto gezwungen hatte oder mich bestenfalls gerade noch so im Hauptfeld ankommen lies. Wenn ich heute auf QuälDich.de die Daten sehe, 10,2 km und 563 Höhenmeter, denke ich mir: "Na, das kann doch nicht so schwer sein." Aber damals musste ich wirklich leiden und habe mich die steilen 11% Passagen am Ende im Zick-Zack hochgekämpft. Das Denkmal für Casartelli befindet sich in diesem steilen Stück.

Besonders gespannt war ich dann als im gleichen Jahr die Tour diesen Berg als Ouvertüre zu einer Pyrenäen Etappe im Programm hatte. Ich habe vor dem Fernseher gesessen und die Bilder der Hubschrauberkamera verfolgt, die das Feld im Anstieg zum Col de Port-d'Aspet zeigten, zumindest entsprechend der eingeblendeten Kilometer. Aber das Feld wurde in kleinster Weise langsamer. Das konnte doch nicht sein, die mussten doch schon lange an dem Berg sein. Ich hatte mich dort im Zick Zack hochgeschraubt und die Tour fährt im geschlossenen Feld mit gefühlter Lichtgeschwindigkeit? "Nein, bestimmt kommt der Berg erst noch", dieser Gedanke erwies sich aber als Trugschluss als das Feld am Casartelli Denkmal anhielt.

Das hat mir damals die Augen geöffnet wie schnell die Profis tatsächlich fahren. Unglaublich.

P.Sonnhalter (Mechaniker), R.Fernandez, B.Odendahl, T.Fernandez, P.Fernandez, ??, U.Sengewald, A.Fernadez (Directeur Sportif)

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