Sonntag, 22. Februar 2015

Faster

Michael Hutchinson (HomepageTwitter) ist ein britischer Zeitfahrspezialist der sich auf die Suche nach dem Erfolgsgeheimnis der Spitzenathleten begeben hat. Dazu muss man wissen, das Hutchinson zwar unzählige britische Meistertitel über alle Distanzen von 10 bis 100 Meilen hat (16 - 160 km), aber nie den Sprung auf die ganz große internationale Bühne schaffte.

In seinem 2014 erschienenen Buch "FASTER" begibt sich Hutchinson auf die Suche nach dem, was die absoluten Top Athleten ausmacht. Und er erzählt was er alles selber unternommen hat um auch das letzte Watt aus seinem Körper und aus seinem Equipment herauszupressen. So hat er zum Beispiel über Jahre in einem Zelt geschlafen, das Höhenluft simuliert, in dem es den Sauerstoffgehalt im inneren reduziert. Der Nachteil ist, dass es im Sommer unglaublich heiss ist, im Winter dagegen kondensiert die Atemluft und macht wacht irgendwann in einem feuchten Bett auf, dazu macht die Pumpe einen Lärm wie Aussenbordmotor. Nach vielen Jahren hat er dann während der Recherchen zu FASTER erfahren, dass bei solchen Zelten eine wesentliche Komponente fehlt: der niedrige Druck! In der Höhe ist nämlich nicht nur der Sauerstoffgehalt in der Luft niedriger sondern auch der Druck. Und nur wenn beides zusammenkommt, hat das ganze den gewünschten Effekt.

I lived in a world where, one way or another, everything was divided into things that might make me faster and things that might make me slower. Pretty much anything pleasant fell into the second category. Eating sensibly makes you faster. A couple of beers make you slower. A quiet evening with your feet up to recover from a hard day on the bike makes you faster. A night out with your friends makes you slower. But misery and loneliness make you slower too. You don’t have to be happy, and you almost certainly aren’t, but you have to be able to function sufficiently to get up, have a kilo of porridge for breakfast, and get on your bike. Even the most committed have to choose between speed and sanity. So the question is: how much more committed will you be to next week’s workload if you go out for a drink, and try to get riding right, eating right and thinking right out of your mind for an hour or two? Will you lose 3% of the week’s progress, but gain 4%?

In einem Abschnitt berichtet er über sein Gespräch mit Dan Hunt, dem Trainer des britischen Bahnvierers. Hunt erzählt, dass 2008 die Mannschaftsverfolgung als eines der Zeile für die Olympischen Spiele 2012 in London definiert wurde. Um zu gewinnen sah man eine Zeit von unter 3:50 als Notwendigkeit an. Das war dann der Ausgangspunkt, von dem aus die Mannschaftsverfolgung in Einzelteile zerlegt und berechnet wurde. Wie schnell die erste, die zweite und die folgenden Runden gefahren werden mussten. Wie stark der führende Fahrer beschleunigen muss und wieviel Watt dazu notwendig sind (1500). Habt ihr gewusst, dass ein Bahnvierer bei jedem Wechsel rund 2 Meer verliert? Nicht an Geschwindigkeit, sondern einfach weil der erste Fahrer ausschert und der zweite Fahrer, die neue Spitze, zwei Meter weiter hinten ist. Wenn man jetzt über die 4000 Meter einige Wechsel einspart, hat man am Ende schnell 10, 20 Meter gewonnen. Die Zahlen und Leistungswerte, die Präzision und Genauigkeit sind atemberaubend.

Das Video von London kann man nicht einbinden, danke IOC! Daher hier das Finale der WM in der Mannschaftsverfolgung 2015 von dieser Woche.


Und so geht es über alle 225 Seiten. Kein Thema bleibt ausgespart. Aerodynamik, Gewicht, Ernährung, Training, Gene, Psychologie. Dabei ist das Buch kein Ratgeber, annähernd nichts von dem was Hutchinson herausgefunden hat, kann ein Amateursportler verwenden. Aber es ist faszinierend, was die Besten der Besten zu leisten im Stande sind und was einen Spitzenathleten zu einem wahren Champion macht.

Ein absolut lesenswertes Buch, bis jetzt nur in der Originalausgabe auf Englisch verfügbar.

Amazon (Kindle 12,56 Euro / Taschenbuch 12,51 Euro)
Verlag
Hutchinsons Homepage, Twitter

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