Samstag, 21. März 2015

Trainingsaufzeichnungen Teil 7 (Update)

Nils Knieling, der Mann hinter Trainingstagebuch.org, über das ich hier nicht sonderlich begeistert geschrieben habe,  hat eine neue Platform am Start: VeloHero. Und ich muss sagen, VeloHero ist schon eine ganz andere Liga als das Trainingstagebuch.

Zunächst muss man natürlich wie bei jeder Trainingssoftware erst einmal Trainingsdaten importieren. Und da hat VeloHero einige clevere Funktionen zu bieten:
  • Dateien können einfach auf einem Drag & Drop Feld fallen gelassen werden.
  • Import per Email: Man kann eine persönliche VeloHero Email Adresse generieren, an die Trainingsdateien gesendet werden können. Diese werden dann automatisch hochgeladen. Praktisch wenn man nur ein Smartphone oder Tablet dabei hat, mit denen Drag and Drop schwieriger ist.
  • Es gibt ein Garmin Communicater Plug-In. Wer ein kompatibles Garmin Gerät sein Eigen nennt (mit meiner 910xt geht es nicht) kann die Daten direkt von der Uhr importieren.
  • VeloHero spricht mit Tapiriik, einem Fitnessdaten Synchronisationsservice. 
  • Und natürlich können auch manuelle Aktivitäten angelegt werden.
Statt mit einem Passwort kann man sich auch über eine Webadresse mit einem persönlichen Schlüssel einloggen. Das heisst hier Single Sign-On. Diese Adresse ist ähnlich wie die Email-Adresse personalisiert und dem eigenen Account zugeordnet. Wenn man diese Adresse in den Favoriten speichert, kommt man direkt und ohne Passwort auf seine eigene Seite.

Ebenfalls sehr gut gefällt mir die Anbindung an Withings. Wenn man eine dieser Waagen hat, die das Gewicht auf den Withings Server sendet, kann VeloHero diese Daten abrufen. So hat die Software immer das aktuelle Gewicht zur Berechnung der Leistungswerte parat. Sehr elegant gelöst.

In den Einstellungen kann man Equipment definieren und sieht dann später zum Beispiel wie viel Kilometer man mit einem bestimmten Paar Schuhe schon gelaufen ist. Das sich Puls und Leistungswerte, Alter, Maßeinheiten etc. definieren und einstellen lassen ist selbstverständlich.

Auch auf VeloHero gibt es SocialNetwork Funktionen. Man kann sich mit anderen Sportlern verbinden und es gibt Ranglisten der "Trainingsweltmeister".

Wenn die Daten importiert sind geht es an die Analyse. Einen ersten Überblick gibt das Dashboard. Man kann zwischen verschiedenen Zeiträumen wählen und bekommt einige Metriken angezeigt wie Kilometer, Stunden, Anzahl der Einheiten, Höhenmeter, Kalorien usw.

Eigentlich sollte VeloHero meiner Vorliebe eines klaren, schnörkellosen Designs entgegenkommen. Viel Weiss, übersichtliche Navigation, serifenlose Schrift, nette Icons. Aber irgendwie kann ich mich nicht damit anfreunden. Vielleicht weil zu verschwenderisch mit dem Platz umgegangen wird und sich das Dashboard auf vier (!) Bildschirmseiten (800 Pixel in der Höhe) erstreckt und dass, obwohl ich die Ansicht schon verkleinert habe. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Icons sehr viel größer als die Zahlen sind um die es doch eigentlich geht.


Der nächste Tap ist das Diary, das Tagebuch mit einer Kalender- und Listenansicht der Workouts und der Body Measurements. Die Listen lassen sich sehr schnell und einfach nach allen möglichen Kriterien filtern. Spalten lassen sich ein und ausblenden. Auf einer Goals Seite kann man Ziele definieren.


Die Analyse Seite ist im Prinzip ähnlich wie das Dashboard. Interessant wird es, wenn man eine Aktivität aufruft. Dort werden noch viel mehr Metriken mit vielen bunten Icons angezeigt als auf dem Dashboard. Ich sehe hier den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.


Die Funktionen sind nicht schlecht und vergleichbar mit dem, was andere Trainingsseiten auch bieten. Das Design fällt vielleicht auch einfach unter Geschmacksache. Wo VeloHero aber wirklich verliert, ist bei der detaillierten Analyse. Wenn in der Grafik ein bestimmter Bereich markiert wird, zoomt die Grafik zwar auf genau diesen Bereich, es werden aber nirgendwo die Metriken für die Markierung angezeigt, wie z.b. maximale und durchschnittliche Leistung.

VeloHero zeigt zwar Werte für Intervalle an, allerdings nur, wenn diese unterwegs auf dem "Datenlieferanten" markiert wurden. Werden die Intervalle in VeloHero manuell erstellt, müssen auch alle Werte (Puls, Geschwindigkeit etc.) für dieses Intervall manuell eingegeben werden, was ziemlich witzlos ist.

Es gibt zwar eine Mean-Max Grafik, aber auch diese ist kein Ersatz für eine Analyse von nachträglich erstellten Intervallen oder Segmenten. Die Mean-Max Grafik zeigt für jede Zeitspanne zwischen einer Sekunde und der Länge der Aktivität den jeweils besten Durchschnitt von Puls, Leistung, Geschwindigkeit und Trittfrequenz für die gewählte Zeitspanne an. Und das ohne eine Information darüber wo genau z.b. die besten 20 Minuten waren. Im Prinzip ist das eine Critical Power Analyse.

Der detailed Line Chart ist für eine echte Analyse auch sehr klein geraten, die Höhe der Grafik ist zwar ähnlich wie bei Strava, dort wird allerdings wenigstens noch der Maximal- und Durchschnittswert angezeigt. Ich habe zum Vergleich mal den selben Abschnitt in VeloHero (OL) , Strava (OR), Veloviewer (UL) und Cycling Analytics (UR) markiert.


Wenn die Analyse Fähigkeiten von VeloHero auch beschränkt sind, so gibt es neben den oben erwähnten doch noch weitere Punkte bei denen die Software sehr weit vorne liegt.

Das ist einmal beim Preis: für nur 19 Euro im Jahr bekommt man den Pro-Account mit allen Funktionen. Das ist, abgesehen von der Strava Erweiterung Velo Viewer, die günstigste Trainingsanalyse Software die ich kenne. Am Anfang gibt es auch eine Testperiode von 45 Tagen. Zeit genug sich eine Meinung zu bilden und VeloHero ausgiebig zu testen.

Der andere große Pluspunkt ist die Datensicherheit. Niels Knielang verspricht die Daten nicht kommerziell auszubeuten, wie es zum Beispiel Strava macht. In diesem Zusammenhang ist dieser Artikel auf outsideonline lesenswert.

Und, last but not least, man kann sich bei Fragen und Problemen oder mit Verbesserungsvorschlägen direkt an den CEO, Eigentümer und Chef-Programmierer von VeloHero wenden. Kompetenteren Support kann man nicht bekommen.

VeloHero Für und Wider:
+ Einfacher Daten Import
+ Synchronisation via Tapiriik
+ Withings Anbindung
+ Einfache Handhabung und Navigation
+ Günstig
+ Daten werden nicht verkauft
+ Software auf Deutsch und English verfügbar
- Design nicht immer übersichtlich
- Beschränkte Analyse Funktionen
- Keine sinnvolle Möglichkeit innerhalb der Software Abschnitte zu markieren

Hier geht's zur VeloHero Homepage.

>>>>>>>>>> Update 26. März 2015 <<<<<<<<<<<

Eine Eigenschaft von Online-Tools ist ja, dass sie nie aus der Beta Phase herauskommen und nie wirklich fertig sind. Das Gute daran ist, dass ständig neue Funktionen hinzukommen. In den letzten Tagen habe ich einige Emails mit Nils Knielang ausgetauscht und nachgefragt, ob es denn wirklich keine Funktion gibt, nachträglich definierte Intervalle zu analysieren. Ich weiss nicht ob meine Frage etwas damit zu tun hat (ich glaube nicht), aber seit vorgestern kann man aus einem markierten Bereich ein Intervall erzeugen, dessen Daten dann auch auf dem Intervall Tab angezeigt werden.

Darüber hinaus wird kann man nun im Vollbildmodus des Line Charts wählen, ob nur die Karte oder nur die Grafik oder beides angezeigt werden soll.


Trotz der Verbesserungen bleibt VeloHero bei den Möglichkeiten zur Analyse des Trainings immer noch weit hinter anderen Tools zurück. Aber natürlich kommt es dabei auch immer auf den Anspruch an den man an eine Software und deren Funktionen hat. Was mir zu wenig erscheint kann für jemand anderen voll und ganz ausreichend sein.

Was man aber auch sieht und ausdrücklich herausstellen muss, ist dass an der Software aktiv gearbeitet wird und ständig neue Funktionen hinzukommen. Der VeloHero Facebook Account informiert über die Neuerungen und ist daher auf jeden Fall ein Like wert.

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