Donnerstag, 3. September 2015

Radtag am Stilfser Joch

Was für ein Spektakel. Tausende von Radfahrern die sich bei bestem Wetter das Stilfser Joch hochkämfen. Auf Rennrädern, MTB’s aller Couleur, Liegerädern, Tandems, Liegeradtandems, Handbikes, Einrädern (!), Klapprädern, E-Bikes, Trekkingbikes, Crosstrainer-Fahrrädern. Alles was auch nur im entferntesten in die Katergorie Fahrrad fällt war unterwegs zu bestaunen.
Die "bunte Pest” hatte das Stilfser Joch Fest im Griff. Einmal im Jahr wird der Pass zwischen Prad, Bormio und Santa Maria (die Umbrail Pass Seite) für den Autoverkehr gesperrt. Zwischen 8:00 und 16:00 Uhr gehört die Passstraße den Radsportlern und Läufern. Nachdem 2014 die Auffahrt wegen schlechtem Wetter nur bis zur Franzenshöhe möglich war, stand diesem Jahr dem Gipfelglück nichts im Wege.

Das Silfser Joch oder, auf italienisch Stelvio, ist die höchste Passstraßen Italiens und nach dem Col de l’Iseran der zweithöchste asphaltierte Pass Europas. Auf der Passhöhe wird regelmäßig die Cima Coppi ausgefahren, die Bergpreiswertung am höchsten Punkt des Giro d'Italia zu Ehren von Fausto Coppi.

Meine Tour hat mich an diesem Tag von Nauders über den Reschenpass hinunter bis nach Prad geführt. Ich hatte also die berühmtere der beiden Auffahrten, die Ostseite mit den 48 (!) Haarnadelkurven vor mir. Nach der Passhöhe bin ich über den Umbrail Pass abgefahren und durch das Münstertal bis nach Laatsch. Von dort ging es dann wehrknackig über den Radweg wieder hinauf auf den Reschenpass und zurück nach Nauders.

Der Stelvio lässt sich nach meinem ersten Eindruck eigentlich sehr gut fahren. Die Steigung ist gleichmäßig und beträgt selten mehr als 12%. In den Serpentinen läßt sich jedes mal ein bißchen Schwung nehmen. Das Schwierigste ist sicherlich die beachtliche Länge von 25km und der psychologische Effekt, wenn nach der Franzenshöhe der Schlußanstieg mit den Kehren bis zum Gipfel ständig in Sicht ist. Schwieriger fand ich aber die Kaunertaler Gletscherstraße. Die gleichmäßige Steigung am Stelvio leigt mir deutlich besser. Ich hatte einen ganz guten Tag und konnte den Pass mit einem guten Rhythmus in 1:47 hinter mich bringen. Das entspricht einer Durchschnittlsleistung von 267 Watt und einem VAM von 1022. (Auf Strava bedeutet das Platz 289 von 6809, rund 25 Minuten hinter dem KOM, ohne den Wasser-Fassen, Fotostopp und die Schiebe-Aktion am Ende wären es nur 15’ mehr gewesen. Mist, muss ich doch nochmal hin und schnell hochfahren!)

Kehre Nummer 48, die erste von unten (es wird rückwärts gezählt)



Das Schwierigste waren für mich aber die Heerscharen von Radfahrern. Stellenweise war es kaum möglich zu überholen, da man ja auch auf Radfahrer aufpassen musste, die den Berg wieder heruntergekommen sind. Ich habe mich mehr als einmal gefragt, ob die Autos nicht das kleinere Übel sind. Man konnte den Blick nie wirklich schweifen lassen, außer man hat angehalten. Kurz vor der Passhöhe kam der Verkehr dann gänzlich zum Erliegen, da war absteigen und Rad schieben angesagt. Radfahrer über Radfahrer, die bunte Pest. Ich habe geschaut das ich so schnell es ging auf die andere Seite des Propfens kam und habe mich auf die Abfahrt gemacht.

Die letzte Kehre kurz vor dem Gipfel, Nummer 1

Ramba Zamba auf'm Berg


Ich habe keine Ahnung wie das mit dem Verkehr an “normalen” Tagen ist. Vielleicht sind die Radfahrer doch das geringere “Übel”. Der Stelvio Bike Day ist auf jeden Fall ein Erlebnis, keine Frage. Ramba Zamba auf dem Berg und beim Anstieg keine Abgase und kein Motorenlärm. Extra anreisen würde ich dafür aber nicht, wenn es sich ergibt aber ohne Frage eine feine Sache.






Links:
Stilfser Joch auf Quäldich.de
Radtag Event Info Nationalpark Stilfser Joch
Interessant: Wikipedia

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen