Sonntag, 14. Februar 2016

Vitus 979

Manchmal heisst es ja, das früher alles besser gewesen sei. Das ist natürlich Unsinn. Allerdings war früher mit Sicherheit vieles anders. Fahrräder kaufen zum Beispiel. Vor gut 25 Jahren konnte man noch Geld sparen, wenn man sein Rad selber zusammen gebaut hat, mit neuen Teilen wohlgemerkt. Das hat sich gründlich geändert. Heute sind die Räder von der Stange im Vergleich zu der Summe der Einzelteile so günstig, dass sich der Selbstbau nur noch lohnt, wenn man ein ganz besonderes, individuelles Rad haben möchte. 

Das man heute bei weitem nicht mehr alle Teile miteinander kombinieren kann, macht die Sache auch nicht einfacher. Bevor die ersten indizierten Schaltgriffe von Shimano auf den Markt kamen und die Unterrohr-Schalthebel noch "mit Gefühl" bedient werden mussten, war weitgehend alles untereinander kombinierbar. Eine Schaltung von Sachs, ein Zahnkranz von Regina auf einer Nabe von Suntour, dazu Schalthebel von Simplex, Kurbeln von Campagnolo und Bremsen von Modolo. Alles kein Problem. Da war es noch eine echte Kunst für jedes Teil das beste Produkt zu finden und alles zu einem kompletten Rad zu kombinieren.

Damals gab es ja auch noch kein Internet, statt dessen war der Brügelmann-Katalog das Maß aller Dinge. Wenn der neue Katalog kam, gab es für Tage fast Streit zwischen meinem Vater und mir, wer denn nun den Katalog haben darf. Zusätzliche Informationsquelle waren die Klein- und Großanzeigen in der TOUR und der ein oder andere weitere Katalog. Petermann, Rose und vor allen Dingen der DIN A5 "Katalog" von Bornmann. Die Preise waren der Hammer! 

Ich habe Tage damit verbracht Listen zusammenzustellen für neue Fahrräder. Preise, Gewichte, Bezugsquellen. Welche Teile sollten neu sein, was konnte vom derzeitigen Rad weiterverwendet werden, was passt von der Farbe, was passt noch in das Budget? Das alles war zu berücksichtigen. Und ab und an habe ich natürlich auch mal nur das Beste vom Besten aufgeschrieben um dann zerknirscht festzustellen, dass ich mir das niemals leisten werden kann.

Wenn das Rad dann fertig war und vor einem stand, konnte man mit Fug und Recht behaupten: "Das ist mein Rad." Ein Unikat, eine Komposition, in der Kombination kein zweites Mal auf der Welt.

Ich habe nur wenige Bilder der Räder die ich im Laufe der Jahre gefahren bin, schade eigentlich, das würde eine tolle Collage abgeben. Das schönste Rad das ich jemals hatte, war aber ohne Frage das pinkfarbene Vitus.


Einige der Teile habe ich immer noch, die Kurbeln, die Bremsen, die Schalthebel. Den Rahmen habe ich wohl irgendwann verkauft, kann mich aber absolut nicht mehr daran erinnern an wen und wann das war.

Rahmen: Vitus 979, damals die Speerspitze des Leichtbaus mit deutlich über 2 Kilo
Kurbeln: Campa C-Record Kurbeln, 175mm, 39/53 Das Design mit der fünften Schraube hinter dem Kurbelarm war bahnbrechend.
Umwerfer: Sachs Huret New Success
Schaltwerk: Mavic 840
Pedale: Look
Schalthebel: Simplex SLJ Friction, die Hebel hatten ein Federsystem, wodurch die Bewegung in beide Richtungen gleich schwer ging und optisch waren sie sehr elegant
Steuersatz: Stonghlight Delta (was sonst an einem Vitus?)
Bremsen: Mavic 440
Sattelstütze: Campa Chorus
Sattel: Selle San Marco Rolls
Laufräder: Natürlich selbst eingespeicht, 32 Loch, Mavic Felgen, Conti Grand Prix Faltreifen 23mm, Naben?, bin ich mir nicht mehr sicher, könnte sein, dass das C-Record Naben waren, 
Zahnkranz: Sollte ein achtfach Schraubkranz gewesen sein

Wie sieht es bei euch aus? Gehört ihr zu den Selber-Aufbauern oder zu den Fertig-Käufern und hat es sich bei Euch im Laufe der Zeit geändert?

Kommentare:

  1. Zur Zeit noch Selbstaufbauten, aber ich hab Angst wenn sich das ändert...Ich kann dann glaube ich nicht mehr in den Spiegel schauen :)

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  2. Nein komplett ein Rad zu kaufen ist doch zu teuer vor allem wenn man eine hochwertige Ausstattung wie Chorus oder Record haben möchte. Mein erstes Rennrad war 2001 ein gebrauchtes Pinarello 7-fach das ich heute für deutlich mehr Geld verkaufen könnte. Danach ein Bianchi EV4 bei dem ich, wie bei allen anderen Rädern die Teile zusammengekauft habe, da kann man sehr viel sparen zb. eine Record 10-fach Schaltung für 600 Euro. Danach kam ein Fondriest Max Carb, ein Bianchi EV3 und ein Tommasini Crosser habe ich auch noch. Wichtig das Paletti 6 fach für die l’Eroica. Die Räder sammeln sich halt, aber verkaufen möchte ich nichts da man so viele Erlebnisse und Emotionen mit den Rändern hatte. Der nächste Maßrahmen ist bestellt und wird bei Tommasini gefertigt, die restlichen Teile sind auch schon eingetroffen. Ich werde wohl bei Shimano 7-fach und Campagnolo 10-fach bleiben damit alles untereinander austauschbar ist. Wichtigstes Rad ist jedoch, ähnlich deinem Vitus ein Alan Supercross den ich mit etwa Shimano, viel Campagnolo Nabendynamo, Schutzblechen und franz. Lenker (sieht wegen der Diebstahlgefahr nicht so nach Rennrad aus) im Alltag bewege und letztes Jahr gut 5000 km gefahren habe (incl. Festive)

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    1. Du schreibst, dass du Campagnolo 10-fach fährst, also nicht die aktuellsten Baureihen. Wenn man auf den 11ten Gang verzichten kann und Teile so gezielt zusammenkauft, kommt man sicherlich günstig zu einem super Rad. Soviel ich weiss, gibt Campagnolo auch nicht so hohe OEM Rabatte. Wenn du aber versuchst ein aktuelles Carbonrad mit einer aktuellen Shimano oder Sram Gruppe aufzubauen, dann wird es schwierig die Preise der Rad-Hersteller zu schlagen.

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