Freitag, 20. Mai 2016

Videobeweis

Cycling Claude hat heute einen interessanten Post über die sich ändernde Rechtslage des Videobeweises geschrieben. Inzwischen scheint es, das Videos vor Gericht durchaus als Beweismaterial zugelassen werden. Diese Option ist natürlich uneingeschränkt zu begrüßen, insbesondere für Radfahrer, die den Autofahrern weitgehend schutzlos ausgeliefert sind.

Die Bilder und Filme sind aber nur dann eine Hilfe, wenn tatsächlich etwas passiert ist. Sie bieten keinen Schutz an sich. Es sei denn man trägt ein Trikot mit der Aufschrift "Vorsicht! Kamera!", aber auch dass würde wohl kaum ein Autofahrer verstehen und daher auch keine besondere Vorsicht walten lassen.

Am Besten ist es, wenn man gar nicht erst in heikle Situationen kommt. Ich habe da wahrscheinlich leicht reden, hier im nördlichen Saarland, im Hochwald rüber nach Rheinland-Pfalz und im angrenzenden Lothringen gibt es kaum Ärger mit Autofahrern, wenn man ein paar neuralgische Strecken vermeidet. Hier fällt es leicht dem Verkehr aus dem Weg zu gehen. In Ballungsgebieten und Großstädten ist das ohne Frage etwas ganz anderes als auf dem Land.

Aber egal wo man fährt, man kann das defensiv tun, mehr auf seinen Rechten beharrend oder sogar einen bewusst forschen Stil an den Tag legen. Wie schnell man sich zu letzterem verleiten lassen kann beschreibt aktuell Christoph Stockburger auf Spiegel Online.

Was ich mich nun frage ist, ob eine Kamera am Rad einen forschen Fahrstil unterstützt? Oder anders gesagt, erhöhen Kameras am Rad die Neigung es "drauf ankommen zu lassen"? Lässt das Wissen um den möglichen Videobeweis die Risikobereitschaft ansteigen?

Auch wenn der Vergleich wahrscheinlich auf vielen Ebenen hinkt, aber ist es nicht ein bißchen so wie mit der NRA in den USA? Die zum Schutz vor Schießereien mehr Waffen fordert, mit denen es wieder mehr Schießereien gibt wogegen natürlich nur noch mehr Waffen helfen?

Wenn nun alle Radfahrer immer Kameras dabei haben, steigt dann nicht auch zwangsläufig die Anzahl derer die einen auf ihr Recht beharrenden Fahrstil an den Tag legen und damit letztendlich die Zahl der Konflikte und Unfälle? Oder wird es sich unter Autofahrern schnell herumsprechen dass diese verrückten Zweiradfahrer jetzt alle Kameras haben und diese somit respektvoller fahren?

Diese Woche fand in vielen Städten rund um den Globus der Ride of Silence statt. Diese Fahrten erinnern an Radfahrer, die im Straßenverkehr ihr Leben gelassen haben. Der Kettenpeitscher hat darüber geschrieben und erklärt was genau es damit auf sich hat und was die weißen Fahrräder bedeuten. Ist das nicht das Wichtigste, dass wir alle wieder gesund und munter zuhause ankommen? Das beste Mittel dafür ist sicher eine defensive Fahrweise, Kameras helfen nur wenn schon was passiert ist. Wobei sie dann natürlich großartig sind. Sehr schwierig.

Kommentare:

  1. Meine Fly6 ist ja eine Kamera mit Rücklicht. Selbst wenn das Rücklicht ausgeschaltet ist, rotiert ein LED-Ring um die Kamera-Linse. Subjektiv gesehen halten Autos dann etwas mehr Abstand. Allereing würde ein herkömmliches Rücklicht ähnliches bewirken.
    Fährt man zu Hauptverkehrszeiten auf Straßen im Rhein-Main-Gebiet, kann man einiges erleben. Mir würde es aber fern liegen, mit solchen Videos zur Polizei zu laufen. Aber ein Videolink in einer Email an den Arbeitgeber eines LKW-Fahrers könnte ich mir unter Umständen vorstellen. Der ein oder andere fährt vorsätzlich aggressiv.
    Ansonsten hoffe ich, dass mir nichts passiert. Falls doch, hat die Polizei wenigstens Beweismaterial.
    Übrigens fände ich es o.k., wenn Autofahrer genaus filmen würden. Das würde auch den ein oder anderen Kamikaze-Radler deutlich beruhigen.

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    1. Es ist nicht so, dass ich mir nicht schon öfter 'ne Kamera gewünscht hätte (dazu mehr in einem anderen Post). Das mit dem Rücklicht ist in der Tat eine gute Sache. Heute habe ich es auch oft tagsüber dabei und insbesondere wenn es zum Beispiel regnet und die Sicht nicht ganz so gut ist, fühle ich mich bedeutend wohler.

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  2. Ja erst letzte Woche wurde ich von einer Frau angefahren, die nach rechts schwenkte um nicht mit entgegenkommenden vorfahrtsberechtigten Autos zu kollidieren und dabei gegen mich ist. Dann fuhr die Dame einfach weiter. Habe das ihrer Versicherung gemeldet. Für eine Anzeige bei der Polizei habe ich 3 Monate Zeit.
    Ich fahre meistens in Frankreich Rennrad - da ist es weniger stressig.

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    1. Dann nehme ich an dass dir nichts oder nicht viel passiert ist? ... Frankreich ist bedeutend ruhiger, dass stimmt. Aber auch da bestätigen Ausnahmen die Regel, erst heute knapp überholt worden incl. anhupen und Scheibenwischer-Action.

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  3. Passiert ist mir eingentlich nicht viel -aber einfach weiterfahren geht gar nicht.

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