Montag, 26. Dezember 2016

Gran Canaria

Die Wintersonnenwende liegt zwar schon hinter uns, bis es aber wieder merklich länger hell wird und der Frühling Einzug hält, dauert es noch ein Weile. Da bleibt nur sich auf ein zukünftiges oder über ein zurückliegendes Trainingslager zu freuen. Die Vorfreude auf oder die Erinnerung an strahlenden Sonnenschein und angenehme Temperaturen wärmt das Radfahrer Herz ja auch, zumindest ein bißchen.

In den Herbstferien war ich auf Gran Canaria, zum ersten Mal. Herbsturlaub, nochmal Sonne tanken, mit Kind und Kegel, eine Woche All Inclusive, Pool von Morgens bis Abends und dem ein oder anderen Ausflug. Aber wie das als Radfahrer so ist, ich kam nicht umhin mir ein Rad zu leihen und die Insel zu erkunden. Denn wie Hemingway treffend formulierte:

"It is by riding a bicycle that you learn the contours of a country best, since you have to sweat up the hills and can coast down them…. Thus you remember them as they actually are, while in a motorcar only a high hill impresses you, and you have no such accurate remembrance of country you have driven through as you gain by riding a bicycle."

Gran Canaria lässt sich grob wie folgt beschreiben: Ein dicker Berg in der Mitte, der Pico de las Nieves, rund 2000m hoch, rund herum geht es mehr oder weniger steil hinab bis zum Meer. Im Westen der Insel gibt es einen etwas flacheren Streifen zwischen Berg und Meer. Dort ist dann auch mächtig Verkehr, der Flughafen und alles was es so an Industrie gibt auf der Insel. Das hat auf dem Transfer zum Hotel nicht gerade ideal zum Radfahren ausgesehen. Aber ich mag mich täuschen und die Insider werden vielleicht auch dort gute Wege kennen. Ansonsten geht es hoch. Und zwar lang und gerne auch mal steil und auf teilweise schlechten Straßen. Der Norden ist regenreicher und grüner, der Süden der Insel sonniger und trocken und die Landschaft erinnerte mich teilweise an Tatooine, den Wüstenplant aus Star Wars.

Drei Touren mit zusammen nicht ganz 300 Kilometer sind natürlich zu wenig um ein wirklich fundiertes Statement abgeben zu können. Eines kann ich aber mit Sicherheit sagen: Zum Radfahren auf Gran Canaria sollte mal auf jeden Fall die Kletterer-Beine mitnehmen, wer nur flache Grundlagen Kilometer sammeln möchte fliegt besser woanders hin. Hier geht es hoch und runter, aber so gut wie nie flach.

Von unserem Hotel in der Nähe von Puerto Rico gab es nur zwei Möglichkeiten eine Tour zu beginnen: Entlang der stark befahrenen Küstenstraße Richtung Süden durch die Touristenorte oder Richtung Norden bis nach Puerto de Mogan und dort ab in die Berge, die Variante die ich an allen drei Tagen gewählt habe.

Tour 1: Zum Stausee von Soria

Von Puerto Rico aus geht es auf der Küstenstraße nach Norden. Die GC-500 schlängelt sich entlang der Steilküste unter stetem Auf und Ab mit immer wieder atemberaubenden Ausblicken auf den Atlantik bis nach Puerto Mogan. Auf dem Weg befinden sich auch einige Tunnel, die aber recht kurz sind und sie sich auch ohne Licht ganz gut durchfahren lassen. 

Puerto Mogan.


In Puerto Mogan wendet sich die Straße ins Landesinnere und es geht aufwärts. Kurz nach Mogan kann man der GC-200 weiter folgen bis in den Norden der Insel oder auf die GC-605 abbiegen. Ein sensationelles Stück Straße! Wer nach Gran Canaria fliegt muss hier unbedingt hochfahren. Kaum Verkehr, Ruhe und eine Kurve jagt die nächste, Serpentinen ohne Ende und jederzeit ein spektakulärer Ausblick. Bis zur Abzweigung Richtung Soria geht es 8,5 Kilometer mit durchschnittlich 6% nach oben. (Strava Segment). Von Puerto Mogan aus sind es sogar über 18 Kilometer mit dann 5% Steigung. (Strava Segment) Das ist in der Tat ein anständiger Berg, auf dem Cédric Pineau von FDJ den KOM innehat. Auf Platz vier übrigens Sascha Weber, der aktuelle deutsche Vize-Meister im Cyclocross.


Am Ende des Segmentes bin ich rechts abgebogen. Die Straße ist zwar für Radfahrer gesperrt, wahrscheinlich weil die Abfahrt hinunter nach Soria recht schmal und in wirklich schlechtem Zustand ist, wenn man aber langsam fährt, ist das kein Problem. Unten angekommen, kann man rechts abbiegen zurück hinunter ans Meer oder links bis zu dem Stausee bei Soria fahren. Einen See habe ich nicht zu sehen bekommen, dafür aber einen exzellenten Café Solo getrunken. So gestärkt ging es dann auf guter Straße hinunter nach Arguinequin und an der Küste vorbei zurück nach Puerto Rico.


Tour 2: Um den Roque Nublo

Die nächste Tour war zunächst gleich wie am ersten Tag. Am Meer vorbei nach Puerto Mogan, rechts ab nach Mogan und die GC-605 hoch. Statt nach Soria bin ich der Strasse aber weiter ins Landesinnere gefolgt. Die Steigung lässt nach der Abzweigung etwas nach, da der Belag aber wirklich schlecht ist, fängt es nie wirklich an zu rollen. Vorbei an einigen Stauseen (die aber alle weitgehend trocken waren) geht es hinauf bis auf 1300m nach Ayacata. Von Puerto Mogan bis dorthin sind es 33 Kilometer mit 4% Durchschnittssteigung. (Strava Segment)

In Ayacata gibt es nach der langen Steigung wieder einige Möglichkeiten die Strecke zu wählen. Ich bin weiter nach oben Richtung Roque Nublo. Einem der Wahrzeichen der Insel. Entsprechend viel Verkehr war auch dort oben. Am Parkplatz zum Roque Nublo war sogar richtig Stau.



Dort oben gibt es zahlreiche Ausflugsplätze mit Grill Gelegenheiten, die von zahlreichen Picknicken bevölkert waren. Wenn man die Strecke planen kann, scheint es mir empfehlenswert dort nicht gerade  am Wochenende vorbei zu fahren. Obwohl, abwechslungsreich ist das schon und ein Anblick, den man hierzulande eher selten zu sehen bekommt: Großfamilien die mit Kind und Kegel und hunderten Anderen auf noch nicht mal besonders idyllischen Plätzen an der Straße unter trockenen Pinien stehen, grillen und so ihr Wochenende verbringen.

Danach habe ich mich immer Links gehalten und bin so um den Roque Nublo herum gefahren. Die Abfahrten waren teilweise und unvermittelt so schlecht, das ein Sturz nicht allzu weit entfernt war. Zwei mal ist mir die Trinkflasche aus dem Halter gefallen. Nach all der Schinderei Berg auf hätte ich mich über eine schöne Abfahrt wirklich gefreut, statt dessen war ich nicht viel schneller als vorher Berg auf. Aber dafür war die Aussicht grandios!

Im Hintergrund Teneriffa!


Die Runde war auf jeden Fall länger und bergiger und somit auch anstrengender als es auf der Karte den Anschein hatte und ich war froh, ab Ayacata wieder die bekannte Strecke, diesmal abwärts, einschlagen zu können. Über die GC-605 ging es hinab bis nach Puerto Mogan und nach einer Kaffee Pause zurück zum Hotel. Am Ende hatte ich immerhin 120 km und über 3.000 hm. Der höchste Punkt der Tour war auf rund 1.600 Meter und der Anstieg knapp über 40 Kilometer lang.



Tour 3: Richtung Norden - Raus und Rein

Gleicher Start wie an den beiden vorherigen Tagen, nur bin ich diesmal auf der GC-200 geblieben statt auf die GC-605 abzubiegen. Irgendwie dachte ich ja, dass es dort einiger maßen flach Richtung Norden geht. Aber wie sollte es anders sein, es ging hoch. Zumindest war die Straße ganz anständig und der Verkehr hat sich auch sehr in Grenzen gehalten.

Die Rechnung 30 km in einer Stunde geht in den Bergen, noch dazu wenn man keine Form hat und eigentlich gar kein Rad fahren sollte, leider ganz und gar nicht auf. Als ich so nach 1:45 und erst 35 Kilometern auf der Passhöhe mit Blick auf La Aldea de San Nicolas stand, bin ich dann doch lieber wieder zurückgefahren. Raus - rein ist zwar immer irgendwie blöd, aber was soll's, hilft ja nix. War ja kein Trainingslager!

Über die Qualität der Straßen gab es auf dieser Tour auch mal rein gar nicht zu meckern. Die Abfahrt wieder hinunter bis zur Abzweigung zur GC-605 hat richtig Spaß gemacht. So stelle ich mir das vor!

Blick auf San Nicolas





Noch ein Wort zu Rad und Radverleih. Ich hatte das rote Cannondale Super Six Evo mit mechanischer 11 fach Ultegra bei Free-Motion gebucht, scheinbar DEM Radverleih auf den Kanaren. Für die drei Tage habe ich um die 70 Euro bezahlt. Die Abwicklung und der Service waren ohne Beanstandung und das Rad war tip top in Ordnung, obwohl es schon eine ganze Saison hinter sich hatte. Schlecht waren lediglich die Flaschenhalter, die die 0,75 l Flaschen auf den teils schlechten Straßen nicht halten konnten und die Satteltasche, deren Klettverschluss ausgelutscht war und die ich verloren, aber glücklicherweise auch wieder gefunden habe. Das Cannondale war insgesamt unauffällig und die Ultegra funktionierte zuverlässig. Auf den Passagen mit schlechter Starße erschien mir das Rad aber sehr steif, hart und unkomfortabel. Ich glaube aber dass der größte Anteil daran auf das Konto der Mavic Aksium Laufräder, der Reifen (ein Satz einfacher Conti) und der Alu-Sattelstütze ging. Solange die Straße gut war, habe ich mich aber überraschend wohl gefühlt.


Noch ein paar Bilder mehr gibt's auf Flickr.

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