Dienstag, 28. Februar 2017

Leere in den Köpfen und Geld im Straßengraben

Was geht in den Köpfen der Leute vor? Viel kann es jedenfalls nicht sein. Gefühlt wird das mit dem Müll im Straßengraben immer mehr. Dosen über Dosen, Zigarettenpackungen, Wein- und Schnapsflaschen, Kaugummidosen, Kaffeebecher und allerlei anderer Müll. Wenn man einmal anfängt beim Radfahren den Blick nach rechts unten zu richten, kann man nicht mehr wegschauen. Wie bei einem Unfall, den man eigentlich nicht sehen will, aber nicht umhinkommt hin zu starren.

Ich verstehe durchaus, dass es sich angenehmer in einem sauberen Auto fährt als in einem zugemüllten. Allerdings hat die Getränkedose bis zu dem Zeitpunkt der vollständigen Entleerung ja auch ihren Platz im Auto gefunden. Warum kann die nicht noch einen Moment bis zum nächsten Mülleimer drinnen bleiben? Im Auto soll es also sauber sein, ok. Aber draussen etwa nicht? Werfen diese Leute den Müll auch einfach aus dem Küchenfenster auf die Straße? Vor Jahrhunderten war das ja vielleicht üblich, aber irgendwie dachte ich die Menschheit hätte sich weiterentwickelt.


Könnte ich alle Dosen aufsammeln, die ich während einer Trainingsfahrt sehe, ich müsste mir um die Finanzierung meines Sports keine Gedanken mehr machen. Meine nicht representative Markstudie hat übrigens ergeben, das Bitburger in meinem Trainingsgebiet unangefochtener Marktführer ist, gefolgt von Redbull. Es scheint, dass das Dosenpfand immer noch viel zu niedrig ist und zu viele Schlupflöcher hat.

Sehr traurig. Gleichzeitig aber auch eine Erinnerung und ein Aufruf an alle Radfahrer ihren Müll bitte auch wieder mit nach Hause zu nehmen. Wenn die volle Gelpackung im Trikot Platz hatte, sollte dies für die leere erst recht gelten. Ride clean!

Sonntag, 26. Februar 2017

Unterlenker Kit #2 - Vorschau

Es wird eine zweite Auflage des Unterlenker Kits geben. Anlässlich des 100. Giro d'Italia in Pink! Kann man das als Mann tragen? Aber Hallo, was die Größten des Radsports schmückt, kann für uns Normalsterbliche nicht verkehrt sein. Fight for Pink!
(Gut, man es auch zugegebenermaßen auch übertreiben)

Die Trikots kommen wie bereits 2016 von Royalbikewear. Zum Ablauf, Preis und Zeitplan später mehr. Wenn sich genug Damen finden wird es auch eine Ladies Edition geben mit angepasstem Schnitt. Heute eine Vorschau auf den finalen Entwurf.




Samstag, 25. Februar 2017

Mal wieder: Aufregung um Scheibenbremsen

In den letzten Tagen gab es wieder große Aufregung um Scheibenbremsen am Rennrad. Das Thema wird ja gerne mit religiöser Inbrunst diskutiert. Zunächst hat die Fahrer-Gewerkschaft CPA einen Brief an die UCI geschrieben und ein Ende des derzeit nochmal angelaufenen Scheibenbremsen-Tests gefordert. Dabei geht es einzig um die Sicherheit, Punkte wie die Herausforderungen für den neutralen Service und die Geschwindigkeit der Radwechsel spielen keine Rolle. Die Argumente erstaunen insofern, dass die Fahrer sich bereitwillig mit Carbonfelgen mit im Regen mehr als suboptimaler Bremsleistung Abfahrten hinunterstürzen, Messerspeichen fahren und auch ansonsten eine ganze Menge Risiken eingehen.

Gut, wie auch immer. Diese Woche kam es auf der ersten Etappe der Abu Dhabi Tour kurz vor dem Ziel zu einem Sturz in den unter anderem der Sky Fahrer Owain Doull und Marcel Kittel verwickelt waren. Kittel fuhr an diesem Tag ein Rad mit Scheibenbremsen. Die Fahrer kamen mit einigen Abschürfungen davon. Die erstaunlichste "Verletzung" zog sich Doulls Schuh zu, der einen Schnitt über die gesamte Länge der Oberseite aufwies. Das muss ja Kittels Scheibenbremse gewesen sein! Rotierende, glühende Messer! Große Aufregung in den sozialen Netzwerken. Es entsteht der Eindruck dass Scheibenbremsen in etwa so aussehen müssen:


Hier was die beiden Protagonisten zu sagen haben:

  


Aber wie schon letztes Jahr bei dem Sturz von Fran Ventoso bei Paris-Roubaix kamen dann doch erhebliche Zweifel an der Scheibenbremsen Theorie auf. Die genaue Analyse des Sturzes spricht für eine andere Ursache. Es könnte durchaus sein, dass Doull sich den Schuh an den eigenen Speichen aufgeschlitzt hat.


Und natürlich werden auch gleich wieder einige Tests durchgeführt, was eine Scheibenbremse so alles durchschneiden kann oder auch nicht:




Ein Vorwurf der immer schnell laut wird lautet, dass die Scheibenbremsen ja nur von der Radindustrie gewollt sind, damit diese mehr Räder verkaufen können. Nun, dass ist vielleicht nicht so ganz falsch, aber wer bezahlt den Radzirkus zu einem großen Teil? Die Radindustrie, genau. Und Profiradsport ist nun mal eine Werbeveranstaltung. Aber es ist ja nicht so, als ob man versuchen würde uns den größten Quatsch unterzujubeln. Ich bleibe dabei, Scheibenbremsen sind da um zu bleiben. Für den Moment scheint es mir, dass die Gefahr durch Scheibenbremsen mehr auf Fiktion denn auf Fakten beruht.

Links:

Dienstag, 21. Februar 2017

UCI Worldtour Team Websites - Teil 1

Was zeigen die UCI Worldtour Teams auf ihren Webseiten, lohnt der Besuch? Welche Sprachen und welche sozialen Kanäle werden angeboten? Ich bin mal über alle Seiten gesurft und habe mich ein wenig umgesehen. Wirklich schlecht ist natürlich keine, nirgendwo waren Hobby-Webseiten-Zusammenklicker am Werk. Heute Teil 1 mit den ersten neuen Mannschaften, in alphabetischer Reihenfolge, demnächst dann Teil zwei mit dem Rest und einem Fazit.

 ag2r La Mondiale


Wikipedia

Sprachen: FR, EN

Soziale Netzwerke: Facebook - Twitter - Instagram - LinkedIn - YouTube

Shop: Online und Offline (!), der Shop hat Öffnungszeiten, es scheint also dass man dort auch "in echt" einkaufen kann. Es gibt ausgewählte Radklamotten aus den verschiedenen Jahren, einige Räder aus dem Vorjahr und ein paar Merchandising Artikel.

Deutsche Fahrer: Nico Denz

Trikotdesign: Naja, die braunen Hosen sind vielleicht mal was anderes, aber insgesamt ist es halt eines der eher langweiligen Profitrikots.

Weiteres: Es gibt einen Fanclub, die Mitgliedschaft kostet 25 Euro im Jahr. Als Mitglied man bekommt einige Rabatte im Shop und kann an einer Reihe von Aktionen teilnehmen.  ag2r ist Mitglied im MPCC und listet unter "Ethics" ausführlich die Anforderungen an die Fahrer jenseits der reinen Leistungsfähigkeit auf. Vorbildlich! Die Mannschaft hat mit Romain Bardet einen französischen Mitfavoriten auf den Tour Sieg in den eigenen Reihen.

 Astana Pro Team


Wikipedia

Sprachen: EN, RU, KZ

Soziale Netzwerke: Facebook, Twitter, Instagram, YouTube

Shop: Keiner

Deutsche Fahrer: Keine

Trikotdesign: Das Türkis hat auf jeden Fall einen ohne Wiedererkennungswert. Die Hosen sind dieses Jahr aber nicht mehr türkis, sondern schwarz und ich weiss nicht, ab das die Sache besser oder schlimmer gemacht hat.

Weiteres: Das Team ist nicht Mitglied der MPCC, hat kein Ethik Statement und auch keine sonstigen Marketing Sprüche aka Mission Statement. Es wird interessant sein, wie Fabio Aru dieses Jahr mit der Last als unangefochtener Grand Tour Leader fahren wird, nachdem Nibali zu Bahrain-Merida gewechselt ist. Astana hat in der Vergangenheit einige positive Dopingproben gehabt und ist diesbezüglich ziemlich umstritten.

Bahrain-Merida


Wikipedia

Sprachen: EN

Soziale Netzwerke: Twitter, Facebook, Instagram, YouTube

Shop: In einem italienischen Online-Shop gibt es eine "offizielle" Bahrain-Merida Sektion mit einigen ausgewählten Klamotten.

Deutsche Fahrer: Keine. Mit Heinrich Haussler fährt aber ein Fahrer für das Team, der bis 2010  deutscher Staatsbürger war.

Trikotdesign: Die Farbkombination Blau-Rot ist sehr gelungen. Finde ich schick. Was anderes als das zuletzt so beliebte Schwarz.

Weiteres: Mit Vincenzo Nibali hat das Team einen der besten aktuellen Grand Tour Fahrer unter Vertrag und wird zumindest beim Giro ein Wort mit zu reden haben. Das Team ist nicht Mitglied in der MPCC und hat auch keine Ethik Richtlinien veröffentlicht. Darüber hinaus wird das Team aufgrund der schwierigen Menschenrechtslage in Bahrain auch als Torture-Team (Folter-Team) bezeichnet.

 BMC Racing Team


Wikipedia

Sprachen:  EN

Soziale Netzwerke: Facebook, Twitter, Instagram, FlickrYouTube

Shop:  Keiner, Links zum BMC Vertrieb und eine entsprechende Händlersuche sind aber unübersehbar.

Deutsche Fahrer:  Keine

Trikotdesign:  Rot, Schwarz, unverkennbar aber langweilig. Die Tag-Heuer Werbung am Arm versaut das Trikot total.

Weiteres:  Die Mannschaft ist Mitglied bei Velon, nicht aber in der MPCC. Kein Ethik Statement.

Bora-hansgrohe


Wikipedia

Sprachen:  EN, DE

Soziale Netzwerke: Facebook, Twitter, Instagram, YouTube, Flickr

Shop:  Keiner

Deutsche Fahrer: Pascal Ackermann, Emanuel Buchmann, Marcus Burghardt, Silvio Herklotz, Christof Pfingsten, Andreas Schillinger, Michael Schwarzmann, Rüdiger Selig

Trikotdesign:  Schwarz halt. Aufregend ist anders.

Weiteres:  Das Team des Weltmeisters! Aus Deutschland! MPCC Mitglied. Es gibt unter ride.natural. ein Missionstatement, dem allerdings eine klare Stellungnahme zu dem Dopingthema fehlt. Was unter den Schlagworten Ernährung & Gesundheit, Fortschritt & Leistung sowie Leidenschaft & Persönlichkeit zusammengefasst ist, sind Allgemeinplätze in bester Tradition der Marketing Sprüche diverser Konzerne.

 Cannondale Drapac


Wikipedia

Sprachen: EN

Soziale Netzwerke: Facebook, TwitterInstagram, YouTube, RSS Feed

Shop: Ganz gute Auswahl, schöne Kunstdrucke als Poster, Teamräder auf Anfrage. Vor zwei oder drei Jahren habe ich dort tatsächlich mal ein Trikot bestellt. Statt in grün in blau, ohne Sponsorenaufschrift und mit Rautenmuster. Immer noch eines meiner Lieblingstrikots

Deutsche Fahrer: Keine

Trikotdesign: Sehr prägnant. Hoher Wiedererkennungswert. Rautenmuster auf grünem Grund das bestimmende Thema seit Jahren.

Weiteres: Velon und MPCC Mitglied. Kein Mission Statement oder Ethik Sektion. Allerdings ist unter Team zu lesen: "Slipstream Sports is the brainchild of Jonathan Vaughters and Doug Ellis. The pair founded the company in 2005 on the belief there was a better way to run a cycling team. First and foremost, Slipstream Sports has always been unwavering in its commitment to anti-doping and was the first company to institute its own internal testing protocols for a professional cycling team."
Eines der kleinsten Team von einem Budget Gesichtspunkt. Die Homepage ist etwas anders aufgebaut wie bei den übrigen Teams und stellt die Stories in den Mittelpunkt. Nicht überfrachtet. Gefällt mir sehr gut.

 Team dimension data


Wikipedia

Sprachen: EN

Soziale Netzwerke: Facebook, Twitter, Instagram, YouTube

Shop: Man wird zu Oakley weitergeleitet und kann dort ein Replica Jersey und einige Team Edition Brillen kaufen. Mager.

Deutsche Fahrer: Keine

Trikotdesign: Für ein Profitrikot erstaunlich schlicht, wenn auch mit viel des derzeit so in Vogue zu scheinenden Schwarz. Das Grün ist frisch.

Weiteres: Mitglied der MPCC. Einziges Team aus Afrika. Herausragendes Merkmal ist die Verbindung zu Qhubeka, eine Wohltätigkeitsorganisation die Fahrräder in Afrika verteilt. Ein Fahrrad zu besitzen verändert dort ein Leben. Ein Teil der Sieg-Prämien und der Sponsorengelder fliesst in dieses Projekt und stiftet neben den sportlichen Zielen den eigentlichen Sinn dieses Teams. Das ist herausragend.

FDJ


Wikipedia

Sprachen: FR (!) (auf eine englische Version wird wahrscheinlich aus diesem Grund verzichtet)

Soziale Netzwerke: Facebook, Twitter, YouTube, Flickr
Shop:

Deutsche Fahrer: Keine

Trikotdesign: Naja, geht besser, sicher aber auch schlechter, zumindest keine weißen Hosen mehr

Weiteres: MPCC Mitglied, es gibt einen Fanclub mit scheinbar recht umfangreichem Programm, soweit ich das verstehe.

Team Katusha Alpecin


Wikipedia

Sprachen: EN

Soziale Netzwerke: Facebook, Twitter, Instagram, YouTube

Shop: Ja, sogar sehr umfangreich. Katusha hat seine eigene Bekleidungslinie, an einer Stelle heißt es "from a Name to a Brand". Dabei gibt es sowohl die Team Replica Sachen als auch alle möglichen Rad- und Freizeit Klamotten. Nicht günstig, sehen aber sehr gut aus.

Deutsche Fahrer: Tony Martin, Marco Mathis, Nils Politt, Rick Zabel

Trikotdesign: Für Rot und besonderes für rote Hosen eigentlich ganz o.k.

Weiteres: In der Vergangenheit einige Dopingfälle, nicht ganz unbelastet in dieser Richtung, kein Mitglied in der MPCC.

Freitag, 17. Februar 2017

Ein Socken Abo

Für ein perfektes Radsport-Outfit muss alles passen. Das Rad geputzt, das Kit frisch gewaschen, sauberes Lenkerband, frisch rasierte Beine und nicht zu vergessen makellose Socken. Weniges versaut einen ansonsten guten Eindruck so sehr wie alte, ausgelutschte und verwaschene Socken. Darüber hinaus fühlt sich die erste Fahrt mit einem neuen Paar immer besonders an. Strammer Sitz und frische Farben, sattes Schwarz oder makelloses Weiss, je nachdem. Das bringt mindestens 5 Watt! Und wie wäre es mit Abwechslung? Nicht immer das gleiche Muster, nicht immer die gleiche Firma. Schreit nach einem Abo, einem Socken Abo, oder?

Foot Revolution kann helfen. Direkt aus den USA erhält man im Monatsabstand ein neues Paar Radsocken. Immer wieder andere Hersteller und andere Designs. Der ganze Spaß kostet lediglich 15 USD (derzeit 14,13 Euro) einschließlich dem internationalen Versand. Bei dem Betrag fällt auch keine Einfuhrumsatzsteuer und kein Zoll an. Hört sich nach einem fairen Deal an.



Gründer der Firma ist Samuel Bell, ein amerikanischer Bahnradsportler mit einem einfachen Motto: "High quality, eye catching socks". Bei Eintragung in den Email Newsletter erhält man für die erste Bestellung 5 USD Nachlass, danach fallen jeden Monat 15 USD an, die man entweder monatlich oder für verschiedene Zeiträume im voraus bezahlen kann und dann etwas günstiger davon kommt. Und wie ich gerade sehe bekommt man bei Abschluss des Abos auf den ersten Monat 50% Nachlass.

Detail Infos findet ihr auf der Webseite: thefootrevolution.com

Ob es was taugt werde ich ein einigen Tagen wissen. Ich habe bestellt und werde testen und berichten.


Dienstag, 14. Februar 2017

Top Fahrrad Blogs 2016 - Interview

Wie schon die anderen Preisträgern der Wahl zum Top Fahrradblog 2016 habe auch ich einige Fragen von Fahrrad.de beantwortet. Könnt ihr hier nachlesen.

Samstag, 11. Februar 2017

Nichts weniger als die Weltherrschaft!

Immer wieder heißt es, das böse Internet treibe die lokalen Radhändler in den Ruin. Dass Diese gegen die Direktversender und großen Versandhändler keine Chance haben. Und dass wir, die Radsport-Konsumenten, verpflichtet sind bei unserem Händler vor Ort einzukaufen.

Ich bin skeptisch. Kann es nicht auch sein, dass der ein oder andere lokale Händler einfach schlecht ist? Schlechte Beratung, schlechter Service und ja, auch das, schlechte Preise bietet? Mich befremdet es, wenn mir bekannte Radhändler Canyon als ihren Erzfeind bezeichnen. Oder die, wenn man es denn wagt mit einem Rad aus Koblenz zum Ersatzteilkauf vorzufahren, unmittelbar  zum Canyon-Bashing übergehen. Beides habe ich schon erlebt. Da denke ich mir: "Hey, das ist mein Rad, ich finde das super, ich habe mir was dabei gedacht. Wenn ich mich dafür rechtfertigen muss, komme ich gar nicht mehr!" In solchen Momenten stelle ich mir Roman Arnold immer mit Teufelshörnern, Dreizack und einem diabolischen Lachen, umgeben von schwefeligen Nebelschwaden vor. Der Antichrist aus Koblenz. Die Realität sieht wohl anders aus.

Mich hat es interessiert, ob ein kleiner, lokaler Radhändler gegen die Internetriesen bestehen und jenen vielleicht sogar Geschäft abjagen kann. Ist es am Ende nicht eher eine Frage der Servicequalität, des Einkaufserlebnisses, des ganzen Drumherums statt einfach nur des nackten Preises? Was ist das Erfolgsgeheimnis von Händlern, die dem Internet trotzen? Trotz Internet wachsen? Am Ende selber Internet sind und denen dann genauso Teufelshörner wachsen wie Roman Arnold?

Um das herauszufinden bin ich Ende letzten Jahres nach Weselberg gefahren, einem kleinen Dorf am Rande des Pfälzer Waldes und habe mich mit Frank Dressler getroffen, dem Inhaber von Wheelsports. Wer heute in dem Radladen steht wird mit Recht anmerken, dass das nicht eines der kleinen Geschäfte ist, das sich nur mühsam über Wasser halten kann. Auf zwei Etagen stehen Räder neben Räder, alle Klassen und Kategorien. Rennräder, MTBs, Crossräder, Gravelbikes, Fatbikes, Räder mit und ohne Elektromotor, für Jung und Alt. Die Auswahl setzt sich beim Zubehör und allem Drum und Dran fort. 1000 Quadratmeter und irgendwas zwischen 600 und 900 Rädern. Wow!



So war es aber nicht immer. Was man heute zu Gesicht bekommt ist das Ergebnis langer Jahre harter Arbeit und hat vor gerade mal 15 Jahren seinen Anfang genommen. Kurz nach der Jahrtausendwende hat Frank in einem kleinen Teil seines elterlichen Bauernhofes angefangen Fahrräder zu reparieren und ein paar Teile zu verkaufen. Ein Garagenladen eigentlich, mitten auf dem Land, fast im Nirgendwo, ohne Laufkundschaft, dafür mit einer Menge Improvisation. Da muss man schon mehr als ein wenig verrückt sein um an den Erfolg zu glauben. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als mir ein Freund damals davon erzählt hat, mit verdrehten Augen, frei nach dem Motto: "Zum Scheitern verurteil." Es sollte anders kommen.

Da lohnt es sich etwas genauer hinzuschauen, was dieser Frank Dressler denn so für ein Typ ist. Jahrgang 1976 hat Frank nach wilden Jahren Ende der 90er mit dem Radsport angefangen. Erst auf dem MTB, dann auf dem Rennrad. Unsere Pfade haben sich damals kurz gekreuzt. Ein oder zwei Jahre sind wir in den gleichen Rennen gestartet, hatten gemeinsame Freunde und waren zusammen im Trainingslager. Bei mir kam dann irgendwann Beruf und Familie, für Frank ging es mit vollem Einsatz im Radsport weiter. Frank ist gelungen, wovon viele nur träumen können - mit Radrennen Geld zu verdienen. Für den Sprung in die höchste Klasse der Worldtour Mannschaften hat es zwar nie ganz gereicht, aber hey, sich mit Fug und Recht als Profi bezeichnen zu können, das ist doch was.

Die Palmares auf Pro Cycling Stats sind auf jeden Fall sehr beeindruckend. Eines der besten Jahre war 2010, nur wenige Kilometer vor dem Ziel wurde Frank von den Verfolgern eingeholt und wurde dann doch nicht Deutscher Meister. Zu früh attackiert und mit den Kräften nicht genug gehaushaltet. Das hätte ich sein können. Am Ende sprang dann immerhin noch ein sehr guter achter Platz raus. Nicht schlecht für eine Deutsche Elite Meisterschaft, gegen die Crème de là Crème der Deutschen Profis. Gewonnen hatte damals Christian Knees.

Neben sicherlich einer gehörigen Portion Talent hat Frank seine Erfolge im Radsport vor allem einem ungeheuren Arbeitsethos, Trainingsfleiß und unbändigem Willen zu verdanken. Eigenschaften, die heute seinem Geschäft zu gute kommen. Trotzdem ist es ein langer Weg von einer One Man Show zu einem mittelständigen Radsportgeschäft mit inzwischen acht Mitarbeitern. Wie Frank mir erzählt hat gab es genug Momente, in denen alles auf der Kippe stand. Erfolg ist nie ein Selbstläufer.

Was mich am meisten beeindruckte war die Leidenschaft mit der Frank sein Geschäft führt und darüber spricht. Wie früher auf der Rennstrecke so gibt es auch heute meist nur einen Modus: Kette rechts und Attacke. Toll wenn man seine Leidenschaft zum Beruf machen kann und rund um die Uhr darin aufgeht. Eine solche Passion hat natürlich nie Feierabend, nie Urlaub. In meinem beruflichen Umfeld würde so jemand als Workaholic gelten.

Das alles ist natürlich noch keine Garantie für Erfolg. Dass daneben Service, Auswahl, Kompetenz und die Mitarbeiter erstklassig sein und auch die Preise stimmen müssen versteht sich von selbst. Natürlich kann nicht jeder Radhändler dem allem entsprechen und nicht jeder wird am Markt bestehen können. Das ist Teil der Marktwirtschaft und gilt für Versandhändler genauso wie für den Radladen um die Ecke. Es wird immer Geschäfte geben, die neu dazu kommen und andere, die verschwinden. Wer hätte sich in den 80ern vorstellen können, dass "der Brügelmann" irgendwann mal zu machen muss.

Mir scheint es viel mehr eine Frage der Geschäftstüchtigkeit zu sein, der Fähigkeit sich selbst immer wieder neu zu erfinden, sich weiter zu entwickeln, den Kunden Neues zu bieten, Trends zu setzen oder doch zumindest zu erkennen. Ganz klassisches Unternehmertum eben.

Die Wenigsten haben etwas zu verschenken und müssen mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln sorgsam haushalten. Da ist es nur folgerichtig, dies auch beim Radkauf und all dem Zubehör zu tun. Opportunistisch nach bestem Preis / Leistungsverhältnis einzukaufen ist durchaus in Ordnung, im Internet finden sich an jeder Ecke Schnäppchen. Dass man dann als Gelegenheitskunde im Fachgeschäft nicht mit besonderer Kulanz rechnen kann versteht sich aber genauso. Es ist immer ein Geben und Nehmen. Oftmals können die Preise im Fachhandel mit denen im Internet aber auch mithalten. Fragen lohnt sich. Hingegen ist es nicht in Ordnung sich im Geschäft alles erklären zu lassen oder anzuprobieren und dann im Internet zu kaufen. Genauso wenig in Ordnung ist es aber auch, Kunden, die mit einem Direktversand Rad vorfahren, schlecht zu behandeln.

Ich bin der Überzeugung, dass beide, der kleine Radladen um die Ecke genauso wie die grossen Versandhändler und Direktanbieter, ihre Berechtigung haben. Kein Kunde ist wie der andere, jeder legt auf etwas anderes wert. Manche wissen genau was sie wollen und schauen nur auf den Preis, andere brauchen eine Beratung, schätzen den persönlichen Kontakt und sind bereit dafür auch einen Aufpreis zu zahlen. Warum soll sich diese Vielfalt nicht auch auf der Angebotsseite widerspiegeln? Viel wichtiger als in jedem einen Konkurrenten zu sehen, ist es zusammen mehr Menschen zum Radfahren zu bewegen. Ich habe keinen Einblick in die Lobbyarbeit der Radbranche, würde mich aber wundern, wenn da schon alle Register gezogen sind. In der "öffentlichen Liste über die Registrierung von Verbänden und deren Vertretern" beim deutschen Bundestag von Mai 2016 sind unter dem Suchwort Fahrrad ganze drei Einträge zu finden: der ADFC, der Verband Service und Fahrrad und der Zweirad Industrie Verband. In der Kategorie Kraftfahrzeug gibt es ganze 19 Einträge, dazu 14 Auto / Automobil Lobbyisten. Kein Wunder, dass das Fahrrad für die Verkehrspolitik in Deutschland nur eine klitzekleine Nebenrolle spielt.

Aber es muss ja nicht immer die große Politik sein, wie sieht es mit der Unterstützung des lokalen Radvereines aus? Frank Dressler und seine Frau Silke Lehnhof sind zum Beispiel sehr engagiert in "ihrem" Verein, dem RC Pfälzerwald. So pflegt man eine Gemeinschaft, kann die Freude am Radsport teilen und vermitteln sowie Nachwuchsarbeit leisten. Ein solches Engagement kostet Zeit und Geld, wird aber irgendwann zu mehr Leuten auf Fahrrädern führen. Wie will man mit Begeisterung Fahrräder verkaufen, wenn man mit Radfahrern nichts zu tun haben will?

Vielleicht ist das Problem ja auch gar nicht so groß, unter "Geschäftsaufgabe Fahrradgeschäft" findet Google 1.140 Treffer. Eingeschränkt auf das letzte Jahr und Deutschland und bereinigt um Werbung bleiben gerade noch eine Handvoll Treffer übrig.

Ich mache mir auf jeden Fall um den Radsporteinzelhandel an sich keine Sorgen, auch wenn ich selber einiges im Internet bestelle und auf einem "bösen" Canyon Rad fahre. Frank Dressler zeigt mit Wheelsports wie es geht. Ich kann nur jedem, der in der Nähe vorbei kommt, empfehlen dem Laden einen Besuch abzustatten und sich von der Begeisterung von Frank und seiner Mannschaft anstecken zu lassen. Aber Vorsicht! Es besteht die Gefahr mit einem sehr viel leichteren Geldbeutel den Laden zu verlassen, trotz oder gerade wegen der guten Preise, ich spreche da aus Erfahrung. Wem der Weg nach Weselberg zu weit ist, kann aber auch über die Homepage von Wheelsports bestellen. Soviel zum bösen Internet! ;-)


Auf seine weiteren Zukunftspläne angesprochen hat Frank eine klare Vorstellung: "Nichts weniger als die Weltherrschaft, zumindest im Fahrradhandel!" Das ist sicher noch ein weiter Weg, aber auch Canyon hat mal als Radsport Arnold mit dem Verkauf von Rad Teilen aus dem Kofferraum angefangen und Herbert von Karajan soll gesagt haben: "Wer alle seine Ziele erreicht, wird sie wahrscheinlich zu niedrig gewählt haben."

Zunächst wird in den nächsten Monaten aber ein Radsport-Caffee in Weselberg eröffnen. Radsport und Kaffee gehören ja bekanntlich zusammen. So lässt sich angenehm auf die Reparatur des Rades warten und es gibt eine tolle Kaffee-Pausen-Anlaufstation mitten in einer traumhaften Radsport-Region.

Wie lautet das Fazit? Macht "das Internet" die Radhändler nun kaputt? Nein, so per se kann man das nicht sagen. Es wird immer Unternehmen geben, in denen zu viele falsche Entscheidungen getroffen werden und die vom Markt verschwinden, unabhängig von der Größe. Es gibt viele, die Fahrräder verkaufen, neben dem Einzelhandel, den Versandhändlern und Direktanbietern gibt es auch noch Sportgeschäfte, Supermärkte, Baumärkte, Lebensmitteldiscounter, Kaffeeröster und und und. Wenn ein Händler nicht genug Kunden von seinem Angebot überzeugen kann, ist das nicht der Fehler der Kunden!
Der Bedarf an alternativen, umweltfreundlichen Verkehrsmitteln steigt. Das Rad ist als Verkehrsmittel und Sportgerät im Aufwind. Die Jedermann Szene boomt. Dieses Jahr startet die Tour de France wieder in Deutschland. Die heimischen Profis fahren vorne mit und der populärste Fahrer der Gegenwart, Weltmeister Sagan, fährt in einem deutschen Team. Rosige Aussichten! Die Händler mit gutem Service, attraktiven Angeboten und innovativen Ideen, die ihre Kunden begeistern können müssen sich keine Gedanken machen.





Links:

Samstag, 4. Februar 2017

Auch Frauen können Radkurier (Update)

Bei Radkurieren denkt man ja vielleicht zuerst an harte Kerle die auf ihren Fixies in halsbrecherischer Manier durch die Straßenschluchten der Metropolen rasen. Aber hey, die Frauen können das auch:




Das man jeden Menschen mit Respekt zu behandeln hat ist ja eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass es trotzdem solcher Videos bedarf wie der beiden folgenden ist nicht schön. Als ob der Beruf eines Radkuriers nicht schon hart genug wäre.



Radkurriere gibt es natürlich auch in Deutschland. Dieser Lenker!!! Ich kann zwar die Faszination von Fixed Gear Bikes nachvollziehen und finde Red-Hock Crits sehr cool, was der Vorteil von Bahnrädern für Radkuriere sein soll erschliesst sich mir nicht ganz. Das wäre ungefähr so, wie wenn ich im Büro darauf bestehen würde auf einem Holzstuhl zu sitzen und einen Rechner mit Floppy Disks zu benutzen. Mit zumindest ein bisschen Schaltung und Bremse sollte das doch schneller, weniger ermüdend und sicherer sein, oder nicht? Egal, Anna Mauch fährt mit nem 15 cm Lenker durch Berlin.


Update 13.02.2017:
Jörn hat mich in den Kommentaren auf einen Sielfilm aus 1998 aufmerksam gemacht der hier thematisch gut reinpasst: "2 Seconds". Die Movie Database schreibt dazu: "Laurie, a professional downhill racer gets fired because of her slight overindulgence in irresponsibility. She returns to Montreal where she is welcomed by her geeky but cute brother. She meets Lorenzo, a cranky, ex-racer who owns a bike shop. The two become friends. Laurie gets a job with a local bicycle courier company, but a member of the group is intent on shutting her out of their circles, making her life difficult and sad. After a bonding truth-revealing discussion between Laurie and Lorenzo, Laurie begins to see what she has to do to make things better for herself." Alleine wegen den 90er Jahre MTBs am Anfang ist der Film schon sehenswert! Sieht aus wie in der Steinzeit, ist aber gerade mal 20 Jahre her: