Mittwoch, 22. März 2017

Wenn der Marathon zu kurz ist

Bei meinem letzten Mallorca Aufenthalt 2015 hatte ich mich an einem Tag in eine große Trainingsrunde mit dem Radsalon Mallorca eingeklinkt. Neben der Schweizer Ruder Nationalmannschaft war auch ein Österreicher dabei, der als MTB Guide auf der Insel arbeitet. Während der Fahrt kam ich mit Mario Bergmayr ins Gespräch und es stelle sich heraus, dass Mario ein Ultra-Cyclist ist. Also einer der Radfahrer, die erst bei 200 Kilometer richtig warm werden.

Seit dem sind wir auf Facebook befreundet und ich bin immer schwer beeindruckt, wenn Mario eine seiner 300+ Kilometer Trainingsrunden auf Mallorca abspult. Was andere sich für ein ganzes Trainingslager vornehmen, spult er an einem Tag ab. Randa - Check, Piratenküste - Check, Orient und Soller - Check, Puig Major - Check, Cap Formantor - Check, zurück nach Alcudia - Check.

Dabei ist Mario ein eher spät Berufener in Sachen Radsport. Früher ein Läufer, hat er erst vor gut sieben Jahren angefangen mit dem MTB zu fahren. Schnell wurde mehr daraus und es folgte eine Ausbildung zum MTB Guide in Österreich. Nach Stationen im Zillertal und in Andalusien arbeitet Mario heute als Chef Guide für vamos24 Reisen auf Mallorca.

2014 hat ihm ein Bekannter dann ein Rennrad geliehen und vorgeschlagen, doch die Tortour Mallorca zu fahren. Ein Ultra Event über 520 km und 6300 hm. Gesagt, getan und auf dem geliehenen Rad wurde Mario zweiter der Einzelstarter. Was für ein Einstand!


In den nächsten beiden Jahren folgten dann eine ganze Reihe an Ultra-Veranstaltungen mit TopPlatzierungen. 2015 fuhr Mario beim Race Across the Alps auf den zehnten Platz (530km/15.000
hm), bei der Tortour Schweiz nach 1.060km und 12.500hm auf den vierten Platz und bei der Tortour Mallorca wieder auf den zweiten Platz. Im folgenden Jahr 2016 folgten ein dritter Platz beim Glocknerman (1.000km/16.000hm), ebenfalls Platz drei beim 24 Stunden Rennen in Grießkirchen und ein fünfter Platz bei dem 2.200km langen Race Around Austria mit 30.000hm.

Für alle die mit der Materie nicht vertraut sind. Diese Rennen werden am Stück gefahren. Wer anhält und schläft verliert Zeit. Eine Ultradistanz ist somit auch immer eine Prüfung gegen die Müdigkeit. Windschattenfahren ist in der Regel nicht erlaubt. Begleitfahrzeuge hingegen schon.

Es liegt auf der Hand, dass man für diese extremen Ausdauerprüfungen ganz ordentliches Grundlagentraining absolvieren muss. Das bedeutet Kilometer und noch mehr Kilometer. Sicherlich gibt es auch hier unterschiedliche Ansätze, aber Mario ist auf jeden Fall ein Anhänger von langen Stunden auf dem Rad. Im vergangenen Jahr kamen so rund 35.000km und 470.000hm zusammen! Wer dabei ausgeklügelte Trainingspläne oder -Überwachung erwartet liegt falsch. Mario trainiert voll und ganz nach Gefühl, ohne Leistungsmesser und ohne Herzfrequenz. Genauso geht Mario auch die Rennen an. Wenn man seinen Körper kennt und gelernt hat in ihn hinein zuhören, gibt es vielleicht keinen besseren Ratgeber. Dabei ist es auch in der Ultraszene durchaus üblich detaillierte Pläne aufzustellen die angeben, mit wievielten Watt welcher Berg am besten zu fahren sei und welche Pulswerte man nicht überschreiten darf. Wie man sieht geht es auch anders.

Neben der physischen Herausforderung ist natürlich auch die psychologische Komponente herausragend. Am Start eines 2000 Kilometer Rennens wird wahrscheinlich jeder zweifeln. Wie mit jeder großen Aufgabe im Leben hilft es auch hier, das Ganze in kleine Teile zu zerlegen und sich eines nach dem anderen vorzunehmen. Das ist natürlich ein klein wenig Selbstbetrug, aber es hilft. Mario setzt seinen Radkomputer alle 70 bis 80 Kilometer auf null zurück. Und hey, eine 70 Kilometer Runde schafft doch jeder von uns, und eine zweite auch noch, oder?

Aber all das Training und die mentale Stärke hilft wenig, wenn das Material nicht stimmt. Wie man sich leicht denken kann, ist es im Ultracycling ganz besonders wichtig gut auf dem Rad zu sitzen. Nach vielen Versuchen sitzt Mario heute auf einem SQlab Sattel und schwört, kein Quatsch, bei den Radhosen auf Royalbikewear! Ihr seht also, das Unterlenker-Kit besteht aus dem besten Material, das man bekommen kann. Darüber hinaus gibt es keine besonderen Geheimnisse. Höchstens vielleicht das je nach Terrain ein eher aerodynamisches Rad oder ein leichtes Rad verwendet wird.

2017 stehen Glocknerman Ultra WM mit 1.000km und 16.000hm, die Tortour Schweiz mit ebenfalls 1.000km und 13.000hm und das Ultracycling Dolomitica mit 624k und 16.000hm auf Marios Rennplan. Dabei ist überall eine Podiumsplazierung oder sogar der Sieg angepeilt. Ohne eine gute Begleitmannschaft, die im Auto folgt, Essen und Trinken anreicht, Material wechselt, die Strecke ausleuchtet und zur Not den Fahrer vom Rad holt, wenn dieser einzuschlafen droht (ernsthaft!) kann man diese Wettbewerbe nicht erfolgreich bestreiten.
Da das alles nicht ganz billig ist, läuft derzeit auf Fairplaid eine Crowdfunding Kampagne, bei der man sich noch bis zum 3. April als Trikot oder Hauptsponsor einkaufen oder auch mit kleineren Beträgen ab fünf Euro das Projekt unterstützen kann. Bis jetzt ist die Kampagne etwas schleppend angelaufen, auch wenn ihr euch selber nicht direkt daran beteiligen wollt, könnt ihr Mario mit dem Teilen der Kampagne auf Facebook & Co. helfen.


So sieht übrigens eine typische Bergmayr'sche Trainingsfahrt auf Mallorca aus, nicht schlecht, oder? (Strava)



Links:
Mario Bergmayr auf Facebook

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