Samstag, 18. November 2017

NO TALENT. TOTAL LOSERS. VERY SAD!

Ha, das Radmagazin Tour berichtet in der aktuellen Ausgabe 12/2017 über Strava-isten, die sich doch tatsächlich virtuell messen und KOMs jagen. Rowdies! Rücksichtslose Egomanen! Seelenlose Radzombies! tönt es gleich aus der Radsportblogospähre.

Also ich glaube ja, dass diejenigen, die den virtuellen Wettbewerb als die Ausgeburt des Teufels ansehen, selber nur nix drauf haben und beleidigt sind, dass sie es einfach nicht schaffen auch nur das niedrigst hängende Krönchen zu gewinnen. In bestem Trump-Style könnte man das so kommentieren:

"Some Freds are whining about the great performance of marvelous Stravaists. 
NO TALENT. TOTAL LOSERS. VERY SAD!"

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Übrigens zählt man Strava KOMs nun wirklich nicht einzeln, sondern in Seiten! Phil Gaimon etwa hat deren 50, Thibout Pinot kommt auf 53, Joe Dombrowski auf 38 und Laurens ten Dam hat 84! Da sind meine 11 Seiten im Vergleich ziemlich mickrig.

Dabei zeigt der Artikel in der Tour eigentlich in schöner Weise die Bandbreite auf, in der man das Netzwerk nutzen kann. Manche Fahrer haben besonders ausgefallene KOMs (am steilsten Berg, auf der kleinsten Insel, ohne zu treten, im Fußballstadium). Andere Fahrer haben nichts an der KOM-Jagd, pendeln aber lange Strecken und organisieren sich über Strava. Manche berichten von Freundschaften im echten Leben, die es ohne die initiale virtuelle Begegnung nicht geben würde. Wieder andere nutzen Höhenmeter Rankings als Motivation und als Ziel und ja, es gibt auch einen Fahrer, der den Versuch einen KOM zu verbessern im Krankenhaus beendete. Letzteres ist sicher eine Dummheit, aber wie sagt man: "Shit happens"! Ist ein KOM einen solchen Ausgang wert? Nein, mit Sicherheit nicht. Aber das dürfte die absolute Ausnahme sein und gehört dann wohl dazu.

Egal wie man Strava nutzt, solange es dem Einzelnen Spass macht und niemand gefährdet wird, ist gegen keine der Spielarten etwas einzuwenden. Kann man andere Vorlieben seltsam finden? Mit Sicherheit. Ich finde auch so einiges höchst erstaunlich. Es scheint etwa tatsächlich Leute zu geben, die für ein Segment trainieren, die den Angriff auf die Bestzeit als Saisonhöhepunkt im Kalender stehen haben. Andere fahren jedes Wochenende unglaubliche Distanzen und schütteln die Brevets nur so aus dem Ärmel, nach dem Motto: Lang ist das neue Schnell (Ist das eine jetzt besser als das andere?). Wieder andere entwickeln eine Obsession anderen Fahrern die virtuellen Krönchen streitig zu machen. (Ich habe sogar mal einen Stalker blockiert, der regelmäßig einen Tag nach mir Segmente in Angriff nahm und gezielt meine KOM Liste abklapperte.) 

Das interessante ist die Mischung aus Spass und Ernst. Denn natürlich sind die Bestenlisten auf Strava, egal ob es um Geschwindigkeit, Höhenmeter oder Distanzen geht, nur virtuell. Niemand bekommt einen Profivertrag aufgrund herausragender Strava-Leistungen. Trotzdem macht es Spaß und motiviert. Was ist dagegen einzuwenden? Jeder nach seinem Geschmack.

Wer an der Wettbewerbskomponente von Strava nichts findet, hat alle Möglichkeiten dies auszublenden. Da sind zum einen die Einstellungen zur Privatsphäre, über die man sich in dem Netzwerk weitgehend unsichtbar machen kann. Unter anderem kann man alle (neuen) Aktivitäten grundsätzlich von den Bestenlisten ausnehmen. In den Anzeige Optionen kann man in der Standardansicht nur eigene Leistungen auf Segmenten anzeigen lassen. Weiterhin ist es eine gute Idee die Live-Segmente auf dem Radcomputer einfach auszuschalten, dann muss man auch nichts wegdrücken, was einen nervt.

Am Ende, ob man Strava mag oder nicht, ob man KOMs fährt oder nicht, ohne Radfahren geht es nicht. Also geht raus und habt Spaß auf dem Rad!

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