Sonntag, 11. Februar 2018

Lektüre zum Blättern

Es gibt Bücher zum lesen und solche zum durchblättern und schmökern. Zwei der letzteren Sorte habe ich letztes Jahr von guten Freunden zum Geburtstag geschenkt bekommen. Vielen Dank dafür!

"Velopedia, The infografic book of cycling" versammelt auf 191 Seiten Infografiken zu allen möglichen Themen des Straßenrennsports mit einigen wenigen Ausflügen auf die Bahn. Andere Sparten des Radsports abseits der schmalen Reifen bleiben außen vor. Die Arbeit der Grafik-Designer in diesem Buch ist fantastisch. Hunderte von Informationshäppchen und kleinen und großen Fakten werden anschaulich präsentiert. Leider lag der Fokus des Autors Robert Dineen auf gutem Aussehen, die Korrektheit der Informationen hat nur eine untergeordnete Rolle gespielt. 

Auf der Seite "Tour de France in Numbers" etwa werden fünf Fahrer aufgezählt, die die Tour de France fünf mal gewonnen haben: Jaques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault, Miguel Indurain und Maurice Garin. Maurice wer? Genau, der Sieger der ersten Tour de France 1903. Garin hat zwar auch die Tour 1904 gewonnen, wurde aber disqualifiziert, so dass er nur ein einziges mal in der Siegerliste steht. 

Einige Seiten weiter werden die "Nearly-men of the Tour" aufgezählt, also die Beinahe-Sieger. Bei Raymond Poulidor besteht kein Zweifel, dass er in diese Liste gehört, immerhin ist er der "ewige Zweite". Aber Lucien van Impe (Sieger 1976),  Gustave Garrigou (1911), Joop Zoetemelk (1980) und Jan Ullrich (1997) haben die Tour de France tatsächlich gewonnen. In der Tat haben diese Fahrer eine beachtliche Anzahl an zweiten und dritten Plätzen gesammelt, aber eben auch einmal gewonnen. Letzteres wird einfach unterschlagen.

Auf "The calendar decoded" wird der Radsport Kalender mit den verschiedenen Rennkategorien erklärt, die Tour de France, Paris-Nice und Paris-Roubaix werden dort von der ASOS veranstaltet. Der ASOS? Dem Internet Modeversandhändler? Oder ASSOS, der Radsport-Bekleidungsfirma? Oder vielleicht doch der Amaury Sport Organisation, der A.S.O?

In dieser Art gibt es noch weitere Ungenauigkeiten und grobe Fehler. Alle zu entdecken dürfte schwierig sein, aber glauben kann man in diesem Buch gar nichts. So bleiben einfach hervorragende Infografiken, mit k(l)einer Info und großer Grafik. Schade.

Auch in dem zweiten Buch, "50 Bicycles that changed the world" von Alex Newson, einem Kurator des Design Museums in London, habe ich zumindest eine Ungenauigkeit entdeckt. Auf der Seite über "Old Faithful", dem legendären Rad von Graeme Obree, heißt es: "Obree's record stood for just one week before it was broken by the English cyclist Chris Boardman, prompting Obree to return to his workshop and develop a new riding position. Dubbed the 'Superman position' ... " Das ist natürlich totaler Quatsch, die Supermann Position wurde vielmehr durch eine Regeländerung der UCI provoziert und nicht durch den Versuch Obree's, die Aerodynamik zu verbessern. Ansonsten macht es aber großen Spass in dem Buch zu blättern und die Auswahl an Rädern ist tatsächlich gut getroffen. Es findet sich die ganze Bandbreite vom Laufrad, über das Hochrad, Alltagsräder, Liegeräder, Lastenräder. MTB's, Rennräder und bahnbrechende Komponenten wie Campagnolos Gran Sport Parallelogramm Schaltwerk oder Greg LeMonds Aeroaufsatz.

Beiden Büchern gemein ist übrigen das Lotus 108 auf dem Titel. Ich bin ja ein Anhänger des Damantrahmens, aber dieses Rad! Was für ein Geniestreich!





"Velopedia" ist auch auf Deutsch im Delius Klasing Verlag erschienen und kostet19,90 Euro.

"50 Bicycles that changed the world" ist bei Octopussbooks erschienen und kostet original 26 USD, wird bei Amazon UK gebraucht ab 0.39 GBP gehandelt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen