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Montag, 26. Dezember 2016

Gran Canaria

Die Wintersonnenwende liegt zwar schon hinter uns, bis es aber wieder merklich länger hell wird und der Frühling Einzug hält, dauert es noch ein Weile. Da bleibt nur sich auf ein zukünftiges oder über ein zurückliegendes Trainingslager zu freuen. Die Vorfreude auf oder die Erinnerung an strahlenden Sonnenschein und angenehme Temperaturen wärmt das Radfahrer Herz ja auch, zumindest ein bißchen.

In den Herbstferien war ich auf Gran Canaria, zum ersten Mal. Herbsturlaub, nochmal Sonne tanken, mit Kind und Kegel, eine Woche All Inclusive, Pool von Morgens bis Abends und dem ein oder anderen Ausflug. Aber wie das als Radfahrer so ist, ich kam nicht umhin mir ein Rad zu leihen und die Insel zu erkunden. Denn wie Hemingway treffend formulierte:

"It is by riding a bicycle that you learn the contours of a country best, since you have to sweat up the hills and can coast down them…. Thus you remember them as they actually are, while in a motorcar only a high hill impresses you, and you have no such accurate remembrance of country you have driven through as you gain by riding a bicycle."

Gran Canaria lässt sich grob wie folgt beschreiben: Ein dicker Berg in der Mitte, der Pico de las Nieves, rund 2000m hoch, rund herum geht es mehr oder weniger steil hinab bis zum Meer. Im Westen der Insel gibt es einen etwas flacheren Streifen zwischen Berg und Meer. Dort ist dann auch mächtig Verkehr, der Flughafen und alles was es so an Industrie gibt auf der Insel. Das hat auf dem Transfer zum Hotel nicht gerade ideal zum Radfahren ausgesehen. Aber ich mag mich täuschen und die Insider werden vielleicht auch dort gute Wege kennen. Ansonsten geht es hoch. Und zwar lang und gerne auch mal steil und auf teilweise schlechten Straßen. Der Norden ist regenreicher und grüner, der Süden der Insel sonniger und trocken und die Landschaft erinnerte mich teilweise an Tatooine, den Wüstenplant aus Star Wars.

Drei Touren mit zusammen nicht ganz 300 Kilometer sind natürlich zu wenig um ein wirklich fundiertes Statement abgeben zu können. Eines kann ich aber mit Sicherheit sagen: Zum Radfahren auf Gran Canaria sollte mal auf jeden Fall die Kletterer-Beine mitnehmen, wer nur flache Grundlagen Kilometer sammeln möchte fliegt besser woanders hin. Hier geht es hoch und runter, aber so gut wie nie flach.

Von unserem Hotel in der Nähe von Puerto Rico gab es nur zwei Möglichkeiten eine Tour zu beginnen: Entlang der stark befahrenen Küstenstraße Richtung Süden durch die Touristenorte oder Richtung Norden bis nach Puerto de Mogan und dort ab in die Berge, die Variante die ich an allen drei Tagen gewählt habe.

Tour 1: Zum Stausee von Soria

Von Puerto Rico aus geht es auf der Küstenstraße nach Norden. Die GC-500 schlängelt sich entlang der Steilküste unter stetem Auf und Ab mit immer wieder atemberaubenden Ausblicken auf den Atlantik bis nach Puerto Mogan. Auf dem Weg befinden sich auch einige Tunnel, die aber recht kurz sind und sie sich auch ohne Licht ganz gut durchfahren lassen. 

Puerto Mogan.


In Puerto Mogan wendet sich die Straße ins Landesinnere und es geht aufwärts. Kurz nach Mogan kann man der GC-200 weiter folgen bis in den Norden der Insel oder auf die GC-605 abbiegen. Ein sensationelles Stück Straße! Wer nach Gran Canaria fliegt muss hier unbedingt hochfahren. Kaum Verkehr, Ruhe und eine Kurve jagt die nächste, Serpentinen ohne Ende und jederzeit ein spektakulärer Ausblick. Bis zur Abzweigung Richtung Soria geht es 8,5 Kilometer mit durchschnittlich 6% nach oben. (Strava Segment). Von Puerto Mogan aus sind es sogar über 18 Kilometer mit dann 5% Steigung. (Strava Segment) Das ist in der Tat ein anständiger Berg, auf dem Cédric Pineau von FDJ den KOM innehat. Auf Platz vier übrigens Sascha Weber, der aktuelle deutsche Vize-Meister im Cyclocross.


Am Ende des Segmentes bin ich rechts abgebogen. Die Straße ist zwar für Radfahrer gesperrt, wahrscheinlich weil die Abfahrt hinunter nach Soria recht schmal und in wirklich schlechtem Zustand ist, wenn man aber langsam fährt, ist das kein Problem. Unten angekommen, kann man rechts abbiegen zurück hinunter ans Meer oder links bis zu dem Stausee bei Soria fahren. Einen See habe ich nicht zu sehen bekommen, dafür aber einen exzellenten Café Solo getrunken. So gestärkt ging es dann auf guter Straße hinunter nach Arguinequin und an der Küste vorbei zurück nach Puerto Rico.


Tour 2: Um den Roque Nublo

Die nächste Tour war zunächst gleich wie am ersten Tag. Am Meer vorbei nach Puerto Mogan, rechts ab nach Mogan und die GC-605 hoch. Statt nach Soria bin ich der Strasse aber weiter ins Landesinnere gefolgt. Die Steigung lässt nach der Abzweigung etwas nach, da der Belag aber wirklich schlecht ist, fängt es nie wirklich an zu rollen. Vorbei an einigen Stauseen (die aber alle weitgehend trocken waren) geht es hinauf bis auf 1300m nach Ayacata. Von Puerto Mogan bis dorthin sind es 33 Kilometer mit 4% Durchschnittssteigung. (Strava Segment)

In Ayacata gibt es nach der langen Steigung wieder einige Möglichkeiten die Strecke zu wählen. Ich bin weiter nach oben Richtung Roque Nublo. Einem der Wahrzeichen der Insel. Entsprechend viel Verkehr war auch dort oben. Am Parkplatz zum Roque Nublo war sogar richtig Stau.



Dort oben gibt es zahlreiche Ausflugsplätze mit Grill Gelegenheiten, die von zahlreichen Picknicken bevölkert waren. Wenn man die Strecke planen kann, scheint es mir empfehlenswert dort nicht gerade  am Wochenende vorbei zu fahren. Obwohl, abwechslungsreich ist das schon und ein Anblick, den man hierzulande eher selten zu sehen bekommt: Großfamilien die mit Kind und Kegel und hunderten Anderen auf noch nicht mal besonders idyllischen Plätzen an der Straße unter trockenen Pinien stehen, grillen und so ihr Wochenende verbringen.

Danach habe ich mich immer Links gehalten und bin so um den Roque Nublo herum gefahren. Die Abfahrten waren teilweise und unvermittelt so schlecht, das ein Sturz nicht allzu weit entfernt war. Zwei mal ist mir die Trinkflasche aus dem Halter gefallen. Nach all der Schinderei Berg auf hätte ich mich über eine schöne Abfahrt wirklich gefreut, statt dessen war ich nicht viel schneller als vorher Berg auf. Aber dafür war die Aussicht grandios!

Im Hintergrund Teneriffa!


Die Runde war auf jeden Fall länger und bergiger und somit auch anstrengender als es auf der Karte den Anschein hatte und ich war froh, ab Ayacata wieder die bekannte Strecke, diesmal abwärts, einschlagen zu können. Über die GC-605 ging es hinab bis nach Puerto Mogan und nach einer Kaffee Pause zurück zum Hotel. Am Ende hatte ich immerhin 120 km und über 3.000 hm. Der höchste Punkt der Tour war auf rund 1.600 Meter und der Anstieg knapp über 40 Kilometer lang.



Tour 3: Richtung Norden - Raus und Rein

Gleicher Start wie an den beiden vorherigen Tagen, nur bin ich diesmal auf der GC-200 geblieben statt auf die GC-605 abzubiegen. Irgendwie dachte ich ja, dass es dort einiger maßen flach Richtung Norden geht. Aber wie sollte es anders sein, es ging hoch. Zumindest war die Straße ganz anständig und der Verkehr hat sich auch sehr in Grenzen gehalten.

Die Rechnung 30 km in einer Stunde geht in den Bergen, noch dazu wenn man keine Form hat und eigentlich gar kein Rad fahren sollte, leider ganz und gar nicht auf. Als ich so nach 1:45 und erst 35 Kilometern auf der Passhöhe mit Blick auf La Aldea de San Nicolas stand, bin ich dann doch lieber wieder zurückgefahren. Raus - rein ist zwar immer irgendwie blöd, aber was soll's, hilft ja nix. War ja kein Trainingslager!

Über die Qualität der Straßen gab es auf dieser Tour auch mal rein gar nicht zu meckern. Die Abfahrt wieder hinunter bis zur Abzweigung zur GC-605 hat richtig Spaß gemacht. So stelle ich mir das vor!

Blick auf San Nicolas





Noch ein Wort zu Rad und Radverleih. Ich hatte das rote Cannondale Super Six Evo mit mechanischer 11 fach Ultegra bei Free-Motion gebucht, scheinbar DEM Radverleih auf den Kanaren. Für die drei Tage habe ich um die 70 Euro bezahlt. Die Abwicklung und der Service waren ohne Beanstandung und das Rad war tip top in Ordnung, obwohl es schon eine ganze Saison hinter sich hatte. Schlecht waren lediglich die Flaschenhalter, die die 0,75 l Flaschen auf den teils schlechten Straßen nicht halten konnten und die Satteltasche, deren Klettverschluss ausgelutscht war und die ich verloren, aber glücklicherweise auch wieder gefunden habe. Das Cannondale war insgesamt unauffällig und die Ultegra funktionierte zuverlässig. Auf den Passagen mit schlechter Starße erschien mir das Rad aber sehr steif, hart und unkomfortabel. Ich glaube aber dass der größte Anteil daran auf das Konto der Mavic Aksium Laufräder, der Reifen (ein Satz einfacher Conti) und der Alu-Sattelstütze ging. Solange die Straße gut war, habe ich mich aber überraschend wohl gefühlt.


Noch ein paar Bilder mehr gibt's auf Flickr.

Mittwoch, 28. Mai 2014

TdM 2014 Stage 6

In den letzten Tagen sind wir die Küstenstrasse von Lluc nach Pollenca gefahren, wir waren bis zum Piratenturm (als Cap Formentor Ersatz) und ich bin von Soller aus über den grossen Berg und runter nach Sa Calobra (und wieder rauf). Somit fehlte "nur" noch der MA-10 Abschnitt von Soller, vorbei an Deya und Valldemossa bis nach Andratx um die Küstenstrasse komplett zu haben. Die Route stand damit fest. Zusammen mit Christian ging es von Sineu auf altbewährter Strecke bis nach Bunyola und über den Col de Soller hinunter in das Tal der Orangen. Auf dem Weg bis zum Abzweig zur Küstenstrasse haben wir die Strassenbahn überholt, die zwischen Soller und Port de Soller verkehrt und gerne von Touristen im Anschluss an die Fahrt mit der Soller Bahn genommen wird. Aus Erfahrung kann ich aber sagen, dass das zu den Dingen gehört, die man auf Mallorca NICHT machen sollte. Die Fahrt ist langweilig, eintönig und führt entlang der Hauptstraße durch hässliche Randbezirke von Soller hinunter zum Hafen, der ausser überteuerter Touristenlokale auch nichts zu bieten hat. Letzteres hat sich möglicherweise inzwischen geändert, die Strassenbahnfahrt  wird aber definitiv genauso unnötig sein wie immer.

Noch unnötiger war allerdings der Pickel, der sich gestern schon bemerkbar machte und über Nacht leider nicht verschwunden war. Das hat mir die Fahrt ziemlich verleidet und ich war um jede Steigung froh die mir erlaubte im Wiegetritt zu fahren. Aber was soll's, ich bin ja Radfahrer und kein Fussballer. Da wird nicht gejammert sondern einfach weitergemacht. Die in diesem Sinne willkommene Kletterpartie nach Soller führte uns hinauf auf die Küstenstrasse mit fantastischem Panorama. Grüne Hänge, Dörfer und Häuser die sich in steile Hänge krallen, der Duft der Pinienwälder und immer wieder der Blick auf das tiefblau leuchtende Meer, dazu die strahlende Frühjahrssonne.

In Banyalbufar haben wir eine kleine Pause mit Bocadillos, Mandelkuchen und Kaffee eingelegt. Danach das letzte Stück Küstenstrasse und eine perfekte Abfahrt, auf neuem, tiefschwarzem Asphalt hinunter nach Andratx. In dem Gebiet haben letztes Jahr Waldbrände gewütet und eine Einöde hinterlassen, die von verkohlten Baumresten und langsam zurückkehrendem Grün durchsetzt ist. Wo früher Pinienwälder den standen, herrscht jetzt freie Sicht auf das Meer. Nach der Abfahrt haben sich unsere Wege kurz getrennt. Ich bin über Galilea gefahren um virtuel gegen Thomas anzutreten. Der Herausforderung konnte ich dann doch nicht widerstehen, trotz Pickel und bereits mächtig Kilometern in den Beinen bin ich mit allem was noch ging den Berg hinaufgeknattert. 14:33 waren zu schlagen. Ich wusste weder wie lang, noch wie steil der Berg ist, und wo genau die Strecke anfängt und aufhört. Am Ende standen laut Strava 13:03 auf der Uhr. Gut eine Minute langsamer als der Schnellste, aber immerhin 19. von 2953! Da ich mit Christian auf der anderen Seite verabredet war, bin ich die Abfahrt so schnell es meine begrenzten Fähigkeiten auf diesem Gebiet zulassen hinunter gefahren. Später stellte sich heraus dass es zwei Strava Segmente gibt die nicht nur den Anstieg, sondern auch die Abfahrt bis nach Puigpunyent bzw. bis zur Kreuzung mit der Strasse von Calvia, an der ich mich mit Christian treffen wollte, umfassen. Und da war ich der Schnellste, hey, ich habe zwei KOMs auf Mallorca! Gut keine mit hochkarätigen Profis in der Rangliste, aber immerhin.

Doch genug der Strava Spielerei, 60 Kilometer hatten wir noch vor uns bis nach Sineu. Wegen mangelnder Ortskenntnis mussten wir für einige Kilometer auf Hauptstrassen um Palma herum und waren kurz vor Bunyola wieder auf der Strecke auf der wir morgens Richtung Soller gefahren sind. Der Heimweg war weit. Sieben Stunden im Sattel, Acht Stunden, am Schluss bin ich noch zwei Runden um Sineu gefahren um die 200 Kilometer voll zu machen. Zwei Hundert Kilometer! Es ist eine Weile her das ich so lange im Sattel gesessen habe.








TdM 2014 Stage 5

Nachdem es am Vortag kräftig auf und ab ging standen heute keine grösseren Schwierigkeiten auf dem Programm. Senior hat uns die Ehre seiner Gesellschaft erwiesen und uns von Sineu aus in einer wilden Abfolge von Abbiegungen auf kleinen Strassen am Verkehr vorbei bis nach Port de Pollenca geführt. Ortskenntnis ist eben durch keine noch so gute Karte oder Navigationsgedingsbums zu ersetzen. In Port de Pollenca sind wir Richtung Cap Formentor abgebogen. Aber schon auf dem Weg bis zum Col de la Creueta waren so viele Mietwagen unterwegs, dass sich der Weg bis zum Cap erübrigte.

Für die, die das Cap Formentor nicht kennen, es handelt sich um eine gebirgige Halbinsel, deren Ende die äusserste Nord-Ost Spitze Mallorcas markiert. Die Strasse dorthin schlängelt sich durch eine schroffe Steinlandschaft und lichte Pinienwälder mit immer wieder neuen Ausblicken auf das mal türkisfarbene, mal tiefblaue Meer. Am Cap angekommen kann man den Leuchtturm und das in der Tat spektakuläre Panorama bewundern. Das war's dann aber auch schon, dann geht es über die gleiche, enge Strasse die 20 km zurück, die man hingekommen ist. Da es am Leuchtturm nur wenige Parkplätze gibt, stehen die Mietwagen an "guten Tagen" schon einen Kilometer vor dem Ende. Chaos. Mit dem Rad macht das dann keinen Spass.

An der Passhöhe zwischen Port Pollenca und Formentor sind wir daher rechts abgebogen und haben nach weiteren drei Kilometern bergauf den "Piratenturm" erreicht. Die Aussicht von dort ist der am Cap zumindest ebenbürtig. Nach einem kurzen Fotostopp ging es wieder hinunter. Auf der Abfahrt nach Port de Pollenca hat es angefangen zu tropfen und wir haben uns noch gerade so vor dem grossen Schutt in ein Café gerettet. Da Senior eine Aversion gegen Regel #9 Fahrten (strömender Regen) hat, wurde schon die Nutzung eines Grossraumtaxis erwogen (In das ich natürlich nicht eingestiegen wäre). Nach einigen Kaffees war das schlechte Wetter aber schon wieder vergessen und nur die Pfützen auf der Strasse erinnerten noch daran, dass es wenige Minuten zuvor wie aus Eimern geschüttet hatte. Es ist immer wieder beeindruckend, wie schnell sich das Wetter am Meer ändert.

Weiter ging es dann entlang der Küste bei kräftigen Rückenwind bis hinter Can Picafort, dort rechts ab ins Landesinnere zurück nach Sineu. Dort standen etwas mehr als 120 km auf der Uhr, zuwenig um meinem Trainingsplan gerecht zu werden. Ich bin also noch mal raus bis nach Porreres und habe die 170 voll gemacht. Die letzten 50 km mit einem 32er Schnitt. Das war schon mal ganz ordentlich.

Zum ersten Mal habe ich mich auf dem Rad einigermaßen gefühlt. Damit ich nicht übermütig werde, hat sich aber ein fieser Pickel an delikater Stelle bemerkbar gemacht. Wäre ja auch zu schön, wenn mir beim Radfahren mal gar nichts wehtun würde.



                                                                                               

Montag, 26. Mai 2014

TdM 2014 Stage 4

Heute ging es ein bisschen auf und ab. Ein paar Klassiker, die ich während den letzten Aufenthalten hier mangels Zeit und Form ausgelassen habe und daher zuletzt in den 90ern gefahren bin. Soller, Piug und Sa Calobra. Zusammen mit Jenny und Christian ging es von Sineu weitgehend über kleine Strassen nach Alvaro und dort hoch auf den Col d'Orient, durch das wunderbare Hochtal weiter über  den Col d'Honor und runter nach Bunyola. Eigentlich ist die "Orient-Runde" anders herum schöner, da der Anstieg dann über die kleinere, schlechtere Strasse mit mehr Kurven  und die Abfahrt auf der breiten, glatten Strasse erfolgt. Da ich aber weiter nach Soller wollte war die Runde so herum günstiger.

Nach dem Kaffestopp in Bunyola haben sich unsere Wege getrennt. Christian und Jenny sind wieder Richtung Sineu und ich bin rechts abgebogen zum Col de Soller. Sensationeller Weise war heute kein Verkehr, weder Autos noch Radfahrer waren unterwegs. Mutterseelen alleine habe ich mich Serpentine um Serpentine nach oben geschraubt und konnte mich an der Aussicht erfreuen. In Soller angekommen wollte ich eigentlich der Küste folgen bis nach Valdemossa, bin dann aber spontan nach rechts abgebogen hinauf auf den Puig. 13 km mit durchschnittlich 5,6 % Steigung. Auch hier, kaum Autofahrer, kaum Radfahrer, keine Busse. Am Anfang sind drei Motorradfahrer mit Knie auf dem Boden an mir vorbeigeschossen. Nicht schlecht, die hatten bestimmt ihren Spass dort hinauf. Ich bin ein ruhiges, gleichmäsiges Tempo gefahren, kleiner Gang, hohe Frequenz. Die letzten beiden Kilometer haben sich dann doch etwas gezogen. Nach einem kurzen Fotostopp mit Blick über das Tal von Soller und auf das tiefblaue Meer ging es durch den Tunnel zur Passhöhe.

Der Tunnel am Puig ist recht lang, vielleicht 400 Meter und nicht wirklich nennenswert beleuchtet. Das ich am Anfang die Sonnenbrille noch an hatte, hat es nicht einfacher gemacht die Orientierung zu behalten, vorne und hinten ist einfach, aber oben und unten auseinander und das Gleichgewicht zu halten, ist erstaunlicherweise nicht mehr ganz so einfach wenn Boden, Wände und Decke in einem schwarzen Einerlei verschwimmen. Erstaunlich wie sehr das Gleichgewicht vom Sehen abhängt.

Nach dem Tunnel habe ich leider das Passhöhenschild verpasst. Mist. So war die Passschilder Sammlung nicht komplett. Nach der Abfahrt an den Stauseen vorbei konnte ich auch der Sa Calobra-Versuchung nicht wiederstehen. Mit einem Auge das unglaubliche Panorama geniessend, mit dem Anderen die Strasse prüfend habe ich mich durch das Gewirr von Kurven herabgestürzt. Die Abfahrt war erfreulich lang was auch erfreulich viel Spass auf der Abfahrt bietet, aber irgendwann dachte ich mir dann doch: "Oh, verdammt, das musst du alles wieder hoch." Nach einem kurzen und viel zu teuren Tankstopp und den obligatorischen Fotos ging es wieder bergauf. Kurve um Kuve, stetig Höhenmeter gewinnend tauchten nach einer guten Weile weit über mir die letzten Serpentinen vor dem Kreisverkehr auf. Puh, das war ein gutes Stück Arbeit.

Nach kurzer Abfahr vom Col dels Reis ging es wellig über die Küstenstrasse bis zum Col de sa Batalla (der "Tankstellenberg") und runter nach Inca und von dort, glücklicherweise mit Rückenwind zurück nach Sineu.













Samstag, 24. Mai 2014

TdM 2014 Stage 3

Es knackt nicht mehr! Der Senior hat es gerichtet. Am Ende war es der Vorbau, obwohl ich Stein und Bein geschworen hätte, dass es von hinten kommt. Da habe ich es wohl selber verbockt als ich den Vorbau getauscht habe. Und eine engere Kassette habe ich bekommen. Jetzt sind die Unterschiede zwischen den Gängen auch nicht mehr so gross. Sehr angenehm.

Heute stand nur eine kleine, gemütliche KB-Runde (KB = Kompensations Bereich = aktive Erholung) auf dem Programm. Sineu - Randa - Hoch zum Kloster - Kaffee in Llucmajor und wieder zurück nach Sineu. Wir hatten Gesellschaft von Laura (Frau Senior) und Jenny aus der Schweiz. Sorry Ladies, wir wäre ja gerne schneller gefahren, aber der Puls, ihr wisst schon, KB-Training und so. Auf Randa haben wir die sensationelle Aussicht genossen und sind dann runter nach Llucmajor zur Kaffepause gerollt. Anschliessend ging es zurück nach Sineu.








TdM 2014 Stage 2

Knachgeräsche sind scheinbar das verbindende Thema zwischen Thomas Aufentalt und meinem. Heute war es zwar etwas besser, aber immer noch present. Und habe ich schon erwähnt das ich Kompaktkurbeln nicht leiden kann?

Heute ging es zum ersten Mal nennenswert bergauf. Von Sineu aus sind wir nach Inca und von dort hoch nach Lluc. Ein Berg mit vielen Serpentinen, meistens duch lichte Kiefernwälder und mit einer durchschnittlichen Steigung von 5%. Nach 8 km und 22 Minuten war der Spass auch schon wieder vorbei. Ein Blick in die Stava Statistik hat später gezeigt, dass es hier eine ganz Qualität hat, einen KOM zu besitzen wie in "meinem Revier" zuhause. Ich bin auf Platz 319, 3:50 hinter dem KOM gewesen.



So, damit aber genug der Stava Statistiken. Nach dem Anstieg folgt bekanntlich die Abfahrt und wir sind auf perfektem Asphalt runter bis nach Pollenca gerollt. In Pollenca sind wir statt runter bis zur Küste noch mal ein Stück zurück bis nach Sa Pobla und von dort über kleine, trotzdem nicht so schöne Nebenstrassen bis nach Can Picaford. Das sollte eigentlich ein Versuch sein, den Verkehr und den Trubel an der Küste zu umgehen, aber im Nachheinein wäre die Küstenstrasse doch die bessere, weil schönere, Alternative gewesen. Von Can Picaford aus ging es ein Stück parallel zur Küste bis nach San Serra de Marina, einer Retortensiedlung die vor meinem geistigen Auge Bilder von High-Noon Szenen in Italowestern aufsteigen lässt, in denen sich die Protagonisten auf menschenleeren Strassen zum Duell gegenüberstehen. Ganz am Ende dieser Trostlosigkeit wartet aber ein sensationeller Stand mit einer noch besseren Bar, der Sunshine Bar. Dort haben wir eine längere Pause eingelegt und, wie man heutzutage sagt, gechillt. Gutes Essen, guter Kaffee, kalte Softdrinks. Sonne. Tolle Aussicht. Irgendwann war es dann aber doch Zeit das letzte Stück in Angriff zu nehmen. Durch weite Kornfelder ging es bei stetigem Gegenwind wieder ins Landesinnere bis nach Sineu. Christian ist zurück und ich habe noch eine Runde über Petra und San Joan drangehängt. Am Ende waren dann fast 160 km auf der Uhr.