Heute gab es sensationelle Radsport-Neuigkeiten! Gut unterrichtete, verlässliche Quellen berichten von fortgeschrittenen Gesprächen zwischen der UCI und den Veranstaltern der drei großen Landesrundfahrten, Giro d'Italia, Tour de France und Vuelta Espana über eine gemeinsame "Super-Rundfahrt" im Herbst 2020.
Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens im Zuge der Corona-Krise haben zu zahllosen Absagen jedweder Art von Veranstaltung auf der ganzen Welt geführt. Im Radsport wurden alle Rennen, von den kleinsten Jedermann-Events bis zu den Monumenten abgesagt. Der Giro wurde auf einen unbestimmten Termin im Herbst verlegt, die Tour de France ist derzeit mit dicken Fragezeichen versehen. Statt der im Gespräch befindlichen Austragung ohne Zuschauer erscheint eine Verschiebung wahrscheinlich. Leider wird die Zeit zwischen der anvisierten Wiederaufnahme der Saison im August und einem späten Ende der Saison im November nicht ausreichen, um alle abgesagten Rennen nachzuholen.
Die einzige Grand Tour die nach jetzigen Stand "safe" scheint, ist die Vuelta. Eigentümer der Vuelta ist die ASO, was die Gespräche sicherlich vereinfacht haben dürfte, denn die Vuelta muss aus jetziger Sicht am meisten "abgeben".
Wahrscheinlichster Termin für die "Europa-Tour" ist der 4. bis zum 27. September. Die Weltmeisterschaft in der Schweiz wird auf das erste Oktober Wochenende verschoben. Danach sollen die italienischen Frühjahrs- und Herbstklassiker (Strade Bianche, Mailand - San Remo, Lombardei Rundfahrt) statt finden. Die belgischen Klassiker, Paris-Roubaix und die Ardennen Rennen könnten dann im November gefahren werden.
Zu der Strecke der dann einzigen Gran Tour der Saison 2020 sind bisher nur wenige Eckpunkte bekannt, ein Start in Rom scheint wahrscheinlich. Nach einem Prolog im Vatikan und einer ersten Etappe rund um Rom und Ziel vor dem Kolosseum wendet sich das Rennen gen Norden. An der Adria soll es ein Mannschaftszeitfahren geben, bevor es weiter Richtung Mailand und in die Lombardei geht. Die Königsetappe der ersten Woche soll über das Stilfser Joch führen. Am Ende der ersten Woche werden die Fahrer dann in Frankreich zunächst zwei weitere Bergetappe bewältigen müssen, bevor der erste Ruhetag am 14. September ansteht. Dienstags folgt ein klassisches Bergzeitfahren auf den Mont Ventoux. Danach könnte das Rennen weiter durch das Zentral Massiv und an das Mittelmeer führen. Als möglicher Etappenort kommt zu diesem Zeitpunkt etwa Perpignan in Frage. Die dritte Woche des Rennens wird dann auf spanischem Boden stattfinden.
Die letzte Etappe wird, als Tribut und Zugeständnis an die größte der drei Rundfahrten, die Tour, traditionell in Paris auf den Champs-Élysées über die Bühne gehen.
Eine interessante und bis jetzt dem Vernehmen nach noch vollkommen offene Frage ist die Gestaltung des Trikots des Gesamtführenden. Eine kreative Kombination aus Pink, Gelb und Rot erscheint wahrscheinlich, obwohl dies eine überaus schwierige Farbkombination ist.
Der Vuelta Start in den Niederlanden fällt damit 2020 flach, soll aber 2021 nachgeholt werden.
Nun ist zu hoffen, das die derzeitigen Vorsichtsmaßnahmen im Zuge der Corona-Krise im Sommer wieder schrittweise gelockert werden können und einem aufregendem Radsport-Herbst nichts zum Wege steht.
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Mittwoch, 1. April 2020
Montag, 28. März 2016
R.I.P. Antoine Demoitié
Gestern kam es bei Gent Wevelgem zu einem tragischen Unfall in dessen Folge Antoine Demoitié mit erst 25 Jahren sein Leben verlor. Noch sind nicht alle Details zu dem Unfallhergang bekannt, doch es scheint, dass dem sehr erfahrenen Motorradfahrer keine Vorwürfe zu machen sind. Bei km 150 kam es zu einem Sturz von vier Fahrern, der Pilot eines folgenden Motorrades kam bei dem Versuch die Kollision zu verhindern selber zu Fall und stürzte auf Demoitié, der sich dadurch so schwere Kopfverletzungen zuzog, dass er in der Nacht von gestern auf heute verstarb.
In den letzten Jahren kam es immer öfter zu gefährlichen Interaktionen zwischen Fahrern und Motorrädern oder Begleitfahrzeugen. Der Ruf nach einer Reduktion der Motorräder ist dabei natürlich naheliegend, aber nicht unbedingt eine Lösung. Ein einziger, unerfahrener Motorradpilot kann viel gefährlicher sein als zehn Fahrer, die seit Jahren im Einsatz sind. Und es ist eine Symbiose, in der sich Sportler und Motorräder befinden. Ohne Motos keine Fernsehbilder, keine Fotografen, keine Presse, keine Sponsoren und am Ende keine Rennen.
Was tun? In der Tat scheint hier die UCI am Zug. Die Hürde zum Erlangen der Lizenz, um ein Fahrzeug in Rennen der höchsten Kategorie steuern zu dürfen, ist lächerlich gering. Ein Seminar von einem Tag, ohne jedweden Praxisteil reicht für die Zertifizierung als "member of the press who are holders of a licence for a vehicle driver in a road event".
Mehr Ausbildung, mehr und bessere Regeln für das Fahren in der Karawane und letztendlich auch mehr Kontrolle werden das Risiko schwerer und sogar tödlicher Unfälle niemals ganz ausschließen aber doch hoffentlich reduzieren.
Zu diesem Thema wurde in den vergangenen Monaten und Tagen viel lesenswertes geschrieben, hier eine kleine Auswahl mit Hintergrundinformationen, Reportagen und Kommentaren:
Eine Reportage über die oben erwähnte Drivers Licence: rouleur.cc / driving-school
Hintergrundinfos über die Regeln und das Moto-Dilemma: inrng.com / Moto Mayhem
Ein ähnlicher, etwas neuerer Artikel bei inthedrops.net / mo-motos-mo-problems
Eine Reihe von guten Posts wie immer auf Cyclingtips, hier mit Reaktionen aus dem Radsport Zirkus
Riders in the storm, ein Artikel aus dem September letzten Jahres aus der Cyclist
Ein guter Post auf Facebook von Marcel Kittel
Was tun? In der Tat scheint hier die UCI am Zug. Die Hürde zum Erlangen der Lizenz, um ein Fahrzeug in Rennen der höchsten Kategorie steuern zu dürfen, ist lächerlich gering. Ein Seminar von einem Tag, ohne jedweden Praxisteil reicht für die Zertifizierung als "member of the press who are holders of a licence for a vehicle driver in a road event".
Mehr Ausbildung, mehr und bessere Regeln für das Fahren in der Karawane und letztendlich auch mehr Kontrolle werden das Risiko schwerer und sogar tödlicher Unfälle niemals ganz ausschließen aber doch hoffentlich reduzieren.
Zu diesem Thema wurde in den vergangenen Monaten und Tagen viel lesenswertes geschrieben, hier eine kleine Auswahl mit Hintergrundinformationen, Reportagen und Kommentaren:
Eine Reportage über die oben erwähnte Drivers Licence: rouleur.cc / driving-school
Hintergrundinfos über die Regeln und das Moto-Dilemma: inrng.com / Moto Mayhem
Ein ähnlicher, etwas neuerer Artikel bei inthedrops.net / mo-motos-mo-problems
Eine Reihe von guten Posts wie immer auf Cyclingtips, hier mit Reaktionen aus dem Radsport Zirkus
Riders in the storm, ein Artikel aus dem September letzten Jahres aus der Cyclist
Ein guter Post auf Facebook von Marcel Kittel
Ein Podcast mit Kristof Ramon, einem der besten Fotografen im Rennsportzirkus
The Telegraph Cycling Podcast beschäftigt sich diese Woche ebenfalls mit dem tragischen Unfall von Demoitié und spricht über die Folgen und Lehren mit Cavandish, Jim Ochowicz, Luke Edwardes-Ewans, einem erfahrenen Mototradpiloten und Mick Bennett, dem Organisator der Tour of Britain.
Mittwoch, 3. Februar 2016
E-Bike Schlamassel
Jetzt ist es also tatsächlich passiert. Es hat sich jemand mit einem Elektromotor im Rad erwischen lassen, noch dazu bei einer Weltmeisterschaft. Maximale Aufmerksamkeit garantiert. Und wie nicht anders zu erwarten war der Aufschrei groß, frei nach dem Moto: "Auf sie mit Gebrüll". Die erst 19 Jahre alte belgische U23 Europameisterin im Cyclocross, Femke van den Driessche, hat Eingang in die Geschichtsbücher des Radsports gefunden. Ihr Name wird für immer mit dem ersten entdeckten Betrug dieser Art in Verbindung stehen. Wahrscheinlich nicht der Ruhm den sie sich erhofft hat.
Ich warte ja auf den Dopingsünder, der, sobald überführt, sein Vergehen zugibt und zu dem steht was er gemacht hat. Und es vielleicht sogar erklärt. Was bringt jemanden dazu die Regeln zu brechen? Erfolgsdruck? Mangelnde Alternativen ausserhalb des Sports? Falsche Berater und Trainer? Überehrgeizige Eltern? Bringt man nicht schon Kindern bei, dass es besser ist eine Missetat zuzugeben und die dann hoffentlich mildere Strafe zu akzeptieren als sich in fadenscheinigen Ausflüchten zu verstricken? Haben all die Dopingsünder nicht gelernt dass früher oder später selbst das stärkste Lügengebilde einstürzt und die Wahrheit an's Licht kommt? Wie war das noch mal mit Armstrong, Ulrich, Landis, Hamilton, Millar, Pantani und all den anderen? Gut, es kann natürlich sein dass Femke van den Driessche tatsächlich nichts von dem Motor in ihrem Rad wusste und es ihr durch einen dummen Zufall untergeschoben wurde. Leider ist die Geschichte, die sie erzählt, alles andere als glaubwürdig, die Reputation ihrer Familie mehr als zweifelhaft und am Ende spielt es auch keine Rolle, ob Sie es wusste oder nicht.
Obwohl, professioneller Sport ist Entertainment. Und was uns Familie van den Driesche derzeit auftischt könnte sich wahrscheinlich kein noch so wahnsinniger Trash-TV-Drebuch-Schreiber ausdenken. Eine kurze Zusammenfassung: Eine junge, hübsche, aufstrebende Radsportlerin verkauft eines ihrer Räder an einen Freund der Familie. Dieser trainiert ab und an mit ihr und ihren Brüdern und lässt in das Rad einen Elektromotor einbauen. Ansonsten bleibt das Rad absolut ummodifiziert. Zumindest so weit, dass die erfahrenen Mechaniker bei der Weltmeisterschaft das Rad als eines von Femke betrachten und mit in die Wechselzone nehmen. Warum das Rad überhaupt da war? Der Freund der Familie hat vor dem WM-Rennen eine Erkundungsrunde auf dem Kurs gedreht und das Rad bei den van den Driessches abgestellt. Der dumme Mechaniker, also wirklich, nimmt der einfach das falsche Rad mit. Zu allem Unglück kontrolliert die UCI dann auch genau dieses Rad. Was für ein Jammer. Natürlich hat man nichts gewusst, Tränen im Fernsehen, Beteuerungen noch und nöcher.
Leider wird die Glaubwürdigkeit durch die Tatsache, dass Femkes Bruder derzeit eine EPO-Sperre absitzt und Vater und Bruder vor einiger Zeit des Diebstahls zweier Kanarienvögel überführt wurden, nicht gerade gestützt. Heute war zu lesen, das Pure Cycling, eine Australische Non-Profit Organisation die sich für einen sauberen Radsport einsetzt, in den vergangenen Monaten mehrere Hinweise auf verdächtige Leistungen erhalten hat. Insbesondere die Koppenberg-Performance von Fräulein van den Driessche erscheint nun in einem ganz neuen Licht.
Eine ganze Menge Merkwürdigkeiten, die am Ende aber alle irrelevant sind. Das Reglement ist in diesem Punkt eindeutig. In Artikel 1.3.010 der technischen Regeln heisst es: "The bicycle shall be propelled solely, through a chainset, by the legs (inferior muscular chain) moving in a circular movement, without electric or other assistance." Artikel 1.3.001 sagt: "The licence holder is responsible for his or her equipment and for ensuring its compliance with the regulations. The licence holder must thus have knowledge of the technical regulations to be able to apply them to the bicycle, accessories and clothing." Wie beim Doping ist letztendlich der Sportler verantwortlich, für die Substanzen in seinem Körper genau so wie für sein Material. UCI Technical Regulation, Technological Fraud
Wobei wir bei dem Vergleich von Doping und technischem Betrug sind und der Frage, was denn schlimmer sei. Beides ist Betrug, sowohl mit der einen wie mit der anderen Methode erschleicht man sich einen Vorteil. Inner Ring hat dazu einen hervorragenden Artikel geschrieben und kommt zu dem Schluss dass Doping schlimmer ist. Doping-Substanzen können, und das ist der wichtigste Grund warum sie verboten sind, zu schweren Gesundheitsschäden und sogar zum Tod des Sportlers führen. Ein weiterer Grund ist, das Doping auch noch lange nachdem es eingestellt wurde wirkt. (Velonews, BBC).
Insofern ist die Verhältnismässigkeit vieler Anschuldigungen gegen Femke van den Driessche nicht mehr gegeben. Ein 19 jähriges Mädchen ist in schlechten Einfluss geraten (Ihre Eltern, Mist) und war so dumm und hat sich erwischen lassen. Eine zwar volljährige aber vielleicht noch lange nicht erwachsene Nachwuchsfahrerin hat ein Rad in der Wechselzone gehabt, in dem ein Elektro-Motor eingebaut war. Und deshalb soll der Radsport als ganzes Schaden nehmen und wurde der Lächerlichkeit hingegeben? Im Ernst? Jemand hat sich nicht an die Regeln gehalten, wurde erwischt und wird nach Abschluss der Untersuchungen entsprechend bestraft werden. Viele fordern jetzt eine lebenslange Sperre. Fragt sich für wen? Für Femke? Für ihren Vater? Den Mechaniker? Die Kanarienvögel?
Ich bin kein Anhänger von Fundamentalismus und drakonischen Strafen. Beides führt zu nichts. Auch wenn hier noch nicht einmal der Ansatz eines Zweifels besteht, das Elektromotoren in Radrennen nichts zu suchen haben und der Einsatz gegen alle sportlichen Werte und Regeln verstößt, muss man doch die Kirche im Dorf lassen und sagen: "Es ist nur Sport!" Unser Leben ist voll von Regelverstößen, es wird zu schnell und über rote Ampeln gefahren, Steuern hinterzogen, Intrigen im Büro gesponnen, Spesenabrechnungen frisiert, Ehepartner werden betrogen, Fotos retuschiert, Filmstars Schönheits-operiert und ja, im Sport wird gedopt. Lug und Trug und Fake wohin man schaut. Das war schon immer Teil des Spiels und wird es auch immer bleiben. Menschen sind nun mal in einem ständigen Konkurrenzkampf um Anerkennung und Erfolg, besonders und vor allem im Sport. Wer sich dem Wettkampf stellt hat für diese Konkurrenz Situation ein besonderes Faible, denn darum geht es ja, besser zu sein als Andere, zu gewinnen. Höher, schneller, weiter.
Eine wichtige Charakter Eigenschaft von Sportlern ist der Ehrgeiz. Ohne den wird man nicht weit kommen. Da ist es unvermeidlich, dass ab und an auch einige Individuen auf der Spielfläche erscheinen die ein Übermaß an Ehrgeiz an den Tag legen und "mit allen Mitteln" gewinnen wollen. Das können sowohl Sportler, wie auch Trainer und Eltern sein. Das nicht zu erwarten wäre einfach nur unrealistisch. Wenn Sportler die Regeln brechen, egal auf welche Art, müssen die Sportverbände mit ihren Kommissären und die Anti-Doping Organisationen dem Einhalt gebieten. Energisch und nachhaltig. Aber es kann keine Lösung sein diese Menschen bei einem ersten Verstoß mit einer lebenslangen Sperre einfach auszusortieren. Das wäre zu einfach. Wie im Strafrecht sollte auch der Sport auf die Rehabilitierung abzielen. Zumindest ist das der gesellschaftliche Konsens in Mitteleuropa. Es gibt andere Länder, in denen Straftäter weggesperrt werden oder die Todesstrafe fürchten müssen. Das halte ich nicht für erstrebenswert.
Bei all denen die jetzt nach der Ultima Ratio rufen und eine drakonische, lebenslange Sperre für Femke van den Driessche fordern frage ich mich, ob die sich immer 100%ig an jede Regel gehalten haben? Nie in einem Radrennen den Kreisverkehr falsch herum gefahren sind, immer ein Rad am Start haben das mit allen UCI Regeln übereinstimmt, nie beim Zeitfahren kurz in den Windschatten des zu überholenden Fahrers gefahren sind, nie eine sticky Bottle gereicht bekommen haben. Sehr vehement hat übrigens Herr Merckx eine lebenslange Sperre gefordert, wie war das noch mal gleich mit dem Glashaus und den Steinen?
Links:
Mehr zu lesen zu dem Thema unter anderem auf
cyclingtips z,B.: hier (Pro Life Time Ban), hier, hier und hier
inner ring hier und hier
Ich warte ja auf den Dopingsünder, der, sobald überführt, sein Vergehen zugibt und zu dem steht was er gemacht hat. Und es vielleicht sogar erklärt. Was bringt jemanden dazu die Regeln zu brechen? Erfolgsdruck? Mangelnde Alternativen ausserhalb des Sports? Falsche Berater und Trainer? Überehrgeizige Eltern? Bringt man nicht schon Kindern bei, dass es besser ist eine Missetat zuzugeben und die dann hoffentlich mildere Strafe zu akzeptieren als sich in fadenscheinigen Ausflüchten zu verstricken? Haben all die Dopingsünder nicht gelernt dass früher oder später selbst das stärkste Lügengebilde einstürzt und die Wahrheit an's Licht kommt? Wie war das noch mal mit Armstrong, Ulrich, Landis, Hamilton, Millar, Pantani und all den anderen? Gut, es kann natürlich sein dass Femke van den Driessche tatsächlich nichts von dem Motor in ihrem Rad wusste und es ihr durch einen dummen Zufall untergeschoben wurde. Leider ist die Geschichte, die sie erzählt, alles andere als glaubwürdig, die Reputation ihrer Familie mehr als zweifelhaft und am Ende spielt es auch keine Rolle, ob Sie es wusste oder nicht.
Obwohl, professioneller Sport ist Entertainment. Und was uns Familie van den Driesche derzeit auftischt könnte sich wahrscheinlich kein noch so wahnsinniger Trash-TV-Drebuch-Schreiber ausdenken. Eine kurze Zusammenfassung: Eine junge, hübsche, aufstrebende Radsportlerin verkauft eines ihrer Räder an einen Freund der Familie. Dieser trainiert ab und an mit ihr und ihren Brüdern und lässt in das Rad einen Elektromotor einbauen. Ansonsten bleibt das Rad absolut ummodifiziert. Zumindest so weit, dass die erfahrenen Mechaniker bei der Weltmeisterschaft das Rad als eines von Femke betrachten und mit in die Wechselzone nehmen. Warum das Rad überhaupt da war? Der Freund der Familie hat vor dem WM-Rennen eine Erkundungsrunde auf dem Kurs gedreht und das Rad bei den van den Driessches abgestellt. Der dumme Mechaniker, also wirklich, nimmt der einfach das falsche Rad mit. Zu allem Unglück kontrolliert die UCI dann auch genau dieses Rad. Was für ein Jammer. Natürlich hat man nichts gewusst, Tränen im Fernsehen, Beteuerungen noch und nöcher.
Leider wird die Glaubwürdigkeit durch die Tatsache, dass Femkes Bruder derzeit eine EPO-Sperre absitzt und Vater und Bruder vor einiger Zeit des Diebstahls zweier Kanarienvögel überführt wurden, nicht gerade gestützt. Heute war zu lesen, das Pure Cycling, eine Australische Non-Profit Organisation die sich für einen sauberen Radsport einsetzt, in den vergangenen Monaten mehrere Hinweise auf verdächtige Leistungen erhalten hat. Insbesondere die Koppenberg-Performance von Fräulein van den Driessche erscheint nun in einem ganz neuen Licht.
Eine ganze Menge Merkwürdigkeiten, die am Ende aber alle irrelevant sind. Das Reglement ist in diesem Punkt eindeutig. In Artikel 1.3.010 der technischen Regeln heisst es: "The bicycle shall be propelled solely, through a chainset, by the legs (inferior muscular chain) moving in a circular movement, without electric or other assistance." Artikel 1.3.001 sagt: "The licence holder is responsible for his or her equipment and for ensuring its compliance with the regulations. The licence holder must thus have knowledge of the technical regulations to be able to apply them to the bicycle, accessories and clothing." Wie beim Doping ist letztendlich der Sportler verantwortlich, für die Substanzen in seinem Körper genau so wie für sein Material. UCI Technical Regulation, Technological Fraud
Wobei wir bei dem Vergleich von Doping und technischem Betrug sind und der Frage, was denn schlimmer sei. Beides ist Betrug, sowohl mit der einen wie mit der anderen Methode erschleicht man sich einen Vorteil. Inner Ring hat dazu einen hervorragenden Artikel geschrieben und kommt zu dem Schluss dass Doping schlimmer ist. Doping-Substanzen können, und das ist der wichtigste Grund warum sie verboten sind, zu schweren Gesundheitsschäden und sogar zum Tod des Sportlers führen. Ein weiterer Grund ist, das Doping auch noch lange nachdem es eingestellt wurde wirkt. (Velonews, BBC).
Insofern ist die Verhältnismässigkeit vieler Anschuldigungen gegen Femke van den Driessche nicht mehr gegeben. Ein 19 jähriges Mädchen ist in schlechten Einfluss geraten (Ihre Eltern, Mist) und war so dumm und hat sich erwischen lassen. Eine zwar volljährige aber vielleicht noch lange nicht erwachsene Nachwuchsfahrerin hat ein Rad in der Wechselzone gehabt, in dem ein Elektro-Motor eingebaut war. Und deshalb soll der Radsport als ganzes Schaden nehmen und wurde der Lächerlichkeit hingegeben? Im Ernst? Jemand hat sich nicht an die Regeln gehalten, wurde erwischt und wird nach Abschluss der Untersuchungen entsprechend bestraft werden. Viele fordern jetzt eine lebenslange Sperre. Fragt sich für wen? Für Femke? Für ihren Vater? Den Mechaniker? Die Kanarienvögel?
Ich bin kein Anhänger von Fundamentalismus und drakonischen Strafen. Beides führt zu nichts. Auch wenn hier noch nicht einmal der Ansatz eines Zweifels besteht, das Elektromotoren in Radrennen nichts zu suchen haben und der Einsatz gegen alle sportlichen Werte und Regeln verstößt, muss man doch die Kirche im Dorf lassen und sagen: "Es ist nur Sport!" Unser Leben ist voll von Regelverstößen, es wird zu schnell und über rote Ampeln gefahren, Steuern hinterzogen, Intrigen im Büro gesponnen, Spesenabrechnungen frisiert, Ehepartner werden betrogen, Fotos retuschiert, Filmstars Schönheits-operiert und ja, im Sport wird gedopt. Lug und Trug und Fake wohin man schaut. Das war schon immer Teil des Spiels und wird es auch immer bleiben. Menschen sind nun mal in einem ständigen Konkurrenzkampf um Anerkennung und Erfolg, besonders und vor allem im Sport. Wer sich dem Wettkampf stellt hat für diese Konkurrenz Situation ein besonderes Faible, denn darum geht es ja, besser zu sein als Andere, zu gewinnen. Höher, schneller, weiter.
Eine wichtige Charakter Eigenschaft von Sportlern ist der Ehrgeiz. Ohne den wird man nicht weit kommen. Da ist es unvermeidlich, dass ab und an auch einige Individuen auf der Spielfläche erscheinen die ein Übermaß an Ehrgeiz an den Tag legen und "mit allen Mitteln" gewinnen wollen. Das können sowohl Sportler, wie auch Trainer und Eltern sein. Das nicht zu erwarten wäre einfach nur unrealistisch. Wenn Sportler die Regeln brechen, egal auf welche Art, müssen die Sportverbände mit ihren Kommissären und die Anti-Doping Organisationen dem Einhalt gebieten. Energisch und nachhaltig. Aber es kann keine Lösung sein diese Menschen bei einem ersten Verstoß mit einer lebenslangen Sperre einfach auszusortieren. Das wäre zu einfach. Wie im Strafrecht sollte auch der Sport auf die Rehabilitierung abzielen. Zumindest ist das der gesellschaftliche Konsens in Mitteleuropa. Es gibt andere Länder, in denen Straftäter weggesperrt werden oder die Todesstrafe fürchten müssen. Das halte ich nicht für erstrebenswert.
Bei all denen die jetzt nach der Ultima Ratio rufen und eine drakonische, lebenslange Sperre für Femke van den Driessche fordern frage ich mich, ob die sich immer 100%ig an jede Regel gehalten haben? Nie in einem Radrennen den Kreisverkehr falsch herum gefahren sind, immer ein Rad am Start haben das mit allen UCI Regeln übereinstimmt, nie beim Zeitfahren kurz in den Windschatten des zu überholenden Fahrers gefahren sind, nie eine sticky Bottle gereicht bekommen haben. Sehr vehement hat übrigens Herr Merckx eine lebenslange Sperre gefordert, wie war das noch mal gleich mit dem Glashaus und den Steinen?
Links:
Mehr zu lesen zu dem Thema unter anderem auf
cyclingtips z,B.: hier (Pro Life Time Ban), hier, hier und hier
inner ring hier und hier
Dienstag, 24. November 2015
Scheibenbremsen sind da um zu bleiben! (Update)
Heute hat cyclingtips mit Bezug auf gut unterrichtete Quellen aus der Fahrradindustrie gemeldet, dass die UCI den Einsatz von Scheibenbremsen im Pro-Peloton ab 2016 freigibt. Also quasi in fünf Wochen. Ab dem 1. Januar 2017 sollen die Amateure folgen. Yeah, Scheibenbremsen für alle! Yeah?
Die Entscheidung sei Mitte Oktober von der zuständigen Kommission der UCI getroffen worden. Die Rotorgröße wurde demzufolge auf 160mm festgelegt. Ich habe mal auf der Seite der UCI gesucht, aber nichts gefunden.
Das Für und Wider von Scheibenbremsen wird zuweilen ja mit fast schon religiöser Inbrunst diskutiert. Für mich steht ohne Frage fest: In fünf Jahren sind Rennräder mit Scheibenbremsen genauso normal wie heute Bremsschaltgriffe.
Die üblichen Argumente gegen die Disc-Brake sind:
Update 30.11.2015:
Heute hat die UCI die Regelungen bekanntgegeben, die 2016 den Einsatz von Scheibenbremsen in professionellen Straßenrennen erlaubt. Hier der wichtigste Passus:
After extensive discussions with its stakeholders, the UCI has decided to allow the use of disc brakes by riders across all divisions of UCI professional road teams:
The use of disc brakes will be carefully monitored throughout the year with a view to definitively allowing them to be used in professional road cycling from 2017.
Hier die volle Pressemitteilung.
Die Entscheidung sei Mitte Oktober von der zuständigen Kommission der UCI getroffen worden. Die Rotorgröße wurde demzufolge auf 160mm festgelegt. Ich habe mal auf der Seite der UCI gesucht, aber nichts gefunden.
Das Für und Wider von Scheibenbremsen wird zuweilen ja mit fast schon religiöser Inbrunst diskutiert. Für mich steht ohne Frage fest: In fünf Jahren sind Rennräder mit Scheibenbremsen genauso normal wie heute Bremsschaltgriffe.
Die üblichen Argumente gegen die Disc-Brake sind:
- Ästhetik: Reine Gewöhnungssache. Am Anfang haben auch Radhelme, Sport-Brillen und Triathlonaufsätze "falsch" ausgesehen. Heute sind sie ganz normaler Bestandteil des Radsports.
- Gewicht: Niemand verliert ein Rennen, weil das Rad ein paar Gramm schwerer ist. Wenn die UCI das Gewichtslimit für Rennräder generell beibehält, wird es keine Schwierigkeit sein Rennräder mit Scheibenbremsen zu bauen, die das Mindestgewicht gerade so erreichen. Darüber hinaus spielt das Gewicht ausser bei einer Bergankunft auch nur eine untergeordnete Rolle.
- Aerodynamik: Ja, das mag etwas schlechter sein, aber ich bin überzeugt, findige Ingenieure werden auch da Lösungen finden. Vielleicht ist eine solche Lösung ja auch unter Verletzungsgesichtspunkten interessant?
- Radwechsel: Mit etwas Übung wird das eine so schnell gehen wie das andere.
- Neutraler Service: Das wird in der Tat etwas komplizierter. Auf der anderen Seite wird es vielleicht auch immer weniger Defekte geben, Tubeless Reifen sollen ja viel weniger anfällig sein. Vielleicht wird es ja auch Laufräder geben, die sowohl einen Rotor als auch eine "bremsfähige" Felge haben und die sowohl per True Axle als auch mit einem Adapter per Schnellspanner montiert werden können. Warum nicht?
- Verletzungsgefahr beim Sturz: Wirklich? Das soll ein Argument sein? Massenstürze sind zum Glück sehr sehr selten. Wenn es aber doch dazu kommt, sollen heisse Bremsscheiben den Radfahrern Beine und Arme abtrennen? Echt? (siehe dazu auch das GCN Video weiter unten) Nun, die Bremsen dürften nur auf langen, kurvenreichen Abfahrten wirklich heiss werden. Auf Abfahrten fahren aber alle schön in einer Reihe. Das geht gar nicht anders. Wenn es da Stürze gibt erwischt es maximal eine Handvoll, aber nicht das halbe Feld. In der üblichen Massensturz Situation kommen die Bremsen gar nicht zum Einsatz, das geht so schnell, da fasst keiner mehr an die Bremse. Aber gehen wir mal davon aus, es kommt wirklich zum Sturz, so richtig mit Karacho, dann fallen mir Straßenlaternen, Zäune, Pfosten ein, oder massive Abschürfungen, vielleicht innere Verletzungen durch einen "Lenker im Bauch", gar nicht davon zu reden was mit dem Kopf alles passieren kann, trotz Helm. Und da soll eine Bremsscheibe das Risiko nennenswert erhöhen?
- Unterschiedliche Bremsleistung: Auch heute ist es so, dass es Fahrer gibt die früher und solche die später bremsen. Der, der später bremsen kann, macht auf der Abfahrt Meter gut, der frühe Bremser verliert. Wenn vor mir Felgenbremser sind, fahre ich mit meinen Scheibenbremsen entweder vorbei oder ich muss warten. Im umgekehrten Fall muss der Felgenbremser eben früher anfangen zu bremsen. Jeder Fahrer muss doch immer selber einschätzen, wie schnell er eine Kurve fahren kann und wann er bremsen muss. Wo ist der Unterschied zu heute? Wenn ich mit Sagan eine Abfahrt runterfahre, kann ich auch nicht erst bremsen wenn der bremst.
- Die Kompatibilität nimmt ab: Auch das ist richtig. Aber seien wir mal ehrlich, die Zeiten in denen alles miteinander kombinierbar war sind seit Einführung der indizierten Rahmenschalthebel vorbei. Der Trend geht dazu ein komplettes System zu kaufen. Alles ist auf einander abgestimmt. 10 fach, 11 fach, integrierte Vorbau-Lenker Einheiten, proprietäre Sattelstützen, Innenlager, da kommt es auf die Laufräder auch nicht mehr an.
Zu den Vorteilen kann ich nur eines sagen, aus eigener Erfahrung: Es bremst besser! Bei jedem Wetter die gleiche Bremsleistung. Dabei sind die mechanischen Scheibenbremsen an meinem Winterrad sicher nicht der Weisheit letzter Schluss, noch lange nicht. Und trotzdem ist es im Winter und bei Regen viiieeeel entspannter. Es bremst einfach immer und tatsächlich gleich gut.
In spätestens fünf Jahren ist die Scheibenbremse Standard und die Felgenbremse die Spezialausstattung. Ob es gefällt oder nicht, Scheibenbremsen sind da um zu bleiben! Es gibt übrigens ein Spezialwort für das was mit den Bremsen gerade passiert, das Schwierige ist, man erkennt es oft erst Jahre später. Das Ganze nennt sich FORTSCHRITT! ;-)
Link:
Update 30.11.2015:
Heute hat die UCI die Regelungen bekanntgegeben, die 2016 den Einsatz von Scheibenbremsen in professionellen Straßenrennen erlaubt. Hier der wichtigste Passus:
After extensive discussions with its stakeholders, the UCI has decided to allow the use of disc brakes by riders across all divisions of UCI professional road teams:
- UCI WorldTeams
- UCI Professional Continental Teams
- UCI Continental Teams
- UCI Women’s Teams.
The use of disc brakes will be carefully monitored throughout the year with a view to definitively allowing them to be used in professional road cycling from 2017.
Hier die volle Pressemitteilung.
Sonntag, 24. Mai 2015
Obey the Rules!
Diese Woche gab es beim Giro d'Italia einige Aufregung um eine Zwei Minuten Zeitstrafe für Richie Porte, einen der Favoriten auf den Gesamtsieg des Giro. Für die, die es nicht verfolgt haben, das ist passiert: Im Finale der zehnten Etappe am 19. Mai hatte der Australier bei der fünf Kilometer Marke einen Plattfuß am Vorderrad. Weder seine Mannschaftskollegen noch der Team-Sky Mannschaftswagen und auch nicht der neutrale Materialwagen waren sofort zur Stelle. Wohl aber Simon Clarke, ebenfalls ein Australier und ein Freund von Richie Porte. Und was macht man unter Freunden, wenn der Andere in Not ist? Natürlich, keine Frage, man hilft sich. Gerrans ist kein Fahrer mit Ambitionen im Gesamtklassement und kann daher einige Minuten Zeitverlust leicht verschmerzen, im Gegensatz zu Porte, für den jede Sekunde zählt(e). Schnell war das Vorderrad gewechselt, Clarke hat Port angeschoben, inzwischen waren auch einige Sky Fahrer zur Stelle und mit vereinten Kräften ging es dem jagenden Feld hinterher.
Dummerweise fährt Clarke aber für Orica GreenEdge und nicht für Sky, was aus dem Freundschaftsdienst eine unerlaubte Hilfestellung macht. Das Reglement ist in diesem Punkt sehr eindeutig, in Paragraph 2.3.012 heißt es:
Warum gibt es diese Regel? Ganz einfach, Radsport ist ein Mannschaftssport. Der Fahrer, der in der entscheidenden Phase des Rennens noch mehr Helfer hat, ist in der besseren Position. Er kann das Rennen besser kontrollieren, hat mehr Fahrer die Lücken schließen können, die ans Auto zurückfahren können um Flaschen zu holen und die im Notfall das Rad tauschen können. Es kommt immer wieder vor, dass Allianzen zwischen Mannschaften geschlossen werden oder dass man gegen Geld anderen Mannschaften hilft, dass nennt sich dann Combine und ist natürlich verboten. Nachzuweisen ist es schwierig, weshalb es selten gelandet wird.
Der nächste Punkt ist, das Clarke und Porte keine Konkurrenten sind. In einer Rundfahrt gibt es viele Rennen, um Tagessiege, um Wertungstrikots und um den Gesamtsieg. Clarke fährt um Tagessiege, Porte um den Gesamtsieg. Wenn Clarke anhält und Porte hilft, ist das etwas ganz anderes als wenn Contador auf Porte warten würde, bis der sagen wir auf einer Bergetappe nach einem Defekt wieder aufgeschlossen hat. Als Ullrich 2003 bei der Tour auf Armstrong wartete als dieser gestürzt ist, das war fair (allerdings, siehe 2.3.012, nicht erlaubt). Ullrich und Armstrong waren direkte Konkurrenten. Clarke im Gegensatz hatte ja nichts zu verlieren, er befand sich sozusagen in einem anderen Rennen.
Wir wissen natürlich nicht, ob Clarke auch für Aru oder Contador angehalten hätte, ich bezweifle es aber stark. Und das lässt vermuten, das es eben keine faire Geste war.
Jetzt kann man zu dem ganzen durchaus anderer Meinung sein und ich kann mir vorstellen, dass niemand Protest eingelegt hätte, wenn Porte damit durchgekommen wäre. Wie jedes gesellschaftliche Zusammenleben benötigt auch der Sport klare Spielregeln. Nicht alle Gesetzte und Regeln mögen uns sinnvoll erscheinen, solange sie aber gültig sind, müssen wir uns daran halten, oder uns zumindest nicht erwischen lassen.
Bei all den Marginal Gains erstaunt es mich am meisten, dass Porte und Clarke das Reglement, die Grundlage auf der sie ihren Beruf ausüben nicht kennen. Bei jedem Kirmesrennen heisst es am Start: "Jeder Fahrer fährt auf eigene Rechnung und Gefahr, gefahren wird nach der Sportordnung des Bunds Deutscher Radfahrer, ...". Und selbst wenn man sich als Richie Porte die Paragrafen zur Presse Akkreditierung (2.2.039 ff), die Formvorschriften der Meldelisten (2.2.087) oder die Regeln zu Frauen und Kontinentalteams (2.17.001) schenke, dann muss ich als Berufsradsportler doch wenigsten den Abschnitt lesen, der mit "Rights and duties of riders" überschrieben ist.
Regeln sind Regeln und die sind einzuhalten. Sicherlich wird schon mal das ein oder andere Auge zugedrückt, aber in dem Fall? Wie wir inzwischen wissen, war "Wheel-Gate" ohnehin nur der Beginn einer Pechsträhne und die zwei Minuten ohne Belang.
Welche Autorität hätte ein Kommisär, der einen solch gravierenden und unter Umständen Renn entscheidenden Verstoß nicht ahndet?
Nein, je länger ich darüber nachdenke, der Radtausch zwischen Clarke und Porte war weder fair noch sportlich und wurde völlig zu recht geahndet.
Mehr dazu:
Ein hervorragender Artikel (wie immer) auf inrg.com: "The Do's and Don'ts of Racing"
Ein Interview mit Herrn Cookson, dem Präsidenten der UCI auf VeloNews
Hier gehts zu den UCI Reglements, hier das Reglement für die Straße.
PS.: Ich gehe davon aus, dass jetzt alle Sky Fahrer das Reglement büffeln und von Sir David Brailsford abgefragt werden!
Dummerweise fährt Clarke aber für Orica GreenEdge und nicht für Sky, was aus dem Freundschaftsdienst eine unerlaubte Hilfestellung macht. Das Reglement ist in diesem Punkt sehr eindeutig, in Paragraph 2.3.012 heißt es:
All riders may render each other such minor services as lending or exchanging food, drink, spanners or accessories. The lending or exchanging of tubular tyres or bicycles and waiting for a rider who has been dropped or involved in an accident shall be permitted only amongst riders of the same team. The pushing of one rider by another shall in all cases be forbidden, on pain of disqualification.Nachdem die Geste als Akt der Freundschaft und der Fairness gefeiert wurde und als Beweis herhalten musst, was für ein großartiger Sport der Radsport ist, wo selbst "Konkurrenten" einander in der Not helfen war der Aufschrei um so größer, als die Jury Porte und Clarke mit je 200 SFR Geld- und zwei Minuten Zeitstrafe belegte.
Warum gibt es diese Regel? Ganz einfach, Radsport ist ein Mannschaftssport. Der Fahrer, der in der entscheidenden Phase des Rennens noch mehr Helfer hat, ist in der besseren Position. Er kann das Rennen besser kontrollieren, hat mehr Fahrer die Lücken schließen können, die ans Auto zurückfahren können um Flaschen zu holen und die im Notfall das Rad tauschen können. Es kommt immer wieder vor, dass Allianzen zwischen Mannschaften geschlossen werden oder dass man gegen Geld anderen Mannschaften hilft, dass nennt sich dann Combine und ist natürlich verboten. Nachzuweisen ist es schwierig, weshalb es selten gelandet wird.
Der nächste Punkt ist, das Clarke und Porte keine Konkurrenten sind. In einer Rundfahrt gibt es viele Rennen, um Tagessiege, um Wertungstrikots und um den Gesamtsieg. Clarke fährt um Tagessiege, Porte um den Gesamtsieg. Wenn Clarke anhält und Porte hilft, ist das etwas ganz anderes als wenn Contador auf Porte warten würde, bis der sagen wir auf einer Bergetappe nach einem Defekt wieder aufgeschlossen hat. Als Ullrich 2003 bei der Tour auf Armstrong wartete als dieser gestürzt ist, das war fair (allerdings, siehe 2.3.012, nicht erlaubt). Ullrich und Armstrong waren direkte Konkurrenten. Clarke im Gegensatz hatte ja nichts zu verlieren, er befand sich sozusagen in einem anderen Rennen.
Wir wissen natürlich nicht, ob Clarke auch für Aru oder Contador angehalten hätte, ich bezweifle es aber stark. Und das lässt vermuten, das es eben keine faire Geste war.
Jetzt kann man zu dem ganzen durchaus anderer Meinung sein und ich kann mir vorstellen, dass niemand Protest eingelegt hätte, wenn Porte damit durchgekommen wäre. Wie jedes gesellschaftliche Zusammenleben benötigt auch der Sport klare Spielregeln. Nicht alle Gesetzte und Regeln mögen uns sinnvoll erscheinen, solange sie aber gültig sind, müssen wir uns daran halten, oder uns zumindest nicht erwischen lassen.
Bei all den Marginal Gains erstaunt es mich am meisten, dass Porte und Clarke das Reglement, die Grundlage auf der sie ihren Beruf ausüben nicht kennen. Bei jedem Kirmesrennen heisst es am Start: "Jeder Fahrer fährt auf eigene Rechnung und Gefahr, gefahren wird nach der Sportordnung des Bunds Deutscher Radfahrer, ...". Und selbst wenn man sich als Richie Porte die Paragrafen zur Presse Akkreditierung (2.2.039 ff), die Formvorschriften der Meldelisten (2.2.087) oder die Regeln zu Frauen und Kontinentalteams (2.17.001) schenke, dann muss ich als Berufsradsportler doch wenigsten den Abschnitt lesen, der mit "Rights and duties of riders" überschrieben ist.
Regeln sind Regeln und die sind einzuhalten. Sicherlich wird schon mal das ein oder andere Auge zugedrückt, aber in dem Fall? Wie wir inzwischen wissen, war "Wheel-Gate" ohnehin nur der Beginn einer Pechsträhne und die zwei Minuten ohne Belang.
Welche Autorität hätte ein Kommisär, der einen solch gravierenden und unter Umständen Renn entscheidenden Verstoß nicht ahndet?
Nein, je länger ich darüber nachdenke, der Radtausch zwischen Clarke und Porte war weder fair noch sportlich und wurde völlig zu recht geahndet.
Mehr dazu:
Ein hervorragender Artikel (wie immer) auf inrg.com: "The Do's and Don'ts of Racing"
Ein Interview mit Herrn Cookson, dem Präsidenten der UCI auf VeloNews
Hier gehts zu den UCI Reglements, hier das Reglement für die Straße.
PS.: Ich gehe davon aus, dass jetzt alle Sky Fahrer das Reglement büffeln und von Sir David Brailsford abgefragt werden!
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