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Sonntag, 12. November 2017

BSX Insight - Von Raketentechnologie zum Muster ohne Wert in drei Jahren?

Über den BSX Insight habe ich hier schon einige Male geschrieben. Das erste mal im April 2014 als die Kickstarter Kampagne lief. Der BSX Insight wurde als nicht-invasives Laktatmessgerät beworben, zur Bestimmung des FTP-Wertes und zur kontinuierlichen Überwachung während des Trainings. Draussen wohlgemerkt, auf der Straße und nicht nur im Labor und auf der Rolle! Für die Kickstarter Kampagne war ich zu spät dran, aber zur Pre-Order hatte es gereicht. Die Auslieferung wurde mehrmals verschoben, im April 2015 war es dann endlich so weit und die Geräte wurden ausgeliefert.


Nun muss man festhalten, dass der BSX überhaupt gar kein Laktat misst, sondern die Sauerstoffsättigung in der Muskulatur. Licht-Impulse aus dem Infrarot-Spektrum werden unter die Haut gesendet und über einen Detektor wird die Reflexion gemessen. Abhängig von der Sauerstoffsättigung fällt die Reflexionsrate unterschiedlich aus. Bei steigender Belastung verbraucht die Muskulatur mehr Sauerstoff, die Sättigung nimmt ab, wogegen die Laktatkonzentration zunimmt. Die beiden Werte korrelieren also negativ. Dies nutzt der BSX Insight um über einen klassischen Stufentest (alle 3 Minuten plus 20 Watt bis zur Ausbelastung) den FTP Wert zu bestimmen.


Die Funktion der kontinuierlichen Überwachung der Sauerstoffsättigung stand bei Auslieferung noch nicht zur Verfügung, obwohl es in der Kickstarter Kampagne entsprechend dargestellt wurde. Man schaffte es auch nicht dies später per Firmware-Update nachzuliefern, statt dessen gab es eine zweite Generation, bei der Änderungen an der Hardware die kontinuierliche Messung erst ermöglichten. Der Austausch war leider nicht kostenlos aber mit 80 USD (plus Versand und Zoll) noch erträglich. Ende 2015 hatte ich somit endlich das Gerät mit allen Funktionen, die die Kickstarter Kampagne 2014 versprochen hatte, in der Hand.

Alles in allem hat der Spaß rund 620 Euro gekostet. (Der Kaufpreis für die erste und zweite Generation, internationaler Versand und rund 160 Euro Zoll, autsch!)

Das ist eine Menge Geld. Auf der anderen Seite konnte ich während dieser Zeit meine Trainingsfortschritte standardisiert messen und bis heute ganze elf Stufentests fahren. Das sind 56 Euro pro Test. So günstig und unkompliziert bekommt man das sonst nicht.

Der BSX Insight funktioniert allerdings nur im Zusammenspiel über die App auf dem Smartphone und der Webplattform (oder dem Wahoo ELEMNT BOLT). Die App ist notwendig um das Gerät zu starten, die Webplattform um die Daten auszulesen und auszuwerten. Ohne diese Webplattform taugt das Gerät mit seinen 27 Gramm  noch nicht einmal als Briefbeschwerer. Das wäre natürlich nicht weiter schlimm, wenn nicht der Ende des Supports und der Webplattform für August 2018 angekündigt worden wäre.

An der Stelle muss man etwas weiter ausholen. Im Oktober 2016 hat BSX eine weitere Kickstarter Kampagne gestartet, um die Finanzierung eines Hydration-Sensors (LVL, wird Level ausgesprochen) auf den Weg zu bringen. Damals habe ich geschrieben:

Das Armband soll Mitte 2017 verfügbar sein, das ist recht lange hin, aber nach den Verzögerungen mit dem ursprünglichen BSX-Insight ist zu hoffen, dass BSX mit der gesammelten Erfahrung das Ziel diesmal halten kann.

Der finanzielle Einsatz war vergleichsweise gering, ab 99 USD war man dabei. Die Kampagne war ein voller Erfolg und sammelte rund 1,2 Millionen USD ein. Ein Vielfaches des Ziels von 50.000 USD.

Leider hat sich inzwischen herausgestellt, dass die Angaben über den Fortschritt des LVL zum Zeitpunkt der Kickstarter Kampagne nicht nur optimistisch sondern schlichtweg falsch waren. Es wurde der Eindruck erweckt, dass es funktionierende Hardware und Software gäbe und es weitgehend nur noch um die Minimierung der Bauteile ginge. Nachdem über Monate hinhaltende Kampagnen Updates veröffentlicht wurden, verschob man im August diesen Jahres die voraussichtliche Lieferzeit um ein ganzes Jahr auf Mitte 2018. Die einzige gute Nachricht war, dass sich mit Samsung Catalyst ein finanzkräftiger Riskiokapitalgeber an dem Projekt beteiligte.

Vor einigen Tagen hat Ray Maker einen langen und wie immer sehr detaillierten Artikel über die Misere und die falschen Versprechungen veröffentlicht. Die Situation lässt sich in einem Wort zusammenfassen: desaströs! Ob das Produkt jemals geliefert wird? Mein Erwartungswert tendiert inzwischen gegen null, aber vielleicht gibt es ja noch eine Überraschung. Das Ärgerliche bei der ganzen Sache ist dabei nicht das potentielle Scheitern einer Kickstarter Kampagne, das kann passieren. Schließlich handelt es sich um Risikokapital, um eine Investition in eine Idee, nicht um den Kauf eines fertigen Produktes. Ärgerlich ist, dass die Kampagne ganz offensichtlich auf Unwahrheiten basierte, auf falschen und unhaltbaren Versprechungen. Die Kommentare auf der Kickstarter Seite sprechen ganz offen von Betrug, es gibt sogar schon eine Petition für die Erstattung der Investments, die Erfolgsaussichten dürften aber gegen null tendieren.

Was hat das jetzt mit dem einzigen anderen Produkt der Firma zu tun? Nun, man hat sich scheinbar entschlossen, alle Kräfte auf den LVL zu setzten und den BSX Insight einfach eingestellt. Man kann das Gerät nicht mehr kaufen und ob die Webseite und die App nach August 2018 noch arbeiten werden ist derzeit fraglich. Und das ist wirklich eine herbe Enttäuschung. Der BSX funktioniert und hat mit dem Moxy Sensor nur einen einzigen Mitbewerber auf dem Markt, der aber eine etwas andere Zielgruppe anspricht.Warum um alles in der Welt stellt man ein solches  Produkt ein?

Ich habe BSX kontaktiert und einige Fragen zur Zukunft des BSX Insight gestellt aber nur eine generelle, ausweichende Antwort erhalten, dass auf der Webseite bald mehr Informationen veröffentlicht werden.

Moxy bietet übrigens für alle BSX Nutzer eine Inzahlungnahme ihrer Geräte an. Wer seinen BSX einsendet bekommt 150 USD Rabatt auf einen Moxy. Für Käufer aus Deutschland bedeutet dies aber immer noch einen Kaufpreis von rund 750 Euro inklusive Versand und Zoll (letzteres geschätzt). Dafür gibt es dann aber auch ein Gerät, dass ganz ohne App und Webplattform unabhängig von der Herstellerfirma und dem Internet funktionieren wird, dass nicht mehr an eine Person gebunden ist und das seine Daten ganz offen hergibt, dass allerdings auch sehr viel mehr Input verlangt um die Daten zu verstehen und auszuwerten. Der BSX Insight zielte mehr auf den Endnutzer, der Moxy richtet sich an Sportwissenschafter, Trainer und Sportler, die sich mit der Materie auf wissenschaftlicher Ebene auseinandersetzen wollen. Ray Maker hat in seinem Post auch dazu Stellung genommen.

In dieser Geschichte ist das letzte Kapitel sicher noch lange nicht geschrieben. Ob der BSX Mitte 2018 ein Muster ohne Wert sein wird und nach nur DREI Jahren das Ende seines Lebenszyklus erreicht hat? Oder ob sich doch noch ein Lösung findet? Man wird sehen. Ebenso ob der LVL tatsächlich seinen Weg an die Handgelenke der Nutzer finden wird. Zumindest eines wird deutlich: Crowdfunding ist ein Risikokapital Investment, dass man nicht tätigen sollte, wenn man nicht bereit ist das Geld auch abzuschreiben.


Vorher auf Unterlenker.com:
Mobile Laktatmessung, sehr cool
Cutting Edge
BSX Insight - Handling der Daten mit Golden Cheetah
LVL Kickstarter Kampagne

Weitere Links:
DC Rainmaker über die aktuelle BSX / LVL Situation
DC Rainmaker über das BSX Trade In Angebot von Moxy
BSX Trade In von Moxy Homepage
LVL Kickstarter Kampagnen Seite auf Kickstarter

Montag, 20. Juni 2016

BSX Positionierung

Mehrfach habe ich hier schon über den BSX Insight geschrieben, das erste nicht invasive "Laktat-Messgerät" dass gar kein Laktat sondern den Sauerstoffgehalt und seit einigen Monaten auch den  Hämoglobin Gehalt des Blutes messen kann.

BSX sieht vor, dass das Device mit einem Kompressions-Strumpf an der Wade getragen wird. Das sieht auf dem Rad, besonders im Radrennen nicht ganz so schick aus und man hat bei regelmäßigem Gebrauch einen weiteren hellen Streifen am Bein. Darüber hinaus ist es streng genommen auch nicht regelkonform, denn im Reglement der UCI heisst es in Artikel 1.3.033:

It is forbidden to wear non-essential items of clothing or items designed to influence the performances of a rider such as reducing air resistance or modifying the body of the rider (compression, stretching, support). 
.....  Equipment (helmets, shoes, jerseys, shorts, etc.) worn by the rider may not be adapted to serve any other purpose apart from that of clothing or safety by the addition or incorporation of mechanical or electronic systems which are not approved as technical innovations under article 1.3.004.

Der BSX-Insight fällt nicht unter die technische Innovation des 1.3.004. Jetzt muss man, besonders bei Provinz-Rennen, natürlich schon Pech haben auf einen Kommissär zu treffen, der so genau nach den Regeln schaut und auch gewillt ist diese durchzusetzen, aber man weiss ja nie. Sicherer ist es daher den BSX einfach auf dem Oberschenkel unter der Radhose zu tragen. Das ist auch recht einfach bewerkstelligt. Ich fixiere den BSX mit einem Pflaster und lege darauf ein schwarzes Stück Stoff, auf dessen Rückseite ich dunkles Panzerband geklebt habe. Das macht das Ganze absolut blickdicht und sorg dafür, dass der BSX nicht durch störendes Umgebungslicht beeinflusst wird. Radhose drüber und fertig.

Interessant ist aber etwas ganz anderes: Welchen Einfluss hat die Position des BSX auf die Messergebnisse? Einer der großen Vorteile der Messung der Sauerstoffsättigung gegenüber der Laktatbestimmung ist, dass die Daten dort erhoben werden, wo die Arbeit stattfindet (Bein versus Ohrläppchen). Nun ist die Wade für den Radfahrer zwar ganz und gar nicht nebensächlich, den höheren Anteil hat aber die Muskulatur auf der Vorderseite der Oberschenkel. Wäre es dann nicht auch besser den Sauerstoffgehalt dort zu messen?

Vor einigen Monaten habe ich während des Trainings im Kraftraum den BSX einmal an der Wade getragen und einmal auf dem Oberschenkel. Die Unterschiede waren größer als ich es erwartet hätte. Die Reihenfolge der Übungen war dabei gleich, die zeitlichen Abstände zwischen den einzelnen Sets aber unterschiedlich, so dass man die Kurven nicht genau übereinander legen kann, es reicht aber um die Unterschiede zu erkennen.
  • 10' WUp Cross Trainer 
  • 20 x 40 kg Kniebeuge 
  • 3 x 10 x 60 kg Kniebeuge 
  • 3 x 20 Ausfallschritt mit Medizinball 
  • 3 x 3 Klimmzüge 
  • 3 x 10 x 70 kg Kniebeuge 
  • 3 x 10 x 30, 32.5, 35 kg Beinstrecker, je Seite (gluteus maximus, semimembranosus, etc.)
  • 3 x 6 x 160 kg Beinpresse 
  • 3 x 20 Wadenheben, frei, je Seite 
  • 3 x 20 Kreuzstrecken 
  • 3 x 3 Klimmzüge
Hier die beiden Kurven, die obere Grafik zeigt den Puls, die untere die Sauerstoffsättigung SMO2:


Am Puls kann man erkennen, dass die Kurven nicht synchron sind, trotzdem sieht man das die SMO2 Werte bei der Messung an der Wade während der Kniebeugen nur gering schwanken, dafür umso mehr beim Wadenheben. Bei der Position am Oberschenkel ist es genau umgekehrt.

Einen anderen Vergleich habe ich im Zusammenhang mit den BSX-FTP Tests gemacht. Den Test im Februar bin ich mit dem BSX an der Wade gefahren, vor einigen Wochen dann mit dem BSX am Oberschenkel.


Nun sind zwei Tests die zeitlich so weit auseinander liegen nicht unbedingt ideal, trotzdem kann m.E. der Schluss gezogen werden, dass die Variation in der Sauerstoffsättigung mit dem BSX am Oberschenkel (pink) größer ist als wenn der BSX an der Wade (grün) getragen wird.

Beide Kurven fangen bei etwa 65% an und fallen auf minimal 55% (Wade) bzw. 40% (Oberschenkel) ab. Diese Werte sind erstaunlicherweise eklatant niedriger als die, die ich in der freien Wildbahn erreiche, das zu ergründen ist aber ein anderes Thema. Auch sind zwei Tests zu wenig um eine generelle Aussage zu treffen, man müsste hier mehrere Probanden haben und am besten den Sauerstoffgehalt mit mehreren Geräten während eines Testes messen.

Die Ergebnisse lassen trotzdem einige Aussagen zu:
  • Die Messung der Sauerstoffsättigung sollte an dem Muskel durchgeführt werden, der die größte Arbeit leistet.
  • Je höher die Schwankungen sind, umso leichter sollte es sein Rückschlüsse aus den Daten ziehen zu können.
  • Der absolute SMO2 Wert in Prozent sagt relativ wenig aus, je nach Position und auch Sportler können hier große Schwankungen auftreten. Eine exakte Positionierung und auch Dokumentation ist wichtig.
Stellt sich die Frage was man mit den Daten im Zusammenhang mit der Positionierung anfangen kann. Mit mehreren Devices (hier ist der Moxy Monitor aufgrund der offeneren Schnittstelle besser geeignet) könnte man zum Beispiel die Position auf den Rad optimieren oder Ungleichheiten zwischen linker und rechter Seite aufdecken. Eine andere Möglichkeit wäre an der Optimierung des Tretzyklus zu arbeiten und versuchen eine Position zu finden, bei der der Sauerstoffgehalt bei gleicher Leistung höher ist.

Links:
Cutting-Edge
FTP Test mal 3
BSX Insight Anzeige und Data Handling

Dienstag, 1. März 2016

SMO2 - Sauerstoffsättigung

Nach einigen Posts über den BSX Insight in denen es um die Funktionsweise des Gerätes und die Handhabung der Daten ging möchte ich heute einen genaueren Blick auf die Sauerstoffsättigung an sich werfen, den Parameter, den der BSX misst. Falls ich mich dabei unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten ungenau oder falsch ausdrücke hoffe ich auf Eure Nachsicht und bitte ausdrücklich um konstruktive Anmerkungen in den Kommentaren. Los gehts, ich versuche mein Bestes:

Die verwendete Technologie zur Messung der Sauerstoffsättigung ist nichts Neues. Nahinfrarotspektroskopie wird in der Medizin schon seit 30 Jahren verwendet:

"Das nahinfrarote Spektrum des Lichtes wird verwendet, weil zwischen 650 nm und 1000 nm das Licht besonders gut durch Gewebe hindurchgeht und somit eine Analyse von tieferen Gewebeschichten ermöglicht wird. Messungen des Sauerstoffgehaltes, Blutvolumens und Blutflusses von Gewebe basieren darauf, dass der rote Blutfarbstoff Hämoglobin, der der Hauptsauerstofftransporteur im Körper ist, seine Farbe mit dem Sauerstoffgehalt ändert. Somit kann anhand der Lichtdurchlässigkeit des Gewebes (je mehr Blut im Gewebe, desto weniger Licht geht hindurch) die Hämoglobin- bzw. Blutkonzentration bestimmt werden und anhand der Farbe der Sauerstoffgehalt." (Wikipedia)


Lichtimpulse verschiedener Wellenlänge werden durch Haut und Fettgewebe bis in die Muskulatur gesendet und von einem Detektor wieder empfangen. 

Nachdem der Sauerstoff von den roten Blutkörperchen zu den Muskelzellen transportiert wurde, wird er von dem Muskelprotein Myoglobin zwischengespeichert und zur tatsächlichen Verwendung in den Muskelzellen bereitgehalten.

Die Messung des Sauerstoffgehaltes schließt dabei sowohl das Hämoglobin als auch das Myoglobin ein, ohne das eine Differenzierung möglich wäre. Das Ergebnis der Messung ist das aktuelle Verhältnis der Summe aus gesättigtem Hämoglobin und Myoglobin gegenüber der Summe aus ungesättigtem Hämoglobin und Myoglobin in der Muskulatur unmittelbar unterhalb des BSX. Das Verhältnis an sich lässt keine Aussage darüber zu, ob ein Rückgang der Sättigung an einem erhöhten Sauerstoffverbrauch oder an einem Rückgang der "Anlieferung" liegt. Wenn zum Beispiel ein Arm abgebunden wird, nimmt die Sauerstoffsättigung genauso ab wie bei einer anaeroben Aktivität. Man kann das mit einem Bankkonto vergleichen: Der Kontostand gibt ja auch keine Auskunft über Einzahlungen und Abhebungen sondern stellt lediglich die Bilanz aus beiden Aktivitäten dar.

Allerdings reicht schon die Kenntnis über die Bilanz des Sauerstoffgehaltes aus, um einen einfachen Zusammenhang zu erkennen: Bei steigender Leistung der arbeitenden Muskulatur und damit steigendem Sauerstoffverbrauch nimmt die Sauerstoff-Sättigung in der Muskulatur ab. Ab dem Überschreiten der anaeroben Schwelle ist der Abfall stärker. Wenn man dies grafisch darstellt, erhält man eine Kurve die sich genau umgekehrt zur Laktatkurve verhält, die ja umso stärker ansteigt, je näher man an das Leistungsmaximum kommt.


BSX Insight spricht aus diesem Grund vom ersten "nicht-invasiven Laktatmessgerät". In gewisser Weise ist das aber nicht mehr als ein griffiger Marketingslogan. Denn auch wenn beide Kurven negativ miteinander korrelieren und ein statistischer Zusammenhang besteht, kann man von der Sauerstoffsättigung in % nicht auf den Laktatgehalt in mmol schließen. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund irreführend, als dass die bisherige Meinung über das "böse" Laktat zunehmend auf wackeligen Füßen steht. (Aktuell zum Beispiel hier)

Statt dessen muss die Sauerstoffsättigung SMO2 als eigenständiger Parameter betrachtet werden.

Anders als bei der Laktatmessung die "irgendwo" am Körper vorgenommen wird, in der Regel am Ohr oder Finger, wird die Sauerstoffsättigung am arbeitenden Muskel gemessen und gibt daher viel genauer Auskunft über das, was in der Muskulatur vor sich geht. SMO2 reagiert in der Regel innerhalb von Sekunden auf eine Leistungsänderung, Puls und Laktat sind mit einem Nachlauf von etwa 20 Sekunden bzw. mehreren Minuten (deshalb wird Laktat immer am Ende einer Stufe gemessen) sehr viel ungenauer. Wie der Puls ist aber auch die Sauerstoffsättigung ein individueller Parameter, der sich von Athlet zu Athlet unterschiedlich verhält und nicht direkt vergleichbar ist.


Obwohl wie geschrieben nur die Bilanz aus Sauerstoffanlieferung und Verbrauch gemessen werden kann, lassen sich aus der Veränderung des Sauerstoffgehaltes bei wechselnden Belastungen durchaus Aussagen über die Begrenzer der sportlichen Leistungsfähigkeit treffen. Erholt sich die Sauerstoffsättigung nach einer hohen Belastung nur langsam, könnte das ein Indiz dafür sein, dass die Leistung durch das Herzkreislaufsystem begrenzt wird. Nimmt die Sättigung während eines anaeroben Intervalls nicht entsprechend ab, spricht dies wahrscheinlich für eine muskuläre Begrenzung der Leistung. Es liegt auf der Hand, dass das Training in diesen Fällen unterschiedlich sein sollte.

Andere Anwendungsgebiete ergeben sich zum Beispiel
  • im Training zur Steuerung der Pausen zwischen Intervallen. Insbesondere wenn die Pausen nicht vollständig sein sollen, kann die Sauerstoffsättigung den optimalen Startpunkt des nächsten Intervalls liefern.
  • zur Messung der Belastung im Training. Wie schnell erholt der Organismus sich? Wie hoch ist die Intensität.
  • zur Festlegung der Leistungsfähigkeit zu Beginn des Trainings. Ich kann mir gut einen kurzen Test vorstellen, der aus der Reaktion von Puls und Sauerstoffsättigung auf eine bestimmte Last (in Watt) die Leistungsfähigkeit an diesem Tag bestimmt.
  • In der Berechnung von Intensitätskennziffern.
Letztendlich geht es darum, Trainingsreize noch präziser zu setzen, genau an der Grenze dessen, was ein Sportler maximal verträgt um einen maximalen Anpassungseffekt des Organismus zu erreichen.

Das alles ist zugegebener Maßen noch relativ vage und ungenau. Es wird Jahre dauern bis die Geräte weite Verbreitung finden und Sportwissenschaftler, Trainer und Athleten Erfahrung in der Anwendung und der Interpretation der Daten gesammelt haben. Die Situation ist vielleicht mit dem Aufkommen der ersten Powermeter oder noch früher mit den ersten Pulsmessern vergleichbar. Was man damals über diese Tools und deren Anwendung wusste ist wahrscheinlich ein Witz, verglichen mit dem was wir heute aus den Daten lesen können.

Natürlich sind BSX Insight und Moxy nur weitere Werkzeuge in einem ganzen Arsenal von Hilfsmitteln  zur Trainingssteuerung. Das Körpergefühl und die Erfahrung des Sportlers können damit nur ergänzt aber nie ersetzt werden.


Links:
BSX vorher auf Unterlenker: Cutting Edge, FTP Test, Data Handling
Mehr Information findet sich bei BSX Insight und insbesondere bei Moxy

Dienstag, 9. Februar 2016

BSX Insight - Anzeige und Data Handling mit Golden Cheetah

Ray Maker hat vor einigen Wochen einen seiner unglaublich ausführlichen Review-Posts über die zweite Generation des BSX Insight geschrieben. Alles was es hinsichtlich der Unterschiede zur ersten Generation zu wissen gibt, wie die Threshold Tests beim Radfahren und beim Laufen funktionieren, was es neues in der Software gibt und einiges mehr kann man dort nachlesen.

Die beiden wichtigsten Unterschiede sind sicherlich der kontinuierliche Modus und der Export der Rohdaten. Kontinuierlicher Modus bedeutet, dass die Werte der Sauerstoffsättigung nun auch während eines normalen Trainings oder einem Wettkampf angezeigt, aufgezeichnet und anschliessend ausgewertet werden können. Mit der ersten Generation der BSX Insights konnte man nur den Stufentest durchführen und hatte keinen Zugriff auf die Rohdaten. Zwar war beides schon während der initialen Kickstarter Kampagne versprochen, konnte aber aufgrund von Hardware Limitationen nicht implementiert werden.

Im kontinuierlichen Modus zeichnet der BSX Puls, Leistung (von entsprechenden ANT+ fähigen Geräten) und die Sauerstoffsättigung SMO2 auf und speichert diese zur späteren Auswertung. Zur Anzeige der Daten während einer Aktivität gibt es verschiedene Möglichkeiten.
  • Da wäre zunächst einmal die App, in meinem Fall auf dem iPhone. Dazu müsste das Telefon aber zusätzlich zu dem Radcomputer am Lenker montiert werden. Nicht gerade was ich mir unter einem aufgeräumten Cockpit vorstelle. Da die BSX App auch nur die oben genannten Daten Puls, Power und SMO2 anzeigt, ist es auch keine Alternative das Telefon als alleinigen "Radcomputer" zu verwenden. Es bestünde natürlich die Möglichkeit, zwischen der BSX und einer weiteren App, z.B. Strava, hin und herzuwechseln. Da aber die wenigsten Telefone ANT+ verstehen und somit Puls und Power nicht lesen können, scheidet das auch aus.
  • Der SMO2 Datenstream kann auch als ANT+ Trittfrequenz von entsprechenden Radcomputern oder Sportuhren gelesen werden. Statt der echten Trittfrequenz wird dann auf diesem Feld der Wert der Sauerstoffsättigung angezeigt und aufgezeichnet. Grundsätzlich nicht schlecht, allerdings fehlen dann die tatsächlichen Trittfrequenz-Daten. Da diese für mich unverzichtbar sind, ist das auch keine Alternative.
  • Die dritte Möglichkeit besteht darin, die BSX Daten auf einem zweiten ANT+ fähigen Device anzeigen zu lassen, idealerweise auf einer Armbanduhr. Ich verwende dazu die Garmin 910xt und lasse SMO2 dort als Trittfrequenz anzeigen. Zu beachten ist lediglich, dass die Trittfrequenz immer als ganze Zahl angezeigt und aufgezeichnet wird. Während einer Aktivität ist das absolut ausreichend, zur späteren Auswertung sollte man dann aber auf die Original Daten mit einer Dezimalstelle zurückgreifen.
  • Sobald Radcomputer ein Feld für SMO2 Daten bereitstellen, ist dieser Aufwand nicht mehr notwendig. Für Garmin gibt es bereits ein Connect IQ Feld für Moxy, das aber soweit ich weiß nicht mit BSX funktioniert. 
Soweit zur Anzeige unterwegs. Nach dem Ende der Aktivität werden die Daten von dem BSX auf die BSX-Web-Plattform hochgeladen und können dort angezeigt werden. Bei mir funktioniert das aus welchem Grund auch immer nur mit dem Firefox Browser, nicht aber mit Safari und Chrome. Die Möglichkeiten der Webplattform zur Analyse sind allerdings mehr als bescheiden, so gibt es zum Beispiel keine Möglichkeit in die Aktivität hinein zu zoomen und es werden wie bereits geschrieben nur Puls, Power und SMO2 angezeigt. Alle anderen Informationen und Metriken wie Geschwindigkeit, Steigung, Strecke usw. fehlen.

An der Stelle kommt die neue Export Funktion in's Spiel. Man erhält eine CSV Datei, die in Excel oder Numbers so aussieht:


Damit kann man natürlich auch noch nicht viel anfangen. Stellt sich die Frage wie man diese Daten mit den übrigen Informationen (Geschwindigkeit, Power-Metriken, Strecke) zusammenbekommt.

Das Mittel meiner Wahl ist hierbei Golden Cheetah, die freie Trainingsdaten-Auswertungssoftware. Zunächst importiere ich die eigentliche Trainingsdatei. Wenn diese von einem Garmin Gerät stammt, ist es wichtig die original GPX Datei zu nehmen. Das FIT-File enthält nicht alle Daten, so fehlt zum Beispiel die Links/Rechts Verteilung der Leistungsdaten.

Nach dem Import können weitere Datenreihen hinzufügt werden. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten.
  • Auf dem "Edit" Tab der Aktivität kann eine SMO2 Spalte hinzugefügt werden (Rechtsklick auf die Kopfzeile > 'Add Column' > 'SMO2'). Die neue Spalte entsprechend zu kennzeichnen ist wichtig, damit Golden Cheetah auch weiß was mit den Daten anzufangen ist und die darauf beruhenden Metriken richtig berechnet. In der neuen Spalte können die Werte dann ganz einfacher per Copy&Paste aus der in Excel geöffneten BSX Datei heraus eingefügt werden. Wenn die Aufzeichnungen auf dem Garmin und dem BSX nicht genau gleichzeitig gestartet wurden, ist es allerdings nicht einfach die Daten zu synchronisieren. 

  • Aber es geht einfacher. Golden Cheetah bietet einen Assistenten zum Zusammenfügen von Datenreihen an. Über das Menü 'Activity' > 'Combine Activities' könne wir weitere Daten hinzufügen. Golden Cheetah kann die BSX CSV Dateien direkt lesen, das macht das Ganze zum Kinderspiel:



Hier wählen wir den ersten Punkt: 'Import from a File'. Es öffnet sich der übliche File Dialog und wir können direkt die BSX CSV Datei auswählen.


Auch wieder der erste Punkt: 'Merge Data to add another data series.'


Links werden die Datenreihen angezeigt die wir schon haben, rechts die in der importierten Datei zur Verfügung stehen. Puls und Leistung haben wir schon, wir sind nur an den SMO2 Werten interessiert.


Jetzt werden wir gefragt wie die Datenreihen synchronisiert werden wollen. Am einfachsten ist es unter der Verwendung gemeinsamer Datenreihen. In diesem Fall sind Puls und Leistungswerte in beiden Dateien vorhanden. Golden Cheetah muss diese also nur übereinander legen und die Sauerstoffsättigung ist genau dort wo sie sein soll.


Danach kann man das Ergebnis noch mal prüfen und speichern.

So lassen sich übrigens auch die Strecke und die Kilometer von Zwift-Aktivitäten zu den detaillierteren Garmin Daten hinzufügen.

In Golden Cheetah hat man jetzt alle gesammelten Informationen zusammen und kann die Auswertung starten. Hier ein Print Screen eines 20' FTP Tests, bei dem man gut erkennen kann wie die Sauerstoffsättigung abnimmt und im Anschluss wieder ansteigt.


BSX Insight vorher auf Unterlenker: Cutting Edge

Freitag, 7. August 2015

FTP Test x 3

In den letzten sieben Tagen bin ich drei FTP Tests mit meinem BSX Device gefahren. Das BSX Gerät kann die Sauerstoffsättigung in der Muskulatur messen, wovon das Laktat abgeleitet werden kann, worauf wiederum die individuelle Anaerobe Schwelle (iAS) berechnet wird. (Cutting Edge)

Nach einem Test im April und im Mai war es an der Zeit meinen Trainingsfortschritt zu überprüfen.

Der BSX wird via Bluetooth mit der App auf dem Mobiltelefon verbunden und via ANT+ mit Herzfrequenz und Powermeter. Man gibt ein paar Parameter zu bekannten Wattwerten, Trainingstagen und Kilometern ein und bekommt einen Stufentest präsentiert, nach dessen Absolvierung einem die Zunge zum Hals raushängt und die App einem die aktuelle iAS ausgibt.

Die Bluetooth Verbindung herzustellen ist nicht ganz trivial. Es braucht teilweise einige Versuche bis die App den BSX auch wirklich erkennt. Es hilft wenn man das Telefon wirklich an den BSX hält. Danach kann man per ANT+ die anderen Sensoren verbinden. Die Daten werden dann von dem Gerät via Bluetooth an das Handy weitergeleitet.

Bei dem ersten Test habe ich nicht gemerkt dass der Pulsgurt gar nicht verbunden war. Der Test hat sich trotzdem absolvieren lassen und auch ein Ergebnis geliefert, das allerdings niedriger war als im Mai, und dass konnte nicht stimmen (289 versus 296).

Also ein zweites Mal, weil es so viel Spaß macht. Hin und wieder habe ich Probleme mit meinem Garmin Gurt, natürlich immer wenn man es am wenigsten braucht, zum Beispiel während eines FTP Testes. Hurra. Am Anfang waren die Werte viel zu niedrig, also habe ich den Test bei 160 Watt abgebrochen, den Gurt nochmal enger gestellt, neu verbunden und wieder von vorne. Leider hat der BSX dann bei über 200 Watt die Verbindung zum Brustgurt verloren. Ich bin trotzdem zu Ende gefahren. Das Ergebnis war dann statt eines neuen iAS Wertes nur eine Fehlermeldung.  Warum der BSX ein Ergebnis ganz ohne Herzfrequenz liefert, nicht aber wenn diese unterwegs verloren geht, ist ein Geheimnis der Entwickler.

Aber sei es drum, so schnell bin ich nicht klein zu bekommen und diesen Dienstag habe ich dann Versuch Nr. Drei unternommen. Dieses Mal bin ich auf der freien Rolle (gebremst) gefahren und habe die vorgegebenen Watt Werte recht gut getroffen, lediglich am Schluss waren die Schwankungen etwas größer. Die Verbindung zwischen Brustgurt, Powermeter, BSX und Handy hat während des Tests gehalten, kurz nach dem Ende war die Herzfrequent wieder weg, der Radcomputer hat kein Signal mehr bekommen.

Ich frage mich, ob die Verbindungsprobleme daran liegen könnten, dass ich auf der Rolle zu viel schwitze? Kann es sein dass der Gurt die Herzfrequenz nicht mehr erfassen kann, wenn zwischen Haut und Gurt ein Wasserfilm ist? Vielleicht sollte ich mir doch noch einen Ventilator anschaffen.

Wie auch immer, mit dem Ergebnis war ich zufrieden. 314 Watt bedeuten ein Plus von 18 Watt seit Mai. Interessanterweise ist das nur zwei Watt neben dem Critical Power Wert den Golden Cheetah schon seit einer Weile ausweisst. Hier ein Print Screen des BSX Webinterfaces.


Die Daily Funktion zur Nutzung des BSX ausserhalb eines FTP Testes steht leider immer noch nicht zur Verfügung, soll aber ganz sicher und bestimmt noch dieses Jahr kommen. Ich bin gespannt.

Sonntag, 26. April 2015

Cutting Edge (Update)

Vor einigen Tagen habe ich Post aus den USA bekommen. Cutting Edge Technology! Das mobile, nicht invasive Laktat Messgerät von BSX Insight.


Laktat ist ein Stoffwechsel Abbauprodukt anhand dessen Konzentration im Blut verschiedene Zustände der Leistungsbereitstellung gemessen werden können. Fährt man gemütliches Grundlagenausdauer Tempo ist der Pegel sehr niedrig. Fährt man schneller, produziert der Körper mehr Laktat. Irgendwann wird das Laktat schneller auf- als abgebaut. Der Punkt, an dem sich Auf- und Abbau die Waage halten, wird als Laktat Threshold bezeichnet. Kennt man diesen Punkt, kann man die verschiedenen Trainingszonen ableiten und gezielt trainieren.