Mittwoch, 19. September 2018

Outskirts: Route 66

Die Email von Rapha stand schon eine ganze Zeit in meinem Posteingang und fast hätte ich sie gelöscht. Irgendein zwar tolles, aber typisches Rapha Werbevideo, dachte ich. Glücklicherweise habe ich dann doch darauf geklickt und bin bei dem neusten Film von Gus Morton gelandet. Gus war bis vor einiger Zeit Profi in der World Tour und ist als Regisseur, Kameramann und Hauptdarsteller der Thereabouts Filme bekannt.

Der jüngste Teil dieser Bike-Adventure Serie ist in Zusammenarbeit mit Rapha entstanden und scheint nur der Auftakt zu einer ganzen Reihe an Filmen und Features zu sein. Die Filmreihe heißt jetzt Outskirts und erzählt über incredible journeys along the world’s most famous roads. In diesem ersten Teil fahren Gus, Justin, Pat und Sami die Route 66 von Chicago nach L.A. Dabei geht es neben dem Radfahren vor allem um die Zufallsbekanntschaften entlang dieser berühmtem Fernstraße.

Achtzig Minuten bestes Radsport-Entertainment mit großartigen Bildern und Geschichten: Viel Spaß


Links:
Vorher auf Unterlenker: Thereabouts - Über Teil 1 bis 3 der Bike Adventure Series von Gus MortonOutskirts Rapha Page

Samstag, 15. September 2018

V.I.P

Natürlich bin ich keine "sehr wichtige Person" im Sinne eines "VIPs", trotzdem durfte ich mich bei der Deutschlandtour zumindest zeitweise ein wenig als solche fühlen. Die Stadt Merzig hatte als Etappenort zwei VIP-Plätze für die Etappe von Trier nach Merzig. Einer dieser Plätze wurde verlost, den anderen habe ich erhalten. Die beiden Plätze beinhalteten aber nicht nur den Zugang zu den VIP-Bereichen an Start und Ziel mit Kaffee, Kuchen, Schnittchen, Schaumwein und all den anderen Prominenten, sondern auch einen Platz in einem der Skoda Kodiaks, die in der Rennkarawane mitfuhren und so einen besonderen Einblick in das Rennen ermöglichten. Der Clou war dabei, dass die Fahrzeuge von ehemaligen Profis gesteuert wurden. Bei der Deutschland Tour waren drei VIP-Fahrzeuge im Einsatz. Eines wurde von Gerald Chiolek, dem Mailand San Remo Gewinner von 2013 und ein weiteres von Andreas Stauff gesteuert, der unter anderem für Quickstep in der World Tour gefahren ist. Wer das dritte Auto fuhr habe ich mir nicht behalten.

Dass Burkhard, der Gewinner des VIP-Platzes, und ich von Andreas Stauff gefahren wurden, hat mich besonders gefreut. "Staufi" sitzt nämlich seit einiger Zeit im Besenwagen! So heißt der Podcast, in dem er gemeinsam mit Paul Voss und Bastian Marks über Radsport spricht. Die Person kennenzulernen, die mir jede Woche den neusten Schwank aus dem Pro-Peloton erzählt, war auf jeden Fall schon mal ein kaum zu überbietendes Highlight. Unser eigener, privater Live-Kommentar-Podcast! (Tatsächlich habe ich einige der Einschätzungen dann einige Tage später tatsächlich aus dem Besenwagen nochmal zu hören bekommen.)


Bevor es los ging gab es aber zunächst mal Armbändchen, ein rotes und ein goldenes. Eines für den Zugang zum VIP-Bereich am Start und eines für das Ziel. in Trier konnten wir die Einschreibeprozedur und Vorstellung der Fahrer aus nächster Nähe verfolgen und ich habe noch einen schnellen Rundgang durch das Fahrerlager eingeschoben. Es ist immer wieder bemerkenswert, wie nah man den Protagonisten im Radsport kommen kann. Besonders bei nicht ganz so großen Rennen wie der Deutschland Tour ist es einfach mit den Fahrern ins Gespräch zu kommen, um nach einem Autogramm oder einem Foto zu fragen und die Räder in Augenschein zu nehmen. Die World Tour Profis verschwinden inzwischen zwar oft in ihren Teambussen, aber es gibt immer noch mehr als genug Gelegenheit die Vorbereitungen zu verfolgen. Wo sonst als im Radsport ist so etwas möglich?

Dann war es aber schon an der Zeit zum Start zu gehen. Es gibt genaue Regeln, wo welche Autos fahren dürfen. Die VIP Autos fahren dem Rennen voraus und dürfen sich hinter die Spitzengruppe fallen lassen, wenn der Abstand der Ausreisser mehr als drei Minuten beträgt. Hinter dem Feld und den Materialwagen darf man auch fahren, aber das ist recht uninteressant, dort sieht man am wenigsten vom Rennen. Über den eingebauten Funkempfänger konnten wir Radio-Tour verfolgen und waren so immer über Abstände, die Fahrer in der Spitzengruppe und den Ausgang der Wertungen informiert.


Beeindruckt haben mich die Zuschauermassen entlang der Strecke. Schon am Start in Trier waren die ersten Kilometer auf beiden Seiten der Strecke gesäumt von Zuschauern. Von der Porta Nigra ging es über den Marktplatz, vorbei an der Basilika und an die Mosel. Am Ortsschild erfolgte der scharfe Start. In jedem Ort entlang der Strecke und an jeder Steigung Zuschauer über Zuschauer. Im Saarland habe ich immer wieder bekannte Gesichter und Trikots entdeckt. Insgesamt wurden im Saarland fünfzigtausend und davon allein in Merzig rund zehntausend Zuschauer gezählt! Für die dann doch recht ländliche Region und die kleinste Stadt unter den Etappenzielen der Deutschland Tour ein echter Erfolg.

Bis die Spitzengruppe die notwendigen drei Minuten Vorsprung hatte, dauerte es eine ganze Weile. Erst im Anstieg von St. Barbara kurz vor der Verpflegung war es so weit. Wir hielten am Rand, machten eine kurze Biopause und warteten auf die Spitze. Ein Paar schnelle Bilder und weiter ging es. Zwischen uns und den Rennfahrern war nur der neutrale Vittoria Materialwagen, zwei Teamautos und der Wagen mit dem Rennleiter.

Die Spitze kurz nach St. Barbara.


Das VIP Menü. Im Kofferraum war auch noch ein Flasche Schaumwein, die aber ungeöffnet blieb.



Kurz vor der nächsten Bergwertung haben wir die Fahrer dann nochmal überholt um in Nohn anzuhalten und Spitze und Hauptfeld vom Straßenrand anzufeuern. In Merzig haben wir das Rennen verlassen und die zweite Runde über Nohn und Orscholz sowie das Finale über den Kreuzberg im VIP Bereich auf dem Fernseher und vom Balkon des des VIP Busses verfolgt.

Einen echten Gänsehaut Moment habe ich bei der Durchfahrt der Fahrer im Ziel gehabt. Tausende von Zuschauern die einen Höllenlärm veranstalten und die Fahrer anfeuern, das hat mich dann doch ein klein wenig Stolz gemacht. Wie heißt es im Saarland Marketing: Großes entsteht im Kleinen!

Rennleiter Fabian Wegmann gibt uns freie Fahrt.


Sprint um den Etappensieg!

Links Burkhard, der VIP Gewinner, In der Mitte unser Chauffeur Andreas Stauff und rechts meine Wenigkeit.


Profiradsport in Merzig! Darauf ein Prost!

Donnerstag, 6. September 2018

Deutschland Tour 2018 - Highlights

Inzwischen ist die Deutschlandtour auch schon wieder über eine Woche vorbei und der Profizirkus ist weitergezogen. In Spanien ist die Vuelta im Gange, in Großbritannien hat die Tour of Britain angefangen und in wenigen Tagen finden in Montreal und Quebec die beiden letzten WT-Eintagesrennen vor der Weltmeisterschaft statt.

Foto Credit @Isaak Papadopoulos

Höchste Zeit nochmal auf ein unvergessliches Wochenende zurückzublicken. Mein absolutes Highlight der viertägigen Rundfahrt war natürlich die Etappe von Trier nach Merzig. Eine Strecke, bei der ich jeden Meter kenne und die fester Bestandteil meines Trainingswege-Repertoires ist. Die Klassikerstrecke hat auch tatsächlich gehalten was sie versprochen hat und stand vom Anspruch dem als Königsetappe klassifizierten Abschnitt des Vortages in nichts nach. Die Fahrer haben sich nichts geschenkt und es dauerte lange, bis die anfangs acht Mann starke Spitzengruppe sich wirklich vom Feld lösen konnte. Robin Carpenter von der US-Amerikanischen Pro Continental Mannschaft Rally Cycling sicherte sich alle fünf Bergwertungen des Tages und das schwarze Trikot mit den weißen Punkten. Rick Zabel war bei den beiden Sprintwertungen am schnellsten, die gewonnen Punkte reichten aber nicht, um in der Wertung um das grüne Trikot mitzumischen.

Der letzte Ausreißer des Tages,  Carpenter, wurde erst zu Beginn des Schlussanstieges zum Kreuzberg in Merzig gestellt. Dort hinauf hat dann kein geringerer als Geraint Thomas für Tempo gesorgt. Der Tour Sieger an der Spitze des Feldes an meinem Hausberg. Welcher Fußballspieler kann erzählen, dass Ronaldo auf seinem Vereinsplatz gespielt hat? Die Attacke von Waren Barguil und Peter Weening hat dann deutlich gezeigt, wie unglaublich schnell World Tour Profis fahren können, wohlgemerkt nach 170 Kilometern im Renntempo und fünf Bergwertungen. Barguil ist den Berg förmlich hochgeflogen in einer Geschwindigkeit, mit der viele Radfahrer im Flachen zufrieden sind.


Am Ende der Etappe war Matey Mohoric von Bahrain Merida der Erste auf der Linie und gewann damit nicht nur die Etappe, sondern übernahm das rote Trikot des Gesamtführenden, das weiße des besten Nachwuchsfahrers und das grüne des Punktbesten. Die Führung in allen drei Wertungen verteidigte der junge Slowene auch auf der vierten Etappe nach Stuttgart. Man kann also durchaus sagen, dass die Deutschland Tour 2018 in Merzig in der Trierer Straße gewonnen wurde.

Durchaus bemerkenswert waren die Resultate der jungen Fahrer unter 25 Jahren. Alle vier Etappen wurden von Nachwuchsfahrern gewonnen, von denen in Zukunft noch viel zu erwarten sein wird und deren Namen man sich merken sollte. In Bonn zeigte der Kolumbianer Alvaro Hodeg seine Sprintkünste. Der Deutsche Meister Ackermann fuhr ein starkes Rennen und unterlag Hodeg nur knapp. Maximilian Schachmann gewann die Etappe in Trier und hätte mit ein bisschen mehr Glück in Merzig die Gesamtführung vielleicht nicht abgeben müssen. In Stuttgart feierte Nils Politt seinen ersten Profisieg, nachdem er in Merzig und Trier nur knapp unterlag. Am höchsten gehandelt ist sicherlich Mohoric, der 2013 in Florenz Weltmeister der U23 wurde und als Erfinder der "Auf-dem-Oberrohr-sitzen-und-pedalieren" Abfahrtstechnik gilt. (YouTube, ab Minute 8).

Die deutschen Kontinental Mannschaften haben sich durch eine offensive Fahrweise bewiesen, Fahrer in den Fluchtgruppen platziert und, auch wenn am Ende chancenlos, eine großartige Vorstellung geboten. Der beste Kontinental Fahrer war übrigens Szymon Rekita vom Luxemburger Leopard Team. Der Pole beendete die Rundfahrt auf Platz 20 der Gesamt- und einem hervorragenden neunten Platz der Nachwuchswertung. Für ihn war die zweite und dritte Etappe ein Heimspiel. Strava zufolge wohnt er in Saarburg und mehr und mehr "Uh-oh's" in meiner Inbox tragen seinen Namen (Die Nachricht, mit der Strava über den Verlust von KOMs informiert). Strava

In der Pressekonferenz nach der Etappe habe ich Mohoric gefragt, was an Radrennen in Deutschland besonders ist. World-Tour Profis fahren ja eher selten hier. Und tatsächlich: "Die Straßen sind sehr gut (very nice and new), besser als in anderen europäischen Ländern!" Das hört man doch gerne.  Die unablässige Folge von kurzen, harten Steigerungen war ebenfalls ganz nach Mohorics Geschmack. Meine Fragen ab 6:15



Auch Tom Domoulin hat sich in dieser Richtung geäussert (MeinSportRadio Podcast, ab Minute 17). Bestätigt wird das von der relativen Arbeitslosigkeit der Besatzung des neutralen Vittoria Materialwagens. Defekte gab es zumindest in den Spitzengruppen nämlich keine zu beheben.

Natürlich gab es auch Abseits des Renngeschehens Erwähnenswertes:


Die Style-Wertung

Profis sehen ja vom Start weg gut aus. Durchtrainiert, dünn, sauberes, einheitliches Kit, Rennräder in einem Tipp-Topp Zustand. Trotzdem gibt es Unterschiede und ich habe ein Highlight und auch ein Lowlight. Top war, dass Maximilian Schachmann in der Pressekonferenz in Trier die gute alte Rennmütze getragen hat. Pure Style! In Zeiten der Baseball Kappe ist das ja leider erwähnenswert geworden. Auf der anderen Seite hat Team Fortuneo mit Waren Barguil mal wieder gezeigt, dass weiße Hosen selbst an Profis furchtbar aussehen. Wer denkt sich sowas aus? Dafür ein kräftiges Buhhhh!



Meet and Greet

Ganz besonders habe ich mich über neue und "real-life" Bekanntschaften gefreut. In Trier stand ich am Ziel neben einem Hobby-Fotografen aus Wittlich. Dabei ist die Deklarierung als Hobby nur dem Umstand geschuldet, dass Walter Lescher mit seinen Bildern kein kommerzielles Interesse verfolgt. Die Ergebnisse können nämlich mit den Bildern der besten Profi Fotografen mithalten. Wie ich auf seiner Homepage gelesen habe, sind seine Bilder ausser im Abschnitt nicht verändert und unbearbeitet. Stattet seiner Homepage unbedingt einen Besuch ab. Walter stand 2016 am Mont Ventoux an genau der Stelle, an der Chris Froome sein Leih-Rad (das vom neutralen Mavic Service) abgestellt hat und anfing zu laufen!  www.walter-lescher.de

Natürlich habe ich mich auch mit Caro aka Miss Ciclista getroffen. Caro war schließlich die offizielle Bloggerin der Deutschland Tour. Zwischen Zieleinlauf, Pressekonferenzen und hundert anderen Dingen war die Zeit zum Fachsimpeln unter Bloggern leider etwas kurz.


Und last but not least muss auch Uli Benke erwähnt werden, den ich mit Insider Tips aus der Region versorgen durfte. Uli schreibt auf Benuli-Cycling über das Radfahren und auf UBenke.de gibt es Bilder zu bestaunen. Leider war auch hier die Zeit knapp und wir hatten keine Gelegenheit zu einer gemeinsamen Tour. Ich hoffe wir finden irgendwann Gelegenheit, dies nachzuholen.



Presse Akkreditierung

Es war ein besonderer Moment, als mir meine Akkreditierung ausgehändigt wurde. Mit ASO Schlaufe, Foto und fetter "Media" Aufschrift, auf dem Batch steht mein Name und "Blogger / Unterlenker - Cycling Blog". Damit gab es Zutritt zum Pressezentrum, den Bereichen direkt an und hinter der Ziellinie sowie dem VIP Bereich am Start. Ich konnte einen guten Eindruck gewinnen, wie all die Rennberichte und Podcasts entstehen, wie schnell man arbeiten und wie gut man organisiert sein muss. In der Pressekonferenz in Trier saß ich neben Bernd Landwehr vom Cycling Magazin, dessen Podcast ich dann am nächsten Tag auf dem Weg zum Start hörte. Und schließlich habe ich auch selbst einige Fragen gestellt. Spannend! Könnte ich öfter machen.




Dinge, die sich nie ändern

Auch wenn man World-Tour Profi ist, sitzen Mama und Papa auf Klappstühlen am Straßenrand, feuern an und fiebern mit. In Merzig konnte ich Erik und Cordula Zabel beobachten, wie sie im VIP-Bereich vor dem Fernseher saßen und Sohnemann Rick zuschauten. Das wäre ein tolles Bild gewesen, aber ich widerstand der Versuchung. Das war ein privater Moment und man muss nicht alles fotografieren. Als das Feld dann am Ziel vorbei kam, sprangen beide auf und versuchten einen Blick auf ihren Sohn zu ergattern. Kurz danach stürzte Rick bei der Einfahrt in den Kreuzberg, nicht schwer, aber der Schreck war Frau Zabel deutlich anzusehen.


Im nächsten Post berichte ich von meinem Tag im VIP Fahrzeug. Also: Stay tuned!

Freitag, 24. August 2018

Behind the Barriers

Das war ein Erlebnis! Heute hatte ich die Gelegenheit als akkreditierter Medienvertreter die zweite Etappe der Deutschland Tour von einer ganz anderen Seite zu erleben: Mit Ausweis um den Hals, Zugang zum Pressezentrum und zur Mixed Zone. Gerade fand die Pressekonferenz mit dem Sieger der heutigen Etappe und neuen Gesamt-Führenden, Maximilian Schachmann von Quick - Step Floors, statt. Jetzt sitze ich im Pressesaal und schreibe diesen Post.


Nach einigen späten Attacken nahmen zwanzig Fahrer starke Spitzengruppe den finalen Anstieg zum Petrisberg in Angriff. Nach der Wertung um Bonifikationssekunden auf dem Gipfel zog Tom Dumoulin (Team Sunweb) voll durch und Maximilian Schachmann ging mit. In der Abfahrt schlossen Matej Mohoric (Bahrain-Merida) und Nils Politt (Katusha-Alpecin) auf. Zwei deutsche Fahrer im Sprint um den Etappensieg! Caramba! Schachman setzte sich mit einer halben Vorderradlänge vor Mohoric durch. Neben dem Etappensieg übernahm Schachmann das rote Trikot des Gesamtführenden, das grüne Trikot der Punktwertung und auch das weisse Trikot des besten Jungprofis. Lediglich das schwarze Trikot des besten Kletterers ist auf den Schultern von Gaetan Pons von Leopard Pro Cycling.

Jetzt geht es um den Gesamtsieg. Ein Vorteil für Schachmann ist, dass jetzt die anderen attackieren und sich absetzten müssen und er sich auf die Kontrolle der Konkurrenten konzentrieren kann. Die Abstände sind aber knapp, die ersten vier Fahrer sind innerhalb 10 Sekunden, bis Platz 21 beträgt der Rückstand lediglich 22 Sekunden. Da ist noch alles drin. Das wird spannend und lässt auf ein Feuerwerk von Radrennen auf der Etappe von Trier nach Merzig hoffen.

Ich habe Schachmann gefragt, ob es auf den letzten Kilometern Anweisungen und Tipps aus dem Materialwagen gab. Er verwies dazu auf YouTube, wo sich einige Videos seines sportlichen Leiters Davide Bramati finden. Und genauso war es auch heute. Er wurde auf allen Sprachen angefeuert. Italienisch, Französisch, Englisch und vielleicht auch auf Deutsch, mehr Emotion als Taktik und vor allem laut, also wohl ungefähr so:


Morgen geht es von Trier nach Merzig und abends werde ich wahrscheinlich alle meine KOMs los sein. Ich bin gespannt und hoffe das Merzig der Deutschland Tour einen tollen Empfang bereitet und der Welt zeigt, was im Saarland so ab geht.

















Montag, 20. August 2018

Deutschland Tour: "Stay or Hop"

Nur noch drei Tage bis zum Start der Deutschlandtour. Es wird Zeit, letzte Pläne zum Zuschauen zu schmieden und sich zwischen den beiden Varianten "Stay or Hop" zu entscheiden. "Stay" ist an einem Platz zu bleiben und von dort das Rennen zu sehen, einen kurzen Moment Live und ansonsten im Lifestream (ARD / ZDF / Eurosport), im Fernseher oder auf einer Videoleinwand. Das ist die übliche Variante etwa bei Bergetappen der Tour de France. Die andere Variante, "Hop", ist ein eigener Sport mancher Fans, der gerne bei den Frühjahrsklassikern in Flandern ausgeübt wird, nämlich das Rennen an mehreren Stellen und so oft wie möglich zu sehen.

Die dritte Etappe der Deutschlandtour bietet sich für dieses Hopping durchaus an. Aber Vorsicht! Wer sich dafür entscheidet, wird vielleicht einen recht stressigen Tag haben und kann das Rennen  auch verpassen. Straßensperrungen, enge Zeitpläne und Verkehrsbehinderungen auf den Ausweichstrecken können einem durchaus einen Strich durch die Rechnung machen. Persönlich habe ich das noch nie versucht und werde es auch nicht machen, habe es mir aber durchaus überlegt. Die Strecke, die ich in diesem Fall gefahren wäre, gibt es weiter unten. Ob dies allerdings umzusetzen ist oder man selbst mit dem Rad schon frühzeitig nicht mehr durchkommt, das kann ich natürlich nicht sagen.


Die "Stay" Variante

Naheliegend ist es den Tag im Zielbereich in Merzig zu verbringen, dort gibt es den ganzen Tag ein großes Rahmenprogramm, angefangen mit Kinderrennen bis zu dem Nachwuchsrennen der weiblichen Jugend (U17) über den Kreuzberg. Dazu eine Expo, Musik und Videoleinwände, eine direkt am Ziel und eine an der Josefs-Kapelle, dem Beginn des Kreuzberg-Anstieges. Dort lässt sich das Rennen mit Sicherheit ganz hervorragend verfolgen und es wird nicht langweilig.

In wenigen Minuten ist man zu Fuß am finalen Anstieg hinauf zum Kreuzberg, ebenfalls ein hervorragender Platz zum Schauen. Die Profis fahren zwar dort nur einmal hoch, dann aber im Finale und es wird mit Sicherheit "Race on" sein! An der Kreuzberg-Kapelle wird für Speis und Trank gesorgt sein und ein Streckensprecher wird die Zuschauer über den Rennverlauf informieren.

In den Ortsteilen Hilbringen, Ballern und Schwemlingen, durch die die Deutschland Tour kommt, werden ebenfalls Fan-Zonen eingerichtet. Gleiches gilt wahrscheinlich auch für Nohn (2. und 4. Bergwertung) und Orscholz, allerdings kann ich dazu keine Informationen finden.

Für die Anreise nach Merzig sollte genügend Zeit eingeplant und nach Möglichkeit Bus und Bahn genutzt werden. Infos zur Verkehrssituation, Straßensperrungen, dem Rahmenprogramm und den Parkplätzen gibt es in diesem Flyer oder auf der Homepage der Stadt Merzig.

"Wohnmobilisten" würde ich den Parkplatz am Garten der Sinne, direkt an Strecke am Kreuzberg, empfehlen. Dort werden zwar keine Bergwertungspunkte, aber wertvolle Bonifikationssekunden vergeben. Zusätzlich kann man das U17 Rennen schauen und ist nur einen kleinen Fußmarsch von der großen Party entfernt. Alternativ findet sich sicher auch ein Platz im Anstieg zwischen Nohn und Orscholz. Dort kommt das Peloton zwei mal vorbei, allerdings ist man ansonsten recht weit ab vom Geschehen.


Die "Hop" Variante

Wer sich daran versuchen möchte, sollte als erste Station auf jeden Fall nach Saarhölzbach fahren. Der steilste Anstieg der Deutschland Tour und die erste Bergwertung der dritten Etappe bieten eine prima Gelegenheit das Peloton in Augenschein zu nehmen (etwa 13:00). Am Ortsausgang fahren die Profis geradeaus Richtung Losheim, Zuschauer können dann die Straße zum Freibad nach Mettlach nehmen und von dort mit dem Rad um die Saarschleife fahren. In Dreisbach sollte man mit dem Rad noch hinauf nach Nohn kommen. Dort kann man dann die zweite (etwa 15:10) und vierte Bergwertung (etwa 15:55) schauen oder nach der ersten Durchfahrt des Feldes über Tünsdorf, Schwemlingen und Besseringen zum Ziel (etwa 16:37) fahren. Mit dem Rad sollte man die Straßensperrungen ganz gut umgehen können, trotzdem ist dies ein sehr sportliches Vorhaben. In jedem Fall empfehlenswert sind ein Gravel-Rad und MTB-Schuhe, um auch Abkürzungen abseits befestigter Straßen nehmen zu können und zu Fuß noch beweglich zu sein. Ganz wichtig sind gute Schlösser um das Rad sicher absperren zu können, mitunter reicht es ja, sich nur einmal kurz umzudrehen um ein Rad verschwinden zu lassen.

Von Saarhölzbach kann man auch mit dem Auto nach Nohn fahren. In diesem Fall wird man nach der Bergwertung ebenfalls zum Freibad nach Mettlach, dann aber über "die Hardt" Richtung Merzig auf die Autobahn nach Luxembourg fahren. Dann nimmt man die nächste Abfahrt, fährt nach Tünsdorf und dann rechts nach Nohn. Vor dem Ort kann man am Straßenrand parken und die restlichen Meter bis zur Bergwertung zu Fuß gehen. Hier empfiehlt es sich m.E. aber auf keinen Fall nochmal nach Merzig zu fahren. Eine gute Alternative besteht auch darin, die Bergwertung in Saarhölzbach zu schauen und dann mit dem Zug von Mettlach nach Merzig zu fahren.

Zusätzlich benötigt man auf jeden Fall das offizielle Roadbook mit den Durchfahrtszeiten und der genauen Strecke. Hier auch als KML File.

Möglichkeiten über Möglichkeiten. Vielleicht ist es da am Besten, einfach an einem Platz zu bleiben und das Rennen ganz in Ruhe und ohne Stress am Straßenrand zu verfolgen. Mit Picknick und Internet Livestream. Für welche Variante auch immer Ihr euch entscheidet: Ich wünsche Euch viel Spaß!

Einen ganz hervorragenden Guide mit einer Menge an Tips zum Radrennen schauen gibt es bei Brügelmann.de. Werft mal einen Blick hinein. Besonders die Dos and Don'ts (Handyflatrate buchen, Picknick, keine Selfies, nicht mitlaufen) sind sehr gut.

Freitag, 17. August 2018

Der Unterlenker berichtet von der Deutschland Tour: "Call for Questions"

An der Deutschland Tour werde ich als offiziell akkreditierter Journalist ohne Presseausweis teilnehmen! So nennt sich die Kategorie in der unter anderem die Blogger und "Neue Medien"- Vertreter geführt werden und die meist, im Gegensatz zu Journalisten richtiger Zeitungen, keinen echten Presseausweis haben. Das bedeutet einen Batch zum Umhängen und Zugang zum Zielbereich, dem Pressezentrum und dem VIP-Startbereich! Vor einigen Wochen habe ich auf der ASO Seite die Akkreditierung beantragt und diese steht tatsächlich auf grün, was bedeutet, dass meine Anfrage validiert und genehmigt ist. Und gerade als ich das hier schreibe, bekomme ich eine Email von der Presseagentur der Deutschland Tour, die dies nochmal bestätigt. Wow. Das wird ganz besonderer Tag werden.

Unterlenker.com wird von der Deutschland Tour berichten, mit echten Informationen aus erster Hand und nicht nur über das schreiben, was schon sonst wo im Internet stand. Da stelle ich mir natürlich die Frage, was interessiert euch, meine Leser, was soll ich herausfinden, worüber sonst nirgendwo berichtet wird, ihr aber schon immer wissen wolltet? Über das Rennen? die Organisation? den VIP Bereich? das Pressezentrum? Fragen an die Fahrer? Den Sieger? Die Wasserträger? Die Mechaniker?

Also, "Call for Questions", sendet mit eure Fragen, die ich für euch stellen soll! 
Hier in den Kommentaren, auf Facebook oder via Email an Boris@Unterlenker.com

Unterlenker D-Tour Serie im Merziger Amtsblatt

Im Vorfeld der Deutschland Tour habe ich eine vierteilige Serie für das Merziger Amtsblatt geschrieben, die kostenlose, offizielle Stadtzeitung, die an alle Haushalte in der Kreisstadt Merzig und in den Ortsteilen verteilt wird. Der Inhalt richtete sich an das generelle, bisher nicht Radsport affine Publikum und war daher etwas allgemeiner gehalten. Als Blogger, der sonst immer nur "im Internet" schreibt, fand ich es eine schöne Abwechslung meine Artikel mal auf echtem Papier zu sehen. "Neues aus Merzig" kann man als PDF hier downloaden.

In Teil 1 (Ausgabe 30) ging es um die Finalrunde über den Kreuzberg,
in Teil 2 um die Einklassifizerung der Deutschland Tour und der teilnehmenden Mannschaften,
in Teil 3 um die verschiedenen Wertungen und Trikots und
in Teil 4 darum, wie man ein Radrennen schaut und sich am Straßenrand zu verhalten hat.

Donnerstag, 16. August 2018

Mit dem Rad zur Arbeit

Gestern war sowohl in Luxembourg als auch im Saarland Feiertag, Maria Himmelfahrt, um genau zu sein und für mich der letzte Feiertag bis zum 1. November. Da meine Firma das "Global" nicht nur im Namen trägt, sondern tatsächlich weltweit organisiert ist und irgendwo ja immer gearbeitet wird, war es an mir im Büro die Stellung zu halten. Das gute Wetter und die leeren Straßen habe ich genutzt und bin mit dem Rad zur Arbeit gefahren. Das letzte und bisher einzige Mal, dass ich das gemacht habe, ist Jahre her. Die Distanz von fünfzig Kilometern ist in Verbindung mit den ernstzunehmenden Anstiegen für meinen Geschmack nämlich etwas viel Sport in aller Frühe. Von der Saar geht es hoch auf den Saargau und wieder runter an die Mosel und von dort nochmal hoch bis nach Luxembourg, insgesamt etwas über 800 Höhenmeter. Als ich im Büro angekommen bin, war ich dann trotz gemäßigtem Tempo zugegebenermaßen ein bisschen müde. Definitiv nichts für jeden Tag!

Gebraucht habe ich eine Stunde und fünfzig Minuten, mit dem Auto fahre ich zwischen fünfzig Minuten und etwas über einer Stunde, wenn besonders viel Verkehr herrscht. Auf der einen Seite ein deutlicher zeitlicher Mehraufwand, der nicht immer mit den privaten und beruflichen Terminen in Einklang zu bringen ist, auf der anderen Seite aber auch gar nicht so viel länger. Ich frage mich übrigens gerade, wie sich die Strecke wohl mit einem S-Pedelc fahren lässt, das einen anständig den Berg hochschiebt? Vielleicht probiere ich das mal aus, so ein Rad kann man bestimmt ausleihen. Wie auch immer,  heute morgen war ich erstmal froh, wieder im Auto sitzen und ganz gemütlich zur Arbeit fahren zu können. Trotzdem habe ich mir vorgenommen, vielleicht einmal in der Woche das Rad zu nehmen. Das sollte doch irgendwie zu machen sein!

Nebel über der Saar


Menschenleere Straßen! Ab sofort arbeite ich an jedem Feiertag!






Auch auf dem Parkplatz: Ruhe!

Meine einzige Gesellschaft im Büro an diesem Tag.