Heute gab es sensationelle Radsport-Neuigkeiten! Gut unterrichtete, verlässliche Quellen berichten von fortgeschrittenen Gesprächen zwischen der UCI und den Veranstaltern der drei großen Landesrundfahrten, Giro d'Italia, Tour de France und Vuelta Espana über eine gemeinsame "Super-Rundfahrt" im Herbst 2020.
Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens im Zuge der Corona-Krise haben zu zahllosen Absagen jedweder Art von Veranstaltung auf der ganzen Welt geführt. Im Radsport wurden alle Rennen, von den kleinsten Jedermann-Events bis zu den Monumenten abgesagt. Der Giro wurde auf einen unbestimmten Termin im Herbst verlegt, die Tour de France ist derzeit mit dicken Fragezeichen versehen. Statt der im Gespräch befindlichen Austragung ohne Zuschauer erscheint eine Verschiebung wahrscheinlich. Leider wird die Zeit zwischen der anvisierten Wiederaufnahme der Saison im August und einem späten Ende der Saison im November nicht ausreichen, um alle abgesagten Rennen nachzuholen.
Die einzige Grand Tour die nach jetzigen Stand "safe" scheint, ist die Vuelta. Eigentümer der Vuelta ist die ASO, was die Gespräche sicherlich vereinfacht haben dürfte, denn die Vuelta muss aus jetziger Sicht am meisten "abgeben".
Wahrscheinlichster Termin für die "Europa-Tour" ist der 4. bis zum 27. September. Die Weltmeisterschaft in der Schweiz wird auf das erste Oktober Wochenende verschoben. Danach sollen die italienischen Frühjahrs- und Herbstklassiker (Strade Bianche, Mailand - San Remo, Lombardei Rundfahrt) statt finden. Die belgischen Klassiker, Paris-Roubaix und die Ardennen Rennen könnten dann im November gefahren werden.
Zu der Strecke der dann einzigen Gran Tour der Saison 2020 sind bisher nur wenige Eckpunkte bekannt, ein Start in Rom scheint wahrscheinlich. Nach einem Prolog im Vatikan und einer ersten Etappe rund um Rom und Ziel vor dem Kolosseum wendet sich das Rennen gen Norden. An der Adria soll es ein Mannschaftszeitfahren geben, bevor es weiter Richtung Mailand und in die Lombardei geht. Die Königsetappe der ersten Woche soll über das Stilfser Joch führen. Am Ende der ersten Woche werden die Fahrer dann in Frankreich zunächst zwei weitere Bergetappe bewältigen müssen, bevor der erste Ruhetag am 14. September ansteht. Dienstags folgt ein klassisches Bergzeitfahren auf den Mont Ventoux. Danach könnte das Rennen weiter durch das Zentral Massiv und an das Mittelmeer führen. Als möglicher Etappenort kommt zu diesem Zeitpunkt etwa Perpignan in Frage. Die dritte Woche des Rennens wird dann auf spanischem Boden stattfinden.
Die letzte Etappe wird, als Tribut und Zugeständnis an die größte der drei Rundfahrten, die Tour, traditionell in Paris auf den Champs-Élysées über die Bühne gehen.
Eine interessante und bis jetzt dem Vernehmen nach noch vollkommen offene Frage ist die Gestaltung des Trikots des Gesamtführenden. Eine kreative Kombination aus Pink, Gelb und Rot erscheint wahrscheinlich, obwohl dies eine überaus schwierige Farbkombination ist.
Der Vuelta Start in den Niederlanden fällt damit 2020 flach, soll aber 2021 nachgeholt werden.
Nun ist zu hoffen, das die derzeitigen Vorsichtsmaßnahmen im Zuge der Corona-Krise im Sommer wieder schrittweise gelockert werden können und einem aufregendem Radsport-Herbst nichts zum Wege steht.
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Mittwoch, 1. April 2020
Samstag, 3. November 2018
Spannende Zeiten
Der Radsport im Allgemeinen und der Straßenradsport im Besonderen erlebt gerade eine spannende Zeit. Immer neue Spielarten des sportlichen Radfahrens finden ihre Anhänger. Seit einigen Jahren boomen die Fixed Gear Kriterien, die mit der Red-Hook Serie internationale Bekanntheit erreicht haben (In diesem Zusammenhang hörenswert: Die aktuelle No Brakes Folge des Cycling Podcasts). Die Brevet Szene erlebt eine neue Blüte, die Audax Vereinigungen verzeichnen mehr und mehr Mitglieder und alle paar Wochen kann man über alte und neue spannende Veranstaltungen lesen (TCR, TCR, Three Peaks, PBP). Abseits der Straßen werden die neuen Gravelbikes über Stock und Stein gejagt. Gravelevents von schnell bis langsam, von Spaß bis Sport schießen aus dem Boden. Bei den Veranstaltungen der Jedermann-Szene und den Rad-Marathons in den Alpen stehen regelmäßig Tausende am Start, bezahlen teils horrende Startgebühren und nehmen weite Anfahrten auf sich. Abseits des Sports erlebt das Fahrrad als Fortbewegungsmittel eine Renaissance und der Verteilungskampf um den Platz auf den Straßen der Städte hat gerade erst angefangen.

Auf der anderen Seite musste dieses Jahr mit Quick Step sogar eine der erfolgreichsten Mannschaften der Worldtour lange nach einem neuen Sponsor suchen. Die Lizenzrennen darben seit Jahren unter abnehmenden Teilnehmer- und die Vereine allgemein unter sinkenden Mitgliederzahlen. Rennklassen werden zusammengelegt und Traditionsveranstaltungen eingestellt. Dabei ist der Straßenradsport immer noch das Maß aller Dinge. In keiner anderen Sparte des Radsports stehen so vielen Fahrer, Sportliche Leiter, Mechaniker, Trainer und Betreuer in Lohn und Brot. Während nur einige wenige Top Fahrer vom Mountainbiken leben können, die wenigen Bahnfahrer meist vom Staat alimentiert werden und in anderen Sparten Amateure und Hobbysportler weitgehend unter sich sind, eröffnet der Straßenradsport echte Karrieremöglichkeiten. Auch wenn sicher viele Verträge gerade nur mit dem UCI Mindestlohn vergütet werden, sind es doch Arbeitsverträge mit realem Cash-Flow. Das gilt prinzipiell selbst für den Frauenradsport, wenn auch auf niedrigerem Niveau. Und wenn man die Leute auf der Straße nach Radsport fragt, enthält die Antwort unweigerlich das Schlagwort “Tour de France”.
Während viele noch über die Gründe und mögliche Lösungen diskutieren, probieren einige Protagonisten neue Dinge aus. Vor einigen Jahren haben sich Worldtourteams zu “Velon”, einer Art Vermarktungsgesellschaft, zusammengeschlossen. Die Onboard Videos waren anfangs ganz interessant, nutzen sich in der jetzigen Form von kurzen Highlight Videos auf Youtube aber schnell ab. Die Hammer Series ist zu gewollt und künstlich und wird schwerlich ein Erfolg werden. Die neuste Wende ist die Zusammenarbeit von Rapha und dem Woldtour Team EF Education First - Drapac pb Cannondale. Die Zusammenarbeit soll weit über das übliche Sponsoring hinausgehen. Einige Fahrer des Teams werden ein alternatives Programm fahren und an Fixed Gear Kriterien, Gravel Events und Ultra Endurance Rennen teilnehmen. All das wird von Rapha medial begleitet. Die Filme und Features werden mit Sicherheit eine großartige Sache sein, der man gespannt entgegen sehen kann. Spannend wird auch sein, wie sich die Profis schlagen werden, ob und wie sich die jeweilige Szene verändern wird und wie dort die unweigerliche Professionalisierung aufgenommen wird. Auf WHATTSBEHIND hat Benjamin vor einigen Tagen über den Rapha - Education First Deal ausführlich und sehr lesenswert geschrieben. Am ersten November hat der Rennstall die Verpflichtung von Lachlan Morton bekanntgegeben, der in der kommenden Saison wieder im Argyle Trikot fahren und einer der Fahrer des alternativen Rennprogramms sein wird. An dieser Stelle habe ich schon öfter über die Arbeit der beiden Morton Brüder geschrieben, die besonders mit der "There About's" Film Reihe bekannt wurden. Das lässt einiges erwarten!
In Deutschland versucht der BDR hingegen mit einer Lizenzreform dem negativen Trend bei den Lizenzrennen entgegenzuwirken. Caro von Ciclista.net hat darüber geschrieben und ich teile ihre Ansicht, dass diese Reform kein Befreiungsschlag ist. Die strukturellen Probleme, mit denen Vereine zu kämpfen haben, wie sinkende Mitgliederzahlen, wegbrechendender Nachwuchs, Auflagen bei Genehmigungen von Radrennen, Überalterung und damit oftmals Probleme bei der Digitalisierung, etc. etc., werden durch die Lizenzreform der männlichen Eliteklasse in keiner Weise adressiert. Es wird von Seiten des BDRs, der Landesverbände und der Vereine beträchtlicher Anstrengungen bedürfen, damit der Vereinssport auch in Zukunft relevant bleibt. Vielleicht sind die Probleme im organisierten Radsport aber auch nur Ausdruck einer größeren gesellschaftlichen Veränderung, die den Kampf um Bestleistungen und Medaillen nicht mehr so hoch wertet wie in der Vergangenheit. Selbst dem Internationalen Olympischen Komitee fällt es neuerdings schwer, Ausrichter für seine Spiele zu finden.
Wie auch immer es weitergeht, die Räder werden sich drehen und es wird weiterhin Rad gefahren werden, nur vielleicht anders und vielfältiger als wir es heute kennen.
Montag, 28. Mai 2018
Kriterium auf der Radrennbahn
Ein Kriterium wird mit Straßenrädern auf meist flachen, kurzen Straßenkursen gefahren. Oft auf Runden um einen Kilometer, gerne auch mit einigen netten Kurven für den Beweis der Steuerkünste. Alle paar Runden, die sogenannten Wertungsrunden, gibt es bei der Zieldurchfahrt Punkte, in der Regel fünf, drei, zwei und einen Punkt. Die Schlusswertung bei der letzten Zieldurchfahrt zählt doppelt. Wer am Ende die meisten Punkte hat gewinnt. Das Pendant auf der Bahn nennt sich Punktefahren und funktioniert eigentlich ganz ähnlich, nur dass die Fahrräder weder Bremsen, noch Schaltung oder Freilauf haben. Das man mit Bahnrädern aber auch ganz wunderbar auf der Straße fahren kann, zeigen die immer zahlreicheren "Fixed Crits", allen voran das Red Hook Crit oder etwa das RAD RACE FIXED 42.
Umgekehrt, also mit dem Straßenrad auf der Bahn zu fahren ist da schon viel seltener, geht aber auf einer passenden Bahn trotzdem prima, wie der RV Schopp mit dem Kriterium auf der Radrennbahn zeigt. Auf der in den Fünfzigern des letzten Jahrhunderts erbauten, offenen und 450m langen Bahn muss auch niemand Angst haben, in den Kurven abzurutschen. Die sind nämlich eher flach und weit und nicht unbedingt was man auf einer Radrennbahn erwartet. Egal, wenn man wirklich schnell fährt und mit fünfzig Stundenkilometer in die Kurve einbiegt, merkt man doch wie man etwas fester auf das Rad gedrückt wird. Das macht Spass und erzeugt ein ganz anderes Gefühl für Geschwindigkeit, ist allerdings auch ziemlich anstrengend.
An 19. Mai standen drei Rennen auf dem Programm, zuerst die Senioren 2 / 3 über 80 Runden oder 36 km, dann die BC Klasse über 140 Runden oder 63km und dann noch ein Klappradrennen über drei Stunden. Ich bin bei den alten Herren gestartet und durfte somit als erstes ran. An den Sprints habe ich mich gar nicht erst versucht und hoffte, wie immer, auf eine glückliche Fluchtgruppe vor des Feldes Gnaden, aber an diesem Tag war nichts zu machen. Der Wind war zu stark, das Tempo zu hoch (>43km/h) und meine Beine zu schwach. Aber was soll ich sagen, dass war ganz egal, der Spaß war ungebrochen.
Das Klappradrennen konnte ich mir leider nicht mehr ansehen, aber ich bin mir sicher, dass das ein grosses Spektakel war. Die Räder haben auf jeden Fall toll ausgesehen.
Umgekehrt, also mit dem Straßenrad auf der Bahn zu fahren ist da schon viel seltener, geht aber auf einer passenden Bahn trotzdem prima, wie der RV Schopp mit dem Kriterium auf der Radrennbahn zeigt. Auf der in den Fünfzigern des letzten Jahrhunderts erbauten, offenen und 450m langen Bahn muss auch niemand Angst haben, in den Kurven abzurutschen. Die sind nämlich eher flach und weit und nicht unbedingt was man auf einer Radrennbahn erwartet. Egal, wenn man wirklich schnell fährt und mit fünfzig Stundenkilometer in die Kurve einbiegt, merkt man doch wie man etwas fester auf das Rad gedrückt wird. Das macht Spass und erzeugt ein ganz anderes Gefühl für Geschwindigkeit, ist allerdings auch ziemlich anstrengend.
An 19. Mai standen drei Rennen auf dem Programm, zuerst die Senioren 2 / 3 über 80 Runden oder 36 km, dann die BC Klasse über 140 Runden oder 63km und dann noch ein Klappradrennen über drei Stunden. Ich bin bei den alten Herren gestartet und durfte somit als erstes ran. An den Sprints habe ich mich gar nicht erst versucht und hoffte, wie immer, auf eine glückliche Fluchtgruppe vor des Feldes Gnaden, aber an diesem Tag war nichts zu machen. Der Wind war zu stark, das Tempo zu hoch (>43km/h) und meine Beine zu schwach. Aber was soll ich sagen, dass war ganz egal, der Spaß war ungebrochen.
Das Klappradrennen konnte ich mir leider nicht mehr ansehen, aber ich bin mir sicher, dass das ein grosses Spektakel war. Die Räder haben auf jeden Fall toll ausgesehen.
Sonntag, 13. Mai 2018
Panache
Im Radsport gibt es einige Ausdrücke, die manchmal schwer zu definieren sind, bei denen man aber sofort weiß was gemeint ist, wenn man es sieht. André Greipel hat diese Woche gezeigt was Panache ist (franz. für Schneid, Beherztheit, ausgesprochen "Panasch"). Als einer der weltbesten Sprinter ist Greipel nun wirklich nicht darauf angewiesen auf den letzten Metern zu attackieren und einen sicheren Sprinterfolg zu gefährden. Bei der fünften Etappe der Vier Tage von Dünkirchen fuhr Greipel ab Kilometer 70 in einer 18 Fahrer starken Ausreissergruppe. 20 Kilometer vor dem Ziel lösten sich der Belgier Claeys und der Niederländer Riesebeck und Greipel zögerte nicht nachzusetzen. Der Gorilla in der Attacke! Kurz vor der Kilometer Marke attackierte Greipel dann selber und fuhr einen Solo Sieg ein. Auch für den dreimaligen Deutschen Meister ist das etwas ganz Besonderes, denn nur zwei seiner 151 Siege hat er als Solist erzielt.
Auf Inner Ring gibt es einen fantastischen Artikel, der die Herkunft von Panache erklärt, vom Federbusch auf dem Schlachtfeld im Mittelalter, über Cyrano de Bergerac bis zum Radsport und warum Sky kein Panache hat. Unbedingt lesen!
Die Quintessenz ist diese:
Typically a rider with panache is said to be one who attacks, displaying courage and flair. But the surprise factor counts and a rider who wins too often can lose this label.
Typischerweise ist ein Fahrer mit Panache einer der attackiert und dabei Mut und Ausstrahlung zeigt. Dabei spielt der Überraschungseffekt eine Rolle und ein Fahrer, der zu oft gewinnt verliert verliert die Eigenschaft.
Panache ist übrigens nicht zu verwechseln mit Panaché ("Panaschee"), der Bezeichnung für Bier mit Zitronenlimonade.
Auf Inner Ring gibt es einen fantastischen Artikel, der die Herkunft von Panache erklärt, vom Federbusch auf dem Schlachtfeld im Mittelalter, über Cyrano de Bergerac bis zum Radsport und warum Sky kein Panache hat. Unbedingt lesen!
Die Quintessenz ist diese:
Typically a rider with panache is said to be one who attacks, displaying courage and flair. But the surprise factor counts and a rider who wins too often can lose this label.
Typischerweise ist ein Fahrer mit Panache einer der attackiert und dabei Mut und Ausstrahlung zeigt. Dabei spielt der Überraschungseffekt eine Rolle und ein Fahrer, der zu oft gewinnt verliert verliert die Eigenschaft.
Panache ist übrigens nicht zu verwechseln mit Panaché ("Panaschee"), der Bezeichnung für Bier mit Zitronenlimonade.
Samstag, 12. Mai 2018
Ein Meistertrikot
Mit zwei Siegen im Rücken bin ich am vergangen Wochenende nach Bann gefahren zu den gemeinsamen Landesmeisterschaften im "Einer Strasse" des Saarlandes, von Rheinland-Pfalz und Hessen. Durch die Sperrung der Autobahn 62 und der damit damit verbundenen Umleitung wurde das Rennen dieses Jahr auf einer anderen Variante als 2015 ausgefahren. Vor drei Jahren ging es von Bann die "Roller-Berg" Variante hinauf auf den Höhenzug, dann ist die Runde etwa 14 km lang. Dieses Jahr wurde die kürzere Variante gefahren, dabei geht es direkt vom Start weg einen Kilometer mit bis zu 15% bergauf, kurz und knackig. Die Besten brauchen für diese Rampe knapp unter drei Minuten. Oben angekommen geht es vier Kilometer über eine windanfällige Hochebene bevor die Abfahrt nach Queidersbach die technischen Fähigkeiten fordert. Der Straßenbelag ist mehr schlecht als recht, ein Flickstück reiht sich an das nächste und die eigentliche Ideallinie ist mit Gullideckeln gespickt, dazu zwei 180° Kurven, da trennt sich auch Berg runter die Spreu vom Weizen. Unten angekommen geht es dann leicht ansteigend zurück zum Start nach Bann. Eine Runde hat 10 Kilometer.
Die Fahrer der Senioren 2 Klasse (40-49) hatten vier Runden zu fahren, die Senioren 3 (50-59) drei Runden und die Senioren 4 (>60) sogar nur zwei Runden. Vielleicht hat der Zeitplan es nicht zugelassen die Rennen über eine meisterschaftswürdige Distanz auszurichten, aber im Ernst? 40 Kilometer? Für eine Straßenmeisterschaft? Im Jahr zuvor in Bliesransbach war das Rennen mit 80 Kilometer doppelt so lang. Dieses Jahr sind wir hingegen weniger gefahren als die Jugendklasse!
Noch unschöner war die kurzfristige Entscheidung des Wettfahrausschusses alle Seniorenklassen gemeinsam starten zu lassen, trotz der unterschiedlichen Distanzen. Die Ausschreibung sah vor, die Rennen mit je zwei Minuten Abstand auf den Weg zu schicken. Der Protest verschiedener Fahrer wurde von der WA-Vorsitzenden lautstark und brüsk abgebürstet. Dabei war der Einwand mehr als berechtigt. Schon der vorgesehene Modus eröffnet durch die Vergabe von gleich drei Meistertiteln in einem Rennen eine "Taktik-Metaebene" bei die Fahrer weniger auf das Gesamtrennen als viel mehr auf ihre Position im eigenen Landesverband achten. Mische ich mich etwa als Saarländer ein, wenn zwei Hessen um den Titel kämpfen? Helfe ich vielleicht einem der Beiden, wenn ich den eigenen Titel schon sicher habe? Die Entscheidung des WA's führte dazu, dass gleich Neun (!) Radrennen gemeinsam starteten. Wie das zu der angeführten besseren Übersichtlichkeit beigetragen haben soll, ist mir ein Rätsel.
Dahingegen haben sich die Rennen wie zu erwarten gegenseitig beeinflusst. Ich könnte zumindest ein Beispiel aufführen, will aber nicht den Anschein erwecken, dass der betreffenden Fahrer sein Ergebnis nur aufgrund dieser besonderen Konstellation erreicht hätte. Wahrscheinlich wäre das Ergebnis unverändert gewesen, aber mit sauber getrennten Rennen wäre es für diesen Fahrer zumindest etwas schwerer gewesen.
Die Entscheidung des WA alle Rennen gemeinsam starten zu lassen und die fast schon lächerlichen Distanzen drücken keine besondere Wertschätzung für die Fahrer der Mastersklassen aus. Das ist schade, denn uns machen die Radrennen genau soviel Freude und wir investieren genauso viel Herzblut in unseren Sport wie allen anderen Fahrer und Fahrerinnen, von den Jugendlichen bis zu der Elite. Wenn Radfahren im allgemeinen und Radsport im speziellen als Aktivität für alle Generationen gelten soll, dann wäre es das Mindeste auch die Masters Klassen entsprechend ernst zu nehmen.
Zurück zum Start. Wie bei der Strecke und der Distanz nicht anders zu erwarten, ging es von Beginn an zur Sache. Schon der erste Anstieg führte zu einer deutlichen Auslese und mit vielleicht 15 Fahrern ging es in den zweiten Anstieg. Sascha Haußmann führte mit einer scharfen Tempoverschärfung die nächste Selektion herbei. Nach dem dritten Anstieg waren wir dann nur noch zu viert an der Spitze: Peter Achilles (Radclub Pfälzerwald), Sascha Haußmann (RSV Nassovia Limburg), Axel Hauschke (Melsunger TG 1861) und meine Wenigkeit. Ein Pfälzer, zwei Hessen und ein Saarländer. Damit lag ich schon mal gut auf Kurs für den Titel des Saarlandmeisters.
Aber auch das Gesamtrennen war noch zu haben. Was ist die beste Taktik? Einfach mitfahren und auf den Sprint warten? Oder einen weiteren Ausreißversuch wagen? Wie stark sind die anderen Fahrer? Wer hat noch Reserven, wer ist vielleicht schon am Anschlag? Zumindest von hinten drohte keine Gefahr mehr. Von Stürzen und Defekten abgesehen sollten die ersten vier Plätze und die Meistertitel der drei Verbände mehr oder weniger sicher sein.
Beim dritten Anstieg fiel mir auf, dass Sascha Haußmann's rechter Fuß auf dem Pedal hin und her wackelte wie bei einem epileptischen Anfall. Das sah nicht mehr souverän aus. Der Gute fuhr anscheinend am Drehzahlbegrenzer. Oder fährt der immer so? Peter Achilles ist auf der Höhe zwar tapfer durch die Führung gefahren, konnte diese aber gar nicht schnell genug abgeben und war offensichtlich auch tief im roten Bereich. Nur Axel Hauschke schien unbeeindruckt. Gut, von einem ehemaligen Profi und aktuellen A-Fahrer war auch nichts anderes zu erwarten.
Den letzten Anstieg bin ich dann von vorne gefahren und mit allem, was ich noch zur Verfügung hatte die letzten, steilen 300 m hoch. Und fast hätte es gereicht, Peter Achilles hatte schon ein kleines Loch, ekelte sich aber wieder heran. Ein weiterer Versuch meine Kontrahenten los zu werden nach der Spitzkehre in Richtung Abfahrt war auch nicht erfolgreich. Also ging es zu viert bergab. Wie in den Runden zuvor ist Axel Hauschke wie auf Schienen als Erster durch die erste 180° Kurve geschossen, ich einigermaßen hinterher. Sascha Haußmann hatte schon in den Runden vorher Probleme mit der Abfahrt und hat sich als dritter scheinbar ganz böse versteuert und damit auch Peter Achilles aufgehalten. Der Schulterblick nach der Kehre offenbarte eine ordentlich Lücke. Das war die Chance! Kette rechts, antreten, klein machen, die weiteren Kurven mit vollem Risiko nehmen und unten hatten Axel und ich einen komfortablen Vorsprung.
Kurz vor dem Ziel habe ich mich dann in die erste Position manövrieren lassen und hatte dem Antritt meines Mitstreiters auch nichts mehr entgegen zu setzen. Zweiter Platz und Saarlandmeister, das Meistertrikot war meines! Nach dem Trikot für die Bergpreiswertung einer kleinen Rundfahrt in Frankreich als U23 Fahrer mein einziges gewonnenes Trikot! (Gut, der sportliche Wert des Saarlandmeister-Titels ist eher niedrig, aber das ist mir jetzt einfach mal ganz egal.) An der Stelle vielen Dank an Alberto Kunz von il Diavolo - Der teuflische Radladen für das Sponsoring der Trikots. Coole Aktion, Daumen hoch!
Die Fahrer der Senioren 2 Klasse (40-49) hatten vier Runden zu fahren, die Senioren 3 (50-59) drei Runden und die Senioren 4 (>60) sogar nur zwei Runden. Vielleicht hat der Zeitplan es nicht zugelassen die Rennen über eine meisterschaftswürdige Distanz auszurichten, aber im Ernst? 40 Kilometer? Für eine Straßenmeisterschaft? Im Jahr zuvor in Bliesransbach war das Rennen mit 80 Kilometer doppelt so lang. Dieses Jahr sind wir hingegen weniger gefahren als die Jugendklasse!
Noch unschöner war die kurzfristige Entscheidung des Wettfahrausschusses alle Seniorenklassen gemeinsam starten zu lassen, trotz der unterschiedlichen Distanzen. Die Ausschreibung sah vor, die Rennen mit je zwei Minuten Abstand auf den Weg zu schicken. Der Protest verschiedener Fahrer wurde von der WA-Vorsitzenden lautstark und brüsk abgebürstet. Dabei war der Einwand mehr als berechtigt. Schon der vorgesehene Modus eröffnet durch die Vergabe von gleich drei Meistertiteln in einem Rennen eine "Taktik-Metaebene" bei die Fahrer weniger auf das Gesamtrennen als viel mehr auf ihre Position im eigenen Landesverband achten. Mische ich mich etwa als Saarländer ein, wenn zwei Hessen um den Titel kämpfen? Helfe ich vielleicht einem der Beiden, wenn ich den eigenen Titel schon sicher habe? Die Entscheidung des WA's führte dazu, dass gleich Neun (!) Radrennen gemeinsam starteten. Wie das zu der angeführten besseren Übersichtlichkeit beigetragen haben soll, ist mir ein Rätsel.
Dahingegen haben sich die Rennen wie zu erwarten gegenseitig beeinflusst. Ich könnte zumindest ein Beispiel aufführen, will aber nicht den Anschein erwecken, dass der betreffenden Fahrer sein Ergebnis nur aufgrund dieser besonderen Konstellation erreicht hätte. Wahrscheinlich wäre das Ergebnis unverändert gewesen, aber mit sauber getrennten Rennen wäre es für diesen Fahrer zumindest etwas schwerer gewesen.
Die Entscheidung des WA alle Rennen gemeinsam starten zu lassen und die fast schon lächerlichen Distanzen drücken keine besondere Wertschätzung für die Fahrer der Mastersklassen aus. Das ist schade, denn uns machen die Radrennen genau soviel Freude und wir investieren genauso viel Herzblut in unseren Sport wie allen anderen Fahrer und Fahrerinnen, von den Jugendlichen bis zu der Elite. Wenn Radfahren im allgemeinen und Radsport im speziellen als Aktivität für alle Generationen gelten soll, dann wäre es das Mindeste auch die Masters Klassen entsprechend ernst zu nehmen.
Zurück zum Start. Wie bei der Strecke und der Distanz nicht anders zu erwarten, ging es von Beginn an zur Sache. Schon der erste Anstieg führte zu einer deutlichen Auslese und mit vielleicht 15 Fahrern ging es in den zweiten Anstieg. Sascha Haußmann führte mit einer scharfen Tempoverschärfung die nächste Selektion herbei. Nach dem dritten Anstieg waren wir dann nur noch zu viert an der Spitze: Peter Achilles (Radclub Pfälzerwald), Sascha Haußmann (RSV Nassovia Limburg), Axel Hauschke (Melsunger TG 1861) und meine Wenigkeit. Ein Pfälzer, zwei Hessen und ein Saarländer. Damit lag ich schon mal gut auf Kurs für den Titel des Saarlandmeisters.
Aber auch das Gesamtrennen war noch zu haben. Was ist die beste Taktik? Einfach mitfahren und auf den Sprint warten? Oder einen weiteren Ausreißversuch wagen? Wie stark sind die anderen Fahrer? Wer hat noch Reserven, wer ist vielleicht schon am Anschlag? Zumindest von hinten drohte keine Gefahr mehr. Von Stürzen und Defekten abgesehen sollten die ersten vier Plätze und die Meistertitel der drei Verbände mehr oder weniger sicher sein.
Beim dritten Anstieg fiel mir auf, dass Sascha Haußmann's rechter Fuß auf dem Pedal hin und her wackelte wie bei einem epileptischen Anfall. Das sah nicht mehr souverän aus. Der Gute fuhr anscheinend am Drehzahlbegrenzer. Oder fährt der immer so? Peter Achilles ist auf der Höhe zwar tapfer durch die Führung gefahren, konnte diese aber gar nicht schnell genug abgeben und war offensichtlich auch tief im roten Bereich. Nur Axel Hauschke schien unbeeindruckt. Gut, von einem ehemaligen Profi und aktuellen A-Fahrer war auch nichts anderes zu erwarten.
Den letzten Anstieg bin ich dann von vorne gefahren und mit allem, was ich noch zur Verfügung hatte die letzten, steilen 300 m hoch. Und fast hätte es gereicht, Peter Achilles hatte schon ein kleines Loch, ekelte sich aber wieder heran. Ein weiterer Versuch meine Kontrahenten los zu werden nach der Spitzkehre in Richtung Abfahrt war auch nicht erfolgreich. Also ging es zu viert bergab. Wie in den Runden zuvor ist Axel Hauschke wie auf Schienen als Erster durch die erste 180° Kurve geschossen, ich einigermaßen hinterher. Sascha Haußmann hatte schon in den Runden vorher Probleme mit der Abfahrt und hat sich als dritter scheinbar ganz böse versteuert und damit auch Peter Achilles aufgehalten. Der Schulterblick nach der Kehre offenbarte eine ordentlich Lücke. Das war die Chance! Kette rechts, antreten, klein machen, die weiteren Kurven mit vollem Risiko nehmen und unten hatten Axel und ich einen komfortablen Vorsprung.
Kurz vor dem Ziel habe ich mich dann in die erste Position manövrieren lassen und hatte dem Antritt meines Mitstreiters auch nichts mehr entgegen zu setzen. Zweiter Platz und Saarlandmeister, das Meistertrikot war meines! Nach dem Trikot für die Bergpreiswertung einer kleinen Rundfahrt in Frankreich als U23 Fahrer mein einziges gewonnenes Trikot! (Gut, der sportliche Wert des Saarlandmeister-Titels ist eher niedrig, aber das ist mir jetzt einfach mal ganz egal.) An der Stelle vielen Dank an Alberto Kunz von il Diavolo - Der teuflische Radladen für das Sponsoring der Trikots. Coole Aktion, Daumen hoch!
Auf dem zweiten Platz Jens Weicherding vom RV Blitz Oberbexbach, Dritter wurde Martin Schaar vom RSF Niederlinxweiler.
Donnerstag, 10. Mai 2018
Frühjahrskampagne 2018
Es heißt ja, man soll aufhören wenn es am schönsten ist. Demzufolge könnte ich meine Renn-Saison 2018 eigentlich beenden, denn besser kann es fast nicht mehr werden. Von vier Rennen konnte ich zwei gewinnen, war einmal Fünfter, einmal Zweiter und konnte dazu das Meistertrikot für den Saarlandmeister der Senioren 2 überstreifen! Schampus!!
Nachdem ich letztes Jahr mein Zeitfahrrad zugunsten des Cannondale Slate verkauft habe, bin ich die beiden 5 Kilometer Runden auf dem technischen Kurs mit dem Aeroad gefahren. Der aerodynamische Nachteil auf den Geraden wird durch die leichtere Manövrierbarkeit in und die bessere Beschleunigung nach den Kurven nicht ganz ausgeglichen und so war ich dann auch etwas langsamer als im Vorjahr, aber viellicht hätte gründliches Warmfahren auf der Rolle ja doch geholfen. Immerhin reichte die Zeit von 14:20 zu einem fünften Platz in der Masterswertung. Bei den Junioren wäre ich mit dieser Zeit unter ferner liefen gewesen, der Schnellste, Arthur Kluckers vom ausrichtenden Verein, ist eine unglaubliche 12:11 gefahren. Caramba!
In der Pause zwischen dem Zeitfahren und dem späteren Rundstreckenrennen bin ich eine gemütliche Runde bis nach Remich und zurück nach Schengen gefahren, einschliesslich einer sehr entspannten Kaffeepause bei herrlichstem Frühjahrswetter am Europäischen Museum mit Tourist-Watching. Wäre ich ja fast auch zum Rundstreckenrennen zu spät gekommen! Das ging dann zusammen mit den Junioren über 12 Runden oder 60 Kilometer. Für die Jungen zählte das Rennen wie schon das Zeitfahren am Morgen und dem Straßenrennen in Überherrn am nächsten Tag zur Saar-Lux Challenge. Auf dem engen, windanfälligen Kurs mit einer ganzen Reihe an Kurven folgte eine Attacke auf die andere und nach jeder Kurve war ein anständiger Antritt gefragt. Um dem Ziehharmonika Effekt zu entgehen, war es wichtig sich weit vorne aufzuhalten. Je weiter hinten man sich befindet, umso langsamer fährt das Feld um eine Kurve und umso stärker muss man antreten um wieder Anschluss zu finden. Obwohl mir die Kurvenhatz eigentlich nicht sonderlich liegt, komme ich auf dem Kurs in Schengen ganz gut zurecht und konnte mich vorne halten und habe auch einige Attacken versucht. Letztendlich kamen die Masters alle zusammen im Hauptfeld hinter den drei Spitzenreitern an, die Gesamtwertung entsprach somit der Reihenfolge nach dem Zeitfahren und der Sieg ging an Alberto Kunz vom il Diavolo - Pure White Team.
Wie in den letzten Jahren hat der VC Dräilännereck Schengen eine perfekt organisierte Veranstaltung auf die Beine gestellt. Der Verzicht auf ein Eliterennen schafft genug Zeit für einen Renntag mit Fokus auf den Nachwuchsklassen. Die jungen Sportler (und die alten Säcke) bekommen so die seltene Möglichkeit sich an einem Tag in einer Kombination aus Zeitfahren und Rundstreckenrennen zu beweisen. Der Kurs räumt allen Fahrern Chancen ein und ist komplett vom Verkehr abgesperrt. Da kann ich nur sagen: Daumen hoch und weiter so! Ich freue mich schon auf 2019!
Vielen Dank an Albert Krier für die Bilder, noch viele mehr, auch von den anderen Klassen sind auf Albert's Facebookseite zu finden.
Veloclub Schengen Facebook / Homepage

Überherrn ist eines der letzten echten Straßenrennen in der Region, dass auf einer großen Runde gefahren wird. Die Senioren hatten derer drei zu bewältigen, rund 42 Kilometer. Prägendes Element der Strecke ist der Rammelfanger Berg, der aus dem Tal bei Ihn wieder auf die Höhe des Saargaus führt. Der Anstieg an sich ist ein Rollerberg, der noch gut mit dem großen Kettenblatt gefahren werden kann. Die Schwierigkeit ist dabei eher die nur noch minimal ansteigende Strecke durch Rammelfangen nach der eigentlichen Steigung, im Englischen würde man das sehr treffend als "False Flat" bezeichnen. Wenn man dann endlich oben ist, folgt auch nur eine kurze abschüssige Passage ("Abfahrt" wäre hier schon übertrieben) bevor die nächste fiese Welle im Weg steht. Nachdem die erste Runde relativ langsam gefahren wurde habe ich beim zweiten Anstieg kurz vor Rammelfangen richtig attackiert und konnte mich zusammen mit Marcus Rummel vom RSV Stuttgart-Vaihingen 1901 absetzen. Anfangs hatten wir noch kurz Gesellschaft von einem anderen Fahrer, in der dritten Runde schlossen vor dem Berg mit Claude Christ vom Auto Reiter Masters Team 2018 und Daniel Höhn (Tages Lizenz) zwei weitere Fahrer auf. Marcus entledigte uns dieser Gesellschaft durch einen Antritt auf der Kuppe der letzten Welle vor der Abfahrt zum Ziel. Damit war ich eigentlich auf den zweiten Platz gesetzt, denn einen Sprint verliere ich normalerweise so sicher wie das Amen in der Kirche. Nun ist die Zielankunft in Überherrn eine besondere: Es gibt keine engen Kurven die irgendein technisches Geschick erfordern würden, dafür gehen die letzten 500 Meter auf einer breiten, offenen Landstraße mit etwa fünf Prozent anständig bergauf. Wichtig ist hier nicht zu früh zu sprinten, denn dann kann es bis zur erlösenden Ziellinie sehr weit sein. Ich bin von vorne gefahren, bei 150 Meter habe ich angetreten und es hat gereicht! Ich habe einen Sprint gewonnen! Zum zweiten Mal nach 2000 (damals habe ich die C-Klasse mit einer langen Soloflucht gewonnen) konnte ich mit den Armen in der Luft über die Linie des Überherrner Rennens fahren.
Das Rennen in Überherrn fand schon zum 35. Mal statt. Dementsprechend routiniert und, nach allem was ich gesehen habe, perfekt ist die Veranstaltung abgelaufen. Die Elite Fahrer wurden sogar von Cheerleaderinnen angefeuert und geehrt! Große Klasse finde ich die Internetseite zu dem Rennen mit vielen tollen Bilder, Videos und den Ergebnissen dieses und der letzten Jahre.
Vielen Dank an Jörg Aumann und Christian Hennrich für die Bilder.
RSC Überherrn Facebook / Homepage
Offenbach an der Queich - 1. Mai
Die Tradition verlangt es ja, am 1. Mai eine Radtour mit guten Kumpels zu machen. der Startschuss zu meiner 1. Mai Tour fiel schon um 8:30 in Offenbach an der Queich. Das ist eine gute 150 km Fahrt von von Merzig aus. Letztes Jahr habe ich die "Am-Vortag-Anreisen-Und-Im-Auto-Campen-Variante" probiert, das hat aber auch nix getaugt. Dieses Jahr war also frühes Aufstehen angesagt. Nachdem der Frühling in den Tagen und Wochen zuvor mit ungewohnt mildem Wetter glänzte, war es am 1. Mai wieder richtig kalt. Im Gegensatz zum Vorjahr blieben wir zumindest vom Regen verschont, aber die gerade mal 6° am Start waren empfindlich frisch.
Der Kurs in Offenbach ist fünf Kilometer lang, flach und (fast) rechteckig. Auf der langen geraden raus kam der Wind von vorne, auf dem Rückweg von hinten. Raus waren 35 km/h schnell, rein pendelte die Geschwindigkeit zwischen 45 und 50 km/h. Eigentlich keine Rahmenbedingungen für frühe Aktionen. Mein Plan sah vor, mich möglichst lange zurückzuhalten, Kräfte zu sparen, kurz vor Schluss zu attackieren und dem Feld mit einer kleinen Gruppe zu entfliehen um einem Massensprint zu entgehen. Also ungefähr dem Plan zu folgen, mit dem Alberto Kunz 2017 erfolgreich war.
In der zweiten Runde, zwei Ausreißer waren gerade gestellt, wollte Alberto Kunz an der Spitze des Feldes die Führung abgeben und ist zur Seite gefahren, der zweite Fahrer wollte aber nicht nach vorne und blieb am Hinterrad. So ging es einige Male über die ganze Straßenbreite hin und her, das Feld in einer langen Schlange den Wellen in der Spitze folgend. Ich befand mich an Vierter oder fünfter Position und dachte mir, naja, vielleicht kann ich eine Fluchtgruppe initiieren? Also habe ich angetreten und als ich wenige Meter später nach hinten schaute befand ich mich alleine vorne, das Feld in voller breite 100 Meter hinter mir. Was macht man da? Immerhin waren es noch über 50 Kilometer bis zum Ziel, viel zu weit für eine Soloflucht. Also Beine hochnehmen und auf das Feld warten? Oder weiterfahren und hoffen, dass weitere Fahrer entwischen und sich eine Fluchtgruppe bildet? Ich habe mich für das Weiterfahren entschieden. Leider kam keine Unterstützung von hinten. Dafür ist mein Vorsprung zwischenzeitlich auf über eine Minute angestiegen. Chancen habe ich mir trotzdem keine ausgerechnet. 50 Kilometer! Bei dem Wind! Stattdessen habe ich immer nur versucht bis zur nächsten Prämie zu überleben. Noch acht, sieben, sechs, fünf, ... bei vier Runden, also 20 Kilometer habe ich erstmals gedacht, dass es reichen könnte. Aber der Vorsprung schmolz und wenn das Feld sich eine Runde einig gewesen wäre, hätten sie mich wieder gehabt. Und irgendwie habe ich auch gehofft, dass sie bald von hinten kommen und es endlich vorbei wäre. Ich hätte mich am Ende eingereiht und hätte zumindest den fiktiven Preis für den kämpferischsten Fahrer gewonnen. Aber nein, es kam niemand. Weiter, weiter, immer weiter. Am Ende wurde es knapp, ich wusste, ich muss mit mindestens 20 Sekunden Vorsprung die letzte Gegenwindgerade hinter mich bringen muss um mich über die letzten drei Kilometer vor einem um den zweiten Platz sprintenden Feld ins Ziel zu retten. Einige Freunde taten im Feld ihr Bestes um das Tempo etwas zu verschleppen und so hat es tatsächlich gereicht! Nach über 50 Kilometern konnte ich zum zweiten Mal in dieser Saison freihändig über die Ziellinie fahren.
Wie der VC Schengen und der RSC Überherrn hat auch der RV Offenbach Queich ganze Arbeit geleistet und eine super Veranstaltung auf die Beine gestellt. Großes Spektakel war das Klappradrennen. Schaut euch unbedingt die Bilder auf der Homepage des Vereines an.
RV Offenbach Queich Facebook / Homepage
Vielen Dank an Marco Foster für die beiden Bilder von unterwegs und der Zieldurchfahrt.
Mit zwei Siegen auf dem Konto ging es danach zur gemeinsamen Landesmeisterschaft der Verbände Saarland, Hessen und Rheinland-Pfalz nach Bann. Wie es mir dort erging, das berichte ich im nächsten Post.
Saar Lux Challenge VC Dräilännereck Schengen
Das erste Rennen war in Schengen, in Luxembourg (genau, das Schengen mit dem Abkommen), ein Zeitfahren mit anschliessendem Rundstrecken und beinahe wäre ich zu spät gekommen! Es ist ja Fluch und Segen, wenn man es nicht weit hat. Meine Startzeit für das Zeitfahren war um 8:40 und irgendwie habe ich mir beim Kaffeetrinken zu viel Zeit gelassen. Um 7:50 habe ich dann mit Erschrecken festgestellt, dass es keine Stunde mehr ist bis zum Start und ich noch zuhause sitze statt mit der Nummer auf dem Rücken auf der Rolle. Auf dem Weg ist dann auch noch die Tankanzeige angesprungen, aber natürlich hat es gereicht und Warmfahren ist ja auch total überbewertet.Nachdem ich letztes Jahr mein Zeitfahrrad zugunsten des Cannondale Slate verkauft habe, bin ich die beiden 5 Kilometer Runden auf dem technischen Kurs mit dem Aeroad gefahren. Der aerodynamische Nachteil auf den Geraden wird durch die leichtere Manövrierbarkeit in und die bessere Beschleunigung nach den Kurven nicht ganz ausgeglichen und so war ich dann auch etwas langsamer als im Vorjahr, aber viellicht hätte gründliches Warmfahren auf der Rolle ja doch geholfen. Immerhin reichte die Zeit von 14:20 zu einem fünften Platz in der Masterswertung. Bei den Junioren wäre ich mit dieser Zeit unter ferner liefen gewesen, der Schnellste, Arthur Kluckers vom ausrichtenden Verein, ist eine unglaubliche 12:11 gefahren. Caramba!
In der Pause zwischen dem Zeitfahren und dem späteren Rundstreckenrennen bin ich eine gemütliche Runde bis nach Remich und zurück nach Schengen gefahren, einschliesslich einer sehr entspannten Kaffeepause bei herrlichstem Frühjahrswetter am Europäischen Museum mit Tourist-Watching. Wäre ich ja fast auch zum Rundstreckenrennen zu spät gekommen! Das ging dann zusammen mit den Junioren über 12 Runden oder 60 Kilometer. Für die Jungen zählte das Rennen wie schon das Zeitfahren am Morgen und dem Straßenrennen in Überherrn am nächsten Tag zur Saar-Lux Challenge. Auf dem engen, windanfälligen Kurs mit einer ganzen Reihe an Kurven folgte eine Attacke auf die andere und nach jeder Kurve war ein anständiger Antritt gefragt. Um dem Ziehharmonika Effekt zu entgehen, war es wichtig sich weit vorne aufzuhalten. Je weiter hinten man sich befindet, umso langsamer fährt das Feld um eine Kurve und umso stärker muss man antreten um wieder Anschluss zu finden. Obwohl mir die Kurvenhatz eigentlich nicht sonderlich liegt, komme ich auf dem Kurs in Schengen ganz gut zurecht und konnte mich vorne halten und habe auch einige Attacken versucht. Letztendlich kamen die Masters alle zusammen im Hauptfeld hinter den drei Spitzenreitern an, die Gesamtwertung entsprach somit der Reihenfolge nach dem Zeitfahren und der Sieg ging an Alberto Kunz vom il Diavolo - Pure White Team.
Wie in den letzten Jahren hat der VC Dräilännereck Schengen eine perfekt organisierte Veranstaltung auf die Beine gestellt. Der Verzicht auf ein Eliterennen schafft genug Zeit für einen Renntag mit Fokus auf den Nachwuchsklassen. Die jungen Sportler (und die alten Säcke) bekommen so die seltene Möglichkeit sich an einem Tag in einer Kombination aus Zeitfahren und Rundstreckenrennen zu beweisen. Der Kurs räumt allen Fahrern Chancen ein und ist komplett vom Verkehr abgesperrt. Da kann ich nur sagen: Daumen hoch und weiter so! Ich freue mich schon auf 2019!
Vielen Dank an Albert Krier für die Bilder, noch viele mehr, auch von den anderen Klassen sind auf Albert's Facebookseite zu finden.
Veloclub Schengen Facebook / Homepage
Straßenrennen in Überherrn
Am nächsten Tag war schon wieder frühes Aufstehen angesagt, die Senioren starten ja in der Regel als Erste. In Überherrn fiel der Startschuss um Punkt 9:00. Um mit Hinblick auf die noch kommenden Rennen ein paar zusätzliche Kilometer zu sammeln, bin ich mit dem Rad hin und auch wieder zurück gefahren. Der Hinweg war ein echter "Early Bird Ride", die Sonne stand noch tief, Nebel hing über den Feldern, die Straßen waren leer und die Luft noch frisch.
Überherrn ist eines der letzten echten Straßenrennen in der Region, dass auf einer großen Runde gefahren wird. Die Senioren hatten derer drei zu bewältigen, rund 42 Kilometer. Prägendes Element der Strecke ist der Rammelfanger Berg, der aus dem Tal bei Ihn wieder auf die Höhe des Saargaus führt. Der Anstieg an sich ist ein Rollerberg, der noch gut mit dem großen Kettenblatt gefahren werden kann. Die Schwierigkeit ist dabei eher die nur noch minimal ansteigende Strecke durch Rammelfangen nach der eigentlichen Steigung, im Englischen würde man das sehr treffend als "False Flat" bezeichnen. Wenn man dann endlich oben ist, folgt auch nur eine kurze abschüssige Passage ("Abfahrt" wäre hier schon übertrieben) bevor die nächste fiese Welle im Weg steht. Nachdem die erste Runde relativ langsam gefahren wurde habe ich beim zweiten Anstieg kurz vor Rammelfangen richtig attackiert und konnte mich zusammen mit Marcus Rummel vom RSV Stuttgart-Vaihingen 1901 absetzen. Anfangs hatten wir noch kurz Gesellschaft von einem anderen Fahrer, in der dritten Runde schlossen vor dem Berg mit Claude Christ vom Auto Reiter Masters Team 2018 und Daniel Höhn (Tages Lizenz) zwei weitere Fahrer auf. Marcus entledigte uns dieser Gesellschaft durch einen Antritt auf der Kuppe der letzten Welle vor der Abfahrt zum Ziel. Damit war ich eigentlich auf den zweiten Platz gesetzt, denn einen Sprint verliere ich normalerweise so sicher wie das Amen in der Kirche. Nun ist die Zielankunft in Überherrn eine besondere: Es gibt keine engen Kurven die irgendein technisches Geschick erfordern würden, dafür gehen die letzten 500 Meter auf einer breiten, offenen Landstraße mit etwa fünf Prozent anständig bergauf. Wichtig ist hier nicht zu früh zu sprinten, denn dann kann es bis zur erlösenden Ziellinie sehr weit sein. Ich bin von vorne gefahren, bei 150 Meter habe ich angetreten und es hat gereicht! Ich habe einen Sprint gewonnen! Zum zweiten Mal nach 2000 (damals habe ich die C-Klasse mit einer langen Soloflucht gewonnen) konnte ich mit den Armen in der Luft über die Linie des Überherrner Rennens fahren.
Das Rennen in Überherrn fand schon zum 35. Mal statt. Dementsprechend routiniert und, nach allem was ich gesehen habe, perfekt ist die Veranstaltung abgelaufen. Die Elite Fahrer wurden sogar von Cheerleaderinnen angefeuert und geehrt! Große Klasse finde ich die Internetseite zu dem Rennen mit vielen tollen Bilder, Videos und den Ergebnissen dieses und der letzten Jahre.
Vielen Dank an Jörg Aumann und Christian Hennrich für die Bilder.
RSC Überherrn Facebook / Homepage
Offenbach an der Queich - 1. Mai
Die Tradition verlangt es ja, am 1. Mai eine Radtour mit guten Kumpels zu machen. der Startschuss zu meiner 1. Mai Tour fiel schon um 8:30 in Offenbach an der Queich. Das ist eine gute 150 km Fahrt von von Merzig aus. Letztes Jahr habe ich die "Am-Vortag-Anreisen-Und-Im-Auto-Campen-Variante" probiert, das hat aber auch nix getaugt. Dieses Jahr war also frühes Aufstehen angesagt. Nachdem der Frühling in den Tagen und Wochen zuvor mit ungewohnt mildem Wetter glänzte, war es am 1. Mai wieder richtig kalt. Im Gegensatz zum Vorjahr blieben wir zumindest vom Regen verschont, aber die gerade mal 6° am Start waren empfindlich frisch.
Der Kurs in Offenbach ist fünf Kilometer lang, flach und (fast) rechteckig. Auf der langen geraden raus kam der Wind von vorne, auf dem Rückweg von hinten. Raus waren 35 km/h schnell, rein pendelte die Geschwindigkeit zwischen 45 und 50 km/h. Eigentlich keine Rahmenbedingungen für frühe Aktionen. Mein Plan sah vor, mich möglichst lange zurückzuhalten, Kräfte zu sparen, kurz vor Schluss zu attackieren und dem Feld mit einer kleinen Gruppe zu entfliehen um einem Massensprint zu entgehen. Also ungefähr dem Plan zu folgen, mit dem Alberto Kunz 2017 erfolgreich war.
In der zweiten Runde, zwei Ausreißer waren gerade gestellt, wollte Alberto Kunz an der Spitze des Feldes die Führung abgeben und ist zur Seite gefahren, der zweite Fahrer wollte aber nicht nach vorne und blieb am Hinterrad. So ging es einige Male über die ganze Straßenbreite hin und her, das Feld in einer langen Schlange den Wellen in der Spitze folgend. Ich befand mich an Vierter oder fünfter Position und dachte mir, naja, vielleicht kann ich eine Fluchtgruppe initiieren? Also habe ich angetreten und als ich wenige Meter später nach hinten schaute befand ich mich alleine vorne, das Feld in voller breite 100 Meter hinter mir. Was macht man da? Immerhin waren es noch über 50 Kilometer bis zum Ziel, viel zu weit für eine Soloflucht. Also Beine hochnehmen und auf das Feld warten? Oder weiterfahren und hoffen, dass weitere Fahrer entwischen und sich eine Fluchtgruppe bildet? Ich habe mich für das Weiterfahren entschieden. Leider kam keine Unterstützung von hinten. Dafür ist mein Vorsprung zwischenzeitlich auf über eine Minute angestiegen. Chancen habe ich mir trotzdem keine ausgerechnet. 50 Kilometer! Bei dem Wind! Stattdessen habe ich immer nur versucht bis zur nächsten Prämie zu überleben. Noch acht, sieben, sechs, fünf, ... bei vier Runden, also 20 Kilometer habe ich erstmals gedacht, dass es reichen könnte. Aber der Vorsprung schmolz und wenn das Feld sich eine Runde einig gewesen wäre, hätten sie mich wieder gehabt. Und irgendwie habe ich auch gehofft, dass sie bald von hinten kommen und es endlich vorbei wäre. Ich hätte mich am Ende eingereiht und hätte zumindest den fiktiven Preis für den kämpferischsten Fahrer gewonnen. Aber nein, es kam niemand. Weiter, weiter, immer weiter. Am Ende wurde es knapp, ich wusste, ich muss mit mindestens 20 Sekunden Vorsprung die letzte Gegenwindgerade hinter mich bringen muss um mich über die letzten drei Kilometer vor einem um den zweiten Platz sprintenden Feld ins Ziel zu retten. Einige Freunde taten im Feld ihr Bestes um das Tempo etwas zu verschleppen und so hat es tatsächlich gereicht! Nach über 50 Kilometern konnte ich zum zweiten Mal in dieser Saison freihändig über die Ziellinie fahren.
Das Rennen in Offenbach war ein Paradebeispiel für die Besonderheit von Radrennen. Natürlich hat ein einzelner Fahrer keine Chance gegen ein Feld, dass sich die Führungsarbeit teilen und immer sehr viel schneller fahren kann, besonders im Flachen und bei Gegenwind. Die Chancen einer solchen Soloflucht tendieren gegen null. Wären sich nur zwei der anwesenden Mannschaften einig gewesen und hätten zusammengearbeitet, das Feld hätte mich jederzeit innerhalb einer Runde stellen können. Waren sie aber nicht! Die taktische Komponente und das Nutzen von Chancen die es eigentlich gar nicht gibt, das ist für mich Radrennen! (Gut, das liegt vielleicht auch daran, dass ich im Sprint keine Chance habe).
Wie der VC Schengen und der RSC Überherrn hat auch der RV Offenbach Queich ganze Arbeit geleistet und eine super Veranstaltung auf die Beine gestellt. Großes Spektakel war das Klappradrennen. Schaut euch unbedingt die Bilder auf der Homepage des Vereines an.
RV Offenbach Queich Facebook / Homepage
Vielen Dank an Marco Foster für die beiden Bilder von unterwegs und der Zieldurchfahrt.
Mit zwei Siegen auf dem Konto ging es danach zur gemeinsamen Landesmeisterschaft der Verbände Saarland, Hessen und Rheinland-Pfalz nach Bann. Wie es mir dort erging, das berichte ich im nächsten Post.
Donnerstag, 22. März 2018
Saarlandmeister-Trikot
2018 werden die Saarlandmeister nicht nur mit Medaille, Urkunde und Blumen geehrt, sondern erstmals auch mit einem Meister-Trikot! In den Verbandsfarben und mit Wappen, für alle Altersklassen von den Nachwuchsfahrern bis zu den Senioren und in allen Disziplinen auf der Straße (Zeitfahren, Straße, Berg) und im Gelände (CC, Trial, Cross).
Finanziert werden die Trikots von zwei Sponsoren. Die Straßenfahrer werden den il DIAVOLO Schriftzug von Alberto Kunz' teuflischem Radladen auf der Brust tragen, die Stollenreifenfraktion den von Radsport Sieber.
Die Sieger bekommen auch nur genau ein Trikot. Es gibt, auch gegen Geld, keinen Nachschub zu kaufen und erst recht gibt es die Trikots nicht im Merchandising Shop des Saarländischen Radfahrerbundes. Anders als das Regenbogentrikot oder das des Deutschen Meisters wird man das Saarlandmeister-Trikot also in der Tat nur gewinnen können.
Stellt sich noch die Frage, ob man die Trikots denn tragen muss. Für die der nationalen Meister gibt es ja sehr genaue Regeln und auch die Pflicht diese anziehen. In der Sportordnung des Bundes Deutscher Radfahrer heißt es dazu in Paragraf 4.7.3 "Tragen von Meistertrikots", Absatz 6 "Meistertrikots von Landesverbänden": "Geben Landesverbände bei ihren LV-Meisterschaften Meistertrikots aus, dürfen sie in der jeweiligen Disziplin bei allen Veranstaltungen des BDR- und aller LV-Kalender getragen werden." Dürfen ist bekanntlich nicht müssen. Letztendlich ist es also jedem Fahrer freigestellt, das Trikot zu tragen. Aber hey, Meistertrikot ist Meistertrikot, auch wenn es "nur" dass des Saarlandmeisters ist.
Links:
Freitag, 19. Januar 2018
Snot, zweet en tegenwind!
Derzeit ist es ja gerade etwas windig. "Etwas" ist natürlich untertrieben, mit Sturm ist nicht zu spaßen, Radfahren sollte man da eigentlich nicht mehr. Es sei denn, es stehen gerade die Niederländischen Meisterschaften im Gegenwindradfahren an, die Nederlands Kampioenschap Tegenwindfietsen. Gefahren wird natürlich auf Hollandrädern, mit Rücktritt und ohne Gangschaltung auf dem 8,5 Kilometer langen Sturmflutsperrwerk an der Oosterschelde. Dem sportlichen Ehrgeiz steht dies aber in keiner Weise entgegen. Selbst Profis lassen sich blicken. 2016 ist etwa Johnny Hoogerland mitgefahren. Das Rennen wird als Zeitfahren ausgetragen, es geht entweder alleine oder als Vierer Mannschaft gegen den Wind.
Die 5. Edition wird in den nächsten Wochen stattfinden. Wer zu den ersten 200 gehört, die sich nach der Ausgabe der Parole "We kriehen sturm"auf der Facebookseite anmeldet, für den heisst es dann bald: "Snot, zweet en tegenwind" (Rotz, Schweiß und Gegenwind). Dieses Jahr wird auf einer 100 Meter langen Strecke der Wind sogar sichtbar gemacht!
Mmmh, bis an die Oosterschelde sind es nur 400 km! Da muss ich mal drüber nachdenken.
Links:
Wikipedia
Sonntag, 5. November 2017
Startverbote für Ex-Doper
Die übliche Durchsage am Start eines Lizenzrennens geht in etwa so: "Achtung Fahrer, Euer Rennen geht über 10 Runden oder 60 Kilometer. Gefahren wird nach der Sportordnung des Bundes Deutscher Radfahrer. Die Straßenverkehrsordnung ist einzuhalten. Überrundete oder aussichtslos im Rennen liegende Fahrer können aus dem Rennen genommen werden. Es wird auf eigene Rechnung und Gefahr gefahren. ... Der Start erfolgt in fünf ....".
Am 1. Mai zum Start des Seniorenrennens in Offenbach an der Queich dauerte die Durchsage etwas länger. Der Sprecher wies darauf hin, das der ausrichtende Verein RV Vorwärts 1904 Offenbach seit vielen Jahren eine strikte Anti-Doping Haltung verfolgt und überführte Dopingsünder nicht am Start seines Rennens sehen möchte. Weiter hieß es, dass man aus diesem Grund mehreren Fahrer mit abgelaufenen Sperren den Start verweigert hat. Einer der Fahrer hätte aber rechtliche Schritte eingelegt und da man sich als kleiner Verein dem Risiko einer gerichtlichen Auseinandersetzung nicht aussetzen kann, würde der betreffende Fahrer daher am Start stehen. Ob es unter diesen Voraussetzungen 2018 ein weiteres Seniorenrennen geben wird, sei fraglich, auch weil ansonsten das Engagement des Hauptsponsors zur Disposition stehen würde.
Was macht man in solch einem Moment als Fahrer? Morgens um kurz nach acht und nach 150 km Anfahrt, einen kurzen Moment vor dem Start. Das Rennen gar nicht erst beginnen? Laut protestieren? Den betreffenden aber unbekannten Fahrer ausbuhen? Tatsächlich hat wohl ein einzelner Fahrer seine Nummer zurückgegeben, die anderen 80 sind gestartet.
Seit diesem Tag denke ich darüber nach, ob der Ausschluss eines Fahrers ein richtiger und wichtiger Schritt im Kampf gegen Doping im Sport ist oder ob es sich um Selbstjustiz handelt. Denn sportrechtlich gilt ein Fahrer nach einer abgelaufenen Dopingsperre natürlich als rehabilitiert. Jemand wird positiv getestet, bekommt eine Strafe nach deren Ablauf er wieder am normalen Sportbetrieb teilnehmen kann. Das ist nicht anders als im "normalen" Strafsystem, dass ja auch nicht auf maximale Vergeltung abzielt, sondern darauf, Straftäter zu läutern und wieder in die Gesellschaft einzugliedern.
Wenn Vereine und Veranstalter Sportler mit abgelaufenen Dopingsperren pauschal von ihren Veranstaltungen ausschliessen, ist das unter mehreren Gesichtspunkten problematisch:
Am 1. Mai zum Start des Seniorenrennens in Offenbach an der Queich dauerte die Durchsage etwas länger. Der Sprecher wies darauf hin, das der ausrichtende Verein RV Vorwärts 1904 Offenbach seit vielen Jahren eine strikte Anti-Doping Haltung verfolgt und überführte Dopingsünder nicht am Start seines Rennens sehen möchte. Weiter hieß es, dass man aus diesem Grund mehreren Fahrer mit abgelaufenen Sperren den Start verweigert hat. Einer der Fahrer hätte aber rechtliche Schritte eingelegt und da man sich als kleiner Verein dem Risiko einer gerichtlichen Auseinandersetzung nicht aussetzen kann, würde der betreffende Fahrer daher am Start stehen. Ob es unter diesen Voraussetzungen 2018 ein weiteres Seniorenrennen geben wird, sei fraglich, auch weil ansonsten das Engagement des Hauptsponsors zur Disposition stehen würde.
Was macht man in solch einem Moment als Fahrer? Morgens um kurz nach acht und nach 150 km Anfahrt, einen kurzen Moment vor dem Start. Das Rennen gar nicht erst beginnen? Laut protestieren? Den betreffenden aber unbekannten Fahrer ausbuhen? Tatsächlich hat wohl ein einzelner Fahrer seine Nummer zurückgegeben, die anderen 80 sind gestartet.
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| Senioren Rennen, nicht in Offenbach |
Wenn Vereine und Veranstalter Sportler mit abgelaufenen Dopingsperren pauschal von ihren Veranstaltungen ausschliessen, ist das unter mehreren Gesichtspunkten problematisch:
- Zunächst ist da die gar nicht so geringe Möglichkeit von fälschlicherweise positiven Tests. Sich gegen ein solches Testergebnis zur Wehr zu setzen ist teuer, die Öffnung der B-Probe kostet genauso Geld wie Anwälte oder, als letzte Möglichkeit, ein Prozess vor dem CAS. Diese Mittel wird ein Amateursportler wahrscheinlich eher selten aufbringen wollen oder können. Die Möglichkeit, dass ein Fahrer unschuldig verurteilt wurde, muss zumindest in Betracht gezogen werden. (etwa Interview Perikles Simon auf Medscape oder ntv)
- Weiterhin gibt es solche und solche Dopingvergehen. Ein positiver Test auf EPO oder Wachstumshormone hat eine andere Qualität als ein positiver Test durch möglicherweise verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel.
- Von Berufssportlern kann man sicherlich erwarten, dass diese jedes scheinbar noch so belanglose Medikament auf verbotene Substanzen überprüfen. Bei Freizeitsportlern kann man durchaus Verständnis haben, wenn doch mal ein ephedrinhaltiges Erkältungsmittel eingenommen wird. (Spiegel Online)
- Natürlich trägt der Sportler immer die finale Verantwortung und jeder kann Nein sagen, wenn Pillen angeboten und Spritzen aufgezogen werden. Trotzdem trifft es zu oft einzig und allein das schwächste Glied, den Sportler. Ärzte, Pfleger, Teammanager, Agenten und andere, die Doping organisieren und dazu verleiten, kommen in der Regel davon. Wahrscheinlich trifft dies im Freizeitbereich aber weniger zu und die individuelle Schuld mag dort höher sein.
- Und nicht zu letzt: Menschen treffen schon mal falsche Entscheidungen und machen Fehler. Wer noch nie in seinem Leben drauf hoffen musste, dass andere Nachsicht walten ließen und eine zweite Chance einräumten, der führt wahrscheinlich ein ziemlich trauriges und langweiliges Dasein. Ist es nicht viel wichtiger aus Fehlern zu lernen als niemals welche zu machen?
Wenn in all diesen Fällen ein universelles Startverbot ausgesprochen wird, schert man sehr unterschiedliche Situationen über einen Kamm. Die Differenzierung im Strafmaß, die Betrachtung des Einzelfalles, die in einem Dopingverfahren Anwendung findet (oder zumindest Anwendung finden sollte), geht dann verloren. Statt dessen werden Sportler stigmatisiert.
Auf der anderen Seite ist es aber vielleicht gerade notwendig die Abschreckung zu erhöhen und jedem, der auch nur darüber nachdenkt zu unlauteren Mitteln zu greifen, klar zu machen, dass Doping falsch ist und nicht akzeptiert wird.
Heutzutage heisst es oft, dass der Radsport sehr viel sauberer geworden ist und die Zeit der Exzesse vorbei sei. Es gibt den biologischen Passport, die MPCC, die unabhängige Anti-Doping Stiftung der UCI (CADF) und jeder Profi versichert mit unschuldigem Dackelblick, dass alles mit rechten Dingen zugeht.
Das Narrativ einer neuen Generation junger und sauberer Sportler steht leider auf tönernen Füßen. Floyd Landis sagte kürzlich gegenüber Cycling News, dass lediglich einige Bruchstücke neu arrangiert wurden, aber das Spiel immer noch das Gleiche ist, dass sich nichts geändert hat. Paul Kimmage schreibt über die immer noch allgegenwärtige Omerta. In Icarus wird gezeigt, dass Doping auch heute noch unter staatlicher Obhut stattfindet und Kontrollen zu umgehen sind. Im Amateursport sieht es nicht besser aus, in der FAZ schreibt Ralf Meuten über "Herrn F" und zeigt die Schwächen des Anti-Dopingsystems deutlich auf. In der RennRad ist vor kurzem ein detaillierter und vielbeachteter Artikel über Doping im Hobbysport erschienen. Die Möglichkeiten für entsprechend motivierte Freizeitsportler sind nahezu unbegrenzt. Es gibt nur selten Wettkampfkontrollen, keine Trainingskontrollen, kein Passport und keine Bluttests.
All das macht deutlich, dass lange noch nicht genug getan wird um Doping einzudämmen. Wenn man nun als Radsport-Verein unzufrieden ist mit dem, was NADA und BDR für den sauberen Sport tun, wenn man Jugendlichen Vorbilder präsentieren will, zeigen will, dass man mit Doping eben nicht durchkommt, dass man nicht einfach so eine Sperre absitzen und zurück kommen kann, was macht man dann? Auf wen soll man warten? Welche Möglichkeit ausser Startverboten bieten sich, um zumindest die eigene Veranstaltung sauber zu halten?
Selbst nach einem halben Jahr finde ich darauf keine befriedigende Antwort, es ist immer ein für und wider. Einerseits sollte man Doping nicht bagatellisieren und Nachsicht normalisiert den Betrug, das wurde im Radsport viel zu lange gemacht (Dazu dieser Artikel bei Cycling Tips). Auf der anderen Seite haben härtere Strafen noch selten zu einer Verbesserung geführt, egal auf welchen Gebiet. Einerseits kann ich die Entscheidung der Veranstalter verstehen, Ex-Doper nicht zuzulassen. Andererseits habe ich selber keine Problem gegen Ex-Doper anzutreten. Einerseits sollte man Doping nicht relativieren, andererseits ist es nur Sport und niemand wird ermordet. Wie so oft im Leben gibt es nicht nur Schwarz und Weiß sondern eine ganze Menge Grau-Schattierungen dazwischen.
Ohne Frage wünschenswert ist aber, dass es trotz des Vorfalls in diesem Jahr auch 2018 einen Renntag in gewohnter Breite in Offenbach an der Queich geben wird und der Verein an seinem entschiedenen Einsatz für einen sauberen und fairen Sport festhält. Unabhängig von Startverboten für irgendwelche Seniorenfahrer ist es nämlich diese Einstellung, die den Nachwuchsfahrern des Vereins wichtige Werte vermittelt, über die man verfügen muss um später die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Ich freu mich über und bitte um konstruktive Kommentare. Äusserungen, die die Lizenzfahrer im Allgemeinen und meine Sportkameraden der Mastersklasse im Speziellen per see als Doper und verbohrte Egomanen verunglimpft, werde ich aber nicht freischalten.
Links:
Antidoping Resolution RV Vorwärts 1904 Offenbach
Heutzutage heisst es oft, dass der Radsport sehr viel sauberer geworden ist und die Zeit der Exzesse vorbei sei. Es gibt den biologischen Passport, die MPCC, die unabhängige Anti-Doping Stiftung der UCI (CADF) und jeder Profi versichert mit unschuldigem Dackelblick, dass alles mit rechten Dingen zugeht.
Das Narrativ einer neuen Generation junger und sauberer Sportler steht leider auf tönernen Füßen. Floyd Landis sagte kürzlich gegenüber Cycling News, dass lediglich einige Bruchstücke neu arrangiert wurden, aber das Spiel immer noch das Gleiche ist, dass sich nichts geändert hat. Paul Kimmage schreibt über die immer noch allgegenwärtige Omerta. In Icarus wird gezeigt, dass Doping auch heute noch unter staatlicher Obhut stattfindet und Kontrollen zu umgehen sind. Im Amateursport sieht es nicht besser aus, in der FAZ schreibt Ralf Meuten über "Herrn F" und zeigt die Schwächen des Anti-Dopingsystems deutlich auf. In der RennRad ist vor kurzem ein detaillierter und vielbeachteter Artikel über Doping im Hobbysport erschienen. Die Möglichkeiten für entsprechend motivierte Freizeitsportler sind nahezu unbegrenzt. Es gibt nur selten Wettkampfkontrollen, keine Trainingskontrollen, kein Passport und keine Bluttests.
All das macht deutlich, dass lange noch nicht genug getan wird um Doping einzudämmen. Wenn man nun als Radsport-Verein unzufrieden ist mit dem, was NADA und BDR für den sauberen Sport tun, wenn man Jugendlichen Vorbilder präsentieren will, zeigen will, dass man mit Doping eben nicht durchkommt, dass man nicht einfach so eine Sperre absitzen und zurück kommen kann, was macht man dann? Auf wen soll man warten? Welche Möglichkeit ausser Startverboten bieten sich, um zumindest die eigene Veranstaltung sauber zu halten?
Selbst nach einem halben Jahr finde ich darauf keine befriedigende Antwort, es ist immer ein für und wider. Einerseits sollte man Doping nicht bagatellisieren und Nachsicht normalisiert den Betrug, das wurde im Radsport viel zu lange gemacht (Dazu dieser Artikel bei Cycling Tips). Auf der anderen Seite haben härtere Strafen noch selten zu einer Verbesserung geführt, egal auf welchen Gebiet. Einerseits kann ich die Entscheidung der Veranstalter verstehen, Ex-Doper nicht zuzulassen. Andererseits habe ich selber keine Problem gegen Ex-Doper anzutreten. Einerseits sollte man Doping nicht relativieren, andererseits ist es nur Sport und niemand wird ermordet. Wie so oft im Leben gibt es nicht nur Schwarz und Weiß sondern eine ganze Menge Grau-Schattierungen dazwischen.
Ohne Frage wünschenswert ist aber, dass es trotz des Vorfalls in diesem Jahr auch 2018 einen Renntag in gewohnter Breite in Offenbach an der Queich geben wird und der Verein an seinem entschiedenen Einsatz für einen sauberen und fairen Sport festhält. Unabhängig von Startverboten für irgendwelche Seniorenfahrer ist es nämlich diese Einstellung, die den Nachwuchsfahrern des Vereins wichtige Werte vermittelt, über die man verfügen muss um später die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Ich freu mich über und bitte um konstruktive Kommentare. Äusserungen, die die Lizenzfahrer im Allgemeinen und meine Sportkameraden der Mastersklasse im Speziellen per see als Doper und verbohrte Egomanen verunglimpft, werde ich aber nicht freischalten.
Antidoping Resolution RV Vorwärts 1904 Offenbach
Mittwoch, 4. Oktober 2017
Real Talent
Vielleicht kennt ihr die Podcast Serie "Real Talent" von Phil Gaimon, dem ehemaligen Cannondale-Drapac Profi, genau, der mit dem "Worst Retirement Ever". In "Real Talent" redet er mit Profis über das Leben im Radsportzirkus, ihren Werdegang und alles Mögliche und Unmögliche rund um den Radsport. Die Gemeinsamkeit seiner Gäste besteht darin, dass alle, im Gegensatz zu Gaimon, echtes Talent besitzen. Real Talent eben.
Am vergangenen Wochenende habe ich meine Saison mit "Real Talent" beendet. Nein, ich bin nicht mit dem Podcast im Ohr trainieren gefahren, sondern habe zusammen mit Hannah Ludwig an einem Paarzeitfahren in Belgien teilgenommen. Ein letztes Hurra bevor endlich die Off-Season starten konnte. Das echte Talent in dem Team war natürlich nicht ich.
Das Paarzeitfahren "Gentlemen du Vélodrome" fand in Rochefort in Belgien auf einer welligen 50 km Runde mit einer perfekten Mischung aus technischen Passagen, kurzen Anstiegen und High Speed Strecken statt. Gentlemen Race ist dabei der übliche Ausdruck für ein Paarzeitfahren, bedeutet aber nicht, dass nur Männer am Start stehen dürfen. Tatsächlich fanden sich aber nur zwei Frauen unter den etwa 100 Teilnehmern. Am Ende also doch eine fast 100% GentleMEN Veranstaltung. Ziel des Rennens war auf der offenen 400m Asphalt-Radrennbahn in Rochefort, daher "Gentlemen du Vélodrome". Die Strecke war an den Kreuzungen und Abbiegungen nach links durch Streckenposten abgesichert. Abzweigungen nach rechts wurden nur durch Streckenpfeile angezeigt und tatsächlich habe ich die ersten beiden Abbiegungen fast verpasst. Ansonsten wurde im normalen Verkehr gefahren, was aber kein Problem darstellte, es waren nur wenige Autos unterwegs. Das Paarzeitfahren fand bereits zum elften Mal statt und ist eine Cyclosportif-Veranstaltung. In Deutschland würde man das als Jedermann-Rennen bezeichnen. Das Startgeld betrug 30 Euro pro Team. Dafür gab es eine Zeitmessung mit Transponder, vier Getränkegutscheine, kostenlosen, hausgebackenen Kuchen im Ziel und eine überaus entspannte Atmosphäre. So wurde die Zeitmessanlage am Start erst fünf Minuten vor dem ersten Start aufgestellt. In Deutschland undenkbar. Trotzdem (oder gerade deshalb) hat alles prima funktioniert und es gab im Ziel sogar einen Bildschirm mit Live-Ergebnissen. (Da stellt sich die Frage, warum sowas nicht bei einer DM im Zeitfahren funktioniert.)
Bei diesem nicht ganz alltäglichen Rennen bin ich mit einer nicht ganz alltäglichen Partnerin gestartet. Hannah Ludwig fährt für den RSC Stahlross Wittlich und ist einer der besten, wenn nicht die Beste deutsche Nachwuchsfahrerin. Erste Plätze in der Rose Rangliste und in der Bundesliga Gesamtwertung, Vize-DM Titel auf der Straße und im Zeitfahren, ein fünfter Platz bei der EM und ein vierter Platz bei der WM im Zeitfahren, dazu diverse Siege und reihenweise Platzierungen sprechen für sich. All das im ersten U19 Jahr wohlgemerkt. Ich war wirklich gespannt wie das Rennen laufen würde, besonders da wir noch nie zuvor zusammen gefahren sind. Wir haben das Rennen mit normalen Straßenrädern in Angriff genommen und uns aufgrund des strömenden Regens selbst das Warmfahren geschenkt. Unsere anvisierte Arbeitsteilung war recht einfach: Hannah sollte an den Ansteigen vorne fahren, ich bergab und auf den Flachstücken.
Der erste Anstieg wartete bei etwa 15 km auf uns, bis dahin war es an mir vorne zu fahren. Ich versuchte etwa 300 Watt zu halten und möglichst gleichmäßig zu fahren, aber natürlich ist man am Anfang immer etwas schneller. Trotzdem hörte ich nie das Kommando langsamer zu fahren, Hannah klebte förmlich an meinem Hinterrad. An der ersten Welle übernahm sie die Führung und es war keinen Schlag langsamer, als wenn ich weiter vorne gefahren wäre, eher im Gegenteil. Spätestens da war klar, dass es kein einfacher Tag werden würde und mein Saisonabschluss nochmal nach einem "All-In" verlangen würde.
Bei der vierzig Kilometer Marke tauchten in einiger Entfernung endlich die vor uns gestarteten Brüder Thomas und Thibault Garnier auf, ein U23 und ein Jugendfahrer. Die Beiden hatten am Start wirklich gut ausgesehen, Zeitfahrräder, Aeroeinteiler und -Helme. Echte Rennfahrer. Das gab nochmal extra Motivation für die letzten Kilometer und kurz vor dem Ziel konnten wir vorbei rauschen.
In der Endabrechnung reichte es für einen Sieg in der Kategorie E (Mixed, Damen, <17 Durchschnittsalter) und einen vierten Platz in der Tageswertung (Ergebnis). Und all das ohne Zeitfahr-Schnick-Schnack. Für die 50 Kilometer benötigten wir 1:16,33, das entspricht einem Schnitt von 38,2 km/h und einer Durchschnittsleistung von 279 (Boris) bzw. 214 Watt (Hannah) und einer NP von 298 bzw. 233 Watt. Mein Durchschnittspuls betrug 179, der von Hannah 168.
Im Ziel hatten wir beide unsere Möglichkeiten ausgeschöpft, wie es in einem Paarzeitfahren ja auch sein soll. Unterwegs haben wir prima harmoniert, nie musste einer für den anderen langsam machen oder Tempo rausnehmen. Absolute Leistungsunterschiede konnten wir einfach über die Länge der Führungen ausgleichen. Das hat wirklich Spass gemacht. Ich bin gespannt wie es für Hannah 2018 weitergeht und drücke die Daumen! #GirlPower #RealTalent
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Hannah Ludwig bei Rad-Net
Sonntag, 24. September 2017
Alles für den Schinken
Wie gerne hätte ich den Schinken gewonnen, den Preis für die schnellste Zeit beim Bergzeitfahren in Bourscheid. Allein der Gedanke an die Siegprämie aus 2015 treibt mir das Wasser im Mund zusammen. Aber, was soll ich sagen, der Schinken hing dieses Jahr zu hoch für mich, ich habe mich gestreckt und gereckt so gut ich konnte, ich bin nicht dran gekommen. Am Ende haben 26 Sekunden auf die Siegerzeit und 38 Sekunden auf meine eigene Zeit aus 2015 gefehlt.
Dieses Jahr reichte meine Zeit von 9:55 für den vierten Platz. Auf dem Podest standen ein Jugend-, ein Junioren- und ein Elite-Fahrer. Gewonnen hat aber nicht, wie man vielleicht annehmen würde, der Elite-Fahrer Philipp Herrmann (Jahrgang '84, 9:51) sondern mit Loic Bettendorff der Jugendfahrer (Jahrgang '01, 9:28)! Zweiter wurde der Junior Gilles Kirsch (Jahrgang '00, 9:36). Und ich als Master auf Platz vier. Das war doch mal schön dem Alter nach aufsteigend sortiert!
Aber auch wenn ich das Podest verpasst habe und somit weder Schinken noch Wurst in Empfang nehmen konnte, war mir wenigstens Fortuna hold. In der Tombola der Startnummern habe ich einen Präsentkorb mit Bio-Produkten von Naturata gewonnen!
Wie 2015 war das Bergzeitfahren wieder erstklassig organisiert. Die Strecke war komplett abgesperrt, es gab eine Zeitnahme mit Chip (von der Station mit den Touchscreen Displays zur Anzeige der Live-Ergebnisse war ich schwer beeindruckt), eine Startrampe, prima Duschen in unmittelbarer Zielnähe und tolle Sachpreise (der Schinken war dieses Jahr sogar noch viel größer, mit Knochen!). Einziger Wermutstropfen war das Wetter, es regnete zwar nicht durchgängig, die gelegentlichen Schauer waren dafür wahre Wolkenbrüche. Dementsprechend wenig Zuschauer hatten sich eingefunden. Schade. Im letzten Jahr herrschte im Ziel wohl richtige Dorffest Atmosphäre.
Der Starter mit dem coolsten Rad war übrigens der Fahrer einige Minuten vor mir, der mit einem blauen Peugeot Klapprad an den Start ging. Leider hatte ich am Start keine Kamera dabei, das Rad war wirklich schick! Respekt, damit den Berg hoch war schon eine Leistung.
Auf jeden Fall Erwähnung muss auch finden, dass die Erlöse der Veranstaltung der Fondation Kim Kirchen zugehen, die sich für benachteiligte Kinder einsetzt. Thumbs up!
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Dieses Jahr reichte meine Zeit von 9:55 für den vierten Platz. Auf dem Podest standen ein Jugend-, ein Junioren- und ein Elite-Fahrer. Gewonnen hat aber nicht, wie man vielleicht annehmen würde, der Elite-Fahrer Philipp Herrmann (Jahrgang '84, 9:51) sondern mit Loic Bettendorff der Jugendfahrer (Jahrgang '01, 9:28)! Zweiter wurde der Junior Gilles Kirsch (Jahrgang '00, 9:36). Und ich als Master auf Platz vier. Das war doch mal schön dem Alter nach aufsteigend sortiert!
Aber auch wenn ich das Podest verpasst habe und somit weder Schinken noch Wurst in Empfang nehmen konnte, war mir wenigstens Fortuna hold. In der Tombola der Startnummern habe ich einen Präsentkorb mit Bio-Produkten von Naturata gewonnen!
Wie 2015 war das Bergzeitfahren wieder erstklassig organisiert. Die Strecke war komplett abgesperrt, es gab eine Zeitnahme mit Chip (von der Station mit den Touchscreen Displays zur Anzeige der Live-Ergebnisse war ich schwer beeindruckt), eine Startrampe, prima Duschen in unmittelbarer Zielnähe und tolle Sachpreise (der Schinken war dieses Jahr sogar noch viel größer, mit Knochen!). Einziger Wermutstropfen war das Wetter, es regnete zwar nicht durchgängig, die gelegentlichen Schauer waren dafür wahre Wolkenbrüche. Dementsprechend wenig Zuschauer hatten sich eingefunden. Schade. Im letzten Jahr herrschte im Ziel wohl richtige Dorffest Atmosphäre.
Der Starter mit dem coolsten Rad war übrigens der Fahrer einige Minuten vor mir, der mit einem blauen Peugeot Klapprad an den Start ging. Leider hatte ich am Start keine Kamera dabei, das Rad war wirklich schick! Respekt, damit den Berg hoch war schon eine Leistung.
Auf jeden Fall Erwähnung muss auch finden, dass die Erlöse der Veranstaltung der Fondation Kim Kirchen zugehen, die sich für benachteiligte Kinder einsetzt. Thumbs up!
Das ich deutlich hinter meiner Zeit von 2015 war, hatte mich dann aber doch etwas überrascht. 9:16 versus 9:54 war deutlich. Ich hatte mir mehr zugetraut, aber so ist es nun mal, nicht jeder Tag ist wie der andere. Interessant ist, dass schon wenige Watt einen deutlichen Unterschied machen. Dieses Jahr herrschte überwiegend kräftiger Gegenwind bergauf, der insgesamt für etwas langsamere Zeiten gesorgt haben dürfte, aber davon abgesehen haben einfach ein paar Watt gefehlt. Meine Durchschnittsleitung war 14 Watt niedriger, mein Durchschnittspuls zwei Schläge und der maximal Puls ganze 11 Schläge niedriger. Die einzige Metrik die höher war, war das Gewicht: Ein Kilo mehr musste ich hoch schleppen.
Der Vergleich in Golden Cheetah zeigt die 2015er Werte in türkis und 2017 in violet an. Man sieht, dass der Unterschied nicht groß ist, sich am Ende aber aufsummiert.
Woran es gelegen hat, darüber kann man natürlich nur Vermutungen anstellen:
- Es war kalt und regnerisch, da ich schon im Renn-Trimm zum Start runter gefahren bin und alles im Auto gelassen habe, war ich dort entsprechend ausgekühlt. Da hilft dann auch kein Warmfahren auf der Rolle.
- Ich bin zu lange auf dem großen Kettenblatt mit unnötig schräg laufender Kette gefahren. Das kostet einige Watt.
- Zu wenig Schlaf
- Absteigende Form, nicht nur gefühlt, sondern auch gemessen, wenn man den Performance Management Chart heranzieht.
- Es war einfach nicht mein Tag
Die obere Kurve zeigt die Leistung an. Insgesamt scheint diese 2017 gleichmäßiger gewesen zu sein, Es wird aber auch deutlich, dass ich 2015 besonders auf dem letzten Kilometer mehr Watt mobilisieren konnte, vielleicht auch weil ich das Rennen etwas verhaltener begonnen habe.
Die Verteilung der Pulswerte zeigt, dass ich 2015 viel "tiefer" gehen konnte. Ein mögliches Anzeichen von genereller Ermüdung oder der Tatsache, dass ich einfach zwei Jahre älter bin und mein Herz einfach nicht mehr so schnell kann. :-(
Die Leistungswerte gruppiert nach Zonen. In den Zonen auf die es ankommt, Z5 - Z7 habe ich 2017 weniger Zeit verbracht. Dann ist der Durchschnitt natürlich auch geringer und man kommt später oben an.
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