Freitag, 10. Mai 2019

Statisten für die Tour de France gesucht!

Diese Woche habe ich eine Email bekommen, die ich trotz Blog-Sabatical unbedingt teilen muss!

Wer schon immer davon geträumt hat die Tour de France zu fahren, für den es aber zu einer Karriere als Radprofi nie gereicht hat, der bekommt jetzt vielleicht eine späte Chance in die Vergangenheit abzutauchen und bei der legendären Tour de France 1998 mitzufahren. Das Jahr in dem die Tour in Irland startete, der Festina Skandal den Radsport an den Abgrund brachte, als Ullrich zwischenzeitlich auf dem Weg zu einem zweiten Tour Sieg war und Marco Pantani auf der Höhe seiner Karriere nach dem Giro auch die Frankreich Rundfahrt gewann.

In den nächsten Wochen beginnen in Luxembourg die Dreharbeiten zu einem Kinofilm, der vor der Kulisse der 98er Tour die Geschichte eines Domestiken am Ende seiner Karriere erzählt. "The Racer" handelt von dem belgischen Radprofi Dom Chabon, der in seinen späten 30ern ist und als einer der besten Wasserträger der letzten 20 Jahre in der Tour gilt. Eine aufopferungsvolle Rolle, Tempo machen, Windschatten und Hilfe geben um dem Sprinter des Teams den Sieg zu ermöglichen und bei der ein eigener Erfolg nicht zur Debatte steht. Im Geheimen träumt Dom aber davon das gelbe Trikot zu tragen - wenigstens ein einziges Mal vor dem Ende seiner Karriere. Am Start seiner wahrscheinlich letzten Tour de France wird Dom von seinem Team, für das er sein Leben aufgeopfert hat, ohne großes Aufhebens von der Startliste gestrichen. Sein bester Freund Sonny, der Team Masseur, kann ihm seine Zukunftsängste nicht nehmen. Eine zufällige Liaison mit Lynn, der jungen irischen Ärztin, lindert den Rückschlag und Dom beginnt zu akzeptieren und sich sogar anzufreunden mit der Vorstellung eines bürgerlichen Lebens. Als er seine Sachen packt um nach Hause zu reisen und seine entfremdete Schwester zu treffen, stellt ein massiver Doping-Fehler einen Teamkameraden ins Aus und Dom ist zurück im Sattel.


So weit die Synopsis auf der Seite der Produktionsgesellschaft. Die Hauptrollen sind bereits besetzt und jetzt geht es darum ein Peloton und Fahrer und Betreuer für das Team AUSTRANGE zu finden! Für die Peloton Szenen werden etwa 50 männliche Radsportler zwischen 18 und 40 Jahren gesucht, die sich in einem Fahrer-Feld bewegen können und sportlich genug aussehen, um als Radprofi durchzugehen. Für diese Szenen ist ein Boot Camp und einige Drehtage in Luxembourg Ende Mai und Anfang Juni geplant. Wer als Fahrer für das Team AUSTRANGE gecastet wird, dreht sogar in Irland!

Bei allen Rollen handelt es sich um bezahlte Statisten-Rollen. Für die Drehtage in Irland beinhaltet das natürlich auch Flug, Hotel und Verpflegung. Insgesamt sind etwa 16 Drehtage plus das dreitägige Boot Camp angesetzt, das bereits am 12. Mai beginnen soll.

Für wen das interessant klingt und wer nähere Infos haben möchte, der sollte sich schnellstmöglich bei der Casting Agentur Tara Donnell melden. Via Mail an casting@taradonnell.com oder Facebook.

Also ich habe meine Daten mal gesendet und wenn es klappt, wer weiß, vielleicht schaffe ich es ja doch noch zur Tour de France!

Sonntag, 20. Januar 2019

Sendeschluss

Nach sechs Jahren im Unterlenker muss ich mir doch eingestehen, dass die gebeugte Haltung auf Dauer ziemlich anstrengend ist. Seit 2013 habe ich ganze 616 Posts veröffentlicht, einige wenige unschöne Erfahrungen gemacht und viele Highlights erlebt. Ich konnte bei dem ein oder anderen Diskurs einen (hoffentlich) fundierten Beitrag leisten, habe viele Leute kennengelernt und einige interessante Kontakte knüpfen können. Mit der Zeit haben sich die Themen immer wieder weiterentwickelt und gewandelt. Waren es am Anfang meist Geschichten aus dem eigenen Erleben und Internet Fundstücke, haben mit der Zeit immer öfter Themen mein Interesse geweckt, die eine umfangreiche Recherche erfordern oder erfordern würden. Mehr Rouleur und weniger News sozusagen.

Die andere Seite der Medaille ist, dass auch im Saarland der Tag nur 24 Stunden hat und das Bloggen zu einer weiteren Aufgabe auf einer viel zu langen Liste an teils selbst auferlegten Verpflichtungen geworden ist, die zunehmend zu einer Belastung geworden ist.

Gerade ist ja Minimalismus ein großes Ding. Als erstes habe ich meine Socken-Schublade à la Marie Kondo aufgeräumt und fühle mich auch schon ein kleines bißchen besser, aber immer noch nicht gut genug. Es scheint, ich muss mich von weiteren Dingen trennen. Und da selber Rad fahren dann doch sehr viel besser ist als nur darüber zu schreiben, muss der Unterlenker dran glauben. Vielleicht nicht für immer, aber doch für eine längere, unbestimmte Zeit. Was auch immer das heißen mag.

Euch allen wünsche ich eine gute Zeit und allzeit Rückenwind.

Boris

Das Standbild stammt aus der Wikimedia Library und wurde von Rotkäppchen68 kreiert. 

Samstag, 12. Januar 2019

Eine Radfahrer Beule und ein unendlicher Sattel

Schmale, harte Sättel gehören genauso zum Rennradfahren wie dünne Reifen, rasierte Beine und bunte, hautenge Sportkleidung. Dass es sich auf solchen Sätteln bequem sitzen lässt, gehört für die nicht radfahrende Bevölkerung zu einem der großen Radsport-Mysterien. Und in der Tat sind die ersten Versuche auf einem Rennrad oftmals sehr, nun ja, schmerzvoll oder doch zumindest unangenehm. Nach einer anfänglichen Eingewöhnung sitzt es sich dann aber meist überaschend gut. Manchmal bedarf es einiger Versuche, bis sich der richtige Sattel, die sich in Breite, Form und Polsterung unterscheiden, gefunden hat. Allen Modellen und Herstellern gemein ist allerdings, dass man im wesentlichen auf den Sitzbeinen sitzt, die beanspruchte Fläche ist recht klein und der Druck auf das wenige Gewebe zwischen Haut und Knochen recht hoch.

In seltenen Fällen kann dieser ständige Druck in Verbindung mit der Reibung, Verletzungen der Haut und des Bindegewebes im Dammbereich Veränderungen im Gewebe auslösen. Von diesen “Cyclist Nodule” genannten, gutartigen Tumoren können Frauen genauso wie Männer betroffen sein. Die meisten Tumore sind dabei unter drei Zentimeter groß, können aber auch sechs Zentimeter erreichen. Aufgrunde der Größe und Plazierung werden sie auch als dritter Hoden (“Third Testical”) bezeichnet. Je nach Fortschritt der Krankheit gibt es verschiedene Optionen, eine davon ist die operative Entfernung des kranken Gewebes. Abseits des Rades treten typischerweise keine Beschwerden auf. Auf dem Rad kann die "Radfahrer Beule” den Spaß im Sattel aber gänzlich zunichte mache, was ich vor einigen Jahren leidvoll erfahren habe.

Während meiner Jugend und Amateurezeit hatte ich mit dem Sitzen auf dem Rad nie die geringsten Probleme. Nach längerer Pause und vielen Jahren mit sehr wenigen Kilometern ging es 2014 wieder los mit dem Radsport. Irgendwann fing es dann aber an, dass das Sitzen unbequem war. Zunächst wenig und nur ab und zu, wurde es mit der Zeit immer schlimmer und verleidete mir den Spaß am Radfahren. Zuletzt fühlte es sich an wie ein rostiger Korkenzieher, der langsam bis auf den Knochen gedreht wird. Erst sehr spät fiel mir auf, das sich unter dem linken Sitzbein eine deutliche Wulst mit einem innenliegenden, harten Knoten gebildet hatte. Zunächst waren die Ärzte recht ratlos, was es mit dem etwa zwei Finger tiefen Bindegewebsüberschuss auf sich hatte. Nach einer Weile fand sich dann aber ein Chirurg, der die richtige Diagnose stellte, das Skalpel zückte und mich von der "Radfahrer Beule” befreite.

Nach der Entfernung des Tumors unter Vollnakose konnte ich nach einigen Wochen wieder auf dem Rad sitzen. Anfang zwickte die Narbe etwas, aber im Großen und Ganzen konnte ich wieder schmerzfrei fahren. Etwa zwei Jahre später kamen die Schmerzen aber zurück und die Beule war wieder so groß wie vor der OP. Eine weitere Operation schaffte Abhilfe, bis ich mir in diesem Jahr an Ostern auf einer 200 km Trainingsrunde eingestehen musste, dass entweder eine dritte OP oder eine andere Lösung hermusste.

Da fiel mir eine Kickstarter Kampagne ein, die einige Jahre zurück Geld für einen recht merkwürdigen Sattel eingesammelt hatte. Dieser "Infinity Seat” hat dort, wo sich bei allen anderen Sätteln die Sitzfläche befindet, einfach nur eingroßes Loch, übrig bleibt lediglich die Kontur eines Sattels. Da ich eine unmittelbare Lösung suchte und mir das Problem den Schlaf raubte, stand ich noch in den Nacht nach der 200 km Runde im Pyjama im Fahrradkeller und habe mit der Bohrmaschine und einem Cutter aus einem alten Sattel ein gutes Stück aus der linken Sitzfläche herausgeschnitten. Die nächste Trainingsrunde zeigte, dass es sich um ein erfolgversprechendes Konzept handelte. Noch am gleichen Tag habe ich den “Infinity Seat” bestellt.

Der Sattel ist nur direkt vom Hersteller in den USA zu beziehen. Die 2019er Modell Palette umfasst drei Varianten zwischen 297 und 397 USD. Hinzu kommt der internationale Versand, die Einfuhrumsatzsteuer und Zollgebühren, deren Höhe von der angewendeten Produktkategorie abhängt. In meinem Fall konnte ich einen “Promo-Code” nutzen und bezahlte vergleichsweise günstige 201,04 Euro für den Sattel, dazu kamen 4,7% Zoll (Zolltarif 87149500, Sättel für Fahrräder) und 40 Euro EUST. Kein günstiger Spaß, aber besser als nicht mehr Radfahren zu können.

Trotz der vielen Luft wiegt der Sattel etwa genausoviel wie alle anderen Standartsättel auch (Infinity 222gr, Ergon 216gr, Fizik 227gr). Die Länge ist ebenfalls vergleichbar, nur in der Breite hat der Infinity etwa einen Zentimeter mehr. Bei der Montage des Sattels steht man vor der Herausforderung, dass die üblichen Messpunkte auf der Satteldecke fehlen. Die Anleitung empfiehlt für die Längsverstellung stattdessen das Maß vom weitesten Punkt des alten Sattels bis zum Lenker zu nehmen und das Gleiche für den Infinity Seat zu machen. Das Gestell des Sattels ist in der neutralen Position genau waagerecht, das lässt sich sehr leicht messen. Die Sattelstütze soll um 1/8 bis 1/4 Inch (ungefähr 3,2 bis 6,4 mm) abgesenkt werden. Das fand ich deutlich niedriger als vorher und habe die Sattelstütze daher auf der gleichen Höhe wie mit dem Ergon Sattel gelassen.






Der große Moment kommt, wenn man zum ersten Mal Platz nimmt. Um es kurz zu machen: Man sitzt wie auf einem Sofa, zumindest verglichen mit anderen Sätteln! Dadurch, dass die Sitzbeine komplett entastet sind und man auf der umgebenden Muskulatur sitzt, fehlt der übliche Druckpunkt. Mein erster Eindruck war daher: Wow, das funktioniert ja tatsächlich! Die folgende Probefahrt machte dann aber deutlich, dass der Sattel doch etwas Eingewöhnung braucht. Durch die breitere Bauweise und die konkave “Sitzfläche” sitzt man sehr viel fixierter auf dem Sattel. Es ist zwar weiterhin möglich die Position etwas zu variieren und weiter vorne oder hinten zu sitzen, die “Nullposition” auf dem Infinity Seat ist allerdings sehr ausgeprägt. Eine Positionsverschiebung verändert darüber hinaus den Winkel des Beckens und des unteren Rückens: Sitzt man weiter hinten, ist das Becken nach vorne abgekippt und der Rücken flacher, weiter vorne und Becken und Rücken sind aufrechter. Ein weiterer Nebeneffekt ist der ausgeprägte Wiederhalt nach hinten, hilfreich wenn man große Gänge aus dem Sitzen “drückt”, etwa bergauf. Störend dürfte der Sattel vielleicht für Mountainbiker sein, die bei steilen Abfahrten ihre Position hinter den Sattel verlagern, aber vielleicht ist auch das nur eine Frage der Gewöhnung. Trotz der ausgefallenen Form ist der Sattel mit den UCI Regularien konform, zumindest finde ich nichts Gegenteiliges.



Ob der Sattel bei Druckproblemen im Dammbereich ebenfalls eine Lösung ist, kann ich nicht sagen. Mit Taubheitsgefühlen und Druckstellen, die andere Hersteller mit allen möglichen Rillen und Spalten bekämpfen, hatte ich noch nie Probleme. Da die Öffnung des Infinity Seat’s aber weit bis zur Sattelspitze geht, wird er vielleicht auch in diesen Fällen hilfreich sein.

Für meine Sitzbeschwerden war und ist der Infinity Seat in jedem Fall DIE Lösung, dass hätte ich schon viel früher machen sollen! Ich kann ohne Schmerzen sitzen und Touren über drei Stunden entspannt entgegensehen. Die Schwellung des Bindegewebes ist weitgehend verschwunden. Ob die immer noch vorhandene Verhärtung vielleicht trotzdem entfernt werden sollte, wird abzuklären sein.

Als vor einigen Monaten ein gebrauchter Infinity Seat der ersten Generation in einer Facebook Gruppe gebraucht angeboten wurde, griff ich direkt zu. Seitdem hat auch der Einarmige Bandit einen "Unendlichkeits Sattel”. Und zu guter Letzt sind meine Räder jetzt wirklich unverwechselbar und sorgen immer wieder für interessierte Fragen!

Samstag, 5. Januar 2019

Outskirts 2: The Big Land

Vor einer Weile habe ich hier über den ersten Teil der “Outskirts” Bike Adventure Serie von Rapha und Gus Morton geschrieben. In “Outskirts 2 - The Big Land” fahren Gus, Dan Graven aka Dan from Nam(ibia), Jacob Rathe und Sami Sauri durch Kanada über den Trans Labrador Highway, eine der längsten und abgelegensten Schotterstraßen der Welt. Es regnet, es ist kalt, Knie schmerzen, man fährt zu viert los, kommt aber nur zu dritt an und macht wie im ersten Teil die Bekanntschaft von einer ganzen Reihe erstaunlicher Menschen. Die vier Rennradfahrer wirken in dieser Landschaft und auf diesen Straßen wie Menschen aus einer anderen Welt, was ja auch irgendwie zutrifft.

The Big Land fließt in einem gleichmäßigen Strom aus fantastischen Landschaftsbildern, schicken Radfahrern (Rapha eben), interessanten Begegnungen und chaotischen Hotelzimmern über den Bildschirm. Ein Film zwischen Roadmovie und Dokumentation für die eher ruhigen Momente.

Dienstag, 1. Januar 2019

Das Ultimative Souvenir

In einem Radrennen geht es bekanntlich darum als Erster über die Ziellinie zu fahren. Da kann ein Ausreißversuch noch so heroisch, die Attacke am Berg noch so überlegen gewesen sein, wenn man nicht der Erste im Ziel ist, gibt es meist nicht mehr als ein ehrenvolle Erwähnung. Die Ziellinie ist somit das wahrscheinlich ultimative Souvenir eines Radrennens.

Am 25. August 2018 endete die dritte Etappe der Deutschland Tour in Merzig, fast vor meiner Haustür. Was war das für ein Spektakel! Gewonnen hat die Etappe Matej Mohoric (Bahrain-Merida). Der junge Slowene legte mit dem Sieg in Merzig den Grundstein für seinen Gesamtsieg der Deutschland Tour 2018.


Schon wenige Stunden nach dem Zieleinlauf war von dem Rennen kaum noch etwas zu sehen. Die Übertragungs- und Zieleinlaufwagen waren auf dem Weg zur nächsten Etappe, die Absperrungen abgebaut und die Zuschauer weiter gezogen. Am nächsten Tag waren dann auch die letzten Bierstände auf der Festwiese verschwunden. Einzig die Ziellinie klebte noch auf der Trierer Straße und rief förmlich danach eingesammelt zu werden. Was sich aber recht schwierig gestaltete. Die sechs Segmente der Linie klebten dermaßen fest auf dem Boden, dass sie gar nicht so einfach abzubekommen waren. Als verheerend stellte sich heraus, dass die Segmente anschließend eine ganze Weile Rücken an Rücken klebend in meinem Keller lagen. Der Versuch, die Aufkleber wieder auseinander zu nehmen, endete mit Blasen an den Händen und blutigen Fingerkuppen! Aber das Ergebnis sieht ganz hübsch aus, wie ich finde! Jetzt gilt es nur noch, den richtigen Platz an der Wand zu finden.


Mohoric (mit goldenem Helm) bei der Einfahrt in die Zielrunde. Foto: ©Isaak Papadopoulos

Mohoric gewinnt die dritte Etappe der Deutschlandtour in Merzig, Foto: ©Isaak Papadopoulos





Links: