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Sonntag, 15. November 2015

Filmriss

So was ist mir auch noch nicht passiert. Dass ich Rad fahre und mich im Anschluss nicht daran erinnern kann. Tja, was soll ich sagen, allem Anschein nach kann ich auch im Automatikmodus Rad fahren.

Was ist passiert: Ich habe mich anständig abgelegt! Ein Feldwirtschaftweg, ordentlich lehmiger Boden auf dem Asphalt, eine Linkskurve und zack, habe ich auf der Straße gelegen. Dabei war ich wirklich nicht schnell, umso überraschender war es, dass das Rad weggerutscht ist und ich wie ein nasser Sack umgefallen bin. Vielleicht zum Glück habe ich die Hand am Lenker gelassen und mich nicht abgestützt, das wäre sonst eine typische "Schlüsselbein-gebrochen" Situation gewesen. So bin ich mit dem Kopf oder genauer mit der linken Gesichtshälfte auf den Boden aufgedutzt. Helm hat ne Beule, Brille ist verkratzt, Rad und Klamotten sind heil geblieben. Dafür habe ich jetzt 'ne schöne Beule über dem Jochbein, einen mit drei Stichen genähten Cut auf dem Augenlied und diverse kleine Abschürfungen an Hand, Schulter, Hüfte. Das Übliche halt.

Dass ich nach dem Sturz weitergefahren bin, erstaunt mich jetzt selber. Allem Anschein nach ist es ja gut gegangen. Allerdings habe ich die Strecke, die ich danach gefahren bin, nicht mehr vor Augen und konnte mich auch partout nicht mehr daran erinnern, wo zum Henker ich meine jetzt zerkratzte Brille gekauft habe. So ein Filmriss ist schon ein bißchen gruselig. Richtig wäre es gewesen, zuhause anzurufen und mich abholen zu lassen. Sicherheit geht bekanntlich und ohne Frage vor. Und es ist ja nicht so, als ob ich genau darüber hier nicht schon geschrieben hätte (Gehirnerschütterungen).

Dienstag, 15. April 2014

Gehirnerschütterungen

Dieses Jahr reihte sich bei der Flandernrundfahrt ein Sturz an den anderen. Das meiste ging glimpflich aus, es gab aber auch leider einige schwere Verletzungen, eine Zuschauerin endete im Koma auf der Intensivstation.

Die Gründe warum es dieses Jahr so schlimm war lassen sich natürlich nicht genau bestimmen. Vielleicht ist die Häufung einfach ein Zufall. All die Verkehrsinseln, Kreisverkehre und Pylonen die den Verkehr im "normalen Leben" beruhigen, sind für ein dahin rasendes Peloton nicht gerade hilfreich. Andere Gründe sind vielleicht einfach gesteigerte Rücksichtslosigkeit und Risikobereitschaft. Einen Anteil an der Misere wird dem Schmerzmittel Tramadol zu geschrieben, ein Mittel das normalerweise Menschen verschrieben wird, die an "echten" Schmerzen aufgrund schlimmer Krankheiten leiden. Eine der Nebenwirkungen ist verminderte Konzentrationsfähigkeit. Lesenswert in diesem Zusammenhang der Bericht auf inrng.

Was auch immer zu Misere führte hat eine Diskussion ausgelöst, wie man dem Herr werden kann. Der Präsident des Belgischen Radsport Verbandes hat zum Beispiel vorgeschlagen rote und gelbe Karten zu verteilen. Mehr dazu hier und hier.

Allerdings möchte ich in diesem Post auf ein anderes Thema hinaus. Was nach dem Sturzreigen in Flandern auch diskutiert wurde ist die Schutzwirkung von Helmen, die ohne Frage vor Verletzungen des Schädels schützen und aus diesem Grund auch alternativlos sind, den Träger aber nicht vor Gehirnerschütterungen bewahren.

Der beste Artikel dazu ist auf cyclingtips erschienen. Dort wird erklärt wie es zu einer Gehirnerschütterung kommen kann, wie die Symptome sind, welche Langzeitfolgen zu erwarten sind und was man im akuten Fall tun sollte. Auch gut dieser Artikel auf Bicycling.com.

Es gibt ein Video von CNN das sehr gut erklärt was eine Gehirnerschütterung überhaupt ist:


Unser Gehirn ist also wie ein Wackelpudding in einem Einmachglas, so in etwa. Wenn wir das Glas schütteln oder gar irgendwo anschlagen, wackelt der Pudding im Inneren. Selbst wenn das Glas mit Styropor geschützt ist, der Pudding verformt sich. Einleuchtend. Für unsere graue Masse aber sehr schlecht.

Interessant in diesem Kontext ist ein Promotion-Video, dass Hövding vor ein paar Tagen veröffentlicht hat. Das ist die Firma mit dem "Fahrrad-Airbag".


Auch wenn Rennräder nicht ausdrücklich von der Benutzung ausgenommen sind, richtet sich der Airbag-Helm doch mehr an den City-Radler. Der Film zeigt aber ganz gut welche Kraft trotz Helm noch auf unseren Kopf einwirkt, dass dabei unser Gehirn Schaden nimmt ist nicht weiter verwunderlich.

Sollte es also zu einem Sturz oder Unfall kommen, muss man sich gut überlegen, ob man wirklich weitermacht. Radfahrer haben ja ein besonderes Faible für Schmerzen und Leiden und selbst im schlimmsten Fall, den Tod vor Augen heisst es dann gerne "Put me back on my bike!". Aber für uns Amateure, Freizeitsportler, Familienväter (und Mütter, Pardon) und erst recht für unsere Kinder sollte immer Vorsicht gelten. Denn Gehirnerschütterungen sind in der Tat nicht einfach zu diagnostizieren. Es handelt sich eher um eine Diagnose aufgrund von Indizien und weniger um einen Beweis. Der ist nur mit einer Kernspintomografie zu erlangen. Was wohl auch der Grund ist warum man in solchen Fällen immer gerne über Nacht zur Beobachtung im Krankenhaus behalten wird. Wenn also schon die Ärzte eine Gehirnerschütterung nicht schnell bestimmen können, wie sollen wir Radfahrer es dann unterwegs?

Ein neuer Schnelltest der TU München wird noch einige Zeit brauchen, bis er einsatzfähig ist.

Daher: Am besten gar nicht erst stürzen und wenn, dann im Zweifel doch mal anrufen und sich abholen lassen.