Training und Erholung sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Das Eine geht nicht ohne das Andere. Wer immer nur trainiert und den Körper belastet, wird früher oder später unter der Last zusammenbrechen und im schlimmsten Fall mit einem Übertrainingssyndrom enden. Wer sich immer nur erholt und auf dem Sofa sitzen bleibt, tut sich auch keinen Gefallen.
Während im Training nichts ohne harte Arbeit passiert, stehen Sportlern zur Verbesserung der Erholung unzählige Hilfsmittel und Methoden zur Verfügung. Kopfkissen, Matratzen, Kompressionskleidung, Eisbäder, Massagen, Infrarotsaunen, Nahrungsergänzungsmittel, Elektrostimulation, "Recoveryboots", Faszienmassage-Rollen, und und und. Die Liste läßt sich beliebig fortsetzen. Noch länger ist nur die Aufzählung der versprochenen Effekte. Entzündungsprozesse sollen gestoppt werden, Laktat soll verschwinden, Nährstoffe sollen den Körper wieder aufbauen ...
Könnte man all die angepriesenen Effekte kumulieren, der Gewinn der Tour de France wäre ein Kinderspiel. Aber vielleicht wirkt es ja doch? Zumindest ein bisschen? Jeder benutzt doch das ein oder andere Revovery-Tool! Ich etwa habe eine ganze Batterie an Faszienrollen und -kugeln, ein EMS Gerät, eine Matte um den Schlaf aufzuzeichnen und auszuwerten, nehme nach harten Einheiten einen Recoveryshake, ziehe manchmal Kompressionsstulpen an und mache regelmäßig und mit Begeisterung Stretching.
Aber hilft es wirklich? Sind die wissenschaftlich klingenden Marketingtexte der Hersteller belastbar? Wo ist das Geld sinnvoll investiert und wo ist es aus dem Fenster geworfen?
Antworten auf diese Fragen finden sich in dem 2019 erschienen Buch "Good to go - How to eat, sleep and rest like a champion" von Christie Aschwanden. Die Wissenschaftjournalistin und Ausdauersportlerin hat hunderte von wissenschaftlichen Studien gelesen, mehr als 250 Interviews geführt und alle erdenklichen Recoverymethoden im Selbstversuch getestet. Das Buch hat dabei das Zeug, dem Leser in Zukunft viel Geld zu sparen. Denn das Wenigste, was die Recovery-Industrie den Sportlern verkaufen möchte, geht über den Placebo Effekt hinaus. Auf rund 250 Seiten wird insbesondere deutlich, dass viele von Herstellern zitierte "Studien" mit mehr als nur Vorsicht zu genießen sind. Schwaches Design und falsche Fragestellungen lassen Ergebnisse, manchmal unabsichtlich, in einem günstigen Licht erscheinen, sind am Ende aber nicht mehr und nicht weniger als ein Marketing-Gag.
Einen Vorgeschmack auf das Buch bietet das Gespräch zwischen Prof. Ross Tucker und Christie Aschwanden im "The real Science of Sport"-Podcast: Why everything you know about recovery may be BS Absolut hörenswert!
Das Buch ist derzeit nur in der Originalausgabe in Englisch verfügbar. Verlagseite
Posts mit dem Label Science werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Science werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Montag, 1. Juni 2020
Dienstag, 4. April 2017
Ein Ausflug nach Ostbelgien
Trotz bestem Wetter habe ich einen der vergangenen Samstage im Auto und auf einem Stuhl in einem Sitzungssaal verbracht. Zum ersten Mal überhaupt war ich in Ost-Belgien, bei der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Diese umfasst etwa 80.000 Personen, das sind weniger als die 110.000 Einwohner des Landkreises Merzig-Wadern. In dem Zusammenhang interessant: Der Wikipedia Artikel über Belgien und über die Deutschsprachige Gemeinschaft, oder kurz DG. Die Vielfalt an Verwaltungsstrukturen und Sprachgemeinschaften ist beeindruckend, übrigens genauso wie die Landschaft der Eifel und des hohen Venn, durch die wir von Trier aus kommend gecruised sind (A60, E42, N629). Da könnte man durchaus mal zum Urlaub und zum Radfahren hin!
Aber zurück zu dem Grund der Reise. In Eupen fand der dritte Mediprosport Kongress statt. Fünf Vorträge zu Themen des Sports standen auf dem Programm. Mediprosport ist ein Sportkompetenzzentrum, in dem Trainer, Sportwissenschaftler, Ernährungsexperten, Osteopathen, Physiotherapeuten und Sportärzte zusammen arbeiten, um Sportlern jeder Leistungsklasse ein optimales Umfeld und Unterstützung zu bieten. Tolles Projekt. Wow. Details hier.
Die Veranstaltung fand im Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft statt. Die Grußworte sprach Kurt Rahmes, der Fachbereichsleiter Sport, Medien und Tourismus der DG.
Die Vorträge dauerten jeweils rund eine Stunde, gefolgt von einer kurzen Fragen und Antwort Session.
Das erste Thema war Medikamentenmissbrauch und Doping - Zusammenhang und Präventionsstrategien in Sportverbänden. Ohne Frage ein wichtiges, interessantes und vielschichtiges Sujet. Leider war der Vortrag das genaue Gegenteil - ungenau, undifferenziert und nichtssagend. Frau Rogowski, eine langjährige Doping-Kontrollerin und in der Doping-Prävention engagiert, kam zwar nicht umhin mehrmals zu erwähnen wieviel Ahnung sie von der Materie hat und dass sie den ganzen Tag darüber referieren könnte, hat sich aber darauf beschränkt, ihre handwerklich schlechten Power Point Folien vorzulesen. Ab und an gab es eine Folie mit "Beispielen", das waren Zeitungsausschnitte mit Schlagzeilen oder Bildern überführter Dopingsünder. Bis auf eine einzige Leichtathletik Schlagzeile wurden ansonsten nur Radsportler genannt. Das war voreingenommen und verzerrend. Als ob das alles noch nicht schlecht genug gewesen wäre, wurden auch noch wesentliche Informationen verschwiegen.
1982 fragte der US Amerikanische Arzt und Publizist Goldmann erstmals Hochleistungssportler, ob sie Medikamente nehmen würden, die ihnen eine olympische Goldmedaile sichern, im Gegenzug aber ihre Lebenserwartung um fünf Jahre reduzieren würde. Die Studie wurde bis in die 90er Jahre mehrmals wiederholt und hat als Goldman-Dilemma Eingang in die Literatur gefunden. Das Ergebnis war immer gleich: Etwa die Hälfte der Athleten würde dopen. Dies bewegt sich etwa auf gleicher Höhe wie das Resultat einer anonymen Umfrage der WADA 2011 bei den Leichtathletik Weltmeisterschaften und den Pan-Arab Spielen: 29 bis 45 Prozent der Sportler gaben zu gedopt zu haben (NYTimes). Im Vergleich dazu sind 2% positiven Proben natürlich lächerlich und werfen viele Fragen über die Dopingprävention und -Kontrolle auf. Frau Rogowski hat zwar die Fragestellung von Goldman erwähnt, erweckte jedoch den Eindruck, dass es darauf keine Antwort gibt. Schade. An dieser Stelle hätte man die vielfachen Abhängigkeiten und Zwänge des Leistungssports aufzeigen können, statt wohlfeil auf Etik und Moral zu verweisen.
Gegen Ende wusste ich dann nicht, ob ich lachen oder weinen sollte: Ein Fussballer meinte doch tatsächlich, das Doping in seinem Sport nichts bringt (Taktik, unterschiedliche Anforderungen, Schnelligkeit, blablabla) und dass sowieso das Risiko viel zu hoch wäre einen Spieler, der zig Millionen wert ist, zu dopen. Denn wenn dieser auffällt, so seine Argumentation, wäre zu viel Kapital "futsch". Ahhhh ja. Diese Phase des Leugnens hatt der Radsport ja zum Glück überwunden. Und noch eines zum Schluss, Frau Rogowski, die Sportart heisst Radsport, nicht Fahrradfahren!
Der Rest des Tages war dann aber umso besser. Als nächstes sprach Dr. med Ursula Hildebrandt von der Deutschen Sporthochschule in Köln. In ihrem Vortrag ging es um Infektanfälligkeit und plötzlicher Herztod im Sport. Zunächst wurden verschiedene krankhafte Veränderungen des Herzens erklärt und gegen das Sportlerherz abgegrenzt. Letzteres ist eine durchaus anzustrebende Veränderung, nimmt doch das Schlagvolumen zu, der Puls sinkt und das Herz wird allgemein kräftiger. Krankhafte Veränderungen des Herzens sind bei ansonsten gesunden und Leistungssport betreibenden Personen gar nicht so einfach zu diagnostizieren und können schnell lebensgefährlich werden. Frau Dr. Hildebrandt konnte anhand einiger Beispiele aus der Praxis die Gefahren von übergangenen Erkältungen deutlich aufzeigen. Man muss sich immer vor Augen führen, dass sich das Herz nie ausruhen kann. Tag und Nacht, Jahr ein Jahr aus muss es Blut durch unseren Körper pumpen. Mal schneller, mal langsamer, aber immer ohne Pause. Umso wichtiger ist es, dem Herz bei Infekten keinen zusätzlichen Stress zuzumuten.
Der Rest des Tages war dann aber umso besser. Als nächstes sprach Dr. med Ursula Hildebrandt von der Deutschen Sporthochschule in Köln. In ihrem Vortrag ging es um Infektanfälligkeit und plötzlicher Herztod im Sport. Zunächst wurden verschiedene krankhafte Veränderungen des Herzens erklärt und gegen das Sportlerherz abgegrenzt. Letzteres ist eine durchaus anzustrebende Veränderung, nimmt doch das Schlagvolumen zu, der Puls sinkt und das Herz wird allgemein kräftiger. Krankhafte Veränderungen des Herzens sind bei ansonsten gesunden und Leistungssport betreibenden Personen gar nicht so einfach zu diagnostizieren und können schnell lebensgefährlich werden. Frau Dr. Hildebrandt konnte anhand einiger Beispiele aus der Praxis die Gefahren von übergangenen Erkältungen deutlich aufzeigen. Man muss sich immer vor Augen führen, dass sich das Herz nie ausruhen kann. Tag und Nacht, Jahr ein Jahr aus muss es Blut durch unseren Körper pumpen. Mal schneller, mal langsamer, aber immer ohne Pause. Umso wichtiger ist es, dem Herz bei Infekten keinen zusätzlichen Stress zuzumuten.
Unser Körper kämpft ständig gegen Eindringlinge wie Viren oder Bakterien und muss nach körperlicher Anstrengung wieder "aufräumen". Das alles wird von unserem Immunsystem erledigt, dessen Ressourcen nicht unbegrenzt sind. Wenn sich mehrere Fronten auftun, sagen wir ein Virusinfekt und die Belastung durch körperliche Anstrengung, kommt die Abwehr an einer der beiden Fronten oder sogar an beiden zu kurz. Viren haben dann freie Fahrt und das Herz kann Schaden nehmen. Diese Schäden können schwerwiegend sein und unter Umständen lebenslange Beeinträchtigungen nach sich ziehen oder sogar zum plötzlichen Herztot führen.
Aus dem Vortrag von Dr. Hildebrandt habe ich zwei Dinge mitgenommen.
Erstens: Niemals trainieren oder sogar Wettkämpfe bestreiten wenn man krank ist! Man wird weder eine Leistungssteigerung noch gute Resultate erzielen. Darüber hinaus verliert man bei einem Trainingsausfall von einigen Tagen, und nicht länger dauert ein normaler Infekt, nur wenig Form. Krank trainieren lohnt niemals!
Zweitens: Hausärzte können die Anforderungen an Sportler nicht immer abschätzen. Es ist ein großer Unterschied ob ein Arzt einmal im Monat einen Leistungssportler vor sich hat oder ausschliesslich solche behandelt. Das gilt auch für niedergelassene Sportärzte, die auch, aber nicht nur Sportler behandeln. Daher empfiehlt es sich unbedingt Sportmediziner an den Universitäten zu konsultieren. Im Gegensatz zu niedergelassenen Ärzten können sich diese auch mal eine Stunde mit dem Patient unterhalten und dann natürlich bei weitem bessere Diagnosen stellen.
Danach sprach Dr. Phil. Sabrina Skorski von der Universität des Saarlandes über Regenerationsmanagement im Leistungs- / Spitzensport: Verletzungsprophylaxe und Nachsorge, Maßnahmen und Wirkungsweisen. Die Schwierigkeit im Regenerationsmanagement besteht bereits darin, die Ermüdung überhaupt erst zu quantifizieren. Alle Versuche der Sportwissenschaften einen Bio-Marker zu finden, anhand dessen Vorkommen oder Höhe man sicher den Grad der Ermüdung bestimmen kann, führen meist zu mehrdeutigen Ergebnissen. Im besten Fall gibt es für Teilbereiche statistisch leicht positive Zusammenhänge. Aber keiner der diskutierten Werte (z.B. Harnstoff, CK, Entzündungsparameter, Hormone) lässt eine eindeutige Messung der Ermüdung zu.
Interessanterweise ist der zuverlässigste Wert immer noch die subjektive Einschätzung des Athleten. Zentral ist dabei der RPE Wert (Rate of perceived exertion), gemessen in der Regel nach der Borg (6-20) oder Foster (0-10). Gewichtet man diese mit der Trainingsdauer erhält man den Session RPE, ein sehr valider Wert, wenn nachhaltig erfasst. Zusätzlich gibt es eine Reihe von Fragebögen (EBF nach Kellmann, Hooper Index) mit denen sich das Empfinden der Sportler standardisiert erfassen lässt. Ein Leitsatz den Dr. Skorski dabei zitiert hat und der auf viele Bereiche im Sport und im Leben zutrifft war: "Do it simple - But do it well!"
Im zweiten Teil des Vortrages ging es um verschiedene Regenerationshilfen, insbesondere um die gerade sehr populäre Eistonne. Auch hier sind Effekte oftmals individuell. Bei manchen Sportlern wirkt es, bei anderen nicht. Ein genereller Trend ist nicht auszumachen. Wenn ein Sportler eine Maßnahme für sich als positiv bewertet, kann das durchaus an einem Placebo Effekt liegen, wogegen aber nichts einzuwenden ist. Denn auch Placebo wirkt, wenn auch auf andere Art und Weise.
Wenn es um Regeneration geht, darf Schlafen natürlich nicht fehlen. Das Thema wird ziemlich gehypt und alle möglichen Gadgets versprechen Hilfe und besseren Schlaf. Dr. Skorski hat eindringlich versichert, dass das alles Quatsch ist, vor allem Smartphone Apps, die irgendwelche Schlafphasen messen wollen. Denn auch hier gilt: "Do it simple, but do it well". Regelmäßige Schlafenszeiten in dunkler und kühler Umgebung, viel mehr braucht es nicht.
Nach der Mittagspause hat Dr. Patrick Wahl von der Deutschen Sporthochschule Köln mit dem Vortrag Ausdauertraining - Dauer versus Intervallmethode für einige Denkanstöße in der Trainingsgestaltung gesorgt. Der übliche Trainingsaufbau folgt einer Pyramide. Viel Grundlage, weniger Tempo, wenig Schwelle, ein bisschen Spitzenbereich. Rücklickend hat man aber herausgefunden, dass viele Topathleten einem eher polariserten Ansatz folgen: 70 % Grundlage, 10% mittlere Intensität und 20% HIT. Wobei HIT Intervalle nicht länger als fünf Minuten dauern.
Diese zunächst erstaunliche Trainingsverteilung begründet sich wissenschaftlich folgendermaßen: Sportliche Leistung kann durch verschiedene Faktoren limitiert sein. Im Radsport zum Beispiel durch die Muskulatur oder das Herz-Kreislaufsystem (neben anderen). Die Muskulatur und der ganze Bewegungsapparat passt sich der Radsport spezifischen Belastung am besten durch lange Grundlageneinheiten an. Das Herz-Kreislauf System wird aber ideal dadurch trainiert, indem man ihm richtig Arbeit gibt und es auf vollen Touren laufen lässt. Eine sehr intensive Belastung nahe des persöhnlichen Maximums lässt sich natürlich nur kurz aufrechterhalten, zuwenig für ein effektives Training. Eine kurze Pause reicht aber bereits um ein weiteres Intervall zu fahren usw. Ein "beliebtes" Muster ist etwa 20 x (30''on/30''off). Am Ende dieser 10 Minuten wird der durchschnittliche Puls deutlich über dem Wert liegen, den man über 10 Minuten konstanter Belastung erreichet hätte. Der große energetische Stress dieser Übung führt zu hohen Anpassungsreaktionen zum Beispiel des Schlagvolumens des Herzenz und des VO2max Wertes. HIT verbessert somit nicht nur die Leistungsfähigkeit in eben diesen Bereichen sondern auch gerade die Ausdauer- und Schwellenleistung.
Den Abschluss des Tages übernahm Martin Zawieja von Langhantelathletik.de. Dabei ging es um Krafttraining - Begründung, Durchführung, Risiken. Herr Zawieja hat ausführlich erklärt warum gerade das Training mit der Langhantelstange für viele Sportarten von grossem Nutzen ist. Genau wie HIT das Herz-Kreislaufsystem in besonderer Weise fordert und durch den hohen Stress effektiv ist, führt ein Kraftraining mit hohen Belastungen zu ausgeprägten Anpassungen des Bewegungsapparates: Knochen werden fester, Sehnen und Bänder stabiler. Der Körper kann Fehlbelastungen besser auffangen oder gar nicht erst entstehen lassen. Der komplexen Bewegungsausführung in der Langhantelathletik kommt dabei besondere Bedeutung zu, da hier nicht einzelne Muskeln, sondern ganze Bewegungsketten trainiert werden und zusätzlich hohe motorische Anforderungen bestehen. Von herausragender Bedeutung ist dabei die korrekte Ausführen der Übungen (Kniebeuge, Kreuzheben etc.), ansonsten kann es schnell zu schwerwiegenden Verletzungen kommen.
Martin Zawieja plädiert eindringlich dafür, mit dem Erlernen der Bewegungsabfolge mit der Langhantelstange schon im Kindertraining anzufangen. Am Anfang wird das nur ein Besenstiehl sein, später können dann minimale "Gymnastik-Gewichte" hinzukommen. Das alles soll spielerisch erfolgen und besonders aufgebaut sein, denn natürlich sind Kinder keine kleinen Erwachsenen, denen man einfach ein kleines Erwachenenprogramm verpasst.
Aber auch im späteren Leistungs- und Hochleistungstraining geht es natürlich nicht darum, aus jedem Sportler einen Gewichtheber zu machen, sondern einen funktionalen Beitrag zu dem jeweiligen Sport zu leisten.
Der Vortrag von Herrn Zawieja war auf jeden Fall sehr interessant, anregend und kurzweilig, wenn sich in Zukunft nochmal eine Gelegenheit ergibt ein Langhantelathletik Seminar zu besuchen, werde ich wohl nicht zögern.
Die Veranstaltung war ohne Fehl und Tadel organisiert. Es gab Kaffee, Getränke, Kekse und für fünf Euro ein Mittagessen. Gekostet hat der ganze Spaß 40 Euro (incl. Mittagessen), was in Anbetracht der wirklich hochkarätigen Vorträge und der überschaubaren Teilnehmerzahl unbedingt als Schnäppchen zu bezeichnen ist. Ich hoffe auf eine weitere Veranstaltung im nächsten Jahr und vielleicht ergibt sich dann die Gelegenheit, den Aufenthalt auf ein paar Tage mehr auszuweiten und Ostbelgien mit dem Rad zu erkunden.
Links:
Montag, 12. Dezember 2016
Eine Stunde Radfahren ...
Das mit den Schlagzeilen ist ja so eine Sache, um Aufmerksamkeit zu erregen wird schon mal verkürzt und provoziert was das Zeug hält und manchmal ist es dann auch missführend. Am Wochenende ist in meiner Timeline ein Video von Billions in Change aufgetaucht, in der es um ein Fahrrad Ergometer zur Stromerzeugung geht. Eine Tretmaschine mit Dynamo sozusagen. Die Überschrift zu dem Artikel auf cyclingweekly lautete "One hour of cycling could power your home for 24 hours". Wow, alle Energieprobleme lösen. Mit Radfahren!
Aber ganz so einfach ist es nicht, oder? Da war doch auch dieses Video mit Förstemann und dem Toaster. Das sieht nach ganz schön viel Arbeit aus.
Die Wissenschaftssendung von NPR ist der Frage, ob man denn ein Haus denn mit einem Fahrradergometer mit Elektrizität versorgen kann, ebenfalls nachgegangen.
(In dem Youtube Channel gibt es noch mehr interessante Videos!)
Wie so oft liegt die Erklärung bzw. der Fehler im Detail. Die Überschrift müsste lauten "One hour of cycling could power some energy saving lightbulbs in a home in the third world for 24 hours", oder so. Aber das würde sich in der Tat nicht mehr so toll anhören. Für die dritte Welt ist das sicherlich eine gute Sache, wir hier im Westen, mit unserem unbändigen Energiehunger, müssen uns anderes einfallen lassen. Zum Beispiel Energiesparen und weniger Auto, aber mehr Radfahren!
Links:
Billions in Change
Metabunk berechnet und erklärt ebenfalls, warum man zumindest ein amerikanisches Haus nicht mit dem Fahrrad mit Strom versorgen kann.
Kurzer Artikel und Diskussion auf Quora
Aber ganz so einfach ist es nicht, oder? Da war doch auch dieses Video mit Förstemann und dem Toaster. Das sieht nach ganz schön viel Arbeit aus.
Die Wissenschaftssendung von NPR ist der Frage, ob man denn ein Haus denn mit einem Fahrradergometer mit Elektrizität versorgen kann, ebenfalls nachgegangen.
(In dem Youtube Channel gibt es noch mehr interessante Videos!)
Wie so oft liegt die Erklärung bzw. der Fehler im Detail. Die Überschrift müsste lauten "One hour of cycling could power some energy saving lightbulbs in a home in the third world for 24 hours", oder so. Aber das würde sich in der Tat nicht mehr so toll anhören. Für die dritte Welt ist das sicherlich eine gute Sache, wir hier im Westen, mit unserem unbändigen Energiehunger, müssen uns anderes einfallen lassen. Zum Beispiel Energiesparen und weniger Auto, aber mehr Radfahren!
Links:
Billions in Change
Metabunk berechnet und erklärt ebenfalls, warum man zumindest ein amerikanisches Haus nicht mit dem Fahrrad mit Strom versorgen kann.
Kurzer Artikel und Diskussion auf Quora
Samstag, 29. Oktober 2016
SportMedica 2016
Am vergangenen Wochenende habe ich die Sportmedica 2016 in Luxembourg besucht. Die Veranstaltung ging über einen Tag. Es gab sechs sehr interessante Vorträge von hervorragenden Dozenten rund um das Thema Wettkampfmedizin. Das hört sich im ersten Moment sehr speziell und schwierig an, allerdings richtete sich die Tagung nicht (nur) an Sportmediziner sondern auch an Physiotherapeuten, Trainer, Athleten und die weitere, interessierte Öffentlichkeit.
Der erste Vortrag hatte das Thema "Ernährungsberatung bei gewichtslimitierenden Sportarten". Jun. Prof. Dr. Anja Carlson von der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch-Gmünd hat einen Einblick in das mir bisher weitgehend unbekannte "Gewicht machen" gegeben. Bei manchen Sportarten spielt das Gewicht des Athleten keine Rolle, zum Beispiel beim Curling oder Schießen. Bei anderen Sportarten wie Laufen, Radfahren oder Schwimmen ist Gewicht zwar wichtig, definiert aber nicht die Wettkampfklasse. Bei den meisten Kampfsportarten, beim Rudern oder auch Gewichtheben bestimmt das Körpergewicht des Athleten dagegen in welcher Klasse angetreten wird. Etwa 25 bis 30% der olympischen Sportarten fallen in diese Kategorie. Ein fester Bestandteil dieser Sportarten ist der Glaube, dass man mit einem Körpergewicht über dem Kampfgewicht trainieren muss, als sozusagen "Train heavy - Fight light". Athleten die in einer bis 60 Kilo Klasse antreten, wiegen dann im Training schnell 66 bis 68 Kilo. Das soll mehr Kraft und einen Vorteil im Wettkampf bringen. Beim Wiegen müssen diese zusätzlichen Kilos natürlich wieder runter sein. Mit teilweise abenteuerlichen und lebensgefährlichen Methoden werden die überflüssigen Kilos dann in den letzten Tagen vor dem Wettkampf "abgekocht". Dauerläufe in Schwitzanzügen, Ergometer in der Sauna, Erbrechen, Fasten, Diätpillen. All das geht mit einer deutlichen Dehydration einher. Eine gesunde Gewichtsreduktion liegt bei etwa 1% pro Woche. Diese Athleten nehmen teilweise 10% in wenigen Tagen ab! Krass! Wissenschaftlich belegen lässt sich dieses "Train heavy- Fight light" übrigens nicht.
Alles in allem ein kurzweiliger und sehr interessanter Tag. Die Organisation war, wie nicht anders erwartet in Luxembourg, ohne Fehl und Tadel. Die Location in der Coque war perfekt, das Catering in der Frühstücks- und Mittagspause sehr gut. In den Pausen gab es Gelegenheit zum Austausch mit dem ein oder anderen Bekannten oder auch mit den Ausstellern von Produkten aus dem Physio und Sportmedizinischen Bereich. Ich hatte ein ganz interessanten Gespräch über Elektronische Muskel Stimulation und den Unterschied zwischen den teuren Compex Geräten und den günstigen Amazon Dingern. Vielleicht ergibt sich daraus mehr über das ich dann hier berichten kann.
Danach hat Prof. Dr. Tim Meyer von der Universität des Saarlandes über "Regenerative Maßnahmen im Leistungssport - nur der Glaube hilft" gesprochen. Im Prinzip eine Zusammenfassung des Kongresses über Regenerationsmanagement eine Woche vorher in Saarbrücken. Benjamin von Wattsbehind hatte darüber berichtet. Die Schwierigkeit bei der sportwissenschaftlichen Betrachtung der Regeneration ist diese überhaupt erst zu messen. Es gibt zwar Surrogatparameter (zum Beispiel Blutwerte (objektiv) oder Muskelschwere (subjektiv)) die zu Rate gezogen werden und teilweise positive Ergebnisse liefern, wenn aber die sportliche Leistung gemessen werden soll, wird es schon schwieriger. Wie misst man die Leistung eines Fußballers? Denn darauf kommt es ja an, eine Regenerationsmaßnahme soll ja zu besserer Leistung führen. Darüber hinaus ist auch schwierig bis gar nicht zu bestimmen welcher Teil der Ermüdung sich langfristig aufgebaut hat und welcher Teil von dem gerade abgeschlossenen Training stammt. Und schließlich ist Ermüdung auch ein Ausdruck des Trainingsreizes. Wenn man den durch Regeneration vermindert, kann man zwar früher wieder trainieren, muss dann aber umso härter ran. Es kann also durchaus sein, dass es in bestimmten Situationen zielführender ist die Regenration eben nicht zu beschleunigen.
Herr Meyer hat zu verschiedenen populären Regenerationsmethoden die Studienlage und Erfolgsaussichten vorgestellt:
- Ernährung - effektiv
- Kaltwasserimmersion - effektiv, aber fragliche Effektstärke
- Schlaf - Effekt nicht belegt, allerdings ist ein Defizit leistungsmindernd
- Aktive Erholung / Stretching - kein wissenschaftlich messbarer Effekt
- Kompressionskleidung - kein wissenschaftlich messbarer Effekt
- Massage - kein wissenschaftlich messbarer Effekt
- Elektromyostimulation - kein wissenschaftlich messbarer Effekt
Die empirischen Erfahrungen sprechen aber oft eine andere Sprache. Kein Rennradfahrer wird bei der Tour de France auf die Massage verzichten! Placebo-Effekte sind daher nicht zu unterschätzen und wenn es einem Sportler hilft sich besser zu fühlen, kann man mit den oben genannten Methoden eigentlich nichts falsch machen.
Dr. Kathrin Steffen vom Oslo Sports Trauma Research Center hat über "Injurie Surveillance during Sport Events" gesprochen. Dabei geht es um ein Projekt des IOC, bei dem seit den Olympischen Sommerspielen in Beijing die Verletzungen der Sportler im Training und Wettkampf und die Erkrankungen während der Spiele erfasst werden. Aus den gesammelten Daten können dann zahlreiche Trends gezogen und Aussagen getroffen werden:
- So hat das Verletzungsrisiko seit Beijing stetig zugenommen, nicht viel, aber es gibt einen leicht positiven Trend. Das könnte daran liegen, das viele Sportarten immer schneller und technischer werden, wodurch natürlich auch das Verletzungsrisiko steigt. Wenn im MTB Rennen die Steine im Rock-Garden immer höher und die Abfahrten immer steiler werden und gleichzeitig immer bessere Räder höhere Geschwindigkeiten zulassen, steigt natürlich auch das Risiko für die Sportler.
- Winterspiele sind gefährlicher als Sommerspiele. Das liegt wahrscheinlich in der Natur der Sache, auf Eis und Schnee ist es nun mal glatt.
- Sehr auffallend ist das generell stark erhöhte Verletzungsrisiko für Sportler aus Afrika. Woran genau das liegt und wie man dem entgegenwirken kann ist etwas, was sich das IOC sehr genau anschauen muss.
- Darüber hinaus können die Daten z.B. dazu verwendet werden Regeländerungen in einzelnen Sportarten anzustoßen oder zu kontrollieren.
- Oder man kann Informationen darüber gewinnen, ob es Mängel an den Sportanlagen gab.
Eines der besten Mittel, nicht nur für Radsportler, um Verletzungsrisiken zu minimieren ist ein gutes Coretraining. Das Oslo Sports Trauma Research Center hat im Auftrag des IOC eine App entwickelt mit den wichtigsten Ausgleichsübungen für alle möglichen Sportarten. Die kostenlose App heißt Get Set und es gibt sowohl eine iOS als auch eine Android Version.
Der nächste Dozent war ebenfalls vom Oslo Sports Trauma Research Center. Dr. Håvard Moksnes hat über "Practical Aspects of Sports Physiotherapie in Competition" gesprochen. Der Vortrag war sicher ganz interessant. Da Herr Moksnes viel zu leise gesprochen und sich in den nicht vorhandenen Bart genuschelt hat, habe ich nicht alles verstanden. Es ging darum, wie Sportler nach Verletzungen am besten zurückkommen. Eine wichtige Aussage war, dass man nicht zu sehr auf die Wissenschaft vertrauen darf, da der Umgang mit Sportlern in erster Linie auf praktischen Erfahrungen beruht. Die Sportwissenschaft ist zwar eine wichtige, aber trotzdem nur eine Information unter vielen, die man berücksichtigen sollte. Individuen sind nun mal individuell und die in einer Studie als effizient bewertete Methode kann für den einzelnen Sportler unpassend sein. Oder auch umgekehrt. Wo wir wieder bei dem Placebo Effekt der oben aufgezählten Regenerationsmethoden sind.
Nach der Mittagspause ging es weiter mit "Juristische Aspekte der Sportbetreuung". Prof. Dr. Dr. Heiko Striegel ist nicht nur Sportmediziner sondern auch Jurist und hat einen sehr interessanten Vortrag über die Fallstricke gehalten, die der tägliche Umgang mit Hochleistungssportlern bereithält. Hier allen Parteien, den Sportlern, Trainern, der Vereinsführung, Beratern, der Presse und den Fans gerecht zu werden und dabei die ärztliche Sorgfalts- und Schweigepflicht zu beachten ist eine echte Herausforderung. Eine wichtige Komponente dabei ist, dass Ärzte ihre Unabhängigkeit wahren und nicht als Angestellte von Sportvereinen arbeiten sollten. Als freiberufliche Dienstleister, die nur einen Teil ihres Einkommens aus der Tätigkeit in einem Sportverein beziehen, fällt es sehr viel leichter einem eventuellen Druck (Doping, Fit-Spritzen, Gefälligkeitsgutachten) standzuhalten.
Der für mich interessanteste Teil kam ganz am Schluss. Der Performance Manager / Trainer / sportliche Leiter des Teams Lotto NL Jumbo, Dr. MSc Louis Delahaije sprach über "Le Tour, physiological and Logistik aspects of the race preparation". Im Prinzip habe ich wenig Neues gehört. Wer dem Radsport folgt, dem ist der Aufwand und die Leistung, die die Fahrer und Betreuer vor und während der Tour erbringen nicht unbekannt. Das alles aber aus erster Hand zu hören, gemischt mit der einen oder anderen Anekdote war super. Was ich mir notiert habe:
- Die Tour ist ein Recovery-Game
- Es braucht einen hohen Power Output für die Zeitfahren und die Berge
- Rennentscheidend ist aber die kurzfristige Spitzenpower um die Attacken mitgehen zu können
- Lotto NL Jumbo arbeitet mit einem Downhill Coach, Oscar Saiz (YouTube Video mit Giant Shimano)
- Ein Fehler in der Tour Vorbereitung vieler Fahrer ist laut Delahije ein zu großes Gewicht auf Intensität und zu wenig Umfang. Der Umfang ist wichtig um die Erholungsfähigkeit zu verbessern. Erfolgreiche Fahrer haben 34 bis 38 Tausend Jahreskilometer.
- Höhentraining, und zwar das echte, LHTH
- Die Fahrer sind in der Regel so effizient, das sie vergleichsweise wenig Kalorien zu sich nehmen müssen und ohne Probleme ihr Gewicht halten können
- Lotto NL Jumbo hat keinen Küchen-LKW wie andere Teams sondern bekommt das Essen vorgefertigt aus Holland geliefert. Das muss dann nur noch aufgewärmt werden. Im Vorhinein kann dann genau geplant werden wann was gegessen wird. Qualitäts- und Hygiene Probleme lassen sich so ausschließen oder zumindest auf ein Minimum reduzieren.
- Neben den zwei Matratzen-Jungs (Marginal Gains) gibt es auch zwei Personen die die Zimmer der Fahrer reinigen. Bevor diese einziehen wohlgemerkt, um alle eventuellen Bakterien zu beseitigen. Nichts ist schlimmer während der Tour als eine Magendarm Grippe.
- Zu Kraft Training: Es gibt Responder und Non-Respondier, muss man herausfinden.
Alles in allem ein kurzweiliger und sehr interessanter Tag. Die Organisation war, wie nicht anders erwartet in Luxembourg, ohne Fehl und Tadel. Die Location in der Coque war perfekt, das Catering in der Frühstücks- und Mittagspause sehr gut. In den Pausen gab es Gelegenheit zum Austausch mit dem ein oder anderen Bekannten oder auch mit den Ausstellern von Produkten aus dem Physio und Sportmedizinischen Bereich. Ich hatte ein ganz interessanten Gespräch über Elektronische Muskel Stimulation und den Unterschied zwischen den teuren Compex Geräten und den günstigen Amazon Dingern. Vielleicht ergibt sich daraus mehr über das ich dann hier berichten kann.
Dienstag, 18. Oktober 2016
Kickstarter Zielgerade für LVL
Vor einiger Zeit habe ich hier über Hydration geschrieben. Das LVL ("Level" gesprochen) Armband zur Bestimmung des Flüssigkeitsstatus von BSX kann noch eine Woche bei Kickstarter vorfinanziert werden. Für 129 USD, also rund 120 Euro (ohne Versand und Zoll) kann man sich das Armband sichern. Der spätere Verkaufspreis soll bei 199 USD liegen. Die Kampagne ist ein Riesen Erfolg, bisher sind eine Million (1.000.000,00 !) USD zusammengekommen und das ursprüngliche Funding-Ziel ist mit 2000% weit über erfüllt. Damit ist die Kampagne eine der erfolgreichsten Kickstarter Projekte für "Wearable Devices" aller Zeiten.
Das Armband soll Mitte 2017 verfügbar sein, das ist recht lange hin, aber nach den Verzögerungen mit dem ursprünglichen BSX-Insight ist zu hoffen, dass BSX mit der gesammelten Erfahrung das Ziel diesmal halten kann.
Links:
Ein detaillierter Artikel von Ray Maker aka DC Rainmaker.
Mittwoch, 12. Oktober 2016
Hypoxie
Vielleicht zeigt euch Facebook auch seit einiger Zeit Werbung für den Altium-i10 an, ein Gerät mit dem man ein Höhentraining in Ruhe durchführen kann und das nach Aussage des Herstellers ganz beachtliche Leistungs-Verbesserung ermöglicht. Das hört sich doch super an, oder? Auf dem Sofa sitzen, Fernsehen schauen und dabei die FTP nach oben schieben. In den Videos wird erklärt wie es funktionieren soll:
altiumi10 from Filament PD on Vimeo.
VO2 max test Altium from Filament PD on Vimeo.
Ich bin skeptisch, schließlich wissen wir alle dass "ohne Schweiß kein Preis" zu gewinnen ist. Ich habe mir daher die auf der Altium Homepage zitierte Studie mal etwas genauer angesehen und darüber hinaus das Interweb befragt und feststellen müssen, dass die Wirksamkeit des intermittierenden Höhentrainings in Ruhe nur sehr eingeschränkt belegt werden kann.
Aber zunächst ein paar Worte zum Höhentraining allgemein. 1968 fanden die Olympischen Sommerspiele in Mexiko auf einer Höhe von über 2200 m statt. Die Vorbereitung auf diese Wettkämpfe gaben den Anstoß zu einer ersten systematischen Entwicklung von Methoden des Höhenanpassungstrainings als Vorbereitung für Leistungen in mittlerer Höhe. (Wikipedia) Schnell wurde aber klar, dass ein solches Höhentraining auch nach der Rückkehr auf Meereshöhe Vorteile verspricht. Je höher man sich befindet, umso geringer ist der Sauerstoffanteil an der Atemluft. Um das Leistungsniveau zu halten, finden eine ganze Reihe von Anpassungsreaktionen im Körper statt. Der vielleicht bekannteste ist die vermehrte Ausschüttung von Erythropoetin (EPO) und als Folge der Anstieg der roten Blutkörperchen, die den Sauerstoff aus unseren Lungen in die Muskeln transportieren. Andere Effekte reichen bis hinunter auf molekukare Ebene mit einer effizienteren Produktion von ATP, dem Energieträger in unseren Zellen.
Die gängige Methode für Höhentraining bestand dabei lange aus "Live high train high" (LHTH). Diese Methode hat aber einige Nachteile, so ist zunächst eine Akklimatisationsphase einzuplanen, erst danach kann das eigentliche Training aufgenommen werden. Trotz Akklimatisation können ungewollte Effekte wie Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen und verminderte Leistungsfähigkeit auftreten. Problematisch ist auch der Zeitpunkt der Rückkehr auf Meeresniveau, um in vollem Umfang von den Anpassungseffekten zu profitieren. Darüber hinaus sind, um optimalen Nutzen ziehen zu können, mehrere dieser zwei bis vierwöchigen Höhentrainingslager im Trainingsjahr unterzubringen. All diese Schwierigkeiten haben zur Entwicklung von alternativen Höhentrainingsprotokollen geführt.
"Live high train low" (LHTL) versucht dabei die allgemeinen Vorteile des Höhenklimas mit dem Training unter uneingeschränktem Leistungsvermögen in tieferen Gebieten zu kombinieren. Nachteilig ist hier unter anderem das ständige Pendeln zwischen dem "Ruheort" in der Höhe und dem Trainingsort im Tiefland.
Ein vergleichsweise neuer Ansatz ist das intermittierende Höhentraining. Dabei wird der Athlet über eine relativ kurze Zeit einer künstlich simulierten Höhe ausgesetzt (Hypoxie). Man unterscheidet Höhensimulation während Ruhe ("Intermittent Hypoxic Exposure" / IHE) oder während des Trainings ("Intermittent Hypoxic Training" / IHT). Die Simulation erfolgt über eine Reduzierung des Sauerstoffgehaltes in der Atemluft und im besten Fall in einer Höhenkammer incl. der Anpassung des Luftruckes. Gebräuchlicher ist die Verwendung einer Atemmaske, die an einem Gerät zur Herstellung des entsprechenden Luftgemisches angeschlossen ist. In diesem Fall werden andere Höheneffekte wie der verminderte Luftdruck und die höhere UV-Strahlung nicht berücksichtigt. Die Geräte zur Reduzierung des Sauerstoffgehaltes schlagen dabei mit einigen tausend Euro zu Buche und können sowohl für IHE, IHT und eingeschränkt auch zu LHTL (Höhenzelt, Schlafen unter Hypoxie) eingesetzt werden. Der Altium i-10 ist mit 499 GBP vergleichsweise günstig, in der Anwendung aber auf IHE beschränkt.
Kommen wir also zur Frage der Fragen: Welche Effekte sind von IHE im allgemeinen und dem Altium im Besonderen zu erwarten? Auf der Altium Homepage ist zu lesen "Compared to an equivalent training session last year my cycling power is 20% up, +4% increase in VO2max, +11% increase in Lactate Threshold, +4% increase in Lactate Turnpoint, +6% increase in Maximum Power, +7.5% increase in mechanical Efficiency". Die Werte beruhen auf der durchschnittlichen Verbesserung von 13 Hobby-Triathleten und Radsportlern nach 28 Tagen "Training" mit dem Altium. Die Details zu der Studie sind sehr spärlich und auch auf Nachfrage habe ich keine weiteren Einzelheiten oder sogar einen wissenschaftlichen Bericht bekommen. Zu kritisieren ist hier zunächst der Zeitpunkt der Studie im Januar. Die übliche Periodisierung vorausgesetzt liegt die Trainingspause erst wenige Wochen zurück und das Leistungsniveau sollte sich noch auf vergleichsweise niedrigem Nivau befinden. Somit wird jedes Training, egal wie "schlecht", eine gewisse Verbesserung bringen. Normalerweise wird die Leistungssteigerung aufgrund des Trainings und aufgrund der zu testenden Anwendung über eine Vergleichsgruppe getrennt. Diese sollte das gleiche Training durchlaufen, nur ohne die zu testende Anwendung. Bei Medikamenten gibt man Placebos, hier wäre es denkbar gewesen mit einem "Fake-Device" zu arbeiten. Darüber hinaus ist die Gruppe mit dreizehn Sportlern relativ klein und wir wissen nicht, ob der reklamierte Durchschnitt durch Ausreißer nach oben beeinflusst wurde. Üblicherweise werden die besten und schlechtesten Resultate gestrichen, zumindest wenn diese Ausreißer darstellen. So wie diese Studie durchgeführt wurde, sind die Ergebnisse mit äußerster Vorsicht zu behandeln.
In den FAQs wird eine Studie genannt, die die Wirksamkeit der Methode bzw. des Devices belegen soll. Tatsächlich geht es bei der Studie "Tissue Oxygenation and Mitrochondrial Respiration under different Modes of Intermittent Hypoxia" von Serebrovskaya, Nosar, Bratus, Gavenauskas und Monkovska (2013) nur darum, das beste unter fünf verschiedenen IHE Protokollen zu finden. Dazu wurde die Veränderung des Sauerstoffpartialdruckes in der Muskulatur (PmO2) und die Respiration der Mitochondrien in der Leber und des Herzmuskeln von Ratten untersucht. Das Protokoll, dass dem Altium Protokoll am ähnlichsten ist, zeigte dabei tatsächlich die besten Ergebnisse. Allerdings wird weder eine Aussage über die Vergleichbarkeit bzw. Effektivität der unterschiedlichen Hypoxie Methoden (LHTH, LHTL, IHT, IHE), noch über die Auswirkungen der IHE Protokolle auf die physische Leistungsfähigkeit getroffen.
Eine andere Studie die sich sehr ausführlich dem Thema Höhentraining widmet ist von Millet, Roels, Schmitt, Woorons und Richalet, "Combining Hypoxic Methods for Peak Performance" (2010). Diese Metastudie untersucht die Praxis-Relevanz der unterschiedlichen Hypoxie-Ansätze hinsichtlich der Verbesserung der Leistungsfähigkeit von Sportlern. Die Autoren geben einen hervorragenden Überblick über die Methoden, wie diese angewendet werden, was dabei zu beachten ist und welche Ergenisse aufgrund der Studienlage zu erwarten sind. Unter 3. Intermittent Hypoxic Exposure, 3.3 Performance heisst es im letzten Absatz: "Recently the inefficiency of IHE has been demonstrated again in a double-blind study: after 15 days of IHE (1h/day of 6 minutes of breathing10-11% O2 gas mixture alternated with 4 minutes of breathing room air), neither the aerobic performance (VO2max) nor the anaerobic variables (peak or mean power during a Wingate test) differed from those of the control group. Overall, in studies with control groups, IHE does not induce any substantial change in either haematological parameters or in endurance performance." Das genannte Protokoll entspricht ziemlich genau dem Altium Protokoll. In dem Fazit zu dem kompletten Paper heisst es unter anderem ".. IHE is inefficient for performance enhancement. .."
Zu einer etwas besseren, aber trotzdem verhaltenen Einschätzung kommt Prof. Dr. med Burtscher vom Institut für Sportwissenschaften der Universität Innsbruck in dem 2005 erschienenen Artikel "Intermittierende Hypoxie: Höhenvorbereitung, Training, Therapie". Unter 2. IH in Ruhe mit einer Zykluxdauer von 2-10 Minuten für 1-2 Stunden pro Tag über 2-4 Wochen heißt es u.a. "Wir konnten nach einer 3-wöchigen Anwendung dieses IH-Protokolls eine gesteigerte Belastungstoleranz am Fahrradergometer bei älteren, untrainierten Menschen ... beobachten". Und weiter: "Ob diese kurzzeitigen IH-Expositionen jedoch zur Leistungssteigerung bei Athleten führen können, ist noch relativ wenig untersucht und wird kontrovers diskutiert." Dann werden verschiedene Studien genannt, die sowohl positive Effekte wie auch keine Verbesserung feststellten. Das Fazit des Artikel lautet. " Zusammenfassend wird festgehalten, dass aufgrund der vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten eines IH-Trainings und individuell unterschiedlicher Reaktionen bei unterschiedlichem Trainingszustand und unterschiedlichen Begleitmassnahmen derzeit protokollabhängige IH-Effekte nur vermutet werden können. Allerdings scheinen sich für verschiedene IH-Protokolle bei verschiedenen Personengruppen zumindest Trends der Möglichkeit einer gezielten Leistungsbeeinflussung abzuzeichnen."
Alle zitierten Studien wurden vor mehreren Jahren veröffentlicht. Es ist natürlich gut möglich, dass aktuellere Forschungsergebnisse zu einer anderen Einschätzung kommen. Auch eine größer angelegte Studie mit Kontrollgruppe mit dem Altium wäre interessant. Die Ergebnisse sollten in einem korrekten wissenschaftlichen Paper veröffentlicht werden.
Was bedeutet das nun für den Altium i-10? Nach der Lektüre der oben genannten Studien scheint mir der Nutzen fraglich und in keinster Weise in Relation zu der Investition von rund 500 GBP zu stehen. Würde ich ihn kaufen? Nein.
Wer sich für intermittierendes Höhentraining (IHT) interessiert, dem empfehle ich mal im Blog von Jürgen Pansy vorbeizuschauen, der dies im Selbstversuch angewendet hat und in einer vierteiligen Serie darüber schreibt.
Zum Schluss noch ein Hinweis: Ich habe weder Sportwissenschaften noch Medizin studiert und nehme daher bestenfalls die Position eines interessierten Laien ein. Natürlich habe ich mir bei der Recherche zu diesem Post alle Mühe gegeben, sollten euch Ungenauigkeiten auffallen, andere, neuere Erkenntnisse zum intermittierenden Höhentraining vorliegen oder wenn ihr gar eigene Erfahrungen vorweisen könnt, freue ich mich über Hinweise in den Kommentaren oder via Email an Boris@unterlenker.com
Links:
Hypoxic Homepage , ein Anbieter von Höhentrainingszubehör (Höhenkammer, Zelte, Pumpen etc.)
Sonntag, 4. September 2016
Hydration
Die einfachen Dinge werden oft übersehen. Sportler achten auf ausgewogene Ernährung, nehmen alle möglichen Nahrungsergänzungen, trainieren nach ausgeklügelten Plänen, achten darauf genügen zu schlafen und und und. Eine ganz grundlegende Komponente wird dabei schnell übersehen: Flüssigkeitsaufnahme. Unser Körper besteht zum überwiegenden Teil aus Wasser. Ohne Nahrung können wir eine Weile überleben, ohne Wasser geht unser Leben recht schnell zu Ende.
Während sportlicher Aktivität vergisst man oftmals zu trinken. Zumindest geht es mir so. Der Durst scheint dabei ein schlechter Ratgeber zu sein. Ich komme oft von Touren zurück und habe noch Wasser in der Flasche. Bei Radmarathons wird an der Verpflegung nicht angehalten um ja nicht die Gruppe und Zeit zu verlieren. Auf der anderen Seite kann der Körper auch nur eine bestimmte Menge Wasser pro Stunde aufnehmen. Wenn der Verlust über den Schweiss höher ist als die Aufnahme ist mündet das irgendwann in einem dehydrierten Zustand. Daher ist es wichtig, auch ausserhalb und besonders vor dem Training oder einem Wettkampf optimal hydriert zu sein.
BSX Technologies hat dazu ein wearable Device entwickelt, der den Hydration Status messen kann. Einmal mehr geht es also darum Gefühl und Annahmen durch harte Fakten zu ersetzen. Wie schon bei dem BSX-Insight, dem Device zur Messung des Sauerstoffgehaltes in der Muskulatur, setzt BSX dabei auf rotes Licht, im Gegensatz zu dem bei optischen Pulsmessern in der Regel verwendeten grünen LEDs (z.B. Apple Watch). Rotes Licht ist dabei schwieriger zu handhaben, wenn dies gelingt sind die Ergebnisse aber auch sehr viel genauer als mit grünem Licht. Warum dies so ist, ist im Detail hier beschrieben.
Der von BSX entwickelte Hydration-Monitor wird als Armband getragen werden und nennt sich LVL-Band. Die Markteinführung steht kurz bevor. Per-Orders werden ab dem 14. September entgegen genommen. Ich bin gespannt was als Preis aufgerufen wirdund ob das Gerät neben dem Hydration Status auch noch andere Parameter wie den Puls messen kann. Gerade habe ich einen weiteren Blick auf die Kampagnenseite geworfen und neben dem Hydraion-Status wird das LVL-Band auch tatsächlich den Puls und darüber hinaus auch Aktivität, Schlaf und die Stimmung messen können. Wie letzteres funktionieren soll, naja, da bin ich gespannt. Super wäre natürlich wenn der BSX-Insight diese Funktion oder zumindest die Messung des Hydration-Status auch noch übernehmen könnte, aber das wird wohl kaum zu erwarten sein.
Noch mehr Infos finden sich im Blog von BSX Insight und hier auf der Kampagnen Seite.
Während sportlicher Aktivität vergisst man oftmals zu trinken. Zumindest geht es mir so. Der Durst scheint dabei ein schlechter Ratgeber zu sein. Ich komme oft von Touren zurück und habe noch Wasser in der Flasche. Bei Radmarathons wird an der Verpflegung nicht angehalten um ja nicht die Gruppe und Zeit zu verlieren. Auf der anderen Seite kann der Körper auch nur eine bestimmte Menge Wasser pro Stunde aufnehmen. Wenn der Verlust über den Schweiss höher ist als die Aufnahme ist mündet das irgendwann in einem dehydrierten Zustand. Daher ist es wichtig, auch ausserhalb und besonders vor dem Training oder einem Wettkampf optimal hydriert zu sein.
BSX Technologies hat dazu ein wearable Device entwickelt, der den Hydration Status messen kann. Einmal mehr geht es also darum Gefühl und Annahmen durch harte Fakten zu ersetzen. Wie schon bei dem BSX-Insight, dem Device zur Messung des Sauerstoffgehaltes in der Muskulatur, setzt BSX dabei auf rotes Licht, im Gegensatz zu dem bei optischen Pulsmessern in der Regel verwendeten grünen LEDs (z.B. Apple Watch). Rotes Licht ist dabei schwieriger zu handhaben, wenn dies gelingt sind die Ergebnisse aber auch sehr viel genauer als mit grünem Licht. Warum dies so ist, ist im Detail hier beschrieben.
Der von BSX entwickelte Hydration-Monitor wird als Armband getragen werden und nennt sich LVL-Band. Die Markteinführung steht kurz bevor. Per-Orders werden ab dem 14. September entgegen genommen. Ich bin gespannt was als Preis aufgerufen wird
Noch mehr Infos finden sich im Blog von BSX Insight und hier auf der Kampagnen Seite.
Donnerstag, 30. Juni 2016
Windschatten Spezial
Vor einigen Tagen bin ich auf Facebook über ein Foto aus einem Begleitfahrzeug bei der Trofeo Karlsberg gestolpert. Das Fahrzeug folgt Niklas Märkl beim Einzelzeitfahren und fährt, zumindest im Moment des Fotos, nur wenige Meter hinter dem Athleten. Wie auf Facebook so üblich meldet sich direkt ein Troll mit unflätiger Ausdrucksweise zu Wort, moniert den knappen Abstand und meint, das würde nichts bringen.
Es ist natürlich durchaus korrekt, dass ein solch dichtes Auffahren im Fall eines Sturzes nicht ungefährlich ist. Im technischen Reglement der UCI ist daher der Mindest-Abstand folgender Fahrzeuge auf 10 Meter festgelegt.
Was hier aber viel interessanter ist: Ein dicht folgendes Fahrzeug bringt dem Fahrer einen nicht zu unterschätzenden aerodynamischen Vorteil. Die TU Eindhoven hat dazu Berechnungen angestellt.
Bei einer aerodynamischen Optimierung geht es ja nicht nur darum, die Luft möglichst "scharf" zu teilen, sondern auch darum, die Luftverwirbelungen und den Sog hinter dem Fahrer klein zu halten. Jeder Radfahrer der schon mal wenige Zentimeter hinter einem Lastwagen gefahren ist (ui, das ist erst gefährlich!!) kennt den Effekt, dass man durch den Sog gezogen wird. Diesen Sog kann man sich als Unterdruckblase vorstellen, in die die Luft von hinten hereinströmt. Diese hereinströmende Luft schiebt den Radfahrer und zieht den LKW nach hinten. Gleiches gilt auch für einen Radfahrer.
Ein Auto schiebt eine komprimierte Luftblase vor sich her, wenn diese Luftblase den Radfahrer erfasst, kann sich hinter dem Fahrer kein Sog bilden. Im Gegenteil kann der Luftdruck hinter dem Fahrer etwas höher sein, sodass der Fahrer sogar etwas geschoben wird. Das mag jetzt wissenschaftlich nicht ganz korrekt sein, aber in etwa sollte es stimmen. Falls Physiker unter den Lesern sind, freue ich mich natürlich über Richtigstellungen und Ergänzungen in den Kommentaren.
Je dichter das Fahrzeug folgt, je größer und je mehr beladen (Ersatzräder) es ist, desto größer der Effekt. Das ist der Chancengleichheit natürlich nicht zuträglich. Bert Blocken, der Professor und Autor der Studie fordert daher zu recht, dass der Abstand im Reglement auf 30 Meter angehoben wird und Unterschreitungen streng geahndet werden sollten.
Quelle: Facebook
Es ist natürlich durchaus korrekt, dass ein solch dichtes Auffahren im Fall eines Sturzes nicht ungefährlich ist. Im technischen Reglement der UCI ist daher der Mindest-Abstand folgender Fahrzeuge auf 10 Meter festgelegt.
Was hier aber viel interessanter ist: Ein dicht folgendes Fahrzeug bringt dem Fahrer einen nicht zu unterschätzenden aerodynamischen Vorteil. Die TU Eindhoven hat dazu Berechnungen angestellt.
Bei einer aerodynamischen Optimierung geht es ja nicht nur darum, die Luft möglichst "scharf" zu teilen, sondern auch darum, die Luftverwirbelungen und den Sog hinter dem Fahrer klein zu halten. Jeder Radfahrer der schon mal wenige Zentimeter hinter einem Lastwagen gefahren ist (ui, das ist erst gefährlich!!) kennt den Effekt, dass man durch den Sog gezogen wird. Diesen Sog kann man sich als Unterdruckblase vorstellen, in die die Luft von hinten hereinströmt. Diese hereinströmende Luft schiebt den Radfahrer und zieht den LKW nach hinten. Gleiches gilt auch für einen Radfahrer.
Ein Auto schiebt eine komprimierte Luftblase vor sich her, wenn diese Luftblase den Radfahrer erfasst, kann sich hinter dem Fahrer kein Sog bilden. Im Gegenteil kann der Luftdruck hinter dem Fahrer etwas höher sein, sodass der Fahrer sogar etwas geschoben wird. Das mag jetzt wissenschaftlich nicht ganz korrekt sein, aber in etwa sollte es stimmen. Falls Physiker unter den Lesern sind, freue ich mich natürlich über Richtigstellungen und Ergänzungen in den Kommentaren.
Bilder der Computer Simulation. Das obere Bild zeigt was passiert, wenn das Teamfahrzeug mit einem Abstand von fünf Metern folgt, das untere zeigt einen Abstand von zehn Metern. Man kann erkennen, wie sich der rote Bereich vor dem Fahrzeug mit den turbulenten (und bremsenden) Luftverwirbelungen hinter dem Radfahrer überschneidet.
Quelle: TU Eindhoven
Montag, 20. Juni 2016
BSX Positionierung
Mehrfach habe ich hier schon über den BSX Insight geschrieben, das erste nicht invasive "Laktat-Messgerät" dass gar kein Laktat sondern den Sauerstoffgehalt und seit einigen Monaten auch den Hämoglobin Gehalt des Blutes messen kann.
BSX sieht vor, dass das Device mit einem Kompressions-Strumpf an der Wade getragen wird. Das sieht auf dem Rad, besonders im Radrennen nicht ganz so schick aus und man hat bei regelmäßigem Gebrauch einen weiteren hellen Streifen am Bein. Darüber hinaus ist es streng genommen auch nicht regelkonform, denn im Reglement der UCI heisst es in Artikel 1.3.033:
It is forbidden to wear non-essential items of clothing or items designed to influence the performances of a rider such as reducing air resistance or modifying the body of the rider (compression, stretching, support).
..... Equipment (helmets, shoes, jerseys, shorts, etc.) worn by the rider may not be adapted to serve any other purpose apart from that of clothing or safety by the addition or incorporation of mechanical or electronic systems which are not approved as technical innovations under article 1.3.004.
Der BSX-Insight fällt nicht unter die technische Innovation des 1.3.004. Jetzt muss man, besonders bei Provinz-Rennen, natürlich schon Pech haben auf einen Kommissär zu treffen, der so genau nach den Regeln schaut und auch gewillt ist diese durchzusetzen, aber man weiss ja nie. Sicherer ist es daher den BSX einfach auf dem Oberschenkel unter der Radhose zu tragen. Das ist auch recht einfach bewerkstelligt. Ich fixiere den BSX mit einem Pflaster und lege darauf ein schwarzes Stück Stoff, auf dessen Rückseite ich dunkles Panzerband geklebt habe. Das macht das Ganze absolut blickdicht und sorg dafür, dass der BSX nicht durch störendes Umgebungslicht beeinflusst wird. Radhose drüber und fertig.
Interessant ist aber etwas ganz anderes: Welchen Einfluss hat die Position des BSX auf die Messergebnisse? Einer der großen Vorteile der Messung der Sauerstoffsättigung gegenüber der Laktatbestimmung ist, dass die Daten dort erhoben werden, wo die Arbeit stattfindet (Bein versus Ohrläppchen). Nun ist die Wade für den Radfahrer zwar ganz und gar nicht nebensächlich, den höheren Anteil hat aber die Muskulatur auf der Vorderseite der Oberschenkel. Wäre es dann nicht auch besser den Sauerstoffgehalt dort zu messen?
Vor einigen Monaten habe ich während des Trainings im Kraftraum den BSX einmal an der Wade getragen und einmal auf dem Oberschenkel. Die Unterschiede waren größer als ich es erwartet hätte. Die Reihenfolge der Übungen war dabei gleich, die zeitlichen Abstände zwischen den einzelnen Sets aber unterschiedlich, so dass man die Kurven nicht genau übereinander legen kann, es reicht aber um die Unterschiede zu erkennen.
Am Puls kann man erkennen, dass die Kurven nicht synchron sind, trotzdem sieht man das die SMO2 Werte bei der Messung an der Wade während der Kniebeugen nur gering schwanken, dafür umso mehr beim Wadenheben. Bei der Position am Oberschenkel ist es genau umgekehrt.
Einen anderen Vergleich habe ich im Zusammenhang mit den BSX-FTP Tests gemacht. Den Test im Februar bin ich mit dem BSX an der Wade gefahren, vor einigen Wochen dann mit dem BSX am Oberschenkel.
Nun sind zwei Tests die zeitlich so weit auseinander liegen nicht unbedingt ideal, trotzdem kann m.E. der Schluss gezogen werden, dass die Variation in der Sauerstoffsättigung mit dem BSX am Oberschenkel (pink) größer ist als wenn der BSX an der Wade (grün) getragen wird.
Beide Kurven fangen bei etwa 65% an und fallen auf minimal 55% (Wade) bzw. 40% (Oberschenkel) ab. Diese Werte sind erstaunlicherweise eklatant niedriger als die, die ich in der freien Wildbahn erreiche, das zu ergründen ist aber ein anderes Thema. Auch sind zwei Tests zu wenig um eine generelle Aussage zu treffen, man müsste hier mehrere Probanden haben und am besten den Sauerstoffgehalt mit mehreren Geräten während eines Testes messen.
Die Ergebnisse lassen trotzdem einige Aussagen zu:
Links:
Cutting-Edge
FTP Test mal 3
BSX Insight Anzeige und Data Handling
BSX sieht vor, dass das Device mit einem Kompressions-Strumpf an der Wade getragen wird. Das sieht auf dem Rad, besonders im Radrennen nicht ganz so schick aus und man hat bei regelmäßigem Gebrauch einen weiteren hellen Streifen am Bein. Darüber hinaus ist es streng genommen auch nicht regelkonform, denn im Reglement der UCI heisst es in Artikel 1.3.033:
It is forbidden to wear non-essential items of clothing or items designed to influence the performances of a rider such as reducing air resistance or modifying the body of the rider (compression, stretching, support).
..... Equipment (helmets, shoes, jerseys, shorts, etc.) worn by the rider may not be adapted to serve any other purpose apart from that of clothing or safety by the addition or incorporation of mechanical or electronic systems which are not approved as technical innovations under article 1.3.004.
Der BSX-Insight fällt nicht unter die technische Innovation des 1.3.004. Jetzt muss man, besonders bei Provinz-Rennen, natürlich schon Pech haben auf einen Kommissär zu treffen, der so genau nach den Regeln schaut und auch gewillt ist diese durchzusetzen, aber man weiss ja nie. Sicherer ist es daher den BSX einfach auf dem Oberschenkel unter der Radhose zu tragen. Das ist auch recht einfach bewerkstelligt. Ich fixiere den BSX mit einem Pflaster und lege darauf ein schwarzes Stück Stoff, auf dessen Rückseite ich dunkles Panzerband geklebt habe. Das macht das Ganze absolut blickdicht und sorg dafür, dass der BSX nicht durch störendes Umgebungslicht beeinflusst wird. Radhose drüber und fertig.
Interessant ist aber etwas ganz anderes: Welchen Einfluss hat die Position des BSX auf die Messergebnisse? Einer der großen Vorteile der Messung der Sauerstoffsättigung gegenüber der Laktatbestimmung ist, dass die Daten dort erhoben werden, wo die Arbeit stattfindet (Bein versus Ohrläppchen). Nun ist die Wade für den Radfahrer zwar ganz und gar nicht nebensächlich, den höheren Anteil hat aber die Muskulatur auf der Vorderseite der Oberschenkel. Wäre es dann nicht auch besser den Sauerstoffgehalt dort zu messen?
Vor einigen Monaten habe ich während des Trainings im Kraftraum den BSX einmal an der Wade getragen und einmal auf dem Oberschenkel. Die Unterschiede waren größer als ich es erwartet hätte. Die Reihenfolge der Übungen war dabei gleich, die zeitlichen Abstände zwischen den einzelnen Sets aber unterschiedlich, so dass man die Kurven nicht genau übereinander legen kann, es reicht aber um die Unterschiede zu erkennen.
- 10' WUp Cross Trainer
- 20 x 40 kg Kniebeuge
- 3 x 10 x 60 kg Kniebeuge
- 3 x 20 Ausfallschritt mit Medizinball
- 3 x 3 Klimmzüge
- 3 x 10 x 70 kg Kniebeuge
- 3 x 10 x 30, 32.5, 35 kg Beinstrecker, je Seite (gluteus maximus, semimembranosus, etc.)
- 3 x 6 x 160 kg Beinpresse
- 3 x 20 Wadenheben, frei, je Seite
- 3 x 20 Kreuzstrecken
- 3 x 3 Klimmzüge
Am Puls kann man erkennen, dass die Kurven nicht synchron sind, trotzdem sieht man das die SMO2 Werte bei der Messung an der Wade während der Kniebeugen nur gering schwanken, dafür umso mehr beim Wadenheben. Bei der Position am Oberschenkel ist es genau umgekehrt.
Einen anderen Vergleich habe ich im Zusammenhang mit den BSX-FTP Tests gemacht. Den Test im Februar bin ich mit dem BSX an der Wade gefahren, vor einigen Wochen dann mit dem BSX am Oberschenkel.
Nun sind zwei Tests die zeitlich so weit auseinander liegen nicht unbedingt ideal, trotzdem kann m.E. der Schluss gezogen werden, dass die Variation in der Sauerstoffsättigung mit dem BSX am Oberschenkel (pink) größer ist als wenn der BSX an der Wade (grün) getragen wird.
Beide Kurven fangen bei etwa 65% an und fallen auf minimal 55% (Wade) bzw. 40% (Oberschenkel) ab. Diese Werte sind erstaunlicherweise eklatant niedriger als die, die ich in der freien Wildbahn erreiche, das zu ergründen ist aber ein anderes Thema. Auch sind zwei Tests zu wenig um eine generelle Aussage zu treffen, man müsste hier mehrere Probanden haben und am besten den Sauerstoffgehalt mit mehreren Geräten während eines Testes messen.
Die Ergebnisse lassen trotzdem einige Aussagen zu:
- Die Messung der Sauerstoffsättigung sollte an dem Muskel durchgeführt werden, der die größte Arbeit leistet.
- Je höher die Schwankungen sind, umso leichter sollte es sein Rückschlüsse aus den Daten ziehen zu können.
- Der absolute SMO2 Wert in Prozent sagt relativ wenig aus, je nach Position und auch Sportler können hier große Schwankungen auftreten. Eine exakte Positionierung und auch Dokumentation ist wichtig.
Links:
Cutting-Edge
FTP Test mal 3
BSX Insight Anzeige und Data Handling
Freitag, 18. März 2016
Zum Mittagessen gehört ein Nachtisch!
Letztes Wochenende habe ich das Spitzensport Symposium des Bund Deutscher Radfahrer in Frankfurt besucht. Die Veranstaltung stand unter dem Motto
Der Sportmediziner Dr. Jürgen Grunwald und der Schweizer Ernährungsguru Jürg Hösli treiben die Optimierung auf die Spitze.Und das nicht nur mit Erfolg, sondern auch mit neuen Methoden und Ansichten. In dieser Veranstaltung werden sie ihr Fachwissen zum Thema Diagnostik und Ernährung preisgeben und ihre erfolgreichen Verfahren live vorstellen. Dabei nehmen sie nicht nur Stellung zu den aktuellen Themen, sondern gehen insbesondere auf den Nachwuchs- und Spitzensport ein.
(Quelle: bdr-ausbildung.de)
Dr. Grunwald war wegen Krankheit leider verhindert, so dass der Diagnostik Part weitgehend ausgefallen ist. Jürg Hösli hatte aber keine Probleme den Tag mit den Ernährungsthemen zu füllen.
Vormittags hat Hösli ausführlich uber die Funktionsweise des Stoffwechsels referiert. Wobei das so viel und so komplex war, dass ich mir nur wenig davon behalten konnte. Später ging es dann um die Bestimmung der Körperzusammensetzung per Bioelektrischer Impedanzanalyse. Das ist die Technologie, die jeder Körperfettwaage zugrunde liegt. Für Hösli spielt das Körperfett dabei nur eine sehr untergeordnete Rolle. Viel wichtiger sind andere Kennziffern, Extra Cellular Water (ECWU und Intra Cellular Water (ICW), aus denen sich Rückschlüsse u.a. auf den Zustand des Organismus ziehen lassen. Anhand vieler Fallbeispiele wurde gezeigt ob jemand trainiert ist oder nicht, gestresst oder erholt. Bemerkenswert war, dass es sich dabei um eine Off-Label Anwendung der entsprechenden Geräte handelt. Das was Herr Hösli damit anstellt kann man nirgendwo nachlesen, weder in wissenschaftlicher Literatur und schon gar nicht in der Bedienungsanleitung.
Nächster großer Punkt war die Informationsgewinnung per Körperfett-Messzange. Natürlich kann man auch hier einfach messen und nach verschiedenen Modellen das Körperfett in % berechnen. Aber Hösli wäre nicht die Koryphäe die er ist, wenn er nicht auch hier ein Off-Label Anwendung entwickelt und ein Meer an Informationen erschlossen hätte. Auch wieder anhand vieler Fallbeispiele wurde gezeigt, welche Informationen über die Lebensgewohnheiten der Menschen nur mit der Information über die Dicke der Hautfalten gewonnen werden können. Unterschiede zwischen dem rechten und dem linken Bein deuten u.a. auf Dysbalancen hin, eine im Vergleich zu den übrigen Messungen dicke Falte am Bauch auf regelmässig spätes Essen (Da der Stoffwechsel abends und nachts anders arbeitet, wird abends zugeführte Energie eher im Bauchraum gespeichert).
Was gibt es sonst noch zu erwähnen? Einige Stichpunkte die mir im Gedächtnis geblieben sind:
Auf der anderen Seite ist es ganz einfach. Mein Vater sagt seit je her: "Alles mit Maß und Ziel!" Und, das möchte ich ergänzen, mit gesundem Menschenverstand! Genauso wenig wie ein bestimmtes Intervalltraining für alle Sportler empfehlenswert ist, kann eine bestimmte Ernährungsweise für alle das "Non Plus Ultra" sein. In diesem Sinne: Guten Appetit!
Links:
Homepage Jürg Hösli, insbesondere zu empfehlen der Blog, zum Beispiel hier zur Frage was gesunde Ernährung überhaupt ist oder hier zu Zucker
Leistungsoptimierung - Lernen von den Besten
Der Sportmediziner Dr. Jürgen Grunwald und der Schweizer Ernährungsguru Jürg Hösli treiben die Optimierung auf die Spitze.Und das nicht nur mit Erfolg, sondern auch mit neuen Methoden und Ansichten. In dieser Veranstaltung werden sie ihr Fachwissen zum Thema Diagnostik und Ernährung preisgeben und ihre erfolgreichen Verfahren live vorstellen. Dabei nehmen sie nicht nur Stellung zu den aktuellen Themen, sondern gehen insbesondere auf den Nachwuchs- und Spitzensport ein.
(Quelle: bdr-ausbildung.de)
Dr. Grunwald war wegen Krankheit leider verhindert, so dass der Diagnostik Part weitgehend ausgefallen ist. Jürg Hösli hatte aber keine Probleme den Tag mit den Ernährungsthemen zu füllen.
Vormittags hat Hösli ausführlich uber die Funktionsweise des Stoffwechsels referiert. Wobei das so viel und so komplex war, dass ich mir nur wenig davon behalten konnte. Später ging es dann um die Bestimmung der Körperzusammensetzung per Bioelektrischer Impedanzanalyse. Das ist die Technologie, die jeder Körperfettwaage zugrunde liegt. Für Hösli spielt das Körperfett dabei nur eine sehr untergeordnete Rolle. Viel wichtiger sind andere Kennziffern, Extra Cellular Water (ECWU und Intra Cellular Water (ICW), aus denen sich Rückschlüsse u.a. auf den Zustand des Organismus ziehen lassen. Anhand vieler Fallbeispiele wurde gezeigt ob jemand trainiert ist oder nicht, gestresst oder erholt. Bemerkenswert war, dass es sich dabei um eine Off-Label Anwendung der entsprechenden Geräte handelt. Das was Herr Hösli damit anstellt kann man nirgendwo nachlesen, weder in wissenschaftlicher Literatur und schon gar nicht in der Bedienungsanleitung.
Nächster großer Punkt war die Informationsgewinnung per Körperfett-Messzange. Natürlich kann man auch hier einfach messen und nach verschiedenen Modellen das Körperfett in % berechnen. Aber Hösli wäre nicht die Koryphäe die er ist, wenn er nicht auch hier ein Off-Label Anwendung entwickelt und ein Meer an Informationen erschlossen hätte. Auch wieder anhand vieler Fallbeispiele wurde gezeigt, welche Informationen über die Lebensgewohnheiten der Menschen nur mit der Information über die Dicke der Hautfalten gewonnen werden können. Unterschiede zwischen dem rechten und dem linken Bein deuten u.a. auf Dysbalancen hin, eine im Vergleich zu den übrigen Messungen dicke Falte am Bauch auf regelmässig spätes Essen (Da der Stoffwechsel abends und nachts anders arbeitet, wird abends zugeführte Energie eher im Bauchraum gespeichert).
Was gibt es sonst noch zu erwähnen? Einige Stichpunkte die mir im Gedächtnis geblieben sind:
- Bei der Frage nach veganer Ernährung im Nachwuchssport hat Herr Hösli gesagt: "Irgendwann wird er sich entscheiden müssen, vegan oder Leistungssport."
- Es gibt keine sinnvollen Diäten, low carb, high fat, Säuren-Basen, Paleo, alles Quatsch. Natürlich können diese Strategien im Einzelfall durchaus und für eine begrenzte Zeit zielführend sein, niemals aber für Alle unter allen Umständen.
- Kohlenhydrate sind weder gut noch böse. Wenn der Körper Zucker benötigt, muss man ihm Zucker geben.
- Im Training oder im Rennen ist ein Mars genauso gut wie ein High-Tech Energie Riegel. Der Körper braucht Zucker, Mars hat ne Menge Zucker, alles prima.
- Pasta, Weltklasse wenn man es zum richtigen Zeitpunkt ist.
- Zu jedem Mittagessen gehört ein Dessert
- Mit dem falschen Essen und auch zu wenig Essen kann man seinen Körper kaputt machen. Das kann sich darin äussern, dass der Stoffwechsel so am Boden liegt, dass keine Energie mehr bereitgestellt werden kann und man immer schlapp, müde und abgespannt ist.
- Kohlenhydrate sind weder schlecht noch gut, genauso wie Gluten, Lactose, Fructose oder rotes Fleisch und fette Würste.
- Tagsüber genug essen um nicht Abends alles nachholen zu müssen, wenn man dem Hunger irgendwann nicht mehr standhält.
- Supplemente sind nicht notwendig! Punkt!
- Zu Stoffwechselkursen mit Globulis: Schallendes Lachen (fast).
- Am Abend sollte der Genuss die Qualität, nicht die Menge sein.
- Training beginnt mit dem Essen
- Training mit mehr Kohlenhydraten fühlt sich weniger intensiv an
Auf der anderen Seite ist es ganz einfach. Mein Vater sagt seit je her: "Alles mit Maß und Ziel!" Und, das möchte ich ergänzen, mit gesundem Menschenverstand! Genauso wenig wie ein bestimmtes Intervalltraining für alle Sportler empfehlenswert ist, kann eine bestimmte Ernährungsweise für alle das "Non Plus Ultra" sein. In diesem Sinne: Guten Appetit!
Links:
Homepage Jürg Hösli, insbesondere zu empfehlen der Blog, zum Beispiel hier zur Frage was gesunde Ernährung überhaupt ist oder hier zu Zucker
Dienstag, 1. März 2016
SMO2 - Sauerstoffsättigung
Nach einigen Posts über den BSX Insight in denen es um die Funktionsweise des Gerätes und die Handhabung der Daten ging möchte ich heute einen genaueren Blick auf die Sauerstoffsättigung an sich werfen, den Parameter, den der BSX misst. Falls ich mich dabei unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten ungenau oder falsch ausdrücke hoffe ich auf Eure Nachsicht und bitte ausdrücklich um konstruktive Anmerkungen in den Kommentaren. Los gehts, ich versuche mein Bestes:
Die verwendete Technologie zur Messung der Sauerstoffsättigung ist nichts Neues. Nahinfrarotspektroskopie wird in der Medizin schon seit 30 Jahren verwendet:
"Das nahinfrarote Spektrum des Lichtes wird verwendet, weil zwischen 650 nm und 1000 nm das Licht besonders gut durch Gewebe hindurchgeht und somit eine Analyse von tieferen Gewebeschichten ermöglicht wird. Messungen des Sauerstoffgehaltes, Blutvolumens und Blutflusses von Gewebe basieren darauf, dass der rote Blutfarbstoff Hämoglobin, der der Hauptsauerstofftransporteur im Körper ist, seine Farbe mit dem Sauerstoffgehalt ändert. Somit kann anhand der Lichtdurchlässigkeit des Gewebes (je mehr Blut im Gewebe, desto weniger Licht geht hindurch) die Hämoglobin- bzw. Blutkonzentration bestimmt werden und anhand der Farbe der Sauerstoffgehalt." (Wikipedia)
Nachdem der Sauerstoff von den roten Blutkörperchen zu den Muskelzellen transportiert wurde, wird er von dem Muskelprotein Myoglobin zwischengespeichert und zur tatsächlichen Verwendung in den Muskelzellen bereitgehalten.
Die Messung des Sauerstoffgehaltes schließt dabei sowohl das Hämoglobin als auch das Myoglobin ein, ohne das eine Differenzierung möglich wäre. Das Ergebnis der Messung ist das aktuelle Verhältnis der Summe aus gesättigtem Hämoglobin und Myoglobin gegenüber der Summe aus ungesättigtem Hämoglobin und Myoglobin in der Muskulatur unmittelbar unterhalb des BSX. Das Verhältnis an sich lässt keine Aussage darüber zu, ob ein Rückgang der Sättigung an einem erhöhten Sauerstoffverbrauch oder an einem Rückgang der "Anlieferung" liegt. Wenn zum Beispiel ein Arm abgebunden wird, nimmt die Sauerstoffsättigung genauso ab wie bei einer anaeroben Aktivität. Man kann das mit einem Bankkonto vergleichen: Der Kontostand gibt ja auch keine Auskunft über Einzahlungen und Abhebungen sondern stellt lediglich die Bilanz aus beiden Aktivitäten dar.
Allerdings reicht schon die Kenntnis über die Bilanz des Sauerstoffgehaltes aus, um einen einfachen Zusammenhang zu erkennen: Bei steigender Leistung der arbeitenden Muskulatur und damit steigendem Sauerstoffverbrauch nimmt die Sauerstoff-Sättigung in der Muskulatur ab. Ab dem Überschreiten der anaeroben Schwelle ist der Abfall stärker. Wenn man dies grafisch darstellt, erhält man eine Kurve die sich genau umgekehrt zur Laktatkurve verhält, die ja umso stärker ansteigt, je näher man an das Leistungsmaximum kommt.
BSX Insight spricht aus diesem Grund vom ersten "nicht-invasiven Laktatmessgerät". In gewisser Weise ist das aber nicht mehr als ein griffiger Marketingslogan. Denn auch wenn beide Kurven negativ miteinander korrelieren und ein statistischer Zusammenhang besteht, kann man von der Sauerstoffsättigung in % nicht auf den Laktatgehalt in mmol schließen. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund irreführend, als dass die bisherige Meinung über das "böse" Laktat zunehmend auf wackeligen Füßen steht. (Aktuell zum Beispiel hier)
Statt dessen muss die Sauerstoffsättigung SMO2 als eigenständiger Parameter betrachtet werden.
Obwohl wie geschrieben nur die Bilanz aus Sauerstoffanlieferung und Verbrauch gemessen werden kann, lassen sich aus der Veränderung des Sauerstoffgehaltes bei wechselnden Belastungen durchaus Aussagen über die Begrenzer der sportlichen Leistungsfähigkeit treffen. Erholt sich die Sauerstoffsättigung nach einer hohen Belastung nur langsam, könnte das ein Indiz dafür sein, dass die Leistung durch das Herzkreislaufsystem begrenzt wird. Nimmt die Sättigung während eines anaeroben Intervalls nicht entsprechend ab, spricht dies wahrscheinlich für eine muskuläre Begrenzung der Leistung. Es liegt auf der Hand, dass das Training in diesen Fällen unterschiedlich sein sollte.
Andere Anwendungsgebiete ergeben sich zum Beispiel
Links:
BSX vorher auf Unterlenker: Cutting Edge, FTP Test, Data Handling
Mehr Information findet sich bei BSX Insight und insbesondere bei Moxy
Die verwendete Technologie zur Messung der Sauerstoffsättigung ist nichts Neues. Nahinfrarotspektroskopie wird in der Medizin schon seit 30 Jahren verwendet:
"Das nahinfrarote Spektrum des Lichtes wird verwendet, weil zwischen 650 nm und 1000 nm das Licht besonders gut durch Gewebe hindurchgeht und somit eine Analyse von tieferen Gewebeschichten ermöglicht wird. Messungen des Sauerstoffgehaltes, Blutvolumens und Blutflusses von Gewebe basieren darauf, dass der rote Blutfarbstoff Hämoglobin, der der Hauptsauerstofftransporteur im Körper ist, seine Farbe mit dem Sauerstoffgehalt ändert. Somit kann anhand der Lichtdurchlässigkeit des Gewebes (je mehr Blut im Gewebe, desto weniger Licht geht hindurch) die Hämoglobin- bzw. Blutkonzentration bestimmt werden und anhand der Farbe der Sauerstoffgehalt." (Wikipedia)
![]() |
| Lichtimpulse verschiedener Wellenlänge werden durch Haut und Fettgewebe bis in die Muskulatur gesendet und von einem Detektor wieder empfangen. |
Nachdem der Sauerstoff von den roten Blutkörperchen zu den Muskelzellen transportiert wurde, wird er von dem Muskelprotein Myoglobin zwischengespeichert und zur tatsächlichen Verwendung in den Muskelzellen bereitgehalten.
Allerdings reicht schon die Kenntnis über die Bilanz des Sauerstoffgehaltes aus, um einen einfachen Zusammenhang zu erkennen: Bei steigender Leistung der arbeitenden Muskulatur und damit steigendem Sauerstoffverbrauch nimmt die Sauerstoff-Sättigung in der Muskulatur ab. Ab dem Überschreiten der anaeroben Schwelle ist der Abfall stärker. Wenn man dies grafisch darstellt, erhält man eine Kurve die sich genau umgekehrt zur Laktatkurve verhält, die ja umso stärker ansteigt, je näher man an das Leistungsmaximum kommt.
BSX Insight spricht aus diesem Grund vom ersten "nicht-invasiven Laktatmessgerät". In gewisser Weise ist das aber nicht mehr als ein griffiger Marketingslogan. Denn auch wenn beide Kurven negativ miteinander korrelieren und ein statistischer Zusammenhang besteht, kann man von der Sauerstoffsättigung in % nicht auf den Laktatgehalt in mmol schließen. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund irreführend, als dass die bisherige Meinung über das "böse" Laktat zunehmend auf wackeligen Füßen steht. (Aktuell zum Beispiel hier)
Statt dessen muss die Sauerstoffsättigung SMO2 als eigenständiger Parameter betrachtet werden.
Anders als bei der Laktatmessung die "irgendwo" am Körper vorgenommen wird, in der Regel am Ohr oder Finger, wird die Sauerstoffsättigung am arbeitenden Muskel gemessen und gibt daher viel genauer Auskunft über das, was in der Muskulatur vor sich geht. SMO2 reagiert in der Regel innerhalb von Sekunden auf eine Leistungsänderung, Puls und Laktat sind mit einem Nachlauf von etwa 20 Sekunden bzw. mehreren Minuten (deshalb wird Laktat immer am Ende einer Stufe gemessen) sehr viel ungenauer. Wie der Puls ist aber auch die Sauerstoffsättigung ein individueller Parameter, der sich von Athlet zu Athlet unterschiedlich verhält und nicht direkt vergleichbar ist.
Obwohl wie geschrieben nur die Bilanz aus Sauerstoffanlieferung und Verbrauch gemessen werden kann, lassen sich aus der Veränderung des Sauerstoffgehaltes bei wechselnden Belastungen durchaus Aussagen über die Begrenzer der sportlichen Leistungsfähigkeit treffen. Erholt sich die Sauerstoffsättigung nach einer hohen Belastung nur langsam, könnte das ein Indiz dafür sein, dass die Leistung durch das Herzkreislaufsystem begrenzt wird. Nimmt die Sättigung während eines anaeroben Intervalls nicht entsprechend ab, spricht dies wahrscheinlich für eine muskuläre Begrenzung der Leistung. Es liegt auf der Hand, dass das Training in diesen Fällen unterschiedlich sein sollte.
Andere Anwendungsgebiete ergeben sich zum Beispiel
- im Training zur Steuerung der Pausen zwischen Intervallen. Insbesondere wenn die Pausen nicht vollständig sein sollen, kann die Sauerstoffsättigung den optimalen Startpunkt des nächsten Intervalls liefern.
- zur Messung der Belastung im Training. Wie schnell erholt der Organismus sich? Wie hoch ist die Intensität.
- zur Festlegung der Leistungsfähigkeit zu Beginn des Trainings. Ich kann mir gut einen kurzen Test vorstellen, der aus der Reaktion von Puls und Sauerstoffsättigung auf eine bestimmte Last (in Watt) die Leistungsfähigkeit an diesem Tag bestimmt.
- In der Berechnung von Intensitätskennziffern.
Letztendlich geht es darum, Trainingsreize noch präziser zu setzen, genau an der Grenze dessen, was ein Sportler maximal verträgt um einen maximalen Anpassungseffekt des Organismus zu erreichen.
Das alles ist zugegebener Maßen noch relativ vage und ungenau. Es wird Jahre dauern bis die Geräte weite Verbreitung finden und Sportwissenschaftler, Trainer und Athleten Erfahrung in der Anwendung und der Interpretation der Daten gesammelt haben. Die Situation ist vielleicht mit dem Aufkommen der ersten Powermeter oder noch früher mit den ersten Pulsmessern vergleichbar. Was man damals über diese Tools und deren Anwendung wusste ist wahrscheinlich ein Witz, verglichen mit dem was wir heute aus den Daten lesen können.
Natürlich sind BSX Insight und Moxy nur weitere Werkzeuge in einem ganzen Arsenal von Hilfsmitteln zur Trainingssteuerung. Das Körpergefühl und die Erfahrung des Sportlers können damit nur ergänzt aber nie ersetzt werden.
Links:
BSX vorher auf Unterlenker: Cutting Edge, FTP Test, Data Handling
Mehr Information findet sich bei BSX Insight und insbesondere bei Moxy
Samstag, 20. Februar 2016
Science: FTP versus IAS
Eine Gruppe von angehenden Sportwissenschaftlern an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken hat sich in zwei Studien mit der Vergleichbarkeit von individuellen Anaeroben Schwelle (IAS) und des Funktional Threshold Power Wertes (FTP) bzw. der Wiederholbarkeit der entsprechenden Tests beschäftigt.
Der IAS und dem FTP liegen unterschiedliche Konzepte und Testverfahren zu Grunde. Die IAS beschreibt den physiologischen Vorgang im Körper, wenn sich Laktat Produktion und Abbau die Waage halten und wird mit einem Stufentest ermittelt. Das in Saarbrücken verwendete Protokoll steigert dabei alle drei Minuten die Leistung um 50 Watt, beginnend bei 100. Diese Tests dauern somit bedeutend kürzer als die nach dem BDR Protokoll, bei der die Leistung alle drei Minuten um 20 Watt gesteigert wird. Der FTP gibt die maximale Durchschnittsleistung über eine Stunde an und wird von einem 20 minütigen All-Out Test approximiert.
Hier habe ich schon mal ausführlicher über die Unterschiede zwischen IAS und FTP geschrieben und hier habe ich die verschiedenen Testverfahren im Selbstversuch gegenübergestellt.
Der Unterschied zwischen dem BSX Insight Stufentest einerseits und dem 20' Test andererseits betrug in meinem Versuch nur fünf Watt (288 versus 283) bzw. 1,7%.
Becker, Benzschawel und Krier kommen ebenfalls zu dem Schluss, dass zwischen IAS und FTP ein eindeutiger Zusammenhang besteht und dass das FTP Test Protokoll nach Hunter & Coggan somit eine legitime, nicht laborbasierte Methode zur Bestimmung der Trainingsbereiche darstellt.
Göhmann, Piret, Schröder und Schwan haben die Retest-Reliabilität der beiden Verfahren untersucht und kommen zu dem Ergebnis, dass beide Tests, also sowohl der IAS-Stufentest als auch der FTP-AllOut Test reproduzierbare Ergebnisse liefern. Reproduzierbare Ergebnisse bedeutet dabei, dass die Testverfahren unter gleichen Vorraussetzungen gleiche Ergebnisse liefern. Somit sind beide Verfahren dazu geeignet die Veränderung der Leistungsfähigkeit über die Zeit zu messen.
Auch bei diesem Test lagen die Ergebnisse der beiden Testverfahren eng beieinander und bestätigen die Annahme, dass der FTP Test eine ausreichende Schätzung der IAS liefert. Der Anstieg des Mittelwertes der zweiten FTP Test Serie ist größtenteils auf die verbesserte Leistung eines von sechs Probanden zurückzuführen und damit nicht unbedingt schädlich hinsichtlich der Gesamtaussage.
Der IAS und dem FTP liegen unterschiedliche Konzepte und Testverfahren zu Grunde. Die IAS beschreibt den physiologischen Vorgang im Körper, wenn sich Laktat Produktion und Abbau die Waage halten und wird mit einem Stufentest ermittelt. Das in Saarbrücken verwendete Protokoll steigert dabei alle drei Minuten die Leistung um 50 Watt, beginnend bei 100. Diese Tests dauern somit bedeutend kürzer als die nach dem BDR Protokoll, bei der die Leistung alle drei Minuten um 20 Watt gesteigert wird. Der FTP gibt die maximale Durchschnittsleistung über eine Stunde an und wird von einem 20 minütigen All-Out Test approximiert.
Hier habe ich schon mal ausführlicher über die Unterschiede zwischen IAS und FTP geschrieben und hier habe ich die verschiedenen Testverfahren im Selbstversuch gegenübergestellt.
Der Unterschied zwischen dem BSX Insight Stufentest einerseits und dem 20' Test andererseits betrug in meinem Versuch nur fünf Watt (288 versus 283) bzw. 1,7%.
Becker, Benzschawel und Krier kommen ebenfalls zu dem Schluss, dass zwischen IAS und FTP ein eindeutiger Zusammenhang besteht und dass das FTP Test Protokoll nach Hunter & Coggan somit eine legitime, nicht laborbasierte Methode zur Bestimmung der Trainingsbereiche darstellt.
Göhmann, Piret, Schröder und Schwan haben die Retest-Reliabilität der beiden Verfahren untersucht und kommen zu dem Ergebnis, dass beide Tests, also sowohl der IAS-Stufentest als auch der FTP-AllOut Test reproduzierbare Ergebnisse liefern. Reproduzierbare Ergebnisse bedeutet dabei, dass die Testverfahren unter gleichen Vorraussetzungen gleiche Ergebnisse liefern. Somit sind beide Verfahren dazu geeignet die Veränderung der Leistungsfähigkeit über die Zeit zu messen.
Auch bei diesem Test lagen die Ergebnisse der beiden Testverfahren eng beieinander und bestätigen die Annahme, dass der FTP Test eine ausreichende Schätzung der IAS liefert. Der Anstieg des Mittelwertes der zweiten FTP Test Serie ist größtenteils auf die verbesserte Leistung eines von sechs Probanden zurückzuführen und damit nicht unbedingt schädlich hinsichtlich der Gesamtaussage.
Samstag, 20. Juni 2015
Science! Ich war an der Uni.
Diese Woche habe ich eine Veranstaltung der Sportmedizin der Universität des Saarlandes in Saarbrücken besucht. Dozent der externen Vortragsreihe war Dr. Yann le Meur vom INSEP Paris. Dr. le Meur ist einem breiteren Publikum vor allem durch seinen Twitter Channel und die Infografiken zu sportwissenschaftlichen Fragen bekannt.
Thema des Vortrages war:
Thema des Vortrages war:
Is Overloading necessary to reach optimal training effects?
Was ist damit gemeint? Um im Sport besser zu werden, geht man üblicherweise davon aus, dass es notwendig ist einen Trainingsreiz zu setzen der über das aktuelle Leistungsvermögen des Körpers hinausgeht. Nur dadurch wird, so die Lehrmeinung, die sogenannte Superkompensation provoziert: Eine starke Ermüdung, bei der die Form zunächst unter das Niveau vor dem Trainingsreiz absinkt, dann aber im Zuge von Anpassungserscheinungen im Körper auf ein höheres Niveau ansteigt. Etwa so:
Dr. Le Meur hat nun die Frage gestellt, ob der Trainingsreiz auch geringer ausfallen kann, ohne den Abfall der Leistung nach dem Trainingsblock, um die gewünschte Verbesserung der Leistungsfähigkeit zu erreichen.
Das Resultat des Trainingsreizes wird dazu in vier Kategorien eingeteilt, akute Müdigkeit (Acute Fatigue, AF), funktionale Überreizung (Functional Overreaching, FO), nicht funktionale Überreizung (non functional Overreachung, NFO) und Übertraining (Overtraining, OT).
Die Ergebnisse der unteren Reihe, NFO / OT sind nicht gewünscht und hier von keinem weiteren Interesse.
Wie unterscheiden sich nun Acute Fatigue (AF) und das Functional Overreaching (FO)?
Acute Fatigue / Akute Müdigkeit:
- Hohe empfundene Müdigkeit
- Kein Leistungsabfall nach einer 24/36 Stunden Erholungsperiode
- Leistungsanstieg (Superkompensation)
Functional Overreaching / Funktionale Überreizung:
- Sehr hohe empfundene Müdigkeit
- Kurzfristiger Leistungsabfall
- Ausgleich des Leistungsabfall benötigt längeren Zeitraum von einigen Tagen bis zu einigen Wochen
- Leistungsanstieg (Superkompensation)
In beiden Fällen führt kein Weg an einem harten und konsequenten Training vorbei. Es gibt keine (legale) Abkürzungen auf dem Weg zur Verbesserung einer sportlichen Leistung. Ob man allerdings so tief gehen muss, dass die Leistungsfähig einbricht, um die anschließende Superkompensation zu erreichen, wurde von Dr. Le Mehr in Frage gestellt und in verschiedenen Studien überprüft.
Dabei gab es drei Gruppen von Teilnehmern, eine Vergleichsgruppe die nur ein leichtes, moderates Training durchführte ohne das Ziel einer Leistungssteigerung, eine AF und eine FO Gruppe.
Stark verkürzt lassen sich die Ergebnisse folgendermaßen zusammenfassen:
- Gruppe FO konnte keine Leistungssteigerung gegenüber der Vergleichsgruppe erzielen
- Gruppe AF erreichte dagegen ein höheres Leistungsniveau
- Die Anfälligkeit für Krankheiten war in Gruppe FO erhöht
- Der Schlaf in Gruppe FO war beeinträchtigt
Soweit die Studie, was bedeutet das nun für die Praxis? Zunächst, jeder Sportler ist anders und reagiert anders auf Trainingsreize. Ergebnisse Sport-wissenschaftlicher Studien sind keine Eins zu Eins Handlungsanweisungen sondern nur Empfehlungen, die mit Bedacht und Augenmaß anzuwenden sind. In diesem Fall bedeutet es dass Weniger mehr sein kann und man zwar hart trainieren muss, es aber auch übertreiben kann. Soweit keine Überraschung.
Welcher Trainingsreiz dabei gerade noch die AF auslöst und was schon in die FO Kategorie fällt, erfordert einiges an Erfahrung und lässt sich zum Beispiel mit der Trainingsload Funktion berechnen, die aus der Intensität und Dauer jedes Trainings eine Kennzahl berechnet. Idealerweise werden auch die Daten eines Powermeters berücksichtigt. Das ganze kann man dann grafisch darstellen. Bei Strava zum Beispiel (nur Premium Accounts) nennt sich das Fitness and Freshness Analysis. Hier mein Chart:
Für die verschiedenen Kennzahlen gibt es statistisch optimale Werte. Je nach Konstellation kann man dann wieder anfangen zu trainieren oder lässt es besser ruhiger angehen, wasThema für einen eigenen Post ist. Die Erkenntnisse von Dr. Le Meur bedeuten hier, dass man versuchen sollte die Belastung der Trainingsblöcke zu reduzieren und nach einer kurzen Pause schon wieder so regeneriert ist, dass man mit dem nächsten Trainingsblock fortfahren kann. In dem "klassischen" Modell der Superkompensation setzt man den Trainingsreiz höher an, benötigt aber auch eine längere Pause und hat ein höheres Krankheitsrisiko und Verletzungsrisiko und keine Gewähr ein höheres Leistungsniveau zu erreichen.
Links:
Dr. Le Meurs Blogspot Page in diesem Zusammenhang workhard-fatigue-training-overreaching
Abonnieren
Posts (Atom)

















