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Donnerstag, 22. März 2018

Saarlandmeister-Trikot

2018 werden die Saarlandmeister nicht nur mit Medaille, Urkunde und Blumen geehrt, sondern erstmals auch mit einem Meister-Trikot! In den Verbandsfarben und mit Wappen, für alle Altersklassen von den Nachwuchsfahrern bis zu den Senioren und in allen Disziplinen auf der Straße (Zeitfahren, Straße, Berg) und im Gelände (CC, Trial, Cross).

Finanziert werden die Trikots von zwei Sponsoren. Die Straßenfahrer werden den il DIAVOLO Schriftzug von Alberto Kunz' teuflischem Radladen auf der Brust tragen, die Stollenreifenfraktion den von Radsport Sieber.

Die Sieger bekommen auch nur genau ein Trikot. Es gibt, auch gegen Geld, keinen Nachschub zu kaufen und erst recht gibt es die Trikots nicht im Merchandising Shop des Saarländischen Radfahrerbundes. Anders als das Regenbogentrikot oder das des Deutschen Meisters wird man das Saarlandmeister-Trikot also in der Tat nur gewinnen können. 



Stellt sich noch die Frage, ob man die Trikots denn tragen muss. Für die der nationalen Meister gibt es ja sehr genaue Regeln und auch die Pflicht diese anziehen. In der  Sportordnung des Bundes Deutscher Radfahrer heißt es dazu in Paragraf 4.7.3 "Tragen von Meistertrikots", Absatz 6 "Meistertrikots von Landesverbänden":  "Geben Landesverbände bei ihren LV-Meisterschaften Meistertrikots aus, dürfen sie in der jeweiligen Disziplin bei allen Veranstaltungen des BDR- und aller LV-Kalender getragen werden." Dürfen ist bekanntlich nicht müssen. Letztendlich ist es also jedem Fahrer freigestellt, das Trikot zu tragen. Aber hey, Meistertrikot ist Meistertrikot, auch wenn es "nur" dass des Saarlandmeisters ist. 

Links:

Freitag, 8. September 2017

Gegen die Uhr und gegen den Berg

Die Radlerfreunde Homburg haben am ersten Samstag im September bereits zum vierten Mal die offene Landesverbandsmeisterschaft im Bergzeitfahren ausgerichtet. Starten durften Fahrer aus allen Verbänden, Meistertitel gab es aber nur für die Sportler aus dem Saarland und Rheinland-Pfalz. Da war es mehr als passend, dass der Start auf saarländischer Seite in Homburg erfolgte und das Ziel in Käshofen in Rheinland-Pfalz war.



Die Strecke ist jetzt nicht unbedingt das, was man unter einem richtig schlimmen Berg erwartet, bevorzugt damit aber auch nicht die reinen Kletterer. Es wird nie richtig steil, die Steigung schwankt meist um fünf Prozent, zu Beginn sind es auch mal sieben Prozent, am Schluss etwas weniger.  Die Abfahrt unterteilt die Strecke in drei Sektionen: Start und 1. Steigung / Abfahrt / 2. Steigung und Finale. Die besten Fahrer brauchen zwischen 9:30 und 10:30. Zwei Drittel der 90 Fahrer der langen Strecke blieb unter 12 Minuten (U13 und jünger fuhr nur den ersten Anstieg). 


Zehn Minuten gegen die Zeit. Wie teilt man ein solch kurzes Rennen am besten ein? Soll man so schnell starten wie es geht und dann versuchen das Tempo zu halten? Oder beginnt man besser verhalten um sich zum Schluss noch steigern zu können? Und welchen Maßstab nimmt man? Die Zeit an bestimmten Punkten, die Geschwindigkeit, Puls, Belastungsempfinden RPE (also Gefühl) oder die Leistung? 
  • Zeitmarken an einem bestimmten Punkten der Strecke funktionieren am besten, wenn man die Strecke schon oft gefahren ist und damit genug Vergleichswerte hat. Zwischen den Punkten hat man dann aber nur eine ungefähre Ahnung ob man sich "auf Kurs" befindet und vor oder nach der avisierten Zeit liegt.
  • Eine kontinuierliche Information liefert die aktuelle Geschwindigkeit. Diese muss aber an die sich jeweils ändernde Steigung anpasst werden. In der 7% Passage etwas langsamer als in den 5% Passagen, am Schluss etwas schneller. Somit kann die Geschwindigkeit nur ein grober Anhaltspunkt sein.
  • Der Puls als einziger Richtwert verleitet leicht zu einem zu schnellen Start, da die Herzfrequenz auf Leistungsänderungen mit etwa 20 bis 30 Sekunden Verzögerung reagiert. Daneben hängt der Puls auch von der Tagesform ab. Aus nicht immer nachvollziehbaren Gründen schlägt das Herz bei gleicher Belastung mal schneller oder langsamer. Versucht man nun unbedingt einen bestimmten Wert zu erreichen, kommt aber nicht heran, überzieht man. Treibt hingegen die Nervosität den Puls in die Höhe, wird man vielleicht zu langsam fahren und unter seinen Möglichkeiten bleiben.
  • Ein Pacing nur nach dem Belastungsempfinden, also ohne weitere Infos vom Radcomputer, erfordert viel Erfahrung, ist dann aber sehr flexibel was die äusseren Einflüsse und die Tagesform anbelangt. Allerdings muss man auch hier aufpassen am Anfang nicht zu überziehen. Das richtige Maß zwischen "angenehmem Tempo" und "ich kann nicht mehr" ist in den ersten Minuten schwer zu finden.
  • Der genauste Parameter ist ohne Frage die Leistung. Egal ob die Steigung variiert oder der Wind aus einer anderen Richtung kommt als im Training, egal ob die Nerven den Puls nach oben treiben oder die leichten Rennlaufräder etwas mehr Geschwindigkeit zulassen, die Wattzahl zeigt genau an was unser Körper gerade leistet. Allerdings unterliegt auch die Leistung der Tagesform und muss durch das Belastungsempfinden "kalibriert" werden.
Aber machen wir uns nichts vor, über Erfolg und Misserfolg entscheidet neben Talent, hartem Training und gutem Material in erster Linie die Fähigkeit sich zu quälen und das Letzte aus sich herausholen zu können. Egal wie man ein Zeitfahren angeht, irgendwann kommt der Punkt an dem jede Faser des Körpers nur noch darum winselt, dass es endlich vorbei ist. Die einzige Pacing-Strategie, die die Schmerzen wirkungsvoll verhindert, ist langsam zu fahren. Will man aber sein Bestes geben, steht schon am Start fest, dass es weh tun wird. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum nur Wenige Zeitfahren mögen.

Mein Anhaltspunkt sollte meine maximale 10 Minuten Leistung sein. Andere Informationen habe ich auf dem Garmin abgeklebt. Der Critical Power Chart in Golden Cheetah hat mir für die letzten 28 Tage einen Wert von rund 370 Watt angezeigt. Die Abfahrt sollte etwas "Erholung" zulassen, so dass die Leistung an den Anstiegen irgendwo zwischen diesen 370 und 400 Watt liegen sollte um ohne einzubrechen bis nach Käshofen zu kommen.


Der Start erfordert natürlich erstmal eine ganze Menge Watt und es dauert etwas lange, bis ich im anvisierten Bereich knapp unter 400 Watt bin. Die Durchschnittsleistung beträgt 418 Watt, ohne die Startphase von 300 Meter sind es 388 Watt.



Die Abfahrt von Kilometer 1,5 bis 2,5 ist mit 255 Watt dann fast eine Spazierfahrt (56,8 km/h, 104 rpm). Der Beginn der zweiten Steigung treibt die Leistung nochmal kurz in die Höhe bevor ich wieder meinen Rhythmus finde. Die angepeilte Leistung kann ich aber nicht ganz halten und habe am Ende einen Durchschnitt von 360 Watt und bleibe mit 10:07 knapp über der angestrebten Zeit von 10 Minuten. Interessanterweise bin ich 2014 ebenfalls eine 10:07 und 2013 eine 10:08 gefahren. Es scheint also, dass ich diesen Berg einfach nicht schneller hochfahren kann.


Zusammenhängend sieht das dann so aus:


Wie bereits 2014 habe ich mir meinen Rückstand gegen die Besten einzig in der zweiten Steigung eingehandelt. Bei Kilometer drei lag ich sogar noch zwei bzw. drei Sekunden vor Frederik Dombrowski und David Büschler, den beiden Erstplatzierten in der Elite. David ist dabei in etwa gleich schnell wie ich gestartet und hat am Ende gegen den zu Beginn deutlich langsameren Dombrowski verloren.


Das zeigt, dass es auch oder gerade bei solch einem kurzen Zeitfahren sehr wichtig ist, die Kräfte richtig einzuteilen. Natürlich wäre ich auch mit einem langsameren Start und einem schnelleren Ende nicht besser als Dombrowski gewesen, das steht außer Frage, einige Sekunden weniger, vielleicht sogar eine 10:00 wären aber vielleicht möglich gewesen. 

Genauso kann man auch einen Blick nach hinten werfen. Wenn ich meine Zeit mit der von Fahrern nach mir vergleiche wird deutlich, dass ich den Großteil meines Vorsprunges an der ersten Steigung herausgefahren habe. Danach bleibt der Abstand etwa gleich. Insofern könnte man die Renneinteilung auch als erfolgreich betrachten, da ich gegenüber diesen Fahrern am Schluss nicht eingebrochen bin.


Aber hey, wie auch immer, ich bin Saarlandmeister der Senioren 2 geworden und habe damit alle drei Goldmedaillen gewonnen, die es dieses Jahr im Saarland auf der Straße zu gewinnen gab (Straße, Zeitfahren, Berg). Kurioser Weise hätte meine Zeit auch bei der Elite zum Saarlandmeister gereicht, nicht aber bei den Junioren! Daher Glückwunsch an Jan-Eric Rinke zum Saarlandmeister-Titel aller Klassen! Bravo! Ebenfalls ein dickes Bravo an Jochen Scheibler, der mit 54 'ne menge junger Kerle deklassiert hat. Hier die Liste aller Saarländer (ohne HobbyRennen) geordnet nach Zeit:


Keine Überraschung hingegen war die tadellose Organisation durch die Radlerfreunde Homburg. Ich hoffe, dass es 2018 eine weitere Edition gibt, dann werde ich versuchen wirklich langsam zu starten! Ebenfalls lobenswert war, dass die Kampfrichter die Räder vor dem Start gewogen und somit für einen regelkonformen Wettkampf gesorgt haben. Das dies tatsächlich nötig ist, hat ein erfolgreicher Einspruch 2016 gegen ein zu leichtes Rad gezeigt. 

Mit Harry und Uwe auf dem Podest!

Der Präsident des SRB, Jörg Aumann, hat das Rennen kommentiert.

Links:
Bergmeisterschaft 2014 auf Unterlenker.com
Homepage der Radlerfreunde Homburg, dort finden sich Bilder und die Ergebnisse

Sonntag, 19. März 2017

Delegierten Versammlung des Saarländischen Radfahrerbundes

Gestern fand in Saarbrücken die Delegierten-Versammlung des Saarländischen Radfahrerbundes statt. Delegierten-Versammlung bedeutet dabei, dass alle Vereine entsprechend ihrer Mitgliederzahl Delegierte in diese Hauptversammlung senden können. Mehrere Stimmen können dabei nicht auf eine Person vereinigt werden. Hat ein Verein also zehn Stimmen, müssen auch zehn Personen erscheinen um diese zehn Stimmen wahrnehmen zu können. Für meinen Verein, den Tri-Sport Saar-Hochwald war das einfach, wir haben nur zwei Radfahrer, das entspricht einem Delegierten, also mir.

Neben den Delegierten der Vereine haben auch die Präsidiums- und die Ehrenmitglieder ein Stimmrecht. Von den Insgesamt 230 Stimmen erschienen aber lediglich 66, das sind gerade mal 27,8%. Nur 16 der 52 im SRB organisierten Vereine hatten überhaupt Delegierte entsendet. 


Über die Verbände wird ja gerne und zu allen möglichen Gelegenheiten geschimpft und in der Tat gibt es vieles, was man kritisieren kann und auch sollte. Diese Kritik anzubringen und Entscheidungen zum Besseren zu beeinflussen ist bei einer Wahlbeteiligung von unter 30% aber gar nicht so schwer und aussichtslos, wie man landläufig annimmt. 

Insgesamt hat die Liste der im SRB zu vergebenen Posten stolze 29 Einträge. Es gibt den Vorstand,  Koordinatoren und Beauftragte für alles Mögliche, Beisitzer und Kassenprüfer. Einige Positionen sind vakant. Über diese Fülle an "Pöstchen" lässt sich natürlich leicht spaßen und heisst es nicht auch, dass zu viele Köche den Brei verderben? Allerdings engagieren sich all diese Köche zu 100% ehrenamtlich in ihrer Freizeit. Anfallende Arbeit auf möglichst viele Schultern zu verteilen ist daher durchaus sinnvoll. Wer auf Verbandsebene mitreden und seine Stimme einbringen möchte, kann dies um den Preis einer in einigen Fällen minimalen Arbeitsbelastung leicht tun.


Für allgemeines Erschrecken sorgte der Bericht der Kassenprüfer, die rund 9.700 Euro Aussenstände von Vereinen gegenüber dem Verband monierten. Dabei handelt es sich wohlgemerkt nicht um jahrelang aufgelaufene Zahlungen von längst geschlossenen Vereinen, sondern um aktuell ausstehende Mitgliedsbeiträge oder Gebühren für z.B. Lizenzen. Für einen kleinen Sportverband wie den SRB ist das eine Menge Geld, die an anderer Stelle fehlt. Das hier eine entschlossenere Gangart notwendig ist, zur Not auch unter Einbeziehung rechtlicher Schritte, fand allgemeine Zustimmung.

Wie wahrscheinlich auf jeder Hauptversammlung seit Jahren kam auch dieses Jahr wieder die Rede auf die Radrennbahn, die der SRB gerne hätte. Pläne dazu gibt es schon seit langem. Und in der Tat ist eine Bahn eine tolle Sache. Ich würde direkt eine Jahreskarte kaufen, um wann immer es geht dort zu trainieren, und hey, ich könnte mir ein Bahnrad kaufen! Mein letzter Ausflug in das Oval liegt schon wieder viel zu lange zurück. Aber ganz ehrlich, so sehr ich persönlich eine Bahn im Saarland befürworten würde, wer soll dort fahren? Auch wenn sich hier die Frage nach der Henne und dem Ei stellt, so halte ich es doch für sehr unwahrscheinlich, dass eine solche Bahn eine auch nur halbwegs angemessene Auslastung erfahren würde. In dem Zusammenhang fällt es mir ja immer noch schwer zu glauben, dass eine Sanierung der Schanzenbergbahn unmöglich bzw. teurer sein soll als der komplette Neubau einer Anlage (Ich habe darüber schon mal mit dem Präsidenten des SRB gesprochen, kann mich aber nicht mehr an die angeführten Details erinnern). Alternativ könnte eine Zusammenarbeit mit dem Luxemburger Verband über die auch dort seit Jahren im Gespräch befindlichen Bahn versucht werden.

Der einzige Moment, der für etwas Aufregung während der Hauptversammlung sorgte, war die Beantragung geheimer Wahl des Sportlichen Leiters. Dessen Wiederwahl war dann auch die einzige Entscheidung des Abends, die, trotz fehlendem Gegenkandidaten, nicht einstimmig erfolgte. Hintergrund des Ganzen sind wohl Verteilungskämpfe zwischen den Mountainbiker und den Straßenfahrern. Die genaue Ursache ist dabei wahrscheinlich genauso wenig auszumachen wie im Nahostkonflikt und genauso unmöglich ist die Einteilung in Gut und Böse, auch wenn dass die Beteiligten vielleicht anders sehen. In Anbetracht des kleinen Landesverbandes und der wenigen Lizenzen, sollte es meiner Meinung nach gar keine Unterscheidung zwischen den beiden Disziplinen geben. Nachwuchsfahrer sollen beides lernen, ein MTBer kann seine Grundlageneinheiten wunderbar auf der Strasse abspulen und sich durch die Teilnahme an Strassenrennen auch sportlich weiterentwickeln. Genauso sollten Jugendliche, deren Herz für die Strasse schlägt, auf dem MTB Radbeherrschung lernen und sich auch im Gelände behaupten können (Vorbild Sagan). Von Synergien wie gemeinsamem Hallentraining etc. gar nicht gesprochen. Eine möglichst breite Ausbildung ist einer frühen Spezialisierung vorzuziehen.
Ein Weg könnte die Berufung eines einzigen, hauptamtlichen oder zumindest in Teilzeit beschäftigten Landestrainers sein, statt derzeit fünf Trainer, zwei Koordinatoren und einen sportlichen Leiter zu benennen. Ob die Mittel des SRB dazu ausreichen, kann ich nicht beurteilen. Langfristig erscheint mir dies für den sportlichen Erfolg der saarländischen Radsportler aber zielführender als etwa eine Radrennbahn. 

Links: