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Donnerstag, 23. April 2020

Gegen die Regeln

Vielleicht kennt Ihr das das auch, der Wetterbericht verspricht strahlenden Sonnenschein und frühsommerliche Temperaturen zur Mittagszeit, der Renner steht bereit, Flaschen am Rad, Reifen aufgepumpt, Kette geölt und in aller Frühe soll es los gehen auf eine ausgedehnte Runde. Allerdings, die Nacht war kalt und das Thermometer zeigt gerade so eine zweistellige Temperatur. Da besteht die Wahl aus a) zu Beginn frieren, b) am Ende schwitzen oder c) irgendwann die Trikottaschen an ihre Grenzen bringen und nicht wissen wohin mit den Armlingen, Beinlingen oder der Windweste. Denn im Trikot ist ja bereits das Telefon, eine Banane, Müsliriegel, Geld, die Luftpumpe und was man sonst noch so unterwegs braucht.

Auch oder gerade wenn es ganz und gar gegen die Regeln ist irgendwelche Taschen am Rennrad zu befestigen, kann ein gelegentlicher, gepflegter Regelbruch ganz erfrischend sein. Ein bisschen Hipster-Gravel-Style im konservativen Rennrad-Business. Ein Kontrapunkt im aerodynamisch geformten Einerlei. Denn es kommt ja nicht immer auf das letzte Quäntchen Performance an.

Bisher habe ich meine Transportprobleme meist gelöst, in dem ich Arm- und Beinlinge bei steigenden Temperaturen mit dem Halstuch an den Vorbau gebunden habe oder auch unter den Sattel, was beides nicht wirklich elegant ist. Da stellt sich die Frage: Warum eigentlich keine Tasche? Meine Suche nach "kleine Lenkertasche Rennrad" hat mir leider nicht viele brauchbare Ergebnisse geliefert. Der Bar Bag von Rapha erschien mir etwas zu groß, schwarz war ausverkauft und überhaupt, Rapha ist sicher ausgezeichnet, aber schon lange nicht mehr hip. Die einzige Tasche, die mir zusagte, war der Burrito Bag von Road Runner. Für meinen Zweck die richtige Größe (Volumen 1 Liter, 20 cm lang, 8 cm im Durchmesser), mit Klettverschlüssen einfach zu befestigen, robust und in unauffälligem schwarz. Voilà: geklickt, bestellt, geliefert und montiert. Ob die Tasche an ein Rennrad gehört oder sogar gut aussieht, darüber kann man natürlich geteilter Meinung sein. Praktisch ist sie aber auf jeden Fall und die vergleichsweise zurückhaltendste Variante, wenn es denn eine Tasche sein soll.


Die Griffmöglichkeiten am Oberlenker werden durch die Tasche nur minimal eingeschränkt.


Die Tasche während der Fahrt zu öffnen ist möglich, aber nicht empfehlenswert. Zu schnell fällt etwas raus. Ohne Computer vor dem Lenker kann man die Tasche aber nach oben drehen, so dass die Öffnung nicht nach vorne, sondern nach oben zeigt, dann lässt sich auch während der Fahrt auf den Inhalt zugreifen.



Das hat alles ohne Probleme in die Tasche gepasst. Ohne Banane, die ja nicht gerne gedrückt wird, wäre noch deutlich mehr reingegangen. 


Die Klettverschlüsse auf der Oberseite können auch eng montiert werden. Die Schlaufe auf der Rückseite ist zur Befestigung am Steuerrohr, wobei das nicht unbedingt notwendig ist.



Montag, 23. Juli 2018

Unterlenker On Air

Heute war ich in Saarbrücken auf dem Halberg und dort zu Gast bei SR2 KulturRadio. Moderator Roland Kunz hat mit mir über "Die Regeln" gesprochen, das kürzlich im Covadonga Verlag auf Deutsch erschienene Buch mit den 95 Velominati Radsportregeln.

Ich habe es mir nicht nehmen lassen für das nur wenige Minuten dauernde Gespräch extra nach Saarbrücken zu fahren. Wenn ich schon mal ins Radio komme, dann will ich auch richtig ins Radio und das Aufnahmestudio von innen sehen und nicht nur telefonieren. Telefonkonferenzen habe ich auf der Arbeit schließlich genug. Auf dem Weg hoch zum Halberg war die Tour de France Bemalung auf der Straße unübersehbar. Das wurde bestimmt für einen schicken Trailer zur Tour verwendet. Vielleicht kennt ihr das aus dem Fernsehen? Das Logo und all die Schrift auf der Straße ist also nicht an einem Anstieg in den Alpen oder kunstvoll virtuell erzeugt, sondern ganz profan in Saarbrücken!



Der Moderator der Sendung hat mich dann schon am Eingang erwartet, es ging ruck-zuck ins Studio, auf dem Weg Shake-Hands mit der Redakteurin und bevor ich überhaupt richtig Luft holen konnte, war die Aufnahme am laufen, die Anmoderation gesprochen und die erste Frage zu beantworten. Ich hoffe ich habe mich ganz gut geschlagen. Beim Schreiben hier im Blog hat man ja immer die Möglichkeit den Text nochmal zu ändern, umzuformulieren, einen Gedanken herauszuarbeiten und präziser darzustellen, wovon ich auch immer reichlich Gebrauch mache. Viele Sätze hier sind mindestens zwei mal geschrieben, oder auch drei oder viermal. Oder werden gelöscht und von vorne begonnen. Im Radio ist das nicht so einfach. Was gesagt ist, ist gesagt. Zumindest war es nicht live und ich hoffe, dass die Redakteurin, die den Beitrag schneidet, genug Verwertbares findet.

Interessant war, wieviel Arbeit hinter so einem Einspieler von wenigen Minuten steckt. Die Redakteurin wurde auf das Velomiati-Buch aufmerksam und versuchte Rainer Sprehe, den Verleger und Übersetzer der deutschen Ausgabe, für ein Gespräch zu gewinnen. Aufgrund von Termin Schwierigkeiten kam dies aber nicht zustande. Herr Sprehe hat allerdings auf den Artikel über das Buch hier im Blog verwiesen. So kam ich ins Spiel. Es folgten weitere Telefonate und eine Terminvereinbarung. Der Moderator bekam ein ausführliches Briefing und Fragen. Das Gespräch wurde aufgezeichnet und wird anschließend nochmal geschnitten, umgestellt und was auch immer die Technikkünstler damit anstellen. Morgen nachmittag geht es dann auf Sendung. Und das alles wird von den paar Euro GEZ Gebühren bezahlt. Nicht schlecht!

Zu hören sein wird der Beitrag morgen nachmittag, dem 24. Juli, zwischen 13 und 17 Uhr auf SR2 KulturRadio. Hier geht es zum Livestream

Wenn es den Beitrag auch später in der Mediathek gibt, werde ich das hier verlinken (oder auch nicht wenn ich mich selber ganz furchtbar finde).

Update 24.07.2018:


Der Blogger auf der linken Seite mit einem klaren Verstoß gegen Regel 50 (Bart!)
rechts Moderator Roland Kunz

Samstag, 30. Juni 2018

95 Regeln - Der Kodex für Radsportjünger

Eines der faszinierenderen Dinge am (Straßen-) Radsport sind die unzähligen Details und Traditionen, die sich über mehr als ein Jahrhundert entwickelt haben und das Erscheinungsbild und die Verhaltensregeln prägen. Ob man sich selbst nun als überzeugten Radsportjünger betrachtet, der die Regeln als die reine Lehre sieht oder ob man das Alles für ausgemachten Quatsch hält ist ein Frage des Selbstverständnisses als Radfahrer. Denn natürlich kann man ganz wunderbar Rad fahren mit Sandalen und Flat-Pedals, mit unrasierten Beinen, mit Kniestrümpfen, mit einem dreckigen Rad, mit einer Satteltasche, mit einem TdF-Replica Trikot oder mit bunten oder sogar weißen Radhosen. In diesem Fall hat man wahrscheinlich aber auch nicht das geringste Verlangen zu der Gruppe der Radsportjünger dazu zugehören und die Regeln dieser versnobten Wannabe Anquetil-Merckx-Hinault's können einem gestohlen bleiben. Diejenigen, denen die Traditionen des Straßenrennsports etwas bedeuten, finden in den 95 Regeln die Niederschrift der Dos and Don't des Radfahrens auf schmalen Reifen.


Nun kann man dem Wortlaut der Regeln sklavisch folgen und sich als spaßfreier Fundamentalist zu erkennen geben oder die Regeln als Leitlinie betrachten, von der man ab und an und mit einem Augenzwinkern auch mal bewusst abweichen kann.

Als ich 2013 zum ersten mal auf die Velominati und die Regeln aufmerksam wurde, war das allermeiste, was diese Amerikaner da aufgeschrieben hatten, für mich schon immer eine Selbstverständlichkeit. In der Tat habe ich den Radsport so gelernt. Schaut euch mal das Bild auf der "Worum es geht" Seite an, entstanden ist es lange bevor es die Velominati überhaupt gab.

  • Regel #14 // Radhosen sollen schwarz sein - check
  • Regel #22 // Radmützen sind fürs Radfahren - check
  • Regel #26 // Mach dein Rad fotogen - check
  • Regel #27 // Hosen und Socken sollten die perfekte Länge haben (nun ja, die Socken sind in der Tat etwas kurz) - trotzdem check
  • Regel #28 // Socken müssen weiß sein - check
  • Regel #36 // Verwende nur richtige Radbrillen - check
  • Regel #45 // Vorbau runter - check
  • Regel #46 // Lenker waagerecht - check
  • Regel #50 // Gesichtsbehaarung ist im Zaum zu halten (damals war das noch einfacher) - check
  • Regel #53 // Halte deine Kleidung sauber und in Schuss - check
  • Regel #60 // Entferne die Staubkappen (auf den Ventilen) - check
  • Regel #65 // Pflege und respektiere deine Maschine - check
  • Regel #73 // Bremszüge sind auf optimale Länge zu kürzen - check
  • Regel #78 // Entferne unnötige Ausrüstung (2. Flaschenhalter ist ab) - check
  • Regel #80 // Sei immer und überall nonchalant - check
  • Regel #90 // Bleibe auf dem großen Blatt - check
Und das sind jetzt nur die Regeln, die man sehen kann. Natürlich ist es eine Selbstverständlichkeit den Ball flach zu halten ("ich bin total außer Form") (#81), vernünftig zu trainieren (#71), die Linie zu halten (#59), das Tempo nicht ruckartig zu verschärfen (#88), nicht das Rad vorzustrecken (no Halfwheeling) (#86), den Müll nicht in die Landschaft zu werfen (#77) und dass man seine Platten selber flicken kann (#83).

Andererseits gibt es auch Regeln, die ich inzwischen als unpraktisch ansehe oder die totaler Quatsch sind. So ist mein Ersatzschlauch nicht mehr immer im Trikot, sondern in einer kleinen Tasche unter dem Sattel (#31). Bei Radmarathons habe ich die Minipunmpe am Rad (#30), im Training fahre ich oft mit Kopfhörern (#62), esse auch was bei Trainingsrunden unter vier Stunden (#91) und fahre bei Regen mit Schutzblechen am Rad. Die N+1 Geschichte (#12) und die ganzen "Harter Hund beisst die Zähne zusammen und das Rad ist wichtiger als die Familie" Punkte (#4, #5, #9, #10, #11, #12) sind offensichtlich nicht ganz ernst zu nehmen, sondern spielen mit dem nicht zu leugnenden Spleen vieler Radfahrer zu immer mehr Fahrrädern und ihrer Glorifizierung der eigenen und fremden Leiden auf dem Rad.

In jedem Fall ist die Lektüre kurzweilig, sorgt für den ein oder anderen Lacher und Gesprächsstoff bei er nächsten Ausfahrt, wenn man sich gegenseitig die Regelverstöße vorhalten kann.

Alle Regeln kann man auf der Homepage der Velominati in Englisch oder seit diesem Jahr auch in Deutsch mit ausführlicher Begründung aller Regeln in dem im Covadonga Verlag erschienen Buch nachlesen. Das Taschenbuch hat gut 300 Seiten und kostet 14,80 Euro, die Kindle Version 9,99 Euro.

Die Original Ausgabe habe ich 2013 (wie die Zeit vergeht) schon mal hier im Blog vorgestellt: Regeln Regeln Regeln.

Das Buch wurde mir vom Covadonga Verlag zur Rezension zur Verfügung gestellt. Dafür vielen Dank.

Links:
Covadonga Verlagsseite zu "Die Regeln"
Velominati Homepage (Nicht zu verwechseln mit der .de Seite gleichen Namens, zu der ich mich hier jeden Kommentars enthalte)

Sonntag, 24. Mai 2015

Obey the Rules!

Diese Woche gab es beim Giro d'Italia einige Aufregung um eine Zwei Minuten Zeitstrafe für Richie Porte, einen der Favoriten auf den Gesamtsieg des Giro. Für die, die es nicht verfolgt haben, das ist passiert: Im Finale der zehnten Etappe am 19. Mai hatte der Australier bei der fünf Kilometer Marke einen Plattfuß am Vorderrad. Weder seine Mannschaftskollegen noch der Team-Sky Mannschaftswagen und auch nicht der neutrale Materialwagen waren sofort zur Stelle. Wohl aber Simon Clarke, ebenfalls ein Australier und ein Freund von Richie Porte. Und was macht man unter Freunden, wenn der Andere in Not ist? Natürlich, keine Frage, man hilft sich. Gerrans ist kein Fahrer mit Ambitionen im Gesamtklassement und kann daher einige Minuten Zeitverlust leicht verschmerzen, im Gegensatz zu Porte, für den jede Sekunde zählt(e). Schnell war das Vorderrad gewechselt, Clarke hat Port angeschoben, inzwischen waren auch einige Sky Fahrer zur Stelle und mit vereinten Kräften ging es dem jagenden Feld hinterher.

Dummerweise fährt Clarke aber für Orica GreenEdge und nicht für Sky, was aus dem Freundschaftsdienst eine unerlaubte Hilfestellung macht. Das Reglement ist in diesem Punkt sehr eindeutig, in Paragraph 2.3.012 heißt es:
All riders may render each other such minor services as lending or exchanging food, drink, spanners or accessories. The lending or exchanging of tubular tyres or bicycles and waiting for a rider who has been dropped or involved in an accident shall be permitted only amongst riders of the same team. The pushing of one rider by another shall in all cases be forbidden, on pain of disqualification. 
Nachdem die Geste als Akt der Freundschaft und der Fairness gefeiert wurde und als Beweis herhalten musst, was für ein großartiger Sport der Radsport ist, wo selbst "Konkurrenten" einander in der Not helfen war der Aufschrei um so größer, als die Jury Porte und Clarke mit je 200 SFR Geld- und zwei Minuten Zeitstrafe belegte.




Warum gibt es diese Regel? Ganz einfach, Radsport ist ein Mannschaftssport. Der Fahrer, der in der entscheidenden Phase des Rennens noch mehr Helfer hat, ist in der besseren Position. Er kann das Rennen besser kontrollieren, hat mehr Fahrer die Lücken schließen können, die ans Auto zurückfahren können um Flaschen zu holen und die im Notfall das Rad tauschen können. Es kommt immer wieder vor, dass Allianzen zwischen Mannschaften geschlossen werden oder dass man gegen Geld anderen Mannschaften hilft, dass nennt sich dann Combine und ist natürlich verboten. Nachzuweisen ist es schwierig, weshalb es selten gelandet wird.

Der nächste Punkt ist, das Clarke und Porte keine Konkurrenten sind. In einer Rundfahrt gibt es viele Rennen, um Tagessiege, um Wertungstrikots und um den Gesamtsieg. Clarke fährt um Tagessiege, Porte um den Gesamtsieg. Wenn Clarke anhält und Porte hilft, ist das etwas ganz anderes als wenn Contador auf Porte warten würde, bis der sagen wir auf einer Bergetappe nach einem Defekt wieder aufgeschlossen hat. Als Ullrich 2003 bei der Tour auf Armstrong wartete als dieser gestürzt ist, das war fair (allerdings, siehe 2.3.012, nicht erlaubt). Ullrich und Armstrong waren direkte Konkurrenten. Clarke im Gegensatz hatte ja nichts zu verlieren, er befand sich sozusagen in einem anderen Rennen.

Wir wissen natürlich nicht, ob Clarke auch für Aru oder Contador angehalten hätte, ich bezweifle es aber stark. Und das lässt vermuten, das es eben keine faire Geste war.

Jetzt kann man zu dem ganzen durchaus anderer Meinung sein und ich kann mir vorstellen, dass niemand Protest eingelegt hätte, wenn Porte damit durchgekommen wäre. Wie jedes gesellschaftliche Zusammenleben benötigt auch der Sport klare Spielregeln. Nicht alle Gesetzte und Regeln mögen uns sinnvoll erscheinen, solange sie aber gültig sind, müssen wir uns daran halten, oder uns zumindest nicht erwischen lassen.

Bei all den Marginal Gains erstaunt es mich am meisten, dass Porte und Clarke das Reglement, die Grundlage auf der sie ihren Beruf ausüben nicht kennen. Bei jedem Kirmesrennen heisst es am Start: "Jeder Fahrer fährt auf eigene Rechnung und Gefahr, gefahren wird nach der Sportordnung des Bunds Deutscher Radfahrer, ...". Und selbst wenn man sich als Richie Porte die Paragrafen zur Presse Akkreditierung (2.2.039 ff), die Formvorschriften der Meldelisten (2.2.087) oder die Regeln zu Frauen und Kontinentalteams (2.17.001) schenke, dann muss ich als Berufsradsportler doch wenigsten den Abschnitt lesen, der mit "Rights and duties of riders" überschrieben ist.

Regeln sind Regeln und die sind einzuhalten. Sicherlich wird schon mal das ein oder andere Auge zugedrückt, aber in dem Fall? Wie wir inzwischen wissen, war "Wheel-Gate" ohnehin nur der Beginn einer Pechsträhne und die zwei Minuten ohne Belang.

Welche Autorität hätte ein Kommisär, der einen solch gravierenden und unter Umständen Renn entscheidenden Verstoß nicht ahndet?

Nein, je länger ich darüber nachdenke, der Radtausch zwischen Clarke und Porte war weder fair noch sportlich und wurde völlig zu recht geahndet.

Mehr dazu:
Ein hervorragender Artikel (wie immer) auf inrg.com: "The Do's and Don'ts of Racing"
Ein Interview mit Herrn Cookson, dem Präsidenten der UCI auf VeloNews
Hier gehts zu den UCI Reglements, hier das Reglement für die Straße.

PS.: Ich gehe davon aus, dass jetzt alle Sky Fahrer das Reglement büffeln und von Sir David Brailsford abgefragt werden!

Freitag, 18. April 2014

Silence - Rule #65

Wenn mein Rad irgendwelche Geräusche macht, abgesehen vom Surren der Kette, macht mich das ja wahnsinnig. Fast. Da fehlt nicht viel und ich bleibe lieber zu Hause als mit einem knackenden Rad zu fahren. Vor einigen Tagen hat es angefangen, zunächst gar nicht so viel, dann aber mehr und ständig.

Knack - Knack - Knack. Im Sitzen, im Wiegetritt, beim Treten, beim Rollen. Bestimmt die Carbonlaufräder. Also Carbon raus und Alu rein. Immer noch. Knack - Knack - Knack. Scheint vorne zu sein. Kann sich aber auch übertragen und von wo ganz anders kommen. Irgendwie konnte ich es nicht lokalisieren und in der Art und Weise hat mein Rad auch noch nie geknackt. Bei jeder Pedalumdrehung. Knack - Knack - Knack. Schlägt der Magnet am Trittfrequenzabnehmer an? Nein, alles ok.

Also ab in die Werkstatt. Pedale raus, Gewinde gefettet wieder rein. Das Gleiche mit den Kurbeln. Raus - Fetten - Rein. Lenker ab, Vorbau ab, Steuersatz auseinander, Gabel raus. Alles gefettet bzw. mit Carbon-Zusammenbau-Paste behandelt und wieder zusammengebaut. Alles wieder eingestellt. Gemerkt dass die Gabel gar nicht ganz im Steuerrohr gesteckt hat. Alles wieder auseinander und wieder zusammen.

Immer noch, Knack - Knack - Knack. Bei jedem Drehen am Lenker, knack. In die andere Richtung, knack.

Wisst ihr was es war? Die Hülse am Ende der Bowdenzughülle der hinteren Bremse am Eingang ins Oberrohr! So einfach! Bremse zusammengedrückt, Hülle rausgezogen, Fett drauf, gut war es.

Jetzt bin ich wieder konform mit Regel #65.

Freitag, 24. Januar 2014

Lutscher - Schlechtes Benehmen

Vor einigen Tagen tauchte auf einer Tour recht weit vor mir ein Radfahrer auf. Flache Strecke, keine Schwierigkeiten. Der Andere war recht zügig unterwegs, es dauerte eine Weile bis ich aufschloss. Rennrad, einigermaßen sportliche Erscheinung. Ich bin mit einem knappen Hallo vorbei und bin mein Tempo weitergefahren. Ruhig, kein Stress, warm fahren für die KMR (Kraft mit Rad) Einheit.

Dieser Wurm hat weder die Zähne auseinander bekommen um meinen Gruß zu erwidern noch den Anstand besessen, zu fragen ob er sich dranhängen darf. Hinterradlutscher, erbärmlicher!

Wo das Problem ist? Das kann ich euch sagen. Stellt euch vor ihr bummelt durch die Stadt, es regnet, ihr habt glücklicherweise euren Schirm dabei. Ihr schlendert an den Schaufenstern vorbei. Auf einmal kommt ein Fremder unter euren Schirm und geht mit euch mit, ohne ein Wort zu sagen, als sei es das Selbstverständlichste der Welt.

Eine andere Situation. Ihr sitzt mit euren Freunden im Park, der Grill brutzelt, das Bier ist kalt, die Sonne scheint. Der Fremde kommt, setzt sich dazu, bedient sich und mischt sich in die Gespräche ein. Ihr denkt, vielleicht ist es ein Freund eines Freundes, aber nein, es stellt sich heraus, niemand kennt ihn.

Das käme euch seltsam vor? Schlimmer? Und genau das Gleiche ist es mit dem Windschatten.

Wenn ihr also unterwegs seid und ihr werdet von einem anderen Radfahrer oder einer Gruppe aufgefahren und wollt euch dranhängen, grüsst freundlich und fragt ob es in Ordnung ist. Normalerweise ist jeder froh um Gesellschaft und Hilfe bei der Führungsarbeit, wenn nicht, warum auch immer, respektiert es und lasst den oder diejenigen fahren. Benehmt euch auf dem Rad!

Rule #19 #43 #67

Sonntag, 3. November 2013

Regenbogen

Noch ein #Rule 9 Ride. Was soll's, zwischendurch kam kurz die Sonne raus, schöner Regenbogen, immer wieder toll:


Samstag, 2. November 2013

#Rule 9 Ride

Das Wetter hat heute ganz und gar nicht nach 'ner Radtour ausgesehen, aber sei's drum, bin trotzdem raus, weil > #Rule 9


Samstag, 19. Oktober 2013

Le Ventoux und die Regeln

Jim von velominati.com war im Urlaub in der Provence:

".. Rules! Hear me fools: The Rules mark the beginning of the path to enlightenment, not the end. There are higher planes, expanding dimensions. Beyond the color of your bar tape exists a man, a mountain, and a bike. This is where the world begins."



Sonntag, 6. Oktober 2013

Regeln Regeln Regeln

Radsport ist ein Sport mit unglaublich vielen Regeln, dabei rede ich nicht von dem offiziellen Reglement, dass bei Wettkämpfen einzuhalten ist und über das die Commissaire achten, sonden die vielen ungeschriebenen Gesetze die einen Rennfahrer von einem Radfahrer unterscheiden.

Und ein Rennfahrer ist hier nicht nur jemand der tatsächlich an Rennen teilnimmt. Rennfahrer beschreibt mehr eine Einstellung, eine Ernsthaftigkeit die sich auf alle Aspekte des Sports bezieht.

Es gibt Regeln wie man auf dem Rad sitzen soll, wie man sich gegenüber den anderen Rennfahrern zu verhalten hat, wie das Rad aussehen muss, wie das Lenkerband gewickelt ist und wie die Bowdenzüge zu montieren sind. Welches Trikot zu welcher Hose passt. Welchen Helm, welche Schuhe man zu tragen hat. Das man immer eine Brille dabei haben muss, wenn schon nicht auf der Nase, dann auf dem Helm, im Nacken oder im Trikot. Dass das Rad nicht mit Satteltaschen und Luftpumpen verunstaltet wird und immer sauber und gepflegt sein muss. Beine müssen rasiert sein. Das Regenbogentrikot ist nur für den Weltmeister. Es wird bei jedem Wetter gefahren. Und und und ...

Radsport ist ein alter Sport. Nicht irgend so ein neu modischer Red-Bull Fun Sport. Seit das Fahrrad erfunden wurde werden Radrennen gefahren. Der heilige Kraal des Radsports ist irgendwo im Wald von Arenberg, am Koppenberg, an den mythischen Anstiegen der großen Rundfahrten. Am Tourmalet, hinauf nach Alp d'Huez, am Ventoux, dem Giganten in der Provence. Dort wo die Helden Blut und Schweiß vergießen. All die Heldentaten, die Leiden und Entbehrungen, die Kämpfe der großen Champions, die Legenden und Geschichten unzähliger heroischer Taten aus 100 Jahren sind das Fundament und die Quintessenz der Regeln.

Über die Regeln wacht die Bruderschaft der Velominati, die die vormals ungeschriebenen Gesetze aufgezeichnet haben und über die Einhaltung wachen. Und das ist jetzt kein Quatsch, das ist Ernst, so wie Radsport auch nicht einfach ein Hobby sondern eine Leidenschaft, eine Passion ist. Wer die Regeln für einen spleenigen Spaß hält liegt so falsch wie man nur irgendwie liegen kann.

Doch seht selbst:

Die Velominati

Die Regeln

Das Buch (must have)