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Samstag, 5. Januar 2019

Outskirts 2: The Big Land

Vor einer Weile habe ich hier über den ersten Teil der “Outskirts” Bike Adventure Serie von Rapha und Gus Morton geschrieben. In “Outskirts 2 - The Big Land” fahren Gus, Dan Graven aka Dan from Nam(ibia), Jacob Rathe und Sami Sauri durch Kanada über den Trans Labrador Highway, eine der längsten und abgelegensten Schotterstraßen der Welt. Es regnet, es ist kalt, Knie schmerzen, man fährt zu viert los, kommt aber nur zu dritt an und macht wie im ersten Teil die Bekanntschaft von einer ganzen Reihe erstaunlicher Menschen. Die vier Rennradfahrer wirken in dieser Landschaft und auf diesen Straßen wie Menschen aus einer anderen Welt, was ja auch irgendwie zutrifft.

The Big Land fließt in einem gleichmäßigen Strom aus fantastischen Landschaftsbildern, schicken Radfahrern (Rapha eben), interessanten Begegnungen und chaotischen Hotelzimmern über den Bildschirm. Ein Film zwischen Roadmovie und Dokumentation für die eher ruhigen Momente.

Dienstag, 25. Dezember 2018

Mal wieder: Festive 500

War die erste Ausgabe der Festive 500 vor mittlerweile acht Jahren noch eine Insideraktion von Rapha, gehört die Herausforderung der 500 Kilometer zwischen den Tagen inzwischen zum festen Inventar des Radsportjahres. Von Heiligabend bis zum Sylvestertag gilt es jeden Tag zumindest 62,5 Kilometer auf dem Rad zu sitzen. Wohlgemerkt draußen, in der echten, nicht in der virtuellen Realität. Und umso schlechter das Wetter und harscher die Bedingungen sind, umso heroischer die Geschichten, die anschliessend erzählt werden. Ich warte schon mit Spannung auf die Beiträge, Zeichnungen, Bilder und Videos, dieAnfang kommenden Jahres auf die Rapha Seite gezeigt werden. Für meinen Teil bin ich aber ganz froh, dass es im Saarland nach derzeitigem Stand der Wettervorhersage keine Helden Geschichten zu erzählen sein werden, Regenfahrten hatte ich in den letzten Wochen nämlich mehr als genug. Zum ersten Mal seit Jahren hatte ich meinen letzten Arbeitstag schon vor Weihnachten und kann der Festive 500 auch in zeitlicher Hinsicht entspannt entgegen sehen.




Heute ging es zusammen mit meinen Homies zur zweiten Etappe. Zum Start hing der Nebel im Saartal und die Quecksilbersäule verharrte den ganzen Morgen unter der Null Grad Marke. Ein "Durchfahrt Verboten” Schild mit dem Hinweis “Hochwasser” stellte sich als genau das heraus: Ein wegen Hochwassers unpassierbarer Radweg. Also mussten wir die Strecke über die Hügel nehmen um nach Frankreich zu kommen, wurden für unsere Anstrengungen aber mit strahlendem Sonnenschein und tollem Blick über den mit Raureif bedecketen Saargau belohnt. Da hatte sich der recht frühe Start doch sehr gelohnt. Die Bilder werden auf Instagram ganz zu Recht den Tag #WYMTM (What you missed this morning) bekommen. Weiter ging es durch Lothringen über die typischen Wellen ohne einen einzigen flachen Meter bis auf die Höhe über Tünsdorf, von der man einen herrlichen Blick über das Saartal und den Hochwald hat. Mit dem Nebel in den Tälern war es heute ganz besonders schön.

Ich wünsche Euch allen ein frohes Weihnachtsfest und, sofern Ihr fahrt, eine erfolgreiche Festive 500!




P.S.: Vor einigen Tagen habe ich Alpecin Cycling zur Festive 500 unter der Überschrift "Die besten Trainings-Tipps für Radfahrer" Rede und Antwort gestanden. Schaut mal rein!

Mittwoch, 19. September 2018

Outskirts: Route 66

Die Email von Rapha stand schon eine ganze Zeit in meinem Posteingang und fast hätte ich sie gelöscht. Irgendein zwar tolles, aber typisches Rapha Werbevideo, dachte ich. Glücklicherweise habe ich dann doch darauf geklickt und bin bei dem neusten Film von Gus Morton gelandet. Gus war bis vor einiger Zeit Profi in der World Tour und ist als Regisseur, Kameramann und Hauptdarsteller der Thereabouts Filme bekannt.

Der jüngste Teil dieser Bike-Adventure Serie ist in Zusammenarbeit mit Rapha entstanden und scheint nur der Auftakt zu einer ganzen Reihe an Filmen und Features zu sein. Die Filmreihe heißt jetzt Outskirts und erzählt über incredible journeys along the world’s most famous roads. In diesem ersten Teil fahren Gus, Justin, Pat und Sami die Route 66 von Chicago nach L.A. Dabei geht es neben dem Radfahren vor allem um die Zufallsbekanntschaften entlang dieser berühmtem Fernstraße.

Achtzig Minuten bestes Radsport-Entertainment mit großartigen Bildern und Geschichten: Viel Spaß


Links:
Vorher auf Unterlenker: Thereabouts - Über Teil 1 bis 3 der Bike Adventure Series von Gus MortonOutskirts Rapha Page

Sonntag, 17. Juni 2018

Rapha Prestige Eifel

Es ist kurz nach sechs am Morgen irgendwo in der Eifel. Ich bin mit dem Rad auf dem Weg von der Jugendherberge zum Start des Rapha Prestige Eifel. Erste Sonnenstrahlen kämpfen sich durch den Nebel und es geht rasant bergab. Ich lasse das Rad laufen. Der vor mir fahrende Transporter bremst und fast setzte ich zum Überholen an, als ich realisiere, dass es um eine Kurve geht und ich zu schnell bin. SCH... VIEL ZU SCHNELL! Gerade so kann ich noch etwas bremsen und da die Straße nass ist, versuche ich mich gar nicht erst an der Rechts-Kurve sondern mache einen Bunny-Hopp über den Randstein, lande auf dem Grünstreifen, springe halb über den Lenker vom Rad ab und komme in der Hecke zum stehen. Puh, das war knapp. Zum Glück kam kein Auto entgegen und ich war auf meinem Cannondale Slate unterwegs, die Scheibenbremsen und die dicken Reifen haben mich gerettet (zusammen mit meinen überragenden Bike-Handling Skilzzz natürlich). Ich weiss nicht, ob ich die Situation mit dem Straßenrad noch gerettet hätte. Fast wäre die Rapha Prestige Eifel für mich vorbei gewesen, bevor es überhaupt los ging. Zumindest war ich danach wach und konnte pünktlich um 6:30 die Startunterlagen für mein Unterlenker Team entgegennehmen.


Seit einigen Jahren veranstalten die diversen Rapha Cycling Club (RCC) Chapter rund um die Welt die sogenanten Prestige Rides. Vorher hießen diese Veranstaltungen auch schon mal Gentlemen oder Continental Race. Wer danach sucht, findet viele schöne Videos von älteren Veranstaltungen. Der Modus hat sich nicht viel verändert. Es geht weniger um schnelle Zeiten, sondern mehr um das gemeinsame Erleben. Gestartet wird als Mannschaft mit vier Fahrer*innen im Abstand von je einer Minute und die allerwichtigste Regel ist, auch als komplette Mannschaft ins Ziel zu kommen. In der Eifel haben 44 Mannschaften einen der begehrten Startplätze bekommen. Gefahren wird auf Rennrädern. Die Strecken beinhalten oftmals Abschnitte, die auf schnellen Reifen noch gerade so fahrbar sind. Das stiftet ein bisschen Anarchie und Chaos und treibt den "Epic-Factor" nach oben. Ganz so pingelig sollte man mit seinem Material also nicht sein, Reifen mit 25 mm oder mehr werden empfohlen. Wir will kann auch mit Gravel oder Cross-Bike fahren. So wie ich mit dem Slate, das war zwar etwas weniger episch, dafür aber super komfortabel und das perfekte Rad für diesen langen Tag. Die Strecke ist nicht ausgeschildert und gefahren wird nur nach einem GPS Track. Auf den 200 km durch die Eifel gab es zwei Verpflegungsstellen, die erste mit dem Rapha Bus war fürstlich ausgestattet, mit Biertischgarnituren, Espresso und allem möglichen zu essen. State of the Art!

Vom Start in der Nähe von Monschau ging es zunächst an den Stauseen der Ruhrtalsperre vorbei. Das war der beste Abschnitt des Tages. Der Nebel hing noch über dem See, die Luft war frisch und das Panorama unglaublich. Auf den Schotterwegen am See vorbei musste man die Augen aber auf dem Weg lassen, das war ein bisschen schade. Ein weiteres frühes Highlight war die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang. Der Anstieg hinauf zu der Nazi-Burg war der steilste Abschnitt des ganzen Strecke und hatte es wirklich in sich. Oben angekommen wurden wir mit einem unglaublichen Panorama belohnt. Weiter ging es hoch und runter durch die Eifel bis wir kurz vor Düren den nördlichsten Punkt erreicht hatten. Der Rückweg führte über weite Strecken über den Vennbahn Radweg. Das war ganz ehrlich der langweiligste Abschnitt. Eisenbahnstrecken sind halt schlechte Radstrecken, kaum Kurven, ständige Kreuzungen und viel zu viele andere Radfahrer! Richtig schön wurde es wieder am Schluss auf der hohen Venn, einem Hochmoor. Die letzten Steigungen erforderten nochmal "All-In".

Nach guten sieben Stunden waren wir zurück am Café Grünental. Hey. Und gar nicht so langsam. Obwohl die Zeit nicht zählt, gab es trotzdem ein Ergebnis. Wir waren auf Platz sechs! Vielleicht ist das aber auch Ausdruck dessen, dass wir es total vermasselt und den Spirit des Rapha Prestige nicht erfasst haben. Keine extra Pausen, keine Fotostops und keine Fritten an der Bude 20 km vor Schluss, wo es soooooo gut gerochen hat. Da gibt es also noch Verbesserungspotenzial. Aber zumindest haben wir andere Fahrer getroffen, den ein oder anderen netten Plausch gehalten und die internationale Atmosphäre genossen.

Im Ziel gab es neben einer Radmütze und einem Verpfelgungsbeutel auch Bier, Wasser und Softdrinks und ein All you can eat Buffet mit Salat, Pizza und Lasagne. Das waren mal gut investierte 25 Euro Startgeld pro Fahrer.

Fazit des Tages: Sehr sehr cool! Die Rapha Prestige Eifel hat wirklich Spass gemacht. Eine prima organisierte Veranstaltung in einer tollen Landschaft und das Wetter hat auch mitgespielt. Wenn alle RCC Veranstaltungen so viel Spass machen, tut es mir umso mehr leid, dass es kein Rapha Clubhaus in der Nähe gibt. Da würde ich mich bestimmt öfter blicken lassen.

Credits: Erwin Sikkens + Rapha / Erwin hat auch die Bilder in dem Facebook Album geschossen. 
Link am Ende des Posts. Danke dass ich hier einige Bilder verwenden darf.


Credits: Erwin Sikkens + Rapha










Team Unterlenker: Jan, Boris, Christian und Tom



Relive 'Rapha Prestige Eifel'


Links:
Rapha Prestige Homepage
Rapha Clubhouse Amsterdam - Prestige Fotoalbum auf Facebook
Erwin Sikkens - Der offizielle Prestige Eifel Fotograf

Donnerstag, 17. Mai 2018

Rapha Repair Service

Glatte Straßen und spät dran sein ist eine schlechte Kombination. Vor einer ganzen Weile bin ich auf dem Weg zum Sonntäglichen Vereinstraining gestürzt. Die Rechtskurve habe ich noch bekommen, die unmittelbar folgende Linkskurve war dann zu eng.  Zack hat es gemacht und ich habe auf dem Boden gelegen. Nichts schlimmes, ein paar Kratzer am Bremshebel und ein Loch in der Hose. Also aufstehen, weiterfahren, noch gerade so pünktlich am Treffpunkt erscheinen und sich nix anmerken lassen. Das Loch in der fast nagelneuen Rapha Pro Team Thermal Bibshort II hat mich dann aber doch sehr geärgert. So ein Mist. Ich hatte die Hose zwar zu einem super Preis im Ausverkauf bekommen, aber das machte das Loch nicht besser.



Noch unterwegs ist mir dann aber eingefallen, dass Rapha einen kostenlosen Reparatur Service anbietet. Ab dem Moment ging es mir gleich wieder etwas besser. Zuhause habe ich direkt nachgeschaut und tatsächlich, die Hose kann repariert werden. Man muss ein Formular ausfüllen, bekommt eine Paketmarke und kann das selbstverständlich gewaschene Stück an Rapha senden. Die übliche Reparaturzeit soll um die vier Wochen liegen. Bei mir hat es eine ganze Weile länger gedauert. Obwohl ich mir sicher bin alles richtig gemacht zu haben, ging meine Hose an die Retouren- statt an Reparatur-Abteilung. Der sehr freundliche und hilfsbereite Service konnte meine Hose dann aber auf Nachfrage lokalisieren und entsprechend umleiten.


Gestern habe ich Post bekommen und die Hose ist zurück. Auf der linken Seite wurde ein kompletter Streifen (der mit den weißen Schriftzug) herausgeschnitten und sehr sauber durch ein neues Panel aus dem richtigen Stoff ersetzt. Das einzige sichtbare Zeichen ist jetzt die zusätzliche Naht auf dem Hosenbein.

Rapha verlangt eine ganze Menge Geld für seine Produkte. Ob das immer angemessen ist oder ob man bereit ist, dies zu bezahlen, muss jeder für sich selber beurteilen. Dass man im Fall des Falles einen kostenlosen Reparaturservice in Anspruch nehmen kann, bietet meines Wissens nach keine andere Firma. Eine Reihe von Produkten wie Beinlinge, Merinounterwäsche, Trinkflaschen, Rucksackhüllen u.a. sind allerdings ausgenommen.

Ganz besonders nett finde ich den Verpflegungsbeutel, in dem die Hose verpackt war. Sehr hübsch!



Links:
Rapha Repairservice

Freitag, 9. Februar 2018

#Festive500 Batch

Diese Woche habe ich meinen #Festive500 Batch Badge bekommen und bin begeistert. Der Umschlag ist "top notch", ganz große Klasse, dicke, tiefschwarze Pappe mit samtigem Griff und glänzend schwarzem Druck. Sehr edel. Dazu ist es bemerkenswert, wie Rapha es immer wieder schafft mit Worten einzufangen, was das Radfahren ausmacht.

We challenge ourselves every time we ride our bikes.
The distance travelled, the metres climbed, the conversations
shared - they all become a part of who we are.

Ja ja, ich weiß, das ist alles nur 'ne clevere Marketing-Masche, die ich auch schon mal heftig kritisiert habe (hier und hier). Aber was soll's, manchmal macht es auch Spaß, sich verführen zu lassen.


Mittwoch, 24. Februar 2016

Videos 2 - 2016 / Jeremy Powers

Motofish Images hat eine wunderbare, dreiteilige Video Serie über Jeremy Powers Cyclocross Saison  produziert. Vom ersten Rennen, Cross Vegas bis hin zur Weltmeisterschaft in Zolder, die für den  amtierender US Cyclocross Meister alles andere als zufrieden stellen verlaufen ist. 




Schon etwas älter, aber natürlich immer noch witzig:






Mehr Videos gibt es auf der gar nicht schlechten Homepage von Jeremy Powers.

Freitag, 19. Dezember 2014

Rapha Cycle Club

Auch oder vielleicht gerade weil ich eine eher ambivalente Meinung zu Rapha habe, bin ich heute nicht umhin gekommen dem Rapha Cycle Club in London einen Besuch abzustatten. Wir waren halt gerade in der Gegend. Gab leider keinen "Solden ob den Solden" und ich war auch nicht der Millionste Besucher. Schade eigentlich. Dann halt nicht!

Wir haben uns aber trotzdem eine Pause gegönnt bei Tee (Pfefferminz) und Wasser (Pellegrino, still, 0,1l) für ganze 7 Pfund. Was kostet die Welt.

Nach einer Weile habe ich mich umgedreht und festgestellt, das Mark Cavendish und Simon Mottram, der Gründer von Rapha neben uns sitzen. Da ich kein Paparazzi bin, gibt es kein Beweisfoto. Zumindest kein absichtliches.






Zu dem Zeitpunkt als ich das Foto geschossen habe, wusste ich noch gar nicht, 
dass Mark Cavendish hinter mir sitzt. Ha, ich bin doch ein Paparazzi!


Samstag, 6. September 2014

Davis und Connie oder Wohltätigkeit und Kommerz

Ben Ingham hat zusammen mit Rapha einen Film über Davis Phinney und Connie Carpenter-Phinney gedreht. Davis und Connie sind zwei amerikanische Radsporthelden aus den 80er Jahren. Connie gewann 1984 in Los Angeles das erste olympische Strassenrennen für Frauen. Davis war auch in der olympischen Mannschaft und gewann die Bronze Medaille im 4er Mannschaftszeitfahren. 1999, im Alter von 40 Jahren wurde bei Davis Parkinson diagnostiziert. 2004 gründete er die DavisPhinneyFondation, die sich in der Aufklärung über Parkinson und der Unterstützung Betroffener engagiert. Das Paar hat zwei Kinder, eines davon, Taylor Phinney, ist heute ein überaus erfolgreicher Radprofi. Kein Wunder, bei DEN Genen!

Zu "Ehren" der beiden Radsporthelden, hat Rapha zwei Trikots aufgelegt (je 195,- Euro). 10% des Erlöses gehen an die DavisPhinneyFondation. Natürlich. Gegen Charity kann man ja schlecht was sagen. Allerdings frage ich mich, kann man nicht einfach so Trikots produzieren? Muss das immer emotional aufgeladen und muss jede Story und jedes Schicksal kommerziell ausgeschlachtet werden? Ich gehe mal davon aus, dass trotz der 10% "Lizenzabgabe" noch genug bei Rapha hängen bleibt.

Mag sein dass ich das falsch sehe, aber diese Verbindung von Wohltätigkeit und Kommerz finde ich persönlich abstoßend. Wenn Charity, dann sollten 100% des Gewinnes gespendet werden. Das wäre dann ein authentisches Engagement.

Der Film ist trotzdem sehenswert. Natürlich.

Samstag, 17. Mai 2014

Die Sache mit Rapha und Team Sky

Vor einigen Tagen habe ich elektronische Post von Rapha bekommen. Sie wollten wissen warum ich schon so lange nichts mehr bestellt habe. Um mir meine Rückkehr zu versüßen gab es einen 15% Gutschein Code, gültig bis zum 22. May. Ich brauche ihn nicht, ich werde nichts bestellen. Meine Begeisterung ist erloschen. Und die war gewaltig, dass kann ich euch sagen. Hätte es mein Budget hergegeben, ich hätte alles gekauft. Mützen, Hosen, Beinlinge, Trikots, Jacken, ... Wenn jemand von euch den Gutschein nutzen möchte, hier ist er: "LCTOC012014". Bitteschön.

Es ist inzwischen schon einige Zeit her, dass ich Rapha entdeckt habe. Damals wurde Team Sky noch von Addidas gesponsort. Rapha war fast noch ein Geheimtipp, lange nicht so bekannt wie heute. Damals habe ich gerade wieder angefangen mehr Rad zu fahren und wollte nicht mehr in den schreiend bunten Trikots vergangener Profiteams und Vereine fahren. Das schlichte, unauffällige Design von Rapha war genau dass was ich suchte. Keine wirren Muster, keine schreienden Farben, dafür klare Linien und ausgefallene Materialien. Understatement.

Ich habe jeden Blogpost gelesen, jeden Film gesehen den Rapha veröffentlicht hat. Ich habe es förmlich verschlungen. Die Liebe und Begeisterung für den Sport, seine Schönheit, Eleganz, die Leiden, die Härte. Alles war so echt, so authentisch. Die Bilder waren so großartig. Die Cent Colls Radreise, welch eine Herausforderung! Ich habe Stunden auf dieser Internetseite verbracht und wirklich geglaubt, dass ich die Klamotten unbedingt brauche. Ich wollte auch so cool sein wie die Protagonisten auf den Bildern und in den Filmen. So gut aussehen, so entspannt, so stylish. So anders als in den bunten 90er Jahre Schlingfaser Trikots die in meinem Keller hingen. Ich habe es wirklich geglaubt. Und ich habe gelitten, mir unmöglich alles kaufen zu können. In einem Schlussverkauf habe ich dann zugeschlagen. Das Langarmtrikot aus der Cross Serie, ein weiteres aus schwerer Sportwool und noch dazu die Regenjacke. Den Kauf der Letzteren habe ich monatelang verheimlicht und sie immer einen halben Kilometer von Zuhause entfernt an oder ausgezogen um Budgetdiskussionen aus dem Weg zu gehen.

Und dann hat Rapha bekannt gegeben ab 2013 Team Sky zu sponsorn. Das war der Anfang vom Ende. Team Sky? Dieses Bayern München des Radsports? Diese Steber Mannschaft? Auf einmal bestand die halbe Internetseite nur noch aus Team Sky. Alles in Schwarz - Blau. Sky - Sky - Sky.

Im Radsport gibt es traditionell wenig Fans einzelner Mannschaften. Man ist Fan des Sports oder Fan eines Fahrers oder Fan der Leistung die erbracht wird. Der Fan als Anhänger einer einzelnen Mannschaft, unabhängig von den Fahrern, so wie im Fußball, ist selten. Daher ist es mir fremd in Profitrikots durch die Gegend zu fahren und mich auf diese Weise mit einer bestimmten Mannschaft zu identifizieren. Warum soll man das machen? Geld bezahlen um auch noch Werbung zu machen? Wozu? Denn wirklich schön ist keines der mit Werbung zugepflasterten Trikots der Profis.

Aber zurück zu Sky. Das fängt damit an, dass das durchschnittliche Fernsehprogramm und damit das Fernsehen als solches in meiner Wahrnehmung ein Medium von minderer Qualität ist. Brain-Junk-Food sozusagen. Und Sky verkauft Brain-Junk-Food für teueres Geld. Als ich in den 90ern im Retail-Banking gearbeitet habe, waren Sky (damals Premiere) Abbuchungen ein sicheres Indiz auf Kunden mit schlechter Bonität. Ja ja, ich weiss, das ist sehr eindimensional und es ist schon lange her und es gibt tolles, hochwertiges Fernsehen etc. etc. etc. Aber ich mag den Sponsor einfach nicht. Und ich mag Team Sky nicht, die Art und Weise wie Wiggins und Froome die Tour gewonnen haben. Kalt berechnet, gekauft mit dem  fettesten Budget der Branche. Ohne Panaché, so ganz anders als die Helden in den Rapha Stories. Vor einigen Tagen ist auf Crankpunkt dazu übrigens ein guter Artikel erschienen, lesenswert.

Und Rapha sponsort diese elitäre Bonzen Mannschaft und ist, natürlich, sonst würden sie es nicht machen, auch noch stolz drauf. Und auf einmal gibt es nicht nur Trikots aus Wolle, die doch viel besser sein sollen als diese modernen Plastikfasern, sondern es gibt den gleichen Super-Dupa-High-Tech Kram wie bei allen anderen. Nur natürlich viel besser. Ich war entsetzt. Der Sargnagel meiner Rapha Begeisterung war dann dieser schwarze Netzstoff-Swingerclub-Einteiler den Chris Froome letzten Winter stolz auf Twitter präsentiert hat. Ich dachte zuerst es wäre ein Fake, aber es war Ernst.

Wenn ich heute im Netz auf Rapha stoße denke ich mir vielleicht noch, "Ah, ein Rapha Bild", aber ich klicke schnell weiter, lese nicht, es fesselt mich nicht mehr. Es ist einfach nur ein ziemlich cleveres Marketing. All die Photos und die tollen Texte, die Filme. Das ist keine Arbeit von Liebhabern, von Amateuren. Das ist die Arbeit von Profis die einer ganz bestimmten Bildsprache folgen, die eine Auftragsarbeit abliefern die ganz genau dem entspricht, was bestellt wurde. Profis, die von ihrer Arbeit leben und die bezahlt werden. Rapha, darüber muss man sich klar sein, ist zunächst einmal eine Firma die ein Luxusprodukt verkauft und Profit machen möchte. Ein Luxusprodukt lebt zu einem großen Teil von den Emotionen mit denen es aufgeladen wird. Das ist das, was Luxus auszeichnet, nicht nur hochwertige Materialien und perfekte Verarbeitung. Luxus wohnt eine Unnötigkeit inne, die sich mit rationalen Maßstäben nicht bewerten lässt. Hier sind es die Leiden der Heroen, die Entbehrungen der Helden der Landstrasse, die Kameraderie, der Rückblick auf eine Tour, die uns an unsere Grenzen geführt hat, der Kampf gegen uns selbst, die Elemente und unsere Gegner, unerbitterlich und doch verbunden durch das Band einer Bruderschaft. All diese Geschichten und Bilder, so schön und ästhetisch wie Rapha sie auf uns einströmen lässt verbinden sich mit dem Produkt. Einer Legende, einer Ikone, wie ich heute in einem Mailing lese. Dabei frage ich mich wie ein Trikot, das es gerade einmal seit einem Jahrzehnt gibt, wie ein Kleidungsstück überhaubt zu einer Legende werden kann. Und mit dieser "Legende", in den Farben der Saison, werden auch wir uns so fühlen, so cool, so schnell, so erhaben wie Hinault, Anquetil, Merckx und all die Anderen. Wenigstens ein ganz klein wenig. Und das für nur 165 Euro. Immerhin gibt es die passenden Ärmlinge mit dazu. Ein Sonderangebot um ein klein wenig Merckx, Held der Landstrasse zu sein.

Jetzt mag man einwenden, dass etwas was 165 Euro kostet, zwar teuer, aber kein Luxus sein kann. Auch gibt es viele Radsport-Bekleidungsfirmen die Profiteams sponsorn. Und es gibt Marken, die noch sehr viel teurere Radsportkleidung herstellen. Es gibt sicher auch Sponsoren die in fragwürdigeren Branchen tätig sind als Sky.

Was also ist das Problem? Ich fühle mich in gewisser Weise missbraucht. Ich bin einem am Ende gewöhnlichen Marketing auf den Leim gegangen. Man hat mich an meiner Leidenschaft gepackt und mit ihr gespielt. Mich manipuliert. Ich musste erkennen, dass es kein Understatement ist Rapha zu tragen, sondern ganz gewöhnlicher Snobismus. Auf mich wirkt es inzwischen grossspurig, fast schon vulgär.

Trotzdem trage ich meine Rapha Sachen immer noch, hin und wieder, aber ob noch mal neues hinzukommt? Höchstens im Ausverkauf, aber selbst dann, der Zauber ist vorbei.

Ich hoffe nur das Café du Cyclist nicht auch diesen Weg einschlägt.