Sonntag, 31. August 2014

Bergmeisterschaft Homburg 2014

So, jetzt ist mein letztes Radrennen in 2014 auch gefahren. Ich stand vor der Wahl entweder meine Wette oder die Saarlandmeisterschaft zu gewinnen. Ich habe ja auf Patrick Lechner oder Sascha Schwindling getippt. Patrick ist nicht erschienen. Blieb noch Sascha. Ich habe mich dann für die Wette entschieden! .. Nein, natürlich nicht, von Entscheiden kann nicht die Rede sein. Ich habe wirklich alles gegeben und bin daher mit dem vierten Platz in der Elite KT, ABC Klasse und dem zweiten Platz in der Saarland-Wertung vollauf zufrieden.

Ich konnte an meine Grenze gehen und hatte nach dem Ziel nicht das Gefühl, dass da noch irgendwelche unangetasteten Reserven waren. Ich fühlte mich ausgeruht und hatte am Tag vor dem Rennen gute Beine. Ich war ruhig und konzentriert. Es gibt rückblickend nichts was ich auf den ersten Blick anders machen würde.

Das Einzige was mich wirklich, wirklich wundert, die Zeit passt nicht dazu. Ich war dieses Jahr nur eine läppische Sekunde schneller als 2013. Damals bin ich im ersten Lauf 10:08 gefahren, dieses Jahr 10:07.  Das ist sehr erstaunlich. Dieses Jahr konnte ich meine Zeiten an Strava Segmenten, die ich immer wieder fahre und als Vergleich nutze, durchweg deutlich verbessern. So habe ich zum Beispiel meine Bestzeit an meinem Hausberg um 24 Sekunden von 6:21 auf 5:57 reduziert. Das ist eine ganze Menge. Ich bin an diesem Berg sowohl 2013 als auch 2014 in der Vorbereitung auf das Rennen in Homburg Intervalle gefahren. Dieses Jahr war ich bei acht von neun Versuchen schneller als 6:21, der Bestzeit aus 2013. Darüber hinaus hatte ich Carbonräder im Rad und statt eines relativ weiten Trikots (für meine Verhältnisse) einen Zeitfahranzug an. Das sollte zumindest nicht langsamer gemacht haben.

Davon ausgehend hatte ich mir eine Zeit unter 10 Minuten zugetraut, im niedrigen 9:50 Bereich.

Bemerkenswert ist auch, dass ich 2013 bei beiden Versuchen genau gleich schnell war, dieses Jahr aber einen deutlich langsameren zweiten Lauf gefahren bin. Ein Blick auf die Strava Liste mit meinen Resultaten zeigt, dass ich 2013 einen höheren Durchschnittspuls hatte, also vielleicht doch noch etwas mehr in den roten Bereich gegangen bin. Das Segment ist etwas kürzer als die Rennstrecke, daher die niedrigeren Zeiten, wichtig ist hier der relative Vergleich.


Tja, wo ist die Zeit geblieben? Ein Blick in die neue "Compare Efforts" Funktion auf Strava (nur mit der Pro-Subscription, identisch zu Race-Shape, dessen Entwickler von Strava "gekauft" wurde) offenbart, dass ich bis Kilometer vier noch gut im Rennen gelegen habe, aber oben raus nichts mehr zusetzen konnte.


Gegenüber Franco Valentini, der mit 9:57 den zweiten Platz bei den Junioren / U19 belegt hat, habe ich einen 14 Sekunden Vorsprung bei Kilometer 1,3 bis Kilometer 4,4 verspielt und dann auf den letzten 600 Metern etwa acht Sekunden kassiert.

Ein Blick auf meine Pulskurve (grün) zeigt, dass ich bereits kurz nach dem Start meinen maximalen "10 Minuten Puls" erreicht habe und dort geblieben bin, oben raus hatte ich dann nichts mehr zuzusetzen. (Auswertung mit Veloviewer, Watt berechnet, nicht gemessen)


Das lässt zwei Schlüsse zu:
  • Ich muss an meiner Pacing-Strategie arbeiten und langsamer in die Berge reinfahren. Ich neige immer sehr dazu unglaublich schnell anzugehen und versuche dass dann zu halten, was nicht immer oder eher selten von Erfolg gekrönt ist.
  • Ich muss noch viel härtere Intervalle trainieren und daran arbeiten, auch noch mit 10 Litern Laktat in den Beinen attakieren zu können, oder etwas sachlicher ausgedrückt: Ich muss an meinen anaeroben Fähigkeiten arbeiten.
Aber gut, wie auch immer, es gab ja noch einen zweiten Lauf, das Jagdrennen und die Ausgangslage war dieses Mal für mich etwas günstiger, hier die Reihenfolge:
  • Nuber 9:33
  • Schwindling (SAR) +29
  • Göke +32
  • Odendahl (SAR) +35
  • Schepers + 36
  • Zwick (SAR) + 1:09
Der Erste war weit weg, keine Chance, unerreichbare Zeit. Dann kamen aber vier Fahrer innerhalb von sechs Sekunden. Danach eine grössere Lücke. Es ging für Sascha und mich um den Saarlandmeister, noch war ich nicht geschlagen. Ich rechnete damit, dass Schepers mich kurz nach dem Start auffährt (eine Sekunde!, ich konnte sogar noch hören als er dass Startsignal bekommen hat) und wir im besten Fall zusammen Göke einholen können und dann zu Dritt Sascha Schwindling jagen. Aber wie so oft, kam es anders. Ich bin los gesprintet und als ich nach 100 Metern vor mich geschaut habe, dachte ich nur: "WTF!!! Was ist mit dem Schwindling? Hat der sich verschaltet? Wartet der auf uns? Warum ist der so nah?" Ich habe einen Moment zu lange gebraucht bis ich das realisiert hatte und habe dann noch mal mehr Gas gegeben. Göke war genau die zwei Sekunden näher an Sascha dran, die es gebraucht hat um die Lücke zu schliessen. Ich kam erst nach der ersten Kurve auf Schlagdistanz. Eine Pfostenlänge, 50m. An der Stelle zieht die Steigung an. Und ich habe dieses verdammte Loch nicht zubekommen. Und dann wurde es auch schon Stück für Stück mehr. Und tschüss. Der eine Sekunde nach mir gestartete Schepers war keine Hilfe. Unser Raketenstart hat ihn wahrscheinlich auf dem falschen Fuß erwischt. Der war weg vom Fenster. 

Nach der Abfahrt war ich noch mal bis auf wenige Sekunden an den Beiden dran, aber da war nix zu machen. Das bedeutete nach der Meisterschaft im Einzelzeitfahren einen weiteren Vize-Saarlandmeistertitel für mich dieses Jahr. Das gibt mir dann doch etwas Zuversicht, dass ich trotz meiner inzwischen sehr zahlreichen grauen Haaren noch nicht ganz zum alten Eisen gehöre!

Interessant ist noch ein Vergleich mit den Zeiten in den anderen Altersklassen aus den jeweiligen ersten Läufen: 
  • Niklas Märkl ist in der Jugend eine 10:07 gefahren! 
  • Bei den Junioren wäre ich Dritter gewesen. David Ames ist als Lokalmatador sehr starke 9:47 gefahren, gefolgt von Franco Valentini mit 9:57
  • Bei den Senioren 2 hätte es immerhin zu einem zweiten Platz hinter Cosmas Lang (9:57) gereicht, aber noch vor Alberto Kunz (10:19). Dort wäre ich dann Saarlandmeister gewesen (Aber gut, der Vergleich ist unfair, die sind ja schon alt!)
  • Bei der U23 wurde ein neuer Streckenrekord aufgestellt. Felix Drumm ist den Berg in 9:20 hochgebraust. Meine 10:07 hätten auch hier für einen dritten Platz gereicht.
Schade finde ich, dass sich wenige Rennfahrer der Herausforderung gestellt haben. Es wird ja oft geklagt, dass es in unserer Region immer weniger Rennen gibt und wenn, handelt es sich oft im besten Fall um Rundstreckenrennen auf kleinen Kursen. Ein Bergzeitfahren ist sicherlich eine sehr spezielle Disziplin, trotzdem wäre es schön, wenn mehr Fahrer die Veranstaltung durch ihre Teilnahme unterstützen würden. Es gab nur 12 Starter in der Elite Klasse, drei Rheinland-Pfälzer, sieben Saarländer, ein Hesse und ein Nordrhein-Westfale! Traurig. Umso mehr Bravo an alle die da waren, egal welche Zeit bei rausgekommen ist. Es zählt nämlich nicht nur der Sieg!

An der Stelle ein Dankeschön an den Ausrichter, die Radsportfreunde Homburg. Tolle Veranstaltung, prima organisiert. Die Live Anzeige der Zeiten im Startbereich war klasse. Großes Lob! Vielleicht wird sich das Format 2015 auch verändern, noch mehr Aktion, Kopfsteinpflaster, mehr Zuschauer. Lassen wir uns überraschen. 

Blumen für die Sieger
A new Generation!
Podest Saarlandmeisterschaft Berg 2014, vlnr Odendahl, Schwindling, Hoffmann



Links:
Vorschau auf das Rennen
Homepage der Radlerfreunde Homburg mit detaillierten Ergebnissen, Zeitfahren, Jagdrennen.
Strava Segment

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