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Freitag, 7. August 2020

Auf einen Espresso nach Italien

Radfahren und Kaffee gehören zusammen. Ein Espresso vor der Tour, danach und vor allem zum Kaffeestop dazwischen ist für viele Radsportler Teil des "way of life". Leider passiert es überraschend selten, einen wirklich guten Espresso serviert zu bekommen und interessanterweise stehen Preis und Qualität oftmals in umgekehrtem Verhältnis. Wenn der Blick auf die Karte einen Preis über zwei Euro für die 25ml Kaffee anzeigt, lässt man es am besten gleich bleiben. Zu oft wird ein Getränk aus einem Vollautomaten in dünnen Porzellantassen serviert, der nur durch die Beigabe von viel zu viel Zucker überhaupt erst genießbar wird. 

Meine letzte Radtour während des Urlaubes "in den Bergen" am Reschensee hat mich in das Langtauferer Tal geführt. Die teilweise neu asphaltierte Straße führt über 10 Kilometer vom Ufer des Reschensees auf 1570m bis auf knapp über 1900m hinauf. Nur kurz sind die Steigungsprozente zweistellig, ansonsten lässt sich der Anstieg bei durchschnittlich vier Prozent genießen. Wenn man bis ganz zum Ende der asphaltierten Straße nach Melag fährt, befindet sich rechts hinten auf dem Parkplatz Evi's Hittl. Die Terrasse bietet einen atemberaubenden Blick in das obere Langtauferer Tal und auf die umliegenden Berge. Alpenpanorama Deluxe! Ich wollte nach einem kurzen Fotostopp schon wieder abfahren, entschied mich dann aber doch für einen Kaffeestop. Schnell kam die Bedienung und kurz darauf war aus der Hütte ein "Klock Klock - Brrrrrrrrrrrr" zu hören. Wunderbar! Musik in den Ohren des Kaffeeliebhabers. Das Ausschlagen des Siebträgers und das Geräusch einer Kaffeemühle. Und was soll ich sagen, der Espresso war ziemlich gut. Und der Preis von einem Euro fünfzig hat meine Theorie von Preis und Qualität dann nur bestätigt.

(Ich muss eingestehen, dass ich schon bessere Fotos gemacht habe. Aber naja, müsst ihr mir diesmal einfach glauben, dass es in Melag ein fantastisches Panorama zu sehen gibt!)






Mittwoch, 13. Juli 2016

Tour de Luberon

Es gibt viele fantastische Landschaften zum Radfahren. Ganz vorne dabei ist ohne Zweifel die Provence und dort ganz besonders die Gegend um den Ventoux. Im Sommer kann es zwar schon mal etwas heiß werden, der Mistral macht auch nicht immer Freude und das Meer ist noch gute 100 Kilometer entfernt, aber dafür warten endlose Staßen ohne Autoverkehr in einer fantastischen Landschaft, dazu der Duft der Pinien und des Lavendel, der Gesang der Zirkaden, das strahlende Blau des Himmels und das besondere Surren der Reifen auf dem rauhen, französischen Asphalt.

Ein guter Ausgangspunkt für Touren ist in der Tat die Gegend am Fuß des Ventoux. Im Westen die Rhone-Ebene, in den anderen Richtungen Berge jeder Schwierigkeit und dazwischen sanfte Hügel. Übrigens immer noch die beste Option zur Planung von Radtouren ist die gelbe Michelin Karte im Maßstab 1:200.000. Eine Kopie in der Trikottasche ist besser als jede elektronische Karte!


Von unserem Quartier in Malaucene fahren wir in südlicher Richtung los und biegen nach wenigen Kilometern links zum Col de la Madeleine ab. Ein Col ist immer gut. Das gibt dem Bergauffahren gleich einen ganz anderen Stellenwert, auch wenn der Col de la Madeleine bei Bedoin natürlich nicht mit dem Col de la Madeleine in den Alpen zu verwechseln ist und im Vergleich zu Letzterem mehr eine Schippe Sand als ein echter Berg ist. Aber Col ist Col! Kurz nach der Passhöhe aus Richtung Malaucene kommend eröffnet sich ein erster spektakulärer Blick auf den alles überragenden Ventoux.



Von Bedoin aus geht weiter in südlicher Richtung über kleine Departement Straßen bis nach Venasque. Den Ort lässt man rechts liegen und nach wenigen Kilometern moderatem Anstieg über offene Felder beginnt der Anstieg zum Col de Murs. Die Straße windet sich auf sechs Kilometern durch ein enges Tal und unablässig folgt Kurve auf Kurve, ständig wechselt der Blick und man fragt sich was wohl als nächstes kommt. Die Antwort darauf, soviel sei vorweggenommen, ist einfach: Die nächste Kurve.  Die Steigung ist moderat und bei angepasstem Tempo lässt sich der Berg genießen (Wenn man schnell fährt tut natürlich auch der Col de Murs weh). Die Passhöhe ist bei 627 Metern erreicht. Nach den ersten Kurven der Abfahrt öffnet sich eine weite Aussicht auf den Nationalpark des Luberon.

Wenige Kilometer später sind wir im Weiler Murs angekommen und biegen links ab Richtung Sault. Die Straße wird noch eine Nummer schmaler und wieder geht es Berg auf, nur wenige Prozent zwar, dafür aber stetig. Nach einer Weile taucht recht überraschend der Col de la Ligne auf. An der Passhöhe machen wir schnell ein Foto und weiter geht es. Auf der Abfahrt hat man immer wieder einen weiten Blick hinüber zum Ventoux, der irgendwie wie ein schlafender Riese träge in der Sonne liegt.

Auf dem Weg nach Sault liegt noch ein weiterer Anstieg vor uns. Diesmal kein Col, aber bei der Gite de Saint Hubert erreichen wir mit 809 m den höchsten Punkt der Tour. Kurz nach der Höhe befindet sich auf der linken Seite ein Aussichtspunkt. Wie überall in der Gegend beherrscht der Ventoux das Panorama, etwas weiter vorne sieht man die Gorges de la Nesque. Eine Informationstafel berichtet von marodierenden deutschen Truppen die 1944 auf der Flucht den Bergbauernhof St. Hubert (den heutigen Gasthof) geplündert haben, aber kurz später von französischen Widerstandskämpfern stark dezimiert wurden.

Und wieder geht es abwärts. Auf den schmalen Straßen ist Vorsicht angesagt, Gegenverkehr ist zwar selten, aber wenn er kommt ist umso weniger Platz zum Ausweichen. Mit dem Straßenbelag ist es auch immer so eine Sache. Ab und an ist die Straße ausgebessert und der lose Split kaum zu erkennen. Die Schürfwunden die man auf diesen Straßen davonträgt stelle ich mir lieber nicht vor.



Im Tal angekommen fahren wir nicht weiter nach Sault sondern bleiben in Monieux. Es ist Zeit für eine Erfrischung und vielleicht auch ein Mittagessen. In Monieux gibt es nämlich ein hervorragendes Restaurant: Les Lavandes. Sehr zu empfehlen. Leider gibt es keinen Platz mehr zum Essen, selbst an einem Samstag Mittag muss man, wie es den Anschein hat, reservieren. Schade, das Drei-Gang-Menü hat wirklich gut ausgesehen (und gerochen). Aber man war so freundlich und hat uns ganz passable Sandwiches gezaubert. Dazu Kaffee und Wasser und eine Desert-Platte, das Klappern der Teller und Stimmengewirr im Hintergrund, Schatten unter einer großen Platane, so lässt sich das Leben ertragen.

Irgendwann ist es dann aber doch an der Zeit den Rückweg anzutreten. Von Monieux aus erreichen wir schnell den höchsten Punkt der Gorges de la Nesque, einer spektakuläre Schlucht, an deren Rand sich die Straße entlang schlängelt und dabei auch einige kurze Tunnel passiert. Diese Strecke ist eines der Highlights der Provence und fehlt wahrscheinlich in keinem Reiseführer. Dementsprechend ist auch der Verkehr. Motorradfahrer, Autos, ein Porscheclub, Wohnmobile und Radfahrer. Alle wollen die Gorges de la Nesque fahren. Schöner ist es mit Sicherheit wenn man die Strecke bergauf fährt. Da lässt sich die Landschaft bei weitem besser genießen. Bergab, wie wir gefahren sind, muss man doch immer sehr auf den Verkehr aufpassen. Aber wer beschwert sich schon über eine Abfahrt und die 20 Kilometer bis nach Villes-sur-Auzon vergehen im Flug. Von dort fahren wir auf ähnlicher Strecke wie wir gekommen sind über Bedoin und den Col de la Madeleine zurück nach Malaucene.


Am Ende haben wir 115 Kilometer auf dem "Tacho" und moderate 1650 Höhenmeter. Die Steigungen auf der Runde betragen selten mehr als 5% und somit ist die Strecke auch für Genuss-Rennradfahrer geeignet.
Ein Tipp: Im Sommer wird es mächtig warm und bis zum nächsten Brunnen oder bis zum nächsten Geschäft kann es schon mal eine Weile dauern, besonders im Luberon, daher immer genug zu trinken mitnehmen und die Flaschen rechtzeitig auffüllen!




Links:
QäulDich.de: Col de MursCol de la LigneSaint HubertGorges de la Nesque,

Montag, 31. August 2015

Radfahren in den Bergen

Eine echte Radtour ist ja eigentlich nur eine, bei der man von der anderen Richtung zurückkommt als in die man losgefahren ist. Raus-Rein ist irgendwie doof. In den Bergen ist das aber gar nicht so einfach. Wir sind gerade in Tirol im Urlaub und die kleinste echte Runde ab Nauders ist die Tour über den Ofenpass mit über 130 km und saftigen 4000 Höhenmeter.



Ansonsten gibt es nur zwei "Eröffnung-Varianten". Über den Reschenpass rüber nach Italien oder über die Norbertshöhe runter ins Inntal. Die Bundesstrasse hinunter nach Pfunds ist für Radfahrer gesperrt und aufgrund des Verkehrs auch in der Tat nicht empfehlenswert.

Wenn man gewohnt ist bei der Streckenwahl aus unzähligen Varianten zu wählen, ist das schon mal eine echte Umstellung. Eine Begleiterscheinung ist, dass mein inneres Metronom, dass mich normalerweise genau nach der geplanten Zeit wieder nach Hause bringt, hier total aus dem Rhythmus gekommen ist. Bei der Tour auf den Kanautaler Gletscher war ich fast zwei Stunden verspätet! Irgendwie geht das mit den 30 Kilometern pro Stunde hier nicht auf. Ach ja, stimmt, Berge. Und was für welche. Und im Tal ist soviel Wind, dass flach auch wie bergauf ist.

Und dann habe ich als alter Flachlandtiroler auch noch den Wetterunterschied zwischen Tal und Berg überschätzt. Bei der Tour auf den Kanautaler Gletscher hatte ich die Trikottaschen mit Windweste, Handschuhen, Halstuch, Rennmütze, Knie- und Ärmlingen gut gefüllt. Am Ende hat die Weste alleine allemal gereicht. Denn aufwärts hat man in jedem Fall warm, abwärts ist man innerhalb von wenigen Minuten wieder im warmen. Darüber hinaus war die Wetterprognose hervorragend und auch oben auf dem Berg war es nicht kalt sondern nur etwas frischer. Es bestand eigentlich gar keine Notwenigkeit soviel mitzunehmen. Die Lehre daraus? Den Wetterbericht genauer studieren und vielleicht einfach mal ein bisschen Frösteln riskieren.


 Wenn man von dem ganzen bergauf fahren genug hat und einfach mal flach fahren möchte gibt es ab Nauders genau zwei Varianten. Zum Reschensee und dort am Ufer auf der Bundesstrasse auf und ab fahren oder man muss runter ins Inntal, hat dann aber auf dem Rückweg nochmal die Norbertshöhe zu erklimmen.

Man kann halt nicht alles haben, ich will mich aber nicht beschweren, schliesslich fährt man ja genau deshalb in die Berge, um Berge und Pässe en masse zu haben.

Auf der Homepage von Nauders gibt die wesentlichen Tourenvorschläge inklusive GPS Tracks und guter Beschreibungen. Dem ist wenig hinzuzufügen, trotzdem einige Erfahrungen und Tips um den Reschensee herum:

Entlang des Reschensees gibt es vier Varianten:
  • die Hauptstrasse am Ostufer, perfekter Asphalt, breit, schnell, aber auch sehr viel Verkehr. Hier sollte man nur entlang fahren wenn man recht zügig unterwegs ist und mal einige Kilometer wirklich flach fahren möchte. Die Straße führt auch an dem versunkenen Ort Graun vorbei, wenn man den halb versunkenen Kirchturm von nahem in Augenschein nehmen will, ist die Hauptstrasse die erste Wahl. 
  • Der Radweg am Ostufer führt meist unmittelbar neben der Hauptstrasse entlang und ist, soweit ich das gesehen habe, meistens geschottert und scheidet daher für Rennräder aus.
  • Der Radweg am Westufer ist mit ca. 2 Metern sehr schmal und ist bis auf wenige hundert Meter asphaltiert. Der Weg bietet herrliche Aussichten über den See, allerdings geht es ständig rechts / links und auf und ab. Geradeaus ist hier Fehlanzeige. Ständig muss man auf entgegenkommende Radfahrer achten und darf nicht zu schnell fahren um Kollisionen zu vermeiden.
  • Überhalb des Radweges am Westufer führt eine Straße entlang, die Via Paese Vecchio. Hier muss man zunächst einige Höhenmeter überwinden, hat aber auch immer wieder tolle Aussichten, keinen Verkehr und eine zwar schmale, aber echte Straße.

Der Radweg entlang des Reschensees führt übrigens weiter bis nach Meran. In südlicher Richtung ist der Weg für Rennradfahrer aber nur bedingt empfehlenswert. Zu eng und zu steil führt der Weg den Reschenpass hinab. Man muss ständig bremsen und kann es nie rollen lassen, das macht keinen Spass. Auf der Hauptstraße ist man zumindest bis nach Schluderns (Sluderno) m.E. besser aufgehoben, zumindest wenn man keine Probleme mit dem Verkehr hat. Aufwärts ist der Radweg hingegen mit Rampen bis zu 20% eine echte sportliche Herausforderung und der Straße in jedem Fall vorzuziehen.

Empfehlenswert ist auch ein Abstecher ins Rojental (Strava). Von der Via Paese Vecchio führt die Strasse fünf Kilometer weit erst durch Wald, dann durch ein Hochtal. Sehr ruhig, wenig Verkehr. In Roia habe ich im Gasthof Bergkristall übrigens den einzigen Espresso Stop aller Touren die ich hier gefahren bin, gemacht. Sehr zu empfehlen. Danach kann man noch weiter bis zur Bergstation der Schöneben-Seilbahn auf 2087 Meter fahren. Da das ganze aber eine Sackgasse ist (zumindest für Rennradfahrer) geht es auf gleichem Weg wieder hinunter.

Auch sehr schön war das Langtaufertal (Strava) auf der anderen Seite des Sees. Ebenfalls ruhig, schöne 10 Kilometer aufwärts, tolles Panorama. 

Links:
Gewohnt haben wir im Aparthotel Arabella.
Hervorragend gegessen im Almhof.
Die erste Adresse für MTB Touren aller Schwierigkeitsgrade und alle anderen Outdoor Aktivitäten  ist das Biwak, nach Gerry fragen!