Durch einen Post von Claude Walter auf seinem Cycling-Blog bin ich auf die Kolumne von Marc Bator in der Welt aufmerksam geworden (Teil 1, Teil 2). Claude lässt zumindest den zweiten Teil der Kolumne nicht gut weg kommen. Das kann ich nicht unerwidert lassen. Die Kolumne ist nämlich hervorragend und das in mehrfacher Hinsicht.
Marc Bator ist den Meisten als langjähriger Sprecher der Tagesschau bekannt. Seit Mai 2013 ist er Chefmoderator der SAT1 Nachrichten. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder und ist begeisterter Rennradfahrer. Er nimmt nicht nur an Jedermann-Veranstantungen teil sondern ist auch Besitzer einer C-Klasse Lizenz. Also ein echter Rennfahrer. Und ein MA-13 Fellow.
Natürlich ist Claudes Anmerkung richtig, dass Herr Bator uns Rennradfahrern nichts Neues erzählt. Wir sind aber auch gar nicht die Zielgruppe dieser Kolumne, sonst würde sie in einem der deutschen Radsport Magazine erscheinen. Und das ist an sich schon das Bemerkenswerte, dass eine grosse, überregionale Tageszeitung eine Kolumne zum Rennradfahren veröffentlicht. Nicht zum gemütlich dahin-gondeln mit dem Tourenrad auf dem Donauradweg in weiten, flatternden Baumwollklamotten, nein, es geht um Rennräder, Geschwindigkeit, Training und Rennrad-Style.
Nach all den Dopingskandalen und der schlechten Presse die der Radsport in den letzten Jahren gehabt hat finde ich es ein sehr gutes Zeichen, dass Herr Bator, ein Amateur und Freizeitsportler, die Möglichkeit bekommt so positiv über den Radsport zu schreiben.
Im ersten Teil hat Herr Bator seinen Radsport-Werdegang beschrieben und berichtet von der Schwierigkeit Radsport mit Beruf und vor allem der Familie zu vereinbaren. Für eine Kolumne die sich an ein breites, nicht Radsport spezifisches Publikum richtet, geht er erstaunlich in die Tiefe. Er schreibt über Trainingsbereiche, Grundlagenausdauer, Rollen-Training und das er nach längerer Verletzung 250 Watt im Schnitt gefahren ist. Kann das sein? Natürlich. Er schreibt dass er nach 30 Minuten japsend auf dem Boden gelegen hat. 250 als FTP, ja, das ist keine Leistung die Profis vorbehalten ist, auch wenn Herr Walter das nicht glauben mag.
Im zweiten Teil geht es um gutes Aussehen auf dem Rad. Herr Bator gibt den Lesern die damit noch nie in Berührung gekommen sind, eine Ahnung, dass es eine Etikette gibt wie man sich auf dem Rad kleiden sollte. Natürlich kann man mit Beinlingen aber ohne Armlinge fahren, aber man entlarvt sich damit als blutiger Anfänger. Ein absolut korrekter Ratschlag. Wer noch nie in der Oper war, hält Jeans vielleicht auch für angemessen. Auch sein Rat, dass man davon absehen sollte in den Trikots der Profimannschaften aus der EPO-Hochzeit zu fahren findet meine volle Zustimmung. Und Handschuhe? Ich habe schon seit Jahren keine mehr. Tom Boonen fährt sogar Paris-Roubaix ohne.
Also Herr Bator, machen Sie weiter so. Verbreiten Sie die Begeisterung für unseren schönen Sport.