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Sonntag, 7. Oktober 2018

El Imbatido

Da hat es der alte Fuchs Valverde doch tatsächlich geschafft und sich in Innsbruck das Regenbogentrikot des Weltmeisters übergezogen. Nach vier Bronze- und drei Silbermedaillen endlich Gold, mit 38 Jahren! Nur Jop Zoetemelk war ein paar Monate älter, als er Weltmeister wurde.


Im Radsportnetz brach darauf hin ein wahrer Sturm los. Valverde! Ausgerechent Valverde. Glaubt man den Unkenrufen, steht der Radsport mal wieder am Abgrund. Jeder, aber auch wirklich Jeder wäre ein würdigerer Weltmeister als "El Imbatido" (der Unbesiegbare). Paul Kimmage nennt es “Another excrement day for pro cycling”, Velonews ruft einen runden Tisch ein und fragt “How do we feel about Valverde’s world’s win?” und Caley Fretz schreibt auf Cyclingtips “I wish Valverde hadn’t won”. Der Radsport hat den Sieger bekommen, den er verdient. Auch das war auf Twitter zu lesen, was auch immer es bedeutet.

Natürlich kann man manche Fahrer sympathischer finden als andere, gönnt dem Einen den Sieg mehr als dem Anderen. Aber ist es wirklich notwendig, jeden Fahrer und jeden Sieg auf vergangene Verfehlungen zu prüfen? Jedem Sieg einen Glaubwürdigkeitsindex anzufügen? Wie soll der berechnet werden? Wie kann man sich dann überhaupt noch am Radsport erfreuen? Ja, Valverde hat auf immer diese Fußnote in seiner Vita. Operation Puerto, ein DNA Nachweis, juristische Winkelzüge und schließlich zwei Jahre Sperre. Aber kein Schuldeingeständnis, keine Entschuldigung, keine öffentliche Reue. Stattdessen hat der Mann aus Murcia dem Vernehmen nach härter und mehr als je zuvor trainiert und kam mit einem Paukenschlag zurück.

2012 gewann er die Königsetappe der Santos Tour Down Under und wenig später die Andalusien Rundfahrt. Bähm! Die Serie dauert bis heute an. Valverde hat vier mal Lüttich-Bastogne-Lüttich gewonnen, fünf mal den Wallonischen Pfeil, fünf mal die Andalusien Rundfahrt, elf Etappen und die Gesamtwertung der Spanienrundfahrt, zwei mal die Dauphiné und zwei mal San Sebastian. Er trug mehrmals das Spanische Meistertrikot im Straßenrennen und im Zeitfahren und hat vor dem Sieg in Insbruck sieben WM-Medaillen gesammelt. Ob Eintagesrennen oder Grand Tour, ob Frühjar, Sommer oder Herbst, Valverde steht am Start und kämpft. Und wenn es nicht für den Sieg reicht, fährt er auch um die Ehrenplätze. Von 24 Gran Tours war er 17 mal unter den Top 10 und 13 mal unter den Top 5.

In der All-Time Bestenliste von Pro Cycling Stats steht Valverde auf Platz acht, nur geschlagen von Merckx, Moser, Anquetil, Kelly, Hinault, de Vlaeminck und van Looy, aber vor Coppi, Gimondi, Bartali oder Indurain. Der nächste noch aktive Fahrer, Peter Sagan, kommt erst auf Platz 23.


Wenn sich der moralische Furor nun über Valverde ergießt, was ist dann mit Merckx, Anquetil, Thurau oder Altig? Hat der Kannibale, der unbestritten größte Radsportler aller Zeiten nicht mehrere Dopingvergehen auf dem Kerbholz? Darf man die Helden der Vergangenheit noch ruhigen Gewissens bewundern? Darf man zu Pantanis Grab pilgern und gleichzeitig Armstrong verurteilen?

Wenn ich Valverde sehe, sehe ich einen Fahrer, der den Radsport liebt, der nie aufgibt und sich selbst nach schlimmen Verletzungen zurück kämpft. Einen Fahrer, der nicht nur Leader, sondern auch Domestike ist. Der eine ausergewöhnliche Konstanz zeigt, über die Saison und die Jahre, dabei aber nie durch “außerirdische” Leistungen heraussticht. Der Panache und Grinta verkörpert wie nur wenige Andere. Der elegant auf dem Rad sitzt. Der Rennen nicht nur mit den Beinen, sondern auch mit Cleverness gewinnt.

Was an dieser Geschichte mit solchen Höhen und Tiefen, mit so viel Emotion und Leidenschaft sollte schlecht für den Radsport sein?


Das Einzige was ich Valverde vorhalten kann, ist dieses furchtbare Kit der spanischen Nationalmannschaft. C’mon Espana, was war da los? Das geht doch wirklich besser! Aber zumindest haben Valverde und Movistar sich für die klassische Weltmeister-Kit Variante mit schwarzer Hose entschieden!



Bilder: Bettini Photo, Pressebilder WM Innsbruck

Links:
Valverde auf Pro Cycling Stats und Wikipedia
Die offizielle Seite der WM in Innsbruck
David Millar schrieb zu Valverdes Gewinn: I am cool with this, although I need to explain why

Dienstag, 31. Januar 2017

Bieles 2017: Eis, Schlamm, Fans und Flitzer

Na das war ja mal ein Spektakel! Zwei Tage packende Cyclocrossrennen in Luxembourg um die Trikots mit dem Regenbogen. In fünf Rennen haben die Junioren, U23 Frauen, Elite Frauen, U23 Männer und Elite Männer um die Weltmeisterschaft gekämpft. Ich war an beiden Tagen da und habe mir alle Rennen angesehen.

Die Strecke
war einer Weltmeisterschaft mehr als würdig. Es gab Hürden, eine ganze Reihe an Brücken, steile Abfahrten, Schräghang-Passagen, eine Treppe, technische, sehr anspruchsvolle Abschnitte genauso wie schnelle Power Passagen, Asphalt, Wiese, Lehmboden. Alles war dabei und alles war schön anzusehen. Es gab kaum eine Stelle an der man "schlecht" gestanden hat. Meist konnte man die Fahrer mehrfach sehen und gleichzeitig eine der zahlreichen Videoleinwände im Blick behalten.

Interessant war, wie sich die Strecke im Verlauf des Wochenendes geändert hat. Die Junioren mussten am Samstag Morgen auf einer zum großen Teil vereisten Strecke fahren. Entsprechend viele Stürze gab es, direkt nach dem Start beim Einbiegen auf eine Sand Passage hat das halbe Feld auf dem Boden gelegen. Bei den U23 Frauen war es schon etwas besser. Die Damen hatten am Nachmittag die vielleicht besten Verhältnisse des Wochenendes. Das Eis war größtenteils geschmolzen, der Boden aber noch nicht so getaut, dass es schlammig wurde.
Am Sonntag gab es dann eine ganz andere Rutschigkeit als am Samstag Morgen. Schöner, lehmiger Schlamm. Heidewitzka, was für eine Anforderung an Fahrer und Material.




Die Rennen
waren alle packend, spannend, aufregend und schön anzusehen. Bei den Junioren gab es ein rein britisches Podium. Das Rennen der U23 Frauen wurde von der Niederländerin Worst dominiert, hätte aber auch anders ausgehen können, die Abstände des Podiums waren relativ knapp.
Der Sieger im U23 Rennen der Männer, Nieuwenhuis stand früh fest und hatte am Ende weit über eine Minute Vorsprung. Da hätte nur ein größerer Defekt oder ein ungünstiger Sturz was dran ändern können. Dafür war der Kampf um die Plätze spannend.
Am knappsten und aufregendsten war das Rennen der Frauen. Sanne Cent gewann verdient im Sprint vor Marianne Vos. Die Führung hat in den letzten Runden ständig gewechselt. Beide hatten Sturz bzw. Materialpech. Das war ganz grosser Sport!
Wie von einem anderen Stern sind Matthieu van der Poel und Wout van Aert gefahren. Die Aufholjagt von Wout van Aert, als dieser dem früh enteilten van der Poel hinterher ist, diese unbedingte Entschlossenheit im Blick, wow, das live zu sehen, das hat schon was gehabt. Am Ende hatte der Niederländer zu viele platte Reifen (vier) und das auch noch an ungünstiger Stelle, um dem Belgier Paroli bieten zu können. Das war schade, gehört aber wohl auch zu diesem Sport. Bemerkenswert ist, dass unter den ersten Zehn im Elite Rennen nur drei Fahrer nicht aus Belgien oder den Niederlande waren! Auf einem sehr starken zehnten Platz war der Deutsche Sascha Weber! Chapeau an dieser Stelle!




Die Fahrer:
Erstaunlich war die Spanne zwischen den Besten und den Letzten in jedem Rennen. Wo die Spitze auch bei den schwierigsten Stellen im Sattel blieb, wurde hinten im Feld munter gestürzt und geschoben. Schnell waren Minuten zwischen den Fahrern und Fahrerinnen, die Letzten kassierten teilweise mehrere Runden. Und dabei sind auch die Fahrer im hinteren Teil in ihren Ländern die Allerbesten. Soviel Talent, Training und Hingabe sind notwendig um in eine Nationalmannschaft zu kommen und dann auch noch selektiert zu werden! Nur um dann die eigenen Grenzen so brutal aufgezeigt zu bekommen. Was ist das doch für ein langer, harter und steiniger Weg zur Spitze.




Die Fans
waren mit das Tollste an dieser Weltmeisterschaft. So viele Nationen, so viele Leute haben den Weg nach Luxembourg gefunden und nicht nur ihre eigenen Fahrer angefeuert. Eine einzige große, friedliche, ausgelassene Party. Über 28.000 Zuschauer wurden gezählt. Als ich den Schnapskanister der Schweitzer fotografieren wollte, habe ich statt einem Foto einen Becher Kafi Luz bekommen. Ein Schweitzer Nationalgetränk bestehend aus heissem Wasser, Schnaps und etwas Kaffee. Hopp Schwiiz!





Die Organisation:
Da gab es nichts zu mäkeln. Von dem was ich gesehen habe, hat alles hervorragend funktioniert. Die Einlasskontrollen gingen erstaunlich flott über die Bühne. Der im Vorfeld angekündigte Bann von Rücksäcken, Fahnen, Essen und Trinken würde allem Anschein nach dann nicht ganz so rigoros umgesetzt. Gut so. Es gab ein riesiges, ein großes und mehrere kleine Festzelte mit DJ-Musik und maximaler Party-Stimmung. Es war nie weit bis zum nächsten Bierstand oder einer der Fressbuden. Das Essen war zwar teuer, aber wohl im Rahmen dessen, was man auf solch großen Veranstaltungen bezahlen muss. Dafür ging es flott und die Fritten waren wirklich gut.


Ach ja, und einen Flitzer gab es auch:

Vielemols Merci an Sergio, der mir erlaubt hat das Video hier zu zeigen.


Links:
Weitere Bilder gibt es in meinem Flickr Album.
Ergebnisse und Berichte findet ihr auf Cyclingnews
Videos der Rennen gibt es auf dem UCI YouTube Channel

Samstag, 14. Januar 2017

Cyclocross Weltmeisterschaft in Luxembourg

In genau zwei Wochen geh es los! Dann findet in Luxembourg die UCI Cyclocross Weltmeisterschaft statt. Ich bin gespannt und freu mich. Heute sind die Karten gekommen!


Dazu vorher auf Unterlenker.com: Cross is coming to Bieles!

Dienstag, 27. Dezember 2016

Cross is coming to Bieles!

In vier Wochen findet in Luxembourg die UCI Cyclocross Weltmeisterschaft statt. Am 28. und 29. Januar ermitteln die Junioren, die weibliche und männliche U23, die Frauen und die Männer in Esch-Belval die neuen Träger der Regenbogentrikots. Nach 1968 ist dies das zweite Mal, dass die Cross WM im Großherzogtum stattfindet. Damals gewann Eric de Vlaeminck seinen zweiten von sieben (!) Titeln. Bei den Amateuren gewann sein jüngerer Bruder Roger de Vlaeminck.

Wer dieses Jahr gewinnen kann? Keine Ahnung, so genau verfolge ich den Cross-Sport nicht, um Favoriten oder sogar Aussenseiter benennen zu können, aber mit Sicherheit wird es spannend werden. Das Tolle: Ich könnte sogar mit dem Rad hinfahren. 60 Kilometer bis zu einer Cross Weltmeisterschaft hat man ja nicht jedes Jahr.

Das offizielle Programm der WM beginnt bereits Donnerstags mit der Abnahme des Kurses durch die UCI und einem offiziellen Training. Freitags bestätigen die teilnehmenden Nationen ihre Starter, es gibt offizielle Trainingszeiten und Abends wird der Austragungsort der WM 2018 bekanntgegeben. Die Rennen sind dann am Wochenende, Samstags die Junioren, die U23 und Elite Frauen und Sonntags die U23 und Elite Männer.


Der Eintritt kostet im Vorverkauf bis zum 31.12.2016 für den Samstag 26, den Sonntag 33 und zusammen 41 Euro. Im neuen Jahr wird es etwas teurer, Kinder bis 12 Jahre kommen umsonst rein. Zu den Tickets bitte hier entlang.

Die Rennen finden auf dem ehemaligen Hüttengelände in Esch statt. Nach dem Niedergang der Stahlindustrie haben sich die Stadtentwickler an die Arbeit gemacht und Esch zu ein Zentrum im Süden des Landes ausgebaut. Heute finden in Esch Belval Musikkonzerte mit Künstlern von Weltrang statt, es gibt ein Einkaufszentrum und Wohnungen, Teile der Luxemburger Universität finden sich ebenso wie ein großer Finanzdienstleister und Banken mit mehreren tausend Mitarbeitern und die Reste der alten Hochöfen. Bieles (franz.: Belvaux) ist übrigens der Name der Gemeinde auf deren Gemarkung ein Teil des ehemaligen Hüttengeländes Belval liegt. Der andere Teil von Belval gehört zu der Stadt Esch-Alzette. Es gibt im Norden auch noch ein Esch an der Sauer / Esch sur Sûre. Also Obdacht welches Esch man im Navi eingibt, sonst landet man schnell ganz wo anders! Esch an der Sauer ist landschaftlich zwar schöner, aber da findet keine Cross WM statt.


Die Verkehrsanbindung via Autobahn ist prima, Google Maps hilft euch weiter. Wer den Verkehr und potentiellen Stau bei solch einer Veranstaltung vermeiden möchte kann auch, zumindest für die letzten Kilometer, auf den Zug umsteigen. Vom Bahnhof Esch-Belval fällt man fast auf die Rennstrecke. Es bietet sich daher an ab z.B. Bettemburg oder auch Luxembourg Stadt den Zug zu nehmen. Infos zu den Verbindungen finden sich hier.

Übrigens habe ich versucht eine Akkreditieren zu bekommen, um ganz offiziell für Euch von der Cross Weltmeisterschaft berichten zu können. Aber die UCI wollte mich nicht! Pffff, keine Ahnung haben die, aber so was von keine!




Links:
Cross WM auf Wikipedia
Homepage Bieles 2017
Update 28.12.2016: In einer vorherigen Version habe ich Bieles der Stadt Esch-Alzette zugeschlagen.