Samstag, 30. Juni 2018

95 Regeln - Der Kodex für Radsportjünger

Eines der faszinierenderen Dinge am (Straßen-) Radsport sind die unzähligen Details und Traditionen, die sich über mehr als ein Jahrhundert entwickelt haben und das Erscheinungsbild und die Verhaltensregeln prägen. Ob man sich selbst nun als überzeugten Radsportjünger betrachtet, der die Regeln als die reine Lehre sieht oder ob man das Alles für ausgemachten Quatsch hält ist ein Frage des Selbstverständnisses als Radfahrer. Denn natürlich kann man ganz wunderbar Rad fahren mit Sandalen und Flat-Pedals, mit unrasierten Beinen, mit Kniestrümpfen, mit einem dreckigen Rad, mit einer Satteltasche, mit einem TdF-Replica Trikot oder mit bunten oder sogar weißen Radhosen. In diesem Fall hat man wahrscheinlich aber auch nicht das geringste Verlangen zu der Gruppe der Radsportjünger dazu zugehören und die Regeln dieser versnobten Wannabe Anquetil-Merckx-Hinault's können einem gestohlen bleiben. Diejenigen, denen die Traditionen des Straßenrennsports etwas bedeuten, finden in den 95 Regeln die Niederschrift der Dos and Don't des Radfahrens auf schmalen Reifen.


Nun kann man dem Wortlaut der Regeln sklavisch folgen und sich als spaßfreier Fundamentalist zu erkennen geben oder die Regeln als Leitlinie betrachten, von der man ab und an und mit einem Augenzwinkern auch mal bewusst abweichen kann.

Als ich 2013 zum ersten mal auf die Velominati und die Regeln aufmerksam wurde, war das allermeiste, was diese Amerikaner da aufgeschrieben hatten, für mich schon immer eine Selbstverständlichkeit. In der Tat habe ich den Radsport so gelernt. Schaut euch mal das Bild auf der "Worum es geht" Seite an, entstanden ist es lange bevor es die Velominati überhaupt gab.

  • Regel #14 // Radhosen sollen schwarz sein - check
  • Regel #22 // Radmützen sind fürs Radfahren - check
  • Regel #26 // Mach dein Rad fotogen - check
  • Regel #27 // Hosen und Socken sollten die perfekte Länge haben (nun ja, die Socken sind in der Tat etwas kurz) - trotzdem check
  • Regel #28 // Socken müssen weiß sein - check
  • Regel #36 // Verwende nur richtige Radbrillen - check
  • Regel #45 // Vorbau runter - check
  • Regel #46 // Lenker waagerecht - check
  • Regel #50 // Gesichtsbehaarung ist im Zaum zu halten (damals war das noch einfacher) - check
  • Regel #53 // Halte deine Kleidung sauber und in Schuss - check
  • Regel #60 // Entferne die Staubkappen (auf den Ventilen) - check
  • Regel #65 // Pflege und respektiere deine Maschine - check
  • Regel #73 // Bremszüge sind auf optimale Länge zu kürzen - check
  • Regel #78 // Entferne unnötige Ausrüstung (2. Flaschenhalter ist ab) - check
  • Regel #80 // Sei immer und überall nonchalant - check
  • Regel #90 // Bleibe auf dem großen Blatt - check
Und das sind jetzt nur die Regeln, die man sehen kann. Natürlich ist es eine Selbstverständlichkeit den Ball flach zu halten ("ich bin total außer Form") (#81), vernünftig zu trainieren (#71), die Linie zu halten (#59), das Tempo nicht ruckartig zu verschärfen (#88), nicht das Rad vorzustrecken (no Halfwheeling) (#86), den Müll nicht in die Landschaft zu werfen (#77) und dass man seine Platten selber flicken kann (#83).

Andererseits gibt es auch Regeln, die ich inzwischen als unpraktisch ansehe oder die totaler Quatsch sind. So ist mein Ersatzschlauch nicht mehr immer im Trikot, sondern in einer kleinen Tasche unter dem Sattel (#31). Bei Radmarathons habe ich die Minipunmpe am Rad (#30), im Training fahre ich oft mit Kopfhörern (#62), esse auch was bei Trainingsrunden unter vier Stunden (#91) und fahre bei Regen mit Schutzblechen am Rad. Die N+1 Geschichte (#12) und die ganzen "Harter Hund beisst die Zähne zusammen und das Rad ist wichtiger als die Familie" Punkte (#4, #5, #9, #10, #11, #12) sind offensichtlich nicht ganz ernst zu nehmen, sondern spielen mit dem nicht zu leugnenden Spleen vieler Radfahrer zu immer mehr Fahrrädern und ihrer Glorifizierung der eigenen und fremden Leiden auf dem Rad.

In jedem Fall ist die Lektüre kurzweilig, sorgt für den ein oder anderen Lacher und Gesprächsstoff bei er nächsten Ausfahrt, wenn man sich gegenseitig die Regelverstöße vorhalten kann.

Alle Regeln kann man auf der Homepage der Velominati in Englisch oder seit diesem Jahr auch in Deutsch mit ausführlicher Begründung aller Regeln in dem im Covadonga Verlag erschienen Buch nachlesen. Das Taschenbuch hat gut 300 Seiten und kostet 14,80 Euro, die Kindle Version 9,99 Euro.

Die Original Ausgabe habe ich 2013 (wie die Zeit vergeht) schon mal hier im Blog vorgestellt: Regeln Regeln Regeln.

Das Buch wurde mir vom Covadonga Verlag zur Rezension zur Verfügung gestellt. Dafür vielen Dank.

Links:
Covadonga Verlagsseite zu "Die Regeln"
Velominati Homepage (Nicht zu verwechseln mit der .de Seite gleichen Namens, zu der ich mich hier jeden Kommentars enthalte)

Sonntag, 17. Juni 2018

Rapha Prestige Eifel

Es ist kurz nach sechs am Morgen irgendwo in der Eifel. Ich bin mit dem Rad auf dem Weg von der Jugendherberge zum Start des Rapha Prestige Eifel. Erste Sonnenstrahlen kämpfen sich durch den Nebel und es geht rasant bergab. Ich lasse das Rad laufen. Der vor mir fahrende Transporter bremst und fast setzte ich zum Überholen an, als ich realisiere, dass es um eine Kurve geht und ich zu schnell bin. SCH... VIEL ZU SCHNELL! Gerade so kann ich noch etwas bremsen und da die Straße nass ist, versuche ich mich gar nicht erst an der Rechts-Kurve sondern mache einen Bunny-Hopp über den Randstein, lande auf dem Grünstreifen, springe halb über den Lenker vom Rad ab und komme in der Hecke zum stehen. Puh, das war knapp. Zum Glück kam kein Auto entgegen und ich war auf meinem Cannondale Slate unterwegs, die Scheibenbremsen und die dicken Reifen haben mich gerettet (zusammen mit meinen überragenden Bike-Handling Skilzzz natürlich). Ich weiss nicht, ob ich die Situation mit dem Straßenrad noch gerettet hätte. Fast wäre die Rapha Prestige Eifel für mich vorbei gewesen, bevor es überhaupt los ging. Zumindest war ich danach wach und konnte pünktlich um 6:30 die Startunterlagen für mein Unterlenker Team entgegennehmen.


Seit einigen Jahren veranstalten die diversen Rapha Cycling Club (RCC) Chapter rund um die Welt die sogenanten Prestige Rides. Vorher hießen diese Veranstaltungen auch schon mal Gentlemen oder Continental Race. Wer danach sucht, findet viele schöne Videos von älteren Veranstaltungen. Der Modus hat sich nicht viel verändert. Es geht weniger um schnelle Zeiten, sondern mehr um das gemeinsame Erleben. Gestartet wird als Mannschaft mit vier Fahrer*innen im Abstand von je einer Minute und die allerwichtigste Regel ist, auch als komplette Mannschaft ins Ziel zu kommen. In der Eifel haben 44 Mannschaften einen der begehrten Startplätze bekommen. Gefahren wird auf Rennrädern. Die Strecken beinhalten oftmals Abschnitte, die auf schnellen Reifen noch gerade so fahrbar sind. Das stiftet ein bisschen Anarchie und Chaos und treibt den "Epic-Factor" nach oben. Ganz so pingelig sollte man mit seinem Material also nicht sein, Reifen mit 25 mm oder mehr werden empfohlen. Wir will kann auch mit Gravel oder Cross-Bike fahren. So wie ich mit dem Slate, das war zwar etwas weniger episch, dafür aber super komfortabel und das perfekte Rad für diesen langen Tag. Die Strecke ist nicht ausgeschildert und gefahren wird nur nach einem GPS Track. Auf den 200 km durch die Eifel gab es zwei Verpflegungsstellen, die erste mit dem Rapha Bus war fürstlich ausgestattet, mit Biertischgarnituren, Espresso und allem möglichen zu essen. State of the Art!

Vom Start in der Nähe von Monschau ging es zunächst an den Stauseen der Ruhrtalsperre vorbei. Das war der beste Abschnitt des Tages. Der Nebel hing noch über dem See, die Luft war frisch und das Panorama unglaublich. Auf den Schotterwegen am See vorbei musste man die Augen aber auf dem Weg lassen, das war ein bisschen schade. Ein weiteres frühes Highlight war die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang. Der Anstieg hinauf zu der Nazi-Burg war der steilste Abschnitt des ganzen Strecke und hatte es wirklich in sich. Oben angekommen wurden wir mit einem unglaublichen Panorama belohnt. Weiter ging es hoch und runter durch die Eifel bis wir kurz vor Düren den nördlichsten Punkt erreicht hatten. Der Rückweg führte über weite Strecken über den Vennbahn Radweg. Das war ganz ehrlich der langweiligste Abschnitt. Eisenbahnstrecken sind halt schlechte Radstrecken, kaum Kurven, ständige Kreuzungen und viel zu viele andere Radfahrer! Richtig schön wurde es wieder am Schluss auf der hohen Venn, einem Hochmoor. Die letzten Steigungen erforderten nochmal "All-In".

Nach guten sieben Stunden waren wir zurück am Café Grünental. Hey. Und gar nicht so langsam. Obwohl die Zeit nicht zählt, gab es trotzdem ein Ergebnis. Wir waren auf Platz sechs! Vielleicht ist das aber auch Ausdruck dessen, dass wir es total vermasselt und den Spirit des Rapha Prestige nicht erfasst haben. Keine extra Pausen, keine Fotostops und keine Fritten an der Bude 20 km vor Schluss, wo es soooooo gut gerochen hat. Da gibt es also noch Verbesserungspotenzial. Aber zumindest haben wir andere Fahrer getroffen, den ein oder anderen netten Plausch gehalten und die internationale Atmosphäre genossen.

Im Ziel gab es neben einer Radmütze und einem Verpfelgungsbeutel auch Bier, Wasser und Softdrinks und ein All you can eat Buffet mit Salat, Pizza und Lasagne. Das waren mal gut investierte 25 Euro Startgeld pro Fahrer.

Fazit des Tages: Sehr sehr cool! Die Rapha Prestige Eifel hat wirklich Spass gemacht. Eine prima organisierte Veranstaltung in einer tollen Landschaft und das Wetter hat auch mitgespielt. Wenn alle RCC Veranstaltungen so viel Spass machen, tut es mir umso mehr leid, dass es kein Rapha Clubhaus in der Nähe gibt. Da würde ich mich bestimmt öfter blicken lassen.

Credits: Erwin Sikkens + Rapha / Erwin hat auch die Bilder in dem Facebook Album geschossen. 
Link am Ende des Posts. Danke dass ich hier einige Bilder verwenden darf.


Credits: Erwin Sikkens + Rapha










Team Unterlenker: Jan, Boris, Christian und Tom



Relive 'Rapha Prestige Eifel'


Links:
Rapha Prestige Homepage
Rapha Clubhouse Amsterdam - Prestige Fotoalbum auf Facebook
Erwin Sikkens - Der offizielle Prestige Eifel Fotograf

Samstag, 16. Juni 2018

Time Trial - Ein Rennen gegen die Zeit

David Millar ist eine der umstritteneren Persönlichkeiten im Radsport. Als erster britischer Fahrer trug er die Führungstrikots der drei großen Landesrundfahrten und war über Jahre der Favorit jedes Zeitfahrens, bei dem er antrat. 2003 krönte er seine Karriere mit dem Weltmeistertitel im Zeitfahren vor Taylor Hamilton. Im Jahr darauf folgte der tiefe Fall. Die Dopingermittlungen der Cofidis-Affäre brachten den Betrüger und Lügner zu Tage, der Millar damals war. Ein Doper, der alle Register zog. Es folgte die Aberkennung des Weltmeistertitels und ein zweijährige Sperre. Nach dem tiefen Sturz mit Unmengen an Alkohol folgt ein Comeback als geläuterter Fahrer und engagierter Kämpfer für einen sauberen Sport. Auch nach seiner Rückkehr kann er eine ganze Reihe von großen Erfolgen feiern. Unter anderem wird er 2010 Vizeweltmeister im Zeitfahren, gewinnt in der gleichen Disziplin bei den Commonwealth Games die Goldmedaille und fügt Etappensiege bei Giro (2011), Tour (2012) und der Vuelta (2009) zu seinen Palmarès hinzu.


2014 sollte Millar's große Abschiedstournee als Radprofi werden. Der Schlussakkord unter einer wechselvollen Karriere, ein letztes Hurra. Noch einmal die Klassiker, eine letzte Tour de France. Finlay Pretsell begleitete Millar mit der Kamera und nimmt den Zuschauer mit in dieses letzte Jahr, das ganz anders wird als geplant.

Regisseur Pretsell und Kameramann Martin Radich gelingen dabei außergewöhnliche Bilder. Bei einigen Rennen erlaubten die Veranstalter gar ein eigenes Kameramotorrad für die Filmemacher, dazu kamen Kameras am Rad und ein Mikrophon am Trikot von Millar. Dem Zuschauer wird so ein seltener Einblick in das Peloton gewährt. Man hört die Gespräche der Rennfahrer unter sich, wie Rennen organisiert und Anstieg gefürchtet werden. Manchmal unterscheiden sich das nicht von dem Smal-Talk, der auf jedem x-beliebigen Büroflur geführt wird.

Über Minuten passiert fast nichts. Millar im Rennen, im Training, von vorne, von hinten, Straßen die bergauf und bergab führen. Radrennen sind irgendwann auch nur noch Routine. Die Zeit dehnt sich endlos und Monotonie macht sich breit. Der Ausdruck "Gefangene der Landstraße" bekommt auf einmal ein echte Bedeutung und ist nicht mehr nur eine Floskel.


Millars großes und selbstverständliches Ziel ist ein letztes Mal die Tour de France zu bestreiten. Das Rennen, dass ihn zum Radsport brachte. Ein einziges Mal wollte er in Paris ankommen. Das war immer sein Zeil. Eine Tour de France. Am Ende wurden es zwölf. Doch Millar läuft seiner Form hinterher. Der Körper reagiert nicht mehr wie früher. Ergebnisse bleiben aus. Selbstzweifel wachsen. Als er bei einer Etappe von Tirreno-Adriatico (?) letzter wird, sagt er: "Als Letzter ins Ziel zu kommen ist manchmal genauso wichtig wie zu gewinnen. Ich habe noch Zeit das in den Griff zu bekommen." Eine Szene später unterhalten sich Millar und sein Zimmergenosse Thomas Dekker über das Leben als Rennfahrer und Dekker sagt zu Millar "Dafür hast du keine Zeit mehr."

Mailand San Remo soll die Wende bringen. Es regnet in den ersten Stunden ohne Unterlass und es ist kalt. Millar lässt sich zum Teamwagen zurückfallen, wechselt die Handschuhe und versucht die Regenjacke zu schließen. Mit den dicken Handschuhen und den kalten Fingern will es aber einfach nicht gelingen. Nach mehreren Minuten frustrierter Versuche muss er schliesslich anhalten und sich helfen lassen. Welch ein Drama.

Immer wieder blendet der Film Szenen aus Millars Kariere ein. Rückblicke. Erinnerungen an gute und nicht so gute Tage. Und immer wieder taucht das Doping Thema auf. Man bekommt ein Idee, wie anstrengend und emotional auslaugend es sein muss wieder und wieder über die eigenen Fehler zu sprechen, es immer wieder zu erklären.

Schließlich wird Millar von seinem eigenen Team, bei dem er nicht nur Rennfahrer, sondern auch Teilhaber ist, nicht zur Tour de France nominiert. Der letzte Akt bleibt ihm verwehrt. Es reicht nicht. Millar ist nicht mehr der Fahrer, der er einst war und das erste Mal seit er denken kann fließen Tränen.

Diese intimen Bilder, wenn die Kamera die Selbstzweifel, den ins Leere gerichteten Blick, die aufkeimende Ahnung der Aussichtslosigkeit und schließlich die offene Verzweiflung einfängt, sind die besten, stärksten Momente dieses Filmes.

Time Trial ist ein ganz großartiger Film, der wenig mit Zeitfahren, aber viel mit dem Fahren gegen die noch verbleibende Zeit zu tun hat.



Den deutschen Verlag hat mindjazz pictures übernommen. Die Deutschlandpremiere ist am 4. Juli in Düsseldorf im Cinema Kino. Gastgeber ist Schicke Mütze und mindjazz pictures. David Millar wird anwesend sein und es wird die Möglichkeit einer gemeinsamen Ausfahrt geben. Hier der Facebook Link zu der Veranstaltung.

Offizieller Kinostart ist dann am 5. Juli. Die Liste der Kinos ist hier zu finden. Derzeit arbeitet der Vertrieb daran den Film an mehr Orten zu zeigen, falls euer Kino also noch nicht dabei ist, einfach nochmal checken oder direkt bei dem Kino nachfragen.
Im Saarland wird der Film ab dem 12. Juli in der Camera Zwo laufen. DEM Kino im Saarland für Filme abseits der der Crash-Knall-Kawumm-Hollywood Filme. Dort ist 2015 auch schon der Lance Armstrong Film "Um jeden Preis" gelaufen.

Links:
Deutsche Homepage
Englische Homepage
Kritik im Guardian (lesenswert)
Movie Database
Einige Schnipsel und weitere Videos im Time Trial YouTube Channel

Freitag, 8. Juni 2018

Dirty Kanza 200 und die Suche nach dem Warum

Am vergangenen Wochenende fand die inoffizielle Gravel-Weltmeisterschaft statt, das Hawai des Rennradfahrens auf Schotterstraßen, die Dirty Kanza 200. Rund 320 Kilometer auf amerikanischen Farmstraßen durch die wellige Landschaft des mittleren Westens. Über 1000 Starter haben sich der Herausforderung gestellt. Ted King hat das Rennen mit einer Zeit von 10 Stunden und 44 Minuten gewonnen. Sven Nies hat ein DNF und Jens Voigt kam gerade so unter die ersten 100.

Über 300 Kilometer auf Schotter, Wind, Hitze, ein dutzend Stunden und mehr im Sattel, ein Plattfuß nach dem anderen. Warum macht man so etwas? Wer tut sich das an, noch dazu freiwillig? Mythical State of aka MFS aka Manual for Speed hat sich auf die Suche gemacht und fünf Athleten ausgewählt und durch ein Trainingsprogramm geschleust, vermessen, bewertet und befragt. Dazu Gespräche mit Wissenschaftlern, einer Rabbinerin, Ernährungsexperten, Anthropologen, Traumdeutern und anderen Experten geführt, alles, um das Warum herauszufinden, das WHY. Projekt Y.


Herausgekommen ist eine sehenswerte Dokumentation über 45 Minuten. Sicherlich nicht die übliche Wissenschaftsdoku, aber hey, die gehörige Portion Craziness ist das Markenzeichen von MFS.


Links:
Project Y Homepage (Unbedingt anschauen, dort gibt es soooooo viel zu entdecken und zu lesen, brilliant)

Dienstag, 5. Juni 2018

Rückenwind am Berg

Als ich vor einigen Tagen eine Feierabendrunde gedreht habe, war mir irgendwie nach schnell fahren zumute. Der Anstieg nach St. Barbara in der Nähe von Saarlouis, der auch Teil der Deutschland Tour Etappe im Saarland ist, kam da gerade recht um ein wenig die Muskeln spielen zu lassen. Eines vorab, es geht hier nicht um vermeintliche Strava Großtaten, sondern um die Relativität der Leistung oder besser der Geschwindigkeit auf dem Rad.

St. Barbara also, breite Straße, eine Haarnadelkurve, durchschnittlich rund 7 Prozent steil, 1,4 km lang, der KOM unter 4 Minuten. Vor einigen Wochen bin ich dort gerade mal 11 Sekunden an der Bestzeit vorbei gefahren und dass ohne mich total links zu machen. Das sollte doch besser gehen! Auf der schnellen Feierabendrunde habe ich also mal so richtig reingehalten, der Garmin zeigte durchweg höhere Wattzahlen an und oben war ich ernsthaft ausser Puste. Umso erstaunlicher, dass meine Zeit schlechter war und mir zwei Sekunden verloren gegangenen sind obwohl die Durchschnittsleistung deutliche 20 Watt höher lag. 

Jetzt ist es nichts Neues, dass Rückenwind auch am Berg helfen kann, dass es aber doch so viel ausmacht, war in dieser Deutlichkeit mal interessant zu sehen. Hier zwei Print Screens des Segmentes von MyWindsock (Review). Auf der ersten Fahrt kam der Wind mit 14 - 23 km/h von hinten, bei der zweiten Fahrt mit rund 5 Stundenkilometern von vorne. MyWindsock berechnet einen Vorteil von 10 Sekunden, bzw. einen Nachteil von 4 Sekunden gegenüber einer Fahrt bei Windstille. 



Dass der Wind an einem vergleichsweise kurzen Segment am Berg, noch dazu mit wechselnder Richtung, so viel Unterschied macht, hat mich dann doch erstaunt. Die Strava Leaderboards sind somit (natürlich) nur eingeschränkt eine Rangfolge der stärksten Fahrer. Wie im Radrennen kann man mit Cleverness und dem Ausnutzen der äusseren Umstände die Entscheidung zu seinen Gunsten drehen, und dass finde ich dann doch wieder ganz passend. 

Die Bestzeiten der Profis an den großen Anstiegen in den Alpen und sonst wo, auch das wird hier deutlich, sind nicht unbedingt miteinander zu vergleichen und Straßen-Radsport hängt nicht von Bestzeiten, sondern von Renngeschick, Streckenkenntnis, den Umständen und der Tagesform ab. 


Links:
My Windsock Homepage

Mittwoch, 30. Mai 2018

Idiotische Verkehrsplanung

Hier auf dem Land findet man Radschutzstreifen in der Regel auf den viel zu breit angelegten Hauptstrassen der Dörfer. Das Ziel wird dabei immer gewesen sein, die Straßen optisch etwas enger erscheinen zu lassen um die Autofahrer zum Einhalten der Geschwindigkeitsbegrenzung zu bewegen. Radfahrer dürften in den Überlegungen hingegen keine Rolle gespielt haben. Über den Sinn und Unsinn der Schutzstreifen will ich gar nicht erst schreiben, ich halte das nämlich für ausgemachten Quatsch.

Ein Blick in die StVO verrät allerdings, dass man auf diesen Streifen als Fahrzeugführer nicht parken darf. Das ist ja zumindest etwas. (Anlage 3 (zu § 42 Absatz 2) Richtzeichen, Abschnitt 8, Nummer 22, Markierungen). 

In Rappweiler, einem kleinen Ort im nördlichen Saarland zwischen Losheim am See und Weiskirchen, fand man es offensichtlich eine gute Idee den Schutzstreifen mit massiven Verkehrsinseln zu unterbrechen. Radfahrer werden hier in einen Engpass mit Autos hineingezwungen, die Unterschreitung des Sicherheitsabstandes provoziert und die sowieso fragwürdige Schutzwirkung des Radstreifens wird komplett ab absurdum geführt. Anschließend geht der Streifen weiter. 

Deutlicher kann man nicht ausdrücken, dass einem die Radfahrer total egal sind und am Ar... vorbeigehen. Ein ganz lautes Buh an den, der sich das ausgedacht hat!


Montag, 28. Mai 2018

Kriterium auf der Radrennbahn

Ein Kriterium wird mit Straßenrädern auf meist flachen, kurzen Straßenkursen gefahren. Oft auf Runden um einen Kilometer, gerne auch mit einigen netten Kurven für den Beweis der  Steuerkünste. Alle paar Runden, die sogenannten Wertungsrunden, gibt es bei der Zieldurchfahrt Punkte, in der Regel fünf, drei, zwei und einen Punkt. Die Schlusswertung bei der letzten Zieldurchfahrt zählt doppelt. Wer am Ende die meisten Punkte hat gewinnt. Das Pendant auf der Bahn nennt sich Punktefahren und funktioniert eigentlich ganz ähnlich, nur dass die Fahrräder weder Bremsen, noch Schaltung oder Freilauf haben. Das man mit Bahnrädern aber auch ganz wunderbar auf der Straße fahren kann, zeigen die immer zahlreicheren "Fixed Crits", allen voran das Red Hook Crit oder etwa das RAD RACE FIXED 42.


Umgekehrt, also mit dem Straßenrad auf der Bahn zu fahren ist da schon viel seltener, geht aber auf einer passenden Bahn trotzdem prima, wie der RV Schopp mit dem Kriterium auf der Radrennbahn zeigt. Auf der in den Fünfzigern des letzten Jahrhunderts erbauten, offenen und 450m langen Bahn muss auch niemand Angst haben, in den Kurven abzurutschen. Die sind nämlich eher flach und weit und nicht unbedingt was man auf einer Radrennbahn erwartet. Egal, wenn man wirklich schnell fährt und mit fünfzig Stundenkilometer in die Kurve einbiegt, merkt man doch wie man etwas fester auf das Rad gedrückt wird. Das macht Spass und erzeugt ein ganz anderes Gefühl für Geschwindigkeit, ist allerdings auch ziemlich anstrengend.

An 19. Mai standen drei Rennen auf dem Programm, zuerst die Senioren 2 / 3 über 80 Runden oder 36 km, dann die BC Klasse über 140 Runden oder 63km und dann noch ein Klappradrennen über drei Stunden. Ich bin bei den alten Herren gestartet und durfte somit als erstes ran. An den Sprints habe ich mich gar nicht erst versucht und hoffte, wie immer, auf eine glückliche Fluchtgruppe vor des Feldes Gnaden, aber an diesem Tag war nichts zu machen. Der Wind war zu stark, das Tempo zu hoch (>43km/h) und meine Beine zu schwach. Aber was soll ich sagen, dass war ganz egal, der Spaß war ungebrochen.

Das Klappradrennen konnte ich mir leider nicht mehr ansehen, aber ich bin mir sicher, dass das ein grosses Spektakel war. Die Räder haben auf jeden Fall toll ausgesehen.












Donnerstag, 17. Mai 2018

Rapha Repair Service

Glatte Straßen und spät dran sein ist eine schlechte Kombination. Vor einer ganzen Weile bin ich auf dem Weg zum Sonntäglichen Vereinstraining gestürzt. Die Rechtskurve habe ich noch bekommen, die unmittelbar folgende Linkskurve war dann zu eng.  Zack hat es gemacht und ich habe auf dem Boden gelegen. Nichts schlimmes, ein paar Kratzer am Bremshebel und ein Loch in der Hose. Also aufstehen, weiterfahren, noch gerade so pünktlich am Treffpunkt erscheinen und sich nix anmerken lassen. Das Loch in der fast nagelneuen Rapha Pro Team Thermal Bibshort II hat mich dann aber doch sehr geärgert. So ein Mist. Ich hatte die Hose zwar zu einem super Preis im Ausverkauf bekommen, aber das machte das Loch nicht besser.



Noch unterwegs ist mir dann aber eingefallen, dass Rapha einen kostenlosen Reparatur Service anbietet. Ab dem Moment ging es mir gleich wieder etwas besser. Zuhause habe ich direkt nachgeschaut und tatsächlich, die Hose kann repariert werden. Man muss ein Formular ausfüllen, bekommt eine Paketmarke und kann das selbstverständlich gewaschene Stück an Rapha senden. Die übliche Reparaturzeit soll um die vier Wochen liegen. Bei mir hat es eine ganze Weile länger gedauert. Obwohl ich mir sicher bin alles richtig gemacht zu haben, ging meine Hose an die Retouren- statt an Reparatur-Abteilung. Der sehr freundliche und hilfsbereite Service konnte meine Hose dann aber auf Nachfrage lokalisieren und entsprechend umleiten.


Gestern habe ich Post bekommen und die Hose ist zurück. Auf der linken Seite wurde ein kompletter Streifen (der mit den weißen Schriftzug) herausgeschnitten und sehr sauber durch ein neues Panel aus dem richtigen Stoff ersetzt. Das einzige sichtbare Zeichen ist jetzt die zusätzliche Naht auf dem Hosenbein.

Rapha verlangt eine ganze Menge Geld für seine Produkte. Ob das immer angemessen ist oder ob man bereit ist, dies zu bezahlen, muss jeder für sich selber beurteilen. Dass man im Fall des Falles einen kostenlosen Reparaturservice in Anspruch nehmen kann, bietet meines Wissens nach keine andere Firma. Eine Reihe von Produkten wie Beinlinge, Merinounterwäsche, Trinkflaschen, Rucksackhüllen u.a. sind allerdings ausgenommen.

Ganz besonders nett finde ich den Verpflegungsbeutel, in dem die Hose verpackt war. Sehr hübsch!



Links:
Rapha Repairservice

Sonntag, 13. Mai 2018

Panache

Im Radsport gibt es einige Ausdrücke, die manchmal schwer zu definieren sind, bei denen man aber sofort weiß was gemeint ist, wenn man es sieht. André Greipel hat diese Woche gezeigt was Panache ist (franz. für Schneid, Beherztheit, ausgesprochen "Panasch"). Als einer der weltbesten Sprinter ist Greipel nun wirklich nicht darauf angewiesen auf den letzten Metern zu attackieren und einen sicheren Sprinterfolg zu gefährden. Bei der fünften Etappe der Vier Tage von Dünkirchen fuhr Greipel ab Kilometer 70 in einer 18 Fahrer starken Ausreissergruppe. 20 Kilometer vor dem Ziel lösten sich der Belgier Claeys und der Niederländer Riesebeck und Greipel zögerte nicht nachzusetzen. Der Gorilla in der Attacke! Kurz vor der Kilometer Marke attackierte Greipel dann selber und fuhr einen Solo Sieg ein. Auch für den dreimaligen Deutschen Meister ist das etwas ganz Besonderes, denn nur zwei seiner 151 Siege hat er als Solist erzielt.


Auf Inner Ring gibt es einen fantastischen Artikel, der die Herkunft von Panache erklärt, vom Federbusch auf dem Schlachtfeld im Mittelalter, über Cyrano de Bergerac bis zum Radsport und warum Sky kein Panache hat. Unbedingt lesen!

Die Quintessenz ist diese:

Typically a rider with panache is said to be one who attacks, displaying courage and flair. But the surprise factor counts and a rider who wins too often can lose this label.

Typischerweise ist ein Fahrer mit Panache einer der attackiert und dabei Mut und Ausstrahlung zeigt. Dabei spielt der Überraschungseffekt eine Rolle und ein Fahrer, der zu oft gewinnt verliert verliert die Eigenschaft.

Panache ist übrigens nicht zu verwechseln mit Panaché ("Panaschee"), der Bezeichnung für Bier mit Zitronenlimonade.

Samstag, 12. Mai 2018

Ein Meistertrikot

Mit zwei Siegen im Rücken bin ich am vergangen Wochenende nach Bann gefahren zu den gemeinsamen Landesmeisterschaften im "Einer Strasse" des Saarlandes, von Rheinland-Pfalz und Hessen. Durch die Sperrung der Autobahn 62 und der damit damit verbundenen Umleitung wurde das Rennen dieses Jahr auf einer anderen Variante als 2015 ausgefahren. Vor drei Jahren ging es von Bann die "Roller-Berg" Variante hinauf auf den Höhenzug, dann ist die Runde etwa 14 km lang. Dieses Jahr wurde die kürzere Variante gefahren, dabei geht es direkt vom Start weg einen Kilometer mit bis zu 15% bergauf, kurz und knackig. Die Besten brauchen für diese Rampe knapp unter drei Minuten. Oben angekommen geht es vier Kilometer über eine windanfällige Hochebene bevor die Abfahrt nach Queidersbach die technischen Fähigkeiten fordert. Der Straßenbelag ist mehr schlecht als recht, ein Flickstück reiht sich an das nächste und die eigentliche Ideallinie ist mit Gullideckeln gespickt, dazu zwei 180° Kurven, da trennt sich auch Berg runter die Spreu vom Weizen. Unten angekommen geht es dann leicht ansteigend zurück zum Start nach Bann. Eine Runde hat 10 Kilometer.



Die Fahrer der Senioren 2 Klasse (40-49) hatten vier Runden zu fahren, die Senioren 3 (50-59) drei Runden und die Senioren 4 (>60) sogar nur zwei Runden. Vielleicht hat der Zeitplan es nicht zugelassen die Rennen über eine meisterschaftswürdige Distanz auszurichten, aber im Ernst? 40 Kilometer? Für eine Straßenmeisterschaft? Im Jahr zuvor in Bliesransbach war das Rennen mit 80 Kilometer doppelt so lang. Dieses Jahr sind wir hingegen weniger gefahren als die Jugendklasse!

Noch unschöner war die kurzfristige Entscheidung des Wettfahrausschusses alle Seniorenklassen gemeinsam starten zu lassen, trotz der unterschiedlichen Distanzen. Die Ausschreibung sah vor, die Rennen mit je zwei Minuten Abstand auf den Weg zu schicken. Der Protest verschiedener Fahrer wurde von der WA-Vorsitzenden lautstark und brüsk abgebürstet. Dabei war der Einwand mehr als berechtigt. Schon der vorgesehene Modus eröffnet durch die Vergabe von gleich drei Meistertiteln in einem Rennen eine "Taktik-Metaebene" bei die Fahrer weniger auf das Gesamtrennen als viel mehr auf ihre Position im eigenen Landesverband achten. Mische ich mich etwa als Saarländer ein, wenn zwei Hessen um den Titel kämpfen? Helfe ich vielleicht einem der Beiden, wenn ich den eigenen Titel schon sicher habe? Die Entscheidung des WA's führte dazu, dass gleich Neun (!) Radrennen gemeinsam starteten. Wie das zu der angeführten besseren Übersichtlichkeit beigetragen haben soll, ist mir ein Rätsel.

Dahingegen haben sich die Rennen wie zu erwarten gegenseitig beeinflusst. Ich könnte zumindest ein Beispiel aufführen, will aber nicht den Anschein erwecken, dass der betreffenden Fahrer sein Ergebnis nur aufgrund dieser besonderen Konstellation erreicht hätte. Wahrscheinlich wäre das Ergebnis unverändert gewesen, aber mit sauber getrennten Rennen wäre es für diesen Fahrer zumindest etwas schwerer gewesen.

Die Entscheidung des WA alle Rennen gemeinsam starten zu lassen und die fast schon lächerlichen Distanzen drücken keine besondere Wertschätzung für die Fahrer der Mastersklassen aus. Das ist schade, denn uns machen die Radrennen genau soviel Freude und wir investieren genauso viel Herzblut in unseren Sport wie allen anderen Fahrer und Fahrerinnen, von den Jugendlichen bis zu der Elite. Wenn Radfahren im allgemeinen und Radsport im speziellen als Aktivität für alle Generationen gelten soll, dann wäre es das Mindeste auch die Masters Klassen entsprechend ernst zu nehmen.

Zurück zum Start. Wie bei der Strecke und der Distanz nicht anders zu erwarten, ging es von Beginn an zur Sache. Schon der erste Anstieg führte zu einer deutlichen Auslese und mit vielleicht 15 Fahrern ging es in den zweiten Anstieg. Sascha Haußmann führte mit einer scharfen Tempoverschärfung die nächste Selektion herbei. Nach dem dritten Anstieg waren wir dann nur noch zu viert an der Spitze: Peter Achilles (Radclub Pfälzerwald), Sascha Haußmann (RSV Nassovia Limburg), Axel Hauschke (Melsunger TG 1861) und meine Wenigkeit. Ein Pfälzer, zwei Hessen und ein Saarländer. Damit lag ich schon mal gut auf Kurs für den Titel des Saarlandmeisters.

Aber auch das Gesamtrennen war noch zu haben. Was ist die beste Taktik? Einfach mitfahren und auf den Sprint warten? Oder einen weiteren Ausreißversuch wagen? Wie stark sind die anderen Fahrer? Wer hat noch Reserven, wer ist vielleicht schon am Anschlag? Zumindest von hinten drohte keine Gefahr mehr. Von Stürzen und Defekten abgesehen sollten die ersten vier Plätze und die Meistertitel der drei Verbände mehr oder weniger sicher sein.

Beim dritten Anstieg fiel mir auf, dass Sascha Haußmann's rechter Fuß auf dem Pedal hin und her wackelte wie bei einem epileptischen Anfall. Das sah nicht mehr souverän aus. Der Gute fuhr anscheinend am Drehzahlbegrenzer. Oder fährt der immer so? Peter Achilles ist auf der Höhe zwar tapfer durch die Führung gefahren, konnte diese aber gar nicht schnell genug abgeben und war offensichtlich auch tief im roten Bereich. Nur Axel Hauschke schien unbeeindruckt. Gut, von einem ehemaligen Profi und aktuellen A-Fahrer war auch nichts anderes zu erwarten.

Den letzten Anstieg bin ich dann von vorne gefahren und mit allem, was ich noch zur Verfügung hatte die letzten, steilen 300 m hoch. Und fast hätte es gereicht, Peter Achilles hatte schon ein kleines Loch, ekelte sich aber wieder heran. Ein weiterer Versuch meine Kontrahenten los zu werden nach der Spitzkehre in Richtung Abfahrt war auch nicht erfolgreich. Also ging es zu viert bergab. Wie in den Runden zuvor ist Axel Hauschke wie auf Schienen als Erster durch die erste 180° Kurve geschossen, ich einigermaßen hinterher. Sascha Haußmann hatte schon in den Runden vorher Probleme mit der Abfahrt und hat sich als dritter scheinbar ganz böse versteuert und damit auch Peter Achilles aufgehalten. Der Schulterblick nach der Kehre offenbarte eine ordentlich Lücke. Das war die Chance! Kette rechts, antreten, klein machen, die weiteren Kurven mit vollem Risiko nehmen und unten hatten Axel und ich einen komfortablen Vorsprung.

Kurz vor dem Ziel habe ich mich dann in die erste Position manövrieren lassen und hatte dem Antritt meines Mitstreiters auch nichts mehr entgegen zu setzen. Zweiter Platz und Saarlandmeister, das Meistertrikot war meines! Nach dem Trikot für die Bergpreiswertung einer kleinen Rundfahrt in Frankreich als U23 Fahrer mein einziges gewonnenes Trikot! (Gut, der sportliche Wert des Saarlandmeister-Titels ist eher niedrig, aber das ist mir jetzt einfach mal ganz egal.) An der Stelle vielen Dank an Alberto Kunz von il Diavolo - Der teuflische Radladen für das Sponsoring der Trikots. Coole Aktion, Daumen hoch!

Auf dem zweiten Platz Jens Weicherding vom RV Blitz Oberbexbach, Dritter wurde Martin Schaar vom RSF Niederlinxweiler.