Donnerstag, 23. Januar 2014

Festive 500 am Stück

Vor einigen Tagen ging ein Video durch die Radsport Blogosphäre in dem vier Freunde die Festive 500 in einem Stück absolvieren. Der Bericht und das Video haben im ersten Teil der "Best of Festive 500" Zusammenfassung von Rapha Erwähnung gefunden und wurden von Cyclingtipps  ausführlich gefeatured.


Das ist natürlich echt mal ein Abenteuer. Einer der Favoriten auf die Preise der Rapha Festive 500 Challenge 2013?

In dem Zusammenhang stelle ich mir die Frage, was man machen muss um aus der Masse der Einsendungen herauszustechen. Denn seinen wir mal ehrlich, es ist ein Wettbewerb und es gibt etwas zu gewinnen, sogar ziemlich fette Sachen, also liegt die Überlegung nahe, was man dazu anstellen muss.

Jetzt wird der Ein oder Andere einwenden, dass es um die Kameradschaft geht, um das Erlebnis und um die Freude am Spass und soweiter. Das stimmt zwar grundsätzlich, aber dazu braucht es keinen Wettbewerb, das gibt's jeden Sonntag im Clubtraining einfach so, das ganze Jahr, sogar bei gutem Wetter. Und wenn alle nur die 500 km abspulen und fertig, hat Rapha natürlich gar nichts davon.

Die Kameradschaft, das Erlebnis, das Ringen mit den Elementen, Schmerzen, Freude, Durchhaltewillen, Stolz.. all das muss berichtet werden. Heldentaten werden erst dadurch zu dem, was sie sind, wenn sie erzählt werden. 500 km am Stück sind auch Andere gefahren, für einen echten Rondoneur wahrscheinlich keine herausragende Leistung. Trondheim - Oslo ist weiter. Hier aber wurde das Abenteuer konserviert, das Scheitern und das Durchkommen für immer auf Speicherkarten festgehalten und in die Weiten des Internetzes gesendet.

Natürlich wäre es falsch nur um der Preise willen mitzumachen. Dafür gibt es zu viele Einsendungen und man ist zu sehr dem Geschmack und Wohlwollen der Juroren ausgeliefert. Natürlich geht es darum raus zu gehen, wenn alle anderen zu Hause bleiben. Natürlich geht es darum, das Unmögliche zu meistern. Für manche sind es die 500 km als solches, für andere die Zeit, die bereits von der Familie verplant wurde.

Also, was müsste man produzieren, damit man zumindest sicher in die Endauswahl kommt?

Es gibt zwei Komponenten:
  1. Ein heroisches, ausgefallenes Erlebnis
  2. Eine aussergewöhnliche Präsentation 
Also eine heroische Tour. 500 km am Stück? Hatten wir ja gerade. Möglichst viele Kilometer? Schwierig, keine Chance gegen die Junggesellen aus Australien, die gerade Sommer haben. Möglichst schlechtes Wetter? "Glücksache". Die Kinder mitnehmen? Da muss Jette sich aber beeilen mit dem Radfahren lernen! Wie wäre es denn mit einer Alpenüberquerung?! Im Winter! Wenn es den Bergsteigern langweilig wird und alle Berge im Sommer bestiegen sind, kommen ja auch die Winterbesteigungen. Geht das überhaupt? Sind die Pässe geöffnet? Oder gibt es einen Weg nur durch die Täler, zumindest weitgehend? An einem Stück? Oder in zwei, maximal drei Tagen? Alleine, unsupported oder mit Freunden und Begleitwagen? 

Wer filmt, wer fotografiert? Ohne dass es zu professionell wird? Sind ja keine Filmfestspiele! Oder reicht das geschriebene Wort, dass die Vorstellungskraft der Leser beflügelt. Ein schmales Buch, nicht nur ein paar Seiten, gedruckt, gebunden, fester Einband oder in der Aufmachung von Reclam Heften, Bleistiftzeichnungen. Ein Reisebericht wie in alten Zeiten. Details, Begegnungen, Beobachtungen, Tiefe. Das Unmögliche wagen.

Ich fabuliere? Wahrscheinlich. Egal. 

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