Montag, 16. Februar 2015

Road Captain

Wie viele andere Dinge auch macht Radfahren erst in einer Gruppe richtig Spass. Je größer, desto besser. Oft ist die sonntägliche Ausfahrt aber auch ein ziemlich frustrierendes Erlebnis. Da wird schon am Start und dann bei jeder Abzweigung diskutiert und beratschlagt welche Strecke einzuschlagen ist. Es wird angehalten um die Sattelhöhe einzustellen, die Regenjacke an oder auszuziehen oder weil das Telefon klingelt. An jeder Welle wird so schnell gefahren, dass die Gruppe sich in die Länge zieht oder gleich ganz auseinander fällt. Oben wird dann auf die Abgehängten gewartet. Sind diese endlich eingetroffen geht es bestens ausgeruht mit Volldampf weiter. Das stellt sicher, dass die Nachzügler auch ja nicht zu Luft kommen. Oder die Gruppe ist gar so weit auseinander, dass die Letzten die richtige Abzweigung verpassen und alleine weiter fahren müssen.

Das muss alles nicht sein, sonst sind am Ende sowohl die Starken als auch die Schwachen frustiert.

Das beste Mittel gegen solch ein Durcheinander ist ein guter Road Captain. In der aktuellen Rouleur Ausgabe (Issue 52) ist ein Interview mit Luca Paolini, in der die Rolle des Road Captain beschrieben wird:

The role of road captain demands so much more than talent: it is racing with the mind as well as the legs, calculating tens of tiny, ever-changing elements in the heat of the battle. It is patience, experience, intuition, tactics, reading of tiny signs in yourself, your leader and your rivals, knowing the course, weather, racing instinct, nerve; even personality and comportment off the bike.

Zwar ist die Vereinsausfahrt nicht mit einem Pro-Tour Radrennen zu vergleichen, trotzdem trifft vieles von dem oben beschriebenen auf niedrigerem Niveau auch hier zu. In jedem Training muss es jemanden geben, der die Zügel fest in der Hand hält und die Verantwortung übernimmt.

Was macht einen guten Roadcaptain in einem Vereinstraining aus? Man könnte auch ganz klassisch Übungsleiter sagen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit was ich für wichtig halte:

Der Roadcaptain
  • muss nicht der stärkste, wohl aber einer der erfahrensten Fahrer der Gruppe sein.
  • trifft klare Ansagen und übernimmt die Verantwortung.
  • sollte sich aber auch nicht aufspielen und den Diktator geben.
  • legt die Strecke fest und berücksichtigt dabei die Fähigkeiten aller Teilnehmer.
  • vermeidet stark befahrene Straßen und dichten Verkehr.
  • macht sich schon im Vorfeld Gedanken über die Strecke.
  • legt die Geschwindigkeit fest und teilt die Gruppe auf, wenn sicher ist, dass Fahrer dem Tempo nicht folgen werden können, dass kann auch unterwegs sein.
  • hält ansonsten die No-Drop Regel ein: Alle fahren gemeinsam los und kommen gemeinsam an.
  • lässt die starken Fahrer führen und schickt die schwachen in den Windschatten.
  • hat einen Blick auf alle Fahrer und verlangsamt das Tempo, wenn Fahrer abzufallen drohen
  • hält die Gruppe zusammen damit alle vom Windschatten profitieren können
  • vermeidet überraschende Richtungswechsel und -anweisungen in letzter Sekunden
  • vermeidet noch schnell über die Ampel und / oder die Kreuzung zu fahren, wenn klar ist, dass es für die letzten nicht mehr reicht
Das wichtigste ist dabei immer, dass die Gruppe zusammen bleibt und alle gesund und mit Spass zurück kommen. Das schließt natürlich nicht aus, dass an dem ein oder anderen Segment schnell gefahren wird und man sich hinterher wieder zusammenfindet. Eine Gruppenausfahrt ist aber gerade dadurch gekennzeichnet, dass man in der Gruppe fährt, dabei liegt es in der Natur der Sache, dass man Kompromisse finden muss. Dass man vielleicht nicht die supersteile Rampe hochfährt, nicht die Schotterstraße oder das man nicht ganz so schnell fährt wie man eigentlich gerade könnte.

Strukturiertes Training sollte man übrigens besser alleine absolvieren, EBs, SBs und KMR haben in der Vereinsausfahrt nichts zu suchen. Zu jeder Regel gibt es natürlich Ausnahmen und gute Gründe es gerade anders zu machen, einer kann sein dass man eine sehr homogene Trainingsgruppe hat. Dann will man sich vielleicht gerade anstacheln und die Grenzen ausloten. Dann kann auch schon mal im Training gelten: "Friss oder stirb".

Was meint ihr dazu? Wie sind eure Erfahrungen? Ihr könnt gerne euren Senf dazu in den Kommentaren abgeben.

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