Donnerstag, 4. August 2016

Wolken über dem Regenbogen

Ich möchte wirklich glauben. Glauben, dass die Beteuerungen der Sportler sauber zu sein wahr sind. Glauben, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Glauben, dass mit fairen Mitteln gekämpft wird. Aber all die Beteuerungen der Herren Armstrong, Landis, Millar und Co, die sich letztenendes alle als Lügen herausgestellt haben, machen es schwer dem Grundsatz in dubio pro reo zu folgen. Über allem hängt Zweifel und Skepsis. Das Schlimme dabei ist, dass die Sportler nicht beweisen können dass sie sauber sind. Ein negativer Dopingtest und auch ein unauffälliger biologischer Passport bedeuten noch lange nicht, dass der Sportler auch tatsächlich sauber ist. Armstrong, Ulrich oder Rassmusen sind nie positiv getestet worden. Sie wussten halt nur wie man das System umgeht.

Das Einzige was Sportler in dieser Situation in die Waagschale werfen können ist ihre persönliche Glaubwürdigkeit, ihre Reputation. Wenn die beschädigt ist oder zumindest mit gutem Grund in Zweifel gezogen werden kann, was bleibt dann noch?

Sportler der höchsten Leistungsklasse werden nicht nur unmittelbar nach Wettkämpfen sondern auch im Training auf Doping getestet. Um diese Kontrollen durchführen zu können müssen die Tester natürlich wissen wo sich die Sportler befinden. Dazu melden diese ihren Aufentaltsort für drei Monate im voraus in einem elektronischen System. Für jeden einzelnen Tag muss eine Zeitfenster von einer Stunde angegeben werden, in dem man für Kontrollen zur Verfügung steht. Inzwischen ist die Handhabung von ADAM via Apps, SMS oder auch Anrufen wohl recht komfortabel. Änderungen sind bis eine Stunde vor Beginn des Kontroll-Zeitraumes möglich.

Das ist sicherlich lästig, gehört aber für Sportler genauso wie das Zähneputzen zur täglichen Routine. Jeder der seine Arbeitszeit in irgendeiner Form erfasst oder sogar Schichtarbeit Wochen im voraus plant macht etwas ähnliches. Trotzdem können Fehler passieren. Aus diesem Grund werden erst drei verpasste Tests oder fehlerhafte Angaben über den Aufenthaltsort innerhalb eines Jahres geahndet. Dann allerdings genauso wie ein positiver Dopingtest, also mit zwei oder auch vier Jahren Sperre. Viele Sportler haben wohl mal einen verpassten Test in einem Jahr, bei einem zweiten darf dann schon nichts mehr passieren.

Der amtierenden Weltmeisterin der Frauen und Großbritaniens Gold-Hoffnung für das olympische Straßenrennen, Lizzie Armistead, ist genau das jetzt fast zum Verhängnis geworden: Drei verpasste Trainingskontrollen. Gerade noch so konnte sie eine mehrjährige Sperre vermeiden indem sie die Tests vor dem CAS angefochten hat und einer, der erste, auch tatsächlich als ungültig gewertet  wurde.

Was ist passiert? Bei dem inzwischen als ungültig erklärtem Test Nummer Eins, vor etwa einem Jahr, konnte der Tester Armistead in dem Hotel nicht ausfindig machen. Der Tester hat nicht hartnäckig genug versucht Armistead zu erreichen. Es ist zwar schwer vorstellbar, dass ein Tester so schnell aufgibt wie es in dem Fall gewesen zu sein scheint und nicht alles Mögliche versucht, aber wenn der CAS dies so beurteilt, gehen wir mal davon aus dass es stimmt.

Test Nummer Zwei war dann ein administrativer Fehler von Armistead, den sie auch einräumt. Sie sollte an dem betreffenden Tag zwar nicht getestet werden, Ungereimtheiten zwischen ihrem tatsächlichen und dem angegebenen Aufenthaltsort wurden aber entdeckt.

Test Nummer Drei hat sie dann tatsächlich verpasst, da sie kurzfristig wegen einer schweren Erkrankung in der Familie nicht an dem angegebenen Ort sein konnte.

Darüber hinaus gibt es in dem ganzen Fall noch mehr Erstaunlichkeiten: Die vorübergehende Suspendierung zwischen drittem Test und CAS Urtel wurde geheim gehalten und British Cycling hat das Ergebnis einer rechtlichen Beratung mit Armistead geteilt. Auch passen die Versäumnisse ganz und gar nicht zu dem Bild, dass sonst von Armistead herrscht, das einer alles bis ins letzte Detail zu planenden, hoch professionellen Sportlerin.

Zu jedem einzelnen Punkt gibt es eine plausible Erklärung. Am Ende stehen aber drei (pardon: zwei) verpasste Tests. Und alles was nun an Statements mit großem Eifer vorgetragen wird haben wir schon mal gehört, oder? Eine negative Wettkampfkontrolle am Tag nach dem ersten Test sagt gar nichts aus. Vielleicht war ja dieser eine Tag gerade notwenig um was auch immer wieder aus dem Körper zu bekommen? Wenn ein Sportler drei (pardon: zwei) verpasste Tests hat, dann müssen da, statistisch gesehen, noch mehr Tage gewesen sein, an denen Armistead nicht dort war wo sie vorgegeben hat, gewesen zu sein. Ansonsten sollte sich die Anti Dopingagentur vielleicht besser auf's Lottospielen verlegen, bei der Trefferquote.

Man kann es drehen und wenden wie man will und egal ob man Armistead glaubt oder nicht, der Reputationsschaden und die Zweifel sind da. Das Regenbogentrikot ist nicht mehr ganz so strahlend wie zuvor.

Vielleicht ist noch nicht alles ans Tageslicht gekommen was mit dem Fall zu tun hat, wir werden sehen. Es wird auf jeden Fall eines der Olympia-Radsporttehmen sein, leider.

Hier eine Übersicht über einige der bisherigen, lesenswerten Artikel:
LA Confidential auf inrng.com
telegraph.co.uk
theguardian.com
Armistead Statement in der Daily Mail
Armistead Statement Facebook

Auch in den Podcasts kam dies natürlich zur Sprache:
prowomenscycling.com
thecyclingpodcast.com
cyclingnews

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