Samstag, 4. Februar 2017

Auch Frauen können Radkurier (Update)

Bei Radkurieren denkt man ja vielleicht zuerst an harte Kerle die auf ihren Fixies in halsbrecherischer Manier durch die Straßenschluchten der Metropolen rasen. Aber hey, die Frauen können das auch:




Das man jeden Menschen mit Respekt zu behandeln hat ist ja eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass es trotzdem solcher Videos bedarf wie der beiden folgenden ist nicht schön. Als ob der Beruf eines Radkuriers nicht schon hart genug wäre.



Radkurriere gibt es natürlich auch in Deutschland. Dieser Lenker!!! Ich kann zwar die Faszination von Fixed Gear Bikes nachvollziehen und finde Red-Hock Crits sehr cool, was der Vorteil von Bahnrädern für Radkuriere sein soll erschliesst sich mir nicht ganz. Das wäre ungefähr so, wie wenn ich im Büro darauf bestehen würde auf einem Holzstuhl zu sitzen und einen Rechner mit Floppy Disks zu benutzen. Mit zumindest ein bisschen Schaltung und Bremse sollte das doch schneller, weniger ermüdend und sicherer sein, oder nicht? Egal, Anna Mauch fährt mit nem 15 cm Lenker durch Berlin.


Update 13.02.2017:
Jörn hat mich in den Kommentaren auf einen Sielfilm aus 1998 aufmerksam gemacht der hier thematisch gut reinpasst: "2 Seconds". Die Movie Database schreibt dazu: "Laurie, a professional downhill racer gets fired because of her slight overindulgence in irresponsibility. She returns to Montreal where she is welcomed by her geeky but cute brother. She meets Lorenzo, a cranky, ex-racer who owns a bike shop. The two become friends. Laurie gets a job with a local bicycle courier company, but a member of the group is intent on shutting her out of their circles, making her life difficult and sad. After a bonding truth-revealing discussion between Laurie and Lorenzo, Laurie begins to see what she has to do to make things better for herself." Alleine wegen den 90er Jahre MTBs am Anfang ist der Film schon sehenswert! Sieht aus wie in der Steinzeit, ist aber gerade mal 20 Jahre her:

Kommentare:

  1. Ich war mit meinem damaligen gut 40 Jahre alten Herrenrad 2004 in New York gut 3 Wochen lang. Da ist das Rad schon sehr praktisch weil man echt sich alles ansehen kann. Es ist halt sehr flach dort daher könnte man auch mit einem Gang sehr gut fahren. Ich bin oft mit diesen Fahrradkurieren mitgefahren da diese die Ampelstellungen kennen wann man fahren kann, da kann man auch gut folgen. So extrem gefährlich fahren ist dort nicht alltäglich, wie es oft in den Filmen gezeigt wird. Es ist auch sehr gegensätzlich: man fährt durch den Central Park hinten nur über die Hauptstrasse und ist in Harlem, da zieht man die Jacke schon mal höher, ich wurde da von Kindern mit Eisstücken (war kalt) beworfen "dirty white man" haben die gerufen - was immer das heisst. Weiter hinten durch die Bronx ist wirklich ein Erlebnis,wenn man sieht wie Farbige in Einkaufwägelchen Reifen verbrennen um sich zu wärmen. In Manhatten in den reichen Gegenden sieht man schon einge Radfahrer und man muss da aufpassen das nicht plötzlich ein Chinese vor einem steht der durch den Gegenverkehr fährt. Es gibt da einen Radschnellweg den ich oft genommen habe. Einen Unfall hatte ich als ich auf der George Washington Brigde in die Zinken gekommen bin und schwer gestürzt war (gesundheitlich alles ok gewesen) und dann auch verstanden habe warum da Radfahren dort verboten ist. Insgesamt interessante Erfahrung.

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  2. Boris!
    Deinen Vergleich mit dem Holzstuhl und dem AMIGA im Büro, den kann ich gut nachvollziehen.
    Ich war Ende der 90er Fahrradkurier und da schwappte die Bahnrad-Fixie-Welle gerade stark über den Atlantik in die Szene. Und das zu einem Zeitpunkt wo ich gerade "viel" Geld ausgegeben hatte (viel ist für einen Radkurier ein sehr relativer Begriff), damit mein neues Kurier-Rad auch wirklich eine Federgabel hatte!
    Was mir die KollegInnen dazu an handfeste, praktischen Argumenten für so ein Minimalrad sagten waren Sachen wie ...
    ... ist leicht
    ... ist robust (wo nichts ist, kann nichts kaputtgehen)
    ... es fehlen einem weniger Teile, wenn es geklaut wird
    ... wird weniger geklaut, weil wenig Teile dran sind (das war damals so)
    ... man ist gezwungen im Kopf umzuschalten auf einen Fahr-Modus von ruhiger Gleichmäßigkeit und Vorausschau.
    Alle anderen Argument kamen eher aus der emotionalen (Life-)Style-Ecke.

    Diese Gründe kann ich im wesentlichen nachvollziehen, bin aber nach wie vor der Überzeugung, daß das Gesamtpaket aus "Schnell sein und sicher sein" bei einem Rad mit Schaltmöglichkeiten und Bremse einfach leichter zu erreichen ist. Vor allem im Stadtverkehr!
    Ganz ähnlich verhielt es sich mit der damaligen Nebenströmung, seine Kurier-Schichten auf einem echten Rennrad zu fahren. Auch das ist in der Stadt eher im Nachteil.
    Ein leichtes Rad irgendwo zwischen MTB und Stadtrad wäre hier wohl der vernünftigste (und eben auch langweiligste) Kompromiß.

    So ähnlich verhält es sich aber eigentlich mit dem gesamten Job "Radkurier":
    Er ist schlecht bezahlt, unglaublich anstrengend, man hat viel zu viel Sc***ßwetter und es ist verdammt gefährlich.
    Aber es war der beste Job, den ich je gemacht habe!

    ... beim Thema "Frauen als Radkurier" bin ich immer hin- und hergerissen. Wie bei so vielen anderen "Frauen-und-X-Themen":
    Wird es normaler, indem man extra drüber berichtet, oder bleibt es dadurch in der Wahrnehmung eher noch exotischer, weil man ja über Normalitäten weniger schreiben würde?
    Meine Kolleginnen von damals haben bei dem Thema immer nur eine Augenbraue hochgezogen und lieber für die nächste Tour ausgecheckt.
    Schöne Filme trotzdem. Nah an diesem Thema und schwierig zu finden heute ist der Film "2 secondes" über eine Kurierfahrerin in Genderverwirrungen. Wenn Du ihen gefunden haben solltest, lass mich doch wissen wo, würde ihn zu gerne wieder sehen.

    Gruß von Jörn

    ach-ja: Schmaler Lenker! Kadde hatte mir damals mal vorgemacht, wie er mit seinem abgesägten Lnker zwischen zwei haltendenden Straßenbahnen durchgefahren ist. Mir ist beim Zuschauen fast übel gworden dabei. Sein Strahlen danach sprach aber eine ganz andere Sprache ...

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    1. Hallo Jörn,
      vielen Dank für deinen ausführlichen und interessanten Kommentar.
      Das Frauen alles können was Männer auch können sollte in der Tat keine Erwähnung wert sein. Die Praxis sieht aber immer noch anders aus. Insofern richtet sich der Post auch nicht an die Frauen und Männer die das wissen, sondern an die, die sich immer noch 50% der Bevölkerung überlegen fühlen.
      Beste Grüße
      Boris

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