Mittwoch, 17. Januar 2018

Strava Apps - Für Rückenwind!

Die meisten Radfahrer verbindet mit dem Wind eine Hassliebe, als Rückenwind ist er ganz wunderbar, als Gegenwind, nun ja, da macht er nicht mehr so viel Spass. Aber was wären Radrennen ohne Wind, ohne Windschatten, ohne Windkante, ohne all die taktischen Möglichkeiten, die der Wind eröffnet und die Radrennen erst zu Radrennen machen? Also, Wind muss her, man muss nur verstehen ihn zu seinem Vorteil zu nutzen. Dazu muss man wissen, aus welcher Richtung er kommt, bei der nächsten Ausfahrt genauso wie bei dem nächsten Rennen. Mit der richtigen Vorhersage greift man nur noch mit Rückenwind nach Strava Krönchen. Oder man wählt die Runde so, dass man mit Gegenwind raus und mit Rückenwind rein fährt. Vor Radrennen lassen sich das Material dem Wetter anpassen und taktische Überlegungen anstellen.

Wetter-Apps und Services gibt es ja wie Sand am Meer. Interessant dabei zu wissen: Die eigentlichen Wetterdaten und die Ergebnisse der Vorhersagemodelle kommen in Deutschland überwiegend vom Deutschen Wetterdienst. Tausende von Messungen werden von Großrechnern in komplexen Modellen bewertet, bevor am Ende eine Prognose erstellt werden kann. Über  entsprechend potenten Rechner verfügen aber nur die Wenigsten, also werden die Prognosen der meist staatlichen Wetterdienste lizensiert und finden so ihren Weg in Wetter-Apps jeglicher Couleur. Den Unterschied macht dann im wesentlichen, wie die verschiedenen Prognosen bzw. Wettermodelle gewichtet werden. Wer dazu mehr erfahren will, dem kann ich diesen Artikel bzw. Podcast des Deutschlandfunks empfehlen: "Wem gehört das Wetter"?


Warnwetter

Die Warnwetter App des Deutschen Wetterdienstes ist vielleicht nicht ganz so elegant wie andere Angebote, bietet aber sehr viele Informationen, unter anderem diese animierte Karte zur Vorhersage des Windes. Mehr gibt es über die Wetteraussichten eigentlich nicht zu wissen. Seit einiger Zeit kostet die App in der Vollversion 1,99 Euro. Mitarbeiter in Rettungsdiensten und im Katastrophenschutz bekommen die App weiterhin kostenlos.
Radsport spezifische Informationen findet man hier natürlich nicht.



KOMinator - Für die spontane Suche nach Rückenwind Segmenten

Die für iOS und Android verfügbare App sucht Segmente in dem aktuellen Kartenausschnitt und zeigt mit verschiedenen Farben an, ob der Wind für einen Rekordversuch gerade günstig steht. Die Suche nach bestimmten Segmenten gestaltet sich allerdings schwierig. Wie auch auf der Strava Segment Explore Seite tauchen nicht immer die erwarteten Segmente auf. Warum dem so ist hat sich mir bis heute noch nicht erschlossen.
Die App greift nur auf die öffentlichen Strava-Segmente zu und erfordert keine Verbindung mit dem eigenen Account, kann somit aber auch nicht auf Routen oder private oder eigene Segmente (die mit Stern) zugreifen.
Gegen eine Gebühr von 2,29 Euro wird die Werbeanzeige ausgeblendet, die App wird nicht mehr nach fünf Segment-Suchen geschlossen und es können Abfragen für zukünftige Zeitpunkte gestellt werden.



Epic Ride Weather - Für die Planung der nächsten Ausfahrt

Eine andere Zielrichtung verfolgt Epic Ride Weather, ebenfalls für iOS und Android erhältlich. Hier geht es nicht so sehr um die Windverhältnisse auf einzelnen Segmenten, sondern um das Wetter auf der nächsten Tour. Man kann auf vergangene Aktivitäten oder geplante Routen zurückgreifen, die Startzeit und die Durchschnittsgeschwindigkeit eingeben oder Teilbereiche einer Strecke markieren. Die App zeigt dann Temperatur, Regen, Windstärke und Richtung an. Die App arbeitet dabei nicht nur mit Strava, sondern auch mit einer ganzen Reihe anderer Dienste zusammen.
Der Service kostet für 10.000 Abfragen 4,49 Euro, für ein halbes Jahr 5,49 und für ein Jahr 8,99 Euro.



myWindSock - Für die Daten-Geeks

In einer ganz anderen Liga spielt die Web-Applikation myWindSock. Dieses Programm ist eine echte Offenbarung für Statistik- und Daten-Geeks. Hier lässt sich jeder Wetter Aspekt einer Fahrt analysieren. Wann war Gegenwind, wann Rückenwind? Wie war das Verhältnis? Wie hoch war der Nachteil durch den Gegenwind ausgedrückt in Kilometer und in Watt? Der Vorteil durch den Rückwind? Es gibt ein Wetter-Ranking, ähnlich dem Strava Suffer-Core, das angibt, wie hart die Fahrt unter Wettergesichtspunkten war und eine Rangliste allen Aktivitäten. Wetter-Prognosen sind neben den Strecken eigener Aktivitäten und Routen auch für Segmente möglich.

mywindsock cycling weather

Die Leaderboards von Segmenten lassen sich um Wetterdaten anreichern. Damit lässt sich etwa erkennen, wer unter welchen Bedingungen gefahren ist und ob der KOM etwa mit besonders starkem Rückenwind gefahren wurde. Es lassen sich auch Prognosen für die eigene Zeit erstellen, Power, Aerodynamik und Gewicht sind dabei die zu veränderten Variablen. Das Programm berücksichtigt dazu die Wettervorhersage und berechnet eine prognostizierte Endzeit. Man kann sogar bis zu fünf Segmente hinterlegen, für die man dann eine Benachrichtigung bekommt, wenn die Verhältnisse besonders günstig für einen Angriff auf die Bestzeit sind.

Ein besonderes Feature ist die Analyse des Strömungswiderstandskoeffizienten CdA. Beim Radfahren stehen vier Widerstände dem Vorwärtsdrang entgegen: Der Rollwiderstand, die Hangabtriebskraft, der Reibungsverlust aller sich drehender Teile und der Luftwiderstand. Der Rollwiderstand und der Reibungsverlust sind weitgehend konstant und können für verschiedene Radtypen angenommen werden. Die Hangabtriebskraft lässt sich aufgrund der GPS Daten berechnen. Wenn man dazu den Output (Geschwindigkeit) und den Input (Watt) kennt, lässt sich mit dem Wissen um die Windverhältnisse die fehlende Variable CdA berechnen. Das Ergebnis ist natürlich modelliert und entspricht nicht unbedingt dem physikalisch korrekten Luftwiderstand, sollte aber zumindest erste Anhaltspunkte für die Materialwahl oder die Positionsanalyse geben.



Die Anwendung ist grundsätzlich frei, Premium Features wie die CdA Analyse werden für rund 20 GBP im Jahr freigeschaltet, wer sich nach der Anmeldung schnell für eine Premium-Mitgliedschaft entscheidet, bekommt diese für die Hälfte. MyWindSock bietet ähnliche Funktionen wie Best Bike Split an, das in jeder Hinsicht professionellere Tool, dass allerdings pro Jahr auch 120 USD kostet.

Die Bedienung von myWindSock ist manchmal etwas hakelig und das Design ist nicht ganz so elegant, die bereitgestellten Daten und Funktionen machen das Tool aber zu einem echten Tipp.

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