Sonntag, 16. August 2015

Bellheim - Attacke mit 85km to go

Vor einer Woche bin ich in Bellheim in der C-Klasse gestartet und noch immer sehe ich vor meinem geistigen Auge wie ich das siegbringende Hinterrad nicht halten kann. Vielleicht hätte ich einfach einen Moment länger die Zähne zusammen beißen müssen, einen Moment, so eine Chance, dabei war das Rennen bis dahin so gut. Ahh, naja, vielleicht von vorne.

Bellheim ist eines der inzwischen wenigen Straßenrennen im Südwesten auf einer großen Runde, brettflach und zwanzig Kilometer lang. Das letzte Mail bin ich das Rennen vor gut 20 Jahren in der AB-Klasse gefahren, 11 Runden standen damals auf dem Programm. Ganz so weit war es dieses Jahr für mich dann nicht. Die C-Klasse hatte aber immerhin fünf Runden zu absolvieren, 100 km.

Die Strecke führt inzwischen statt durch eine Reihe von Ortschaften über Feldwirtschaftwege. Betonplatten, Staub, 90 Grad Kurven, Steine und Dreck in den Kurven und sandige Randstreifen bringen zumindest etwas technischen Anspruch in die ansonsten einfache und problemlose Strecke. Wenn man mit einem Feld von 150 Mann von der Landstraße in solch einen Feldwirtschaftweg abbiegt, fühlt sich das zumindest ein kleines bisschen so an wie das erste Pflasterstück bei Paris-Roubaix. Ein Hauch von Klassiker-Feeling. Sehr schön. Das A und O bei einer solchen Strecke ist natürlich dass man weit vorne platziert ist. Irgendwie habe ich es hinbekommen am Start in der zweiten Reihe zu stehen und die Position unter den ersten 20 Fahrern auch bis zu den Feldwirtschaftwegen und danach zu halten.


Schon nach fünf Kilometern und noch vor den Betonwegen hat es weiter hinten anständig gescheppert und die Strasse war einmal von rechts nach links mit Radfahrern bedeckt. Hey, fast wie bei der Tour de France! Umso wichtiger vorne zu sein. Kurz nach der Abbiegung zurück nach Bellheim hat direkt vor mir Patrick Schubert attackiert, ein gutes Hinterrad von einem der weiss was er macht und schon einige Jahre als KT-Fahrer unterwegs war. Schnell haben wir ein paar Meter, ich übernehme die Führung und latsche dermaßen drauf, dass Patrick mein Hinterrad nicht halten kann und ich mich alleine vor dem Feld mit 85 km bis zum Ziel wiederfinden.

Na klasse, mal wieder so eine Kamikaze Attacke. Aber wo ich schon mal da vorne bin fahre ich weiter, zumindest bis zum Ziel, ist ja schliesslich Prämienrunden. Und tatsächlich kann ich die Meute auf Distanz halten, kassiere die Prämie von 12 Euro und komme alleine in Führung liegend bei meinem Sohn und meinem Vater vorbei. Erstaunte Blicke und Jubel. Also weiter, jetzt mit Gegenwind, das Feld auf respektablem Abstand. Auf den Feldwirtschaftwegen kommt von hinten ein einzelner Fahrer in schwarz angeflogen. Ich nehme etwas raus und als wir wieder auf der Straße sind erkenne ich endlich wer da von hinten kommt. Alberto Kunz! Prima, zu zweit geht es weiter. Das Feld weit zurück, aber noch zu sehen. Eine Minute Führung, eine Minute Windschatten. Noch drei Runden. Etwa in der Hälfte des Rennens kommen von hinten 11 Fahrer, darunter auch Patrick, so sieht man sich wieder! Die Gruppe harmoniert gut, vom Feld ist nichts mehr zu sehen. Ich gönne mir den Spass und fahre auch um die zweite Prämie, verliere aber knapp und kassiere ganze acht Euro.

Leider keine Prämienrunde, obwohl ich schwören könnte dass die Glocke geläutet wurde in der Runden davor.
Der Fahrer neben mir ist Patrick Schubert. So sollte man übrigens NICHT sprinten, mit den Händen am Bremsgriff und den Ellenbogen nach außen.

In der letzten Runde attackiert Alberto auf dem Kantenwind Stück. Der Angriff ist noch nicht mal sonderlich explosiv sondern eher eine ordentliche Tempoverschärfung. Zu meiner Überraschung zerlegt das die durch einen Defekt und einen Sturz etwas dezimierte Gruppe total. Ich springe alleine zu Alberto und wir zwei alten Hasen liegen 8km vor dem Ziel wieder vorne. Die entscheidende Attacke, noch etwas mehr als zehn Minuten bis zum Ziel! Und ziemlich genau an der Stelle, an der in der ersten Runde Patrick mein Hinterrad nicht halten konnte, komme ich nach der Führung nicht mehr in Alberto Windschatten. Und weg. Scheisse. Und der Kunz rockt das Ding und fährt zu einem Solosieg. Nicht schlecht! Jetzt ist er B-Fahrer und darf (oder muss?), wenn er nicht bei den Senioren fährt in der AB-Klasse starten.

Gratulation an den Sieger!

Für mich blieb dann nur noch der letzte Platz der verbleibenden Gruppe. Neunter. Das Feld gute drei, vier Minuten hinter uns. 

Tja, die frühe Attacke hat sich so ergeben und war auch gar nicht so verkehrt. Riskant, aber hat sich ausgezahlt. Die entscheidenden Körner hätte ich vielleicht sparen können als die Gruppe von hinten kam und ich zu früh und zu oft durch die Führung bin, jeder Meter im Wind zählt. Tja, egal, Schwamm drüber. Die Formkurve zeigt nach oben und lässt hoffen, dass ich mich Anfang September nicht total blamieren werde.

Hier ein Video von Holger Radsportfotos, in den ersten zwei Minuten bin ich einige Male zu sehen:

Ergebnisse auf Rad-Net
Mehr Fotos aus Bellheim und von anderen Radrennen in der Region gibt es auf der Facebook Seite von Holger Radsportfotos, vielen Dank für die Bilder!

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