Donnerstag, 6. September 2018

Deutschland Tour 2018 - Highlights

Inzwischen ist die Deutschlandtour auch schon wieder über eine Woche vorbei und der Profizirkus ist weitergezogen. In Spanien ist die Vuelta im Gange, in Großbritannien hat die Tour of Britain angefangen und in wenigen Tagen finden in Montreal und Quebec die beiden letzten WT-Eintagesrennen vor der Weltmeisterschaft statt.

Foto Credit @Isaak Papadopoulos

Höchste Zeit nochmal auf ein unvergessliches Wochenende zurückzublicken. Mein absolutes Highlight der viertägigen Rundfahrt war natürlich die Etappe von Trier nach Merzig. Eine Strecke, bei der ich jeden Meter kenne und die fester Bestandteil meines Trainingswege-Repertoires ist. Die Klassikerstrecke hat auch tatsächlich gehalten was sie versprochen hat und stand vom Anspruch dem als Königsetappe klassifizierten Abschnitt des Vortages in nichts nach. Die Fahrer haben sich nichts geschenkt und es dauerte lange, bis die anfangs acht Mann starke Spitzengruppe sich wirklich vom Feld lösen konnte. Robin Carpenter von der US-Amerikanischen Pro Continental Mannschaft Rally Cycling sicherte sich alle fünf Bergwertungen des Tages und das schwarze Trikot mit den weißen Punkten. Rick Zabel war bei den beiden Sprintwertungen am schnellsten, die gewonnen Punkte reichten aber nicht, um in der Wertung um das grüne Trikot mitzumischen.

Der letzte Ausreißer des Tages,  Carpenter, wurde erst zu Beginn des Schlussanstieges zum Kreuzberg in Merzig gestellt. Dort hinauf hat dann kein geringerer als Geraint Thomas für Tempo gesorgt. Der Tour Sieger an der Spitze des Feldes an meinem Hausberg. Welcher Fußballspieler kann erzählen, dass Ronaldo auf seinem Vereinsplatz gespielt hat? Die Attacke von Waren Barguil und Peter Weening hat dann deutlich gezeigt, wie unglaublich schnell World Tour Profis fahren können, wohlgemerkt nach 170 Kilometern im Renntempo und fünf Bergwertungen. Barguil ist den Berg förmlich hochgeflogen in einer Geschwindigkeit, mit der viele Radfahrer im Flachen zufrieden sind.


Am Ende der Etappe war Matey Mohoric von Bahrain Merida der Erste auf der Linie und gewann damit nicht nur die Etappe, sondern übernahm das rote Trikot des Gesamtführenden, das weiße des besten Nachwuchsfahrers und das grüne des Punktbesten. Die Führung in allen drei Wertungen verteidigte der junge Slowene auch auf der vierten Etappe nach Stuttgart. Man kann also durchaus sagen, dass die Deutschland Tour 2018 in Merzig in der Trierer Straße gewonnen wurde.

Durchaus bemerkenswert waren die Resultate der jungen Fahrer unter 25 Jahren. Alle vier Etappen wurden von Nachwuchsfahrern gewonnen, von denen in Zukunft noch viel zu erwarten sein wird und deren Namen man sich merken sollte. In Bonn zeigte der Kolumbianer Alvaro Hodeg seine Sprintkünste. Der Deutsche Meister Ackermann fuhr ein starkes Rennen und unterlag Hodeg nur knapp. Maximilian Schachmann gewann die Etappe in Trier und hätte mit ein bisschen mehr Glück in Merzig die Gesamtführung vielleicht nicht abgeben müssen. In Stuttgart feierte Nils Politt seinen ersten Profisieg, nachdem er in Merzig und Trier nur knapp unterlag. Am höchsten gehandelt ist sicherlich Mohoric, der 2013 in Florenz Weltmeister der U23 wurde und als Erfinder der "Auf-dem-Oberrohr-sitzen-und-pedalieren" Abfahrtstechnik gilt. (YouTube, ab Minute 8).

Die deutschen Kontinental Mannschaften haben sich durch eine offensive Fahrweise bewiesen, Fahrer in den Fluchtgruppen platziert und, auch wenn am Ende chancenlos, eine großartige Vorstellung geboten. Der beste Kontinental Fahrer war übrigens Szymon Rekita vom Luxemburger Leopard Team. Der Pole beendete die Rundfahrt auf Platz 20 der Gesamt- und einem hervorragenden neunten Platz der Nachwuchswertung. Für ihn war die zweite und dritte Etappe ein Heimspiel. Strava zufolge wohnt er in Saarburg und mehr und mehr "Uh-oh's" in meiner Inbox tragen seinen Namen (Die Nachricht, mit der Strava über den Verlust von KOMs informiert). Strava

In der Pressekonferenz nach der Etappe habe ich Mohoric gefragt, was an Radrennen in Deutschland besonders ist. World-Tour Profis fahren ja eher selten hier. Und tatsächlich: "Die Straßen sind sehr gut (very nice and new), besser als in anderen europäischen Ländern!" Das hört man doch gerne.  Die unablässige Folge von kurzen, harten Steigerungen war ebenfalls ganz nach Mohorics Geschmack. Meine Fragen ab 6:15



Auch Tom Domoulin hat sich in dieser Richtung geäussert (MeinSportRadio Podcast, ab Minute 17). Bestätigt wird das von der relativen Arbeitslosigkeit der Besatzung des neutralen Vittoria Materialwagens. Defekte gab es zumindest in den Spitzengruppen nämlich keine zu beheben.

Natürlich gab es auch Abseits des Renngeschehens Erwähnenswertes:


Die Style-Wertung

Profis sehen ja vom Start weg gut aus. Durchtrainiert, dünn, sauberes, einheitliches Kit, Rennräder in einem Tipp-Topp Zustand. Trotzdem gibt es Unterschiede und ich habe ein Highlight und auch ein Lowlight. Top war, dass Maximilian Schachmann in der Pressekonferenz in Trier die gute alte Rennmütze getragen hat. Pure Style! In Zeiten der Baseball Kappe ist das ja leider erwähnenswert geworden. Auf der anderen Seite hat Team Fortuneo mit Waren Barguil mal wieder gezeigt, dass weiße Hosen selbst an Profis furchtbar aussehen. Wer denkt sich sowas aus? Dafür ein kräftiges Buhhhh!



Meet and Greet

Ganz besonders habe ich mich über neue und "real-life" Bekanntschaften gefreut. In Trier stand ich am Ziel neben einem Hobby-Fotografen aus Wittlich. Dabei ist die Deklarierung als Hobby nur dem Umstand geschuldet, dass Walter Lescher mit seinen Bildern kein kommerzielles Interesse verfolgt. Die Ergebnisse können nämlich mit den Bildern der besten Profi Fotografen mithalten. Wie ich auf seiner Homepage gelesen habe, sind seine Bilder ausser im Abschnitt nicht verändert und unbearbeitet. Stattet seiner Homepage unbedingt einen Besuch ab. Walter stand 2016 am Mont Ventoux an genau der Stelle, an der Chris Froome sein Leih-Rad (das vom neutralen Mavic Service) abgestellt hat und anfing zu laufen!  www.walter-lescher.de

Natürlich habe ich mich auch mit Caro aka Miss Ciclista getroffen. Caro war schließlich die offizielle Bloggerin der Deutschland Tour. Zwischen Zieleinlauf, Pressekonferenzen und hundert anderen Dingen war die Zeit zum Fachsimpeln unter Bloggern leider etwas kurz.


Und last but not least muss auch Uli Benke erwähnt werden, den ich mit Insider Tips aus der Region versorgen durfte. Uli schreibt auf Benuli-Cycling über das Radfahren und auf UBenke.de gibt es Bilder zu bestaunen. Leider war auch hier die Zeit knapp und wir hatten keine Gelegenheit zu einer gemeinsamen Tour. Ich hoffe wir finden irgendwann Gelegenheit, dies nachzuholen.



Presse Akkreditierung

Es war ein besonderer Moment, als mir meine Akkreditierung ausgehändigt wurde. Mit ASO Schlaufe, Foto und fetter "Media" Aufschrift, auf dem Batch steht mein Name und "Blogger / Unterlenker - Cycling Blog". Damit gab es Zutritt zum Pressezentrum, den Bereichen direkt an und hinter der Ziellinie sowie dem VIP Bereich am Start. Ich konnte einen guten Eindruck gewinnen, wie all die Rennberichte und Podcasts entstehen, wie schnell man arbeiten und wie gut man organisiert sein muss. In der Pressekonferenz in Trier saß ich neben Bernd Landwehr vom Cycling Magazin, dessen Podcast ich dann am nächsten Tag auf dem Weg zum Start hörte. Und schließlich habe ich auch selbst einige Fragen gestellt. Spannend! Könnte ich öfter machen.




Dinge, die sich nie ändern

Auch wenn man World-Tour Profi ist, sitzen Mama und Papa auf Klappstühlen am Straßenrand, feuern an und fiebern mit. In Merzig konnte ich Erik und Cordula Zabel beobachten, wie sie im VIP-Bereich vor dem Fernseher saßen und Sohnemann Rick zuschauten. Das wäre ein tolles Bild gewesen, aber ich widerstand der Versuchung. Das war ein privater Moment und man muss nicht alles fotografieren. Als das Feld dann am Ziel vorbei kam, sprangen beide auf und versuchten einen Blick auf ihren Sohn zu ergattern. Kurz danach stürzte Rick bei der Einfahrt in den Kreuzberg, nicht schwer, aber der Schreck war Frau Zabel deutlich anzusehen.


Im nächsten Post berichte ich von meinem Tag im VIP Fahrzeug. Also: Stay tuned!

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