Samstag, 15. September 2018

V.I.P

Natürlich bin ich keine "sehr wichtige Person" im Sinne eines "VIPs", trotzdem durfte ich mich bei der Deutschlandtour zumindest zeitweise ein wenig als solche fühlen. Die Stadt Merzig hatte als Etappenort zwei VIP-Plätze für die Etappe von Trier nach Merzig. Einer dieser Plätze wurde verlost, den anderen habe ich erhalten. Die beiden Plätze beinhalteten aber nicht nur den Zugang zu den VIP-Bereichen an Start und Ziel mit Kaffee, Kuchen, Schnittchen, Schaumwein und all den anderen Prominenten, sondern auch einen Platz in einem der Skoda Kodiaks, die in der Rennkarawane mitfuhren und so einen besonderen Einblick in das Rennen ermöglichten. Der Clou war dabei, dass die Fahrzeuge von ehemaligen Profis gesteuert wurden. Bei der Deutschland Tour waren drei VIP-Fahrzeuge im Einsatz. Eines wurde von Gerald Chiolek, dem Mailand San Remo Gewinner von 2013 und ein weiteres von Andreas Stauff gesteuert, der unter anderem für Quickstep in der World Tour gefahren ist. Wer das dritte Auto fuhr habe ich mir nicht behalten.

Dass Burkhard, der Gewinner des VIP-Platzes, und ich von Andreas Stauff gefahren wurden, hat mich besonders gefreut. "Staufi" sitzt nämlich seit einiger Zeit im Besenwagen! So heißt der Podcast, in dem er gemeinsam mit Paul Voss und Bastian Marks über Radsport spricht. Die Person kennenzulernen, die mir jede Woche den neusten Schwank aus dem Pro-Peloton erzählt, war auf jeden Fall schon mal ein kaum zu überbietendes Highlight. Unser eigener, privater Live-Kommentar-Podcast! (Tatsächlich habe ich einige der Einschätzungen dann einige Tage später tatsächlich aus dem Besenwagen nochmal zu hören bekommen.)


Bevor es los ging gab es aber zunächst mal Armbändchen, ein rotes und ein goldenes. Eines für den Zugang zum VIP-Bereich am Start und eines für das Ziel. in Trier konnten wir die Einschreibeprozedur und Vorstellung der Fahrer aus nächster Nähe verfolgen und ich habe noch einen schnellen Rundgang durch das Fahrerlager eingeschoben. Es ist immer wieder bemerkenswert, wie nah man den Protagonisten im Radsport kommen kann. Besonders bei nicht ganz so großen Rennen wie der Deutschland Tour ist es einfach mit den Fahrern ins Gespräch zu kommen, um nach einem Autogramm oder einem Foto zu fragen und die Räder in Augenschein zu nehmen. Die World Tour Profis verschwinden inzwischen zwar oft in ihren Teambussen, aber es gibt immer noch mehr als genug Gelegenheit die Vorbereitungen zu verfolgen. Wo sonst als im Radsport ist so etwas möglich?

Dann war es aber schon an der Zeit zum Start zu gehen. Es gibt genaue Regeln, wo welche Autos fahren dürfen. Die VIP Autos fahren dem Rennen voraus und dürfen sich hinter die Spitzengruppe fallen lassen, wenn der Abstand der Ausreisser mehr als drei Minuten beträgt. Hinter dem Feld und den Materialwagen darf man auch fahren, aber das ist recht uninteressant, dort sieht man am wenigsten vom Rennen. Über den eingebauten Funkempfänger konnten wir Radio-Tour verfolgen und waren so immer über Abstände, die Fahrer in der Spitzengruppe und den Ausgang der Wertungen informiert.


Beeindruckt haben mich die Zuschauermassen entlang der Strecke. Schon am Start in Trier waren die ersten Kilometer auf beiden Seiten der Strecke gesäumt von Zuschauern. Von der Porta Nigra ging es über den Marktplatz, vorbei an der Basilika und an die Mosel. Am Ortsschild erfolgte der scharfe Start. In jedem Ort entlang der Strecke und an jeder Steigung Zuschauer über Zuschauer. Im Saarland habe ich immer wieder bekannte Gesichter und Trikots entdeckt. Insgesamt wurden im Saarland fünfzigtausend und davon allein in Merzig rund zehntausend Zuschauer gezählt! Für die dann doch recht ländliche Region und die kleinste Stadt unter den Etappenzielen der Deutschland Tour ein echter Erfolg.

Bis die Spitzengruppe die notwendigen drei Minuten Vorsprung hatte, dauerte es eine ganze Weile. Erst im Anstieg von St. Barbara kurz vor der Verpflegung war es so weit. Wir hielten am Rand, machten eine kurze Biopause und warteten auf die Spitze. Ein Paar schnelle Bilder und weiter ging es. Zwischen uns und den Rennfahrern war nur der neutrale Vittoria Materialwagen, zwei Teamautos und der Wagen mit dem Rennleiter.

Die Spitze kurz nach St. Barbara.


Das VIP Menü. Im Kofferraum war auch noch ein Flasche Schaumwein, die aber ungeöffnet blieb.



Kurz vor der nächsten Bergwertung haben wir die Fahrer dann nochmal überholt um in Nohn anzuhalten und Spitze und Hauptfeld vom Straßenrand anzufeuern. In Merzig haben wir das Rennen verlassen und die zweite Runde über Nohn und Orscholz sowie das Finale über den Kreuzberg im VIP Bereich auf dem Fernseher und vom Balkon des des VIP Busses verfolgt.

Einen echten Gänsehaut Moment habe ich bei der Durchfahrt der Fahrer im Ziel gehabt. Tausende von Zuschauern die einen Höllenlärm veranstalten und die Fahrer anfeuern, das hat mich dann doch ein klein wenig Stolz gemacht. Wie heißt es im Saarland Marketing: Großes entsteht im Kleinen!

Rennleiter Fabian Wegmann gibt uns freie Fahrt.


Sprint um den Etappensieg!

Links Burkhard, der VIP Gewinner, In der Mitte unser Chauffeur Andreas Stauff und rechts meine Wenigkeit.


Profiradsport in Merzig! Darauf ein Prost!

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