Samstag, 19. Oktober 2013

Trainingsaufzeichnungen Teil 2

Im ersten Teil ging es um analoge Trainingsaufzeichnungen und um Garmin Connect. In Teil zwei geht es um Strava und Cycling Analytics.

2.2. Strava
Strava ist nicht nur ein Tool um die Trainingsdaten zu erfassen und auszuwerten sondern genauso ein soziales Netzwerk. Aber von vorne an. Die Anwendung greift wie Garmin Connect auf den Ordner mit den Garmin Trainingsdaten zu und lädt diese hoch. Es gibt auch ein Strava App für iOs und Android, die statt einem Garmin Gerät die Daten generiert, anzeigt und auch direkt auswertet. Dazu kann ich Mangels Smartphone aber nichts sagen.

Strava hat alle Features, die Garmin Connect  auch hat, kann aber einiges besser. Schwimmdaten habe ich noch nie auf Strava hochgeladen, keine Ahnung wie die dort dargestellt werden. Der Focus liegt aber ganz klar bei Radsport und Laufen.


  • Das Dashboard zeigt in der Standardansicht nicht nur die eigenen, sondern auch die Aktivitäten der Freunde in einer "Timeline" an.
  • Das Layout ist klar und übersichtlich. Alles ist gut zu finden und Einstellungen sind gut erklärt, insbesondere bei den Privacy Einstellungen.
  • Wirklich gelungen ist die neue Aktivitätsseite, auf der die Trainingseinheiten dargestellt werden. Besonders die neue Radseite ist sensationell.
  • Das Strava Killer Feature ist allerdings "das Segment". Nach einer Tour kann ein bestimmter Abschnitt auf der Strecke als Segment markiert werden. Das kann ein Berg sein, eine flache Strecke, ein bestimmter Abschnitt am Berg, kurz oder lang oder auch eine Abfahrt. Obwohl letzteres so eine Sache ist, aber dazu später mehr. Und jetzt kommt der Clou. Wenn andere Radfahrer ihre Daten hochladen und das gleiche Segment gefahren sind, wird automatisch eine Rangliste erstellt. Der Schnellste auf einem Segment ist der King Of Mountain oder einfach KOM. Das kann jede Trainingsfahrt zu einem Rennen machen. Und tatsächlich, ich bin auch schon ein paar Mal ausgezogen um mir einen KOM zurückzuholen. Das macht wirklich Spass. Sensationell. Heimzukommen und an diesem einen Berg endlich unter der x-Minuten Grenze zu sein. Oder zu sehen, dass die Freunde schon wieder Kilometer gesammelt haben. Da steigt man doch schon mal auf's Rad, obwohl es draussen kalt und nass ist. 
Jetzt kann man einwenden, dass das alles Kokelores ist und ein echter Rennfahrer das nicht notwendig hat. Gut, es gibt auch einige Profis, die ihre Daten hochladen. Das ist wirklich interessant, z.B. hier Laurens den Damm, inclusive Puls und Power Werten! Ein Rennfahrer wird aber wohl kaum KOM's jagen, der hat seine Herausforderung zwischen Start und Ziellinie. Interessant dazu: http://cyclistthings.com

Natürlich darf man auch auf der Jagt nach dem nächsten KOM den Kopf nicht ausschalten und ja, es gibt Leute die es übertreiben (Siehe hier), aber die übertreiben es wahrscheinlich auch ohne Strava.

Ein weiterer Pluspunkt an Strava ist die API, die es anderen Programmierern erlaubt, Anwendungen zu entwickeln, die auf die Daten zugreifen. Und da gibt es einige wirklich tolle Sachen. Dazu komme ich einem der nächsten Teile.

Strava ist kostenlos. Wer möchte, kann Premium Mitglied werden und hat dann einige zusätzliche Ansichten und Auswertungen zur Verfügung. Ist aber nicht notwendig, die "normale" Funktionalität sollte ausreichen. Insbesondere für die nicht Power Meter Nutzer.


Alle Infos findet ihr unter http://app.strava.com


2.3. Cycling Analytics
Eine andere Anwendung, die ich vor kurzem entdeckt habe und die ganz hervorragende Analyse Möglichkeiten bietet, ist Cycling Analytics. Unglaublicherweise steht hinter dem Projekt keine Firma mit Dutzenden von Programmierern sondern David Johnsen, seht dazu hier und hier.

Hier stehen wirklich die Auswertungen der Trainingsdaten im Vordergrund. Das ist hier sehr genau möglich. Es gibt viele Charts mit Verteilungen von allem Möglichen. Sehr interessant finde ich den Trainingsload. Aus der Dauer und der Intensität der Trainingseinheiten wird eine Kennzahl berechnet, die darüber Auskunft gibt, ob man erschöpft oder ausgeruht ist. Das sieht in meinem Fall zum Beispiel so aus:
Dort kann man sehr gut sehen, wie ich bis zu dem Bergzeitfahren Ende September sehr viel trainiert habe und die Stress Balance Kurve negativ war. Das ist ein Zeichen, dass ich zu viel gemacht habe, was auch tatsächlich stimmen könnte. Mein Puls ging im Training kaum über 185, auch wenn ich "Anschlag" gefahren bin und gleichzeitig war mein Ruhepuls etwas höher. Es wird interessant sein, damit noch mehr Erfahrung zu sammeln.

Eine wirklich einzigartige Möglichkeit ist, eine Funktion zu definieren, deren Ergebnis in einem Chart dargestellt wird. Zum Beispiel möchte ich wissen wie mein Durchschnittspuls und die Distanz zusammenhängen. Die Annahme ist kurz und intensiv oder lang und extensiv.

Entsprechend der Annahme sollten die Punkte um eine Linie von links oben nach rechts unten verlaufen. tatsächlich sieht man aber gut, dass Durchschnittspuls und Distanz nicht zusammenhängen. Damit das alles wirklich gut funktioniert, muss man natürlich sehr darauf achten, dass man keine falschen Daten hochlädt. Es gibt zwei Punkte bei x=100 km und y = 100 puls. 100 km mit einem Puls unter 100? Kann das sein? Nein, es sei denn der Pulsgurt ist kaputt!  Der hat eine Zeit ganz seltsame Werte geliefert und wurde von Garmin tatsächlich getauscht.


Erwähnen möchte ich auch, dass sich das Tool so konfigurieren lässt, dass sie Trainingsdaten automatisch auf Strava geladen werden. Man kann also beide Tools nutzen, muss aber nur einmal die Daten hochladen. Das Tool ist komplett kostenlos. Es kann sein, das zukünftig Gebühren anfallen, aber die wäre das Tool auf jeden Fall wert. Rundum zu empfehlen.

Hier die "Short and Crisp" Tour: http://www.cyclinganalytics.com/ride/737815723408

Und hier die Start Seite: http://www.cyclinganalytics.com

Im nächsten Teil geht es um das Trainingstagebuch und Social Race Cycling

--------- Update 29.10.2013 ---------

Cycling Analytics hat heute die Kosten bekannt gegeben. Es gibt eine Testperiode von 1 Monat. Danach fallen entweder 10$ pro Monat oder 80$ pro Jahr an. Nicht billig, sogar teurer als Strava, aber für die gebotene Leistung geht der Preis in Ordnung.

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