Freitag, 13. Mai 2016

Ein Abwärtstrend? (Update)

Nach den Landesverbandsmeisterschaften im Zeitfahren am vergangenen Samstag fand einen Tag später die Meisterschaft im Straßenrennen in Wolfhagen in Nordhessen statt. Seit einigen Jahren werden die Meisterschaften des Saarlandes, von Rheinland-Pfalz und Hessen gemeinsam ausgerichtet. Aufgrund einer kurzfristig versagten Genehmigung gesellten sich dieses Jahr auch die Radfahrer aus Niedersachsen dazu. Gleich vier Landesverbände bestimmten ihre Meister. Da sollte man eigentlich davon ausgehen, dass mal so richtig anständige Startfelder die Rennen in Angriff nehmen würden. Leider war es immer noch vergleichsweise übersichtlich. Insgesammt waren zwar immerhin 500 Fahrer gemeldet, aber so manch ein Sieger-Podest war nicht voll besetzt und die Medaillen blieben ungenutzt.

Basierend auf den Meldelisten habe ich mal ein bißchen Statistik gemacht. Erwartungsgemäß war die saarländische Fraktion die kleinste, der saarländische Radfahrerbund ist ja auch der kleinste Verband der vier. Das aber über alle Klassen nur 29 saarländische Fahrer gemeldet waren, davon nur ein einziges Mädchen und lediglich 14 Jungen in den männlichen Nachwuchsklassen ist natürlich schade bis traurig. Der Straßen-Radsport im Saarland (wie in anderen Verbänden auch) stand wirklich schon mal besser da. Inzwischen reicht es schon aus, überhaupt eine Lizenz zu lösen und sich auf dem Rad zu halten um in die Landeskader aufgenommen zu werden. Die Trainer haben gar nicht mehr die Möglichkeit auszuwählen. Es wird höchste Zeit, dass der Bund Deutscher Radfahrer und die Landesverbände dem entgegen wirken und endlich von der allgemeinen Popularität des Radfahrens profitieren. Der Abwärtstrend bei den Starterfeldern im Straßenrennsport ist insbesondere im Vergleich zu der lebendigen Jedermann-Szene erstaunlich.

Und erstaunlich auch weil Radrennen Spass machen. Mann trifft viele Gleichgesinnte, es gibt Rennen für alle Altersklassen, hinterher eine Rennwurst und guten hausgebackenen Kuchen, Startgeld kostet maximal 15 Euro und kommt ehrenamtlich arbeitenden Vereinen zu Gute, Rennen sind in der Regel hervorragend organisiert, den sportlichen Wettkampf kann man, muss man aber nicht ganz so bierernst nehmen, wenn man aussteigt, ist das auch nicht schlimm. Für Erwachsene, die mit dem Radsport anfangen ist die C-Klasse natürlich schon 'ne Hausnummer, aber für den Nachwuchs, hallo? Gerade mal 219 Starter aus dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen in allen Nachwuchsklassen zusammen? Bei den Landesmeisterschaften? Jungs und Mädchen?

Vom Bund Deutscher Radfahrer vermisse ich etwas wie der Australische Verband vor einigen Tagen bekanntgegeben hat: Einen Fahrplan für die nächsten Jahre, dort nennt sich das Strategy 2020. Einen Plan mit einem klaren Ziel, nicht nur auf olympische Medaillen abzielend, sondern auch auf den Breiten- und Freizeitsport und Lobbyarbeit. Gut, es kann sein dass der BDR so was auch hat, vielleicht in den Tiefen von rad-net.de versteckt. Herr Scharping (ist der überhaupt noch Präsident? schon so lange nix mehr von dem gehört) hat sicher einen Masterplan.

Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob die Landesmeisterschaften in ein paar Jahren nicht gleich durch Süd- und Norddeutsche Meisterschaften abgelöst werden, weil mehr und mehr Landesverbände ihre Rennen zusammenlegen oder ob wir mal wieder eine exklusive Saarlandmeisterschaft sehen, wie "zu meiner Zeit".




Update 20.05.2016:
Gestern ist in den Radsportnachrichten aus Mittelhessen ein Kommentar von Jan Traub von der RVG Rockenberg über die Landesmeisterschaft in Wolfhagen erschienen. Herr Traub schildert die zunehmenden Schwierigkeiten für die Veranstalter Radrennen auszurichten.

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