Mittwoch, 15. Juni 2016

Im Regen durch die Vogesen

Nach meiner Radmarathon Premiere 2015 in den Vogesen stand ich auch dieses Jahr wieder am Start des Trois Ballons. 216 km und über 5000 Höhenmeter durch die Vogesen. Auf dem Programm standen:
Da sind nur zwei Ballons? Habt ihr richtig gezählt, früher war die Strecke anders und es ging auch noch über den Petit Ballon. Heute sind es nur noch zwei Ballons, dafür ein paar mehr Cols, aber der Name ist geblieben.

Nach einer katastrophalen Renneinteilung und einem viel zu schnellen Start 2015 wollte ich es dieses Jahr besser machen. Die erste Maßnahme dazu war am Start weiter vorne zu stehen. Wenn man in den Vorjahren eine gute Zeit gefahren ist, darf man eigentlich im ersten Block mit der Startnummer 1 bis 300 starten. Ich absolvierte den 3B letztes Jahr in 7:24, dass hätte eigentlich dicke gereicht. Da ich aber versäumt hatte meine Lizenz (oder alternativ eine medizinische Unbedenklichkeits-Bescheinigung) im Vorfeld einzureichen, wurde meine Zeit nicht gewertet. Aber ich hatte Glück, als ich zum Start kam, war der normale Block noch recht leer und ich stand weit vorne. Überhaubt hatte ich den Eindruck, dass dieses Jahr bei weitem weniger Starter den Weg nach Luxeuil-les-Bains gefunden hatten, es kann gut sein, dass das am Wetter gelegen hat.

Nachdem sich das Wetter am Freitag von seiner guten Seite gezeigt hatte, behielt die Vorschau für den Samstag Recht. In der Nacht hatte es schon anständig geregnet und am Samstag morgen sah es nicht viel besser aus. Die Straßen waren dann auch den ganzen Tag nass, es hat immer mal wieder geregnet. In den höheren Lagen ist man durch die Wolken gefahren, die Sicht betrug gerade mal noch 50 m. Auf dem Grand Ballon war es mit sieben Grad empfindlich kalt und es hat ordentlich gezogen. Der Starkregen hat mich zum Glück erst auf dem zehn Kilometer langen Rückweg vom Ziel zum Start erwischt. Das war wie Radfahren unter der Dusche. Wenigstens war der Regen nicht eiskalt, inzwischen freut man sich ja bereits über Kleinigkeiten!

Der Blick aus dem Auto auf meinem Übernachtungsplatz, nicht so schlecht!

Übernachtet habe ich übrigens wie bereits letztes Jahr im Auto. Wenn ich es noch ein paar mal mache, schlafe ich dort wahrscheinlich fast genauso gut wie zu Hause. Als ich das Foto auf Facebook gepostet habe, lautete ein Kommentar, dass das besser wäre als so manches Hotel in Frankreich. Das sei mal dahin gestellt, unschlagbar war auf jeden Fall die Entfernung zum Start von gerade einmal 300m und der Blick aus dem Fenster.

Zurück zum Start, als es dann endlich los ging, hat es doch eine Weile gedauert, bis ich über die Startlinie kam und die ersten Kilometer bin ich dann doch wieder der Spitze hinterhergejagt, allerdings mit deutlich kontrollierterem Einsatz. Nach zehn Kilometern war ich vorne und konnte mich über die ersten Wellen immer weiter vorne positionieren. Das ging wirklich gut. Die erste nennenswerte Schwierigkeit war der Col de Chevrères. Nach einem sanften Beginn warten in der zweiten Hälfte der 10 Kilometer Steigungen mit meistens um die 10%. Das ist schon mal knackig. Dort hat sich die Spitze dann auch zum ersten Mal geteilt. Vorne vielleicht 25 Fahrer, ich mit etwa 30 weiteren dahinter.


Am Start mit grimmigem Blick.

Als nächstes ging es hoch zum Ballon d'Alsace. Das Tempo der Gruppe war komfortabel und kurz vor der Passhöhe konnte ich mich sogar etwas absetzen um an der Verpflegung meine Flaschen zu füllen. Auch am folgenden Col de Hundsruck war noch alles ok. Dann kam der Grand Ballons, mit über 1300m der höchste Punkt des Rennens. 15 Kilometer Anstieg mit gut 1000 Höhenmetern. Die Passhöhe war bei km 127 erreicht. Kein Pappenstiehl. Ich habe mich zu Beginn noch wirklich gut gefühlt und konnte immer unter den ersten der Gruppe fahren, aber etwa zur Hälfte war der Tank leer und ich musste abreissen lassen und bin mit gerade mal 10 km/h dem Gipfel entgegen. Bis dorthin haben mich wieder einzelne Fahrer und Grüppchen überholt. Aber es hilft ja nix. Am Berg muss man sein eigenes Tempo fahren. Besonders wenn es noch fast 100 km bis zum Ziel sind.

Bei der Verpflegung kurz vor der Abfahrt habe ich dann nochmal die Flaschen und Trikottaschen aufgefüllt und alles angezogen, was ich dabei hatte. Puh, die Abfahrt war wirklich kalt, dazu Nebel, Sprühregen, 50 Meter Sicht und die sensationelle Bremsleistung von Felgenbremsen auf nassem Carbon! Irgndwann haben mich zwei Fahrer aufgefahren, ein immer noch hoch motivierter Fahrer in einem Tax-Kit und Jonas auf Flandern. Auf den Flachstücken ist der Tax-Mann wie eine Lokomotive von vorne gefahren und an den nächsten Bergen hat Jonas ein für mich perfektes Tempo vorgegeben.

Abfahrt vom Grand Ballon

So ging es über den Col d'Oderen, den Col de Ménil und den Col des Croix. Inzwischen hatten wir weitere Fahrer aufgefahren und die Gruppe war etwas größer. Zum Schluss wartet dann noch der Anstieg auf die Hochebene der 1000 Seen. Eine ganz und gar unnötige und fiese Rampe mit bis zu 20%. Wirklich nicht was man nach fast 200 km braucht. Aber gut, es ging zumindest viel besser als letztes Jahr und ich konnte statt im Zick-Zack eine gerade Linie fahren. Auf der Hochebene angekommen konnte ich mich dann bei Jonas revanchieren und die Führung übernehmen. Laut dem Strava Comparison Tool haben wir auf den letzten Kilometern über die Hochebene und auf dem anschliessenden Flachstück bis zum Ziel auch noch mal ordentlich Zeit gutgemacht.

Meine Uhr blieb am Ziel nach 7 Stunden und 10 Minuten stehen, gute 15 Minuten schneller als letztes Jahr. Ein Blick in die Strava Segmente zeigt, dass ich bis auf das erste Flachstück (+4 min) und die Abfahrten (+3 min) überall schneller war. Der Start war bewusst langsamer und auf den nassen Straßen konnte man nicht so schnell abfahren. Den Grand Ballon bin ich ja gefühlt im Schneckentempo hoch, war aber immer noch 10 Minuten schneller als 2015. Stellt sich die Frage woran es gelegen hat, zuwenig gegessen? Möglicherweise. Ich denke, es hat einfach daran gelegen dass es die erste lange Distanz in diesem Jahr war und mir dafür die Erfahrung und das Training fehlt. Am Ende ist es aber auch egal. Es hat Spass gemacht und ich habe nette Leute getroffen. 

Und 2017? Da werde ich die 7:00 Stunden in Angriff nehmen, die 10 Minuten müssen doch noch drin sein! Und da ich dieses Jahr als 53ter und 10ter meiner Altersklasse recht weit vorne war, sollte es auch mit dem ersten Startblock klappen. Wenn dann auch noch das Wetter besser ist und die Abfahrten schneller gefahren werden können, fehlt nicht mehr viel.

Was mir noch aufgefallen ist: Belgier über Belgier! Ich frage mich ob in Belgien überhaupt noch irgendwelche Rennradfahrer waren. Unter den ersten zehn neun Belgier, der eine Nicht-Belgier war ein Niederländer auf dem 9. Platz, unter den ersten 20 13, unter den ersten 50 34 und unter den ersten 100 63.

Mein Camping-Car, mit französischer Dusche. Das Essen unter rechts ist das Lunchpaket dass es im Ziel gab. In Frankreich darf der Käse zum Nachtisch nicht fehlen!



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