Sonntag, 19. März 2017

Delegierten Versammlung des Saarländischen Radfahrerbundes

Gestern fand in Saarbrücken die Delegierten-Versammlung des Saarländischen Radfahrerbundes statt. Delegierten-Versammlung bedeutet dabei, dass alle Vereine entsprechend ihrer Mitgliederzahl Delegierte in diese Hauptversammlung senden können. Mehrere Stimmen können dabei nicht auf eine Person vereinigt werden. Hat ein Verein also zehn Stimmen, müssen auch zehn Personen erscheinen um diese zehn Stimmen wahrnehmen zu können. Für meinen Verein, den Tri-Sport Saar-Hochwald war das einfach, wir haben nur zwei Radfahrer, das entspricht einem Delegierten, also mir.

Neben den Delegierten der Vereine haben auch die Präsidiums- und die Ehrenmitglieder ein Stimmrecht. Von den Insgesamt 230 Stimmen erschienen aber lediglich 66, das sind gerade mal 27,8%. Nur 16 der 52 im SRB organisierten Vereine hatten überhaupt Delegierte entsendet. 


Über die Verbände wird ja gerne und zu allen möglichen Gelegenheiten geschimpft und in der Tat gibt es vieles, was man kritisieren kann und auch sollte. Diese Kritik anzubringen und Entscheidungen zum Besseren zu beeinflussen ist bei einer Wahlbeteiligung von unter 30% aber gar nicht so schwer und aussichtslos, wie man landläufig annimmt. 

Insgesamt hat die Liste der im SRB zu vergebenen Posten stolze 29 Einträge. Es gibt den Vorstand,  Koordinatoren und Beauftragte für alles Mögliche, Beisitzer und Kassenprüfer. Einige Positionen sind vakant. Über diese Fülle an "Pöstchen" lässt sich natürlich leicht spaßen und heisst es nicht auch, dass zu viele Köche den Brei verderben? Allerdings engagieren sich all diese Köche zu 100% ehrenamtlich in ihrer Freizeit. Anfallende Arbeit auf möglichst viele Schultern zu verteilen ist daher durchaus sinnvoll. Wer auf Verbandsebene mitreden und seine Stimme einbringen möchte, kann dies um den Preis einer in einigen Fällen minimalen Arbeitsbelastung leicht tun.


Für allgemeines Erschrecken sorgte der Bericht der Kassenprüfer, die rund 9.700 Euro Aussenstände von Vereinen gegenüber dem Verband monierten. Dabei handelt es sich wohlgemerkt nicht um jahrelang aufgelaufene Zahlungen von längst geschlossenen Vereinen, sondern um aktuell ausstehende Mitgliedsbeiträge oder Gebühren für z.B. Lizenzen. Für einen kleinen Sportverband wie den SRB ist das eine Menge Geld, die an anderer Stelle fehlt. Das hier eine entschlossenere Gangart notwendig ist, zur Not auch unter Einbeziehung rechtlicher Schritte, fand allgemeine Zustimmung.

Wie wahrscheinlich auf jeder Hauptversammlung seit Jahren kam auch dieses Jahr wieder die Rede auf die Radrennbahn, die der SRB gerne hätte. Pläne dazu gibt es schon seit langem. Und in der Tat ist eine Bahn eine tolle Sache. Ich würde direkt eine Jahreskarte kaufen, um wann immer es geht dort zu trainieren, und hey, ich könnte mir ein Bahnrad kaufen! Mein letzter Ausflug in das Oval liegt schon wieder viel zu lange zurück. Aber ganz ehrlich, so sehr ich persönlich eine Bahn im Saarland befürworten würde, wer soll dort fahren? Auch wenn sich hier die Frage nach der Henne und dem Ei stellt, so halte ich es doch für sehr unwahrscheinlich, dass eine solche Bahn eine auch nur halbwegs angemessene Auslastung erfahren würde. In dem Zusammenhang fällt es mir ja immer noch schwer zu glauben, dass eine Sanierung der Schanzenbergbahn unmöglich bzw. teurer sein soll als der komplette Neubau einer Anlage (Ich habe darüber schon mal mit dem Präsidenten des SRB gesprochen, kann mich aber nicht mehr an die angeführten Details erinnern). Alternativ könnte eine Zusammenarbeit mit dem Luxemburger Verband über die auch dort seit Jahren im Gespräch befindlichen Bahn versucht werden.

Der einzige Moment, der für etwas Aufregung während der Hauptversammlung sorgte, war die Beantragung geheimer Wahl des Sportlichen Leiters. Dessen Wiederwahl war dann auch die einzige Entscheidung des Abends, die, trotz fehlendem Gegenkandidaten, nicht einstimmig erfolgte. Hintergrund des Ganzen sind wohl Verteilungskämpfe zwischen den Mountainbiker und den Straßenfahrern. Die genaue Ursache ist dabei wahrscheinlich genauso wenig auszumachen wie im Nahostkonflikt und genauso unmöglich ist die Einteilung in Gut und Böse, auch wenn dass die Beteiligten vielleicht anders sehen. In Anbetracht des kleinen Landesverbandes und der wenigen Lizenzen, sollte es meiner Meinung nach gar keine Unterscheidung zwischen den beiden Disziplinen geben. Nachwuchsfahrer sollen beides lernen, ein MTBer kann seine Grundlageneinheiten wunderbar auf der Strasse abspulen und sich durch die Teilnahme an Strassenrennen auch sportlich weiterentwickeln. Genauso sollten Jugendliche, deren Herz für die Strasse schlägt, auf dem MTB Radbeherrschung lernen und sich auch im Gelände behaupten können (Vorbild Sagan). Von Synergien wie gemeinsamem Hallentraining etc. gar nicht gesprochen. Eine möglichst breite Ausbildung ist einer frühen Spezialisierung vorzuziehen.
Ein Weg könnte die Berufung eines einzigen, hauptamtlichen oder zumindest in Teilzeit beschäftigten Landestrainers sein, statt derzeit fünf Trainer, zwei Koordinatoren und einen sportlichen Leiter zu benennen. Ob die Mittel des SRB dazu ausreichen, kann ich nicht beurteilen. Langfristig erscheint mir dies für den sportlichen Erfolg der saarländischen Radsportler aber zielführender als etwa eine Radrennbahn. 

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