Donnerstag, 10. August 2017

Bessere Zeiten

Nach einer Woche in den Bergen hat mich meine Trainingsrunde heute mal wieder durch Lothringen geführt. In Kirschnaumen, einem der kleinen Orte nicht weit von der Deutsch-Französischen Grenze hat ein altes Restaurant meinen Blick im Vorbeifahren gefangen. Dort bin ich schon oft vorbei gefahren, aber erst heute ist mir der desolate Zustand des Gebäudes aufgefallen. Ich habe gedreht und angehalten um ein Foto zu machen. Von solch alten Hausern geht ja ein morbider Charme aus. Was für Geschichten könnte dieses Haus wohl erzählen, wenn es denn erzählen könnte? Von Hochzeiten und Besäufnissen, vom Kaffee nach Beerdigungen, von Familien beim Sonntagsessen, vom Feierabendbier und von Frühschoppen, von erster Liebe und zornigen Streitigkeiten, vom Lachen und Weinen, von Hochzeiten und ausbleibenden Gästen. Was mag in diesen Wänden schon alles passiert sein? Warum ging es zu Ende? Und heute? Fast eine Ruine, kurz vor dem Zusammenbruch. Die Farbe blättert, die Leuchtreklame ist kaputt, die Läden sind schief, die Fenster blind, das Unkraut sprießt.


Bevor das Haus in sich zusammenstürzt oder abgerissen wird schnell noch ein Bild machen, so viel Zeit muss sein. Ich drapiere mein Rad also auf der Treppe und will gerade ein paar Schritte zurück gehen, da öffnet sich die Tür und ein gar nicht so alter Herr in etwa dem gleichen Zustand wie das Haus steht auf der Schwelle und fragt mich etwas was ich nicht verstehe. Da wohnt noch jemand drin! Mein Gesichtsausdruck ist irgendwo zwischen erschrocken und erstaunt, mit einer Beimischung von ertappt. Damit hätte ich ja im Leben nicht gerechnet, hier noch einen Bewohner anzutreffen. Dann fallen mir doch noch ein paar Brocken Französisch ein und ich frage, ob ich ein Bild von dem alten Haus machen darf. Das ist ok, es gibt keine Einwände, die Tür schließt sich wieder, ich wechsle die Straßenseite, mache mein Foto und fahre weiter.

Wie es innen aussieht mag ich mir gar nicht vorstellen. Lothringen ist heute eine der ärmsten und wirtschaftlich schwächsten Regionen Frankreichs. Man vergisst das schon mal schnell, wenn man mit dem Rad durch die ruhige und meist leere Landschaft fährt und sich über den kaum vorhandenen Verkehr freut.  #whatyouseewhencycling



Sonntag, 6. August 2017

DNF - Dienstreise nach Frankreich

Sebastian Paddags aka "Paddi mit i" ist ein ehemaliger Radrennfahrer und heute als Moderator und Streckensprecher immer noch im Radsport aktiv. Als Junioren und U23 Fahrer fuhr er mit einigen der aktuellen deutschen World-Tour Profis in einer Mannschaft und hat so beste, freundschaftliche Kontakte in der Szene. 2016 bekam er die Gelegenheit als Fahrer der Projektleiterin von Tissot, einem der Hauptsponsoren der Tour, die Frankreichrundfahrt Backstage zu erleben. Über das dreiwöchige Abenteuer auf Frankreichs Straßen hat Sebastian Paddags in täglichen Blogbeiträgen auf radsport-news.com berichtet.

Die gesammelten Blogbeiträge sind dieses Jahr als Buch erschienen. In 31 Kapiteln auf knapp einhundert Seiten mit zahlreichen Bildern erzählt Paddags vom Leben in der Tour Karawane.

Leider wird deutlich, dass einen Blog und ein Buch zu schreiben zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Was als täglicher Informationshappen im Internet schnell und einfach konsumiert ist, ist in Buchform in erster Linie eine Aneinanderreihung von Belanglosigkeiten. Man erfährt dass Caro, die Tissot Frau, einen Bürotag macht und dass Caro wichtige Leute trifft. Man erfährt dass John Degenkolb im Village du Tour Gummibärchen isst und dass Andre Greipel und Marcel Kittel zusammen Kaffee trinken, dass die ARD Paddags nach Telefonnummern fragt und was den VIP-Gästen von Tissot beim BBQ an der Strecke kredenzt wird. Man erfährt in jedem zweiten Kapitel von welcher Marke das Fahrzeug ist, das Paddags fahren darf und wie toll es ist.
Daneben sind viele der Sätze eine Aneinanderreihung von umständlichen Formulierungen und mit  Füllwörtern aufgebläht. Dem Buch hätte ein stringentes Redigieren durch einen erfahrenen Lektor mit Sicherheit gut getan. Vielleicht ist dies ja erfolgt, das kann ich natürlich nicht wissen. Da das Buch aber im Eigenverlag erschienen ist, spricht genauso wenig dafür wie das finale Ergebnis.

Die Texte werden durch zahlreiche Bilder ergänzt. Viele fangen die Stimmung rund um die Tour gut ein, kommen aber nie an die extraordinäre Arbeit etwa von Jered und Ashley Gruber heran. Leider werden die allgemeinen Tour Bilder durch eine inflationäre Anzahl von Selfies des Autors ergänzt. Paddi mit Andre Greipel, Paddi mit Nairo Quintana, Paddi mit Chris Froome, Paddi mit Skoda Trikots, Paddi mit Simon Geschke, Paddi im Regen, Paddi mit Marco von der ARD, Paddi mit Robert Wagner, Paddi am Streckenrand, usw. Ich habe ganze 38 (in Worten: Achtunddreißig) Selfies gezählt.

Trotzdem ist die eine oder andere Anekdote lesenswert. Die strikte Verkehrsregelung in der Karawane mit null Promille Blutalkohol, Tempolimits und Überholregeln war mir in dieser Form neu, ebenso, dass bei Verstößen Fahrverbote verhängt werden. Tratsch-Geschichten wie dass Mark Cavendish eine Etappe nur mit einer endlos langen sticky Bottle überstanden hat, werden leider nur mit einem Satz erwähnt.

Am Ende wird aus "DNF - Dienstreise nach Frankreich" doch noch ein "DNF - Did Not Finish", da Paddags statt nach Paris im Auftrag von Tissot ein Wohnmobil nach Valencia überführen muss.  Das Kapitel der letzten Etappe schreibt daher der Sieger der Paris-Etappe, André Greipel.

Fünf Euro des Verkaufspreises von 25 Euro gehen an radsport.land, einer Initiative zur Förderung des Radsport-Nachwuchses in Deutschland. Ob dies alleine schon den Kauf des Buches rechtfertigt, muss jeder für sich selber wissen. Ich würde mir das Buch nicht ein zweites mal kaufen.


Links:
Dienstreise nach Frankreich Facebook Page
Die Blog Posts auf Radsport-News.com
Sebastian Paddags Youtube Page
Bezug des Buches über Wandnotiz Homepage

Mittwoch, 2. August 2017

Radbekleidung made in Germany: Everve

Made in Germany ist ein Label, das man inzwischen selten findet, wenn man Radbekleidung in die Hand nimmt. Die langjährige Auslagerung der Produktion in die inzwischen wohl gar nicht mehr so billigen Niedriglohnländer hat auch dazu geführt, das Produktions-Know-how und -Kapazitäten in Europa mitunter schwierig bis gar nicht zu finden sind. Umso begeisterter war ich, als ich vor kurzem auf Everve aufmerksam wurde, einem kleinen Hersteller aus dem schwäbischen Zollernalbkreis.

Bei Everve, so ist auf der Homepage zu lesen, geschieht vom Design über den Schnitt bis zur Produktion alles in Deutschland im eigenen Betrieb. Die Kleider werden direkt über den Webshop vertrieben.

Das Sortiment ist noch überschaubar, es gibt ein Trikot in verschiedenen Farben, eine Windweste, Arm-, Knie- und Beinlinge , Unterhemden und eine Reihe verschiedener Hosen. Es gibt Modelle mit und ohne Träger, mit niedrigem und hohem Bund und drei verschiedene Qualitätsstufen. Das beste Model hat ein an den individuellen Fahrstil und die Anatomie anzupassendes Polster. Alle Hosen, die Trikots, Unterhemden und Westen gibt es in einem Damen- und Herrenschnitt.

Das Design der Kleider ist angenehm zurückhaltend und trotzdem nicht langweilig. Ich konnte nicht widerstehen auf den Bestell-Button zu drücken. In meinem Warenkorb war ein Trikot in S für 65 Euro und die mittlere Hose mit niedrigem Bund in M für 120 Euro. Beides sind die Größen, die ich auch von jedem anderen Hersteller trage. Schon zwei Tage später war das Paket in der Post. Trikot und Hose waren Ressourcen schonend mit einer Papierbanderole verpackt und in einem dünnen, schwarzen Papierbogen eingeschlagen.


Die Verarbeitung sowohl des Trikots als auch der Hose lässt nichts zu wünschen übrig, die Nähte sind sauber und stabil ausgeführt, Farbkanten treffen sich genau. Die Hose sitzt angenehm, wobei der niedrige Bund sicherlich eine Frage der persönlichen Vorliebe ist. Wie bereits geschrieben, gibt es auch eine Variante mit hohem Bund. Die Hosenbeine scheinen mir etwas länger zu sein. Sehr hübsch ist der Akzent durch den farbigen Träger. Das Elastic Interface Polster bürgt für gute Sitzqualität.

Das Trikot hat nur einen Dreiviertel Reisverschluss, lässt sich also nicht ganz öffnen. Das ist etwas, was ich ganz und gar nicht mag. Wenn man solch einen Reisverschluss im Sommer ganz herunter zieht, bläht sich das Trikot schnell auf wie ein Segel. Und es gibt immer wieder Situationen, in denen man das Trikot mit gefüllten Taschen an- oder ausziehen will oder bereits den Helm anhat, etwa bei einem letzten Toilettengang vor dem Start. Ein durchgehender Reisverschluss macht das sehr viel einfacher. Noch störender fand ich aber den sehr kurzen Schnitt der Frontseite. Ich trage alle meine Trikots in S und habe trotz 183 cm Körpergröße nie das Problem, dass die Trikots zu kurz sind. Bei dem Everve Trikot war ich hingegen die ganze Zeit am "zuppeln". Zusammen mit dem niedrigen Bund der Hose war das nicht angenehm, selbst in gebückter Haltung auf dem Rad. Stellt euch mal vor, ihr fahrt mit nach oben gestreckten Armen über die Ziellinie und der Bauch schaut raus!

Das war letztendlich der Grund, das Trikot zurückzusenden. Da sich die Hose durch das zwar schöne, aber markante Logo mit anderen Trikots nur schwer kombinieren lässt (zumindest bei meinen strikten Style-Anforderungen), habe ich diese auch zurückgesendet. In uni-schwarz hätte ich die Hose behalten.

Wirklich getestet habe ich die Everve Kleider somit nicht, habe aber keinen Zweifel daran, dass die Trikots und die Hosen (und auch die anderen Dinge) ihr Geld wert sind, wenn einem der Schnitt zusagt. Made in Germany, einwandfreie Verarbeitung, schönes Design, faire Preise, da kann man eigentlich nur zugreifen. Ich habe Everve auf jeden Fall in meinen Favoriten gespeichert und werde von Zeit zu Zeit schauen, ob es etwas neues gibt.







Links:
Everve Homepage

Sonntag, 30. Juli 2017

Test: Lezyne Pressure Drive und Road Caddy

Vor zwei Jahren habe ich geschrieben, dass an mein Rad niemals eine Satteltasche kommen wird. Eine Satteltasche! Fast so schlimm wie Herren-Handtaschen, die ältere Männer mit Socken in den Sandalen schon mal gerne mit Schlaufe ums Handgelenk tragen. Ganz zu schweigen davon, dass Satteltaschen gegen die Regeln verstossen ("Rule 29")!

Nur, was soll ich sagen, der Platz in den Trikottaschen ist begrenzt. Besonders bei Radmarathons, bei denen in aller Herrgottsfrühe gestartet wird und in den Bergen auch mal mit schlechtem Wetter zu rechnen ist, reicht die Kapazität der Trikottaschen nicht aus. Ich tendiere ja immer dazu eher etwas mehr als weniger anzuziehen und üblicherweise dauert es nicht lange, dass neben Telefon (rechts), Autoschlüssel (in der Reisverschlusstasche), Ersatzschlauch, Pumpe, Minitool, Flicken, Ausweis, Geld (im Lezyne Caddy Sack, in der Mitte) und einigen Energieriegeln und -Gels (links) auch die Armlinge und die Weste einen Platz benötigen.

Eine Zeitlang bin ich dazu übergegangen und habe den Lezyne Caddy Sack mit einem Pedalriemen unter den Sattel geklemmt. Der Vorteil des guten alten Riemens ist natürlich, dass er auch zusätzliche Dinge fixieren kann, Beinlinge etwa. Und ein Riemen entspricht noch am ehesten den Regeln, denn das Einzige was man demzufolge unter dem Sattel befestigen darf ist ein Schlauchreifen, sauber gewickelt, befestigt mit eben einem Riemen. Aber zumindest mit meiner grauen Tasche sieht das auch nichts aus.

Regeln hin oder her, Pragmatismus schlägt Purismus, es musste eine Tasche her, möglichst klein, unauffällig, stabil befestigt. Der Lezyne Road Caddy erfüllt genau das. Schlauch, Reifenheber und ein Minitool finden gerade so Platz, dazu etwas Geld und ein paar Flicken. Mit Gaskartuschen würde es schon eng werden. Der Reisverschluss ist wasserdicht und hat ne praktische Schlaufe, insgesamt ist die Tasche einwandfrei verarbeitet.




Da meine Minimal-Carbon Pumpe mal den Dienst verweigerte als es drauf ankam, gab es auch gleich noch eine neue High Pressure Pumpe von Lezyne dazu. Im Training und während Radmarathons habe ich die Pumpe inzwischen sogar am Rad neben dem Flaschenhalter! Die Velominati würden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. :-o

Angenehm bei der Pumpe ist, dass der Schlauch in zwei Richtungen montiert werden kann und dadurch sowohl Presta als auch Schrader Ventile bedient. Den angegebenen maximalen Druck von 8,5 bar habe ich aber bei weitem nicht erreicht. Nach einer Minute hatte ich die 25er Conti Reifen auf 3,5 bar, nach zwei Minuten waren es immerhin 5 bar, was zumindest für die Heimfahrt ausreicht. Die Pumpe wurde dabei am Kopf erstaunlich warm.




Links:

Dienstag, 25. Juli 2017

Single Speed Racing

Lange Jahre wurde die Güte eines Rennrades ja vor allem an der Zahl der Gänge festgemacht. Mein erstes Rennrad hatte deren zehn, insgesamt versteht sich. Das Höchste der Gefühle war damals ein 12 Gang Rennrad, mein Vater hatte eines. Mit den Jahren kamen Ritzel dazu wie bei Bäumen die Jahresringe. Inzwischen ist der Standard bei 11 Ritzeln hinten, also 22 Gängen. Beim MTB ist der letzte Schrei inzwischen eine Kassette mit 12 Ritzeln. 

Das es in Abhängigkeit der Strecke auch mit weniger geht, machen die Fixie und Single Speed Fahrer vor. Reduktion auf das Wesentliche und so. Am vergangenen Sonntag habe ich das auch probiert. Zugegebenermaßen nicht ganz freiwillig.

Ich bin ein Rennen in Frankreich gefahren, die 44ème Journée du Vélo Bertrange Trophée Rosalbino BONACCI et Bénito BONACCI. Die Strecke war rechteckig, 14 km lang und sechs mal zu fahren. Der stramme Westwind sorgte für ein einfaches Muster: 5km Rückenwind, 2km Kantenwind von rechts, 5km Gegenwind, 2km Kantenwind von links. Am Start standen etwa 100 Rennfahrer von den Junioren bis zur 2. Kategorie (in etwa B-Klasse). Im Gedränge kurz nach dem Start ist es dann passiert. Mein Lenker hat sich mit dem eines anderen Fahrers verhakt und ich konnte mich noch gerade so auf den Grünstreifen retten. Das war knapp, ich sah mich schon auf dem Boden, einen Massensturz auslösend. Aber es ging nochmal gut, nur, wieder auf der Straße hat meine Schaltung nicht mehr reagiert. Ich konnte noch so viel drücken, der Di2 war kein Gangwechsel zu entlocken. Der Umwerfer funktionierte noch, es lag also nicht am Strom. 

Bei dem hohen Tempo und dem starken Wind war Anhalten und Gucken keine Option. Was soll man da auch machen? Das Kabel könnte ja überall unterbrochen sein. Wahrscheinlichste Ursache war der Stecker am Bremsschaltgriff, während der Fahrt habe ich das Griffummi nach vorne gerollt und versucht den Stecker festzudrücken, aber da bewegte sich nichts. Vielleicht war der Fehler doch woanders?

Also nur noch ein Gang. 52x17. In den Gegenwindpassagen und an den Wellen war der Gang durchaus ok, ansonsten konnte ich die Beine aber rund gehen lassen. Ich hatte mit dem Rennen eigentlich abgeschlossen und wollte schon zum Auto, bin dann aber doch noch eine Runde gefahren, und noch eine und ruck zuck war das Rennen zu Ende. Ich konnte mich im Hauptfeld halten und bin als 48. über die Ziellinie gerollt. Für einen Gang gar nicht so schlecht. 

Zuhause zeigte sich dann, dass es tatsächlich der Stecker am Bremsschaltgriff war, der sich beim Verhaken der Lenker minimal gelöst hatte. 

Gewonnen hat Marc Feraud vom Velo Club Betanke Grand, ein Cat.2 Fahrer. Bester Deutscher war Max Valtey vom RV Schalke Trier auf Platz 13. (Ergebnis)





Samstag, 22. Juli 2017

Test: Rapha Pro Team Aerotrikot und Core Trägerhose + 30% Gutschein

Meine Beziehung zu Rapha ist durchaus wechselhaft. Das Tagebuch über die Festive 500 2012 war der Grundstein dieses Blogs. Damals, da war die Auswahl allerdings noch sehr viel geringer als heute, hätte ich am liebsten die ganze Seite leer gekauft. Später konnte ich es nicht mehr sehen und war all den Geschichten überdrüssig, die sich gegenseitig in Superlativen des Epischen überboten. Die Zusammenarbeit mit Team Sky hat ebenfalls nicht gerade zu meiner Begeisterung beigetragen. In funktioneller Hinsicht haben die Kleider davon sicher profitiert, aber kann man einen unsympathischeren Rennstall als Sky unterstützen? Canyon//Sram Racing ist hingegen das genaue Gegenteil, super cool, sympathisch, ausgefallen und authentisch, eine Augenweide und somit gibt es auch satte Sympathiepunkte für Rapha.


Im vergangenen Winter konnte ich den Schnäppchen dann nicht widerstehen und habe im Schlussverkauf zugegriffen. Über die außergewöhnliche Verpackung habe ich schon geschrieben. Später habe ich mir noch die Core Trägerhose und Merino Socken zugelegt.

Bei allen Teilen bin ich von der Qualität und der Passform begeistert. Selten habe ich Radbekleidung in der Hand gehabt die so perfekt und ohne Fehl und Tadel verarbeitet war.

Das "Pro Team Long Sleeve Aero Jersey" sitzt in der Tat Aero, also hauteng, die Arme sind dabei so eng, dass sie sich so gut wie gar nicht nach oben ziehen lassen. Eine Armbanduhr muss man zum Anziehen des Trikots ablegen. Dennoch fühlt man sich nicht eingeengt. Ich bin das Trikot sowohl bei 20° als auch bei frischen 10° gefahren. Beide Male hatte ich die Wettervorhersage bei der Kleiderwahl nicht richtig berücksichtigt, es wurde erst während der Fahrt warm bzw. kalt. Übermäßig geschwitzt oder gefroren habe ich an keinem der beiden Tage. Der optimale Temperaturbereich liegt aber ohne Frage dazwischen. Der Stoff der Arme ist sehr dünn, Brust und Rücken sind aus einem dickeren, auf der Innenseite angerauten Material gefertigt. Der Reisverschluss ist leichtgängig und lässt sich auch während freihändiger Fahrt leicht und schnell einfädeln. Die Taschen sind gut zu erreichen und haben ein normales Fassungsvermögen, eine Regenjacke lässt sich gut unterbringen. Eine kleine, seitlich zugängliche Tasche ist mit einem Reisverschluss gesichert. Der Original-Preis des Trikots beträgt saftige 180 Euro, das wäre es mir nicht wert gewesen. Mit einem Rabatt-Gutschein oder reduziert im Ausverkauf (ich habe 70 Euro bezahlt) macht man aber mit Sicherheit nichts falsch.







Die Core-Trägerhose ist das Einstiegs-Model von Rapha und kostet 125 Euro. Selten hat sich eine Radhose so gut angefühlt. Die Kompression trifft genau die goldene Mitte zwischen eng und weit. Das schwarze Polster ist anständig dick und sehr komfortabel. Die Beine sind einen Tick länger als etwa die der Unterlenker-Kit Hosen und werden von den breiten Bündchen nachhaltig am Verrutschen gehindert. Die Hose gibt es statt mit schwarzen auch mit weißen Trägern, was unter hellen Trikots besser aussieht. Ich bin wirklich begeistert und frage mich, wie gut erst die Classic Trägerhose sein muss, wenn das Budget-Model schon so fantastisch ist.

Auf dem linken Bein löst sich inzwischen der Rapha Schriftzug.



Die Hose habe ich mit einem 25% Gutschein gekauft, den es für die Teilname an der jährlichen Kundenzufriedenheits-Umfrage gab. Um dann nochmal auf die 100 Euro zu kommen, ab denen keine Versandkosten anfallen, habe ich auch noch ein Paar Merino Socken in den Einkaufskorb getan. Die Socken tragen sich angenehm, da gibt es nichts gegen einzuwenden. Allerdings bevorzuge ich dann doch den strammeren Sitz von Socken aus Kunstfaser. Das Weiß der Socken ist auch eher ein Creme, aber vielleicht das Weiß, dass man bei Merino Socken erwarten muss.


Rapha ist ohne Frage eine Luxusmarke. Das Preis-Leistungsverhältnis wird oftmals bis zum Äussersten beansprucht, was nicht an der Leistung, sondern am Preis liegt. Will man unbedingt ein bestimmtes Teil in einer bestimmten Größe, muss man tief in die Tasche greifen. Im Schlussverkauf gibt es aber zuweilen hohe Rabatte, mit denen man kaum was falsch machen kann.

Vor einigen Tagen hat Rapha mir eine Email gesendet mit einem 30% Rabatt-Code, gültig bis morgen Abend, 23. Juli 2017 um 23:59 Uhr Britischer Zeit: CLUB-VENOF.


Der Gutschein und dieser Post stehen in keinem Zusammenhang. Das Rapha die Mail just diese Woche gesendet hat, ist reiner Zufall. Alle Kleider habe ich selber gekauft und keine Vorteile genossen, die nicht jedem Anderen auch zur Verfügung standen.

Sonntag, 16. Juli 2017

Sicherheitsabstand beim Überholen ist Platz zum Leben

Als ich gestern morgen beim Friseur gesessen und gewartet habe und so durch meine Twitter Timeline gescrollt bin, ist mir ein Tweet in's Auge gesprungen, den ein Bekannter geteilt hat und der eine Grafik zum korrekten Überholen von Radfahrern zeigt. Im Großen und Ganzen habe ich ja eher wenig Probleme mit Autofahrern, was in erster Linie der geringeren Verkehrsdichte im Nordsaarland geschuldet ist. Knapp überholt werde ich trotzdem viel zu oft und rege mich jedesmal auf. Es ist kein schönes Gefühl wenn zwei Tonnen Metal mit einem halben Meter Abstand an einem vorbei rauschen. Was die Autofahrer dabei aus Gedankenlosigkeit oder mit Absicht nicht bedenken ist, dass Radfahrer Dingen auf der Fahrbahn ausweichen müssen. Glasscherben, Split, Müll oder Schlaglöcher sind alles Hindernisse, die Autofahrer noch nicht einmal wahrnehmen, die Radfahrer aber zu Richtungswechseln zwingen. Wenn das mit knappem Überholen zusammen kommt, wird es eine Frage von Leben oder Tod.


Neben dem Retweet auf Twitter war das Bild auch schnell auf Facebook gepostet, versehen mit dem Hashtag #PlatzZumLeben. Während der original Tweet seit dem 14. Juli rund 200 mal geteilt wurde, hat mein Facebook-Post abgehoben und wurde bis dato 1079 mal geteilt und hat rund 110.000 Personen erreicht. Ein User hat die Grafik sogar unter der Adresse www.platzzumleben.ga bereitgestellt.

Die Grafik stammt dabei ursprünglich aus England. Der Urheber ist ein Twitter User mit dem Handle @Istwhl und die Grafik ist wohl auch schon etwas älter. Aktuell wurde sie durch einen Tweet der Winchmore Hill Police verbreitet. Allerdings war die Grafik in diesem Tweet gegenüber dem Original etwas manipuliert. Im Original fahren die Radfahrer auf Bild 4 und 5 zu dritt nebeneinander, was bei Bild 5 erklärt, warum sich in der Einer-Reihe 12 Fahrer befinden. Diese subtile Veränderung hat für einige böse Kommentare gesorgt, die Polizei hat darauf auch die original Grafik geteilt und sich entschuldigt.

Den Weg in die deutsche Twitter-Sphäre hat dann aber der (manipulierte) Zweier-Reihen Tweet gefunden. Der User @footils hat die Grafik an den Rechtsverkehr angepasst und deutsche Texte dazu geschrieben.

Hier die beiden englischen Versionen, zuerst die manipilierte Zweier-Reihen Grafik, darunter das Original:



Wenn auf ausreichenden Sicherheitsabstand beim Überholen von Radfahrern hingewiesen wird, tauchen immer sehr schnell Stimmen auf, die eine Radwege-Diskussion beginnen wollen und den Radfahrern die Schuld dafür geben, dass sie in ihrem Leben gefährdet werden. Radwege sind in der Tat ein Thema mit vielen Facetten über die man engagiert streiten kann. Allerdings hat das alles überhaupt gar nichts mit dem knappen Überholen von Radfahrern zu tun. Ein Radfahrer auf der Straße mag für den ein oder anderen Autofahrer zwar ein Ärgernis sein, dass gibt aber niemandem das Recht, die Radfahrer mit der Waffe Auto zu bedrohen.

Egal wie rücksichtslos und der STVO zuwider eine Radfahrer fährt (was ich nicht gutheißen möchte), noch nie hat dadurch ein Autofahrer sein Leben verloren, der umgekehrte Fall kommt leider viel zu oft vor, zuletzt etwa in Köln, als ein 17 Jährigem Rennfahrer von einem Autofahrer getötet wurde.

Zum Schluss noch dieser Text von Chris Boardman, dessen Mutter vor einem Jahr als Radfahrerin von einem Autofahrer getötet wurde. Der letzte Satz bringt es auf den Punkt:

Jemanden mit einem Messer umzubringen, zu verletzten oder auch nur zu bedrohen ist nicht akzeptabel, wenn man das Gleiche mit einem Auto macht sieht es anders aus. Das ist falsch.

Donnerstag, 13. Juli 2017

Strava Neuland

Das ist mir schon lange nicht mehr passiert, eine Tour ohne ein einziges Strava Segment. Eine jungfräuliche Runde über 55 km durch den saarländischen Hochwald rund um Losheim am See! Eigentlich ganz entspannend, wenn man nach der Rückkehr nicht schon wieder aufgezeigt bekommt, wo man den KOM nur um Sekunden oder um Minuten verpasst hat oder wo man weit hinter seiner Bestzeit zurückgeblieben ist.


Bei allem Spaß den Strava bringt, wäre es ohne vielleicht doch schöner. So tendiert man doch immer wieder dazu diesen einen Berg, diesen einen Abschnitt Vollgas zu fahren, obwohl der Trainingsplan anderes vorsieht. Oftmals ist der Vergleich interessant und lässt sich natürlich auch toll im Training nutzen. Man kann deutlich sehen, wenn man sich verbessert. Aber eben auch wenn man sich verschlechtert. Und oftmals ist es einfach nur Stress und viel zu viel Information. Das fällt erst auf, wenn man eine Runden ohne Segmente erwischt. Mein erster Blick nach der Tour heute galt der Strava-App und ob ich an den Bergen der Schnellste war. Aber wen interessiert es? Ist es nicht viel wichtiger, dass es eine tolle Runde über kleine Nebenstraßen war, die ich schon Ewigkeiten nicht mehr gefahren bin? Durch den herrlich grünen Hochwald, fast ohne Verkehr, auf gutem Asphalt. Nur das Geräusch der Reifen, das Surren der Kette und irgendeinem Knacken an meinem Rad.


Ass Savers Mander Collection

Hin und wieder kann ich der Versuchung nicht widerstehen und kaufe Dinge, die ich eigentlich nicht brauche und die ich wahrscheinlich auch nie benutzen werde. Ganz einfach nur der Schönheit wegen. Meine neuste Errungenschaft dieser Kategorie wird wohl auf ewig in der mitgelieferten Pappkiste, der "Collection-Box", im Keller liegen. Ab und an werde ich sie aufmachen, den Inhalt anschauen und überlegen ob ich ihn nicht doch verwenden und einem praktischen Nutzen zuführen sollte. Ich werde mich nicht überwinden können und werde wieder alles einpacken und weglegen. Denn ihr perfekter, makelloser Zustand ist mit dem Moment dahin, in dem der Aufhänger abgerissen wird, das Plastik geknickt und unter den Sattel gezwängt wird. Die Rede ist hier von der ersten Collection-Series von Ass-Saver, dem Minimal-Schutzblech aus Schweden. In Zusammenarbeit mit Mander Anders, einem schwedischen Illustrator, sind vier wunderbare Designs entstanden. Ein profunder Alltagsgegenstand wird so zu Kunst, die man sich auch getrost an die Wand hängen kann, gerahmt, mit Passpartout.

Die Sammleredition umfasste vier Ass-Saver, eine Reihe von Aufklebern und ein Rennmütze und kostete 45 Euro, weniger als die Summe der Einzelpreise. Die Box ist inzwischen ausverkauft, die Ass-Saver und die Rennmütze gibt es aber auch einzeln.

Stellt sich eine letzte Frage: Helfen diese "Schutzbleche" überhaupt wenn es regnet? Natürlich nicht in dem Maß wie es richtige, lange Schutzbleche tun, aber die Wirkung ist doch überraschend gut. Ich bin ja ein Ass-Saver Nutzer seit der ersten Generation, hier geht's zum Ass Savers Test.







Links:

Freitag, 7. Juli 2017

Contador und die rosa Trillerpfeife

Das ist zum schreien komisch. Tayler Phinney erzählt wie Alberto Contador mit einer rosa Trillerpfeife vom Planche des Belles Filles abfährt.