Donnerstag, 26. Mai 2016

Stupid is as stupid does!


Ich frage mich wirklich was in den Köpfen von manchen Leuten vor sich geht. Viel kann es jedenfalls nicht sein. Glücklicherweise habe ich in der Regel ja wenig Grund zur Klage was dumm dreiste Motoristen anbelangt, aber die Regel wird bekanntlich von Ausnahmen bestätigt.

Was bilden sich diese Leute ein? Was für armselige Wichte müssen da hinter dem Steuer sitzen, die es für gerechtfertigt halten Radfahrer mit einem halben Meter Abstand zu überholen, zu hupen und dabei die Scheibenwaschanlage zu betätigen? Und obwohl es keine Rolle spielt macht es der Umstand, dass in dem konkreten Fall Platz genug war um mit 4 Meter Abstand vorbei zu fahren nur noch schlimmer. Oder der Typ der uns vor einigen Wochen auf einer Landstraße auf unserer Spur mit überhöhter Geschwindigkeit entgegenkam und irgendetwas aus dem Fenster nach uns geworfen hat.

Jeder Radfahrer hat wohl eine lange Liste solcher Erlebnisse, ich erspare euch daher meine.

Ich tendiere in solchen Momenten ja zu mittelalterlichen Gewaltfantasien, zum Glück haben wir das Zeitalter der Barbarei und des Faustrechtes aber schon lange hinter uns gelassen. Wie verhält man sich in einem solchen Moment also richtig?

Die gängigen Varianten sind:
  1. Mit wüsten Beschimpfungen und obszönen Gesten seinen Unmut zum Ausdruck bringen.
  2. Mit der Trinkflasche werfen
  3. Falls sich die Möglichkeit ergibt, den Autofahrer zur Rede stellen.
  4. Den Vorfall bei der Polizei zur Anzeige bringen.
  5. Freundlich winken und Handküsse zuwerfen.
  6. Ignorieren.
Nun ist es so, dass die Kräfte in einem Streit zwischen Autofahrer und Radfahrer sehr ungleich verteilt sind. Die Radfahrer ohne jegliche Knautschzone und auf rutschigen Schuhplatten, die Autofahrer mit einer mächtigen Waffe, dem Auto. Ein leichter Druck auf's Gaspedal, ein leichter Dreh am Lenkrad und der Radfahrer findet sich im Krankenhaus wieder, wogegen der Autofahrer höchstens einige Kratzer oder Beulen am Auto zu verzeichnen hat. Da ist es gut den möglichen Ausgang der Varianten durchzudenken bevor man die Beherrschung verliert und sich auf das Niveau dieser Idioten herab begibt.
  1. Die Sache eskaliert, der Autofahrer bremst, das Adrenalin steigt weiter, im schlimmsten Fall gibt es eine Schlägerei, sicher ist, dass man sich selber aufregt und schlechte Laune bekommt
  2. Ähnlicher Ausgang, wenn man anständig trifft hat man auch noch 'ne Sachbeschädigung begangen
  3. Wenn man es schafft ruhig und freundlich zu bleiben, nicht die schlechteste Wahl, ob es was hilft und den Autofahrer dazu bewegt sich das nächste Mal korrekt zu verhalten, naja, ich bin mir nicht sicher, aber vielleicht ist es einen Versuch wert.
  4. Selbst mit Zeugen habe ich da so meine Zweifel ob da viel bei raus kommt, aber wenigstens hat der Autofahrer erstmal Ärger am Hals.
  5. Könnte falsch verstanden werden und zum gleichen Ergebnis wie 1. führen.
  6. Es passiert nichts, aber der Idiot oder auch die Idiotin fühlt sich weiterhin im Recht und macht es das nächste Mal wieder genauso.
Die sicherste und vielleicht auch Nerven schonendste Variante ist es garnicht zu reagieren. Aber das ist ziemlich schwierig, besonders im Eifer des Gefechtes und wenn man gerade einen Adrenalin Schub hat. Ich nehme mir jedesmal aufs neue vor ruhig und gelassen zu bleiben, um dann doch wieder zu scheitern und zu schreien und mich über mich selber genauso zu ärgern wie über den Autofahrer. Dabei kann es gut sein, dass man mit Gelassenheit den Autofahrer am meisten ärgert. Denn für die ist der Radfahrer ja der Böse, der ihnen ein Stück "Ihrer" Straße wegnimmt, die sie mit ihrer Steuer bezahlt haben und wenn der sich jetzt auch noch aufführt, ist das ja nur Wasser auf deren Mühlen gegossen. Wenn man aber gar nicht reagiert sagt dass so viel wie: "Pfff, du kannst mir gar nix. Ich stehe über den Dingen." Vielleicht ärgern sie sich dann noch mehr.

Eine Mantra das dabei hilft ruhig zu bleiben ist, wenn man sich in einer solchen Situation denkt: "Der Arme hatte bestimmt eine schwierige Kindheit." Oder das obige Forest Gump Zitat: "Dumm ist der der Dummes tut!"

Zu welcher Fraktion gehört ihr? Stellt ihr die Autofahrer und -Fahrerinnen zur Rede? Oder gebt ihr auch schon mal den Cholerischen? Oder reagiert ihr gar nicht? Ihr freue mich über Kommentare.

Links

Sonntag, 22. Mai 2016

Gran Fondo Magazin - Alles für die Story

Vor einigen Wochen ist die erste Ausgabe des Gran Fondo Magazins erschienen. Das erste Radsport Magazin das ausschließlich elektronisch erscheint. Ich habe das Magazin auf dem iPad gelesen und muss sagen: Wow, das ist wirklich State of the Art. Ohne den Balast einer parallelen Print-Ausgabe haben die Herausgeber alle technischen Möglichkeiten genutzt und ein zeitgemäßes, flüssiges, atemberaubendes und trotzdem unaufdringliches Layout erstellt, in dem online und offline Inhalte, Verlinkungen, Text, Bilder und Videos in einem einzigen Flow verschmelzen.

Natürlich ist die Crema auf meinem Espresso besser als es auf dem Bild den Anschein hat!

Ich habe auch andere Radsportmagazine im elektronischen Abonnement: Cyclist, Rouleur und das Peloton Magazin (Links siehe unten). Rouleur ist einfach eine 1:1 Übernahme der Printausgabe ohne irgendwelche Anpassungen am Layout. Das Peloton Magazin bietet neben der Magazin Ansicht eine Text Ansicht jedes Artikels, was das Lesen sehr vereinfacht. Cyclist hat eine spezielle elektronische Ausgabe, alle Artikel befinden sich auf separaten Panels zwischen denen man hin und her swipen kann und auf denen man hoch und runter scrolt um den Artikel zu lesen. Gran Fondo hat dies aber noch ein gutes Stück besser umgesetzt. Vor allem merkt sich Gran Fondo die Stelle auf der man auf dem Panel war, wenn man zum nächsten swipt. Cyclist springt da immer wieder an den Anfang.

Die technische Perfektion setzt sich beim Inhalt fort. Alle Bilder sind bis zum letzten Detail durchkomponiert, die Texte sprühen nur so vor Enthusiasmus. Für meinen Geschmack ist das alles zu viel, zu glatt, zu perfekt. Die Bilder sind gestellt und künstlich wie in Werbeprospekten. So sehen ja keine echten Leute aus. In der Strecke über den European Bike Award, eine Fahrrad-Industrieauszeichnung für Innovation und Design, stehen die Juroren in Tirol auf dem Balkon eines super-futuristischen Gebäudes, einer hält einen Tablett-Computer in der Hand, alle in gedeckten Farben, alle sehen cool und sportlich aus, in der Mitte ein rotes Trek Madone. Booaahhh, das als rapha-esk zu bezeichnen wäre noch eine Untertreibung. Die Radfahrer in anderen Artikeln sind ebenfalls makellos durchgestylt. Rapha und Isadore, gedeckte Farben, perfektes Styling. Puuhh, da liegt die Latte ganz schön hoch wenn man auch so ausehen möchte. Ein bißchen ist das wie mit den Mode Journalen. Wer läuft auf der Straße schon so rum wie die Mädchen aus der Vogue? Ich habe wirklich was übrig für Style und gut angezogene Radfahrer. Aber im Gran Fondo Magazin ist es mir viel zu inziniert, zu künstlich, zu gestellt.

Aber Bilder sind ja nicht alles, wichtig sind auch die Texte. Leider wird es da nicht besser. An manchen Stellen wird allzudick aufgetragen und simples Radfahren wird überhöht bis zum geht nicht mehr. Der Gesychäftsführer persönlich, Robin Schmitt, wird von Giant Alpecin eingeladen die Rad-Touristik-Fahrt am Vortag der Flandern Rundfahrt zu bestreiten. Mit Teamrad und in vollem Teamkit. Tolle Sache, keine Frage, kann man 'ne super Story drüber schreiben. Aber hey, es ist ein RTF. Ich weiss das, ich bin nämlich die Paris-Roubaix Variante gefahren. Es gibt einen offenen Start von mehreren Stunden und keinerlei Wertungen oder Ranglisten. Das unterscheidet diese Veranstaltungen von Gran-Fondos, die in der Tat in der Spitze Radrennen sind. Aber das hier ist eine RTF, auf berühmtem Pflaster mit einer Menge Startern, aber immer noch eine RTF. Und somit kann man nicht gewinnen. Daher ist es ganz und gar unnötig generös zu erwähnen, dass man "nicht mit falschem Ehrgeiz um den Sieg fahren" will. Und die Geschichte dass andere Fahrer attakieren und angreifen, nur weil da jemand in einem Profikit durch die Gegend fährt, naja, die waren wahrscheinlich einfach schneller.

Da aller guten Dinge drei sind, stellt sich noch die Frage nach der Trennung von redaktionellen und Werbeinhalten. Das Gran Fondo Magazin ist kostenlos. Aber natürlich kostet die Produktion eines solchen Magazines 'ne ganze Menge Geld. Irgendjemand muss also bezahlen. Klar, das wird durch Werbung gemacht, wogegen auch gar nichts einzuwenden ist. Das Magazin enthält einige Werbeseiten, interaktiv, mit Videos und mit weiterführenden Links. Darüber hinaus scheint das Heft aber eine ganze Menge Product Placement zu enthalten. In dem Artikel über Tirol ist zum Beispiel ein Foto, auf dem man nur das Oberrohr eines Rades aus Koblenz sieht, mit dem Modellnahmen in der unverwechselbaren Schrift. Ansonsten nichts, das ist der einzige Inhalt dieses Bildes. Klar, man möchte einen tollen Reisebericht machen, dazu benötigt man Bilder auf denen Radfahrer sein müssen, mit schicken Klamotten und auf schicken Rädern. Also fragt man Hersteller, ob die einem nicht etwas zur Verfügung stellen. Praktischerweise bekommt man auch noch ein Rad zur Verlosung. Das macht jetzt den Tip mal nach Tirol zu fahren nicht schlechter, aber ich frage mich ob die Hotel Tips tatsächlich Tips sind oder einfach die Hotels die am meisten bezahlt haben? Eine eigene Recherche erscheint mir sinnvoll.

Puh, jetzt habe ich aber 'ne ganze Menge gemeckert. Trotzdem werde ich das Gran-Fondo Magazin auch in Zukunft lesen oder zumindest mal durchblätternwischen. Wenn ich aber großartige Essays lesen und weltklasse Radsportfotos sehen möchte werde ich weiterhin zur Rouleur greifen (tolle Webseite und guter Newsfeed übrigens) , zur Cyclist für u.a. tolle Reiseberichte und Tests und zum Peloton Magazin für alles andere und den Blickwinkel von der anderen Seite des großen Teiches (kommt aus der USA). Ja, diese Magazine kosten Geld. Aber es scheint eine recht strikte Trennung zwischen Werbung und Redaktionellen Inhalten zu geben was für mich die Glaubwürdigkeit enorm erhöht. Und die Glaubwürdigkeit ist es mir wert.

Aber macht euch einfach selber ein Bild, verlieren kann man ja nichts dabei und ihr könnt gerne einen Kommentar hinterlassen und euren Eindruck teilen.

Links:
Gran Fondo Magazins
Rouleur
Cyclist
Peloton Magazin

Freitag, 20. Mai 2016

Videobeweis

Cycling Claude hat heute einen interessanten Post über die sich ändernde Rechtslage des Videobeweises geschrieben. Inzwischen scheint es, das Videos vor Gericht durchaus als Beweismaterial zugelassen werden. Diese Option ist natürlich uneingeschränkt zu begrüßen, insbesondere für Radfahrer, die den Autofahrern weitgehend schutzlos ausgeliefert sind.

Die Bilder und Filme sind aber nur dann eine Hilfe, wenn tatsächlich etwas passiert ist. Sie bieten keinen Schutz an sich. Es sei denn man trägt ein Trikot mit der Aufschrift "Vorsicht! Kamera!", aber auch dass würde wohl kaum ein Autofahrer verstehen und daher auch keine besondere Vorsicht walten lassen.

Am Besten ist es, wenn man gar nicht erst in heikle Situationen kommt. Ich habe da wahrscheinlich leicht reden, hier im nördlichen Saarland, im Hochwald rüber nach Rheinland-Pfalz und im angrenzenden Lothringen gibt es kaum Ärger mit Autofahrern, wenn man ein paar neuralgische Strecken vermeidet. Hier fällt es leicht dem Verkehr aus dem Weg zu gehen. In Ballungsgebieten und Großstädten ist das ohne Frage etwas ganz anderes als auf dem Land.

Aber egal wo man fährt, man kann das defensiv tun, mehr auf seinen Rechten beharrend oder sogar einen bewusst forschen Stil an den Tag legen. Wie schnell man sich zu letzterem verleiten lassen kann beschreibt aktuell Christoph Stockburger auf Spiegel Online.

Was ich mich nun frage ist, ob eine Kamera am Rad einen forschen Fahrstil unterstützt? Oder anders gesagt, erhöhen Kameras am Rad die Neigung es "drauf ankommen zu lassen"? Lässt das Wissen um den möglichen Videobeweis die Risikobereitschaft ansteigen?

Auch wenn der Vergleich wahrscheinlich auf vielen Ebenen hinkt, aber ist es nicht ein bißchen so wie mit der NRA in den USA? Die zum Schutz vor Schießereien mehr Waffen fordert, mit denen es wieder mehr Schießereien gibt wogegen natürlich nur noch mehr Waffen helfen?

Wenn nun alle Radfahrer immer Kameras dabei haben, steigt dann nicht auch zwangsläufig die Anzahl derer die einen auf ihr Recht beharrenden Fahrstil an den Tag legen und damit letztendlich die Zahl der Konflikte und Unfälle? Oder wird es sich unter Autofahrern schnell herumsprechen dass diese verrückten Zweiradfahrer jetzt alle Kameras haben und diese somit respektvoller fahren?

Diese Woche fand in vielen Städten rund um den Globus der Ride of Silence statt. Diese Fahrten erinnern an Radfahrer, die im Straßenverkehr ihr Leben gelassen haben. Der Kettenpeitscher hat darüber geschrieben und erklärt was genau es damit auf sich hat und was die weißen Fahrräder bedeuten. Ist das nicht das Wichtigste, dass wir alle wieder gesund und munter zuhause ankommen? Das beste Mittel dafür ist sicher eine defensive Fahrweise, Kameras helfen nur wenn schon was passiert ist. Wobei sie dann natürlich großartig sind. Sehr schwierig.

Freitag, 13. Mai 2016

Landesverbandsmeisterschaft 2016 - Straßenrennen

Es führt kein Weg daran vorbei, ich sollte doch zumindest etwas an meinen Sprintfähigkeiten arbeiten. Es kommt zum Sprint und ich werde Letzter, oder bestenfalls Vorletzter. Sieg und Niederlage nur wenige Meter von einander entfernt. Am vergangenen Sonntag war es mal wieder so weit. Eine schöne Spitzengruppe mit sieben Fahrern fährt dem Ziel der Landesverbandsmeisterschaft im Straßenrennen (Oder wie es in laut Reglement korrekt heißt: Einer Straße) der Senioren 2 ungefährdet entgegen, es kommt zum Sprint und ich werde Sechster, Vorletzter. Und wie schon am Vortag musste ich mich im Kampf um den Saarlandmeister Alberto Kunz geschlagen geben. Aber was soll's, es war ein gutes Rennen, es hat Spaße gemacht und am Ende hat der klar bessere Fahrer gewonnen. An dieser Stelle: Chapeau für das offensive Rennen, Herr Kunz!

Ha, aber dafür habe ich den KOM an der "Kuppe der Schmerzen". Vor allen Elite Fahrern (die auf Strava sind) bin ich der Einzige, der unter einer Minute geblieben ist an der mit 500m und bis zu 8% einzigen nennenswerten Schwierigkeit des Rennens.


Ansonsten war die Strecke nicht sonderlich schwer, hat dadurch aber auch keinen Fahrertyp besonders bevorzugt. Jeder konnte hier seine Chancen wahren.  Sprinter genauso wie Rouleure und Kletterer (naja, letztere vl. eingeschränkt, für die war der "Berg" zu kurz). Richtig schwierig wurden die Rennen aber durch den starken Kantenwind. Fünf Kilometer von links, fünf Kilometer von rechts, nächste Runde. Das hat eine kluge und kraftsparende Fahrweise erfordert, wollte man am Ende noch in die Entscheidung eingreifen. Es gab viel Attacken,  es gab Sprints kleiner Gruppen und ganzer Felder, erfolgreiche und erfolglose Fluchten. Richtige Radrennen eben.


Die Strecke war hervorragend abgesichert und in tadellosem Zustand. Die Zeitmessung erfolgte mit Transpondern (Ergebnisse), im Radsport eine relative Seltenheit. Auf dem Festplatz neben der Bühne wurde mittags ein Spielmobil mit allerlei Spielzeug für die Kinder ausgepackt. Die Bratwurst war gar nicht schlecht, der Kuchen hausgebacken, die Duschen heiß, das Wetter perfekt. Die Elite-Klasse ist sogar am Rathaus gestartet, inklusive Einschreib-Kontrolle. Der Veranstalter, der Radsport Bezirk Kassel e.V. hat sich wirklich alle Mühe gegeben und eine super Veranstaltung auf die Beine gestellt. Ich weiß nicht ob dieses Rennen jedes Jahr stattfindet, aber wenn ja, ist es auf jeden Fall etwas Anreise wert.

Ein Abwärtstrend? (Update)

Nach den Landesverbandsmeisterschaften im Zeitfahren am vergangenen Samstag fand einen Tag später die Meisterschaft im Straßenrennen in Wolfhagen in Nordhessen statt. Seit einigen Jahren werden die Meisterschaften des Saarlandes, von Rheinland-Pfalz und Hessen gemeinsam ausgerichtet. Aufgrund einer kurzfristig versagten Genehmigung gesellten sich dieses Jahr auch die Radfahrer aus Niedersachsen dazu. Gleich vier Landesverbände bestimmten ihre Meister. Da sollte man eigentlich davon ausgehen, dass mal so richtig anständige Startfelder die Rennen in Angriff nehmen würden. Leider war es immer noch vergleichsweise übersichtlich. Insgesammt waren zwar immerhin 500 Fahrer gemeldet, aber so manch ein Sieger-Podest war nicht voll besetzt und die Medaillen blieben ungenutzt.

Basierend auf den Meldelisten habe ich mal ein bißchen Statistik gemacht. Erwartungsgemäß war die saarländische Fraktion die kleinste, der saarländische Radfahrerbund ist ja auch der kleinste Verband der vier. Das aber über alle Klassen nur 29 saarländische Fahrer gemeldet waren, davon nur ein einziges Mädchen und lediglich 14 Jungen in den männlichen Nachwuchsklassen ist natürlich schade bis traurig. Der Straßen-Radsport im Saarland (wie in anderen Verbänden auch) stand wirklich schon mal besser da. Inzwischen reicht es schon aus, überhaupt eine Lizenz zu lösen und sich auf dem Rad zu halten um in die Landeskader aufgenommen zu werden. Die Trainer haben gar nicht mehr die Möglichkeit auszuwählen. Es wird höchste Zeit, dass der Bund Deutscher Radfahrer und die Landesverbände dem entgegen wirken und endlich von der allgemeinen Popularität des Radfahrens profitieren. Der Abwärtstrend bei den Starterfeldern im Straßenrennsport ist insbesondere im Vergleich zu der lebendigen Jedermann-Szene erstaunlich.

Und erstaunlich auch weil Radrennen Spass machen. Mann trifft viele Gleichgesinnte, es gibt Rennen für alle Altersklassen, hinterher eine Rennwurst und guten hausgebackenen Kuchen, Startgeld kostet maximal 15 Euro und kommt ehrenamtlich arbeitenden Vereinen zu Gute, Rennen sind in der Regel hervorragend organisiert, den sportlichen Wettkampf kann man, muss man aber nicht ganz so bierernst nehmen, wenn man aussteigt, ist das auch nicht schlimm. Für Erwachsene, die mit dem Radsport anfangen ist die C-Klasse natürlich schon 'ne Hausnummer, aber für den Nachwuchs, hallo? Gerade mal 219 Starter aus dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen in allen Nachwuchsklassen zusammen? Bei den Landesmeisterschaften? Jungs und Mädchen?

Vom Bund Deutscher Radfahrer vermisse ich etwas wie der Australische Verband vor einigen Tagen bekanntgegeben hat: Einen Fahrplan für die nächsten Jahre, dort nennt sich das Strategy 2020. Einen Plan mit einem klaren Ziel, nicht nur auf olympische Medaillen abzielend, sondern auch auf den Breiten- und Freizeitsport und Lobbyarbeit. Gut, es kann sein dass der BDR so was auch hat, vielleicht in den Tiefen von rad-net.de versteckt. Herr Scharping (ist der überhaupt noch Präsident? schon so lange nix mehr von dem gehört) hat sicher einen Masterplan.

Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob die Landesmeisterschaften in ein paar Jahren nicht gleich durch Süd- und Norddeutsche Meisterschaften abgelöst werden, weil mehr und mehr Landesverbände ihre Rennen zusammenlegen oder ob wir mal wieder eine exklusive Saarlandmeisterschaft sehen, wie "zu meiner Zeit".




Update 20.05.2016:
Gestern ist in den Radsportnachrichten aus Mittelhessen ein Kommentar von Jan Traub von der RVG Rockenberg über die Landesmeisterschaft in Wolfhagen erschienen. Herr Traub schildert die zunehmenden Schwierigkeiten für die Veranstalter Radrennen auszurichten.

Mittwoch, 11. Mai 2016

Landesverbandsmeisterschaften 2016 - Einzelzeitfahren

Am vergangenen Wochenende fanden in ganz Deutschland Landesverbandsmeisterschaften im Zeitfahren und im Straßenrennen statt. Die besten Zeitfahrer des Saarlandes und von Rheinland-Pfalz wurden am Samstag in Rüssingen best  immt. Auf der schon fast Traditionsstrecke zu nennenden Betriebsstraße des Dyckerhoff Zementwerkes ging es bei sommerlichen Temperaturen und merklichem Wind für alle Altersklassen von der U11 bis zu den Senioren 4 zur Sache.


Ich hatte wie bereits letztes Jahr das Vergnügen gegen den wahrscheinlich besten Masters-Zeitfahrer Deutschlands anzutreten. Auch wenn nur sechs Fahrer aus dem Saarland gemeldet waren, gegen Alberto Kunz ein Zeitfahren zu bestreiten bedeutet eigentlich nur noch um den zweiten Platz zu fahren. Und genauso war es dann auch. Alberto hat mir wie bereits 2015 knapp über eine Minute abgenommen. Auf 14 km!! Meine Zeit von 18 Minuten und 52Sekunden entspricht einen Schnitt von über 44 km/h. Eigentlich nicht so schlecht auf der welligen und Wind anfälligen sieben Kilometer Runde, die zwei mal zu fahren war. Alberto's Siegerzeit von 18:45 bedeutet einen Schnitt von knapp 47 km/h! Holla die Waldfee. Das ist schnell!

LVM EZF Saar 2016 - Senioren 2
v.l.n.r. Harry Weirich, Alberto Kunz, Meine Wenigkeit
Was kann man da machen, außer mehr und härter zu trainieren? Nun, Zeitfahren ist neben der athletischen Komponente natürlich vor allem eine Frage der Aerodynamik. Zu einem gewissen Teil kann man sich eine gute Zeit kaufen. Es gibt so viel zu optimieren: Der Helm, die Brille, der Zeitfahranzug, die Schuhe, Handschuhe, natürlich das Rad, die Laufräder und die Reifen. Um alles noch etwas zu komplizieren gibt es nicht z.B. den einen besten Reifen, oft kommt es auf die Kombination an. Welcher Reif auf welchem Laufrad in welchem Rahmen usw.

Am allerwichtigsten ist aber die Position. Möglichst klein, möglichst windschlüpfrig ohne dabei an Leistung einzubüßen. Und, im Gegensatz zu dem Material ist die Position ja eigentlich für umsonst zu haben. Natürlich muss man sich innerhalb des Reglements bewegen, was es dann wieder nicht ganz so einfach macht.

Wenn man sich zum Beispiel das folgende Foto ansieht wird deutlich, dass meine Position noch lange nicht optimal ist. Für ein Zeitfahren, noch dazu ein so kurzes bei dem der Komfort absolut zu vernachlässigen ist, sitze ich relative „aufrecht“ auf dem Rad. Die Verstellmöglichkeiten sind allerdings schon ausgereizt, es geht weder tiefer, noch weiter nach vorne. Das bedeutet entweder einen Vorbau mit negativem Winkel oder ein anderes Rad mit niedrigerem Steuerrohr.


Interessant wäre an dieser Stelle ein Blick in meine Leistungswerte gewesen, aber ganz ehrlich, mir war der Aufwand mit dem hin und her schrauben des Powermeters zu viel. In einem Rennen über 14 km spielt das ja auch keine Rolle. Man darf die ersten Kilometer nicht überziehen, aber danach gibt es nur noch eine Devise: Vollgas.

Die Analyse Möglichkeiten nach dem Rennen sind so natürlich beschränkt. Leistungswerte würden einen Rückschluss zulassen, ob die Minute Rückstand nur am Leistungsvermögen oder auch an der "aerodynamischen Effizienz" lag. Vielleicht werde ich den ganzen Aufwand doch mal betreiben und Versuchsreihen fahren mit verschiedenen Einstellungen und testen, wie viele Watt sich noch finden lassen.

Update:
Ich konnte doch nicht widerstehen den Strava Daten den letzten Rest Information zu entlocken. Ich habe ein Segment über zwei Runden angelegt. Das Ergebnis zeigt, wie stark Alberto Kunz gefahren ist. Auch wenn die Senioren 2 eine Runde weniger wie die Elite hatten, ist Alberto genau gleich auf mit Julian Braun von Kuota-Lotto, der mit 26:46 die zweitschnellste Zeit des Tages gefahren ist. Natürlich sind die Aussagen basierend auf Strava Daten mit Vorsicht zu genießen und nur wenige Fahrer sind mit einem Leistungsmesser gefahren. Allerdings wird auch so deutlich, dass Alberto sehr an seiner Position und der Aerodynamik gearbeitet hat. Die Durchschnittsleistung von 324 Watt ist an sich nicht unerreichbar spricht dafür, das er alles optimiert hat, was zu optimieren ist.





Wer sich für das Thema Zeitfahren und Optimierung interessiert, dem kann ich übrigens den Cycling Time Trial Podcast von Mark Florence nur wärmstens empfehlen!.

Links: 
Vorher auf unterlenker.com: Die Zeitfahr-Strecke in Rüssingen / Rüssingen 2014 
Ergebnisse 2016 RLP
Ergebnisse 2016 Gesamt

Mittwoch, 4. Mai 2016

Video: Fastest Woman in Africa

Jeanne d'Arc Girubuntu's Weg von Ruanda bis zu den Weltmeisterschaften in Richmond, USA. Wow!! Das 'is mal ne Story. Rrrrrespect, black Lady!

Freitag, 29. April 2016

Photostopps

Bei all den Trainingseinheiten, bei denen es um spezifische Ziele geht, um Intervalle, Sprints, Ausdauer, Kraft, bei denen man fokussiert ist, sollte man nie vergessen sich auch die Zeit zu nehmen und anzuhalten, die Landschaft zu genießen, durchzuatmen und vielleicht ein Foto zu machen. Wenn dann nachher fünf Kilometer fehlen, pffff, egal.


Mittwoch, 27. April 2016

Douche à la Française

Letzte Woche habe ich über den kleinen Grenzverkehr geschrieben und versprochen zu berichten, was unter einer französischen Dusche zu verstehen ist. Nun, das ist ganz einfach, eine französische Dusche ist sich nach dem Rennen bestenfalls ein trockenes Unterhemd anzuziehen und ansonsten "knaschdisch" (Saarländisch für verdreckt, nicht zu verwechseln mit knatschig, schlecht gelaunt) oder "babbisch" (klebrig, verschwitzt) zu bleiben. Die Luxusvariante wäre sich auf dem Parkplatz einen Kanister mit Wasser überzukippen oder den Waschhandschuh zu nehmen.

Das bedeutet natürlich nicht, dass die Wackes (eine heute meist augenzwinkernde, neckende Bezeichnung unsere lieben Nachbarn im Westen) Franzosen keinen Wert auf Körperhygiene legen würden, sondern einfach nur, dass man ein Rennen auch ohne Duschen veranstalten kann, mit wenig Aufwand, wenigen Helfern und wenig Brimborium.

Die kleinen Rennen in der französischen Provinz haben einen ganz besonderen Charme, den man unbedingt mal erlebt haben muss. Wenn man eine Stunde vor dem Start in dem angegebenen Ort ankommt, kann es gut sein, das es noch keine Anzeichen für das bevorstehende Rennen gibt. Man muss den Ort des Geschehens wirklich suchen. Irgendwann materialisiert sich dann wie aus dem Nichts die Nummerausgabe, Offizielle erscheinen, immer mehr Fahrer treffen ein. Das Ganze geht entspannt und ohne Stress vor sich, keine Ordner die einen anschreien wenn man mal die Strassenseite wechselt. Irgendwann stellen sich alle Fahrer am Start auf, da ist es gut einfach der Herde zu folgen. Es gibt einige kurze Anweisungen des Kommisaires, trois-deux-un und los geht es. Radrennen ist dann wie Radrennen. Wenn unterwegs aber mal ein Auto entgegenkommt bricht keine Panik aus, routiniert wird die Situation gemeistert, niemand wird angeschriehen, Anwohner und Autofahrer sind verständnissvoll. Radsport hat in Frankreich einfach eine ganz andere Tradition. Die Unaufgeregtheit setzt sich im Ziel fort: Die offizielle Siegerliste ist auch schon mal handgeschrieben.

Eine andere Besonderheit in Frankreich, an der Stelle kommt dann doch gehörig Brimborium ins Spiel, ist der Ehrenwein. Der Ehrenwein ist die Siegerehrungszeromonie. Bei deutschen Rennen findet diese oft auf der Zielgeraden unmittelbar nach dem Rennen statt. In Frankreich trifft man sich eine gute Zeit nach dem Zieleinlauf im Gemeindesaal, im Pfarrheim, der Turnhalle oder was auch immer zur Verfügung steht. Dort gibt es dann tatsächlich Cremant, Wein, Saft, es werden Kekse und Kuchen gereicht. Auf dem Tisch am Saalende stehen aufgereit die Pokale für die Sieger der einzelnen Kategorien. Für den Gesamtsieger, den besten Fahrer des Départements, die Sieger der verschiedenen Kategorien, die beste Mannschaft. Irgendwann fängt dann die Zeremonie an, der Veranstalter, der Bürgermeister, der Sponsor, alle dürfen sagen wie toll das Rennen war und dann werden die verschiedenen Sieger aufgerufen, es gibt Blumen, Medaillen, Plaketten und Pokale, die Presse macht ein Foto und alle dürfen sich für einen kurzen Moment ganz wichtig vorkommen.

Da denkt man sich zwar schon mal "Was denn jetzt noch?", besonders wenn man so wie ich kaum was versteht und noch ein gutes Stück Heimweg vor sich hat, aber ich muss schon sagen, dass ist sehr liebenswürdig und sehr anders als eine "deutsche" Siegerehrung.

Was mir dabei zu denken gegeben hat, war die Einfachheit der ganzen Veranstaltung, für die die "Douche à la Française" in gewisser Weise ein Synonym ist. Denn in den letzten Jahren ist es immer schwieriger geworden Radrennen zu veranstalten. Jeder Radrennfahrer der schon etwas länger dabei ist, kann von lange nicht mehr ausgetragenen Rennen berichten, einstige Fixpunkte im Kalender, deren Termin in Stein gemeiselt schien. Im Saarland fällt mir da das Rennen in Saarlouis-Steinrausch am Ostermontag ein. Alles Schall und Rauch.

Natürlich ist es toll einen ganzen Renntag zu veranstalten und alle Klassen vom ersten Schritt bis zu den Senioren 3 am Start zu haben. Dazu ein Küchenbüffet, Bratwürste, Pommes, Nudeln, die halbe Stadt gesperrt, Musik und Rahmenprogramm, einen Buss für den Wettkampfausschuss, ein grosses Banner über dem Zielstrich, die Zielgerade mit Gittern abgesperrt, ein richtiges Radsportfest. Die zunehmenden Schwierigkeiten bei den Genemigungen mal ausser Acht gelassen, stellt eine solch große Veranstaltung natürlich immense Herausforderungen an den ausrichtenden Verein und alle Helfer dar. Ich ziehe den Hut vor allen, die solche Renntage auf die Beine stellen. Bravo!
Allerdings frage ich mich, ob es denn immer so groß sein muss? Ist es nicht besser ein kleines Rennen für einzelne Klassen zu veranstalten statt gar keines? Besser ein Rennen draussen im Nirvana als gar kein Rennen?

Das Rennen in Buzy-Darmont war solch eine kleine Veranstaltung, es gab genau ein Rennen: Jedermann, C-Klasse und Junioren sind zusammen gestartet. Eine Runde die zur Hälfte über Feldwirtschaftwege, zur anderen Hälfte durch kleine Dorfstraßen führte. Kein Kuchenstand, keine Bratwürste, keine Feuerwehr, keine Rettungssanitäter, keine Absperrorgien und .. keine Umkleiden und Duschen. Ich schätze mal, dass das Rennen mit, hochgegriffen 30 Helfern organisiert und durchgeführt war. Der Zeitaufwand für die involvierten Absperrposten, den Motorradfahrer, den Kommisair usw. betrug vielleicht vier Stunden. Auch wenn ich mit meiner Schätzung zu niedrig liegen sollte und natürlich auch nicht weiss, wieviel Zeit in der Vorbereitung wie dem Einholen von Genehmigungen, der Einteilung der Helfer oder Gesprächen mit Sponsoren steckte, so kann ich doch mit Sicherheit sagen, dass dieses Rennen mit sehr viel weniger Aufwand organisiert war, wie der in Deutschland meist übliche Renntag.

Kann weniger tatsächlich mehr sein? Oder sollte man nach dem Motto ganz oder gar nicht verfahren?

Dienstag, 26. April 2016

Test Castelli Gabba & Nanoflex

Seit gut einem Jahr habe ich eine Castelli Gabba Convertible Jacke, die ultimative Radbekleidungsallzweckwaffe für Temperaturen zwischen 0 und 15°, insbesondere wenn es nass ist. Um die Schlecht-Wetter-Ausrüstung zu komplementieren sind inzischen auch Nanoflex Trägerhose, Arm- und Beinlinge dazugekommen.

Dem Nanoflex Gewebe liegt eine eigentlich ganz einfache Erkenntnis zu Grunde: Als Rennradfahrer braucht man in den allerseltensten Fällen eine Regenjacke. Solange man in Bewegung bleibt, produziert der Körper so viel Wärme, dass auch die atmungsaktivste Regenjacke durch den Schweiß von innen bald genauso nass ist wie durch den Regen von aussen. Wird das Wetter wieder besser und man zieht die Regenjacke aus, bekommt man schnell kalt, da man komplett durchnässt ist. Die Jacke einfach anzubehalten ist auch keine Lösung, da es zu warm wird.

Die Anforderung an Regenbekleidung ist daher vielmehr, dass sie Nässe zwar abhält, das stärkere Gewicht aber auf die Atmungsaktivität legt und auch im nassen Zustand noch warm hält. Die Gabba Jacke wird dem "Wassersäulen-Test" wahrscheinlich nicht viel entgegenzusetzen haben, da das Gewebe ansich eben nicht wasserdicht ist, sondern nur eine wasserabweisende Eigenschaft besitzt. Dieser Nanotechnologie Effekt ist aber durchaus verblüffend: Wasser perlt einfach ab. Allerdings lässt der Effekt mit der Zeit nach. Was man dagegen tun kann, dazu später.

Auf der Straße zeigt die Jacke ihre Vielseitigkeit. Im vergangenen Winter kam meine Winterjacke nur noch vereinzelt zum Einsatz, wenn es mal unter Null Grad war. Ansonsten reicht bei Temperaturen ab dem Gefrierpunkt ein langes und ein kurzes Unterhemd, ein Kurzarmtrikot und die Gabba Jacke durchaus aus, vielleicht noch eine Weste drüber. Wenn es wärmer wird, kann man eine nach der anderen Extra Schicht weglassen, bis man irgendwann ab 15 Grad bei Unterhemd und Gabba angelangt ist. Die Convertible Version hält dabei beide Möglichkeiten offen, Kurzarm für Rennen oder wenn es wärmer wird und mit langen Ärmeln für die niedrigeren Temperaturen. Ist der Ärmel angezippt, hat man bei der Convertiblke Jacke am Oberarm natürlich zwei Schichten Stoff übereinander, die normale, langärmlige Jacke ist da sicher etwas komfortabler. 

Im Rücken ist die Jacke sehr lang geschnitten und reicht, wenn man auf dem Rad sitzt, bis zum Sattel. Das schützt prima wenn es tatsächlich regnet, sieht aber etwas unordentlich aus, wenn man eine zusätzliche, kürzere Weste über dem Gabba Trikot anhat. Ansonsten ist die Jacke sportlich eng, so wie man es bei Castellis Corsa Rossa Reihe erwartet.

Die drei Rückentaschen haben einen Boden aus Netzstoff, damit bei wirklich starkem Regen das Wasser aus den Taschen abfließen kann. Ob das wirlich notwendig oder mehr ein Gimick ist, sei mal dahingestellt. 

Ein oftmals ausser Acht gelassener Punkt ist die Bedienbarkeit des Reisverschlusses. Kann man den auch während der Fahrt schnell und einfach schließen? Oder muss man lange fummeln bis er eingefädelt ist und verklemmt er sich gerne? Diesen Test besteht Castelli mit Bravour. Die Jacke ist ruck zuck geschlossen, auch mit Handschuhen, die Deckleiste liegt über dem Reisverschluss und hat sich noch nie eingeklemmt. So soll es sein.


Genauso fantastisch wie die Gabba Jacke sind die Nanoflex Hose, Arm- und Beinlinge. Eine kurze Hose die wasserabweisend und aus leichtem Termomaterial gemacht ist. Warum ist da niemand früher drauf gekommen? Das Nanoflex Material hält dabei erstaunlich warm. Die Kombination aus Hose und Beinlingen taugt dabei auch für Temperaturen von unter 10 Grad. Wie bei der Jacke, habe ich diesen Winter die lange Hose eigentlich nur dann angehabt, wenn sich die Temperatur in Richtung Gefrierpunkt bewegt hat. Die Castelli Hose ist recht lang geschnitten, zwischen Hose und Knie sind gerade noch ein paar Zentimeter Luft. Normalerweise mag ich es etwas kürzer, für eine Hose, die meist bei nassem und kaltem Wetter getragen wird, ist das aber durchaus angebracht.

Arm- und Beinlinge sitzen sehr eng und damit auch bombenfest, da rutscht nichts. Die Beinlinge sind gerade geschnitten, haben am Knie keinen Knick, der ein Naht an dieser Stelle erfordert hätte. Das führt dazu, dass die Beinlinge am Knie ganz schön spannen. Ich hatte zeitweise leichte Schmerzen im Schleimbeutel auf der Kniescheibe. Ob das von den Beinlingen kam, lässt sich natürlich nicht mit Sicherheit sagen.

Komplettiert wird die Regen-Montour übrigens von den Velotooz Überschuhen.


Wie bei allen beschichteten Geweben lässt die wasserabweisende Wirkung mit der Zeit deutlich nach. Nach einem Jahr und zahlreichen Wäschen ist von dem Ab-Perl-Effekt so gut wie nichts mehr übrig geblieben. Die Jacke wird schnell nass und saugt sich mit Wasser voll, darunter leidet dann die Atmungsaktivität und die Isolationswirkung. Hier ist die Pflegeanleitung auf der Castelli Seite, wie man den Effekt nochmal auffrischen kann (Man kann die Sprache auf der Seite wechseln).


Fazit:
Eine ganz klare Kaufempfehlung. Castelli ist nicht unbedingt günstig, aber der Euro ist gut angelegt und manchmal finden sich auch die Gabba Trikots im Sale. Wer auch bei Wind und Wetter auf das Rad steigt, wird an Gabba + Nanoflex viel Freude haben. Ähnliche Funktionsstoffe gibt es inzwischen natürlich auch von anderen Herstellern, auf dem Bild oben habe ich die Fiandre Hose von Sportfull an. Ich konnte da keinen wesentlichen Unterschied zu Castelli feststellen.


Links:
Castelli Homepage