Freitag, 15. Dezember 2017

In eigener Sache: Unterlenker durchbricht Schallmauer


Letzte Nacht hat der Unterlenker die 1000 Likes Schallmauer auf Facebook durchbrochen, ungefähr so:

Quelle: Wikipedia

Vielen Dank für all die "Daumen hoch"! Das freut mich sehr und ist Motivation weiterhin hoffentlich nützliche, interessante, unterhaltsame (und ab und an auch profane) Posts zu schreiben. Es ist einiges in der Pipeline und mit etwas mehr freier Zeit über die Weihnachtsfeiertage wird das ein oder andere auch erscheinen.

An der Stelle auch ein besonderes Dankeschön an Claude von Cycling.Claude.de, der den Unterlenker.com mit einem Aufruf auf Facebook über die 1000 Like Grenze geschubst hat.

Freitag, 8. Dezember 2017

Breaking News: Die Deutschland Tour kommt nach Merzig!

Im kommenden Jahr findet nach 10 Jahren wieder eine Deutschland-Tour statt. Unter dem Motto "Deutschland. Deine Tour." geht es Ende August 2018 über vier Etappen durch den Westen Deutschlands. Der Start wird am 23. August nicht in Düsseldorf erfolgen. Von dort geht es nach Trier und am nächsten Tag, dem 25.08. nach Merzig. Die Schlussetappe am folgenden Tag wird in Stuttgart enden. Das ist ja mal ein Ding! Profiradsport in "meiner Stadt"! Wer hätte das gedacht.

Die genaue Streckenführung steht noch nicht fest, das Finale der Etappe wird aber wohl auf einen Rundkurs in Merzig ausgefahren und es wird (wahrscheinlich) meinen Hausberg hinaufgehen! Mein Strava-KOM wird dann Geschichte sein. Ich bin sehr gespannt wie schnell die Profis dort herauffahren werden, wenn es um den Sieg geht.

In den nächsten Wochen und Monaten werde ich euch meine Heimatstadt vorstellen, einen Blick hinter die Kulissen werfen und berichten, was es bedeutet ein Radrennen dieser Kategorie zu organisieren. Mich interessiert dabei insbesondere die Frage, warum man als Kommune eine solche Veranstaltung beherbergt und was man sich davon erwartet. Neben dem Rennen der Profis wird es am Tag der Veranstaltung und auch im Vorfeld viele Aktionen und Veranstaltungen geben, auch darüber werde ich berichten.

Also: Stay tuned - Ich bin begeistert, ich hoffe ihr auch!




Update: Auch wenn in der Wikipedia  und sonst wo "im Netz" Düsseldorf als Startort angegeben wird, wurde mir glaubhaft und nachdrücklich versichert, dass es sich dabei um Fake-News handelt! Ich habe den Passus daher von "der Start findet in Düsseldorf" zu "der Start findet nicht in Düsseldorf statt" geändert.

Dankeschön!

Heute geht ein dickes Dankeschön an Euch, meine Leser! Vielen Dank! Eure Stimmen in der Wahl zum Top-Fahrrad Blog habe den Unterlenker auf den zweiten Platz in der Kategorie Rennrad befördert. Lediglich Claude von cyclingclaude.de hat mehr Stimmen bekommen. 


Die Ergebnisse der Rennradkategorie finden sich hier, und die Gesamtwertung hier. Dieses Jahr hat Fahrrad.de auch eine Liste zum Download mit allen Links bereitgestellt, da finden sich viele Adressen zum schmökern, wenn das Wetter wie gerade jetzt doch mal zu schlecht zum Radfahren ist.

Sonntag, 3. Dezember 2017

Draft Animals

My job was done, so the rest was just showing off. I sat low on my bike on the descent, flying into corners I'd memorised hours before, scaring the hell out of everyone behind me. At the bottom, our team was down to me, Howes, and Danielson when Andy Schleck rode up to yell at me. 
  "Hey! Easy on the descents, huh?"
  The Schleck brothers managed to slide under the the radar when the dopers confessed. They were barely capable of results in the post-epo era, but they still acted like stars.
  "Go home, Andy," said Howes. Alex had a thing where every time a Schleck bothered him, he'd politely tell him to go home, like a friend had too much to drink at a party and was embarrassing himself.

Ich bin also nicht der einzige, dem von einem der Schlecks zu schnelles Abfahren vorgehalten wurde. Mich hatte es letztes Jahr beim Gran Fondo Schleck erwischt. Scheinen also keine Freunde einer schnellen Abfahrt zu sein, die beiden Luxemburger. :-)

Die zitierte Passage stammt aus Draft Animals - Living the Pro Cycling Dream (once in a while), dem neusten Buch von Phil Gaimon, dessen erstes Buch Pro Cycling on 10$ a Day ich hier auch schon vorgestellt habe. In Draft Animals erzählt Gaimon wie er es schließlich doch in die World Tour schafft und Profi für Garmin Sharp wird, wie er mit dem Sieg bei der Auftaktetappe der Tour of San Luis einen fantastischen Einstand feiert und  gegen Nairo Quintana um den Gesamtsieg kämpft. Am Ende eines soliden ersten Jahres in der World Tour kommt ihm die Fusion von Garmin-Sharp und Cannondale in die Quere und er kann keinen der knappen Plätze für die Saison 2015 ergattern.
Es folgt ein Jahr auf Pro-Continental Level mit Optum, in dem er alles auf eine Karte setzt, seine Firma und Coaching-Business aufgibt und sich 100% auf den Radsport konzentriert. Am Ende erhält er ein weiteres Mal die erhoffte Chance und Jonathan Vaughters gibt ihm einen Einjahresvertrag. Die Saison verläuft nicht wie erwartet. Zu viele Sponsoren-Verpflichtungen und zu wenige Renneinsätze, zu wenige Gelegenheiten sich zu beweisen. Ende 2016 gibt es eine weiter Fusion, diesmal zwischen Cannondale und Drapac, einem australischen Pro-Continental Team. Wieder sind die Plätze knapp und andere Optionen platzen wie Seifenblasen. Gaimon schlägt die Pro-Continental Angebote aus und setzt sich zur Ruhe, oder, treffender gesagt, beendet seine Profikarriere.


Das Buch ist eine fantastische Lektüre. Phil Gaimon hat einen College Abschluss in English und hat das Buch selber geschrieben, ganz ohne Ghost Writer, der ja bei den meisten Radsport-Biografien zum Einsatz kommt. Er plaudert unterhaltsam aus dem Nähkästchen und hält mit seiner eigenen Meinung nicht hinter dem Berg. Gaimon lässt seine Leser lachen und weinen (kein Witz! Auf Seite 319 habe ich 'ne Träne verdrückt). Man bekommt einen ungefilterten Einblick in das Leben eines Berufssportlers, der nicht die grossen Rennen gewinnt, sondern für andere arbeitet. Der einfach den Job macht der ihm zugeteilt wird. Als Kletterer in Paris Roubaix an den Start gehen? Kein Problem. Flache, windige, belgische Etappenrennen? Kein Problem. Jede gute Leistung birgt die Hoffnung in die Auswahl für die großen Rennen zu kommen: Die Tour de Suisse, die Vuelta, die Baskenland Rundfahrt. Aber immer und immer wieder geht geht etwas schief. So ist das Buch auch eine endlose Aneinanderreihung von "was wäre wenn" Situationen. Immer wieder denkt man, ah, so ein Pech, das hätte anders ausgehen können. Keine der Biografien, die ich bisher gelesen habe, zeigt so deutlich wie fragil, von Zufällen abhängig der Erfolg im Profiradsport ist.

Manchmal treibt es Gaimon mit dem Tratsch etwas weit, etwa wenn er die Geschichten über Fabian Cancellara zum Besten gibt, nach denen der Schweitzer zeitweise ein E-Bike gefahren sein soll und sich hinter dem Luigi Pseudonym auf den Fuentes Blutbeuteln verbirgt. Er schreibt:
".. I'm pretty sure that the blood bags code-named 'Luigi' belonged to Cancellara, .." Später im Buch heißt es dann, das Thomas Dekker zugegeben hat Luigi zu sein. Somit ist das erste Statement natürlich wider besseren Wissens erfolgt. Nicht so schön. Ich fand es erstaunlich, dass die Motor-Geschichte so viele Wellen über die Radsport Medien hinaus geschlagen hat, nicht aber die Blutbeutel-Zuschreibung. (BBC, NZZ, CyclingNews, CyclingNews) Unterhaltsam war es aber auf jeden Fall.

Im ersten Teil des Buches schreibt Gaimon über das Leben in der "Post-Dopocalypse". Wie kann man als Fahrer, der seine Einstellung gegen Doping mehr als deutlich äussert und sogar ein "Clean" Tattoo auf dem Arm hat, mit Ex-Dopern befreundet sein? Seine Freundschaft mit Tom Danielson wird ihm oft vorgehalten. Aber wie ich vor kurzen in dem Post über Startverbote für Ex-Doper auch schon festgehalten habe, das Leben ist nicht nur schwarz und weiß. Wenn man als Radsportler im Profizirkus sein Geld verdienen möchte, wird man zwangsläufig mit vielen Menschen zu tun haben, die mehr oder weniger "Dreck am Stecken haben". Von seinem damaligen Coach Matt Koschara bekam Gaimon folgenden Rat:

"The way the sport is right now, if you can't be friends with dopers, you might as well quit," he said. "No WorldTour team will hire a guy with a CLEAN tattoo if they think you hate their managers and half their riders."

Besonders eindrucksvoll sind Einführung und Nachwort, in denen er mit der alten Weisheit aufräumt, nach der man nur hart genug arbeiten muss um seine Träume zu realisieren.

When I was a kid, celebrities and athletes told my generation to never give up on our dreams, promising that if we dug deep and believed in ourselves, we could also achieve great things. It sounds nice, but they left out that for every big winner, there were thousands who put in the same effort, but just weren't good enough. The losers don't get a microphone to tell their story, so you don't realise how much failure is out there and your perspective is skewed.

Eine Karriere im Sport, das macht das Buch mehr als deutlich, ist ein aussichtsloses Unterfangen mit minimalen Erfolgsaussichten. Wenn man die Wahl hat und sich für ein geregeltes Leben entscheidet, muss man kein schlechtes Gewissen haben. Das ist mehr als vernünftig. Warum Gaimon trotzdem dem Traum nachgejagt ist?

I didn't decide to follow a dream - I was kidnapped by it

Das Buch ist bei Pinguin Random House erschienen und hat 320 Seiten. Bei Amazon kostet das Taschenbuch 20,53 Euro, die Kindle Ausgabe 10,76 Euro und das vom Author selber gesprochene Hörbuch als Audio-CD 49,50 Euro. ISBN-13: 978-0143131243

Links:
Verlagsseite
Gaimons Homepage philthethrill.net
Velonews Podcast Gaimon Controversy
Cycling Tips Podcast Motors

Freitag, 24. November 2017

PinarellNO - Über E-Rennräder und sexistische Werbung

Waren es zunächst "normale" Fahrräder denen ein Elektromotor eingebaut wurde, folgten bald MTB's, Citi-, Klapp-, Kinder-, Lasten- und Liegeräder. Einzig das Rennrad schien immun gegen die Elektrifizierung. Was vielleicht daran liegt, dass bereits wenig trainierte Fahrer in der Ebene nur mit der Kraft ihrer Beine eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 km/h erreichen können, die Geschwindigkeit also, bei deren Erreichen die elektrische Unterstützung abgeschaltet wird. Darüber kann man Rennradfahrern und -Fahrerinnen an sich wohl einen gewissen sportlichen Ehrgeiz unterstellen, der mit einem Zusatzmotor irgendwie nicht in Einklang zu bringen ist. Gleichwohl gibt es sicher eine Nische, in der ein E-Rennrad durchaus Sinn und vor allem Spaß stiftet. Dies in der Werbung zu erklären ist wahrscheinlich nicht ganz einfach.

Pinarello hat sich daran in dieser Woche mit einer Kampagne für sein brandneues E-Rennrad Nytro versucht und das Radsport Internet fast zum überkochen gebracht. In dem Text hieß es:

"Nytro aims at a wide target, from the one that has no time to train but would never miss a weekend ride with friends, to women who would like to follow easily the men's pace, or even the ones who desire to experience cycling as a new way of life, climbing easily and going downhill safely, enjoying every single minute on the bike.”

In der gleichzeitig erschienenen Instagram Anzeige gab "Emma, 24, couple rider" dieses Statement ab:

“I’ve always wanted to go cycling with my boyfriend but it seemed impossible. Soon everything will become possible.”

Damit hat sich Pinarello in eine lange Reihe von sexistischen Fahrrad Werbungen eingereiht, die Frauen entweder als sexy Beiwerk oder als nicht ernstzunehmende Randgruppe darstellen. Soll es ein Zeichen von Wertschätzung sein, wenn man potenzielle Käuferinnen eines Rades für über  6.000 Euro als schwach und unfähig darstellt? Als Belastung für das sportliche Vergnügen und Klotz am Bein des Macho-Freundes? Oder sollte die Anzeige vielmehr die Herren der Schöpfung ansprechen, damit diese ihrem kleinen Frauchen ein elektrisches Pinarello kaufen? Warum man diese Kampagne gar nicht schlimm genug finden kann, erklärt Amanda Batty ausführlich in einem Blogpost. Amanda ist selber Downhill- und Werbe-Profi und führt aus, dass die Aussage in der Werbung nichts anderes als pure Absicht sein kann. Das ein solcher "Fehler" in einer konzertierten Werbeaktion über viele Kanäle nicht aus Unachtsamkeit sondern aus Kalkül passiert. Ein weiterer guter Artikel ist auf CyclingTips erschienen. Unbedingt lesen!

Inzwischen sind die Bilder auf allen Pinarello Kanälen verschwunden und es wurde eine knappe Entschuldigung nachgeschoben. Was bleibt ist aber vor allen der Hashtag #PinarellNO und für mich ein weiterer Grund, kein Pinarello zu kaufen (neben hässlich, zu teuer und Team Sky).


Neben dem Motiv mit der Frau gab es auch eines mit "Frank, 55, weekend rider". Nicht sexistisch, aber auch nicht viel besser:


Um dem ganzen ein gute Seite abzugewinnen: Die zahlreichen Tweets, die die Anzeigen teilweise ordentlich auf die Schippe genommen haben waren gute Unterhaltung.
Daher hier ein kleines Best of PinarellNo-Tweets:










Links:
Pinarello Homepage

Samstag, 18. November 2017

NO TALENT. TOTAL LOSERS. VERY SAD!

Ha, das Radmagazin Tour berichtet in der aktuellen Ausgabe 12/2017 über Strava-isten, die sich doch tatsächlich virtuell messen und KOMs jagen. Rowdies! Rücksichtslose Egomanen! Seelenlose Radzombies! tönt es gleich aus der Radsportblogospähre.

Also ich glaube ja, dass diejenigen, die den virtuellen Wettbewerb als die Ausgeburt des Teufels ansehen, selber nur nix drauf haben und beleidigt sind, dass sie es einfach nicht schaffen auch nur das niedrigst hängende Krönchen zu gewinnen. In bestem Trump-Style könnte man das so kommentieren:

"Some Freds are whining about the great performance of marvelous Stravaists. 
NO TALENT. TOTAL LOSERS. VERY SAD!"

Embed from Getty Images

Übrigens zählt man Strava KOMs nun wirklich nicht einzeln, sondern in Seiten! Phil Gaimon etwa hat deren 50, Thibout Pinot kommt auf 53, Joe Dombrowski auf 38 und Laurens ten Dam hat 84! Da sind meine 11 Seiten im Vergleich ziemlich mickrig.

Dabei zeigt der Artikel in der Tour eigentlich in schöner Weise die Bandbreite auf, in der man das Netzwerk nutzen kann. Manche Fahrer haben besonders ausgefallene KOMs (am steilsten Berg, auf der kleinsten Insel, ohne zu treten, im Fußballstadium). Andere Fahrer haben nichts an der KOM-Jagd, pendeln aber lange Strecken und organisieren sich über Strava. Manche berichten von Freundschaften im echten Leben, die es ohne die initiale virtuelle Begegnung nicht geben würde. Wieder andere nutzen Höhenmeter Rankings als Motivation und als Ziel und ja, es gibt auch einen Fahrer, der den Versuch einen KOM zu verbessern im Krankenhaus beendete. Letzteres ist sicher eine Dummheit, aber wie sagt man: "Shit happens"! Ist ein KOM einen solchen Ausgang wert? Nein, mit Sicherheit nicht. Aber das dürfte die absolute Ausnahme sein und gehört dann wohl dazu.

Egal wie man Strava nutzt, solange es dem Einzelnen Spass macht und niemand gefährdet wird, ist gegen keine der Spielarten etwas einzuwenden. Kann man andere Vorlieben seltsam finden? Mit Sicherheit. Ich finde auch so einiges höchst erstaunlich. Es scheint etwa tatsächlich Leute zu geben, die für ein Segment trainieren, die den Angriff auf die Bestzeit als Saisonhöhepunkt im Kalender stehen haben. Andere fahren jedes Wochenende unglaubliche Distanzen und schütteln die Brevets nur so aus dem Ärmel, nach dem Motto: Lang ist das neue Schnell (Ist das eine jetzt besser als das andere?). Wieder andere entwickeln eine Obsession anderen Fahrern die virtuellen Krönchen streitig zu machen. (Ich habe sogar mal einen Stalker blockiert, der regelmäßig einen Tag nach mir Segmente in Angriff nahm und gezielt meine KOM Liste abklapperte.) 

Das interessante ist die Mischung aus Spass und Ernst. Denn natürlich sind die Bestenlisten auf Strava, egal ob es um Geschwindigkeit, Höhenmeter oder Distanzen geht, nur virtuell. Niemand bekommt einen Profivertrag aufgrund herausragender Strava-Leistungen. Trotzdem macht es Spaß und motiviert. Was ist dagegen einzuwenden? Jeder nach seinem Geschmack.

Wer an der Wettbewerbskomponente von Strava nichts findet, hat alle Möglichkeiten dies auszublenden. Da sind zum einen die Einstellungen zur Privatsphäre, über die man sich in dem Netzwerk weitgehend unsichtbar machen kann. Unter anderem kann man alle (neuen) Aktivitäten grundsätzlich von den Bestenlisten ausnehmen. In den Anzeige Optionen kann man in der Standardansicht nur eigene Leistungen auf Segmenten anzeigen lassen. Weiterhin ist es eine gute Idee die Live-Segmente auf dem Radcomputer einfach auszuschalten, dann muss man auch nichts wegdrücken, was einen nervt.

Am Ende, ob man Strava mag oder nicht, ob man KOMs fährt oder nicht, ohne Radfahren geht es nicht. Also geht raus und habt Spaß auf dem Rad!

Links:

Sonntag, 12. November 2017

BSX Insight - Von Raketentechnologie zum Muster ohne Wert in drei Jahren?

Über den BSX Insight habe ich hier schon einige Male geschrieben. Das erste mal im April 2014 als die Kickstarter Kampagne lief. Der BSX Insight wurde als nicht-invasives Laktatmessgerät beworben, zur Bestimmung des FTP-Wertes und zur kontinuierlichen Überwachung während des Trainings. Draussen wohlgemerkt, auf der Straße und nicht nur im Labor und auf der Rolle! Für die Kickstarter Kampagne war ich zu spät dran, aber zur Pre-Order hatte es gereicht. Die Auslieferung wurde mehrmals verschoben, im April 2015 war es dann endlich so weit und die Geräte wurden ausgeliefert.


Nun muss man festhalten, dass der BSX überhaupt gar kein Laktat misst, sondern die Sauerstoffsättigung in der Muskulatur. Licht-Impulse aus dem Infrarot-Spektrum werden unter die Haut gesendet und über einen Detektor wird die Reflexion gemessen. Abhängig von der Sauerstoffsättigung fällt die Reflexionsrate unterschiedlich aus. Bei steigender Belastung verbraucht die Muskulatur mehr Sauerstoff, die Sättigung nimmt ab, wogegen die Laktatkonzentration zunimmt. Die beiden Werte korrelieren also negativ. Dies nutzt der BSX Insight um über einen klassischen Stufentest (alle 3 Minuten plus 20 Watt bis zur Ausbelastung) den FTP Wert zu bestimmen.


Die Funktion der kontinuierlichen Überwachung der Sauerstoffsättigung stand bei Auslieferung noch nicht zur Verfügung, obwohl es in der Kickstarter Kampagne entsprechend dargestellt wurde. Man schaffte es auch nicht dies später per Firmware-Update nachzuliefern, statt dessen gab es eine zweite Generation, bei der Änderungen an der Hardware die kontinuierliche Messung erst ermöglichten. Der Austausch war leider nicht kostenlos aber mit 80 USD (plus Versand und Zoll) noch erträglich. Ende 2015 hatte ich somit endlich das Gerät mit allen Funktionen, die die Kickstarter Kampagne 2014 versprochen hatte, in der Hand.

Alles in allem hat der Spaß rund 620 Euro gekostet. (Der Kaufpreis für die erste und zweite Generation, internationaler Versand und rund 160 Euro Zoll, autsch!)

Das ist eine Menge Geld. Auf der anderen Seite konnte ich während dieser Zeit meine Trainingsfortschritte standardisiert messen und bis heute ganze elf Stufentests fahren. Das sind 56 Euro pro Test. So günstig und unkompliziert bekommt man das sonst nicht.

Der BSX Insight funktioniert allerdings nur im Zusammenspiel über die App auf dem Smartphone und der Webplattform (oder dem Wahoo ELEMNT BOLT). Die App ist notwendig um das Gerät zu starten, die Webplattform um die Daten auszulesen und auszuwerten. Ohne diese Webplattform taugt das Gerät mit seinen 27 Gramm  noch nicht einmal als Briefbeschwerer. Das wäre natürlich nicht weiter schlimm, wenn nicht der Ende des Supports und der Webplattform für August 2018 angekündigt worden wäre.

An der Stelle muss man etwas weiter ausholen. Im Oktober 2016 hat BSX eine weitere Kickstarter Kampagne gestartet, um die Finanzierung eines Hydration-Sensors (LVL, wird Level ausgesprochen) auf den Weg zu bringen. Damals habe ich geschrieben:

Das Armband soll Mitte 2017 verfügbar sein, das ist recht lange hin, aber nach den Verzögerungen mit dem ursprünglichen BSX-Insight ist zu hoffen, dass BSX mit der gesammelten Erfahrung das Ziel diesmal halten kann.

Der finanzielle Einsatz war vergleichsweise gering, ab 99 USD war man dabei. Die Kampagne war ein voller Erfolg und sammelte rund 1,2 Millionen USD ein. Ein Vielfaches des Ziels von 50.000 USD.

Leider hat sich inzwischen herausgestellt, dass die Angaben über den Fortschritt des LVL zum Zeitpunkt der Kickstarter Kampagne nicht nur optimistisch sondern schlichtweg falsch waren. Es wurde der Eindruck erweckt, dass es funktionierende Hardware und Software gäbe und es weitgehend nur noch um die Minimierung der Bauteile ginge. Nachdem über Monate hinhaltende Kampagnen Updates veröffentlicht wurden, verschob man im August diesen Jahres die voraussichtliche Lieferzeit um ein ganzes Jahr auf Mitte 2018. Die einzige gute Nachricht war, dass sich mit Samsung Catalyst ein finanzkräftiger Riskiokapitalgeber an dem Projekt beteiligte.

Vor einigen Tagen hat Ray Maker einen langen und wie immer sehr detaillierten Artikel über die Misere und die falschen Versprechungen veröffentlicht. Die Situation lässt sich in einem Wort zusammenfassen: desaströs! Ob das Produkt jemals geliefert wird? Mein Erwartungswert tendiert inzwischen gegen null, aber vielleicht gibt es ja noch eine Überraschung. Das Ärgerliche bei der ganzen Sache ist dabei nicht das potentielle Scheitern einer Kickstarter Kampagne, das kann passieren. Schließlich handelt es sich um Risikokapital, um eine Investition in eine Idee, nicht um den Kauf eines fertigen Produktes. Ärgerlich ist, dass die Kampagne ganz offensichtlich auf Unwahrheiten basierte, auf falschen und unhaltbaren Versprechungen. Die Kommentare auf der Kickstarter Seite sprechen ganz offen von Betrug, es gibt sogar schon eine Petition für die Erstattung der Investments, die Erfolgsaussichten dürften aber gegen null tendieren.

Was hat das jetzt mit dem einzigen anderen Produkt der Firma zu tun? Nun, man hat sich scheinbar entschlossen, alle Kräfte auf den LVL zu setzten und den BSX Insight einfach eingestellt. Man kann das Gerät nicht mehr kaufen und ob die Webseite und die App nach August 2018 noch arbeiten werden ist derzeit fraglich. Und das ist wirklich eine herbe Enttäuschung. Der BSX funktioniert und hat mit dem Moxy Sensor nur einen einzigen Mitbewerber auf dem Markt, der aber eine etwas andere Zielgruppe anspricht.Warum um alles in der Welt stellt man ein solches  Produkt ein?

Ich habe BSX kontaktiert und einige Fragen zur Zukunft des BSX Insight gestellt aber nur eine generelle, ausweichende Antwort erhalten, dass auf der Webseite bald mehr Informationen veröffentlicht werden.

Moxy bietet übrigens für alle BSX Nutzer eine Inzahlungnahme ihrer Geräte an. Wer seinen BSX einsendet bekommt 150 USD Rabatt auf einen Moxy. Für Käufer aus Deutschland bedeutet dies aber immer noch einen Kaufpreis von rund 750 Euro inklusive Versand und Zoll (letzteres geschätzt). Dafür gibt es dann aber auch ein Gerät, dass ganz ohne App und Webplattform unabhängig von der Herstellerfirma und dem Internet funktionieren wird, dass nicht mehr an eine Person gebunden ist und das seine Daten ganz offen hergibt, dass allerdings auch sehr viel mehr Input verlangt um die Daten zu verstehen und auszuwerten. Der BSX Insight zielte mehr auf den Endnutzer, der Moxy richtet sich an Sportwissenschafter, Trainer und Sportler, die sich mit der Materie auf wissenschaftlicher Ebene auseinandersetzen wollen. Ray Maker hat in seinem Post auch dazu Stellung genommen.

In dieser Geschichte ist das letzte Kapitel sicher noch lange nicht geschrieben. Ob der BSX Mitte 2018 ein Muster ohne Wert sein wird und nach nur DREI Jahren das Ende seines Lebenszyklus erreicht hat? Oder ob sich doch noch ein Lösung findet? Man wird sehen. Ebenso ob der LVL tatsächlich seinen Weg an die Handgelenke der Nutzer finden wird. Zumindest eines wird deutlich: Crowdfunding ist ein Risikokapital Investment, dass man nicht tätigen sollte, wenn man nicht bereit ist das Geld auch abzuschreiben.


Vorher auf Unterlenker.com:
Mobile Laktatmessung, sehr cool
Cutting Edge
BSX Insight - Handling der Daten mit Golden Cheetah
LVL Kickstarter Kampagne

Weitere Links:
DC Rainmaker über die aktuelle BSX / LVL Situation
DC Rainmaker über das BSX Trade In Angebot von Moxy
BSX Trade In von Moxy Homepage
LVL Kickstarter Kampagnen Seite auf Kickstarter

Sonntag, 5. November 2017

Startverbote für Ex-Doper

Die übliche Durchsage am Start eines Lizenzrennens geht in etwa so: "Achtung Fahrer, Euer Rennen geht über 10 Runden oder 60 Kilometer. Gefahren wird nach der Sportordnung des Bundes Deutscher Radfahrer. Die Straßenverkehrsordnung ist einzuhalten. Überrundete oder aussichtslos im Rennen liegende Fahrer können aus dem Rennen genommen werden. Es wird auf eigene Rechnung und Gefahr gefahren. ... Der Start erfolgt in fünf ....".

Am 1. Mai zum Start des Seniorenrennens in Offenbach an der Queich dauerte die Durchsage etwas länger. Der Sprecher wies darauf hin, das der ausrichtende Verein RV Vorwärts 1904 Offenbach seit vielen Jahren eine strikte Anti-Doping Haltung verfolgt und überführte Dopingsünder nicht am Start seines Rennens sehen möchte. Weiter hieß es, dass man aus diesem Grund mehreren Fahrer mit abgelaufenen Sperren den Start verweigert hat. Einer der Fahrer hätte aber rechtliche Schritte eingelegt und da man sich als kleiner Verein dem Risiko einer gerichtlichen Auseinandersetzung nicht aussetzen kann, würde der betreffende Fahrer daher am Start stehen. Ob es unter diesen Voraussetzungen 2018 ein weiteres Seniorenrennen geben wird, sei fraglich, auch weil ansonsten das Engagement des Hauptsponsors zur Disposition stehen würde.

Was macht man in solch einem Moment als Fahrer? Morgens um kurz nach acht und nach 150 km Anfahrt, einen kurzen Moment vor dem Start. Das Rennen gar nicht erst beginnen? Laut protestieren? Den betreffenden aber unbekannten Fahrer ausbuhen? Tatsächlich hat wohl ein einzelner Fahrer seine Nummer zurückgegeben, die anderen 80 sind gestartet.

Senioren Rennen, nicht in Offenbach
Seit diesem Tag denke ich darüber nach, ob der Ausschluss eines Fahrers ein richtiger und wichtiger Schritt im Kampf gegen Doping im Sport ist oder ob es sich um Selbstjustiz handelt. Denn sportrechtlich gilt ein Fahrer nach einer abgelaufenen Dopingsperre natürlich als rehabilitiert. Jemand wird positiv getestet, bekommt eine Strafe nach deren Ablauf er wieder am normalen Sportbetrieb teilnehmen kann. Das ist nicht anders als im "normalen" Strafsystem, dass ja auch nicht auf maximale Vergeltung abzielt, sondern darauf, Straftäter zu läutern und wieder in die Gesellschaft einzugliedern.

Wenn Vereine und Veranstalter Sportler mit abgelaufenen Dopingsperren pauschal von ihren Veranstaltungen ausschliessen, ist das unter mehreren Gesichtspunkten problematisch:
  • Zunächst ist da die gar nicht so geringe Möglichkeit von fälschlicherweise positiven Tests. Sich gegen ein solches Testergebnis zur Wehr zu setzen ist teuer, die Öffnung der B-Probe kostet genauso Geld wie Anwälte oder, als letzte Möglichkeit, ein Prozess vor dem CAS. Diese Mittel wird ein Amateursportler wahrscheinlich eher selten aufbringen wollen oder können. Die Möglichkeit, dass ein Fahrer unschuldig verurteilt wurde, muss zumindest in Betracht gezogen werden. (etwa Interview Perikles Simon auf Medscape oder ntv)
  • Weiterhin gibt es solche und solche Dopingvergehen. Ein positiver Test auf EPO oder Wachstumshormone hat eine andere Qualität als ein positiver Test durch möglicherweise verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel.
  • Von Berufssportlern kann man sicherlich erwarten, dass diese jedes scheinbar noch so belanglose Medikament auf verbotene Substanzen überprüfen. Bei Freizeitsportlern kann man durchaus Verständnis haben, wenn doch mal ein ephedrinhaltiges Erkältungsmittel eingenommen wird. (Spiegel Online)
  • Natürlich trägt der Sportler immer die finale Verantwortung und jeder kann Nein sagen, wenn Pillen angeboten und Spritzen aufgezogen werden. Trotzdem trifft es zu oft einzig und allein das schwächste Glied, den Sportler. Ärzte, Pfleger, Teammanager, Agenten und andere, die Doping organisieren und dazu verleiten, kommen in der Regel davon. Wahrscheinlich trifft dies im Freizeitbereich aber weniger zu und die individuelle Schuld mag dort höher sein.
  • Und nicht zu letzt: Menschen treffen schon mal falsche Entscheidungen und machen Fehler. Wer noch nie in seinem Leben drauf hoffen musste, dass andere Nachsicht walten ließen und eine zweite Chance einräumten, der führt wahrscheinlich ein ziemlich trauriges und langweiliges Dasein. Ist es nicht viel wichtiger aus Fehlern zu lernen als niemals welche zu machen?
Wenn in all diesen Fällen ein universelles Startverbot ausgesprochen wird, schert man sehr unterschiedliche Situationen über einen Kamm. Die Differenzierung im Strafmaß, die Betrachtung des Einzelfalles, die in einem Dopingverfahren Anwendung findet (oder zumindest Anwendung finden sollte), geht dann verloren. Statt dessen werden Sportler stigmatisiert.

Auf der anderen Seite ist es aber vielleicht gerade notwendig die Abschreckung zu erhöhen und jedem, der auch nur darüber nachdenkt zu unlauteren Mitteln zu greifen, klar zu machen, dass Doping falsch ist und nicht akzeptiert wird.

Heutzutage heisst es oft, dass der Radsport sehr viel sauberer geworden ist und die Zeit der Exzesse vorbei sei. Es gibt den biologischen Passport, die MPCC, die unabhängige Anti-Doping Stiftung der UCI (CADF) und jeder Profi versichert mit unschuldigem Dackelblick, dass alles mit rechten Dingen zugeht.

Das Narrativ einer neuen Generation junger und sauberer Sportler steht leider auf tönernen Füßen. Floyd Landis sagte kürzlich gegenüber Cycling News, dass lediglich einige Bruchstücke neu arrangiert wurden, aber das Spiel immer noch das Gleiche ist, dass sich nichts geändert hat. Paul Kimmage schreibt über die immer noch allgegenwärtige Omerta. In Icarus wird gezeigt, dass Doping auch heute noch unter staatlicher Obhut stattfindet und Kontrollen zu umgehen sind. Im Amateursport sieht es nicht besser aus, in der FAZ schreibt Ralf Meuten über "Herrn F" und zeigt die Schwächen des Anti-Dopingsystems deutlich auf. In der RennRad ist vor kurzem ein detaillierter und vielbeachteter Artikel über Doping im Hobbysport erschienen. Die Möglichkeiten für entsprechend motivierte Freizeitsportler sind nahezu unbegrenzt. Es gibt nur selten Wettkampfkontrollen, keine Trainingskontrollen, kein Passport und keine Bluttests.

All das macht deutlich, dass lange noch nicht genug getan wird um Doping einzudämmen. Wenn man nun als Radsport-Verein unzufrieden ist mit dem, was NADA und BDR für den sauberen Sport tun, wenn man Jugendlichen Vorbilder präsentieren will, zeigen will, dass man mit Doping eben nicht durchkommt, dass man nicht einfach so eine Sperre absitzen und zurück kommen kann, was macht man dann? Auf wen soll man warten? Welche Möglichkeit ausser Startverboten bieten sich, um zumindest die eigene Veranstaltung sauber zu halten?

Selbst nach einem halben Jahr finde ich darauf keine befriedigende Antwort, es ist immer ein für und wider.  Einerseits sollte man Doping nicht bagatellisieren und Nachsicht normalisiert den Betrug, das wurde im Radsport viel zu lange gemacht (Dazu dieser Artikel bei Cycling Tips). Auf der anderen Seite haben härtere Strafen noch selten zu einer Verbesserung geführt, egal auf welchen Gebiet. Einerseits kann ich die Entscheidung der Veranstalter verstehen, Ex-Doper nicht zuzulassen. Andererseits habe ich selber keine Problem gegen Ex-Doper anzutreten. Einerseits sollte man Doping nicht relativieren, andererseits ist es nur Sport und niemand wird ermordet. Wie so oft im Leben gibt es nicht nur Schwarz und Weiß sondern eine ganze Menge Grau-Schattierungen dazwischen.

Ohne Frage wünschenswert ist aber, dass es trotz des Vorfalls in diesem Jahr auch 2018 einen Renntag in gewohnter Breite in Offenbach an der Queich geben wird und der Verein an seinem entschiedenen Einsatz für einen sauberen und fairen Sport festhält. Unabhängig von Startverboten für irgendwelche Seniorenfahrer ist es nämlich diese Einstellung, die den Nachwuchsfahrern des Vereins wichtige Werte vermittelt, über die man verfügen muss um später die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Ich freu mich über und bitte um konstruktive Kommentare. Äusserungen, die die Lizenzfahrer im Allgemeinen und meine Sportkameraden der Mastersklasse im Speziellen per see als Doper und verbohrte Egomanen verunglimpft, werde ich aber nicht freischalten.

Links:
Antidoping Resolution RV Vorwärts 1904 Offenbach

Donnerstag, 2. November 2017

Icarus - Wie Doping und Geopolitik zusammenhängen

Manche Filme halten überraschende Wendungen bereit, der absehbare Plot wird verlassen und plötzlich sieht man einen ganz anderen Film. Etwa wenn sich From Dusk Till Down von einem Gangster-Roadmovie zu einem Vampir-Horror-Splatterfilm wandelt. In etwa genauso abstrus geht es in Icarus zu, einem Film über Doping im Radsport, sozusagen der Roadmovie-Teil, und den Skandal um das russische Staatsdoping, der Horror Teil.

Bryan Fogel ist ein begeisterter Radsportler und Amateur Rennfahrer. Lance Armstrongs Dopinggeständnis zwingt ihm die Erkenntnis auf, dass Dopingkontrollen weitgehend wirkungslos sind und ein negativer Test alles mögliche belegt, nur nicht dass der Fahrer sauber ist. Denn schliesslich wurde Armstrong nie offiziell des Dopings überführt.

Wie muss man es also anstellen um durch das Netz der Dopingfander zu schlüpfen? Und hilft EPO und Co. tatsächlich? Da Bryan Fogel auch ein Filmemacher ist, plant er eine Dokumentation über einen Selbstversuch, ein Doping - Super Size Me sozusagen. 2014 nimmt er an der Haute Route Teil, einem Gran-Fondo-Etappenrennen in den Alpen. Ungedopt. Er schlägt sich nicht schlecht, muss aber erkennen, dass die Fahrer in der Spitze wie von einem anderen Stern fahren. Wie würde er sich schlagen, wenn er nach allen Regeln der pharmazeutischen Kunst nachhelfen, wenn der den Amateur-Armstrong geben würde? Dazu sucht Bryan Fogel fachkundige Unterstützung, die er schließlich bei Dr. Grigory Rodschenkov findet, dem Leiter des russischen WADA Labors in Moskau. Der Russe willigt ein Fogel zu helfen, man konferiert über Skype und trifft sich persönlich, es gibt einen Dopingplan, der beschreibt wann was einzunehmen ist. EPO, Testosteron,  Wachstumshormone, das übliche eben.
Fogel bereitet sich auf die nächste Haute Route vor und füllt unterdessen fleißig Urin-Proben ab. Diese sollen später nach allen Regeln der Kunst in Moskau analysiert werden. Die Haute Route endet dann nicht wie erhofft. Materialpech verhindert eine bessere Platzierung und noch immer sind die Besten deutlich überlegen.

Unterdessen veröffentlicht die ARD die Dokumentation von Hajo Seppelt Geheimsache Doping - Wie Russland seine Sieger macht. Dadurch kommen eine ganze Reihe von Ereignissen ins Rollen, an deren Ende sich Dr. Rodschenkov seiner Verhaftung und Rolle als Bauernopfer nur durch die Flucht in die USA entziehen kann. Von da an widmet Icarus sich dem russischen Dopingprogramm. Aus erster Hand berichtet der Mann, der den Sportbetrug in Russland organisiert hat von vertauschten Proben, Urindatenbanken und geheimen Zimmern mit getarnten Löchern in den Wänden. Das Erschreckendste bei all dem geht dabei weit über den Sport hinaus. Wer denkt bei Doping schon an geopolitische Schachzüge, an Brot und Spiele für das Volk und an Politiker, die auf einer Welle steigender Zustimmungswerte nach olympischen Medaillen Kriege beginnen?

Auch wenn am Ende einige Fragen offen bleiben (Wäre Fogel unentdeckt durch die Kontrollen gekommen? Wie weit verbreitet ist Doping im Freizeitsport? Ist Rodschenkov Held oder  Bösewicht?), bietet der Film zwei Stunden beste Unterhaltung und einen einmaligen Einblick in staatlich organisiertes Doping.

Zu sehen ist der Film nur auf Netflix. Im Original, mit Untertiteln oder in deutscher Synchronisation. Netflix bietet einen kostenlosen ersten Monat an, danach kostet das Abo zwischen 8 und 12 Euro und ist monatlich kündbar.


Anfang September hat der Regisseur mit Cyclingtips ausführlich über den Film gesprochen. Der Podcast ist einer der wenigen, die ich mir ein zweites Mal anhören werde:



Links:
ARD Sport Aktuel Podcast, Besprechung des Films
NY Times Filmkritik
NY Times Story über das russische Doping Program Teil 1, Teil 2
Spiegel Online Filmkritik

Sonntag, 29. Oktober 2017

Kickstarter: Quickgard - Elegante Rennrad-Schutzbleche

Radfahren ist ein Outdoor Sport und ab und an regnet es. Auch wenn es gegen die Regeln ist, Schutzbleche sind eine feine Sache, für den eigenen Hintern und für die Mitfahrer am Hinterrad. Ohne Schutzblech macht man sich bei jeder Vereinsausfahrt schnell unbeliebt. Feste, lange Schutzbleche mit Spritzschutz sind ohne Frage das Nonplusultra, passen aber nur an die wenigsten Rennräder. Ein Asssaver hilft nur dem eigenen Hintern und das auch nur begrenzt. Als Zwischending gibt es alle möglichen Schutzbleche die mal mehr oder mal weniger elegant am Rad befestigt werden. An meinem Winterrad fahre ich derzeit die SKS Raceblades, die sind nicht schlecht und lassen sich prima anpassen.

Die Quickgards, für die derzeit eine Kickstarter Kampagne läuft, sind aber ungleich eleganter und machen auch dem reinrassigsten Renner Ehre. Das Schutzblech wird am Schnellspanner befestigt und hat keinen Kontakt zum Rahmen. Eine Thru Axle Version soll folgen. Ein einzelnes Schutzblech kostet als Early Bird Special 38 AUD inklusive internationalem Versand, das sind lediglich 25 Euro! Ein Set kostet 69 (Early Bird) bzw. 80 AUD. Das Gewicht wird um die 200 gr. sein und die Auslieferung ist für April 2018 geplant. Das ist leider nach unserem Winter, aber dann ist man für sommerliche Regentage und den Winter 18/19 bestens gerüstet. Die Kampagne läuft noch bis zum 11. November.