Dienstag, 17. Januar 2017

Indoor Cycling de Lux

Noch nie war die Ausrüstung zum Radfahren besser. Immer funktionellere Bekleidung lässt auch lange Fahrten bei widrigem Wetter zu. Von Gabba, GoreTex und Super-Roubaix hätte ich zu meinen Anfängen noch nicht mal zu träumen gewagt. Eigentlich gibt es keinen Grund mehr drinnen zu fahren. Oder doch? Die Indoor Trainingstool Anbieter überbieten sich inzwischen mit immer tolleren Funktionen. Alles wird ständig realistischer, die Strecken und Animationen ausgefeilter. Sogar Windschatten gibt es auf Zwift! War Radfahren nicht mal ein Outdoor-Sport? Und nicht zu vergessen: #outsideisfree!

Gut, zugegebenermaßen gibt es Regionen und Gebiete auf der Welt, in denen im Winter tatsächlich richtig Winter ist, nicht dieses graue Gefusel wie bei uns. Oder in denen im Sommer zu viel Sommer ist, oder es ist zu dreckig, zu gefährlich, die Zeit zu knapp oder was auch immer. Am Ende gibt es dann doch viele gute Gründe zumindest ab und an drinnen zu fahren. In welchem Fall ich es aber bevorzuge richtig Rad zu fahren, inklusive dem Gleichgewicht zu halten und nicht nur zu treten. Aus dem Grund fahre ich lieber auf der freien Rolle.

Bekanntermaßen geht es ja immer noch besser. Das Höchste der Gefühle sind inzwischen Laufbänder zum Radfahren. Tax hat auf der letzten Eurobike ein Gerät vorgestellt auf dem man nicht nur radfahren, sondern auch laufen kann. Mit 8.000 Euro kostet das Gerät aber auch ein Vermögen.


Tax Magnum Homepage

Etwas günstiger ist dieses futuristische Monster auf Süd-Korea. Damit ist man der Star beim nächsten Indoor Radmarathon! Etwa 3100 Euro sind für die "Flachland-Version" und 5850 Euro für die Version mit Steigung-Dings aus dem Video aufgerufen.

Bitelli Homepage / Artikel Bikeradar

Das Gerät das mir am besten gefällt und das preislich, im direkten Vergleich, mit 2.800 Euro auch noch irgendwie akzeptabel erscheint, ist dieses von Oreka. Hier fährt man mit Vorder- und Hinterrad auf mehreren kleinen, eng nebeneinander liegenden Zylindern, über die das Band läuft und das man durch das Fahren unter sich wegzieht. Das Wegziehen wird gebremst, so als ob man mit der Tretbewegung ein Seil aufwickelt, das festgehalten wird. Das Gerät soll in den nächsten Wochen verfügbar sein. Auf der Homepage kann man sich in eine Interessentenliste eintragen.


Oreka Homepage / Artikel Bikerumor

Wem das alles zu klein, mickrig und billig ist und wer mit seinen Kumpels zusammen auf der Rolle fahren möchte, der kann sich von der POMA Maschinen und Anlagenbau GmbH ein großes Laufband in den hoffentlich ziemlich großen Keller einbauen lassen. Da kann man dann auch im Skating Stil drauf Ski laufen oder Rodelanschubtraining durchführen! Solch ein Gerät hat übrigens auch das Heinrich Heine Gymnasium in Kaierslautern.

Foto mit freundlicher Genehmigung von POMA.

Samstag, 14. Januar 2017

Cyclocross Weltmeisterschaft in Luxembourg

In genau zwei Wochen geh es los! Dann findet in Luxembourg die UCI Cyclocross Weltmeisterschaft statt. Ich bin gespannt und freu mich. Heute sind die Karten gekommen!


Dazu vorher auf Unterlenker.com: Cross is coming to Bieles!

EMS und TENS - Raketentechnologie oder Hokuspokus?

Das Versprechen klingt toll. Man klebt sich Elektroden auf die Haut, schließt über Kabel ein kleines Gerät an, wählt ein Programm, lehnt sich zurück und schaut seinen Muskeln beim Wackeln zu. Das soll dann je nach Programm gegen Schmerzen helfen (TENS, transkutane elektrische Nervenstimulation) oder zur Entspannung oder Training beitragen (EMS - Elektromyostimulation). Beides lässt sich unter dem Begriff Reizstrom zusammenfassen und wurde bereits um 1900 von dem Physikochemiker Walther Nernst untersucht (Wikipedia). In einer Bachelor Arbeit zum Thema EMS führt Uwe Marsch auf, dass sich die Anfänge der Elektrotherapie sogar bis in die Antike zurückverfolgen lassen. Damals hat man sich Zitteraalen, -Rochen oder -Welsen bedient.

Das an der Geschichte mit dem Strom etwas dran ist, lässt sich nicht leugnen. Herzschrittmacher sind so gesehen auch nichts anderes als EMS Geräte: Ein Stromimpuls löst eine Muskelkontraktion aus, in diesem Fall die des Herzmuskels. Zuviel Strom ist aber auch nicht gut, wer schon mal beim Arbeiten an der Elektroinstallation eine "gehuscht" bekommen hat, weiss, dass sich das ganz und gar nicht angenehm anfüllt. Wer nach solch einem Zwischenfall nur kurzfristiges Kribbeln zu beklagen hat, kann von Glück sprechen. Denn die Signalverarbeitung in unser Körper funktioniert mit Strom, vom Gehirn zu den Muskeln genauso wie umgekehrt. Ob wir den Arm heben oder in die Pedale treten, ob sich die Beine schwer oder leicht anfühlen alles wird mit Nervenimpulsen gesteuert. Ein zu viel an Strom kann da sehr schwerwiegende Folgen haben.

Nun muss ich eingestehen, dass Strom für mich ein Buch mit sieben Siegeln ist. Es gibt Ampere, Volt, Wellenformen und Frequenzen. Meinen Physiklehrern ist es nie gelungen, mir das irgendwie verständlich zu vermitteln. Vielleicht hat es mich damals auch einfach nicht interessiert. Wahrscheinlich war ich in Gedanken beim Radfahren.

Wie auch immer, den Umstand, dass Nervenimpulse im Prinzip nichts anderes als elektrische Ströme sind machen sich Reizstrom Geräte zunutze. Je nach Anwendung versucht man damit die Muskulatur oder das Schmerzempfinden zu manipulieren. Die Signale aus dem Gehirn werden mit Signalen aus der Dose ersetzt bzw. überlagert oder verstärkt.

Die Bandbreite an mobilen Reizstrom Geräten für den Hausgebrauch ist dabei immens. Das fängt bei 30 Euro für einfache Geräten mit zwei Kanälen an und endet bei weit über 1.000 Euro für die besten  Modelle des Markführers Compex mit allem Pi-Pa-Po. Worin liegt der Unterschied? Denn Strom ist ja Strom, oder? Elektronen fließen vom Minuspool zum Pluspool. Was kann ein Compex besser ein günstiges Model? Und wie fühlt sich das mit dem Reizstrom überhaupt an?

Sanitas SEM 44

Um das herauszufinden habe ich mir letztes Jahr bei Amazon für um die 40 Euro ein Sanitas SEM 44 gekauft. Ein EMS / Tens Gerät mit zwei Kanälen und 44 verschiedenen Programmen. Zwei Kanäle bedeutet dabei, das man zwei Elektroden Paare anschliessen und getrennt steuern kann. Die Anleitung ist nicht sehr umfangreich, erklärt aber ganz gut einige Grundlagen der Reizstrom-Anwendung und gibt Auskunft zur Elektroden Platzierung und Anwendung des Gerätes (hier online). Das Gerät wird von drei AAA Batterien gespeist, die bis jetzt noch kein Anzeichen nachlassender Spannung zeigen. Die Bedienung ist weitgehend selbsterklärend, lediglich zum Nachschlagen der Bedeutung der Programme benötigt man die Anleitung. Massage 7 ist zum Beispiel ein Programm zur Schultermassage. Das Pictogram zeigt an, wo die Elektroden in etwa platziert werden, die Anleitung hält aber auch hier genauere Informationen bereit.


Bisher habe ich das Sanitas hauptsächlich zur Entspannungsmassage und zur Schmerzbehandlung an der Schulter und in den letzten Wochen am Bein verwendet (wegen der Geschichte mit der Leiter). Einige wenige Male auch zum Aufwärmen vor einem Rennen. Die EMS Trainingsprogramme habe ich nicht probiert. Die ersten Male fand ich das Ganze etwas gewöhnungsbedürftig und es dauert ein bisschen, bis alle jeweils in Frage kommenden Programme durchprobiert und die gefunden sind, die individuell am angenehmsten sind. Es gibt nämlich auch durchaus welche, die das nicht sind. Insgesamt kann ich gegen das Sanitas nichts sagen. Die grundlegende Frage, ob Reizstrom für mich überhaupt in Frage kommt kann ich mit ja beantworten. Vor dem Fernseher sitzen und die Beine zur Entspannung wackeln lassen fühlt sich gut an. Ob es etwas bringt, das ist eine ganz andere Frage, dazu später mehr.

Compex SP 6.0

Die nächste Frage ist nun, sind teure Geräte besser? Was kann der Marktführer Compex, was Sanitas nicht kann? Compex Geräte fangen bei 199 Euro an (Listenpreis Fit 1.0), das Spitzenmodell kostet stolze 1299 Euro. Strom ist Strom, oder nicht? Darüber habe ich mich im Oktober letzten Jahres bei der SportMedica in Luxembourg mit einem der Aussteller unterhalten. Gerardo Simoes von CenterMed hat sich meinen überaus kritischen und hartnäckigen Fragen geduldig gestellt und mir angeboten, mir meine Fragen detailliert zu beantworten und ein Compex Gerät zum testen auszuleihen.

Gesagt, getan, Ende des Jahres bin ich nach Luxembourg zu CenterMed gefahren und habe mir die Compex Geräte erklären lassen. Compex kommt aus der Schweiz und feierte 2016 sein 30 jähriges Firmenjubiläum. Heute gehört Compex zu DJO Global, einem weltweiten Anbieter von Gesundheitsprodukten aus den USA. Auch ohne irgendwelche Branchendaten zu kennen, kann man Compex wohl zu Recht als Marktführer bei der Elektrostimulation bezeichnen, zumindest für den Endverbraucher-Markt. Wer sich so lange mit hochpreisigen Produkten auf einem Markt behaupten kann, der sicher anfällig ist gegenüber günstigen Nachahmer Produkten, muss einiges richtig machen.

Das Samsung Desaster mit den in Flammen aufgehenden Handys hat vor Augen geführt, dass es bei der Konstruktion und Verarbeitung von elektronischen Bauteilen wirklich darauf ankommt, keine Fehler zu machen. Ein Handy hat man "nur" in der Hand oder in der Tasche, bei Reizstromgeräten klebt man sich Elektroden auf die Haut und schickt Strom in seinen Körper. Dort sollte dann alles stimmen. Kabel und Verbindungen dürfen keine Wackelkontakte haben, die Akkus oder Batterien müssen die Spannung ohne Schwankungen abgeben und die verbaute Elektronik muss tadellos funktionieren. Das alles traue ich den Compex Geräten unzweifelhaft zu.

Als weiteren Vorteil führt Compex die Art des Stromes an. Compex verwendet ausschließlich einen biphasischen Strom, dabei fließen die Elektronen zunächst von Elektrode A nach B und dann gleich wieder von B nach A. Wenn man das ganze grafisch darstellt sieht das ungefährt so aus:

Bi-Phasischer, symmetrischer Strom

Die Flächen sind dabei jeweils symmetrisch und die Spannung baut sich nicht langsam auf, sondern ist direkt da. Dadurch soll der Strom besonders schonend und schmerzfrei unter die Haut kommen. Bi-phasischer Strom an sich ist dabei allerdings kein Compex Alleinstellungsmerkmal, jeder Defibrillator und auch das Sanitas Gerät nutzt diese Art von Strom. Therapeutische Reizstromgeräte haben hier oftmals eine große Auswahl an verschiedenen Kurven.

Um das auch in der Praxis testen zu können, hat mir Centermed für eine gute Woche ein Compex Sport 6.0 ausgeliehen. Dieses zweithöchste Model der Compex Hierarchie ist wireless, die Elektroden sind nicht über Kabel mit der Steuereinheit verbunden. Stattdessen gibt es vier Paar Impulsgeber, die jeweils mit einem Kabel untereinander verbunden sind und direkt an den Elektroden befestigt werden. Das ist insbesondere dann von Vorteil, wenn man mit dem Gerät ein EMS-Training durchführt.



Das Display der Bedieneinheit ist gut abzulesen und hell beleuchtet. Das Menü führt durch die Programme und gibt ausreichende Hinweise zur Platzierung der Elektroden. Eine echte Besonderheit der Compex Geräte sind die unterschiedlichen Mi Funktionen. Dabei wird der Widerstand der Muskulatur gemessen und die Einstellungen des jeweiligen Programms optimiert. Insgesamt gibt es vier Mi-Features: Scan, Range / Autorange, Tens und Action. Alle sind aber nur bei dem teuersten Gerät enthalten, die einfachen Modelle verzichten auf diese Funktionen

So weit, sehr schön, sehr schick. Wie fühlt es sich an? Tatsächlich hatte ich im direkten Vergleich den Eindruck, dass der Compex angenehmer ist als der Sanitas. Letzterer "zwickt" schon mal etwas. Wirklich aufgefallen ist mir das aber nur mit dem Compex an einem Bein und dem Sanitas an dem anderen. Beides waren Massageprogramme, die mir recht ähnlich erschienen.

Als nächstes hat mich interessiert ob bei einem EMS Training die Parameter Puls und Sauerstoffsättigung in irgendeiner Weise anspringen. Dazu habe ich an den Oberschenkeln ein Endurance Trainingsprogramm in Ruhe durchgeführt, ohne weitere Aktivität. Es finden sich zwar Videos in denen EMS Programme auf dem Hometrainer gefahren wurden, allerdings habe ich keine detaillierte, offizielle Dokumentation gefunden, die die Vorgehensweise erklärt hätte.

So hat das dann ausgesehen, unter dem schwarzen Klebeband ist der BSX Insight.



Grün ist SMO2, rot der Puls. Das Programm hat nicht die kompletten 55 Minuten der Grafik gedauert, sondern war etwas kürzer. Ich habe leider keine Marker gesetzt. Aber auch so sieht man, dass der Puls weitgehend zwischen 65 und 70 Schläge bleibt und die Sauerstoffsättigung leicht ansteigt. Körperliche Belastung sieht anders aus. Der Muskel wird zwar bewegt, ob das aber einen Trainingseffekt hat, Waage ich zu bezweifeln.

Vielleicht ist das ähnlich wie Radfahren mit starrem Gang, wenn man dort "rollen" lässt, drehen sich die Beine ja auch ohne dass man Arbeit im eigentlichen Sinn verrichtet.

Um ein wirklich fundiertes Fazit fällen zu können war mein Test viel zu kurz. Dazu müsste man ein solches Gerät zumindest ein halbes Jahr testen. Aber auch das wäre subjektiv. Daher empfiehlt es sich einen Blick in sportwissenschaftliche Studien zu werfen. Compex verlinkt auf seiner Seite einige Studien die die Wirksamkeit der Elektrotherapie im Allgemeinen und der Compexgeräte im Besonderen belegen. Stellt sich die Frage ob es auch Studien gibt die die Wirksamkeit nicht nachweisen konnten? Wie schätzen Wissenschaftler die Sachlage ein?

Das kann Benjamin von Wattsbehind sehr viel besser beantworten als ich. Benjamin liest sportwissenschaftliche Studien als Student der Sportwissenschaft ja sozusagen von Berufswegen.

Hier geht es zum zweiten Teil >  Elektromyostimulation - Fitter werden auf der Couch?

Fazit


Es ist keine Frage, der Compex ist um Klassen besser als der Sanitas und hat sich tendenziell auch angenehmer angefühlt. Wenn man sich für das Thema begeistert und es mag, kann man durchaus das Geld für einen Compex ausgeben. Es muss ja nicht unbedingt das teuerste Gerät sein. Mit Kabel funktioniert genauso gut, das ist in erster Linie eine Frage des Komforts. Auf der anderen Seite sind 40 Euro für das Sanitas oder etwas vergleichbares keine grosse Investition. Um es einfach mal nur so zu testen, ist das sicher ausreichend.

Die Frage der Fragen lautet: Würde ich mir einen Compex kaufen? Ja, das kann ich mir durchaus vorstellen. Ich würde wohl den SP 4.0, das bessere der beiden kabelgebunden Modelle der Sport Linie kaufen. Das Gerät wird schon für unter 400 Euro angeboten und bietet eine Vielzahl an Erholungs- und Schmerzprogrammen an. Diesen Preis muss man im Prinzip auch mit zwei Sanitas vergleichen um auf die gleiche Anzahl von Kanälen zu kommen. Dann ist der Unterschied im Hinblick auf die ohne Frage bessere Qualität des Compex und der Mi-Features angemessen.

Zum Schluss nochmal vielemols Merci an CenterMed für die Erklärungen und das Test-Gerät, das war immens flott!

Freitag, 6. Januar 2017

Original Keirin

Keirin (von jap. 競輪, Keirin, dt. „Radrennen“) ist eine Disziplin des Bahnradsports. Es handelt sich um eine aus Japan stammende Variante des Sprints; sie wird auch als „Kampfsprint“ bezeichnet. (Wikipedia)

Mittwoch, 4. Januar 2017

AIRhub - Ein Trainingswiderstand Dings

Alle Strava KOM Jäger bitte weiterfahren, hier gibt es heute nichts zu sehen! Mit diesem "Gadget" werdet ihr nämlich langsamer fahren statt schneller, zunächst.

Die AIRhub ist ein System zur Trainingssteuerung auf der Straße. Diese Nabe erzeugt zusätzlichen Widerstand, der nach verschiedenen Modi einstellbar ist. Statt auf dem Flachen mit einem gepflegten 30er Schnitt und, sagen wir, 250 Watt dahin zu rollen, muss man auf einmal 300 Watt aufbringen. Oder entsprechend langsamer fahren. Wo bleibt da der Spass? Wo es doch beim Radfahren darum geht möglichst schnell zu fahren. Und ein Training ist erst dann ein Training, wenn man einen 30er Streifen fährt, mindestens! Oder doch nicht? Kommt es nicht vielmehr darauf an im Rennen möglichst schnell zu fahren?

Um es vorweg zu nehmen, AIRhub ist ein Gerät für ernsthaftes Training mit Herzfrequenz und Leistungsvorgaben, mit genau getimten Intervallen und klarer Struktur, für Leistungssportler und Profis. Wer all das nicht ist, nicht hat oder braucht und nur zum Spaß fährt wird für AIRhub keine Verwendung haben.



Also was ist AIRhub nun genau? Die ziemlich überdimensionierte Vorderradnabe enthält eine elektromagnetische Bremse, die den Widerstand um bis zu 100 Watt erhöhen kann. Das Laufrad wiegt über 2 Kilo, hat eine normale Alufelgen und Speichen. Der Clou dabei ist die Steuerung des Widerstandes. Über eine App auf dem Smartphone (wo sonst heutzutage) kann man zwischen vier Modi wählen:
  • Manueller Modus: Hier kann man zwischen 0 und 100 Watt an Widerstand einstellen, die man zusätzlich zu der eigentlich erbrachten Leistung überwinden muss.
  • Puls Modus: Nach Vorgabe einer Herzfrequenz wird der Widerstand so verändert, dass der Puls in einem engen Band bleibt. Steigt der Puls, fällt der Widerstand und umgekehrt. Das ist insbesondere bei langen Intervallen interessant, bei denen man lt. Terrain Dynamics aufgrund des HR-Drifts besser nach Puls statt nach Leistung fährt. Relevant zum Beispiel für eine Tempo Einheit von einer Stunde und mehr. Schon mal versucht eine bestimmte Herzfrequenz genau zu halten? Das ist gar nicht so einfach.
  • CDA Modus: CdA beschreibt die Fläche die den Luftwiderstand ausmacht (engl. Drag Area). Der Effekt des Luftwiderstandes ist ja, das er exponentiell ansteigt, wenn man doppelt so schnell fährt, muss man nicht doppelt so viel, sondern ein vielfaches an Leistung erbringen. Dies simuliert der CDA Modus. Je schneller man fährt umso stärker ist die Bremsleistung.
  • Power Modus: Hier gibt man ein Wattziel vor, die AIRhub liest die Leistung des Powermeters und regelt die Bremsleistung so, dass die Gesamtleistung genau der Vorgabe entspricht. Wer jemals versucht hat eine Wattvorgabe selbst unter idealen Bedingungen auf der Straße genau zu halten, weiß wie schwer das ist.
Darüber hinaus kann die AIRhub auch als Ausgleich zwischen verschieden starken Trainingspartner fungieren. Sagen wir ich fahre zwei Stunden mit meinem Sohn, meine Durchschnittsleistung wird dann vielleicht 120 Watt betragen. Das ist im unteren Kompensationsbereich, kurz über auf dem Sofa sitzen. Wenn ich dort 100 Watt draufpacken könnte, hätte ich ein gutes Grundlagentraining. Das gilt natürlich umso mehr für Profis, die ansonsten immer alleine fahren müssen, um ihre spezifischen Trainingsziele zu erreichen.

Zusätzlich hat nicht jeder für jedes Training das passende Terrain zur Verfügung. Der längste Berg den ich zum Beispiel fahren kann ist etwa eine halbe Stunden lang, bis dorthin brauche ich über eine Stunde. Je nach dem was man trainieren möchte geht das dann nicht mehr auf. Berg zu kurz. Zeit zu knapp. Mit dieser Nabe können auch Flachlandtiroler stundenlanges Bergtraining absolvieren.


Nun kann man natürlich darüber diskutieren, ob eine solche Genauigkeit überhaupt notwendig ist. Wenn man allerdings diesen Ansatz verfolgt und die Trainingsvorgaben wirklich treffen will, ist das eine sensationelle Sache, wie ich finde. Besser als bei schönen Wetter Einheiten auf dem Hometrainer zu fahren. Kosten tut der Spaß 1.950 AUD, also etwa 1.350 EUR (ohne Zoll, Steuern und Versand).

Kopf der Firma Terrain Dynamics ist der Australier Michael Freiberg, der 2011 Weltmeister im Omnium war. Also ohne Frage jemand der sich mit Radsport auskennt.

Mehr Infos gibt es auf der Homepage Terrain Dynamics, ein Blick lohnt sich.

Samstag, 31. Dezember 2016

Jahresrückblick 2016 - Auf dem Rad und am Schreibtisch

In wenigen Stunden ist 2016 auch Geschichte. Ein weiterer Zettel im unendlichen Abreisskalender des Weltenlaufs, der zu Boden segelt. Anlass genug mich in den Reigen der Jahresrückblicke einzureihen und nach den Höhen und Tiefen zu schauen, sportlich und diesen Blog betreffend.

Seit der blöden Geschichte mit der Leiter im Juni bin ich ja in einer Art Radsportwartezimmer gefangen. Ab und an kann ich einen Blick erhaschen und mir vorstellen wie es denn wäre, aber letztendlich werde ich noch eine Weile hier sitzen und zuschauen müssen.

Dabei war 2016 eigentlich ein ganz gutes Jahr. Im Winter war ich zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder richtig im Kraftraum und habe an meiner Maximalkraft gearbeitet, richtig mit Langhantel und Kniebeugen. Stabi-Training kam auch nicht zu kurz und die Kilometer waren im Plan. So war die Form zu Beginn des Jahres auch besser als jemals zuvor, zumindest relativ zu den Konkurrenten und soweit ich mich erinnern kann. In Polch und Buzy-Darmont konnte ich zwei lange Solo-Fluchten aka Himmelfahrtskommando jeweils erfolgreich abschliessen. Das hat Spaß gemacht!
Später konnte ich auch noch das Pfingstrennen in Homburg-Reiskirchen gewinnen. Ebenfalls mit einer langen Flucht, dort allerdings in einem Duo zusammen mit Jochen Scheibler, einem Masters 3 Fahrer.

Sehr beeindruckt hat mich die Challenge Paris-Roubaix. Was für ein Rennen! Nicht umsonst wird Paris Roubaix als die Königin der Klassiker bezeichnet: Cobbles - The Real Stuff

Weitere Highlights waren der Trois Ballons Radmarathon in den Vogesen, Rad am Ring und der Ausflug zum Mt. Ventoux, beides schon mit Riss im Tibea-Kopf. Das Beste am Ventoux ist ja die Abfahrt hinunter nach Malaucene, was für ein Spass!

Was sagt die Statistik zu all dem? Veloviewer hat eine neue Option für den Jahresrückblick, die Pro-Saison von November bis Oktober. Das ist für mich etwas schmeichelhafter, da komme ich zumindest über 10 Tausend Kilometer:


Und dann bin ich von der Leiter geplumpst. Könnte ich mir heute noch für in den Arsch beißen. Das langwierige daran ist das Ödem, das sich um die Bruchstelle im Knochen gebildet hat, wenn der Knochen belastet wird, komme ich anschliessend kaum noch die Treppe runter. Das Ganze ist auf den MRT Aufnahmen gut zu sehen. Zwischen der ersten Aufnahme im August und einer weiteren im Oktober war zwar eine deutliche Verbesserung ersichtlich, aber erst die nächsten Wochen werden zeigen, ob der Knochen wieder so richtig belastbar ist. Die nächste Frage ist dann, wie ich nach der langen und ganz und gar nicht freiwilligen Off-Saison wieder in Schwung komme. Vielleicht warte ich auch einfach bis der Frühling Einzug hält. Auf ein paar Wochen mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht mehr an. Viel zu kalt da draußen, brrrrr.

Die einzige Veranstaltung die ich bis jetzt für 2017 gebucht habe ist der Dreiländer-Giro in Nauders. Ich bin mal gespannt ob ich tatsächlich hinfahre. Wir werden sehen.

Auch für den Blog gab es einige Hochs, aber auch ein Tief. Die Top 5 Posts, gemessen an den Aufrufen, waren:
  • Mutanten im Ötztal, ein Post über die herausragende Leistung von Bernd Hornetz, dem diesjährigen Sieger des Ötztaler Radmarathons. Dieser Post ist mit weitem Abstand der All-Time Top Eins Artikel.
  • Rad am Ring
  • Jedermann und jeder Mann, ein Post über das schwierige Verhältnis von Lizenz und Jedermann Sport
  • Der Post über die Streng Affäre im BDR: War ja alles nicht so gemeint!
  • In "Ein Abwärtstrend?" habe ich einen Blick auf die rücklaufenden Teilnehmerzahlen bei den Landesverbandsmeisterschaften geworfen.
Das Interesse an dem Ötztal Post hat mich in diesem Ausmaß überrascht. Das die RennRad in der aktuellen Ausgabe im Rahmen der Berichterstattung über den Ötztaler auf Unterlenker.com verweist, hat mich sehr gefreut. Scheinbar war das, was ich geschrieben habe, ganz passabel.

Das mir für den "Jedermann und jeder Mann" Post rechtliche Schritte angedroht wurden war eine sehr unangenehme Erfahrung. Das hat meinen Blutdruck doch für eine Tage ansteigen lassen. Die Lehre daraus ist, wenn es um Personen geht Formulierungen zu finden, die keine Angriffsfläche bieten. Es gibt immer mehrere Möglichkeiten etwas auszudrücken.

Auf den Post "War ja alles nicht so gemeint" wurde in der breiten Diskussion über die Affäre Streng an einigen Stellen in der Radsport-Blogosphäre verwiesen. Insgesamt hat sich gezeigt, dass man der Politik (hier: Verbandspolitik) nicht machtlos ausgeliefert ist, sondern im Rahmen des demokratischen Diskurses seine Meinung klar äußern kann und soll und dies auch nicht ohne Auswirkung ist. Allerdings hat dieses Thema im Hintergrund zu teils anstrengenden Diskussionen mit Lesern geführt. Das ist etwas was ich auch nicht jeden Tag brauche und hat meinen Respekt vor denen, die sich dem #RechtsPopulistenScheiß täglich laut und deutlich entgegenstellen, ungemein erhöht.

Der Post, der die meiste Recherche und Arbeit verlangt hat, war der über dieses seltsame Höhentrainings-Simulationsgerät. Für Hypoxie habe ich eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Artikeln gelesen und konnte aufzeigen, dass die Marketing Versprechen einer sachlichen Prüfung nicht standhalten.

Das absolute Highlight zum Schluss des Jahres war aber der erste Platz in der Kategorie Rennrad in der Wahl zum Top-Fahradblog 2016! An alle die für den Unterlenker abgestimmt haben: Dankeschön! Wie ein ehemaliger Chef von mir immer gesagt hat: "Ihr seit die Best!"

In den Lieblingsblogs, die Coffee & Chainrings jeden Mittwoch zum Bergfest herausbringen, ist der Unterlenker sehr oft vertreten. Darüber freue ich mich jede Woche aufs Neue und habe auch schon viele tolle Blogs und Posts darüber entdeckt. Dafür vielen Dank nach Erkelenz!

Und bevor ich wirklich zum Ende komme auch ein Dankeschön an Cycling Claude, der den Unterlenker oft mit einer Erwähnung auf Deutschlands Vize-Top-Blog unterstützt und mir in der "Jedermann-Affäre" moralisch beigestanden hat. Danke Claude!

Das alles legt die Latte für 2017 natürlich ein Stück höher. Ich habe auch schon einige interessante Blogposts in Vorbereitung, es wird nicht langweilig. Darüber hinaus werde ich in den nächsten Wochen die zweite Edition des Unterlenker-Kits (Edition 1 hier und hier) in Angriff nehmen und vielleicht, vielleicht wird es auch eine richtige Unterlenker Veranstaltung geben. Mir schwebt ein Gentlemen's Race vor. Aber zur Zeit ist es nur eine Idee, ich werde berichten, sofern es etwas zu berichten gibt.

Jetzt bleibt mir nur noch euch allen einen guten Rutsch in 2017 und allzeit Zug auf der Kette zu wünschen. Ride hard - Party hard!


Dienstag, 27. Dezember 2016

Cross is coming to Bieles!

In vier Wochen findet in Luxembourg die UCI Cyclocross Weltmeisterschaft statt. Am 28. und 29. Januar ermitteln die Junioren, die weibliche und männliche U23, die Frauen und die Männer in Esch-Belval die neuen Träger der Regenbogentrikots. Nach 1968 ist dies das zweite Mal, dass die Cross WM im Großherzogtum stattfindet. Damals gewann Eric de Vlaeminck seinen zweiten von sieben (!) Titeln. Bei den Amateuren gewann sein jüngerer Bruder Roger de Vlaeminck.

Wer dieses Jahr gewinnen kann? Keine Ahnung, so genau verfolge ich den Cross-Sport nicht, um Favoriten oder sogar Aussenseiter benennen zu können, aber mit Sicherheit wird es spannend werden. Das Tolle: Ich könnte sogar mit dem Rad hinfahren. 60 Kilometer bis zu einer Cross Weltmeisterschaft hat man ja nicht jedes Jahr.

Das offizielle Programm der WM beginnt bereits Donnerstags mit der Abnahme des Kurses durch die UCI und einem offiziellen Training. Freitags bestätigen die teilnehmenden Nationen ihre Starter, es gibt offizielle Trainingszeiten und Abends wird der Austragungsort der WM 2018 bekanntgegeben. Die Rennen sind dann am Wochenende, Samstags die Junioren, die U23 und Elite Frauen und Sonntags die U23 und Elite Männer.


Der Eintritt kostet im Vorverkauf bis zum 31.12.2016 für den Samstag 26, den Sonntag 33 und zusammen 41 Euro. Im neuen Jahr wird es etwas teurer, Kinder bis 12 Jahre kommen umsonst rein. Zu den Tickets bitte hier entlang.

Die Rennen finden auf dem ehemaligen Hüttengelände in Esch statt. Nach dem Niedergang der Stahlindustrie haben sich die Stadtentwickler an die Arbeit gemacht und Esch zu ein Zentrum im Süden des Landes ausgebaut. Heute finden in Esch Belval Musikkonzerte mit Künstlern von Weltrang statt, es gibt ein Einkaufszentrum und Wohnungen, Teile der Luxemburger Universität finden sich ebenso wie ein großer Finanzdienstleister und Banken mit mehreren tausend Mitarbeitern und die Reste der alten Hochöfen. Bieles (franz.: Belvaux) ist übrigens der Name der Gemeinde auf deren Gemarkung ein Teil des ehemaligen Hüttengeländes Belval liegt. Der andere Teil von Belval gehört zu der Stadt Esch-Alzette. Es gibt im Norden auch noch ein Esch an der Sauer / Esch sur Sûre. Also Obdacht welches Esch man im Navi eingibt, sonst landet man schnell ganz wo anders! Esch an der Sauer ist landschaftlich zwar schöner, aber da findet keine Cross WM statt.


Die Verkehrsanbindung via Autobahn ist prima, Google Maps hilft euch weiter. Wer den Verkehr und potentiellen Stau bei solch einer Veranstaltung vermeiden möchte kann auch, zumindest für die letzten Kilometer, auf den Zug umsteigen. Vom Bahnhof Esch-Belval fällt man fast auf die Rennstrecke. Es bietet sich daher an ab z.B. Bettemburg oder auch Luxembourg Stadt den Zug zu nehmen. Infos zu den Verbindungen finden sich hier.

Übrigens habe ich versucht eine Akkreditieren zu bekommen, um ganz offiziell für Euch von der Cross Weltmeisterschaft berichten zu können. Aber die UCI wollte mich nicht! Pffff, keine Ahnung haben die, aber so was von keine!




Links:
Cross WM auf Wikipedia
Homepage Bieles 2017
Update 28.12.2016: In einer vorherigen Version habe ich Bieles der Stadt Esch-Alzette zugeschlagen.

Montag, 26. Dezember 2016

Gran Canaria

Die Wintersonnenwende liegt zwar schon hinter uns, bis es aber wieder merklich länger hell wird und der Frühling Einzug hält, dauert es noch ein Weile. Da bleibt nur sich auf ein zukünftiges oder über ein zurückliegendes Trainingslager zu freuen. Die Vorfreude auf oder die Erinnerung an strahlenden Sonnenschein und angenehme Temperaturen wärmt das Radfahrer Herz ja auch, zumindest ein bißchen.

In den Herbstferien war ich auf Gran Canaria, zum ersten Mal. Herbsturlaub, nochmal Sonne tanken, mit Kind und Kegel, eine Woche All Inclusive, Pool von Morgens bis Abends und dem ein oder anderen Ausflug. Aber wie das als Radfahrer so ist, ich kam nicht umhin mir ein Rad zu leihen und die Insel zu erkunden. Denn wie Hemingway treffend formulierte:

"It is by riding a bicycle that you learn the contours of a country best, since you have to sweat up the hills and can coast down them…. Thus you remember them as they actually are, while in a motorcar only a high hill impresses you, and you have no such accurate remembrance of country you have driven through as you gain by riding a bicycle."

Gran Canaria lässt sich grob wie folgt beschreiben: Ein dicker Berg in der Mitte, der Pico de las Nieves, rund 2000m hoch, rund herum geht es mehr oder weniger steil hinab bis zum Meer. Im Westen der Insel gibt es einen etwas flacheren Streifen zwischen Berg und Meer. Dort ist dann auch mächtig Verkehr, der Flughafen und alles was es so an Industrie gibt auf der Insel. Das hat auf dem Transfer zum Hotel nicht gerade ideal zum Radfahren ausgesehen. Aber ich mag mich täuschen und die Insider werden vielleicht auch dort gute Wege kennen. Ansonsten geht es hoch. Und zwar lang und gerne auch mal steil und auf teilweise schlechten Straßen. Der Norden ist regenreicher und grüner, der Süden der Insel sonniger und trocken und die Landschaft erinnerte mich teilweise an Tatooine, den Wüstenplant aus Star Wars.

Drei Touren mit zusammen nicht ganz 300 Kilometer sind natürlich zu wenig um ein wirklich fundiertes Statement abgeben zu können. Eines kann ich aber mit Sicherheit sagen: Zum Radfahren auf Gran Canaria sollte mal auf jeden Fall die Kletterer-Beine mitnehmen, wer nur flache Grundlagen Kilometer sammeln möchte fliegt besser woanders hin. Hier geht es hoch und runter, aber so gut wie nie flach.

Von unserem Hotel in der Nähe von Puerto Rico gab es nur zwei Möglichkeiten eine Tour zu beginnen: Entlang der stark befahrenen Küstenstraße Richtung Süden durch die Touristenorte oder Richtung Norden bis nach Puerto de Mogan und dort ab in die Berge, die Variante die ich an allen drei Tagen gewählt habe.

Tour 1: Zum Stausee von Soria

Von Puerto Rico aus geht es auf der Küstenstraße nach Norden. Die GC-500 schlängelt sich entlang der Steilküste unter stetem Auf und Ab mit immer wieder atemberaubenden Ausblicken auf den Atlantik bis nach Puerto Mogan. Auf dem Weg befinden sich auch einige Tunnel, die aber recht kurz sind und sie sich auch ohne Licht ganz gut durchfahren lassen. 

Puerto Mogan.


In Puerto Mogan wendet sich die Straße ins Landesinnere und es geht aufwärts. Kurz nach Mogan kann man der GC-200 weiter folgen bis in den Norden der Insel oder auf die GC-605 abbiegen. Ein sensationelles Stück Straße! Wer nach Gran Canaria fliegt muss hier unbedingt hochfahren. Kaum Verkehr, Ruhe und eine Kurve jagt die nächste, Serpentinen ohne Ende und jederzeit ein spektakulärer Ausblick. Bis zur Abzweigung Richtung Soria geht es 8,5 Kilometer mit durchschnittlich 6% nach oben. (Strava Segment). Von Puerto Mogan aus sind es sogar über 18 Kilometer mit dann 5% Steigung. (Strava Segment) Das ist in der Tat ein anständiger Berg, auf dem Cédric Pineau von FDJ den KOM innehat. Auf Platz vier übrigens Sascha Weber, der aktuelle deutsche Vize-Meister im Cyclocross.


Am Ende des Segmentes bin ich rechts abgebogen. Die Straße ist zwar für Radfahrer gesperrt, wahrscheinlich weil die Abfahrt hinunter nach Soria recht schmal und in wirklich schlechtem Zustand ist, wenn man aber langsam fährt, ist das kein Problem. Unten angekommen, kann man rechts abbiegen zurück hinunter ans Meer oder links bis zu dem Stausee bei Soria fahren. Einen See habe ich nicht zu sehen bekommen, dafür aber einen exzellenten Café Solo getrunken. So gestärkt ging es dann auf guter Straße hinunter nach Arguinequin und an der Küste vorbei zurück nach Puerto Rico.


Tour 2: Um den Roque Nublo

Die nächste Tour war zunächst gleich wie am ersten Tag. Am Meer vorbei nach Puerto Mogan, rechts ab nach Mogan und die GC-605 hoch. Statt nach Soria bin ich der Strasse aber weiter ins Landesinnere gefolgt. Die Steigung lässt nach der Abzweigung etwas nach, da der Belag aber wirklich schlecht ist, fängt es nie wirklich an zu rollen. Vorbei an einigen Stauseen (die aber alle weitgehend trocken waren) geht es hinauf bis auf 1300m nach Ayacata. Von Puerto Mogan bis dorthin sind es 33 Kilometer mit 4% Durchschnittssteigung. (Strava Segment)

In Ayacata gibt es nach der langen Steigung wieder einige Möglichkeiten die Strecke zu wählen. Ich bin weiter nach oben Richtung Roque Nublo. Einem der Wahrzeichen der Insel. Entsprechend viel Verkehr war auch dort oben. Am Parkplatz zum Roque Nublo war sogar richtig Stau.



Dort oben gibt es zahlreiche Ausflugsplätze mit Grill Gelegenheiten, die von zahlreichen Picknicken bevölkert waren. Wenn man die Strecke planen kann, scheint es mir empfehlenswert dort nicht gerade  am Wochenende vorbei zu fahren. Obwohl, abwechslungsreich ist das schon und ein Anblick, den man hierzulande eher selten zu sehen bekommt: Großfamilien die mit Kind und Kegel und hunderten Anderen auf noch nicht mal besonders idyllischen Plätzen an der Straße unter trockenen Pinien stehen, grillen und so ihr Wochenende verbringen.

Danach habe ich mich immer Links gehalten und bin so um den Roque Nublo herum gefahren. Die Abfahrten waren teilweise und unvermittelt so schlecht, das ein Sturz nicht allzu weit entfernt war. Zwei mal ist mir die Trinkflasche aus dem Halter gefallen. Nach all der Schinderei Berg auf hätte ich mich über eine schöne Abfahrt wirklich gefreut, statt dessen war ich nicht viel schneller als vorher Berg auf. Aber dafür war die Aussicht grandios!

Im Hintergrund Teneriffa!


Die Runde war auf jeden Fall länger und bergiger und somit auch anstrengender als es auf der Karte den Anschein hatte und ich war froh, ab Ayacata wieder die bekannte Strecke, diesmal abwärts, einschlagen zu können. Über die GC-605 ging es hinab bis nach Puerto Mogan und nach einer Kaffee Pause zurück zum Hotel. Am Ende hatte ich immerhin 120 km und über 3.000 hm. Der höchste Punkt der Tour war auf rund 1.600 Meter und der Anstieg knapp über 40 Kilometer lang.



Tour 3: Richtung Norden - Raus und Rein

Gleicher Start wie an den beiden vorherigen Tagen, nur bin ich diesmal auf der GC-200 geblieben statt auf die GC-605 abzubiegen. Irgendwie dachte ich ja, dass es dort einiger maßen flach Richtung Norden geht. Aber wie sollte es anders sein, es ging hoch. Zumindest war die Straße ganz anständig und der Verkehr hat sich auch sehr in Grenzen gehalten.

Die Rechnung 30 km in einer Stunde geht in den Bergen, noch dazu wenn man keine Form hat und eigentlich gar kein Rad fahren sollte, leider ganz und gar nicht auf. Als ich so nach 1:45 und erst 35 Kilometern auf der Passhöhe mit Blick auf La Aldea de San Nicolas stand, bin ich dann doch lieber wieder zurückgefahren. Raus - rein ist zwar immer irgendwie blöd, aber was soll's, hilft ja nix. War ja kein Trainingslager!

Über die Qualität der Straßen gab es auf dieser Tour auch mal rein gar nicht zu meckern. Die Abfahrt wieder hinunter bis zur Abzweigung zur GC-605 hat richtig Spaß gemacht. So stelle ich mir das vor!

Blick auf San Nicolas





Noch ein Wort zu Rad und Radverleih. Ich hatte das rote Cannondale Super Six Evo mit mechanischer 11 fach Ultegra bei Free-Motion gebucht, scheinbar DEM Radverleih auf den Kanaren. Für die drei Tage habe ich um die 70 Euro bezahlt. Die Abwicklung und der Service waren ohne Beanstandung und das Rad war tip top in Ordnung, obwohl es schon eine ganze Saison hinter sich hatte. Schlecht waren lediglich die Flaschenhalter, die die 0,75 l Flaschen auf den teils schlechten Straßen nicht halten konnten und die Satteltasche, deren Klettverschluss ausgelutscht war und die ich verloren, aber glücklicherweise auch wieder gefunden habe. Das Cannondale war insgesamt unauffällig und die Ultegra funktionierte zuverlässig. Auf den Passagen mit schlechter Starße erschien mir das Rad aber sehr steif, hart und unkomfortabel. Ich glaube aber dass der größte Anteil daran auf das Konto der Mavic Aksium Laufräder, der Reifen (ein Satz einfacher Conti) und der Alu-Sattelstütze ging. Solange die Straße gut war, habe ich mich aber überraschend wohl gefühlt.


Noch ein paar Bilder mehr gibt's auf Flickr.

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Top Fahrradblogs 2016 - Das Ergebnis

Heute morgen wurden die Ergebnisse der Publikumswahl zum Top-Fahrradblog 2016 bekanntgegeben. 9500 Stimmen habe sich auf insgesamt 215 Blogs verteilt. Gewonnen hat iLoveCycling vor dem von mir sehr geschätzten Claude Walter aka Cycling Claude. Auf Platz fünf und sieben sind mit Coffee & Chainrings und Jule radelt zwei Blogs gelandet, die ich mit dem Liebster Award bedacht habe. Gratulation, liebe Jule, gratulation meine Herren!

Unterlenker.com ist auf einem sensationellen 22. Gesamtrang und auf dem dritten Platz in der Kategorie 'Rennrad, Cyclocross, Fixie' gelandet. Da die beiden ersten Rennradblogs, iLoveCycling und CyclingClaude, aber schon Gesamtwertungspreise abgeräumt haben, fällt mir der erste Platz zu. Ich weiss nicht, ob das so ganz richtig ist, aber gut, Regeln sind Regeln und dem beuge ich mich natürlich und freue mich sehr über diese Auszeichnung!


Vielen Dank an Fahrrad.de für diese tolle Platform, die den Blogs zu mehr Aufmerksamkeit und Stellenwert verhilft. Ich habe eine ganze Reihe Blogs entdeckt, die ich bisher noch nicht kannte und werde meinem Newsreader in den nächsten Tagen mal noch ordentlich Futter geben.

Und ganz besonderen Dank natürlich an Euch, meine Leser, die ihr für mich abgestimmt habt. Ich habe eine ganze Reihe hoffentlich interessanter Posts in Vorbereitung und Ideen zu vielen mehr, es wird nicht langweilig!

Eine Offline Verlinkung!

In der November/Dezember Ausgabe der RennRad ist eine lange und interessante Strecke über den Ötztaler Radmarathon, geschrieben von dem diesjährigen Sieger Bern Hornetz. Unter der Überschrift “Mein Tag” erzählt er wie er den Ötztaler erlebt hat und wie das Rennen gelaufen ist. Zusätzlich nimmt er auch reflektiert zu der Doping Diskussion Stellung und erklärt nachvollziehbar wie seine Leistung zustande gekommen ist.

Unter weitere Informationen wird auf den Bericht über den Ötztaler im Online Angebot der RennRad verwiesen, auf die Homepage des Radmarathons selber und zu meiner grossen Überrauschung auf Unterlenker.com! Wow! Mein Blog wird von der Print-Presse “verlinkt”, in der gedruckten Ausgabe der RennRad! Das ist doch mal was.



Und in der Tat ist der Post über den Ötztaler mit der Eyecatcher Headline “Mutanten im Ötztal” der mit weitem Abstand am meisten aufgerufene Artikel auf Unterlenker. Ich habe dort einen Blick in die Strava Daten von Bernd Hornetz geworfen und mich an einer Analyse versucht. Wohlgemerkt ohne jemals mit Bernd gesprochen oder irgendwelche über die Strava Daten hinausgehende Informationen gehabt zu haben. Seine FTP habe ich damals auf knapp über 5 Watt pro Kilogramm geschätzt. Er selber schreibt, dass er 2016 keinen Leistungstest gefahren ist, sein FTP aber auf 335 Watt geschätzt wird, also auf rund 5,3 Watt/kg.

Was ich damals nicht geschrieben habe: Die Überschrift nimmt auch die Kategorien auf, die Antoine Vayer zur Legitimierung der Leistungen bei der Tour festgelegt hat. Vayer sieht Leistungen über 410 Watt als verdächtig, über 430 als übernatürlich und ab 450 Watt als Mutant an. Diese Werte sind auf ein Fahrergewicht von 70 Kilo standardisiert. Auf 63 Kilo berechnet sind die Grenzen 369, 387 und 405 Watt. Egal was man von Vayer hält, 335 Watt FTP bei 63 Kilo Körpergewicht sind als Wert an sich absolut unverdächtig und mit Talent und hartem Training gut darstellbar.

Links:
Not Normal e-Book von Antoine Vayer (Deutsche Version noch nicht verfügbar)
Vayers Ansatz findet allerdings durchaus heftige Kritik, z.B. im Outside Magazin “An abnormal Obsession with Doping
Cycling Tips: Can performance be used as an indicator of doping?