Sonntag, 3. Dezember 2017

Draft Animals

My job was done, so the rest was just showing off. I sat low on my bike on the descent, flying into corners I'd memorised hours before, scaring the hell out of everyone behind me. At the bottom, our team was down to me, Howes, and Danielson when Andy Schleck rode up to yell at me. 
  "Hey! Easy on the descents, huh?"
  The Schleck brothers managed to slide under the the radar when the dopers confessed. They were barely capable of results in the post-epo era, but they still acted like stars.
  "Go home, Andy," said Howes. Alex had a thing where every time a Schleck bothered him, he'd politely tell him to go home, like a friend had too much to drink at a party and was embarrassing himself.

Ich bin also nicht der einzige, dem von einem der Schlecks zu schnelles Abfahren vorgehalten wurde. Mich hatte es letztes Jahr beim Gran Fondo Schleck erwischt. Scheinen also keine Freunde einer schnellen Abfahrt zu sein, die beiden Luxemburger. :-)

Die zitierte Passage stammt aus Draft Animals - Living the Pro Cycling Dream (once in a while), dem neusten Buch von Phil Gaimon, dessen erstes Buch Pro Cycling on 10$ a Day ich hier auch schon vorgestellt habe. In Draft Animals erzählt Gaimon wie er es schließlich doch in die World Tour schafft und Profi für Garmin Sharp wird, wie er mit dem Sieg bei der Auftaktetappe der Tour of San Luis einen fantastischen Einstand feiert und  gegen Nairo Quintana um den Gesamtsieg kämpft. Am Ende eines soliden ersten Jahres in der World Tour kommt ihm die Fusion von Garmin-Sharp und Cannondale in die Quere und er kann keinen der knappen Plätze für die Saison 2015 ergattern.
Es folgt ein Jahr auf Pro-Continental Level mit Optum, in dem er alles auf eine Karte setzt, seine Firma und Coaching-Business aufgibt und sich 100% auf den Radsport konzentriert. Am Ende erhält er ein weiteres Mal die erhoffte Chance und Jonathan Vaughters gibt ihm einen Einjahresvertrag. Die Saison verläuft nicht wie erwartet. Zu viele Sponsoren-Verpflichtungen und zu wenige Renneinsätze, zu wenige Gelegenheiten sich zu beweisen. Ende 2016 gibt es eine weiter Fusion, diesmal zwischen Cannondale und Drapac, einem australischen Pro-Continental Team. Wieder sind die Plätze knapp und andere Optionen platzen wie Seifenblasen. Gaimon schlägt die Pro-Continental Angebote aus und setzt sich zur Ruhe, oder, treffender gesagt, beendet seine Profikarriere.


Das Buch ist eine fantastische Lektüre. Phil Gaimon hat einen College Abschluss in English und hat das Buch selber geschrieben, ganz ohne Ghost Writer, der ja bei den meisten Radsport-Biografien zum Einsatz kommt. Er plaudert unterhaltsam aus dem Nähkästchen und hält mit seiner eigenen Meinung nicht hinter dem Berg. Gaimon lässt seine Leser lachen und weinen (kein Witz! Auf Seite 319 habe ich 'ne Träne verdrückt). Man bekommt einen ungefilterten Einblick in das Leben eines Berufssportlers, der nicht die grossen Rennen gewinnt, sondern für andere arbeitet. Der einfach den Job macht der ihm zugeteilt wird. Als Kletterer in Paris Roubaix an den Start gehen? Kein Problem. Flache, windige, belgische Etappenrennen? Kein Problem. Jede gute Leistung birgt die Hoffnung in die Auswahl für die großen Rennen zu kommen: Die Tour de Suisse, die Vuelta, die Baskenland Rundfahrt. Aber immer und immer wieder geht geht etwas schief. So ist das Buch auch eine endlose Aneinanderreihung von "was wäre wenn" Situationen. Immer wieder denkt man, ah, so ein Pech, das hätte anders ausgehen können. Keine der Biografien, die ich bisher gelesen habe, zeigt so deutlich wie fragil, von Zufällen abhängig der Erfolg im Profiradsport ist.

Manchmal treibt es Gaimon mit dem Tratsch etwas weit, etwa wenn er die Geschichten über Fabian Cancellara zum Besten gibt, nach denen der Schweitzer zeitweise ein E-Bike gefahren sein soll und sich hinter dem Luigi Pseudonym auf den Fuentes Blutbeuteln verbirgt. Er schreibt:
".. I'm pretty sure that the blood bags code-named 'Luigi' belonged to Cancellara, .." Später im Buch heißt es dann, das Thomas Dekker zugegeben hat Luigi zu sein. Somit ist das erste Statement natürlich wider besseren Wissens erfolgt. Nicht so schön. Ich fand es erstaunlich, dass die Motor-Geschichte so viele Wellen über die Radsport Medien hinaus geschlagen hat, nicht aber die Blutbeutel-Zuschreibung. (BBC, NZZ, CyclingNews, CyclingNews) Unterhaltsam war es aber auf jeden Fall.

Im ersten Teil des Buches schreibt Gaimon über das Leben in der "Post-Dopocalypse". Wie kann man als Fahrer, der seine Einstellung gegen Doping mehr als deutlich äussert und sogar ein "Clean" Tattoo auf dem Arm hat, mit Ex-Dopern befreundet sein? Seine Freundschaft mit Tom Danielson wird ihm oft vorgehalten. Aber wie ich vor kurzen in dem Post über Startverbote für Ex-Doper auch schon festgehalten habe, das Leben ist nicht nur schwarz und weiß. Wenn man als Radsportler im Profizirkus sein Geld verdienen möchte, wird man zwangsläufig mit vielen Menschen zu tun haben, die mehr oder weniger "Dreck am Stecken haben". Von seinem damaligen Coach Matt Koschara bekam Gaimon folgenden Rat:

"The way the sport is right now, if you can't be friends with dopers, you might as well quit," he said. "No WorldTour team will hire a guy with a CLEAN tattoo if they think you hate their managers and half their riders."

Besonders eindrucksvoll sind Einführung und Nachwort, in denen er mit der alten Weisheit aufräumt, nach der man nur hart genug arbeiten muss um seine Träume zu realisieren.

When I was a kid, celebrities and athletes told my generation to never give up on our dreams, promising that if we dug deep and believed in ourselves, we could also achieve great things. It sounds nice, but they left out that for every big winner, there were thousands who put in the same effort, but just weren't good enough. The losers don't get a microphone to tell their story, so you don't realise how much failure is out there and your perspective is skewed.

Eine Karriere im Sport, das macht das Buch mehr als deutlich, ist ein aussichtsloses Unterfangen mit minimalen Erfolgsaussichten. Wenn man die Wahl hat und sich für ein geregeltes Leben entscheidet, muss man kein schlechtes Gewissen haben. Das ist mehr als vernünftig. Warum Gaimon trotzdem dem Traum nachgejagt ist?

I didn't decide to follow a dream - I was kidnapped by it

Das Buch ist bei Pinguin Random House erschienen und hat 320 Seiten. Bei Amazon kostet das Taschenbuch 20,53 Euro, die Kindle Ausgabe 10,76 Euro und das vom Author selber gesprochene Hörbuch als Audio-CD 49,50 Euro. ISBN-13: 978-0143131243

Links:
Verlagsseite
Gaimons Homepage philthethrill.net
Velonews Podcast Gaimon Controversy
Cycling Tips Podcast Motors

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