Montag, 28. April 2014

Am seidenen Faden

Ich drehe meinen Kopf etwas und versuche nach hinten zu schauen und höre nur von meinem Hintermann: "Hier ist das Ende, da kommt keiner mehr." Verdammt, ich hänge am seidenen Faden und versuche irgendwie das Rad vor mir zu halten, aber die Lücke wird langsam größer, Zentimeter für Zentimeter und die Kurbel geht immer schwerer rund. Hochschalten und leichter treten! ... Hilf nicht, also runter schalten, ... verdammt, noch schwerer, keine Kraft mehr, diese verdammte Kurbel will einfach nicht mehr schnell genug kreisen. Meine Muskeln fühlen sich an als ob sie gleich reissen, dabei ist der Drehzahlmesser noch lange nicht am (theoretischen) Anschlag. Der letzte Fahrer überholt mich, dahinter ... leere Straße, kein Grupetto, keine Karawane (natürlich nicht, C-Klasse). Das war's, 400 m haben gefehlt bis zur vorerst rettenden Kuppe. Dabei bin ich mit Absicht als einer der Ersten in den Berg reingefahren um mich bis oben "durchsacken" zu lassen. Aber es waren einfach nicht mehr genügend Fahrer im Feld. Alleine gegen den Wind komme ich die nächste Welle kaum hoch. Schade. In der vorletzten Runde bin ich abgehängt.

Aber immerhin habe ich die Renndistanz im Vergleich zu dem letzen Rennen fast verzehnfacht.

So ändern sich die Zeiten. Vor vierzehn (?) Jahren habe ich die C-Klasse in Überherrn noch von vorne in bester Jens Voigt Manier gewonnen. Gestern wäre ich froh gewesen im Feld anzukommen.

Ist das schlimm? Nein. Eigentlich ist es sogar ganz und gar richtig. Wenn ich mit meinen paar Kilometern und ohne jedwede Rennpraxis einfach so mir nichts dir nichts mitfahren könnte bei den "Buben", die teilweise meine Söhne sein könnten und sich ausser um Schule/Studium und Radfahren um nichts kümmern müssen, würde irgend etwas nicht stimmen. Auch wenn es "nur" das Wanzen Rennen war, schnell radgefahren wird auch in der C-Klasse. Nur die Hälfte der Fahrer die am Start standen sind angekommen.

Gestern habe ich mal etwas Neues probiert. Eigentlich wollte ich ja mit dem Rad nach Überherrn fahren, aber der Wetterbericht hatte Schauer gemeldet und die Logistik wäre etwas komplizierter gewesen. Also habe ich mich zuhause auf der Rolle bereits drei Stunden vor dem Start warmgefahren. Dass das Warmfahren nicht notwendigerweise unmittelbar vor dem Rennen sein muss, darauf hat mich dieser Artikel auf PEZ Cycling gebracht. Einiges finde ich Quatsch (VOR dem Rennen duschen?), aber dass man sich bei einem frühen Start z.B. auch am Abend vorher auf der Rolle warm fahren kann, ist ja mal durchaus interessant.

Sowas ist natürlich recht individuell und mag für den Einen funktionieren, für den Anderen hingegen nicht. Ich fand es überraschend gut und vor allen Dingen war es unmittelbar vor dem Start so ziemlich entspannt. Normalerweise kommt man ja doch spät an, muss einen Parkplatz suchen, das Rad zusammenbauen, die Nummer holen, sich umziehen und warm fahren, wieder zum Auto, Flaschen auffüllen, nicht benötigte Kleidung aus, zum Start rollen und los. Das ganze wird dann schon mal gerne hektisch und man fährt sich zu schnell oder zu kurz warm. Wie auch immer, ich habe mich am Start und in den ersten Runden gut gefühlt. Am Aufwärmen hat's also zumindest mal nicht gelegen.

Hier gehts zum Strava Activity Playback, die Fahrer mit der niedrigen zeitlichen Korrelation zu meinen Werten (grüne Spalte) sind die AB-Fahrer, die Fahrer mit den hohen Werten in der ersten Spalte die Fahrer der C-Klasse. Kann man schön sehen wie die Rennen hintereinander her gefahren sind.

Auf der Homepage des RSC Überherrn sind die Ergebnisse zu finden und auf der Facebook Seite einige Bilder.


1 Kommentar:

  1. Der Artikel in PEZ Cycling zum Thema Aufwärmen vor den Rennen hat schon ein paar (hoffentlich) gute Tipps. Ich hab immer das Problem dass die Beine erst nach ca. einer Stunde richtig warm zu werden. Ein paar Sachen aus dem Artikel werde ich mal probieren. Danke für den link. lg Cody

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