Mittwoch, 26. April 2017

1. Saar Lux Challenge

Seit Anfang der 80er Jahre richtet der Radsport Club Überherrn ein Straßenrennen aus. Dieses Jahr fand das zurecht als Klassiker bezeichnete Rennen bereits zum 34. Mal statt. Als eines der letzten Rennen im Südwesten Deutschlands wird auf einer grossen Runde von über 10 Kilometer gefahren, mit Berg, mit ekligen Wellen, einer fiesen "Bergauf-Zielgerade", oft mit Wind und manchmal, wie 2016, richtig schlechtem "Klassiker-Wetter". Ein richtiger Renntag, bei dem alle Klassen von den fetten Reifen, über die Nachwuchsklassen bis hin zu den KT-Profis am Start stehen. Bis 2005 befand sich Start und Ziel in Überherrn selber. Eine neue Schnellstraße machte vor gut 10 Jahren eine Verlegung des Rennens auf den Saargau nach Itterdorf notwendig. Der genaue Termin orientiert sich dabei an Ostern und dem weißen Sonntag, also dem Tag der Kommunion in Ittersdorf, diese beiden Tage sind tabu, alles andere ok. Der Termin variiert daher von Jahr zu Jahr etwas.

 

Der Luftlinie nur gute 30 Kilometer entferne Vélo Club Schengen veranstaltet ebenfalls seit vielen Jahren ein Radrennen. Das Rundstreckenrennen findet inzwischen auf einer welligen fünf Kilometer Runde statt. Auf den ersten Blick keine besondere Herausforderung, aber die schmalen Straßen, die winkelige Passage über Feldwirtschaftwege, die ansteigende Zielgerade und nicht zuletzt die Windanfälligkeit fordern von den Rennfahrern allerletzten Einsatz. 2016 änderte man das Format und ergänzte das Rundstreckenrennen um ein Zeitfahren, der Fahrer mit der geringsten Gesamtzeit aus beiden Wettbewerben gewinnt. Um Zeit für den Kampf gegen die Uhr der weiblichen und männlichen Nachwuchsklassen und der Frauen zu schaffen, fiel das Elite Rennen weg, Masters und Junioren starten gemeinsam, werden aber getrennt gewertet.

Unglücklicherweise fanden die beiden Rennen in den letzten Jahren mehrmals am gleichen Tag statt. Als ob es nicht schon so zu wenige Rennen in der Region gibt, machen sich zwei der verbleibenden Veranstaltungen gegenseitig Konkurrenz. Für die diesjährigen Austragungen hat man sich auf Initiative des neuen Luxemburger Nationaltrainer für den Nachwuchs, Konstantin Gensow, endlich zusammengesetzt und nicht nur den Termin abgestimmt, sondern gleich den Grundstein einer Doppelveranstaltung gelegt. Das Rennen in Schengen findet jetzt Samstags statt, Überherrn bleibt auf dem Sonntag. Für die Fahrer der U17 und U19 gab es sogar eine Gesamtwertung, die Saar Lux Challenge mit Preisen für die Podiumsplätze.

Das alles ist aber gar nicht so einfach wie man vielleicht annehmen würde. Eine echte, gemeinsame und von beiden Verbänden abgesegnete Generalausschreibung bedarf wohl noch einiger Arbeit. Aber ein grossartiger Anfang ist gemacht und ich bin zuversichtlich, dass die Saar Lux Challenge ein bedeutendes Nachwuchs-Rennen werden wird. In der U17 gewann Jang Leyder vom UC Diekirch die Challenge, in der U19 konnte sich Pirmin Benz von der RSG Offenburg-Fessenbach als Sieger feiern lassen.



Aber es ging nicht nur um den Nachwuchs, die alten Herren durften auch starten. In Schengen sind die Masters zusammen mit den Junioren an den Start gegangen, wurden aber getrennt gewertet. Im Zeitfahren über zwei Runden, also 10 km, habe ich auf den schnellsten Junior knapp über eine Minute verloren und wurde 20., aber immerhin erster der Masters. Alleine meine "überlegene Kurventechnik" hat mich bestimmt 30 Sekunden gekostet. Schnell um Ecken fahren war noch nie meine Spezialität. Der zweite Masters Fahrer, Gary Maher, hatte nur 7 Sekunden Rückstand auf mich, obwohl er nicht mit Zeitfahrrad fuhr. Nicht schlecht.

Das Rundstreckenrennen war dann ein Radrennen aller erster Güte (12 Runden, 60 Kilometer). Von der ersten Runde an folgte eine Attacke der anderen. Die jungen Kerle sind gefahren als ob es kein Morgen gäbe. Zumindest kam es mir so vor. In den Kurven habe ich jedesmal ein paar Meter verloren und musste danach das Loch wieder zufahren. In einer Runde war ich vor einer der 90° Kurven am Hinterrad von Lukas Märkl, nach der Kurve hatte ich 10 Meter. Krass! Trotzdem gelang es mir irgendwie die Spitze zu halten und gegen Ende waren auch die beiden Ausreisser, die zwischenzeitlich mal 45 Sekunden hatten, gestellt und etwa 15 Fahrer gingen in die letzten beiden Runden. Ein Sturz auf gerader Strecke in der vorletzten Runde teilte dann die Gruppe und ich befand mich auf der falschen Seite des Splits. Obwohl wir zu viert alles versuchten, reichte es nicht mehr ganz. Egal, ich war froh mit den Junioren mitgehalten zu haben und konnte sogar die Blumen für den besten Masters Fahrer in der Gesamtwertung aus Zeitfahren und Rennen in Empfang nehmen.


Am nächsten Tag ging es dann mit dem Rad zum Rennen. Der Start ist nur 25 Kilometer entfernt, eigentlich genau richtig um die Beine wieder locker zu fahren. Brrr, aber kalt war es! Ich bin um 7:30 los (HALB ACHT!) um ohne Stress die Nummer abzuholen und um 9:00 am Start zu stehen. Unterwegs fiel die Temperatur auf dem Garmin auf gerade mal 0,1°! Das war wirklich kalt. Und die Beine haben sich gar nicht angefühlt, als ob da noch genug Energie für ein weiteres Radrennen drin wäre. Am Start wurden drei Runden angezeigt, 42 Kilometer, gerade genug für Sonntag morgen 9:00! Unterwegs ging es dann zwar besser als zunächst gedacht, aber am oberen Ende der Fahnenstange fehlen dann doch noch einige Watt. Schnell waren wir eine kleine Spitzengruppe, die aber nicht so richtig laufen wollte, der spätere Sieger und der Zeitplatzierte konnten so nochmal aufschliessen. Es gab verschiedene Ausreißversuche, einmal war ich dabei, dann wieder nicht, es wurde etwas taktisch und im Sprint der Verfolger um Platz vier habe ich, wie sollte es anders sein, wieder fast alle vorbei gelassen und bin Siebter geworden. Der WA hat mich im Ergebnis zwar erst mit über zwei Minuten Rückstand in der nächsten Gruppe auf Platz neun geführt, aber egal, dafür Einspruch einzulegen war es mir nicht wert. Die 10 Euro Preisgeld habe ich dem RSC gespendet, musste ich auch nicht warten und konnte heimfahren.

Insgesamt ein gutes Wochenende mit tollen Rennen. Beide Veranstaltungen waren top organisiert und die Saar Lux Challenge ist eine super Initiative und eine grossartige Gelegenheit für den Nachwuchs, sich in drei Rennen an zwei Tagen zu messen. Da ist in den nächsten Jahren noch einiges zu erwarten.




Bei dem Zeitfahren war teilweise Material vom Feinsten zu bestaunen:




Die Bilder von dem Rennen in Schengen sind von Albert Krier, der mit grossen Einsatz viele Sportereignisse in Luxembourg fotografisch festhält. Mehr Bilder gibt es auf seiner Facebook Seite. Vielen Dank, dass ich die Bilder hier verwenden darf.

Die Bilder des Rennens in Überherrn hat der RSC zur Verfügung gestellt, auch dafür vielen Dank.

Links:
RSC Überherrn Rennen (Ergebnisse, Bilder) 
Meine Strava Aktivitäten: ZeitfahrenRundstreckenrennenStraßenrennen

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