Mittwoch, 18. Juli 2018

Was Erfrischendes für zwischendurch

Der Sommer zeigt sich dieses Jahr ja wirklich von seiner besten Seite. Sonnenschein, weit über 20° und die Wettervorhersage lässt keine Änderung erahnen. Wegen mir kann das ruhig noch eine ganze Weile so weitergehen. Eine kleine visuelle Erfrischung in diesem endlosen Sommer bietet dieser Wahnsinns Film über eine Radtour im ewigen Eis. Brrrrr, und anschliessend schnell wieder raus in die Sonne!

Mittwoch, 11. Juli 2018

Es müssen nicht immer Berge sein.

Mit Bergen ist es wie mit Hotels, je höher die Kategorie desto besser. Im Radsport, etwa bei der Tour de France, gibt es deren fünf. Die einfachsten Berge sind in Kategorie Vier einklassifiziert, die schwersten in Eins oder sogar in "Hors Catégorie". Ein Mehr an Kategorie geht mit längeren und steileren Anstiegen, mehr Schweiß, mehr Leiden und mehr Prestige einher. Die großen Rundfahrten werden meist in den Bergen entschieden und bei einem  Radmarathon stehen Tausende am Start, wenn es nur genug bergauf geht.

David Millar hingegen sagt in dem gerade in den Kinos befindlichen Film Time Trial: 

"Ich fand Berge schon immer beengend. Sie strahlen keine Freiheit oder Leichtigkeit aus. Ich war schon immer ein Meer Mensch und habe die meiste Zeit am Meer gelebt. Wie soll man sich in den Bergen frei fühlen? Sie sind so schwer zu überwinden."

Gut, in dem schwer zu überwinden liegt für viele ja gerade der Reiz und was gibt es besseres als eine Kilometer lange Abfahrt mit perfekt geschwungenen Kurven auf makellosen Straßen, wie man sie nur in den Alpen findet? Auf der anderen Seite sind Berge aber vielleicht tatsächlich überbewertet. Radfahren ist nämlich auch ohne Höhenmeter-Orgien eine ganz wunderbare Sache, vielleicht sogar noch viel wunderbarer.

Letzte Woche war ich in den Niederlande. Urlaub am Meer. Sonne, weite Strände, Wind, salzige Luft. Was war das schön! Und ich muss ganz ehrlich sagen, Zeeland ist eine unterschätzte Rennrad-Urlaub Destination. Alle fahren im Sommer in die Berge. Pässe Pässe Pässe. Ich bin dieses Jahr teilweise unter Normal Null gefahren und es war herrlich! Radwege am Strand, lange Alleen, beeindruckende Brücken, nette Städtchen und eine endlose Auswahl an Radwegen und verkehrsarmen Straßen. Wind? Ja, Wind war auch. Klar, das gehört dazu. Aber genauso wie es Spaß macht Berge wieder runter zu brausen macht es Spass mit Rückenwind Rad zu fahren. Also alles halb so wild. Trotz der flachen Landschaft fand ich alle Touren bemerkenswert abwechslungsreich. Man sieht das Meer, fährt durch lichte Laubwälder, am Horizont tauchen Kirchtürme und Orte auf, es geht über Deiche, vorbei an Poldern und endlosen Feldern. 













Auf der Zeeland Tourist Info Seite gibt es eine eigene Sektion für Rennradtouren in Zeeland. Dort finden sich auch einige Tourenvorschläge mit durchaus sportlichen Distanzen von gut über 100 km. Ich habe meine Touren mit dem Strava Routen Planer und der Heatmap geplant und bin die Linie dann mit dem Garmin 520 abgefahren, was für den Anwendungsfall absolut ausreichend war. 

Das es in den Niederlande eine tolle Rad-Infrastruktur gibt, ist ja nichts Neues. Das selber zu sehen und, im wörtlichen Sinne, zu erfahren, war dann aber doch sehr beeindrucken. In den Niederlande haben sie sogar eigene Kontaktschwellen auf den Radwegen, die die Ampeln auf Grün schalten, wenn man mit dem Rad drüber fährt! Im Vergleich dazu ist die Radinfrastruktur hier in meiner Gegend Lichtjahre zurück. Das eigentliche Problem dahinter sind aber nicht schlechte und fehlende Radwege etc., sondern die in Deutschland fehlende Erkenntnis, dass Radfahrer gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer und Fahrräder für einen weiten Anwendungsbereich die besseren Fortbewegungsmittel sind. Hierzulande ist immer noch das Auto der König und zu viele Autofahrer glauben, dass nur ihnen die Straße gehört. Das ist oftmals gefährlich und die Unfähigkeit oder der Unwille der Politiker etwas daran zu ändern macht mich zunehmend wütend und frustriert.


Eine weitere bemerkenswerte Sache in Zeeland war die Auswahl an Craft-Bieren im Supermarkt. Ganze 20 Regalmeter Bier neben Bier! Zu kaufen in einzelnen Flaschen mit Bewertung und Klassifizierung von jedem einzelnen Bier. Ich schätze es gab gut und gerne zwischen 100 und 200 verschiedene Sorten. Eigentlich habe ich es ja nicht so mit Bier. Hier zu Hause schütte ich die Industrieplörre regelmäßig Monate nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums weg, wenn wir für eine Feier doch mal einen Kasten gekauft haben. In Deutschland ist es ja so eine Sache mit Craft Bieren und dem Reinheitsgebot, was mir als totaler Quatsch erscheint, denn die Biere waren alle sehr gut und nach den Radtouren sehr erfrischend.

In diesem Sinne: Prost und auf nach Holland zum Radfahren!






Links:

Mittwoch, 4. Juli 2018

RPE - Eine unterschätzte Metrik

Leistungsmesser werden am Rennrad immer mehr zum Standard. Und tatsächlich ist der Powermeter ein Meilenstein in der Quantifizierung der Leistung im Radsport. Diese lässt sich präzise messen und eine ganze Reihe von Metriken werden überhaupt erst möglich. Acute Training Load (ATL) und Chronic Training Load (CTL) ermöglichen etwa eine hervorragende Kontrolle der Trainingsbelastung. Als Anhaltspunkt unterwegs und vor allem als Kontrolle nach dem Training wollte ich das nicht mehr missen. Schneller werde ich mit diesem zusätzlichen Wert im Display zwar nicht unbedingt (siehe dazu auch den vorhergehenden Post Keep it Simple), aber es reizt mich vom Standpunkt der Sportwissenschaft und Trainingslehre und als Gadget.

Interessanterweise gibt es immer wieder Studien, die den engen Zusammenhang zwischen dem Belastungsempfinden RPE (Rating of Perceived Exertion) und der tatsächlichen Leistung belegen.  Klar, wenn man sich die Augen vor den Kopf fährt ist man am Anschlag, da braucht es keinen Powermeter, um das fest zu stellen. Fahrer mit langjähriger Erfahrung und gutem Körpergefühl wissen darüber hinaus ganz genau, welche Leistung sie für eine Stunde aufrecht erhalten können und über welchen Punkt sie besser nicht gehen.

Es gibt sogar viele Situationen, in denen die Trainingssteuereung per RPE dem per Leistungszonen vorzuziehen ist. Nach einem harten Tag im Beruf etwa wird man weniger Watt tretet können als ausgeruht am Wochenende. PRE kann das berücksichtigen. Versucht man nach dem Arbeitstag Intervalle stur nach Watt Vorgabe zu fahren, wird man sich eher kaputt machen als den gewünschten Trainingsreiz zu erzielen.

Leistungsmesser sind keineswegs unnötig und ich bin, wenn sie richtig angewendet werden, ein großer Fan dieser Wunderwerke der Elektronik. Bei all der Technik sollten die Grundlagen aber nicht vernachlässigt werden, wozu definitiv das Belastungsempfinden gehört. Ein Training kann nur mit RPE und ohne Leistungsmesser gesteuert werden, umgekehrt hingegen nicht. Beides sind zwei Seiten der gleichen Medaille, der Leistung auf dem Rad, gemessen mit unterschiedlichen Systemen.

Nate Dunn von Data Driven Athlete hat ein sehr gutes Video zu dem Thema veröffentlicht. Die 20 Minuten sind gut investierte Zeit. Nate erklärt die Grundlagen des Belastungsempfindens und die sinnvolle Anwendung im Training mit und ohne Leistungsmesser.



Links:
Data Driven Athlete USING RPE TO GET STRONGER ON THE BIKE
CTS / Train Right: Is Perceived Exertion Accurate or Meaningful to Your Training?
Cycling Performance Tips: RPE

Dienstag, 3. Juli 2018

Keep it simple!

Alle Monate auf's neue findet sich in fast jedem Radsport-Magazin eine Strecke mit Trainingsplänen: Sechs Wochen bis zum Jedermann-Rennen, Training bei Hitze, Polarized Training für Hobbysportler, Nüchterntraining, Intervalle und dazu Crossfit, Gewichtheben, Coretraining, Stretching und und und. Das gleiche findet sich in vielfacher Ausfertigung im Internet. Dazu kommt ein ganzes Heer an Experten und Gurus, die auch noch dem gemütlichsten Hobbysportler eine Leistungsdiagnostik verkaufen und einen ausgeklügelten Trainingsplan mit vielen Zonen und fiesen Drills gleich mit dazu.

Nur, eigentlich ist das alles egal. Vor einigen Wochen habe ich auf einer Trainingsfahrt einen Fahrer getroffen, der an dem ein oder anderen Jedermann Rennen teilnimmt, ansonsten meist RTF's fährt und sich in der Vergangenheit auch mal an Lizenzrennen der Amateurklasse probiert hat. Das ganze durchaus mit dem Anspruch seine beste Leistung abzurufen und sich stetig zu verbessern. Wie wir so nebeneinander fahren kamen wir kurz auf Training und Leistungsdiagnostik zu sprechen und er erzählte, dass er es letztes Jahr wissen wollte und ein richtig fettes Paket von einer der führenden deutschen Trainingsfirmen gekauft hat, mit mehreren Leistungstests und detailliertem Training und was man sonst noch für wahrscheinlich ziemlich viel Geld bekommt. Die Verbesserung blieb leider weit hinter seiner Erwartungen zurück. Der gemessene FTP Wert war auch am Ende des Jahres ungefähr dort, wo er zu Beginn war.

In dem Zusammenhang kam mir nochmal ein Artikel von Steve Magness in den Sinn. Steve Magness ist ein Leichtathletik Trainer aus den USA und dürfte nur wenigen im Radsport bekannt sein. Sein Fachgebiet ist in erster Linie die Ausdauerseite des Laufens auf der Bahn, Cross Country und Marathon. Er hat von Olympioniken, Weltmeisterschaftsteilnehmern und Top 10 Marathonern bis hin zu Nachwuchssportler alle Klassen trainiert. Dazu hält er Vorlesungen und publiziert Bücher. Sehr empfehlenswert ist sein Podcast "Science of Running" und der wöchentliche Newsletter, sofern man sich für Trainingslehre und Coaching interessiert.


In dem Newsletter vom 13. März schreibt er unter der Überschrift "Don't Split Hairs" über einen Freund, der für die Detroit Pistons (Basketball) arbeitet und aufgrund des Rates des Fitness Coaches angefangen hat Gewichte zu heben. Denn, so der Coach, Gewicht-Training hat einen "Nachbrenneffekt" und verbraucht daher mehr Fett als Cardio-Training. Es geht Magness dabei aber nicht darum ob diese Aussage stimmt, sondern dass es überhaupt keine Rolle spielt. 99% der Leute trainieren um gesund zu sein und sich gut zu fühlen, inklusive der "Hobby-Leistungssportler". Nur für die Allerwenigsten, die tatsächlich ihr Haupteinkommen mit dem Sport erzielen und auf einem Weltklasseniveau antreten, gelten andere Regeln.

Für die Mehrheit aber ist das beste Training dass, das einen hart arbeiten lässt und das man konsequent verfolgt. Das ist alles. Just move, and move regularly.

Weiter schreibt er, dass der Stoffwechsel in erster Linie eine Funktion der Kalorien Zufuhr versus des Kalorienverbrauches ist. Der Bewegungsapparat kann durch Laufen genauso gut wie durch Gewichtheben oder Cross-Fit (oder viele andere Aktivitäten) trainiert werden. Das Herzkreislaufsystem wird durch jede Aktivität verbessert, die den Puls nach oben bringt und einen schwitzen lässt.

Das einzige was demnach zählt ist, dass man regelmäßig trainiert, bei einem einmal gefassten Plan bleibt und mehr Tage genießt als dass man es leid ist. Das ist alles. Ganz einfach. Wenn man ein paar grundlegende Dinge berücksichtigt, spielt nichts anderes mehr eine Rolle.

And therein lies the lesson of this rant. For so many things in which there are multiple approaches—for example: fitness, nutrition, and learning style—once you've ticked off a few basics, nothing else matters. Consider diet. The best predictor of success is adherence. Not amount of carbohydrates. Not amount of fat. Not amount of eating after 8 PM. Just whether or not you sticked to your plan.

Das Einhalten eines Planes wird umso einfacher, je mehr Spass man dabei hat. Eine Diät mag noch so gut sein, wenn es nicht schmeckt, wird man sich nicht dauerhaft dran halten. Ein Trainingsplan kann noch so große Verbesserungen versprechen, wenn man sich nicht dran hält (weil die Drills eine Qual sind), hilft er gar nichts. Man sollte nicht ein Training dem anderen wegen eines "Nachbrenneffektes" vorziehen, oder weil die "Kinetische Kette besser ausbalanciert" wird. Man sollte trainieren, was und wie es einem Spass macht, was einen hart arbeiten läßt und was sich gut anfühlt. Für die meisten Leute in den meisten Fällen ist dass das einzige was zählt.

Hier geht es zu dem originalen Artikel in Englisch

Was bedeutet dass nun für Radsportler? Zuerst die Basics:
  • Ausreichend Schlaf
  • Gesunde, ausgewogene Ernährung
  • Etwas Ausgleichssport: Schwimmen, Laufen, Gewichte heben, Stabi oder was auch immer der eigenen Vorliebe entspricht
  • Dehnen
Das Radfahren selber sollte in erster Linie Freude machen. Wer gerne Berge hochfährt soll Berge fahren, wer gerne flach fährt bleibt im Tal. Wie schon Eddy Merckx gesagt hat: "Fahre so viel oder so wenig, so weit oder nicht so weit wie du willst, Hauptsache ist du fährst". Wer dann etwas zielgerichteter trainieren will, legt die kurzen, intensiven Einheiten in die ersten Tage der Woche und die langen, ruhigen Fahrten ans Ende. Es sollte immer genug Regeneration eingeplant werden, lieber mehr als weniger. Nach drei bis vier anstrengenderen Wochen sollte eine ruhige Woche folgen. Alles darüber hinaus ist nur noch marginal. Ob man 30/30 oder 20/40 Intervalle fährt, Over/Under Einheiten, Tempo, Sweet Spot oder ein polarized Training  absolviert, alles egal. Sportwissenschaftlich und trainingsmethodisch ist das Alles reizvoll und hat ohne Frage seine Berechtigung, nur bei der RTF, dem nächsten Jedermann- oder Lizenz-Rennen wird es keinen oder kaum einen Unterschied machen.

Daher, geht raus und fahrt euer Rad wie auch immer ihr gerade Lust habt und nicht wie es der neueste Trainingsplan vorschlägt. Aber immer mit Style! ;-)

Samstag, 30. Juni 2018

95 Regeln - Der Kodex für Radsportjünger

Eines der faszinierenderen Dinge am (Straßen-) Radsport sind die unzähligen Details und Traditionen, die sich über mehr als ein Jahrhundert entwickelt haben und das Erscheinungsbild und die Verhaltensregeln prägen. Ob man sich selbst nun als überzeugten Radsportjünger betrachtet, der die Regeln als die reine Lehre sieht oder ob man das Alles für ausgemachten Quatsch hält ist ein Frage des Selbstverständnisses als Radfahrer. Denn natürlich kann man ganz wunderbar Rad fahren mit Sandalen und Flat-Pedals, mit unrasierten Beinen, mit Kniestrümpfen, mit einem dreckigen Rad, mit einer Satteltasche, mit einem TdF-Replica Trikot oder mit bunten oder sogar weißen Radhosen. In diesem Fall hat man wahrscheinlich aber auch nicht das geringste Verlangen zu der Gruppe der Radsportjünger dazu zugehören und die Regeln dieser versnobten Wannabe Anquetil-Merckx-Hinault's können einem gestohlen bleiben. Diejenigen, denen die Traditionen des Straßenrennsports etwas bedeuten, finden in den 95 Regeln die Niederschrift der Dos and Don't des Radfahrens auf schmalen Reifen.


Nun kann man dem Wortlaut der Regeln sklavisch folgen und sich als spaßfreier Fundamentalist zu erkennen geben oder die Regeln als Leitlinie betrachten, von der man ab und an und mit einem Augenzwinkern auch mal bewusst abweichen kann.

Als ich 2013 zum ersten mal auf die Velominati und die Regeln aufmerksam wurde, war das allermeiste, was diese Amerikaner da aufgeschrieben hatten, für mich schon immer eine Selbstverständlichkeit. In der Tat habe ich den Radsport so gelernt. Schaut euch mal das Bild auf der "Worum es geht" Seite an, entstanden ist es lange bevor es die Velominati überhaupt gab.

  • Regel #14 // Radhosen sollen schwarz sein - check
  • Regel #22 // Radmützen sind fürs Radfahren - check
  • Regel #26 // Mach dein Rad fotogen - check
  • Regel #27 // Hosen und Socken sollten die perfekte Länge haben (nun ja, die Socken sind in der Tat etwas kurz) - trotzdem check
  • Regel #28 // Socken müssen weiß sein - check
  • Regel #36 // Verwende nur richtige Radbrillen - check
  • Regel #45 // Vorbau runter - check
  • Regel #46 // Lenker waagerecht - check
  • Regel #50 // Gesichtsbehaarung ist im Zaum zu halten (damals war das noch einfacher) - check
  • Regel #53 // Halte deine Kleidung sauber und in Schuss - check
  • Regel #60 // Entferne die Staubkappen (auf den Ventilen) - check
  • Regel #65 // Pflege und respektiere deine Maschine - check
  • Regel #73 // Bremszüge sind auf optimale Länge zu kürzen - check
  • Regel #78 // Entferne unnötige Ausrüstung (2. Flaschenhalter ist ab) - check
  • Regel #80 // Sei immer und überall nonchalant - check
  • Regel #90 // Bleibe auf dem großen Blatt - check
Und das sind jetzt nur die Regeln, die man sehen kann. Natürlich ist es eine Selbstverständlichkeit den Ball flach zu halten ("ich bin total außer Form") (#81), vernünftig zu trainieren (#71), die Linie zu halten (#59), das Tempo nicht ruckartig zu verschärfen (#88), nicht das Rad vorzustrecken (no Halfwheeling) (#86), den Müll nicht in die Landschaft zu werfen (#77) und dass man seine Platten selber flicken kann (#83).

Andererseits gibt es auch Regeln, die ich inzwischen als unpraktisch ansehe oder die totaler Quatsch sind. So ist mein Ersatzschlauch nicht mehr immer im Trikot, sondern in einer kleinen Tasche unter dem Sattel (#31). Bei Radmarathons habe ich die Minipunmpe am Rad (#30), im Training fahre ich oft mit Kopfhörern (#62), esse auch was bei Trainingsrunden unter vier Stunden (#91) und fahre bei Regen mit Schutzblechen am Rad. Die N+1 Geschichte (#12) und die ganzen "Harter Hund beisst die Zähne zusammen und das Rad ist wichtiger als die Familie" Punkte (#4, #5, #9, #10, #11, #12) sind offensichtlich nicht ganz ernst zu nehmen, sondern spielen mit dem nicht zu leugnenden Spleen vieler Radfahrer zu immer mehr Fahrrädern und ihrer Glorifizierung der eigenen und fremden Leiden auf dem Rad.

In jedem Fall ist die Lektüre kurzweilig, sorgt für den ein oder anderen Lacher und Gesprächsstoff bei er nächsten Ausfahrt, wenn man sich gegenseitig die Regelverstöße vorhalten kann.

Alle Regeln kann man auf der Homepage der Velominati in Englisch oder seit diesem Jahr auch in Deutsch mit ausführlicher Begründung aller Regeln in dem im Covadonga Verlag erschienen Buch nachlesen. Das Taschenbuch hat gut 300 Seiten und kostet 14,80 Euro, die Kindle Version 9,99 Euro.

Die Original Ausgabe habe ich 2013 (wie die Zeit vergeht) schon mal hier im Blog vorgestellt: Regeln Regeln Regeln.

Das Buch wurde mir vom Covadonga Verlag zur Rezension zur Verfügung gestellt. Dafür vielen Dank.

Links:
Covadonga Verlagsseite zu "Die Regeln"
Velominati Homepage (Nicht zu verwechseln mit der .de Seite gleichen Namens, zu der ich mich hier jeden Kommentars enthalte)

Sonntag, 17. Juni 2018

Rapha Prestige Eifel

Es ist kurz nach sechs am Morgen irgendwo in der Eifel. Ich bin mit dem Rad auf dem Weg von der Jugendherberge zum Start des Rapha Prestige Eifel. Erste Sonnenstrahlen kämpfen sich durch den Nebel und es geht rasant bergab. Ich lasse das Rad laufen. Der vor mir fahrende Transporter bremst und fast setzte ich zum Überholen an, als ich realisiere, dass es um eine Kurve geht und ich zu schnell bin. SCH... VIEL ZU SCHNELL! Gerade so kann ich noch etwas bremsen und da die Straße nass ist, versuche ich mich gar nicht erst an der Rechts-Kurve sondern mache einen Bunny-Hopp über den Randstein, lande auf dem Grünstreifen, springe halb über den Lenker vom Rad ab und komme in der Hecke zum stehen. Puh, das war knapp. Zum Glück kam kein Auto entgegen und ich war auf meinem Cannondale Slate unterwegs, die Scheibenbremsen und die dicken Reifen haben mich gerettet (zusammen mit meinen überragenden Bike-Handling Skilzzz natürlich). Ich weiss nicht, ob ich die Situation mit dem Straßenrad noch gerettet hätte. Fast wäre die Rapha Prestige Eifel für mich vorbei gewesen, bevor es überhaupt los ging. Zumindest war ich danach wach und konnte pünktlich um 6:30 die Startunterlagen für mein Unterlenker Team entgegennehmen.


Seit einigen Jahren veranstalten die diversen Rapha Cycling Club (RCC) Chapter rund um die Welt die sogenanten Prestige Rides. Vorher hießen diese Veranstaltungen auch schon mal Gentlemen oder Continental Race. Wer danach sucht, findet viele schöne Videos von älteren Veranstaltungen. Der Modus hat sich nicht viel verändert. Es geht weniger um schnelle Zeiten, sondern mehr um das gemeinsame Erleben. Gestartet wird als Mannschaft mit vier Fahrer*innen im Abstand von je einer Minute und die allerwichtigste Regel ist, auch als komplette Mannschaft ins Ziel zu kommen. In der Eifel haben 44 Mannschaften einen der begehrten Startplätze bekommen. Gefahren wird auf Rennrädern. Die Strecken beinhalten oftmals Abschnitte, die auf schnellen Reifen noch gerade so fahrbar sind. Das stiftet ein bisschen Anarchie und Chaos und treibt den "Epic-Factor" nach oben. Ganz so pingelig sollte man mit seinem Material also nicht sein, Reifen mit 25 mm oder mehr werden empfohlen. Wir will kann auch mit Gravel oder Cross-Bike fahren. So wie ich mit dem Slate, das war zwar etwas weniger episch, dafür aber super komfortabel und das perfekte Rad für diesen langen Tag. Die Strecke ist nicht ausgeschildert und gefahren wird nur nach einem GPS Track. Auf den 200 km durch die Eifel gab es zwei Verpflegungsstellen, die erste mit dem Rapha Bus war fürstlich ausgestattet, mit Biertischgarnituren, Espresso und allem möglichen zu essen. State of the Art!

Vom Start in der Nähe von Monschau ging es zunächst an den Stauseen der Ruhrtalsperre vorbei. Das war der beste Abschnitt des Tages. Der Nebel hing noch über dem See, die Luft war frisch und das Panorama unglaublich. Auf den Schotterwegen am See vorbei musste man die Augen aber auf dem Weg lassen, das war ein bisschen schade. Ein weiteres frühes Highlight war die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang. Der Anstieg hinauf zu der Nazi-Burg war der steilste Abschnitt des ganzen Strecke und hatte es wirklich in sich. Oben angekommen wurden wir mit einem unglaublichen Panorama belohnt. Weiter ging es hoch und runter durch die Eifel bis wir kurz vor Düren den nördlichsten Punkt erreicht hatten. Der Rückweg führte über weite Strecken über den Vennbahn Radweg. Das war ganz ehrlich der langweiligste Abschnitt. Eisenbahnstrecken sind halt schlechte Radstrecken, kaum Kurven, ständige Kreuzungen und viel zu viele andere Radfahrer! Richtig schön wurde es wieder am Schluss auf der hohen Venn, einem Hochmoor. Die letzten Steigungen erforderten nochmal "All-In".

Nach guten sieben Stunden waren wir zurück am Café Grünental. Hey. Und gar nicht so langsam. Obwohl die Zeit nicht zählt, gab es trotzdem ein Ergebnis. Wir waren auf Platz sechs! Vielleicht ist das aber auch Ausdruck dessen, dass wir es total vermasselt und den Spirit des Rapha Prestige nicht erfasst haben. Keine extra Pausen, keine Fotostops und keine Fritten an der Bude 20 km vor Schluss, wo es soooooo gut gerochen hat. Da gibt es also noch Verbesserungspotenzial. Aber zumindest haben wir andere Fahrer getroffen, den ein oder anderen netten Plausch gehalten und die internationale Atmosphäre genossen.

Im Ziel gab es neben einer Radmütze und einem Verpfelgungsbeutel auch Bier, Wasser und Softdrinks und ein All you can eat Buffet mit Salat, Pizza und Lasagne. Das waren mal gut investierte 25 Euro Startgeld pro Fahrer.

Fazit des Tages: Sehr sehr cool! Die Rapha Prestige Eifel hat wirklich Spass gemacht. Eine prima organisierte Veranstaltung in einer tollen Landschaft und das Wetter hat auch mitgespielt. Wenn alle RCC Veranstaltungen so viel Spass machen, tut es mir umso mehr leid, dass es kein Rapha Clubhaus in der Nähe gibt. Da würde ich mich bestimmt öfter blicken lassen.

Credits: Erwin Sikkens + Rapha / Erwin hat auch die Bilder in dem Facebook Album geschossen. 
Link am Ende des Posts. Danke dass ich hier einige Bilder verwenden darf.


Credits: Erwin Sikkens + Rapha










Team Unterlenker: Jan, Boris, Christian und Tom



Relive 'Rapha Prestige Eifel'


Links:
Rapha Prestige Homepage
Rapha Clubhouse Amsterdam - Prestige Fotoalbum auf Facebook
Erwin Sikkens - Der offizielle Prestige Eifel Fotograf

Samstag, 16. Juni 2018

Time Trial - Ein Rennen gegen die Zeit

David Millar ist eine der umstritteneren Persönlichkeiten im Radsport. Als erster britischer Fahrer trug er die Führungstrikots der drei großen Landesrundfahrten und war über Jahre der Favorit jedes Zeitfahrens, bei dem er antrat. 2003 krönte er seine Karriere mit dem Weltmeistertitel im Zeitfahren vor Taylor Hamilton. Im Jahr darauf folgte der tiefe Fall. Die Dopingermittlungen der Cofidis-Affäre brachten den Betrüger und Lügner zu Tage, der Millar damals war. Ein Doper, der alle Register zog. Es folgte die Aberkennung des Weltmeistertitels und ein zweijährige Sperre. Nach dem tiefen Sturz mit Unmengen an Alkohol folgt ein Comeback als geläuterter Fahrer und engagierter Kämpfer für einen sauberen Sport. Auch nach seiner Rückkehr kann er eine ganze Reihe von großen Erfolgen feiern. Unter anderem wird er 2010 Vizeweltmeister im Zeitfahren, gewinnt in der gleichen Disziplin bei den Commonwealth Games die Goldmedaille und fügt Etappensiege bei Giro (2011), Tour (2012) und der Vuelta (2009) zu seinen Palmarès hinzu.


2014 sollte Millar's große Abschiedstournee als Radprofi werden. Der Schlussakkord unter einer wechselvollen Karriere, ein letztes Hurra. Noch einmal die Klassiker, eine letzte Tour de France. Finlay Pretsell begleitete Millar mit der Kamera und nimmt den Zuschauer mit in dieses letzte Jahr, das ganz anders wird als geplant.

Regisseur Pretsell und Kameramann Martin Radich gelingen dabei außergewöhnliche Bilder. Bei einigen Rennen erlaubten die Veranstalter gar ein eigenes Kameramotorrad für die Filmemacher, dazu kamen Kameras am Rad und ein Mikrophon am Trikot von Millar. Dem Zuschauer wird so ein seltener Einblick in das Peloton gewährt. Man hört die Gespräche der Rennfahrer unter sich, wie Rennen organisiert und Anstieg gefürchtet werden. Manchmal unterscheiden sich das nicht von dem Smal-Talk, der auf jedem x-beliebigen Büroflur geführt wird.

Über Minuten passiert fast nichts. Millar im Rennen, im Training, von vorne, von hinten, Straßen die bergauf und bergab führen. Radrennen sind irgendwann auch nur noch Routine. Die Zeit dehnt sich endlos und Monotonie macht sich breit. Der Ausdruck "Gefangene der Landstraße" bekommt auf einmal ein echte Bedeutung und ist nicht mehr nur eine Floskel.


Millars großes und selbstverständliches Ziel ist ein letztes Mal die Tour de France zu bestreiten. Das Rennen, dass ihn zum Radsport brachte. Ein einziges Mal wollte er in Paris ankommen. Das war immer sein Zeil. Eine Tour de France. Am Ende wurden es zwölf. Doch Millar läuft seiner Form hinterher. Der Körper reagiert nicht mehr wie früher. Ergebnisse bleiben aus. Selbstzweifel wachsen. Als er bei einer Etappe von Tirreno-Adriatico (?) letzter wird, sagt er: "Als Letzter ins Ziel zu kommen ist manchmal genauso wichtig wie zu gewinnen. Ich habe noch Zeit das in den Griff zu bekommen." Eine Szene später unterhalten sich Millar und sein Zimmergenosse Thomas Dekker über das Leben als Rennfahrer und Dekker sagt zu Millar "Dafür hast du keine Zeit mehr."

Mailand San Remo soll die Wende bringen. Es regnet in den ersten Stunden ohne Unterlass und es ist kalt. Millar lässt sich zum Teamwagen zurückfallen, wechselt die Handschuhe und versucht die Regenjacke zu schließen. Mit den dicken Handschuhen und den kalten Fingern will es aber einfach nicht gelingen. Nach mehreren Minuten frustrierter Versuche muss er schliesslich anhalten und sich helfen lassen. Welch ein Drama.

Immer wieder blendet der Film Szenen aus Millars Kariere ein. Rückblicke. Erinnerungen an gute und nicht so gute Tage. Und immer wieder taucht das Doping Thema auf. Man bekommt ein Idee, wie anstrengend und emotional auslaugend es sein muss wieder und wieder über die eigenen Fehler zu sprechen, es immer wieder zu erklären.

Schließlich wird Millar von seinem eigenen Team, bei dem er nicht nur Rennfahrer, sondern auch Teilhaber ist, nicht zur Tour de France nominiert. Der letzte Akt bleibt ihm verwehrt. Es reicht nicht. Millar ist nicht mehr der Fahrer, der er einst war und das erste Mal seit er denken kann fließen Tränen.

Diese intimen Bilder, wenn die Kamera die Selbstzweifel, den ins Leere gerichteten Blick, die aufkeimende Ahnung der Aussichtslosigkeit und schließlich die offene Verzweiflung einfängt, sind die besten, stärksten Momente dieses Filmes.

Time Trial ist ein ganz großartiger Film, der wenig mit Zeitfahren, aber viel mit dem Fahren gegen die noch verbleibende Zeit zu tun hat.



Den deutschen Verlag hat mindjazz pictures übernommen. Die Deutschlandpremiere ist am 4. Juli in Düsseldorf im Cinema Kino. Gastgeber ist Schicke Mütze und mindjazz pictures. David Millar wird anwesend sein und es wird die Möglichkeit einer gemeinsamen Ausfahrt geben. Hier der Facebook Link zu der Veranstaltung.

Offizieller Kinostart ist dann am 5. Juli. Die Liste der Kinos ist hier zu finden. Derzeit arbeitet der Vertrieb daran den Film an mehr Orten zu zeigen, falls euer Kino also noch nicht dabei ist, einfach nochmal checken oder direkt bei dem Kino nachfragen.
Im Saarland wird der Film ab dem 12. Juli in der Camera Zwo laufen. DEM Kino im Saarland für Filme abseits der der Crash-Knall-Kawumm-Hollywood Filme. Dort ist 2015 auch schon der Lance Armstrong Film "Um jeden Preis" gelaufen.

Links:
Deutsche Homepage
Englische Homepage
Kritik im Guardian (lesenswert)
Movie Database
Einige Schnipsel und weitere Videos im Time Trial YouTube Channel

Freitag, 8. Juni 2018

Dirty Kanza 200 und die Suche nach dem Warum

Am vergangenen Wochenende fand die inoffizielle Gravel-Weltmeisterschaft statt, das Hawai des Rennradfahrens auf Schotterstraßen, die Dirty Kanza 200. Rund 320 Kilometer auf amerikanischen Farmstraßen durch die wellige Landschaft des mittleren Westens. Über 1000 Starter haben sich der Herausforderung gestellt. Ted King hat das Rennen mit einer Zeit von 10 Stunden und 44 Minuten gewonnen. Sven Nies hat ein DNF und Jens Voigt kam gerade so unter die ersten 100.

Über 300 Kilometer auf Schotter, Wind, Hitze, ein dutzend Stunden und mehr im Sattel, ein Plattfuß nach dem anderen. Warum macht man so etwas? Wer tut sich das an, noch dazu freiwillig? Mythical State of aka MFS aka Manual for Speed hat sich auf die Suche gemacht und fünf Athleten ausgewählt und durch ein Trainingsprogramm geschleust, vermessen, bewertet und befragt. Dazu Gespräche mit Wissenschaftlern, einer Rabbinerin, Ernährungsexperten, Anthropologen, Traumdeutern und anderen Experten geführt, alles, um das Warum herauszufinden, das WHY. Projekt Y.


Herausgekommen ist eine sehenswerte Dokumentation über 45 Minuten. Sicherlich nicht die übliche Wissenschaftsdoku, aber hey, die gehörige Portion Craziness ist das Markenzeichen von MFS.


Links:
Project Y Homepage (Unbedingt anschauen, dort gibt es soooooo viel zu entdecken und zu lesen, brilliant)

Dienstag, 5. Juni 2018

Rückenwind am Berg

Als ich vor einigen Tagen eine Feierabendrunde gedreht habe, war mir irgendwie nach schnell fahren zumute. Der Anstieg nach St. Barbara in der Nähe von Saarlouis, der auch Teil der Deutschland Tour Etappe im Saarland ist, kam da gerade recht um ein wenig die Muskeln spielen zu lassen. Eines vorab, es geht hier nicht um vermeintliche Strava Großtaten, sondern um die Relativität der Leistung oder besser der Geschwindigkeit auf dem Rad.

St. Barbara also, breite Straße, eine Haarnadelkurve, durchschnittlich rund 7 Prozent steil, 1,4 km lang, der KOM unter 4 Minuten. Vor einigen Wochen bin ich dort gerade mal 11 Sekunden an der Bestzeit vorbei gefahren und dass ohne mich total links zu machen. Das sollte doch besser gehen! Auf der schnellen Feierabendrunde habe ich also mal so richtig reingehalten, der Garmin zeigte durchweg höhere Wattzahlen an und oben war ich ernsthaft ausser Puste. Umso erstaunlicher, dass meine Zeit schlechter war und mir zwei Sekunden verloren gegangenen sind obwohl die Durchschnittsleistung deutliche 20 Watt höher lag. 

Jetzt ist es nichts Neues, dass Rückenwind auch am Berg helfen kann, dass es aber doch so viel ausmacht, war in dieser Deutlichkeit mal interessant zu sehen. Hier zwei Print Screens des Segmentes von MyWindsock (Review). Auf der ersten Fahrt kam der Wind mit 14 - 23 km/h von hinten, bei der zweiten Fahrt mit rund 5 Stundenkilometern von vorne. MyWindsock berechnet einen Vorteil von 10 Sekunden, bzw. einen Nachteil von 4 Sekunden gegenüber einer Fahrt bei Windstille. 



Dass der Wind an einem vergleichsweise kurzen Segment am Berg, noch dazu mit wechselnder Richtung, so viel Unterschied macht, hat mich dann doch erstaunt. Die Strava Leaderboards sind somit (natürlich) nur eingeschränkt eine Rangfolge der stärksten Fahrer. Wie im Radrennen kann man mit Cleverness und dem Ausnutzen der äusseren Umstände die Entscheidung zu seinen Gunsten drehen, und dass finde ich dann doch wieder ganz passend. 

Die Bestzeiten der Profis an den großen Anstiegen in den Alpen und sonst wo, auch das wird hier deutlich, sind nicht unbedingt miteinander zu vergleichen und Straßen-Radsport hängt nicht von Bestzeiten, sondern von Renngeschick, Streckenkenntnis, den Umständen und der Tagesform ab. 


Links:
My Windsock Homepage

Mittwoch, 30. Mai 2018

Idiotische Verkehrsplanung

Hier auf dem Land findet man Radschutzstreifen in der Regel auf den viel zu breit angelegten Hauptstrassen der Dörfer. Das Ziel wird dabei immer gewesen sein, die Straßen optisch etwas enger erscheinen zu lassen um die Autofahrer zum Einhalten der Geschwindigkeitsbegrenzung zu bewegen. Radfahrer dürften in den Überlegungen hingegen keine Rolle gespielt haben. Über den Sinn und Unsinn der Schutzstreifen will ich gar nicht erst schreiben, ich halte das nämlich für ausgemachten Quatsch.

Ein Blick in die StVO verrät allerdings, dass man auf diesen Streifen als Fahrzeugführer nicht parken darf. Das ist ja zumindest etwas. (Anlage 3 (zu § 42 Absatz 2) Richtzeichen, Abschnitt 8, Nummer 22, Markierungen). 

In Rappweiler, einem kleinen Ort im nördlichen Saarland zwischen Losheim am See und Weiskirchen, fand man es offensichtlich eine gute Idee den Schutzstreifen mit massiven Verkehrsinseln zu unterbrechen. Radfahrer werden hier in einen Engpass mit Autos hineingezwungen, die Unterschreitung des Sicherheitsabstandes provoziert und die sowieso fragwürdige Schutzwirkung des Radstreifens wird komplett ab absurdum geführt. Anschließend geht der Streifen weiter. 

Deutlicher kann man nicht ausdrücken, dass einem die Radfahrer total egal sind und am Ar... vorbeigehen. Ein ganz lautes Buh an den, der sich das ausgedacht hat!